Lana hat geschrieben: So 6. Sep 2026, 17:25
gaby37 hat geschrieben: So 6. Sep 2026, 12:37...
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Das sehe ich doch sehr anders. Dazu unten mehr.
@Gaby, Du bekommst hier keine Antworten, weil sich niemand traut, den

zu schreiben.
Ich kann ja mal spaßeshalber schreiben, was meine "Nachbarn" so gesagt haben. Nachbarn im Sinne von: Menschen in meinem Umfeld, seien es Freunde, Verwandte, Bekannte oder Mitglieder meiner Gemeinde.
+++Disclaimer+++ Bevor hier Hutschnüre oder Kragen platzen:
das da unten in kursiv ist nicht meine Meinung, ich kann aber auch nichts dafür, wenn Menschen um mich herum so reden. Und darum soll es ja hier gehen. Also: nicht meine Meinung bittedankenichtgleichhauen +++
+++Disclaimer+++ Außerdem ist das unten Geschriebene vor dem Hintergrund weiß-cis-westlicher Perspektive zu verstehen. Andere Gesellschaften haben andere Regeln und Bilder+++
Und da ist zum einen und ganz zentral das Bild/Image "Frau" in der Gesellschaft.
Eine Frau ist, egal in welcher Situation, immer weniger Wert als ein Mann. Sie ist schwächer, weniger intelligent, weniger durchsetzungsfähig, emotional labil, im sexuellen Kontext passiv, unterwürfig, aber auch unrein. Eine dazu passende Formulierungen ist "die unbefleckte Empfängnis". Jungfräulichkeit, also die Abwesenheit von "fremdem Samen", bedeutet Reinheit. Und das ist nur eine kleine Auswahl an Attributen, die mit "Frau" in Verbindungen stehen.
Dem gegenüber steht der Mann, im Bild das genaue Gegenteil: stark, autonom, handelnd, etc.
Warum also sollte ein Mann, dem alles Gute und Positive zugeschrieben wird, auf einmal auf die passive, unmündige und unreine Seite wechseln wollen?
Doch eigentlich nur, weil er pervers ist. Der homosexuelle Mann ist bildlich ja das Pendant zur Frau: schwach, schmutzig. Ein schwuler Mann macht im sexuellen Kontext das, was eine Frau macht: "sich f*** lassen", einen Penis in den Mund nehmen... alles unsauber, verrucht und immer in Verbindung gebracht mit der sexuell promiskuitiven Frau, meist bezahlte oder unbezahlte Sexarbeiterin (entweder die professionelle Prostituierte oder eben die "Dorfmatratze").
Mithin ein Grund, warum es nach wie vor konzeptionell in vielen Köpfen keinen Sinn ergibt, wenn Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, wenn Männer vergewaltigt werden. Warum das nach wie vor ein riesiges Tabuthema ist und in gewalt- und hierarchie-affinen Kontexten als Machtinstrument eingesetzt wird (z.B. Schule, Militär, Gefängnis).
Eine anständige, "saubere" Frau hat also i) so wenig Sexualpartner wie möglich (ideal nur den ersten Mann), ii) macht nie irgendwas sexuell versautes (alles jenseits der Missionarsstellung ist tabu) und bleibt iii) in dieser submissiven Position zufrieden und arbeitsam.
Warum sonst ist es seit jeher auch verheirateten Männern erlaubt, in Bordelle zu gehen, Frauen aber nicht? Weil Männer eigentlich sehr viel von dem versauten, anrüchigen wollen -
aber die eigene Frau bleibt gefälligst die unschuldige, saubere Mutter meiner Kinder!
Also nochmal: warum sollte sich ein weißer cis-Mann, dem alle Freiheiten der Welt gegeben sind, der sich in dieser Welt so frei und ungehemmt bewegen kann wie niemand sonst, dazu entscheiden, eine Frau sein zu wollen?
Wir reden hier über internalisierte Perspektiven, die vielleicht gar nicht so konkret benannt werden (können). Frauen lernen von klein auf, sauber zu bleiben. Nicht durch den Matsch kriechen, keine Löcher in der Strumpfhose (die ja schon viel leichter kaputt geht und auch viel teurer ist, als eine typische Jungs-Kordhose, auf der jeder Flicken ein kleines Ehrenabzeichen ist), die Haare schön kämmen, uswusf. Was war meine Schwester damals stolz auf ihre ersten Lackschuhe! Schwarz, glänzend, teuer... und sau empflindlich gegenüber allem, was hieß: kein rumtoben, kein Fahrradfahren, kein Durch-den-Wald-stromern, kein Pfützenhüpfen... furchtbar lange hat sie die nicht getragen, war dann doch eher bei Pfadfinders Zelten und Hajken - aber ihre Freundinnen, die blieben eher bei den schönsaubergepflegten Schühchen.
