Mein Freund, das unbekannte Wesen
Mein Freund, das unbekannte Wesen - # 5

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Vicky_Rose
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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 61 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 29. Jan 2020, 13:25

sabine_allein hat geschrieben:
Mi 29. Jan 2020, 12:05
Wenn ich das mal auf mich beziehen darf, dann gibt es bei mir Körperzustände, während derer ich das extrem irritierende Empfinden habe, über nicht existente Körperteile zu verfügen, körperliche Erfahrungen damit gemacht zu haben und Erinnerungen daran habe, gerne hätte, dass ich sie berühren kann usw..
Das Fehlen empfinde ich dann als sehr belastend und diese Last liegt dann irgendwann auf allen Teilbereichen meiner Patchworkidentität.

Das macht sehr sehr unglücklich und fängt an mich zu beHerrschen. Ich nehme dann alle Teilbereiche meines Lebens als unreal wahr und bin bei allem und allen gegenüber extrem distanziert. Das Aufrechterhalten meines Cis Passings als Typ kostet mich dann extrem viel Kraft oder hat mich vielmehr vor meinem Outing viel Kraft gekostet, aber auch im eher androgyneren Erscheinen ist das manchmal noch schwer.
Bingo Sabine,

Du beschreibst sehr anschaulich und drastisch, was ich auch so empfinde. Aber ich kann nicht den Schwenk auf die "andere Seite" machen, da ich beide Seiten brauche. Ich habe deswegen von zwei Landkarten gesprochen. Du schreibst von Phantomkörperteilen.

Du schreibst weiter unten:
Ich würde gerne diese verdammte Scham loswerden, denn eine Alternative dazu, es zu akzeptieren und in mein Leben zu integrieren, scheint es nicht zu geben.
Was hindert Dich ? Blöde Frage, was hindert mich, es zu tun ? Ich tue es, immer wieder ein Stückchen mehr. Ich wiederhole für mich mehr und mehr, dass ich ein recht auf meine Weiblichkeit habe und dass dadurch mir kein Zacken aus der (männlichen) Krone fällt und umgekehrt. Dazu kommt der Gedanke, mich mit meiner Männlichkeit zu versöhnen, der meiner weiblichen Seite Angst macht, sie könne dadurch verschwinden. Ich trage beides so massiv in mir, dass ich auf keine Seite verzichten kann und will. Was ich also brauche, ist die eigene Akzeptanz als ganzer Mensch. Das ist leichter gesagt als getan, denn ich glaube nicht, das ich meine Weiblichkeit in meinem Alltag im persönlichen Umfeld inklusive der Arbeit frei leben kann. Das ist wahrscheinlich das, was Du im Schlusssatz meinst. Ich denke, je mehr ich meine weibliche Seite positiv besetze, um so mehr will diese Seite auch offen gelebt werden. Der innere Konflikt vertieft sich, statt sich durch Akzeptanz aufzulösen.

Es ist mMn tatsächlich so, dass es keinen Grund gibt, weshalb ich, je nach Stimmung, nicht offen als Frau und als Mann leben kann. Mein weibliches und mein männliches Ich leben nebeneinander statt miteinander. Das führt immer wieder zu inneren Irritationen und quälenden Situationen. Den Fehler im System im Außen zu lokalisieren macht es nicht einfacher. Es bindet uns die Hände, etwas zu tun. Und das macht uns unfrei. Wir sind damit Abhängige der äußeren Umstände. Ob die real oder eingebildet sind, sei dahingestellt. Wenn ich mir vorstelle, welche Diskussion losgetrten würden, wenn ich mich als "Mischwesen" offen auf der Arbeit präsentieren würde ? Ich habe viele Außenkontakte, die ich nicht verlieren möchte. Also kommt noch das Thema Angst dazu.

