Macht ein weiblicher Körper glücklicher?
Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

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Christine75
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Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 1 im Thema

Beitrag von Christine75 » Mi 24. Jan 2018, 00:08

Sicherlich gibt es viele hier, die den sehr langen und mühsamen Weg gehen, um ihren zum Teil gehassten männlichen Körper auf weiblich zu trimmen. Mit Hormonen, Lasern und zum Schluß mit dem Skalpell, rückt man dem falschen Körper auf die Pelle. Und Dann? Ich habe Kontakt zu einigen TG gehabt, die selbst nach der GAOP nicht als Frau anerkannt wurden. Die Ablehnung von Familie und Freunden blieb, die Suche nach toleranten Arbeitgebern und Partnern blieb sehr schwierig.
Ich hatte sogar eine Zeit lang Briefkontakt mit einem TG, der sich letztlich umgebracht hat, weil sie trotz GAOP absolut unglücklich war und sich sehr einsam gefühlt hat.
Sowas muss nicht für jeden gelten und mache hier hat viel Glück und Unterstützung.
Dennoch habe ich zumindestens das Gefühl, das einige diesen Weg gehen, nur um sich äußerlich der gesellschaftlichen Vorstellung von einer Frau anzunähern, um weniger auffällig zu sein, um erst später eventuell als Mann erkannt zu werden, also erst auf den zweiten Blick, um sich weniger ängstlich und/oder unsicher draußen zu bewegen.
Ich mag meinen männlichen Körper und habe auch nur den Wunsch nach einem Weiblichen , um "besser getarnt" nach draußen zu gehen. Die Christine in mir ist zumindestens in den letzten Jahren glücklich mit Klamotten, Silliconbrüsten und Perücke.
Was denk ihr über euren Körper und mögt oder hasst ihr ihn so sehr, das ihr euch gezwungen seht, etwas zu tun?

Ulrike-Marisa
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mi 24. Jan 2018, 09:09

Moin,

...das ist sicher eine schwierig zu beantwortende Frage, deren Beantwortung sehr stark von den individuellen und persönlichen Vorstellungen, wünschen, Träumen und tatsächlichen Möglichkeiten jedes/der Betroffenen abhängen. Da gehen Wünsche, Möglichkeiten Vorstellungen weit auseinander, denke ich. Da kann jede/r nur für sich selbst festlegen, was gewollt und was möglich ist. Da gibt es für Betroffene familiäre Zwänge, die nur die wenigsten Betroffenen nicht haben, völlig frei ist da wohl niemand. Andere ziehen den Weg durch, während wieder andere da weit zurückhaltender sind; vielfältig ist da wohl die Beschreibung für die Wege, die gegangen werden. Ob ein weiblicher Körper für direkt Betroffene, TS, glücklicher macht, täte ich vorsichtig mal bejahen aus meiner persönlichen Sichtweise heraus.
Ich lebe mit Einschränkungen quasi mit einem Lebenskompromiss mit meiner Frau zusammen, die meine Vorstellungen und Wünsche hinsichtlich meiner Weiblichkeit nicht verstehen kann und will, deshalb Status Quo-Kompromiss. Sie kennt und liebt auch meine weiblichen Seiten, Röcke aber - nein, keine zweite Frau im Haushalt.
Andererseits kann ich mich fast jederzeit weiblich fühlen, habe lange Haare, Ohrringe, in Form gezupfte Augenbrauen, einen von Natur aus weiblichen Hintern, einen von Jugend an vorhandenen Busen, den ich mit Pueraria Mirifica noch um ca 1-2cm aufpeppen konnte auf 12cm Unterschied Ober-/Unterweite und mittlerweile auch keinen Bartschatten mehr, da die Barthaare weiß sind, die restliche 5 schwarzen zupfe aus. Was will ich mehr. GAOP steht aus familiären Gründen derzeit nicht auf der Agenda, trotzdem kann ich zufrieden sein, wohl wissend, dass ich da in einigen Positionen auch von Natur her begünstigt bin und eine Äußere Anpassungs-OP für mich eigentlich für wünschenswert erachten täte - geht halt derzeit nicht und wir haben nur einen Körper, mit dem wir leben können und müssen. Es geht nicht immer alles im Leben.

