Macht ein weiblicher Körper glücklicher?
Macht ein weiblicher Körper glücklicher? - # 2

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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ExuserIn-2018-09-04
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 16 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Mi 24. Jan 2018, 19:01

Ronda_PTL hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 16:00
Und wo in der BRD wirst Du die GAOP machen lassen?
Ich werde nach Essen gehen, da dort die kombinierte Methode angeboten wird die mir mehr zusagt als die PI und die Krankenkasse das auch übernimmt. In München müsste ich für die gleiche Methode nochmal eine Zuzahlung zahlen von 2-3k Euro wofür mir einfach das Geld fehlt und ich glaube nicht dass ich in den nächsten 5 Jahren überhaupt soviel zusammen bekommen kann.

PS: Habe die Frage vergessen gehabt, sorry aber jetzt hast du da auch ne Antwort ;)

Ronda_PTL
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 17 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 24. Jan 2018, 21:04

Danke für die "Nachreichung" der Antwort. ---)))

Hat mich interessiert, weil ich einige TG/TS kennengelernt habe, die sehr von München / Bogenhausen angetan waren. Aber zur Klinik in Essen gibt's auch etliche Empfehlungen. Dass die Bogenhausener sicher am oberen Ende der Kosten liegen, wundert mich nicht wirklich.

LG Ronda
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

dunkles_sternchen
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 18 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Mi 24. Jan 2018, 22:17

Ich kann auch nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen und stehe damit wahrscheinlich, wie oft, in der Kontroverse.

Die Frage, ob "ein weiblicher Körper glücklicher macht", ist eigentlich nicht richtig formuliert. Ich bin postOP, nehme seit Jahren Hormone - "fertig" wie man so schön sagt. Aber ich würde meinen Körper nicht im Traum als weiblich bezeichnen. Für mich ist ein weiblicher Körper durch weit mehr definiert, als durch eine Vagina. Insofern kann ich dir die Frage gar nicht beantworten.

Ich bin überzeugt, dass mich ein weiblicher Körper um einiges glücklicher machen würde, aber in dieser Situation befinde ich mich gar nicht. Und genau das ist der doch der Punkt an der Sache: Ich bin ja damals mit dem Wunsch nach einem weiblichen Körper beim Arzt angetreten. Nur hat weder der, noch irgendeine Community oder SHG, mich eindeutig darauf hingewiesen, dass man da auch einfach mal Pech haben kann und eben genauso dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht.

Für mich ist das generell ein großer Vertrauensmissbrauch, weil ich heute hier sitze und mit genau dem gleichen Leidensdruck fertig werden muss, der mich damals zur Transition "zwang". Was nützt mir denn ein neuer Pass, wenn ich überhaupt nicht das geringste, weiblichen Körpergefühl habe? Ich meine, wo solls auch herkommen - ist ja witzlos. Ich empfinde das alles als große Lüge und nun ist man mit der Aufgabe allein das alles für sich aufzuarbeiten, die Enttäuschungen, die verbauchte Kraft, die Opfer im sozialen, im finanziellen.

Ich kann nur jedem raten, der mit dem Gedanken der Transition spielt und keine 20 mehr ist, für sich genau zu überdenken, ob man auch damit leben kann, wenn es nicht so oder gar nicht klappt. Manchmal ist es vielleicht doch einfacher den Kerl zu spielen, als sich täglich für seinen Körper schämen und auf vieles verzichten zu müssen.

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 19 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Mi 24. Jan 2018, 23:59

dunkles_sternchen hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 22:17
Ich kann nur jedem raten, der mit dem Gedanken der Transition spielt und keine 20 mehr ist, für sich genau zu überdenken, ob man auch damit leben kann, wenn es nicht so oder gar nicht klappt. Manchmal ist es vielleicht doch einfacher den Kerl zu spielen, als sich täglich für seinen Körper schämen und auf vieles verzichten zu müssen.
Den Punkt halte ich für sehr wichtig, da ich selber übherhaupt nicht damit klarkommen würde wenn es nicht "perfekt" ist. Zu mir wird jetzt schon gesagt dass alles perfekt weiblich an mir ist aber ich habe trotzdem manchmal noch Angst dass irgendwo etwas männliches durchschimmert, wäre dieses männliche am äußeren viel größer als das weibliche würde ich mich glaube ich garnichtmehr nach draußen trauen, geschweige denn mich irgendwie mögen können so wie ich dann bin.

