Geschlecht frei wählbar?
Geschlecht frei wählbar? - # 2

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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MichiWell
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 16 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Jasmine hat geschrieben: So 21. Feb 2021, 10:52 Ich habe mal ein paar Argumente herausgenommen. Wie viele "Typen mit Glatze, Vollbart, Bierbauch" würden sich den einen weiblichen Vornamen und das Geschlecht weiblich eintragen lassen? Frage zwei: Wie viele würden sich dann und damit den Zutritt zu Frauenbereichen verschaffen? Das ist schon eine tolle Schublade.
Liebe Jasmine,

ich stimme dir zu. Man kann sich nur immer wieder wundren, wie gerade selbst Betroffene die Agitation und Feindbilder der TERFs so ohne auch nur leises Hinterfragen übernehmen.


Liebe Grüße und euch einen schönen Sonntag
Michi
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Jaddy
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Zu all den Überlegungen, die Änderung des Eintrags anders zu gestalten: Da wird meiner Ansicht nach schon wieder viel zu viel an einem Buchstaben in einer Datenbank aufgehängt.

Dieser Buchstabe "macht" einen Menschen weder männlich, noch weiblich, noch sonstwas. Er hat auch in der üblichen cis Variante keinerlei Aussagekraft über körperliche und geistige Konstitution, emotionale Stabilität oder Neigung zu Gewalt. Üblicher Blödsinn mit minderschwerer Folge: Geändertes Gender auf der Gesundheitskarte = falsche Filterung bei (körperlich)geschlechtsspezifischen Maßnahmen wie Vorsorge-Untersuchungen.

Ich weiss aus eigener Erfahrung, welche Euphorie die staatliche Anerkennung, der neue Name, die neue Anrede, die richtigen Papiere auslösen können. Aber wir wissen auch, dass das nichts wirklich ändert im Alltag, bevor ein mit offiziellen Papieren wedelt, und dann ggf auch nur widerwillig.

Ich denke, wir sollten aufhören, bei ganz konkreten Problemen, die aus der Gendersegregation entstehen, auf diesen Buchstaben zu starren und uns ganz konkret auf die jeweiligen Problemindikatoren und wirksame Gegenmassnahmen konzentrieren.
NikolaAusR
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 18 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

Hallo Elly,
Elizabeth hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 23:01 Hinreichende Bedingungen für VÄ/PÄ könnten zum Beispiel sein
Du fällst mit deinen Vorschlägen weit hinter den Handlungsrahmen, den das BVerfG in seiner laufenden Rechtsprechung zur Selbstbestimmungsrecht gesetzt hat, zurück.
Um mein Geschreibe abzukürzen, hier ein Auszug aus einem Kommentar* von Heribert Prantl, der sich zwar mit Corona / Demonstrationsrecht / Pressefreiheit beschäftigt aber, indem letztere Grundrechte sind, auch hier gültig ist.
Demokratie lebt von mündigen Bürgerinnen und Bürgern und vom permanenten Aushandeln von Kompromissen – die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, aber alle anderen Interessen, Bedürfnisse und Notwendigkeiten in den Blick nehmen. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind wie die geisteswissenschaftlichen meist nicht völlig eindeutig; sie unterliegen einem Wandel und unterschiedlichen Einschätzungen. Eine Politik, die schlechtes Gewissen, Panik und Angst schürt, ist da kontraproduktiv.
* https://www.derstandard.de/story/200012 ... uarantaene

So sehr es mich schmerz, das so schreiben zu müssen:
Absolute Sicherheit für einzelne Individuen kann es nicht geben.

Abgesehen davon ist aber auch keinerlei Evidenz für die geschürten Ängste vorhanden.
Dem steht zumindest die - auch hier im Forum besprochene - Studie aus den USA gegenüber, in der kein einziger Fall solcher Übergriffe gefunden wurde.