Umgekehrtes gilt für den Mann/Jungen.
Das steckt tief in den Köpfen und Herzen der Menschen, weil uns diese Konzepte von Kleinauf umgeben und wir sie quasi mit der Muttermilch aufsaugen. Obwohl sie natürlich grotesk alberne Zuschreibungen ohne wirkliche Grundlage sind. Also rein biologisch gibt es für die oben genannten Konzepte keinerlei Basis.
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So, kommen wir mal zu den Nachbarn bei meinem Coming-Out als trans Frau:
- ich kenne die wirkliche Lebenswelt der Frauen nicht, idealisiere das "leichte" Leben der Frau - erwarte jetzt z.B. galante Männer, die mir die Türen aufhalten und den Einkauf tragen
- ich lebe jetzt meine sexuelle Freizügigkeit, wie sie Frauen unterstellt wird, voll aus
- weil ich Frausein nur klischeehaft eingeschränkt betrachte, mutiere ich zu einem Luxusweibchen mit Abo im Spa, bei der Maniküre und Kosmetik
- weil ich Frauen als sexualisierte Objekte wahrnehme, bewege ich mich zukünftig nur noch wie eine Klischee-Sexarbeiterin (Bild: Julia Roberts als Pretty Woman) durch den öffentlichen Raum
- weil ich Frauen als sexualisierte und sexualisierende Objekte wahrnehme, geile ich mich in Umkleiden und anderen Intimbereichen auf
- weil ich so tue und handle, werden meine Kinder in ihren sozialen Umfeldern (Schule, Sportverein) gemobbt, ausgegrenzt und zerstört.
- meine Frau muss mit all dem klarkommen (ich hänge in Clubs ab und ficke mich durch das Nachtleben unserer Kleinstadt, renne rum wie eine Sexarbeiter:in, bin aber nach wie vor nicht im Haushalt und für die Kinder da)
- speziell auf den LGBTQIA*-Kontext gemünzt auch die Befürchtung, dass ich jetzt hysterisch-politisch überall Regenbogen anklebe, alle wegen misgendering anschreie und zu einer allgemeinen sozialen Pest werde, die Menschen schneller verklagt als sie bis drei zählen können, weil sie nicht "die Toasterin" gesagt haben (Dieter Nuhr lässt grüßen

)
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Ja, das habe ich so zu hören bekommen. Nicht alles von allen, aber alles wurde so unterstellt.
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Und jetzt noch eine Replik auf Lana und warum ich ihren Standpunkt nicht teile: Menschen sind als soziale Wesen auf die Gruppe und den Kontakt zu anderen angewiesen. Hier im Forum tummeln sich viele Menschen (nicht alle, wer sich nicht angesprochen fühlt: tadaa, Du bist nicht gemeint und brauchst Dich also auch nicht aufregen) rum, deren soziale Antennen etwas anders gepolt sind (z.B. Autismusspektrum, AD(H)S-Spektrum), das ist aber kein typischer Durchschnitt. Je nachdem wie eng ich also in diesen sozialen Kontext verwoben bin - Kirchengemeinde, Schule, Vereine, Dorfgemeinschaft, kann eine Unterstellung wie das oben ein Leben schon drastisch verändern oder sogar zerstören.
Es ist also durchaus relevant, was die Nachbarn meinen, sagen oder meinen, sagen zu müssen. Rufschädigung aufgrund von Gerüchten ist quasi nicht zu ahnden und extrem schwer überhaupt nachzuverfolgen, hat aber trotzdem massiven Konsequenzen für den Menschen und seine Angehörigen. Und je intensiver die Einbindung in die Gruppe, desto krasser und schwerwiegender wird das.
Und ich finde es fatal, das so lapidar mit "ist doch eigentlich egal, was die meinen" abzutun.
Ich denke/vermute, wir sind uns darin einig, dass das beschissen ist und unfair und eigentlich anders sein sollte. Denn eigentlich solltest Du mit deinem Wort ja recht haben. Eigentlich sollte schon gar niemand irgendwas über jemand anders meinen oder denken oder sagen (außer vielleicht Nettes und Positives). Die Welt ist aber zumindest aktuell noch nicht so und wird das auch so schnell nicht werden. Wir können mit daran arbeiten, dass sich was ändert. Mehr aber auch nicht.
Meine Nachbarn waren übrigens sehr schnell enttäuscht und auch irgendwie beruhigt, weil ich nichts von dem, was da gesagt wurde gemacht habe. Da haben sie schnell gemerkt, dass ihnen ihre Phantasie mit ihnen durchgegangen ist. Bin halt keine Skandalnudel.
