...ganz schön dreist
...ganz schön dreist - # 4

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
Conny-Andrea
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 349
Registriert: Mi 20. Sep 2017, 12:13
Geschlecht: Haus-Frau
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: Berlin
Hat sich bedankt: 357 Mal
Danksagung erhalten: 333 Mal

Re: ...ganz schön dreist

Post 46 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea » Mo 12. Feb 2018, 07:58

Hallo Zusammen,

die hier beschriebenen Vorgänge habe ich in gleicher oder ähnlicher Form auch erlebt. Man findet weitere Beispiele in jedem Bereich des menschlichen Zusammenlebens.

Die Verrohung der Gesellschaft, das Verschwinden der Empathie, die wachsende Bequemlichkeit bei gleichzeitigem Nachlassen der Intelligenz der Masse, scheint mir ein "natürlicher" Vorgang zu sein.

Dieser Vorgang steigert sich solange, bis er in einer Katastrophe endet. Das kann ein Krieg sein, eine Wirtschaftsrezension, eine Revolution oder ein anderes Szenario. Im Laufe der Weltgeschichte gibt es haufenweise Beispiele dafür. Jede Gesellschaft und jeder Staat ist irgendwann untergegangen und durch etwas Neues ersetzt worden.

Der Auslöser in der heutigen Zeit ist möglicherweise die Digitalisierung und die dadurch entstandene Globalisierung, die das allgemeine Geschehen immer mehr antreibt. Alles muss schneller gehen, billiger werden, bequemer sein. Dadurch werden aber Reiche reicher und Arme ärmer, die Schere klappt immer weiter auf. Wir nennen es zurzeit die "Ellbogengesellschaft". Das geht immer weiter ...

... bis zur Katastrophe.

Danach werden die Wunden geleckt, man sieht sich um, erkennt die Fehler die gemacht wurden und glaubt nun alles besser zu wissen und es diesmal auch besser zu machen. Eine noble Absicht ...

... bis zum nächsten Mal.

Das alles kommt mir vor wie ein natürlicher Prozess. Denn die Natur besteht ausschließlich aus Veränderung, nichts bleibt unverändert. Sommer und Winter, Tag und Nacht, Leben und Tod.

Wie könnte eine menschliche Gesellschaft anders funktionieren? Bei den Menschen gibt es Gut und Böse. Es ist schade, das es nicht nur Gutes geben kann, aber das funktioniert leider nicht. Mal überwiegt das Eine, mal das Andere. Ein ständiges Auf und Ab. Vielleicht befinden wir uns gerade in einer Abwärtsphase.

Nachdenkliche Grüße von Conny-Andrea

Ulrike-Marisa
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2181
Registriert: Mo 21. Mai 2012, 13:58
Geschlecht: transsexuell
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: 248**
Hat sich bedankt: 262 Mal
Danksagung erhalten: 318 Mal

Re: ...ganz schön dreist

Post 47 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mo 12. Feb 2018, 08:20

Hallo zusammen & Conny-Andrea,

...ja das menschliche und gesellschaftliche Leben scheint sich in wiederkehrenden Bahnen zu bewegen, Reiche kommen und gehen. Die Entwicklung fühlt sich momentan doch etwas abwärts gerichtet an, egal wo frau/man hinschaut. In Europa wollen sich einige Staaten dreist mit Eurobonds sanieren auf Kosten der Allgemeinheit, hier der Nettozahler, in der Politik ist das Personengeschacher um Versorgungsposten ebenso auch schon irgendwie als dreist zu bezeichnen; auch hier ein Verhalten gemäß, was schert mich mein Geschwätz von gestern. Da ist doch manches an Ehrlichkeit auf der Strecke geblieben. Positives und aufbauendes, optimistisches darin zu erkennen, fällt auch mir zusehends schwerer. Wo bleiben da noch Vorbilder, an denen die Jugend und wir uns orientieren können in der Gesellschaft, wie sie sich uns heute darbietet. Das setzt sich fort hin bis zur ganz normalen Vereinsarbeit, wo auch die Ansprüche steigen an haben wollen und meckern, aber selbst machen - oft Fehlanzeige, lass mal die anderen machen... :(