Wäre ich nichtmehr so jung hätte ich genau aus diesen Grund mehr darüber nachgedacht was ich tun soll wenn es nun doch nicht so toll wie erwartet wird... Aber naja deshalb fing ich auch so schnell an jetzt mit 19 alles zu machen weil ich wusste die Zeit rennt mir Weg und je jünger ich bin desto höher ist die Warscheinlichkeit dass das Ergebnis der Hormontherapie annehmbar wird.

Es hat sehr viel Mut gekostet den ich Jahrelang nicht aufbringen konnte bis die Angst und Sorge unglücklich durchs Leben zu gehen überwiegte und ich hatte das Glück eine Gewissheit zu haben dass das Ergebnis "erfolgreich" wird, im Gegensatz zum manch älteren.

Auch hier wieder, wer einen weiblichen Körper "braucht", den macht er glücklich, aber viel wichtiger ist es erstmal zu klären ob man das wonach man sich sehnt überhaupt bekommen kann? Also alles was im Rahmen des Möglichen ist...

Sahara65
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 20 im Thema

Beitrag von Sahara65 » Do 25. Jan 2018, 01:36

Genau die Frage habe ich mir auch gestellt.
Hat Mann bzw Ich Familie dreht es sich nicht nur alles um mich.

Wir wollen tolleranz und Akzeptanz ?!
Also: aus meiner sichtweise müssen wir das auch unserem Umfeld zu gestehen. Was ist aus andere Leute Sicht ertragbart, hinnehmbar und was nicht.
Wollen Heteros wirklich Männer mit Brüsten auf der Straße sehen ? Mein männliches Ich sagt nein.
Jeder verspottet uns direkt oder indirekt.
Das weibliche Geschlecht ist da wesentlich zu mehr bereit.

Was kann ich mir und im Zusammenhang daraus entstehenden anderen zumuten ?

Ich bin Schichtführer, ich bin Vater, ich bin Transsexuell.
Das komplex zusammen genommen kann ich mich Verwandlungen und Transformationen nicht hingeben.

"Echte" Brüste und eine goap würden meine Gesamtsituation nur verschlimmern.

Ich belasse es bei meiner Art mich zu Kleiden oder verkleiden.

dunkles_sternchen
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 21 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 25. Jan 2018, 04:56

Was ist dann meine Option zum Glücklichwerden?

Tatjana_59
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 22 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Do 25. Jan 2018, 06:44

dunkles_sternchen hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 04:56
Was ist dann meine Option zum Glücklichwerden?
Deinen weiblichen Körper annehmen, denn du bist *vielleicht* die einzige die dich nicht weiblich sieht.

Magdalena
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 23 im Thema

Beitrag von Magdalena » Do 25. Jan 2018, 08:13

Hallo,

ich habe mich durch die verschiedenen Beiträge gelesen. Und nun möchte ich mich zu der eingangs gestellten Frage äußern. Ganz einfach kann ich es nicht beantworten. Denn ich denke vieles spielt da mit hinein. Wer in der angeborenen männlichen und sozialisierten Geschlechterrolle nicht zurechtkommt, kann die Angleichung dazu beitragen, ein glücklicheres Leben zu führen. Nur das allein Seelig machende, ist die Angleichung nicht.