Beste Grüße, Ulrike-Marisa ))):s

...ich bin, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben... :wink:

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 3 im Thema

Beitrag von Viggy » Mi 24. Jan 2018, 09:19

Aus meiner persönlichen Sicht, ich glaube nicht, dass ich mit einem weiblichen Körper glücklicher wäre. Hin und wieder stören mich meine bestimmte männliche Attribute zwar, aber nicht so sehr, dass ich nachhaltig was daran ändern würde. Weiblicher würde ich wie Christine nur dann wollen, sollte ich jemals en femme rausgehen wollen.

Vielleicht versuche ich es mal mit einem oliven Kleid. Schließlich sang ja Mike Krüger schon in den 70ern: "Oliv ist so praktisch, oliv ist so schön, hab ich oliv an, kann mich keiner mehr seh'n"

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-04-18 » Mi 24. Jan 2018, 10:58

Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens nach ein eindeutiges: kommt drauf an!

Wieso? Ich denke, wenn ich alle großen und kleinen Probleme, die ich mit oder in der Welt habe nur auf den männlichen Körper reduziere, und ich gestehe, ... genau das habe ich eine Zeit lang getan ... eine schmerzliche Zeit lang ... dann wird das auch nicht wirklich besser mit einem weiblichen Körper. Weil ... die Probleme bleiben bestehen. Deshalb finde ich, Probleme sollten vorher geklärt werden, dann istvdie Chance das ich glücklich werde einfach viel größer.
Ich für mich selbst bin mit der momentanen Situation zufrieden ... löse nach und nach paar Problemchen ... und habe kein Problem mit meinem Körper, wenn erforderlich mussbich bißchen zaubern oder kaschieren ... aber es geht ganz gut. Ob ich mit weiblichem Körper glücklicher wäre weis ich nicht. Jedenfalls bin ich im Moment glücklich und darauf kommt es an.
Natürlich will ich nicht im Abrede stellen, dass es viele gibt, bei denen die Transition der einzige Weg ist. Meine allergrößte Hochachtung dafür. Nur es sollte keine Universalproblemlösung sein ... weil das ist sie leider nicht.

Das ist wieder nur meine ganz eigene Sicht der Dinge, es liegt mir völlig fern, jemanden zu bevormunden o.ä.

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 5 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Mi 24. Jan 2018, 11:08

Hallo Christine,

ich habe mir am Anfang meiner Transition sehr oft die Frage gestellt, ob ich nicht aus Selbsthass diesen Weg gehe. Ja, viele TS hassen sich und sind depressiv, auch nach der GAOP. Operationen können die körperliche Problematik lösen, die seelische nicht. Und der Preis kann sehr hoch sein: Verlust der Familie, der Freunde, des Jobs. Es ist ein fataler Irrglaube zu denken, allein ein Fummel, ein paar High Heels und - böse ausgedrückt - ein Loch zwischen den Beinen, machen jede von uns glücklich.

Im Buch von Jean Lessenich findet sich sinngemäß folgendes Zitat: Ich habe viele Jahre gebraucht um zu begreifen, dass die Frau in mir den Mann in mir zerstören wollte.

Da ich Hass und Zerstörung für ziemlich schlechte Gründe für Veränderungen halte, habe ich mir zu Beginn meiner Transition sehr viel Zeit gelassen und Mühe gegeben, in mich hinein zu horchen. Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, was ich wollte. Ich wusste nur, dass es so nicht weiter gehen konnte. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich sagen konnte: Ich hasse meinen Körper nicht, ich bin nur unglücklich wie er aussieht. Also habe ich angefangen, ihn zu verändern. Das hört sich jetzt banal an, bis ich an diesem Punkt war, war es ein sehr schwieriger und schmerzhafter Weg. Und er ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Viele Fragen habe ich mir immer noch nicht beantwortet. Soll ich eine GAOP machen? Wie weiblich will ich überhaupt sein und warum? Will ich manches vielleicht doch nur sein, damit ich in der Gesellschaft besser klar komme? etc.

Liebe Grüße Daenerys
Me too.

