Austausch mit Partnerinnen
Austausch mit Partnerinnen - # 2

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Vesta
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Re: Austausch mit Partnerinnen

Post 16 im Thema

Beitrag von Vesta »

Hallo Tinka,

voran, ich bin selbst Transgender, nicht Partnerin.

Den Beitrag von Frieda fand ich auch recht herb.
Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Dennoch fühle ich mich auch hintergangen,
Weißt du, wie es bei mir war:
Bevor ich in einer festen Beziehung war, hatte ich durchaus den Wunsch, mal eine Frau zu sein. Ich habe es abgetan als Kompensation dafür, dass ich noch keine Freundin hatte.
Und tatsächlich, als ich dann verliebt war und geheiratet habe, waren diese Wünsche wie weggeblasen. Ich sah keinen Grund, über meine Träumereien zu reden und betrachtete das als erledigt.
Ein paar Jahre später kamen die Wünsche nach dem Frausein mit Gewalt zurück, heftiger als je zuvor.

Nach diesen Erfahrungen würde ich sagen: Dein Mann hat nicht nur dich hintergangen. Er hat ebenso sich selbst hintergangen. Und vermutlich, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.
Man meint, seiner eigenen Psyche nahe zu sein, doch entzieht sich gerade die dem eigenen Verständnis.
Daher würde ich deinem Mann da nicht pauschal Vorwürfe machen.
Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 aber jetzt wo es mich selbst betrifft merke ich, dass ich an meine Grenze komme.
Das Mittel, um diese Grenze zu verschieben oder sich zu überwinden, ist Zeit.
Und da meine ich eher Jahre als Monate.
Du musst diese Zeit bekommen, um das zu verarbeiten.
Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Und es turnt mich auch noch total ab.
Und das ist auch völlig in Ordnung.
Niemand kann dich zwingen, etwas sexuell zu lieben, auf das du nicht stehst.

Es geht auch gar nicht darum, dass du die Weiblichkeit deines Mannes jederzeit akzeptierst.
Ihr seid zwei unterschiedliche Menschen, zwar eng miteinander verwoben, aber dennoch unterschiedliche Persönlichkeiten.
Ihr müsst keineswegs alles miteinander machen.

Es geht nicht darum, dass du das Crossdressing deines Mannes vollständig akzeptierst.
Ihr müsst einen modus viviendi finden, der euch beiden die notwendigen Freiheiten gibt, bei dem ihr aber weiterhin genug Gemeinsamkeiten habt.
Wenn du nicht z. B. mit deinem Mann zusammen in der Öffentlichkeit sein willst, wenn dieser in Frauenkleidung auftritt, dann ist das erst einmal in Ordnung. Da sind Kompromisse möglich. Z. B. darf er einen Tag die Woche oder jedes zweite Wochenende als Frau ausgehen, und du musst dann halt was anderes machen. Natürlich belastet das die Ehe, aber es kann dennoch ein guter Kompromiss sein. Ihr werdet weiterhin genug Zeit zu zweit haben.
Solltest du ihn allerdings überhaupt nicht in Frauenkleidung sehen wollen, dann wird es das Zusammenleben zu kompliziert machen. Das wird nicht funktionieren.
Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Erschwerend ist,dass ich ja mit kaum jemanden darüber sprechen kann/ darf da er dies nicht möchte.
Da darfst nicht alles alleine in dich hineinfressen. Du brauchst jemanden zum Reden. Hast du jemandem mit dem du darüber reden kannst, dem du vertraust und wo du dir sicher bist, dass dieses Geheimnis nicht weitererzählt wird, z. B. deine beste Freundin oder deine Mutter? Dann musst du drauf bestehen, mit dieser Person darüber zu reden und dein Mann muss das akzeptieren. Nicht du bist diejenige, die ein Geheimnis draus machen will.

Ich wünsche dir jedenfalls, dass du mit der Situation besser klar kommst.
Michi
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Re: Austausch mit Partnerinnen

Post 17 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Tinka,

ich habe ein paar Punkte aus deinem letzten Beitrag, zu denen ich dir meine Gedanken mitteilen möchte.

Zwei Fragen, die ich noch vorab habe:
1. Weißt du bereits seit 2 Jahren von dem Thema deines Partners oder wie lange? Man kann deinen ersten Post auch so verstehen, dass er sich erst so kurz damit beschäftigt.
2. Vielleicht kannst du noch mal etwas konkreter erklären, was du dir davon versprichst, dass du hier im Forum schreibst?

