Das bin ich
Das bin ich

Wer möchte, kann sich vorstellen: bitte kurz fassen
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doppeldoppelx
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Das bin ich

Post 1 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

Hi,

am besten erzähle ich mal, wie ich auf die Idee kam, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Alles begann damit, dass ich eine Diagnose bekam, die fast eigentlich nur Männer erhalten. Demnach wurde ich oft auch leider wie ein Mann med. behandelt und habe mich somit vor kurzem damit beschäftigt, warum Frauen andere Symptome zeigen als Männer.

Ich fand ein Gen, dass für meine Diagnose verantwortlich zu sein schien, in einigen Internetquellen angegeben. Jenes lag auf dem X-Chromosom.

Also hatte ich mir gedacht, ich schau mal, ob es mit der Vererbung zu tun haben könnte, da Frauen 2 X-Chromosomen haben. So viel wusste ich aus dem Schulunterricht noch.
Darum ging ich in unsere Unibibliothek in die biologische Bücherabteilung und schlug die Regeln der Vererbungsgenetik für die Geschlechtschromosomen nach.
Darin las ich zum ersten mal von der sog. X-Inaktivierung.

Ich versuche es so kurz wie möglich zu erklären. Jedes Individuum ohne Y-Chromosom wird eine Frau. Dabei ist egal wie viele X-Chromosomen vorliegen. Liegt ein XXY-Satz vor, so wird es also trotzdem ein Mann. Ein Individuum mit nur einem X ist daher phänotypisch eine Frau. Individuen mit nur einem Y-Chromosom sind von Natur aus nicht möglich, weil das Y-Chromosom im Laufe der Entwicklung viele lebenswichtige Gene verloren hat, die nur das X-Chromosom trägt. Es trägt größtenteils nur Gene, die für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale notwendig sind. (Zuerst dachte ich, dass man nur mit Y-Chromosom ein vollwertiger Mensch sein könnte, weil das männliche Geschlecht für Stärke steht. Also dachte ich, müsste es logisch sein, dass auf dem Y-Chromosom auch wichtige Gene liegen, die der Frau fehlen. Diese Annahme ist falsch.)
Aus diesem Grunde würde es zu einer Überregulierung führen, wenn in jeder Zelle jeder Frau alle X-Chromosomen aktiv wären. Daher wird immer ein X-Chromosom inaktiviert, also still gelegt. Dies führt dazu, dass hier nicht die klassischen mendelschen Regeln ausgeprägt sind, sondern ein sog. Mosaikmuster vorliegt, dass je nach Gefälle unterschiedliche Ausprägungen der Merkmale des X-Chromosomensatzes ausbildet.
Das erklärt auch, warum Frauen eine andere symptomatische Ausprägung haben als Männer.

Hinzu kommt, dass pro Zelle verschieden viele Geschlechtschromosomen auftauchen können. Also z.B. x/xx, xx/xy, xx/xxx usw.
Da ich aber keine Symptome für solche Veränderungen zeige, gehe ich davon aus, dass ich einen sog. xx/xx-Satz habe. Leider steht das Ergebnis wegen Corona seit Wochen aus. Meine Probe wurde in irgendein Speziallabor nach Dresden geschickt. Das war im Juli. Ich warte gespannt auf die Antwort.
Der Dok meinte, das Labor würde ganz genau testen, da man bei Frauen wegen genau dieser Problematik oft Fehldiagnosen stellen würde. Eine Frau hat eben ein anderes genetisches System als ein Mann. Bei dem kann sich nur ein X-Chromosom ausprägen.

Seit dem weiß ich endlich, warum ich nicht auf das Diagnosebild passe, dass alle von mir erwarten. Kein Arzt hat mir je davon erzählt. Entweder wissen die Ärzte es selbst nicht oder sie hielten mich für zu blöd dazu.


Jetzt zu dem Teil, warum ich mich mit Intersexualität beschäftige.

Intersexualität bedeutet, dass man nicht eindeutig einem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehört.
Wenn ich also eine Diagnose habe, die ein männliches Gehirn impliziert, ich aber phänotypisch eine Frau bin, dann haben wir wohl ein Problem bzw. die Gesellschaft.
Welcher Mensch soll den das verstehen und darauf kommen?
Mann stelle sich vor, man sieht einen Hund, der sich aber teilweise, aber nicht ganz wie eine Katze verhält. Das Problem ist klar oder?