LG
Nikola
„Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen können von jeder Glaubensgewohnheit,
die er von Kindheit an in sich aufgenommen.
Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.“

Klar definier ich mich binär :-)
01000110 % weiblich
Sabrina Verena
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 19 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Elizabeth hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 23:01 Eines ist leider sicher:
Wenn ein Gesetz irgendwie mißbraucht werden kann, dann werden es zumindest EINZELNE Menschen tun!

Beispiele:
CumEx
Mißbrauch von Corona-Hilfen
Asyl beantragen und dann islamistische Attentate verüben: Breitscheidplatz, "9/11"
Als Bundeswehroffizier als Asylbewerber auftreten und so Attentate planen, um die dann "den Ausländern" in die Schuhe zu schieben
TSG: Gerichte versorgen immer dieselben Gutachter mit lukrativen Aufträgen
...
Das Lösen ALLER Bremsen erscheint mir daher verfehlt!

Dann kann tatsächlich der "Typ mit Glatze, Vollbart, Bierbauch" sich als Frau definieren - kein Aufwand, kann "Mann" ja nach nem Jahr wieder ändern!!!
... und hat dann Zutritt zu Bereichen, wo "frau" ihn garantiert nicht haben will!!!

Andererseits: z.B. Charlotte von Mahlsdorf WAR EINE FRAU, ob es da nun eine HET gab oder nicht! (ich weiß es nicht)

Hinreichende Bedingungen für VÄ/PÄ könnten zum Beispiel sein (1 Kriterium würde m.E. genügen):

12 Monate Alltagstest - auch die "nur" soziale Transition ohne Hormone ist zu akzeptieren!
1 Gutachten
HET mit deutlicher Brustentwicklung >= Cup AA -> das hätte z.B. Christiane manchen Kummer erspart!
(sie hätte den Richter wirklich fragen müssen, ob sie "blankziehen" soll - Stichwort Femen - oder ob er die VÄ/PÄ auch so absegnet oder die Sache an eine weibliche Justizbeamtin delegieren möchte)
dgti-Ausweis + z.B. 3 weibliche Bürgen

Wer weitere Ideen hat...

Cybill hat (da war es noch nicht im geschützten Bereich) geschrieben, daß sich ihre Kollegen in der Jungs-Dusche "körperlich gefreut hätten" - wunderschöne Umschreibung, weder sie noch die Kollegen können etwas dafür! - ... aber spätestens dann ist VÄ/PÄ und Wechsel der Umkleide/Dusche,... fällig!

Ich selbst werde trotz Stiefeln mit deutlichem Absatz, Strickkleid, langer (inzwischen roter) Haare, Perlenohrstecker beidseitig und Brustentwicklung noch zu häufig als "Mann" gelesen und werde (Stichwort "Das Leben des Brian") erstmal an meinem Passing arbeiten - sch... Corona - und erst danach an die VÄ/PÄ drangehen.

