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Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Fr 21. Jun 2019, 21:33
von Momo58
Oh Frau bin ich glücklich. Manuela genießt ihr neues Leben. Bin heute in Konstanz gewesen, Shopping -Tour und hab tolle Kleider und ein noch schöneres Cat-Suite gesehen. Wieder Zuhause angekommen hatte ich Lust auf einen Eiskaffee. Ich hatte einen kurzen Leder-Minirock und ein knappes Oberteil angezogen und war wie jeden Tag gut geschminkt. Im Eiscafe angekommen wurde ich von 2 richtigen Kerls begafft. Ja ja die haben mir direkt in die Augen gesehen und meine Augen befinden sich ja auf Brusthöhe. Ich genoss es und provozierte noch mit einem leichten Hüftschwung. Da setzte bei denen der Verstand aus. Ja man kann auch nur mit Blicken ausgezogen werden. Die Bedienung im Eiscafe hätte mich eigentlich erkennen müssen, da ich früher als Mann oft dort war, aber er erkannte mich tatsächlich nicht.
Die Therapie verläuft immer noch erfolgreich. Im November beginnt nach entsprechenden Voruntersuchungen meine Hormontherapie und in unserer Trans*Selbsthilfegruppe läuft auch alles super. Ich bin jetzt in einem neuen Lebensabschnitt und freue mich einfach auf das was kommt.

Liebe Grüße
Manuela

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 6. Jul 2019, 18:36
von Momo58
Ein gutes Mittel gegen Rückzugstendenzen ist für mich die Fotografie. Mit der Kamera in der Hand fühle ich mich dann sicherer und bei dem ein oder anderen Motiv kommt es zu smaltalk mit anderen Menschen. Ich bin nun auch dabei eine neue Website für meine Fotos aufzubauen. Sie ist zwar noch nicht ganz fertig, aber ich möchte sie euch trotzdem schon mal vorstellen.
https://hobbyfotografin-manuela.jimdofree.com/

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 6. Jul 2019, 20:01
von Michelle_Engelhardt
Echt tolle und wunderschöne Fotos. Weiter so (yes)

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 7. Jul 2019, 18:40
von Momo58
Heute geht es mir wieder besser. Die Rückzugstendenz verflog zum Glück sehr schnell. Ich bin heute morgen stilecht losgezogen, Minirock, Strumpfhose, Pumps, schickes Oberteil, Perücke und natürlich geschminkt. Der Starkregen hat mich nicht davon abgehalten ins Waschweiber-Museum zu gehen. Das ist ein ganz kleines Museum im oberschwäbischen Ochsenhausen. Die beiden Damen, die dort Dienst hatten, erklärten mir alles mögliche, wie man früher die Wäsche gewaschen hat. Einige ausgestellte Dinge kannte ich noch von meiner Großmutter. Es war sehr schön und es gab keine irritierten Blicke. Danach kam ich noch ohne es zu wollen am Bahnhof vorbei, an dem eine alte Dampflok als Museumszug abfuhr. Ich musste das unbedingt ansehen. Auch hier keine irritierten Blicke.

Morgen wird es ein neues Wagnis geben. Ich muss die Krankmeldung meiner Frau in ihr Büro bringen. Die ahnen zwar schon, dass ich transident bin, haben mich aber noch nie als Frau gesehen. Danach geht es in meine Geburtsstadt, in der ich über viele Jahrzehnte phonetische Familienerlebnisse hatte. Einerseits möchte ich herausfinden, wie ich auf die Menschen dort wirke, andererseits muss ich noch einen Termin bei einem Venenarzt machen, weil ich mich wegen der Hormonbehandlung vorher auf Krampfadern untersuchen lassen möchte, wegen dem immerhin 20fachen Thromboserisikos bei einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung.