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 ich finde es ebenfalls sehr traurig und bedenklich,dass er sich mir nicht früher anvertraut hat. Natürlich stelle ich in Frage was das mit mir zu tun hat.
Es ist die früher sehr viel stärkere, auch heute noch bestehende und wieder erstarkende Ablehnung durch die Gesellschaft, von der man sich als betroffene Person erst einmal befreien muss. Und ob du willst oder nicht, bist auch du von dieser ablehnenden Gesellschaft geprängt, ein Teil davon wie auch von dieser abhängig. Und damit bist du für deinen Partner auch schwer einzuschätzen, was ihn verständlicherweise vorsichtig gemacht hat und ängstlich, weil er dich nicht verlieren will. Du bist sein Anker in der ablehnenden Gesellschaft.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 eine neue Persönlichkeit zu entwickeln und in eine Frauenrolle zu schlüpfen. Ich finde es verändert sich dadurch viel an dem Menschen, den ich gedacht habe zu kennen.
Ich würde nicht sagen, dass sich eine neue Persönlichkeit entwickelt, sondern dass wir uns von den männlichen Klischees und Stereotypen befreien, dir wir über Jahrzehnte benutzt haben, um uns zu verstecken und bloß nichts zu verraten, dass wir irgendwie anders sind, als die Gesellschaft von uns erwartet. Das ist ein ganz normaler, urzeitlicher Schutzmechanismus, dass wir nicht von der Gemeinschaft ausgestoßen werden wollen, weil das früher den sicheren Tod bedeutet hat.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Ich arbeite selbst in beratender Tätigkeit mit Menschen und ermutige stets dazu offen zu sein und auf die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu hören. Ich hatte bisher gar kein Problem mit queeren Menschen und ermutige jeden sich frei zu fühlen und sich zu entfalten aber jetzt wo es mich selbst betrifft merke ich, dass ich an meine Grenze komme.
Damit solltest du eigentlich die allerbesten Voraussetzungen haben, und deine Berührungsängste gut abgebaut sein.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 ich verzweifle selbst darüber, dass ich anscheinend bei weitem nicht so tolerant und openminded bin wie ich es gerne wäre und bisher angenommen habe. Ich schäme mich unsagbar für meine Gedanken, für meine Borniertheit und traue mich kaum zu sagen, dass ich ein Problem mit dem Crossdressing bei meinem Mann habe.
Ja, das kann ich nachvollziehen. Wie ich immer wieder sage (auch zu mir selbst), zeigt sich wahre Toleranz und die daraus folgende Akzeptanz erst dann, wenn wir selbst davon betroffen sind.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Mein Mann hat sich jahrzehntelang selbst nicht an das Thema rangetraut und scheut die Auseinandersetzung aus nachvollziehbarem Scham. Ich bin jetzt aber aufgefordert mich ohne viel Vorlaufzeit damit auseinanderzusetzen.
Das liegt auf der Hand. Er hat die ganze Zeit versucht, dagegen anzukämpfen und gehofft, dass es schon irgendwann weggehen wird. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, und auch viele andere berichten das immer wieder.

Und bei dir ist es wohl so, dass du immer unterbewusst darauf vertraut hast, dass es dich schon nicht betreffen wird. Ich erkläre das mal am Beispiel meiner Schwester. Als ihre Jungs noch ganz klein waren, erzählte sie öfter, dass sie sehr tolerant wäre und es ihr egal wäre, wenn einer von ihnen schwul wäre. Als dann der eine schon weit in der Pubertät war, klagte sie immer wieder, dass er noch immer keine Freundin angebracht hätte und doch hoffentlich nicht schwul werden würde.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Das Verhalten meines Mannes und etliche Berichte lassen darauf schließen, dass CD einen immer größeren Anteil im Leben einnimmt, wenn man es erstmal im Leben akzeptiert hat und es zulässt. Oft will es dann auch in die Öffentlichkeit getragen werden. Mein Mann hat daran für später auch Interesse geäußert. Ich kann mir das aber nicht vorstellen.
Ist das nicht verständlich? Da hat man sich selbst jahrzehntelang unterdrückt, und nachdem man es endlich aussprechen konnte, soll alles wieder wie bisher versteckt werden. So nach dem Motto: "Wir haben ja nun drüber geredet. Da muss es jetzt auch mal gut sein!" Durch deine Tätigkeit weißt du doch selber, dass das nicht so ist und auch nicht geht.

Er wird jetzt .. so wie wir anderen auch .. erforschen wollen, was er braucht, damit es ihm gut geht. Das kann alles sein, vom gelegentlichen privaten Dressen über die unauffällige/unsichtbare Integration einzelner Stücke in seine Alltagskleidung, Ausflüge als Frau oder Treffen mit anderen und am anderen Ende des Spektrums eine teilweise oder vollständige Transition.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Ich möchte niemanden abwerten aber für mich ist es unstimmig und eher lächerlich meinen Mann in Frauenkleidung zu sehen. Es gehört für mich nicht zusammen.
Ja, du möchtest es nicht. Dennoch tust du es, weil du auf Basis deiner erlernten Werte und Maßstäbe urteilst. Ich kann dir verraten, dass wir als Betroffene am Anfang genau solche Probleme haben, die Frau in uns zu sehen, die wir in uns spüren und nach außen zeigen möchten. Das liegt vor allem an unserer Sozialisation und unseren zumeist ungünstigen körperlichen Voraussetzungen. Dazu kommt, dass wir keine Freundinnen und Mütter hatten, die euch über Jahre geholfen haben, euren Stil zu finden.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Es macht mich unendlich traurig,dass ich ihn nicht besser unterstützen kann,für ihn da bin und ihn in seine Belangen stärken kann.
Ich lese generell sehr viel Trauer in deinen Worten. Meine liebe Frieda ist ausgebildete Trauerbegleiterin und könnte sicherlich auf Anhieb sagen, in welcher Phase der Trauer du dich gerade befindest.