Wer also schon von vornherein mit dem Leben hadert, muss nach der Angleichung nicht immer glücklicher werden. Durch die Angleichung bleiben wir doch immer noch der gleiche Mensch der wir vorher waren. Daran ändert sich nichts. Wir fühlen noch genau so. Im Inneren sind wir immer noch die Frau oder der Mann wie vor der Angleichung. Vieles hat mit der Situation zu tun , in der wir leben. Die Anerkennung in der Familie oder auf der Arbeit und Freunde, die uns so annehmen wie wir sind. Das sind für mich Bausteine um mich glücklich zu fühlen oder eben auch nicht.
Für mich ist das generell ein großer Vertrauensmissbrauch, weil ich heute hier sitze und mit genau dem gleichen Leidensdruck fertig werden muss, der mich damals zur Transition "zwang". Was nützt mir denn ein neuer Pass, wenn ich überhaupt nicht das geringste, weiblichen Körpergefühl habe? Ich meine, wo solls auch herkommen - ist ja witzlos. Ich empfinde das alles als große Lüge und nun ist man mit der Aufgabe allein das alles für sich aufzuarbeiten, die Enttäuschungen, die verbauchte Kraft, die Opfer im sozialen, im finanziellen.
Ja dunkles Sternchen, eine Garantie, dass die Angleichung die Lösung allen Übels ist wird es wohl nie geben. Dafür ist jeder von uns in seiner Lebenssituation so verschieden, da es kein Rezept für Glück gibt. Am Ende muss man sein Glück selber in die Hand nehmen. Nun kenne ich Dich zu wenig, um Dir Ratschläge zu geben. Aber vieleicht setzt Du Dich zu sehr unter Druck mit Deinen Erwartungen. Du suchst etwas, dass nicht erfüllt werden kann.

Liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

Anja
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 24 im Thema

Beitrag von Anja » Do 25. Jan 2018, 09:33

Moinsen,
Magdalena hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 08:13
Durch die Angleichung bleiben wir doch immer noch der gleiche Mensch der wir vorher waren. Daran ändert sich nichts. Wir fühlen noch genau so. Im Inneren sind wir immer noch die Frau oder der Mann wie vor der Angleichung.
Ich kann in dem Punkt ja eigentlich garnicht mitreden, da ich selbst, zumindest wenn wir von der GaOP reden, noch keine Angleichung hatte. Was ich aber bisher darüber gelesen habe, bzw. was die Frauen nach ihrer OP geschrieben haben, hört sich doch ganz anders an. Ein völlig neues Körpergefühl, viel glücklicher als vorher, nun vollständig usw. Ich habe noch keine Post-OP Frau sagen hören, das sich nun garnichts geändert hat und alles wie vorher wäre :roll:
Wenn wir unter Angleichung auch die HT mir einbeziehen, kann ich schon mitreden.
Mich macht es glücklicher. Die Körperbehaarung ist fast komplett weg, meine Geheimratsecken haben sich teilweise wieder aufgefüllt, die Brüste sind gewachsen und man erkennt schon eine weibliche Fettverteilung.
Damit bin ich schon sehr zufrieden. Ich gehe aber davon aus, das sich noch etwas mehr tut, schließlich bin ich noch keine zwei Jahre in HT. Wenn man sich als Frau fühlt, macht alles, was den Körper weiblicher macht, auch zufriedener.
Das das aber nichts mit anderen Baustellen zu tun hat, sollte jedem klar sein. Andere Probleme werden sich davon kaum beeindrucken lassen...

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

Magdalena
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 25 im Thema

Beitrag von Magdalena » Do 25. Jan 2018, 09:44

Hallo Anja,

sicher fühlst Du Dich mit den Veränderungen glücklicher, weil es zu Dir endlich passt. Dies möchte ich nicht in Frage stellen. Denn Dein Innerstes passt jetzt zu Deinem Äußeren. In Deinem Innersten bist Du schon immer eine Frau.

Nur eben allein eine OP und deren Ergebnis macht nicht unbedingt glücklich. Da gehört für mich noch viel mehr dazu.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

ExuserIn-2018-07-15

Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 26 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 » Do 25. Jan 2018, 11:20

Hallo,

ich gebe meinen Status als stille Mitleserin nur ungerne auf, aber einige Beiträge bilden genau die Ängste ab, denen ich mich stellen musste:
dunkles_sternchen hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 22:17
Ich kann nur jedem raten, der mit dem Gedanken der Transition spielt und keine 20 mehr ist, für sich genau zu überdenken, ob man auch damit leben kann, wenn es nicht so oder gar nicht klappt. Manchmal ist es vielleicht doch einfacher den Kerl zu spielen, als sich täglich für seinen Körper schämen und auf vieles verzichten zu müssen.
Als es bei mir losging, hatte ich die 20 schon um 25 Jahre überschritten. Dank meiner großherzigen Eltern war meine Transidentität durch ständiges Unterdrücktwerden und schlussendliche Gewaltandrohung gegen mich bereits in sehr früher Kindheit quasi totgemacht worden. Meine Psychologin vermutet ein schweres Kindheitstrauma, in dessen Folge die Transidentität komplett im Unterbewusstsein verschwand, um dann erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter wieder aufzutauchen.