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 6 im Thema

Beitrag von Anja » Mi 24. Jan 2018, 11:26

Moinsen,
Christine75 hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 00:08
Dennoch habe ich zumindestens das Gefühl, das einige diesen Weg gehen, nur um sich äußerlich der gesellschaftlichen Vorstellung von einer Frau anzunähern, um weniger auffällig zu sein, um erst später eventuell als Mann erkannt zu werden, also erst auf den zweiten Blick, um sich weniger ängstlich und/oder unsicher draußen zu bewegen. [...] Was denk ihr über euren Körper und mögt oder hasst ihr ihn so sehr, das ihr euch gezwungen seht, etwas zu tun?
Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber alles, was ich getan habe, um mich optisch einer Frau anzugleichen, habe ich für mich getan. Tue ich für mich. Ich mag mich heute viel lieber im Spiegel anschauen als noch vor ein paar Jahren.
Ich tue das für mich, damit ich mir gefalle. Damit das was ich sehe zu meinem Gefühl passt. Anderen "der Gesellschaft" kann das doch egal sein.
Ich bin ein ziemlicher Schisser, deswegen kommen OPs für mich nicht in Frage. Auschließen will ich es nicht, das ich es nicht doch irgendwann in Angriff nehme, aber derzeit... nein. "Die Gesellschaft" sieht ohnehin nicht, was ich in der Hose habe und zeigen tue ich es natürlich erst recht nicht. Also warum sollte jemand für "die Gesellschaft" eine GaOP machen wollen? Wenn man sowas tut, dann doch für sich selbst. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, das jemand die GaOP auf sich nimmt, damit jemand anders dann zufrieden ist...
Um den Thread-Titel zu beantworten. Umso weiblicher ich mich im Spiegel wahrnehme, desto glücklicher bin ich. Ja! (he)

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 7 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Mi 24. Jan 2018, 12:09

Glücklich sein hängt von vielen Faktoren ab, nicht nur vom Verhältnis zum eigenen Körper. Mich macht es einfach zufriedener, seit ich meinen Körper so wie er ist, akzeptiere. Mit den Sonnenseiten (z.B. meine schlanken Beine) und mit den Schattenseiten (z.B. der nicht so schlanke Bauch). Ob ich in einem weiblichen Körper glücklicher wäre? Vermutlich nicht, denn dann hätte ich mit großer Wahrscheinlichkeit Cellulitis und hängende Brüste. Das Alter hinterlässt so oder so Spuren.

Anders gelagert wäre es, wenn ich mit meinem Geschlecht unglücklich wäre. Dann wäre ein weiblicher Körper eine Befreiung und würde mich wahrscheinlich glücklicher machen.

Andererseits gibt es viele Frauen (und Männer?), die mit ihrem Körper unzufrieden sind. Ob die glücklich sind?

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 8 im Thema

Beitrag von Jenina » Mi 24. Jan 2018, 12:44

Hallo Christine,

Du sprichst ein sehr ernstes Problem an. Leider gibt es viele trans Menschen die von Problemen nichts wissen wollen und eher ein egoistisches "Ich bin Ich" wie eine Mostranz vor sich hertragen. Dabei verlieren sie den Blick auf den Weg vor sich. Der ist nicht immer so einfach wie in den Träumen und Vorstellungen. Im allgemeinen fliegt einem ein mehr oder weniger großer Teil des Lebens um die Ohren.

Da kommt es sehr häufig vor, dass man auch nach einem Grund sucht warum es einem so schlecht geht mit seinem trans Sein. Dabei ist dann manchmal der "falsche Körper" der Schuldige. Natürlich gibt es nicht wenige Menschen die ihren Körper, besonders ihre Geschlechtsmerkmale, regelrecht als falsch empfinden.

Nur sind das eben nicht alle, meiner Meinung nach sogar eher wenige. Und für diese anderen bringt auch die massive Veränderung des Körpers keine Erleichterung. Zumal eine große operative Lösung auch eine sehr schwere Operation ist, die nicht selten mit Komplikationen verbunden ist. Etwas mehr Gelassenheit mit seinem Körper scheint mir der bessere Weg.

