Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?
Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ? - # 4

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
Ralf-Marlene
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1044
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: Mensch
Pronomen: egal, "sie" bevorzug
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: 12555
Hat sich bedankt: 888 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 588 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 46 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mi 1. Jan 2020, 12:38

Kerstin hat geschrieben:
Di 31. Dez 2019, 17:53
Und was den Gängelwagen angeht - ich glaube nicht dass eine hier ohne auskommt.
Ich denke, wer Kant kennt weiß, dass wir uns jeden Tag neu entscheiden, welchen Gängelwagen wir zulassen. Die Frage ist, ob wir selber uns trauen bei uns selbst genau hinzusehen, hinzufühlen und hinzudenken.

Dabei ist jedem denkenden Menschen klar, dass jede*r eine Mischung aus biologisch Gegebenem (innewohnendem/ intrinsischem) und von außen Kommendem (gesellschaftlich einschließlich Familie/ extrinsichem) ist. Jedes Individuum ist dies (ein Individuum) und doch im Gängelwagen der Gesellschaft. Es ist nur die Frage, wie weit wir/ich uns/mir das bewusst mache/n und wahrnehme/n.

Dazu Kant:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
So wünsche ich uns allen hier, dass wir das Ideal der Mündigkeit anstreben ohne zu vergessen, dass dies ein Ideal ist welches niemand vollständig erreichen wird.
(fwe3) Allen ein schönes, solidarisches Jahr ...ganz ohne absolute Wahrheiten (fwe3)
Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.

Chrissie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 644
Registriert: Sa 1. Mai 2010, 18:43
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Iserlohn
Membersuche/Plz: Iserlohn
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 160 Mal
Gender:

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 47 im Thema

Beitrag von Chrissie » Mi 1. Jan 2020, 19:31

@ kleine Ketzerin:

Es geht Dir also um Srlbstbestimmung bei OPs, schön und gut, Mal von den anderen bisherigen Argumenten abgesehen : Aber wie soll das laufen? Auf Kosten der Allgemeinheit geht es nicht. Du kannst nicht einer Gruppe (TS) alles bezahlen und bei anderen Gruppen den Rotstift ansetzen (Brustvergroesserungen oder Verkleinerungen bei Cis Frauen, Fettabsaugung bei Lipoedemen, Pumpen oder Sensoren bei Diabetes)

Und Eigentlich haben wir ja schon eine Selbstbestimmung. Jede/r kann schon heute nach Thailand reisen und dort eine Gaop auf eigene Kosten machen lassen.

Deine Vorstellung von Selbstbestimmung wird es nie geben, weil keiner bereit ist 80% seines Einkommens an die Krankenkassen zu zahlen, denn dass wäre nötig, wenn Du alle med. Maßnahmen automatisch bezahlt würden, nur weil der Patient es so möchte. Es bleibt also nur: med. Maßnahmen bezahlen ja, aber es muss eine Indikation eines Arztes vorliegen. Anders wird es nicht gehen.

Ansonsten bricht unser Gesundheitssystem zusammen. Wie viele Schoenheitsops werden zur Zeit durchgeführt? Ein Riesenmarkt! Das kann kein System tragen, müsste es aber wenn Du OPs nur daran festmachst, ob eine Person selbst den Eindruck hat, die Op zu benötigen.

Aber fordere ruhig weiter Unmögliches und rege Dich über sinnvolle Alternativen auf. Du erreichst damit dann nur, dass gar nichts in der Politik umgesetzt wird.

Ich jedenfalls auf der politischen Ebene weiter dafür kämpfen, dass med Maßnahmen ohne Gutachten bezahlt werden, wenn ein Begleitender Therapeut deren Notwendigkeit bestätigt. Es bleibt ja wie geschrieben jedem unbenommen auf eigene Kosten nach Thailand zu fliegen,

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 321
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 139 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 115 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 48 im Thema

Beitrag von heike65 » Mi 1. Jan 2020, 22:39

könntet ihr zum Thema zurückkommen ?

Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 104
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 20 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 92 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 49 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin » Do 2. Jan 2020, 14:09

Chrissie hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 19:31
Es geht Dir also um Srlbstbestimmung bei OPs, schön und gut, [...]
Ich fürchte, mir geht es um deutlich mehr als nur das. Aber wenn alleine schon der Gedanke an "selbstbestimmte OP's" an einer banalen "Kostenfrage" scheitert, dann macht es kaum Sinn, das Thema hier weiter zu diskutieren.
Chrissie hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 19:31
Deine Vorstellung von Selbstbestimmung wird es nie geben, [...]
Gestatte mir eine kleine Präzisierung: Meine Vorstellung von Selbstbestimmung wird es hier in Deutschland nie geben. Hier fehlt einfach vollständig der Wille, gleiche Rechte auch wirklich zu fordern. Stattdessen unterwirft man die eigenen Rechte in vorauseilendem Gehorsam einer "Kostenfrage"... Hier erweist sich die Kostenübernahme der Behandlung durch die Krankenkassen offenbar als effektives Instrument, jedes Streben nach Gleichberechtigung schon im Keim zu ersticken. Tut mir leid, aber das ist einfach nur grotesk.
Chrissie hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 19:31
Aber fordere ruhig weiter Unmögliches und rege Dich über sinnvolle Alternativen auf.
Das werde ich meinem Blutdruck ganz sicher nicht antun. Stattdessen aktiviere ich für das neue Jahrzehnt lieber "Plan B" und lebe - wie früher - wieder "stealth". Das Leben ist so viel entspannter ohne den ganzen toxischen Unfug, der in der "Trans-Blase" vor sich hin gärt...
Chrissie hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 19:31
Du erreichst damit dann nur, dass gar nichts in der Politik umgesetzt wird.
Sorry, aber an dieser Stelle kann ich mir das Lachen kaum noch verkneifen... Weil der "handzahme Aktivismus" der vergangenen Jahr(zehnt)e mit seinen "vernünftigen Forderungen" ja auch so wahnsinnig erfolgreich war... Die bisherige Bilanz: Null. Umgesetzt hat die Politik nur das, was vom Bundesverfassungsgericht erzwungen wurde - und das stets auch nur in minimaler Form. Aber machen wir ruhig noch ein paar Jährchen weiter wie bisher. "Weiter so" ist ja eh das große Motto der heutigen Zeit.

Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 104
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 20 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 92 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 50 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin » Do 2. Jan 2020, 14:13

heike65 hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 22:39
könntet ihr zum Thema zurückkommen ?
Die Themen hängen aber leider enger zusammen, als man auf den ersten Blick annehmen mag, denn die Ideologie der TERFs basiert auf genau dem Bild von trans Menschen, das die Sexualpsychiatrie seit Jahrzehnten zeichnet. Die "Emma" bietet nicht ohne Grund einem transfeindlichen Psychiater wie Alexander Korte eine Bühne. Man kann jetzt nur noch hoffen, dass der "TERFismus" hier in Deutschland nicht genau so Fuß fasst wie im UK, denn das hätte für die - meiner Ansicht nach beinahe wehrlose, weil viel zu tief in andere Themen verstrickte - deutsche Trans-Community katastrophale Folgen.

Chrissie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 644
Registriert: Sa 1. Mai 2010, 18:43
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Iserlohn
Membersuche/Plz: Iserlohn
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 160 Mal
Gender:

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 51 im Thema

Beitrag von Chrissie » Do 2. Jan 2020, 18:09

Kleine Ketzerin hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 14:09

Ich fürchte, mir geht es um deutlich mehr als nur das. Aber wenn alleine schon der Gedanke an "selbstbestimmte OP's" an einer banalen "Kostenfrage" scheitert, dann macht es kaum Sinn, das Thema hier weiter zu diskutieren.

Gestatte mir eine kleine Präzisierung: Meine Vorstellung von Selbstbestimmung wird es hier in Deutschland nie geben. Hier fehlt einfach vollständig der Wille, gleiche Rechte auch wirklich zu fordern.

