Geschlecht frei wählbar?
Geschlecht frei wählbar? - # 3

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Jasmine
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 31 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Elizabeth hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 17:23 ..............
Ich plädiere daher erst mal für den kleineren Schritt: Anpassung statt Abschaffung des TSG.
................
Warum nicht gleiche Rechte für alle? TSG abschaffen und zwar sofort. Das ist nur meine Meinung am Rande.
Liebe Grüße Jasmine
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Elizabeth
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 32 im Thema

Beitrag von Elizabeth »

Weil aufgrund der (teils leider berechtigten) Ängste von Frauen derzeit wohl politisch nicht durchsetzbar!!!
Da braucht es jetzt viel Diskussion: z.B. über Söhne mit weiblicher Seite, die frau nicht männlich-toxischen peer-groups preisgeben darf!
LG Elly
Marielle
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 33 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Morgen zusammen,
Warum nicht gleiche Rechte für alle? TSG abschaffen und zwar sofort.
Weil aufgrund der (teils leider berechtigten) Ängste von Frauen derzeit wohl politisch nicht durchsetzbar!!!
Das möchte ich ein wenig korrigieren. Das Argument der 'Frauen- und Kindergefährdung' spielt in den Gesprächen zwischen Politiker_innen und Verbänden fast keine Rolle. Die damit befassten Personen wissen sehr genau, dass es ein Phantomargument ist, mit dessen Wiedergabe man sich eher in Schwierigkeiten bringt, als etwas zu erreichen. Die realen Erfahrungen zeigen, dass es in keinem Land mit der Möglichkeit zur selbstbestimmten Änderung des Geschlechtseintrages zu einer Häufung von Übergriffen gekommen ist. Es handelt sich dabei um ein Hirngespinst, das von Radikalen in die Debatte eingeschleusst wurde.

Die Hemmnisse bei der Abschaffung des TSG und der Überführung der Regelungen in andere Gesetze sind vielmehr ein niedriger Informationsstand über die Lebensumstände von trans* Personen bei vielen Politiker_innen und bei konservativen Politiker_innen zusätzlich die nahezu unerschütterliche Überzeugung, dass Geschlecht etwas sehr genau definiertes ist, das sich bis in kleine Feinheiten in einer eindeutigen Weise ausdrückt und damit diagnostizierbar ist. Dazu kommt bei manchen Konservativen noch der Wille, die bestehenden Geschlechterverhältnisse im Ganzen zu verteidigen.


Auch wenn die Analyse unrichtig ist, stimmt diese Bewertung absolut:
Da braucht es jetzt viel Diskussion ...
Nur eben nicht über angebliche Übergriffe aufgrund von geänderten Geschlechtseinträgen, sondern über Allianzen gegen ein viel zu simples und für viele Menschen einschränkendes Geschlechtsverständnis. Diese Allianzen zu bauen wird nicht einfacher, wenn selbst hier die Idee vertreten wird, dass Frauen durch Schminkutensilien in einer Handtasche definiert werden und dieser Definition dann auch noch eine überindividuelle Bedeutung zugeschrieben wird.

Habt es gut

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
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But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 34 im Thema

Beitrag von Hotte »

Meiner Erfahrung nach ist immer entscheidend, ob man gutes Passing hat. Probleme mit abweichenden Papieren bekommt man nur dann, wenn man sich ausweisen und wieder erklären muss. Das kann aber auch sehr belastend sein. Mir persönlich hat der neue Ausweis viel Sicherheit gegeben, im Recht zu sein in der neuen Geschlechtsrolle. Ich bin nämlich sonst nicht so gut darin mich durchzusetzen.

Es würde sich sehr viel auch im Denken der Menschen ändern, wenn die Bauvorschriften geringfügig angepasst würden, was öffentliche Toiletten angeht.
Eine Tür für alle. Links kann man abbiegen zu Pissoirs, geradeaus geht es zu Sitzklos und rechts zu noch mehr Sitzklos. Dabei würde ich auch noch eine Box für behinderte Personen einplanen.
In Zügen ist das doch auch kein Problem.