LG, Ulrike-Marisa

Dolores59
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1154
Registriert: Sa 16. Jan 2016, 00:13
Geschlecht: unverkennbar
Pronomen: Is mir egal
Wohnort (Name): Bad Fallingbostel
Membersuche/Plz: Bad Fallingbostel
Hat sich bedankt: 96 Mal
Danksagung erhalten: 696 Mal

Re: ...ganz schön dreist

Post 48 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Mo 12. Feb 2018, 10:12

sbsr hat geschrieben:
Sa 10. Feb 2018, 11:52
Dafür kann ich zurecht mit dem Wissen leben und irgendwann von dieser Welt gehen, niemandem etwas schuldig zu bleiben.
Das ist ein hoher Anspruch, dem z.B. ich nicht gerecht werde. Denn ich bin Menschen schon vieles schuldig geblieben, was nicht mit Geld bezahlt werden kann: ein gutes Wort, eine gute Tat usw. Und ich kann es nicht wieder gut machen, da diese Menschen bereits verstorben sind.

Das geht freilich über eine materialistische Denkweise hinaus und berührt das Thema "Schuld und Vergebung".

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)

Yvette
Beiträge: 29
Registriert: Mi 3. Jan 2018, 20:34
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 10 Mal

Re: ...ganz schön dreist

Post 49 im Thema

Beitrag von Yvette » Fr 16. Feb 2018, 22:36

Liebe Mitleserinnen und -schreiberinnen,
die von euch zahlreich beschriebenen Beispiele wären schockierend, wenn nicht durch alltägliche Wiederholungen wir beobachtenden Zeitgenossen/Zeitgenossinnen bereits ein Stück weit abgestumpft wären (was ich aus Gründen des psycho-sozialen Selbstschutzes für erforderlich halte).
Ich stimme selbst ein in das Lied der gängigen Verrohung der Sitten; was mir jedoch ein wenig zu kurz zu kommen scheint, ist die Frage nach den Ursachen bzw. Gründen hierfür.

Hier fällt mir als Leitmotto der alte Spruch ein „der Fisch stinkt immer vom Kopf her!“ Ich gestehe: ich bin ein Anhänger dieses Spruchs.
Versteht mich um Himmelswillen nicht miß: nichts liegt mir ferner als Verantwortungsabschieberei, jeder ist unabhängig von der gesellschaftlichen oder privaten Situation für sein Tun oder Lassen selbstverantwortlich, aber:
Richtig ist m. E. nach auch, daß Vorbilder die Gesellschaft, wenn nicht gleich prägen, dann aber doch recht weit beeinflussen. Wundert es euch dann noch, wenn nach Jahrzehnten überdreister Abzockerei und Selbstbedienungsmentalität (der „Drehtüreffekt“: von der Politik in die Wirtschaft ohne Schamfrist, vertragsgemäße Jahres- und Aussscheidungsboni in Millionenhöhe ohne geringsten Bezug zur Leistung, unverschämte Zurschaustellung von Reichtum, s. Familie Geiss etc. etc. etc.) dies in die Köpfe des „gemeinen“ Volks sickert und die Reaktion erzeugen „was ihr im Großen könnt erlauben wir uns im Kleinen“?

In diesem Zusammenhang steht für mich auch felsenfest, daß die wirklich großen Schäden nicht von den zuhauf geschilderten Beispielen, so charakterlos und niederträchtig sie auch sein mögen, verursacht werden, sondern von der sog. Elite unserer Gesellschaft, die im Grunde bzw. in Wirklichkeit eigentlich der Abschaum der Gesellschaft sind; zumindest benehmen sie sich so.