Ich hatte demnach keine Chance, mit 20 etwas anzustreben, was ich nicht wusste. Ich wusste nur, dass etwas nicht stimmte, weshalb ich mir mein falsches Männerleben bis ins Unerträgliche versauerte. Damit war von einer Minute zur anderen Schluss, als ich endlich wieder wusste, eine Frau zu sein. Doch diesem großen Glück folgte genau die hier beschriebene Kernfrage:
Hätte ich überhaupt eine Chance, jemals das Äußere dem Inneren anzugleichen? Würde ich es schaffen, mich frei und ungezwungen draußen bewegen zu können, ohne dem Spott der Leute ausgesetzt zu sein und jeden Respekt zu verlieren?

Wie Delfinium sah ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder würde ich das schaffen oder mich umbringen.
Komischerweise beeinträchtigte dieser Entschluss nicht meine positive Einstellung zum neu gewonnenen Leben, sondern tauchte nur ab und an wie ein Schatten auf, der einen kurz zweifeln und weinen lässt, um danach voller Energie weiterzumachen.
Mein Körper tat (ohne HET oder Wundermittel), was er konnte, um der Wunscherfüllung, von der ich mein Leben abhängig gemacht hatte, zu entsprechen: Wie durch mehrer Blutbilder festgestellt wurde, fuhr ich innerhalb weniger Monate das Testo bis an den durchschnittlichen Minimalwert in den Keller und die Östrogene bis zum durchschnittlichen (männlichen) Maximalwert hoch. Das reichte anscheinend aus, um massive äußere Veränderungen auszulösen (Gesichtszüge, Fettverteilung, erhebliche Gewichtsabnahme) sodass meine gesamte Statur und Erscheinung kaum wiederzuerkennen waren. Während sich Kolleg_innen wunderten und meine Chefin mit Fragen belagerten, bekamen Familie und Freunde schlichtweg Angst, was da vor sich ging.

Glücklich und dankbar für die Veränderungen, zwangen mich diese jedoch zu einer achterbahnähnlichen Geschwindigkeit auf meinem Weg: Das Outing in der Familie, bei Freunden und im Job folgten in kurzen Abständen, was mir enorme Kräfte abverlangte. Als ich das erste Mal komplett en femme auftauchte, waren meine Kolleg_innen erleichtert: "Jetzt können wir deine Veränderungen endlich einordnen und wissen, was los ist!" Einige hatten Tränen in den Augen. Ich auch.

Nach nur 8 Monaten war ich "Vollzeitfrau" - der schreckeinflößende Schatten war fort. Kurz danach fing ich mit der HET an. Nach 2 Monaten hatte ich einen weiblichen Hormonspiegel und das Brustwachstum setzte ein. Heute bewege ich mich frei in der Bahn, in Geschäften, Restaurants, Tanzclubs, sitze für meine Kolleg_innen ganz selbstverständlich als Frau auf Arbeit, die sich ernsthaft manchmal fragen: "Wie sah sie / er eigentlich früher mal aus?" Aber für mich ist die rasante Entwicklung alles andere als selbstverständlich. Ich denke oft an den geplanten Selbstmord im Falle des Scheiterns, bin extrem dankbar und glücklich, endlich leben zu können.