Sorry, aber an dieser Stelle kann ich mir das Lachen kaum noch verkneifen... Weil der "handzahme Aktivismus" der vergangenen Jahr(zehnt)e mit seinen "vernünftigen Forderungen" ja auch so wahnsinnig erfolgreich war... Die bisherige Bilanz: Null. Umgesetzt hat die Politik nur das, was vom Bundesverfassungsgericht erzwungen wurde - und das stets auch nur in minimaler Form. Aber machen wir ruhig noch ein paar Jährchen weiter wie bisher. "Weiter so" ist ja eh das große Motto der heutigen Zeit.
Ehrlich gesagt tust Du mir leid. Du bist verrannt in eine Idee von Selbstbestimmung und gleichen Rechten, die einfach für einen Staat, egal welchen, nicht zu stemmen ist. Es wird kein Gesundheitssystem geben, dass allen Menschen ihre Wünsche zu 100% erfüllt. Wenn Du nur von Rechten für Trans ausgeht, wo ist dann die Gleichberechtigung? Gleiche Rechte bedeutet, dass jeder gleiche Rechte hat. Bei selbstbestimmten Op heißt das auch, dass jede Schönheitsoperation zu zahlen ist, dass auch Bilddarmops, Brustentfernungen etc. aus Angst vor eventuellen späteren Erkrankungen zu zahlen sind, ja selbst Herztransplantationen. Gleiches Recht für alle bedeutet auch : wenn jemand Angst hat evtl am Herzinfarkt zu sterben bekommt er halt ein neues Herz.

Wo soll dass enden? Wach mal auf. Medizinische Maßnahmen können nur bezahlt werden, wenn eine Erkrankung vorliegt oder zumindest eine echte Gefahr einer Erkrankung vorliegt. Das kann aber nur ein Facharzt entscheiden. Ich streite nicht ab, dass viele eine Gaop benötigen um nicht in Depressionen abzurutschen, ob es aber beim Brustaufbau unbedingt ein DD sein muss, oder ob Schoenheitsops nötig sind nur weil jemand unbedingt wie Heidi Klum aussehen will wage ich zu bezweifeln,

Mit dem gleichen Recht könnte ich dann auch hingehen und sagen: Ich benötige ein Audi R8 und eine Traumvilla vom Staat, sonst kann ich so nicht weiterleben. Wer will das bitte überprüfen?

Med Maßnahmen ja, aber nur wenn sie nötig sind.

Und was unsere Politik anbelangt: Klar es dauert zur Zeit ewig. Die Verbände sind dran und ich selbst habe im Oktober ein ausführliches Gespräch mit dem Generalsekretär der CDU gehabt. Wenn aber ständig solche unmöglichen Anforderungen auftauchen wird es die Sache weiter verzögern, da die Politik dann sieht: Die wissen ja selbst nicht was sie wollen, also sitzen wir es erst mal aus, bis die sich einig sind.

Aber es ist natürlich einfache Stealth zu leben, als man nachzudenken und einen lebhaften Kompromiss zu finden.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

Nicole Doll
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1764
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: Enby
Pronomen:
Membersuche/Plz: Simmern / Hunsrück
Hat sich bedankt: 912 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1032 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 52 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Do 2. Jan 2020, 18:26

heike65 hat geschrieben:
Mi 1. Jan 2020, 22:39
könntet ihr zum Thema zurückkommen ?
Es mag zwar etwas seltsam anmuten, wenn jetzt gerade ich hier zustimme, aber vielleicht sollte man bezüglich Trans-Weg und Gesundheitssystem ein neues Thema aufmachen. Ich wollte das eigentlich schon mit Kant und dem "Gängelwagen", nahm aber an, dass da nicht mehr viel kommen würde.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 104
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 20 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 92 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 53 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin » Fr 3. Jan 2020, 02:43

Chrissie hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 18:09
Mit dem gleichen Recht könnte ich dann auch hingehen und sagen: Ich benötige ein Audi R8 und eine Traumvilla vom Staat, sonst kann ich so nicht weiterleben.
Grundgütiger... Damit ist der Gipfel der Absurdität jetzt zweifellos endgültig erreicht. Ich hab' ja wirklich schon 'ne Menge verbimmelten Blödsinn gelesen, aber das übertrifft echt alles. Und Du meinst das vermutlich sogar ernst...