Ich glaube, es gibt keinen Königsweg. Aber ich arbeite auch noch daran. Die Traumwelt meiner Weiblichkeit sucht massiv einen Weg in die Realität. Noch ist sie zu sehr ausgegrenzt.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

sabine_allein
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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 62 im Thema

Beitrag von sabine_allein » Mi 29. Jan 2020, 14:26

Hallo nochmal,
ich weiß falscher thread, deshalb kurze Antwort:
Was mich hindert ist die Tatsache, dass ich mir in der weiblichen Form nicht zu genügen scheine und fast nichts gegen dieses verdammte Gefühl, falsch oder verkleidet zu sein, machen kann.
Ich habe weniger das Bedürfnis mich irgendwie zu kleiden, als wirklich einen anderen Körper zu haben. Aber den habe ich eben nicht und ob ich den Grad der Annäherung daran erreichen würde, wenn ich weiter die HRT mache und weitere körperverändernde Schritte unternehme, den ich bräuchte um mich mehr annehmen zu können als ich das gerade tue, weiß ich eben nicht.
Deshalb ist meine momentane Antwort auf die Frage, wie ich aus dieser Situation heraus komme, die, dass ich versuche immer androgyner zu erscheinen und so gut wie keine Ausschläge in den eindeutig männlich gegenderten Bereich zu haben. Das klappt bei all den Baustellen die es gerade in meinem Leben gibt mom ganz gut.
Ich scheine in dieser Beziehung sehr vorsichtig und zaghaft zu sein und möchte mich gerade eher nicht label lassen.
Aber die ganz tief im Innern sitzende Gewissheit ist die, dass es mein größter Wunsch wäre, unabhängig von all dem Krimskrams als Frau oder weiblich mit annäherndem Cispassing leben zu können. Da das nicht geht, habe ich eben eine anderen nicht nicht so ganz überschaubaren Weg vor mir.
Wieder viel zu viel von mir, aber es könnte ja helfen, einen Bereich des weiten Feldes der Konflikte von trans* Menschen nachvollziehbar zu machen.

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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 63 im Thema

Beitrag von Fen » Do 6. Feb 2020, 21:14

Lissy hat geschrieben:
Mi 29. Jan 2020, 07:43

Ich werde einfach mal abwarten was passiert, auch mit mir (dr)

Liebe Grüße!

Lissy
Hi Lissy,

Mal schauen ob du das noch liest. Mich würde mal interessieren,wie die Sache gelaufen ist .

Gruß
Fen
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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 64 im Thema

Beitrag von chris » Di 11. Feb 2020, 11:40

Hi Fen,

Ich kann nur soviel sagen, weil ich mit Lissy näheren Kontakt hatte, dass es super gelaufen ist für beide.
Mehr will ich aber hier im thread nicht schreiben.

LG
Chris

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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 65 im Thema

Beitrag von Lissy » Di 11. Feb 2020, 12:35

Huhu,

so, jetzt hab ich ein paar Minuten, um das Ganze mal zusammenzufassen. Chris hat ja schon verraten, dass es sehr gut lief und das ist auch wahr!
Entgegen all meiner Befürchtungen habe ich mich kein bisschen fremd gefühlt. Er hatte gefragt, ob ich beim Aussuchen des Outfits helfen möchte, aber das habe ich lieber ihm überlassen - er sollte sich ja auch wohlfühlen. Dann hat er sich umgezogen, Makeup und Perücke (weiß ich jetzt) trägt er nie, darum habe ich natürlich keine Schwierigkeiten gehabt ihn "wiederzuerkennen".
Und was soll ich anderes sagen als: Er sah klasse aus! Die Form war richtig überzeugend, (Klebeband war im Spiel, wie genau weiß ich aber nicht) und nicht mal die gefürchtete Silikonbrust hat mich erschreckt. Letztes Wochenende habe ich ihn um ein weiteres Outfit gebeten, dem kommt er gerne nach und ich finde es wirklich angenehm. Kann sein ich bilde es mir ein, aber er kommt mir dann auch lockerer und lustiger vor.
Anfassen möchte ich die Brüste nicht, aber sie stören mich auch nicht, wenn er sie trägt - alles sehr viel einfacher, als ich dachte.

Mal sehen, wie es weitergeht ))):s

Vielen Dank nochmal für eure Unterstützung!

Lissy

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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen

Post 66 im Thema

Beitrag von Anja » Di 11. Feb 2020, 13:37

Moinsen (moin)
Lissy hat geschrieben:
Di 11. Feb 2020, 12:35
alles sehr viel einfacher, als ich dachte.
Das freut mich, sowas zu lesen.
Bin auch gespannt wie es bei euch weiter geht, aber ihr scheint ja einen Weg gefunden zu haben, mit dem ihr euch beide wohl fühlen könnt (he)
Alles Gute für euch 🍀

Grüße
die Anja
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