Aus diesen Gründen kann und will ich niemand den Mut nehmen, welche die 20 überschritten hat. Letztlich lässt sich der Erfolg oder Misserfolg immer nur feststellen, wenn der Weg auch eingeschlagen wird. Für mich stellte das allerdings keine echte Wahlmöglichkeit dar, denn ich musste den Weg in Richtung Frau gehen, um überhaupt weiterleben zu können. Da dürfte ich kaum die Einzige sein.
Delfinium hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 23:59
Den Punkt halte ich für sehr wichtig, da ich selber übherhaupt nicht damit klarkommen würde wenn es nicht "perfekt" ist. Zu mir wird jetzt schon gesagt dass alles perfekt weiblich an mir ist aber ich habe trotzdem manchmal noch Angst dass irgendwo etwas männliches durchschimmert, wäre dieses männliche am äußeren viel größer als das weibliche würde ich mich glaube ich garnichtmehr nach draußen trauen, geschweige denn mich irgendwie mögen können so wie ich dann bin.
Perfekt ist keine Frau. Irgendwie wird bei einer Transfrau immer etwas Männliches durchschimmern als Beitrag zum Unperfektsein. Davor habe ich keine Angst. Bedrohlich wäre es für mich, ständig angeglotzt und / oder ausgelacht, angepöbelt zu werden: "Verkleideter Kerl, angemalter Clown, Möchtegernfrau" u.ä. Das ist zum Glück nicht der Fall. Ich bin seit über 4 Monaten als Frau im Alltag unterwegs, war auch mit Familie im Urlaub (Hotel), und hatte kein einziges negatives Erlebnis. Oft ist es so, dass im Bus oder der vollen Bahn kein Einziger kuckt. Dann witzele ich vor mich hin und denke: "Hallo Leute, hier steht eine preOP Transfrau, hallooo!"
Solange mir Biofrauen die Tür zum Damenklo aufhalten, ist die Welt für mich in Ordnung ...
Delfinium hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 23:59
Wäre ich nichtmehr so jung hätte ich genau aus diesen Grund mehr darüber nachgedacht was ich tun soll wenn es nun doch nicht so toll wie erwartet wird... Aber naja deshalb fing ich auch so schnell an jetzt mit 19 alles zu machen weil ich wusste die Zeit rennt mir Weg und je jünger ich bin desto höher ist die Warscheinlichkeit dass das Ergebnis der Hormontherapie annehmbar wird.
Alles auf eine Karte zu setzen und ausschließlich auf die HET zu vertrauen, halte ich auch für gewagt. Für mich ist die HET letztlich eine Art Bonus, durch den ich vollenden will, was mein Körper bereits aus eigener Kraft in Gang gesetzt hat. Delfinium, wenn ich mir dein Avatarbild anschaue, könnte es bei dir ähnlich sein. Vielleicht hast du einfach nur zu viele Zweifel? Mein tägliches Ritual ist, dass ich nach Styling und Schminken in den Spiegel schauen und sagen kann: "Du bist schön!" Dann gehe ich raus - und stehe bis abends meine Frau.
Aus dem Selbstvertrauen erwächst Sicherheit und daraus ein natürliches Auftreten. Wie ich aus eigenen Erfahrungen bestätigen kann, ist das Auftreten ebenso wichtig wie das Aussehen - darum: Aussehen ist längst nicht alles!
Delfinium hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 23:59
Auch hier wieder, wer einen weiblichen Körper "braucht", den macht er glücklich, aber viel wichtiger ist es erstmal zu klären ob man das wonach man sich sehnt überhaupt bekommen kann? Also alles was im Rahmen des Möglichen ist...
Weiblicher Körper ist mir als Zielsetzung ganz ehrlich zu hoch. Was der derzeitige Stand der GAOP im Bestfall als Ergebnis liefern kann, reicht nach meiner Meinung kaum an eine Vagina heran, insbesondere "funktionell". In dieser Beziehung werde ich nie einen weiblichen Körper haben können. Ähnlich sehe ich das mit Silikonbrüsten (Implantate), die mich bei Biofrauen ebenso abschrecken wie bei allen anderen. Was dort nicht natürlich wächst, ist eben nicht da.
Mein Ziel ist es, das Äußere dem Inneren bestmöglichst anzugleichen, auch wenn kein 100% weiblicher Körper dabei herauskommen kann. Voraussetzung dafür ist, dass das Innere ein klares Ziel hat. Was sollte sonst bei so einer Anpassung herauskommen?

Ich will authentisch sein, alles rauslassen, was ich als verkleideter Kerl unter Verschluss hielt. Dadurch kommen weibliche Gesten / Gang / Gewohnheiten ganz von selbst. Wenn ich jetzt ein paar Oktaven höher spreche und plötzlich eine neue andere Lache habe, dann ist das kein "Verstellen der Stimme", sondern es ist meine Stimme. Als Mann hab ich absichtlich krampfhaft tief gesprochen und damit ist jetzt Schluss. Wenn ich bei Telefonaten in ungeahnte Höhen vordringe, dann ist das keine Schauspielerei, sondern ich lasse raus, was ich bin - endlich!

