Krankenkassenkarte
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Bianca68
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Krankenkassenkarte

Post 1 im Thema

Beitrag von Bianca68 » Di 16. Sep 2014, 21:59

Hallo Ihr lieben,

ich habe bei meiner Krankenkasse eine neue Versicherungskarte auf meinen Weiblichen Namen beantragt und noch am gleichen Tag die Zusage bekommen das mir eine neue ausgestellt wird und ich diese in den nächsten Tagen zugesandt bekomme.

Ich hätte da aber eine Frage, die mir leider erst danach eingefallen ist. Bin in der Firma noch nicht geoutet und hab das auch noch nicht so schnell vor, wie ist es wenn ich krankgeschrieben werde was für Name kommt auf die Krankschreibung? Vielleicht hat schon die ein oder andere Erfahrung damit gemacht.

Liebe Grüße
Bianca

Bianca D.
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Re: Krankenkassenkarte

Post 2 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Di 16. Sep 2014, 22:15

Bianca68 hat geschrieben:wie ist es wenn ich krankgeschrieben werde was für Name kommt auf die Krankschreibung?
Moin Bianca,

nun,von der Logik her würde ich mal sagen,daß da dein weiblicher Vorname steht. Du wirst unter diesem Namen bei der Kasse, beim Arzt geführt,was soll da sonst drauf stehen?Da eine Kopie der Krankmeldung ja auch zur KK geht,wie sollen die diese zuordnen,wenn der alte Vorname auf der Krankmeldung steht?

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

nicole.f
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Re: Krankenkassenkarte

Post 3 im Thema

Beitrag von nicole.f » Mi 17. Sep 2014, 01:52

Hallo Bianca! (Also 68, also die Thread-Starterin, wisst schon :)
Das ist in der Tat ein spannendes Problemchen. Letztlich ist Deine "Gesundheitskarte" (wie sie heute heißt) ja lediglich ein Datenträger, der dem Arzt Deine Daten zur Abrechnung gegenüber der Krankenkasse mitteilt. Das ist für Betroffene wie Dich dann total praktisch die auf den neuen Vornamen zu bekommen, damit man nicht im Wartezimmer mit "Herr ..." aufgerufen wird. Das wäre nur einmal lustig, danach wird's peinlich. Also ist das mit der Karte sicherlich sinnvoll. Jetzt hängt da aber noch ein bisschen mehr dran. Deine Krankenversicherung, sofern es eine gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist, wird im Rahmen der Sozialabgaben direkt über den Arbeitgeber bezahlt. Die Zuordnung erfolgt hier hauptsächlich über Deine Versichertennummer und nicht den Namen. Ähnlich verhält es sich bei der Abrechnung der ärztlichen Leistungen. Zudem ist dies heute auch noch mit den weiteren Sozialabgaben wie Rente verkoppelt - alles recht kompliziert. Rechne also auch mal damit, dass Du eventuell Post von der Rentenversicherung an "Herr Bianca ..." bekommst :)

Eine Krankschreibung ist aber etwas, das Dein Arzt als Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellt. Im ersten Augenblick wird dies ganz sicher dann auf den Namen ausgestellt, der auch auf der Gesundheitskarte steht. Ich sehe allerdings auch keinen direkten Hinderungsgrund, warum ein Arzt nicht auf Bitte des Patienten den "alten" Vornamen verwenden können sollte. Es wird nur dann auf jeden Fall nötig werden, den Arzt über Dich aufzuklären, sofern er es nicht von selbst schon weiß - Dein Endokrinologe wird es sicherlich wissen, aber ein Zahnarzt vielleicht nicht.

Diese Phase ist für uns alle etwas doof - halb geänderte Personalien und immer wieder Verwirrungen. Nunja, so ist das eben. Da hilft nur ein aufrechter Gang und viel Selbstbewusstsein!

Was allerdings auch helfen könnte wäre, vorsorglich an ein paar Schlüsselstellen den Arbeitgeber zu informieren - gerade z.B. die Personalabteilung. Wenn Du nun schon eine neue Karte der KV haben wolltest, dann bist Du ja offenbar auf dem besten Wege, in nicht all zu ferner Zukunft 24/7 Deiner wahren Identität entsprechend zu leben. Du wirst Dich also früher oder später offenbaren müssen, da führt nun, wie mir scheint, kein Weg mehr daran vorbei. Mit der Karte hast Du einen ersten wichtigen Schritt getan. Vielleicht noch halb unüberlegt, aber nicht völlig unvernünftig. Vielleicht ist es also nun auch für Dich an der Zeit die nächsten Schritte zu überlegen?

Liebe Grüße
nicole
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Re: Krankenkassenkarte

Post 4 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Mi 17. Sep 2014, 11:14

Hallo zusammen,

Nicole hat die Hintergründe ja schon ausführlich dargestellt. Auch mir teilte die KK auf Anfrage mit, dass ich als noch männlicher Versicherter mit meinem alten Namen der offizielle Vertragspartner bleibe, solange ich nicht auf Knien zum Amtsgericht gerutscht bin und Vornamen und Geschlecht im berühmt-berüchtigten Verfahren habe ändern lasssen (mehr dazu gibt es in anderen Threads ...). Prompt hat mich die Deutsche Rentenversicherung als Herr Vivian J. angeschrieben.

Zum Thema aufrechter Gang und Selbstbewusstsein: Zum negativen Bescheid über eine Kostenerstattung für Zweithaar hatte ich eine Nachfrage bei meiner KK. Die nette Sachbearbeiterin vom Oberrhein, die zentral für Hilfsmittel zuständig ist, fragte mich mit tiefem alemannischem Dialekt, ob ich der Ehemann sei. Nein, ich bin es selbst, war meine Antwort, was erst mal zum Verstummen führte. Nach drei Sätzen Erklärung war dann klar, dass eine Transfrau mit wenig eigenem Haar und umso tieferer Stimme ihr eigenes Anliegen vorbringen wollte. Ja, so ist das mit der Wirkung und dem Schubladendenken.

Selbstbewusstsein, Gewöhnung und Stimmtraining müssen's wohl richten.

Vivian

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