Übermorgen habe ich wieder Therapietermin. Mal sehen was da auf mich zu kommt.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Mo 8. Jul 2019, 07:07
von Jasmine
Sehr schöne Fotos.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Fr 19. Jul 2019, 19:09
von Momo58
So ein Mist, da hat doch mein Hausarzt die Kostenübernahme meiner Therapie verbaut. Da schreibt der doch tatsächlich Depression in den Antrag obwohl ich ihm gesagt habe dass da Transsexualität drin stehen muss. Nun gut ich kann mir eine solche Therapie auch als Selbstzahler leisten.
Dann setzt der Nazi der bei uns im Haus wohnt auch noch einen drauf. Der wollte mich doch tatsächlich bei der Polizei wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses anzeigen. Die Polizei erklärte ihm, dass ich hier als transidente Frau so leben darf. Der Typ ist ein armseliger Mensch und ich habe für ihn nur ein mitleidiges Lächeln übrig.
Ich lasse mich nicht entmutigen. Solche negativen Erlebnisse als transidente Frau spornen mich nur noch mehr an, ja das erweckt die Kämpferin in mir. Ich habe sehr schnell begriffen, dass ich als transidente Frau auch mit dem Gesetzbuch unter dem Arm durch das Leben schlendern muss.
In der Therapie habe ich die Zusammenhänge meiner Transidentität heute und meiner Kindheit, meiner familiären Situation klar erkannt. Mein Kleidungsstil hat sich weiter verbessert und meine Erfahrungen im schminken sind mittlerweile besser als die meiner Frau.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 21. Jul 2019, 19:40
von Momo58
Heute hat sich die Wut auf diesen Barfußmediziner gelegt. In meiner Beziehung ist einfach alles verdreht. Meine Frau wollte unbedingt ins Feuerwehrmuseum im Schloss Salem. Ich ging ihr zuliebe mit, obwohl ich mich nicht so für Technik interessiere. Ganz umsonst war der Sonntagsausflug für mich trotzdem nicht. Habe im Schlosspark ein paar Fotos geknipst und auf dem Parkplatz vor dem Schloss hatte ich eine lustige Situation erlebt. Ein Ehepaar kam mir entgegen. Der Mann zog mich mit seinen Blicken förmlich aus. Ich genoss es. Die Frau aber reagierte eifersüchtig. Sie herrschte ihren Mann an: " Guck nicht so" und drehte mit ihren Händen seinen Kopf weg. Ich finde es immer noch interessant, wie ich auf andere Menschen wirke.
Morgen versuche ich meine Therapeutin zu erreichen. Wenn ich Glück habe erreiche ich sie noch vor ihrem Urlaub. Dann bespreche ich alles weitere wegen dem missglückten Therapieantrag. Dann schreibe ich an meinem Trans-Lebenslauf weiter. Den werde ich schließlich für den Medizinischen Dienst der Krankenkasse und für die Gutachter brauchen.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 27. Jul 2019, 13:56
von Momo58
Bingo! Darauf habe ich schon gewartet. Ich war etwas zu schnell innerorts unterwegs, wurde geblitzt. Es kam eine Aufforderung zu einer Zeugenaussage, weil eine Frau mit meinem männlichen Auto gefahren sein soll. Jetzt ist genau der Fall eingetreten, der durch das -in Teilen verfassungswidrige- Transsexuellengesetz entsteht. Wie soll ich mich als Frau ausweisen, wenn ich keine offiziellen Papiere als Frau habe, weil ich bis zur Namensänderung nun mal juristisch ein Mann sein muss, obwohl ich medizinisch eine Frau bin und auch noch so aussehe. Das ist aber nicht ihr Führerschein oder das ist aber nicht ihr Personalausweis, habe ich nun schon zweimal gehört. Ich sagte, dass ich die Frau auf dem Blitzer-Foto kenne und dass es sich um die transidente Frau Manuela XY handelt und damit um mich selbst. Ungläubige verwunderte Augen meines Gegenübers waren zu sehen. OK, Verwarnungsgeld ist bezahlt und gut is.
Es ist schon blöd, dass die Bundesregierung eine Forderung des EuGH nicht umsetzt und den amtlichen Ergänzungsausweis für Trans*menschen einführt. Es gibt zwar den nichtamtlichen dgti-Ergänzungsausweis, den ich beantragt habe, der aber nach nunmehr 6 Wochen immer noch nicht geliefert wurde. Werde da mal nächste Woche nachfragen. Das würde wenigstens nichtamtlich für das jeweilige Gegenüber eine Erklärung sein.

Meine Bedenken, dass ich wegen meiner Transidentität in unserer Wohnsiedlung angefeindet werde, waren nur Kopfkino. Ich habe überall positive Erfahrungen gemacht, bis auf den einen Nazi.

Die Hitze der letzten Tage war unerträglich. Ohne Perücke und Schminke sehe ich scheiße aus, mit Perücke und Schminke schwitze ich noch viel mehr. Also den ultimativen Trick angewandt. Vor Auftragen des Makeup erst mal kräftig Babypuder ins Gesicht. Das saugt unter der Schminke super de Schweiß auf. Am Abend nach dem Abschminken noch Gesichtswasser und ich fühle mich wieder total frisch. Unter die Achseln noch etwas von meinem Rosenparfum, damit auch von dort kein Schweißgeruch entsteht. Meine Haare wachsen jeden Monat etwas länger. Wenn ich Glück habe, kann ich bis Mitte nächstes Jahr eine weibliche Frisur mit halblangem Haar tragen, dann braucht es keine Perücke mehr.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 27. Jul 2019, 22:48
von MichiWell
Wenn es nur ein Verwarnungsgeld war, sollte es doch ausreichen, wenn du einfach nur innerhalb der Frist bezahlst. Die legen zwar immer einen Fragebogen bei, und wollen ganz genau wissen, wer der Fahrer gewesen ist, selbst wenn das Geschlecht des Halters mit dem mutmaßlichen Geschlecht des Fahrers überein stimmt. Aber das habe ich geflissentlich ignoriert, als ich vor 6-7 Jahren mal so ein Schreiben bekommen habe. Oder ist das jetzt etwa anders? Hast du nur eine Vorladung bekommen?