Der erste Weg muss sein mit sich und seinen Gefühlen vollkommen klaren zu sein. Das sollte man dann seiner wichtigsten Umwelt anvertrauen und sich einer möglichst großen Gemeinschaft von hilfreichen Menschen versichern. Erst wenn mann seelisch gefestigt ist sollte man an die Veränderung des Körpers denken, nicht umgekehrt.

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Ronda_PTL
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 9 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 24. Jan 2018, 13:12

Hallo Mädels, Wanderer zwischen den Welten und Suchende!

Was ich bisher an Beiträgen von Euch gelesen habe, finde ich alles sehr richtig und für viele von uns zutreffend. Es wird wohl NIEMALS DIE EINE Antwort auf die Frage der TO geben, denn dazu sind wir alle mit unseren Biographien, Motiven und Wünschen, Ängsten, Kummer, usw. individuell zu verschieden.

Sehen wir es doch mal andersherum; sind nicht eigentlich WIR die "Priviligierten" in der Masse der Menschen, die sich das Leben einfach machen, lieber den gesellschaftlichen Normen, Konventionen, Erwartungen anpassen und diese gar nicht mehr hinterfragen? Obwohl ich glaube, dass fast jede(r) schon einmal mindestens im Dasein an den Punkt gekommen ist, auch diese existenziellen Fragen in sich zu spüren.

Es gehört viel Stärke, Mut und letztlich Selbstvertrauen dazu, sich im Spiegel zu betrachten und zu fragen: "Bin ich das wirklich? Oder gibt es da noch mehr, das ich nur nicht wage anzusehen?"

Denn ich bin fest davon überzeugt -- nach langem Zweifeln --,dass in ALLEN Menschen potenziell mehrere Anteile BEIDER biologischen Geschlechter stecken. Daher kann ich auch die Frage nicht mit einem eindeutigen JA beantworten, ob jemand nach einer Anpassung an das Traumgeschlecht wirklich glücklicher ist. Mag sein, gibt es sicher, aber ich habe für mich herausgefunden, dass ich mich mit dem Ausleben der FACETTEN und WIDERSPRÜCHE am wohlsten "in der Haut" fühle, die mir das Schicksal mitgegeben hat. Auch wenn das ein ziemlich fordernder und ewig sich windender Weg ist. However, such is LIFE!

PS: in einer ganz banalen Hinsicht würde ich mich sicher in einem biologisch weiblichen Körper deutlich wohler fühlen ... Wenn ich mich nicht permanent und so gründlich rasieren müßte! Ich liebe meine vielen, dichten, dunklen und langen Haare auf dem Kopf, aber im Gesicht und am Körper wäre ich gern weniger "gesegnet" damit. :wink: :? :roll:


VLG Ronda
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 10 im Thema

Beitrag von Victoria » Mi 24. Jan 2018, 13:27

Moin,
Christine75 hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 00:08
um ihren zum Teil gehassten männlichen Körper auf weiblich zu trimmen.
ich habe meinen Körper nicht auf weiblich "getrimmt"! Nach jahre langem Gefühlschaos war es der einzige Weg, mein Äußeres endlich dem Innern anzupassen!
Sicherlich war es kein einfacher Weg, mir ist viel um die Ohren geflogen. Beruflich wie privat. Ich habe viel verloren, aber auch sehr viel gewonnen! Meine Lebensqualität hat deutlich zugelegt.
Natürlich müssen diese Schritte gründlich überlegt sein und eine gute therapeutische Begleitung darf nicht fehlen. Jede/r von uns ist letzt endlich für sich selbst verantwortlich.
Selbstmordgedanken? Ja, die hatte ich auch. Aber vor der GAOP! Jetzt never, ich bin einfach nur glücklich.
Natürlich, werde ich auf Grund meines fortgeschrittenen Alters nicht mehr so Femin aussehen wie die jungen Mädels, aber so what, die Akzeptanz, das ich eine Frau bin ist da.
Und wie habe ich in meinem Tagebuch geschrieben: Ich laufe nicht als "Tussy" durch die Gegend, sondern schwimme als normale Frau im Leben mit.