LG Elly
Hallo!
Zunächst mal möchte ich daran erinnern, dass es Früher einer GaOP bedurfte um überhaupt eine VÄ/PÄ beantragen zu dürfen. Der Zustand war nicht verfassungskonform.
Es war ein Exskinnhead, welcher gegen den rechtswidrigen Status des TSG geklagt hatte und welcher gerade auch von vielen Frauen mit TS- Vergangenheit angefeindet wurde, weil er/sie heute als Frau ohne GaOP lebt.
Dein Vorschlag bezüglich der HET erübrigt sich damit.
Im Übrigen, wenn für die PÄ nur ein Antrag reicht, muss dass ja noch lange nicht bedeuten dass für die HET und GaOP auf die Gutachten verzichtet werden muss.
Im Gegenteil, gerade bei diesen reversiblen Eingriffen halte ich sie immer noch für notwendig.
Aber bei einer NÄ/VÄ wird deutlich über das Ziel hinaus geschossen, mit den Gutachten und Gerichtsbeschluss, schlicht unverhältnismäßig.
Und was den Besuch von betont männlichen Papierfrauen in der Damenumkleide betrifft.
So dürften die Frauen sich wohl auch genüßlich über seine Latte lustig machen. Letzten Endes ist es eine Frage der Mentalität, welche die Frauen haben.
Aber ich bezweifle, dass betont männliche Personen überhaupt ein Anreiz haben, ihre sexuelle Identität zu ändern.
LG Verena
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Andrea aus Sachsen
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 20 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Wie ich weiter vorn schon schrieb, würde ich in meiner derzeitigen Situation eine Vereinfachung der VÄ/PÄ sehr begrüßen. Trotzdem wäre mir die „Hingehen-und-ändern-lassen-Variante“ zu simpel. Meines Erachtens gehört zumindest eine fachkundige Beratung über die rechtlichen Folgen dieses Schrittes dazu. Das ist doch hierzulande auch bei anderen Rechtsgeschäften vergleichbaren Ausmaßes üblich.
Diese oder andere Mini-„Hürden“ würden aus meiner Sicht auch das Ganze nach außen seriöser erscheinen lassen. Es geht schließlich um eine Entscheidung, die reiflich überlegt sein will und nicht einer fixen Idee entspringt.
Und weil wir einmal bei den rechtlichen Folgen sind:
Ich möchte mich jetzt keinesfalls mit TERFs und anderen Selbstbestimmungsgegnern auf eine Stufe stellen, doch würde es mir Bauchschmerzen bereiten, wenn nach einer selbstbestimmten Geschlechtsänderung ehemalige Männer uneingeschränkt Zugang zu sogenannten Frauenschutzräumen bekämen. Ich glaube, cis-Frauen würde es auch nicht gefallen, wenn jemand die eigentlich nur für sie eingerichteten Räume beträte, der augenscheinlich ein Mann ist.
Mag sein, dass so ein Fall in der Praxis selten oder gar nicht vorkommt. Ich würde mich beispielsweise ohne GaOP nie in eine Damenumkleide oder Dusche getrauen, wenn die räumlichen Gegebenheiten nicht ausreichenden Sichtschutz böten. Natürlich sollen Transfrauen letztendlich aber die gleichen Rechte wie cis-Frauen bekommen. Und wie kommen wir nun aus dieser Misere heraus?
Transfrauen dürfte meines Erachtens das Betreten der genannten Räume weder untersagt, noch uneingeschränkt zugesichert werden. Im Konfliktfall käme es dann im Interesse aller Beteiligten auf viel Fingerspitzengefühl und nicht auf juristische Spitzfindigkeiten an.
So, das musste ich zu dem Thema einfach mal loswerden.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
MichiWell
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 21 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Jaddy hat geschrieben: So 21. Feb 2021, 12:24 Dieser Buchstabe "macht" einen Menschen weder männlich, noch weiblich, noch sonstwas.
Ich frage mich gerade, warum man das Thema ausgerechnet von der Seite her aufzäumt, was es nicht macht?!

Menschen, die eine Änderung dieses Eintrags anstreben, dürfte es hinreichend klar sein, dass dieser nichts an den rein biologisch gegebenen Tatsachen ändert, und sprechen darum bevorzugt von Angleichen anstatt Umoperieren. Etwas anderes auch nur indirekt zu unterstellen, wiederholt und bestätigt nur die Scheinargumente derer, die das Ändern des Eintrags erschweren oder gar ganz verhindern wollen.

Sollte man also nicht genau anders herum rangehen, und darauf schauen, was dieser Buchstabe macht?!

Er macht nämlich viel mehr etwas mit den Menschen drum herum, macht ihnen Vorgaben, wie sie ihr Gegenüber zu behandeln haben. Und genau das passt so mancher Person nicht, dass sie ihre Mitmenschen nicht nach eigenem Gusto behandeln und nach Belieben ungestraft verletzen kann. Der Buchstabe gibt nämlich den Nicht-Cis-Menschen ein Mittel in die Hand, sich dagegen wehren zu können.
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