Liebe Grüße
Michi

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 28. Jul 2019, 11:06
von ChristinaF
In dem Fall würde sehr gut der Ergänzungsausweis der dgti helfen.
Also ich könnte auf den nicht mehr verzichten; so oft hat er mir schon geholfen.
LG Christina

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 28. Jul 2019, 11:28
von Céline
Guten Morgen Manuela,
Ja das kann schon ziemlich zu Verwirrungen führen aber ich seh das mittlerweile mit viel Homor wenn es mir möglich ist.
Ich lebe jetzt mittlerweile seit über 2 Jahren als sichtbare Frau mit meinen alten Dokumenten und habe schon oft für fragende Blicke gesorgt.Polizisten habe ich auch schon ziemlich verwirrt als sie bei einer Kontrolle mich erst gar nicht verstanden haben und ich ihnen alles erklären musste.Meinen DGTI Ausweis habe ich in all der Zeit tatsächlich erst einmal gebraucht obwohl ich in immer bei mir trage.
Ich spreche eigentlich immer viel mit Personen und betreibe so gleichzeitig Aufklärungsarbeit und bisher war immer alles positiv.
Etwas blamabel finde ich das der Ergänzungsausweis bei Behörden nicht gerade bekannt ist, zumindest in unserer Region.
Ich drücke dir die Daumen auf deinem weiteren Weg
Liebe Grüße
Céline

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 28. Jul 2019, 12:59
von Momo58
Danke für eure lieben Rückmeldungen. Es tut gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist.

liebe Grüße
Manuela

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 3. Aug 2019, 14:52
von Momo58
So, nun habe ich eine Zwischennachricht, dass der dgti-Ergänzungsausweis gedruckt wird. Das ist erfreulich. Zu meinem neuen Alltag gehören aber nicht nur gute Seiten. Manchmal ist es erforderlich, als Frau konsequent aufzutreten. Bei uns in der Eigentümergemeinschaft bestand zum Glück Uneinigkeit wegen eines gemeinsamen Vertrages mit Unitymedia. Die Hausverwaltung wollte die Eigentümer, die sich nicht dafür entschieden hatten, mit einem Trick doch noch dazu zu bringen, was durchaus den Tatbestand der Nötigung erfüllt. Es sollten neue Unitymedia-Steckdosen in allen Wohnungen angebracht werden. Ich habe mehrfach höflich aber entschlossen darauf hingewiesen, dass ich mich nicht dazu nötigen lasse und den Unitymedia-Mitarbeitern den Zutritt verweigere, weil ich bei einem anderen Anbieter bin. Andere Eigentümer waren da nicht so schlau und sind nun wegen ihrer Entscheidung die Blöden. Viel Spaß beim Pixel-gucken im Unitymedia-TV, viel Spaß bei stundenlangen Internetausfall, viel Spaß mit unverschämten Callenter-Mitarbeitern von Unitymedia, viel Spaß bei den juristischen Folgen mit diesen fiesen Abzocketricks.
Sonst ist alles wie immer, mein Leben als Frau normalisiert sich. Das Schminken geht nun ruckzuck. Röcke tragen und Blicke aushalten ist ebenfalls auf dem Weg zur Normalität. Ich freue mich schon auf die Lieferung des dgti-Ergänzungsausweises. Wenn er da ist, werde ich alle Eigentümer, Kapitalanleger und Mieter unseres Hauses in einem netten Schreiben auf die Veränderung meiner Person hinweisen. Einige haben es zwar schon kapiert, aber andere habe ich schon länger nicht getroffen. Ich halte dieses offizielle Outing für mich für machbar und notwendig.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: Sa 10. Aug 2019, 13:16
von Momo58
Hurra, meine Haare sind nun so lange gewachsen, dass ich seit gestern Abend 19 Uhr keine Perücke mehr trage. Das empfinde ich als unglaubliche Erleichterung, denn im Sommer bei Saharatemperaturen war das Tragen einer Perücke schon eine gewisse Herausforderung.
Gestern Abend hatten wir ein gutes Gesprächsthema. Transsexuell zu sein bedeutet auch mit der Stimme zu experimentieren. Betonung, Melodie und Wortwahl waren dabei sehr interessant.

Re: Manuelas neuer Alltag

Verfasst: So 11. Aug 2019, 18:58
von Momo58
Heute gelernt, dass es ein Stadt- Land-Gefälle in Sachen Transidentität gibt. War in einer Großstadt, wurde keines Blickes gewürdigt und auch nicht abgewertet. Ich war eine von vielen. Danach noch in ein Dorf ins katholisch geprägte Oberschwaben gegangen. Verwunderte Blicke und teilweise abwertende Blicke kassiert. Im ländlichen Raum ist wohl noch viel Aufklärungsarbeit in Sachen Trans*menschen notwendig.