LG
Vicci
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 24. Jan 2018, 15:13

Hallo Christine,

ich „erhole” mich gerade vom gestrigen Gründungstreffen meiner Selbsthilfegruppe. Es sind hier im Hunsrück mehr als zehn Teilnehmer erschienen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Und dann gab es sogar noch ein gemeinsames Essen in einem Restaurant - ein voller Erfolg also. Aber mehr will und darf ich darüber nicht verraten.

Ich habe begonnen, den Autor Nikolai Fritz, der jetzt Nicole Doll heißt, „abzuwickeln”. Dazu habe ich ein vor Jahren angefangenes und nie zum Ende gebrachtes Manuskript aufgegriffen und als Nicole Doll weiter geschrieben. Aus der ursprünglich geplanten Autobiographie „Der Autolegasthenist” wurde nun der Bericht über ein Coming Out mit dem Titel „Die Transautolegasthenistin”. Darin habe ich geschrieben:
...... Da heißt es ganz klar: „Ich BIN eine richtige Frau! Das mit dem Ding da unten war ein Fehler der Natur. Und der ist jetzt mit der GAOP endlich behoben.”
Ich habe in einem Beitrag im Crossdresser-Forum einmal geschrieben, dass ich da eher einen kastrierten Mann sehe. Da wurde ich eindringlich ermahnt solche Beleidigungen in Zukunft zu unterlassen. Jetzt weiß ich, wie empfindlich manche „echte” Transfrauen sind, und halte mich entsprechend zurück.

Bei der Selbsthilfegruppe* erfahre ich immer wieder, wie ständige Zweifel während der Transition das Leben schwer machen. Trotz Psychotherapie geht es manchmal nur knapp an einem Selbstmord vorbei. Ich würde jetzt gerne mehr dazu schreiben, aber alles was in einer solchen Gruppe besprochen wird, geht nur diese Gruppe und sonst niemanden etwas an.
Nun frage ich mich: Wie kommen diese Zweifel bis hin zu einem Selbstmordversuch auf, wenn es doch mit diesem Fehler der Natur so klar und einfach ist? Oder ist es vielleicht doch nicht so klar und einfach?
......
Ich habe fast mein ganzes bisheriges Leben unter dem Druck gelitten in die Rolle als Mann hinein passen zu müssen. Wie viel Druck ist es aber, wenn ich mich nun ständig bemühe wieder möglichst perfekt in die Rolle als Frau hinein zu passen? Kann es da nicht sein, dass ich diese Traumfrau, die der Mann in mir liebt, dann auch anfange zu hassen? Und dann geht mit der Verzweiflung und Depression alles wieder von vorne los. Sind nicht die erwähnten Selbstmordversuche ein Hinweis darauf, dass es oft so ist?
Ich habe einmal gesagt: Nikolaus ist jetzt tot. Und wenn jetzt auch noch Nicole stirbt, dann war es das endgültig mit mir. Also muss ich jetzt alles daran setzen, damit Nicole NICHT unglücklich wird und verzweifelt. Da kann es doch nicht zielführend sein, wenn sie sich nun einem ähnlichen Druck hingibt, wie er Nikolaus in die Verzweiflung getrieben hat.
Also sehe ich es mit meinem Passing - also dem Anpassen an eine weibliche Erscheinung - bei weitem nicht so eng wie die meisten „echten” Transfrauen. Meine Stimme bleibt männlich, und wenn da trotz Make-Up etwas von Bart zu sehen ist, dann ist das eben so.
......
* gemeint ist die SHG in Koblenz, die ich seit einem halben Jahr besuche.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit dieser Beschreibung meiner Situation ein wenig weiter helfen.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Delfinium
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 12 im Thema

Beitrag von Delfinium » Mi 24. Jan 2018, 15:42

Also ich kann wie immer nur für mich selbst sprechen, würde ich nicht den langen Weg gehen hätte ich mich schon längst umgebracht. Es ist toll unerkannt als TS Leben zu können und auf den ersten, zweiten, dritten und vierten und tausendsten Blick als Bio Frau komplett warnehmbar zu sein (ist leider nicht bei jedem gegeben). Wenn ich nicht perfekt als Frau durchgehen würde und als Transe bekannt wäre weiß ich nicht ob ich mich nicht doch umgebracht hätte... Allein schon wenn ich im Internet mit einem netten Kerl schreibe und ihm sage dass ich TS bin will ich am liebsten den kontakt abbrechen, werde total deprimiert und muss meine Medikamente nehmen um wieder runterzukommen... Es macht mich glücklich wie bald wie eine normale Frau Leben zu können (nach Operation und VÄ/PÄ), durchs Leben zu gehen und so behandelt zu werden wie eine Bio Frau aber das mit den seelischen Schäden stimmt, sie bleiben da.