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Erschwerend ist,dass ich ja mit kaum jemanden darüber sprechen kann/ darf da er dies nicht möchte.
Das verstehe ich. Selbstverständlich finde ich es falsch, sollte er dir ein generelles Redeverbot erteilt haben. Andererseits muss dir klar sein, dass es zu einem ungewollten Zwangsouting kommt, wenn du mit Menschen aus eurem Umfeld darüber sprichst. Daher ist es gut, neben Menschen mit Schweigepflicht (Ärzte und Psychologen) Kontakte zu Betroffen und deren Angehörigen zu suchen. Ich erinnere mich in der jüngeren Vergangenheit an die Partnerin einer trans* Frau, die auch sehr sehr unsicher war, als ich sie zum ersten Mal getroffen habe. Sie hatte aber den Mut aufgebracht, mit ihrem Partner zu unserer Gruppe in Leipzig zu kommen. Das und die Gespräche in der Folgezeit haben ihr sehr geholfen.


Ich freue mich auf deine Antwort (has-o)
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Michi
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Re: Austausch mit Partnerinnen

Post 18 im Thema

Beitrag von Michi »

Vesta hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 22:31 Den Beitrag von Frieda fand ich auch recht herb.
Deine Meinung steht dir frei, tut aber genau so wenig zur Sache wie der Umstand, dass du diese Ansicht mit anderen teilst, die im Forum auch nicht gerade mit einfühlsamen Worten auffallen.

Es geht hier um Tinka! Sie sucht Hilfe und es ist nicht hilfreich, in Jammern einzustimmen und nur Streicheleinheiten zu verteilen, die dieses Jammern weiter fördern. Frieda ist ausgebildete Trauerbegleiterin und weiß durch ihre Ausbildung und den Umgang mit ihren KlientInnen nur zu gut, wie wichtig das Aufzeigen von anderen Sichtweisen ist. Nur so ist eine Weiterentwicklung und das Verlassen von festgefahrenen Gedankenschleifen möglich.

Und ja, Tinka trauert gerade um den Verlust ihres "Mannes".
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Re: Austausch mit Partnerinnen

Post 19 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Tinka hat geschrieben: Mi 10. Jun 2026, 13:11 Erschwerend ist,dass ich ja mit kaum jemanden darüber sprechen kann/ darf da er dies nicht möchte.
Hallo Tinka,

ich sehe, ähnlich wie Olga, viele Parallelen zu meiner Geschichte. Auch vor allem deshalb, weil meine Ex-Frau auch beruflich viel mit gender-nonkonforming Jugendlichen zu tun hat und hier immer sehr offen, affirmativ war. Und genau wie du es für dich beschreibst, endete diese Offenheit ziemlich abrupt, als sie selbst betroffen war, weil ich mich als trans geoutet habe.

Und die Vorwürfe des Verrats und der Lüge sind mir auch nicht unbekannt. Ich finde, Vesta hat es ganz gut getroffen: in erster Linie hat er sich selbst belogen. Und wie soll er dir gegenüber "ehrlich" sein, wenn er es sich selbst gegenüber nicht mal sein kann? Meine Vermutung ist, zumindest war es bei mir so, das er dich nie anlügen oder hintergehen wollte.

Zu dem Zitat oben: ich kann deine Not absolut verstehen. Gleichzeitig kann ich dir sagen, das es für mich der mit Abstand größte Vertrauensbruch war, als meine Ex sich ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung mit ihren Freundinnen über mich und mein Outing unterhalten hat. Vor allem, weil genau das eintritt, was Michi schrieb: das ungewollte und vor allem unkontrollierte Outing durch eine andere Person. Auf einmal wussten Leute von meiner Situation, und ich wusste nicht, das die das wissen. Dabei hatte ich ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, das ein coming out für mich eh nur dann im Raum steht, wenn ich mir sicher bin, das ich diesen Weg überhaupt gehen möchte. Das war mir nämlich am Anfang noch gar nicht selbstverständlich.

Vielleicht könnt ihr euch auf eine Person einigen, der ihr beide vertraut und wo dein Mann bei der Offenbarung dabei sein kann oder es sogar selbst formuliert?

Ich wünsche Dir, euch, das ihr einen Weg findet, miteinander weiter zu leben. Einfach wird es nicht, machbar wahrscheinlich, intensiv mit Sicherheit.
Sapphic | Trans* | Femme
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