Das Problem ist, daß das in vielen Beispielen hier geschilderte Verhalten der „Normal“-Bürger sehr augenfällig ist, es bleibt haften durch Selbsterleben, das gesellschaftsschädliche Verhalten des Eliten-Abschaums wird schon wesentlich abstrakter erlebt und braucht eine wesentlich höhere Überwindungsschwelle, um nachhaltig in unser Bewußtsein zu dringen. Genau nach diesem Prinzip funktioniert die Blöd-Zeitung: reißerische Aufmachung griffiger, eingängiger Schein-Nachrichten, die mit der gesellschaftlichen Problematik wenig zu tun hat, aber vom intellektuellen Prekariat gierig aufgesogen wird. Den „Spiegel“ zu lesen ist da schon deutlich anspruchsvoller, für viele, fürchte ich, zu anspruchsvoll.

Noch ein Nachwort zu Dir, Cybill:
Ich gehe mit Deiner Haltung, so sie sich mir aus Deinen Sätzen erschließt, ein gutes Stück konform, gestehe aber auch, daß nach meinem ganz persönlichen Eindruck darin ein kleines Stück Neoliberalismus mitzuschwingen scheint. Damit will ich Dich keinesfalls persönlich angreifen – jedem seine Meinung, auch wenn sie für mich nicht nachvollziehbar ist.
Eine letzte Bemerkung: Himmler hat sich tatsächlich für anständig gehalten, dies aber nicht vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal so gesagt, denn dazu war der Feiglung durch Selbsttötung gleich nach seiner Verhaftung bereits schon nicht mehr in der Lage.
Viele Grüße,
Yvette

Ronda_PTL
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 531
Registriert: Mo 15. Jan 2018, 18:29
Geschlecht: PartTimeLady
Pronomen: Kontext bezogen
Wohnort (Name): Franken
Membersuche/Plz: 97xxx
Hat sich bedankt: 1463 Mal
Danksagung erhalten: 431 Mal
Gender:

Re: ...ganz schön dreist • Ursachenforschung

Post 50 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Sa 17. Feb 2018, 05:22

Guten Morgen, Yvette:

Vielen Dank für Deinen sehr differenzierten Beitrag, der richtigerweise mehr nach den Ursachen und kausalen Zusammenhängen des Themas fragt. Einen Abschnitt finde ich besonders zutreffend und teile Deine Analyse vollständig. Was auch durch soziologische und psychologische Forschungsergebnisse untermauert wird. (yes)
Richtig ist m. E. nach auch, daß Vorbilder die Gesellschaft, wenn nicht gleich prägen, dann aber doch recht weit beeinflussen. Wundert es euch dann noch, wenn nach Jahrzehnten überdreister Abzockerei und Selbstbedienungsmentalität (der „Drehtüreffekt“: von der Politik in die Wirtschaft ohne Schamfrist, vertragsgemäße Jahres- und Aussscheidungsboni in Millionenhöhe ohne geringsten Bezug zur Leistung, unverschämte Zurschaustellung von Reichtum, s. Familie Geiss etc. etc. etc.) dies in die Köpfe des „gemeinen“ Volks sickert und die Reaktion erzeugen „was ihr im Großen könnt erlauben wir uns im Kleinen“?

In diesem Zusammenhang steht für mich auch felsenfest, daß die wirklich großen Schäden nicht von den zuhauf geschilderten Beispielen, so charakterlos und niederträchtig sie auch sein mögen, verursacht werden, sondern von der sog. "Elite unserer Gesellschaft", die im Grunde bzw. in Wirklichkeit eigentlich der Abschaum der Gesellschaft sind; zumindest benehmen sie sich so.
Und da treffen sich wieder individuelle Auswirkungen im Alltag mit der Kritik am "System", das sich in einem Stadium der Verrohung und des Zusammenbruchs der Grundwerte, die es einst ausmachen sollten, IMHO befindet. Oder, wie ich gerne das Bild nutze: "Wir leben bereits auf der Intensivstation. Das System wird nur noch durch künstliche Beatmung am Leben gehalten."

Sorry für den vermeintlichen Pessimismus, aber man/frau kann die Welt nur ändern, wenn wir vorher den Monstern ins Auge blicken.

LG Ronda (flo)
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

Antworten

Zurück zu „Crossdresser-und Transgender-Café“