Umkleiden/Duschen ähnlich. Männer, Frauen, gemischt für alle.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 35 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hotte hat geschrieben: Do 29. Apr 2021, 00:30 Meiner Erfahrung nach ist immer entscheidend, ob man gutes Passing hat. Probleme mit abweichenden Papieren bekommt man nur dann, wenn man sich ausweisen und wieder erklären muss. Das kann aber auch sehr belastend sein. Mir persönlich hat der neue Ausweis viel Sicherheit gegeben, im Recht zu sein in der neuen Geschlechtsrolle. Ich bin nämlich sonst nicht so gut darin mich durchzusetzen.
Passing. Ja, das wäre das einfachste. Aber dafür gibt es drei Voraussetzungen. Eine Person muss in der Lage sein, die gewünschten Signale zu vermitteln, die Botschaft muss überhaupt "kodierbar" sein, und das Gegenüber muss die Botschaft verstehen können und wollen.

Damit ergeben sich zahlreiche Fehlerquellen. Erstens Fehlende körperliche Features, Kleidung, Accessoires zum Beispiel. Körpergröße, Gesichtsform, Haare zu viel oder zu wenig. Ausreichend Ressourcen - also: Geld, dies zu erreichen.

Zweitens ist ausser binären Stereotypen quasi nichts über Äusserlichkeiten signalisierbar. Für agender, genderfluid, bigender etc. gibt es keinen visuellen Code.

Und drittens haben 95%++ da draussen kein Konzept für nicht-binär, denken gar nicht daran, dass sie gerade mit einer nicht-binären Person zu tun haben, unterliegen den antrainierten Reflexen, jeden Menschen binär einzusortieren; wenn nicht auf den ersten Blick, dann durch "scharfes Hinsehen".

Bonusproblem: Die Passing-Idee zwingt geradezu zu einem genderkonformen Verhalten, das eben nicht universell ist. Trans Männer, die auch mal "nicht-männliches" tun, anziehen, sagen wollen und trans Frauen, die auch mal "kerlige" Qualitäten ausleben wollen laufen sofort Gefahr, wieder von anderen delegitimiert zu werden. "Siehste, eigentlich bist du ja doch <AGAB>".

Naja und nicht-binäre werden damit eh nie für voll genommen. "Du kannst dich ja bloss nicht entscheiden". Soll heissen "du musst dich entscheiden, Zwischentöne und Aussteigen werden nicht geduldet". Oder aber es wird androgyner Look erwartet. Genauso blöd.

Fazit: Passing und stealth kann für ein ruhigeres Leben sorgen und das gönne ich allen, die es brauchen. Aber im größeren Kontext löst es nichts. Spätestens, wenn ein "enttarnt" wird.

Echter Fortschritt passiert nur, wenn sich auf der empfangenden Seite etwas verändert.

Deine zweite Idee finde ich deshalb zielführender. Entgendern, wo immer möglich, wo eine Unterscheidung unnötig ist, bzw sich berechtigte Bedarfe auch anders, nämlich problemspezifischer lösen lassen. Weniger pauschale Segregation, mehr Zugänglichkeit für alle. Sanitärräume und Umkleiden für alle, _mit_ Zugänglichkeit, Privatsphäre _und_ Schutz.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 36 im Thema

Beitrag von Hotte »

Ich bin da ganz bei Dir, Jaddy. Ich stelle nur fest, wie die Welt ist. Damit sage ich nicht, dass ich es gutheiße.

Wenn Du mich festnageln wolltest auf einer Skala von w nach m, dann wäre ich wohl eher so bei 80% männlich. Ich bin z.B. sehr sensibel, ruhig und zurückhaltend.