Trotz des ganzen Weges bleibt meine Psyche kaputt, deshalb trank ich viel alkohol, fing an mich zu ritzen, verzockte mein Geld im Casino und bekam selbstmordgedanken, weil ich einfach kaputt bin... Der weibliche Körper macht es nurnoch erträglich für mich... So erträglich dass es nur beim ritzen bleibt und die selbstmordgedanken nicht wahr werden.

Ich hasse meinen Körper so sehr dass ich mich ohne diesen Weg umbringen würde, ich glaube das beantwortet deine Frage. Deshalb war es mein einziger Ausweg aus dem ganzen den langen Weg zu gehen der hoffentlich nächstes Jahr sein Ende hat :)

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 13 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 24. Jan 2018, 16:00

Hi liebe Delfinium!
Ich hasse meinen Körper so sehr dass ich mich ohne diesen Weg umbringen würde, ich glaube das beantwortet deine Frage. Deshalb war es mein einziger Ausweg aus dem ganzen den langen Weg zu gehen der hoffentlich nächstes Jahr sein Ende hat
Darf ich fragen, wie lange Dein schmerzvoller Weg bis zur finalen Erkenntnis wer und was Du bist gedauert hat?
Und wo in der BRD wirst Du die GAOP machen lassen?

LG Ronda
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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 14 im Thema

Beitrag von Delfinium » Mi 24. Jan 2018, 16:21

Ronda_PTL hat geschrieben:
Mi 24. Jan 2018, 16:00
Hi liebe Delfinium!
Ich hasse meinen Körper so sehr dass ich mich ohne diesen Weg umbringen würde, ich glaube das beantwortet deine Frage. Deshalb war es mein einziger Ausweg aus dem ganzen den langen Weg zu gehen der hoffentlich nächstes Jahr sein Ende hat
Darf ich fragen, wie lange Dein schmerzvoller Weg bis zur finalen Erkenntnis wer und was Du bist gedauert hat?
Und wo in der BRD wirst Du die GAOP machen lassen?

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Es hat mein ganzes Leben lang gedauert, seitdem ich im Kindergarten war wusste ich dass ich ein Mädchen sein will in der Zukunft, seitdem beschäftige ich mich nonstop die letzten 20 Jahre meines Lebens mit diesem Thema. von 0-6 Jahren ist mir aufgefallen dass ich lieber ein Mädchen wäre, von 6-13 Jahren habe ich über die Operation nachgedacht, mich informiert ob ichwirklich transsexuell bin. Von 14-17 fing ich an mich zu finden, zu festigen, zu überlegen ob ich nicht doch nur CD sei und nach vielen hin und her wurde mir klar dass es das richtige für mich ist den ganzen Weg zu gehen, mit 17-19 fing ich an Frauenklamotten zu tragen und mir immer mehr zu wünschen dass es losgeht und ich meinen Körper endlich anpasse und mit 19 (vor einem Jahr) begann ich die Hormontherapie, ging zu einem Logopäden und jetzt vor ein Paar Wochen habe ich die vä/pä eingereicht :)

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Re: Macht ein weiblicher Körper glücklicher?

Post 15 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 24. Jan 2018, 16:39

Danke für die ausführliche Antwort. Da kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Du inzwischen mit großer Sehnsucht auf den "Starttermin" hinfieberst. Wer so eine lange und intensive Leidensgeschichte hinter sich hat, sich selbst erforscht hat, der ist bestimmt "im falschen Körper" geboren, nicht "nur" ein CD.

Ich wünsche Dir jedenfalls alles erdenklich Gute, dass die OPs komplikationsfrei verlaufen und auch der lange Eingewöhnungs-Prozess in die andere Körperlichkeit danach, möglichst gut für Dich sich gestaltet! (so)

LG Ronda
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