Anyway... Für mich ist die Diskussion hier jetzt beendet. Das ist mir auf argumentativer Ebene dann doch ein klein wenig zu durchgeknallt.

Svetlana L
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1149
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 06:47
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 300 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 988 Mal
Gender:

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 54 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Fr 3. Jan 2020, 07:38

Chrissie hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 18:09
Mit dem gleichen Recht könnte ich dann auch hingehen und sagen: Ich benötige ein Audi R8 und eine Traumvilla vom Staat, sonst kann ich so nicht weiterleben. Wer will das bitte überprüfen?
Sorry, aber an dieser Stelle wird's so richtig albern. In dem Eisenbahnforum, wo ich auch unterwegs bin, wird bei solchen Gelegenheiten immer die (virtuelle) Popcorn-Tüte ausgepackt.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Marielle
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1693
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 142 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 760 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 55 im Thema

Beitrag von Marielle » Fr 3. Jan 2020, 11:48

Hallo zusammen,
Kleine Ketzerin hat geschrieben:
Fr 3. Jan 2020, 02:43
Das ist mir auf argumentativer Ebene dann doch ein klein wenig zu durchgeknallt.
So oder ähnlich endet es an dieser Stelle meistens.

Chrissie hat aber nur die Position in die Diskussion eingebracht, der man gegenübersteht, wenn man z.B mit Politiker_innen über dieses Thema spricht. Da hilft es dann nicht weiter, wenn man sich in kleinkindlicher Manier auf den Boden wirft und sagt " Bäääh, ich will das aber!"


Es fehlt nach wie vor an einer schlüssigen Argumentation, wie ein selbstbestimmter Zugang zu medizinischen Massnahmen, die ohne weitere Entscheidungsinstanz aus einem Sozialsystem bezahlt werden sollen, praktisch gestaltet werden könnte. Diese Argumentation müssten diejenigen langsam mal bringen, die sowas fordern, statt immer nur beleidigt zu tun.

Dabei sind mindestens folgende Fragen zu klären:

- Wie grenzt man die geforderten Leistung von sogen. Schönheitsoperationen ab, die konsensual eben nicht aus 'der Kasse' gezahlt werden? Und zwar unter Beachtung der Entscheidungen des BVerfG zum TSG.

- Wie regelt man den Entscheidungsprozess in Fällen, in denen die ausführenden Mediziner_innen ein Problem oder gar einen Ausschluss im Verhältnis zwischen der körperlichen Konstitution der Person und der von ihr gewünschten Massnahme sehen?

- Wie begründet man den Anspruch auf solche Leistungen ganz allgemein, also tatsächlich in Abgrenzung zu anderen Forderungen an Sozialsysteme, wie z.B. die vollständige Übernahme von Pflegekosten / Unterbringungskosten im Alter, die Entfernung von Tätowierungen oder die 'Reparatur' missglückter Piercingaktionen? (Um hier nicht das Auto und die Villa zu bringen, obwohl diese Beispiele zwar überspitzt, aber trotzdem grundsätzlich richtig sind)

Neben vielen anderen sind dabei folgende Entscheidungen des BSG zu berücksichtigen, die die Funktionsweise der solidarisch finanzierten Krankenkasse betreffen:

Bundessozialgericht B 1 KR 37/18 R 27.08.2019
Bundessozialgericht B 1 KR 35/15 R 08.03.2016
Bundessozialgericht B 1 KR 69/12 R 04.03.2014

Tenor der Entscheidungen: Die KK ist kein Selbstbedienungsladen und Leistungen der KK brauchen eine Indikation bzw. Begründung. Leistungspflichten ergeben sich nicht aus den Wünschen der Versicherten.