Ja, wir brauchen mehr Sichtbarkeit, um gesehen zu werden. Nur: Je mehr Sichtbarkeit wir bekommen, desto mehr besorgte Mitmenschen *hust* treten uns entgegen. Täusche ich mich?
Damit will ich nicht zum Versteckspiel aufrufen! Ich bin ratlos.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 37 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hotte hat geschrieben: Do 29. Apr 2021, 16:26Ja, wir brauchen mehr Sichtbarkeit, um gesehen zu werden. Nur: Je mehr Sichtbarkeit wir bekommen, desto mehr besorgte Mitmenschen *hust* treten uns entgegen. Täusche ich mich?
Das hat was von klassischer Tragödie - oder gutem Western, wo sich der Konflikt auf keine gute Art vermeiden lässt.

Aber vielleicht können wir ihn wenigstens mit möglichst wenigen Verletzungen überstehen. Mindestens diejenigen, die es sich leisten können, sollten meiner Meinung nach auf ihre ganz persönliche Weise sichtbar und auch ein wenig offensiv sein. Und sei es "nur" im engsten Umfeld - was zugegeben manchmal mehr Kraft braucht als öffentliche Auftritte.

Echte hater sind in der Minderheit. Reine, selbstverständliche Präsenz im Alltag ist schon wahnsinnig hilfreich. Bonuspunkte für Mund aufmachen, wenn wieder irgendwer blöde Sprüche über "die xxx" macht. Das geht auch indirekt, zum Beispiel durch "also ich kenne einige xxx und hab das völlig anders erlebt".

Die meisten Menschen haben gar keine feste Meinung zu irgendwas, wenn sie selber nicht betroffen sind. Klar äussern sie ein Bauchgefühl, wenn ein sie fragt, aber da steckt weder Information, noch echte Minungsbildung hinter. Nur wenige geben preis, dass sie sich noch nicht mit einer Frage beschäftigt haben. Die meisten hauen den erstbesten Gedanken raus oder folgen der angeblichen Mehrheitsmeinung. Die können häufig durch unaufgeregte Präsenz und_oder indirekte Darstellung aus eigener Erfahrung gut abgeholt und gegen Vorurteile immunisiert werden.

Nach meiner persönlichen Erfahrung mit verschiedenen Themen, von BDSM über andere sexuelle Orientierungen bis Genderkram, wirkt ein damit ausserdem als Kristallisationskeim. Wenn ich mit einem Thema out bin, werde ich häufig (sehr privat) von anderen angesprochen, die für sich selbst oder Nahpersonen Informationen oder Hilfestellung suchen. Es lohnt sich also mehrfach.
MichiWell
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 38 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Jaddy hat geschrieben: Do 29. Apr 2021, 17:46 Bonuspunkte für Mund aufmachen, wenn wieder irgendwer blöde Sprüche über "die xxx" macht. Das geht auch indirekt, zum Beispiel durch "also ich kenne einige xxx und hab das völlig anders erlebt".
Hallo Jaddy,

das sehe ich genau so. Besser noch, wenn man reagiert, sobald man Unsicherheit spürt.

Wie ich gerade erst in einem anderen Thread geschrieben hatte, haben wir ja einen schwulen Bürgermeister. Als da mal geäußert wurde, dass er ja schwul ist, und die Frau, die er zu dem öffentlichen Termin mitgebracht hat, eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung sei, habe ich direkt reagiert, und entgegnet, dass es für uns nur wichtig ist, dass er als Bürgermeister gute Arbeit macht. Das war unverfänglich, und hat meine Gesprächspartner sofort überzeugt.

Wichtig finde ich, wenn man sowas macht:

Keine großen Schnörkel, keine langen Erklärungen. Es muss kurz und prägnant herüber kommen. Mit langen Erklärungen erzeuge ich schnell den Verdacht, dass bei mir persönlich mehr dahinter steckt, und dann nehmen die Menschen nicht mehr die Botschaft war, die ich vermitteln wollte, sondern grübeln darüber nach, ob da bei mir nicht mehr dahinter steckt.

Diesen Tipp habe ich vor Jahren von einer Person bekommen, bei der ich mich als einer der ersten geoutet hatte.


Liebe Grüße
Michi
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