ExuserIn-2018-09-04
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 27 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Do 25. Jan 2018, 11:49

Semele hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 11:20
Perfekt ist keine Frau.
Ich habe das "perfekt" mit Absicht in diesen Häckchen geschrieben, dass niemand perfekt ist ist mir klar. "Perfekt" bedeutet für mich in dem Kontext dass ich zufrieden mit meinem Aussehen bin. )))(:

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 28 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Do 25. Jan 2018, 12:03

Semele hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 11:20
Irgendwie wird bei einer Transfrau immer etwas Männliches durchschimmern als Beitrag zum Unperfektsein.
Da stimme ich dir nicht zu. Rein äußerlich kann man sich dem Bild einer Bio Frau sehr genau angleichen (wenn man entsprechende Vorraussetzungen mitbringt), das einzige was fehlt sind dann bestimmte Organe z.B. Eierstöcke, Gebärmutter..

Es gibt genug bildhübsche Transfrauen bei denen man nie denken könnte dass sie mal ein Mann waren, da schimmert nichtsmehr von dem alten männlichen durch ;)

Und zur HRT... ich will mich nicht operieren lassen (außer zur gaop). Die HRT ist der einzige Weg meinen Körper und mein Aussehen weiblich werden zu lassen und da ich noch sehr jung bin funktioniert das auch super und ich wüsste echt nicht was ich ohne dieses Zeug tun würde :D

Für mich war die HRT kein Bonus, meine Zielsetzung ist villeicht anders als deine. Bei mir soll äußerlich nichtmehr erkennbar sein ob ich mal TS war, dem Ziel komme ich langsam immer näher aber es gibt halt noch ein paar Problemzonen um die ich mich kümmern muss :D

Jeder sollte so Leben wie er sich wohlfühlt, und damit ich mich wohlfühlen kann habe ich mir auch meine eigenen Ziele gesetzt, die villeicht etwas höher sind als bei anderen.

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 29 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » Do 25. Jan 2018, 12:53

Semele hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 11:20
(…) Irgendwie wird bei einer Transfrau immer etwas Männliches durchschimmern als Beitrag zum Unperfektsein. Davor habe ich keine Angst. (…)
Die braucht man imo auch nicht zu haben, sofern "das Gesamtpaket" stimmig ist und natürlich rüber kommt.

Ich hatte mal beruflich die Gelegenheit, High Fashion Models Backstage und ungeschminkt zu erleben. Viele von diesen Mädchen sehen mit kurzen oder zurückgekämmten Haaren aus wie pubertierende Jungs. Sie verfügen über Körpermerkmale, die man eher mit Männlichkeit assoziiert, z.B. ausgeprägte Wangenknochen, wenig Busen etc. Diese Androgynität macht die Mädchen besonders einzigartig und - ja, schön!

Von daher teile ich deine Einschätzung, dass ein gutes (=natürlich wirkendes) weibliches Passing das Leben im Alltag erleichtert. Aber perfekte Weiblichkeit, wie sie von einigen TS angestrebt wird, wirkt imo oft langweilig.

Liebe Grüße Daenerys

sbsr
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 30 im Thema

Beitrag von sbsr » Do 25. Jan 2018, 14:57

Zeig mir eine Bio Frau, die nicht irgendetwas an sich ändern möchte. Das Streben, besser zu werden, kann motivieren. Es darf aber nicht soweit gehen, dass es einen selbst zerstört.

Nach den teilweise sehr emotionalen Beiträgen traue ich mich fast nichts schreiben, aber ich möchte doch etwas zum Thema beitragen. Ob mich als CD / Teilzeitfrau ein weiblicherer Körper glücklich machen würde, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich mir einen weiblicheren Körper wünschen würde, einfach aus dem Grund weil ich mich dann schöner fände. Das geht mit dem leidigen Thema Bart(schatten) los, geht weiter dass mich meine halbwegs muskulösen Arme stören, wo durch die fehlende Fettschicht auch noch die Venen stark hervor treten. Ich selbst würde mir besser gefallen ohne diese Attribute, das Passing wäre einfacher, und ja, vielleicht wäre ich dann glücklicher und zufriedener.

Trotzdem bleibt mir nichts weiter übrig, als mit dem zu leben was ich habe, und damit bin ich nicht unglücklich.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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