Freue mich über durchdachte Vorschläge und wünsche ein gutes neues Jahr

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 104
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 20 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 92 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 56 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin » Fr 3. Jan 2020, 13:29

Marielle hat geschrieben:
Fr 3. Jan 2020, 11:48
So oder ähnlich endet es an dieser Stelle meistens.
Um das einfach nochmal deutlich zu machen: Mir ging es hier nie um das Gesundheitssystem, die Krankenkassen oder die Übernahme der Behandlungskosten. Das war und ist hier nicht mein Thema. Mein Thema hier ist die persönliche Entscheidung des Individuums für oder gegen "Transitionsmaßnahmen". Und diesbezüglich wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass "Expertenmeinungen", wie sie Chrissie hier zu den Themen Missbrauch und internalisierte Homophobie und deren Bezug zum Thema "Trans" referiert hat, im Rahmen des wieder aufflammenden "Glaubenskriegs" rund um das Thema "Trans" extrem widersprüchlich und deshalb keine gute Basis für Entscheidungen sind. Daher mein ursprünglicher "Rat", selbstbestimmt auf Basis frei verfügbarer Informationen eine eigenverantwortliche Entscheidung für sich und sein Leben treffen... Das hat mit Solidargemeinschaft oder Kassenleistung (noch) gar nichts zu tun, sondern nur(!) mit der Ebene der individuellen Entscheidung(en) betroffener Personen. Und ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass diese Ebene kaum diskutiert werden kann, ohne gleich in eine hysterische Krankenkassen-Kostenübernahme-Diskussionen zu verfallen. Offen gestanden: Mich schockiert dieser Diskussionsverlauf. Aber er erhärtet auch meinen Verdacht, dass dieses ganze "Kostenübernahmegedöns" mitsamt dem darauf ausgerichteten "System Trans" die deutsche Trans-Community auf perfide Weise blockiert und dadurch auch wichtige Diskussionen erstickt. Wie man das nun konkret ändern könnte, gehört dann aber wirklich in einen anderen Thread.

Marielle
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1693
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 142 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 760 Mal

Re: Terfs, sind radikale Feministinnen ewig gestrig ?

Post 57 im Thema

Beitrag von Marielle » Fr 3. Jan 2020, 18:21

Guten Abend,
Kleine Ketzerin hat geschrieben:
Fr 3. Jan 2020, 13:29
Mein Thema hier ist die persönliche Entscheidung des Individuums für oder gegen "Transitionsmaßnahmen".
Dazu habe ich einen ganz einfachen Standpunkt: Das geht mich und auch sonst niemanden irgendetwas an. Sollen die Leute machen was sie wollen, solange sie nicht für geschäftsunfähig erklärt sind oder zu jung*, um soetwas allein zu entscheiden.

Für mich ist allerdings auch klar, dass eine individuelle Entscheidung keinerlei Folgen oder Auswirkungen auf andere Personen oder gesellschaftliche Einrichtungen haben kann. Aus einer solchen Entscheidung leiten sich weder Rechte noch Pflichten her, nicht für die entscheidende Person und nicht für irgendwen sonst**.

Diesen Standpunkt habe ich nicht, weil ich davon überzeugt wäre, dass (nahezu) alle betroffenen Menschen diesbezüglich in der Lage sind, ihre eigene Situation ausreichend zu analysieren und daraus kluge Entscheidungen abzuleiten. Ich vertrete diesen Standpunkt, weil er ein Maximum an Freiheit gewährt. Und weil man in einer freien Gesellschaft zunächst unterstellen muss, dass die Menschen mit dieser Freiheit umgehen können und dass sie verstehen, dass Freiheit immer auch Verantwortlichkeit nach sich zieht***.

Marielle


*) Die Definition von 'jung' müsste in einem vernünftigen Dialog erarbeitet werden.
**) Womit wir fast wieder beim Ursprungsthema sind - TERFs und ihr Verhältnis zu anderen Menschen.
***) Das dabei einige hinten runterfallen ist mir bewusst, ich sehe bisher aber keine Möglichkeit eines vertretbaren Ausgleichs.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Antworten

Zurück zu „Crossdresser-und Transgender-Café“