Da ich aus diesem Grunde weder die typischen Anforderungen einer Frau erfüllen kann, aber auch kein Mann bin offensichtlich, weiß ich momentan selbst nicht mehr, wo ich mich einordnen soll und habe mir gedacht, ich versuche mal das Geschlecht weg zu lassen.

Ich möchte auch das dritte Geschlecht annehmen, weil ich gemerkt habe, dass immernoch Vorurteile gegenüber Frauen existieren, die meine berufliche Laufbahn einschränken und vor allem werde ich bei Ärzten immer nur auf die Psychoschiene abgeschoben. Das hat leider oft zu vielen Fehldiagnosen in verschiednene Fachrichtungen geführt.

Ich hoffe, dass ich bald ein Attest mit der sog. "Variante der Geschlechtsentwicklung" bekomme, auch wenn ich mich kaum traue, das anzusprechen, weil es immernoch gesellschaftlich nicht ganz akzeptiert wird.
Evtl. finde ich hier Leute, denen es ähnlich geht.
Céline
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Re: Das bin ich

Post 2 im Thema

Beitrag von Céline »

Dann sag ich erstmal Herzlich Willkommen hier bei uns
Grüße
Céline
doppeldoppelx
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Re: Das bin ich

Post 3 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

Ist meine Erklärung gut gelungen?
!EmmiMarie!
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Re: Das bin ich

Post 4 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! »

Hi doppeldoppelx,

erst mal happy welcome..

dann wow...

ich habe noch nie eine so wissenschaftlich-orientierte Vorstellung hier gelesen.
Wenn ich es richtig verstehe, habt ihr also einen humangenetischen Test oder
eine Chromosomenanalyse veranlasst?
Du hast bisher nur eine Vermutung, die du dir über dein angeeignetes Wissen
formuliert hast, oder hast du schon andere stichhaltige Ergebnisse, die
du hier nicht ausgeführt hast?

Ich komme gleich mal wieder mit hundert Fragen um die Ecke..entschuldige.

Ganz unabhängig von deiner phänotypischen Ausprägung und deinem Wunsch
nach Einordnung oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe-was fühlst du, was sagt dir
dein Herz?
Versteh mich bitte nicht falsch, ich verorte mich binär weiblich, hätte aber nie
Frieden finden können, würde ich es an einer wissenschaftlichen Erklärung
festmachen. Die suche ich schon mal hier mal da, aber nicht vollumfänglich
für mein Sein, das wäre mir zu wenig "menschlich"..

aber, nicht alle Wege sind gleich und ich offen gestanden neugierig auf dich...

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Das bin ich

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Willkommen im Forum :)

Die Gene sind schon ziemlich spannend und beeinflussen klar die körperliche Erscheinung, aber wer du bist und wo du dich im sozialen Genderspektrum einordnest, bestimmen sie nicht. Es ist auch sehr fraglich, welchen Einfluss Gene auf die wie auch immer geartete "geschlechtliche" Hirnentwicklung haben. Angesichts der starken Überlappung von Frauen mit "männlichen" Eigenschaften und Männern mit "weiblichen" ist es eh praktisch unmöglich, ein Gehirn als "weiblich" oder "männlich" zu identifizieren. Andere Faktoren, Hormonschwankungen (auch schon vor der Geburt), Erziehung, Erfahrungen, usw. spielen da offenbar auch eine ziemliche Rolle. Mit anderen Worten: Es sind vermutlich nicht nur die Gene, weshalb du nicht ins binäre Schema passt.

Aber wie auch immer dazu gekommen, ist die Erkenntnis, irgendwie in keine der beiden traditionellen Kästen zu passen schon ein bedeutender Schritt. Es kann eine spannende Reise werden, aber auch manchmal anstrengend - meist mit Menschen, die überall nur schwarz und weiss sehen können/wollen.

Zu den körperlichen Auswirkungen bei Dir persönlich kann ich nichts sagen, aber vielleicht zum Leben mit dem "divers"-Eintrag. Für mich persönlich war es eine Befreiung. Quasi die offizielle Bestätigung, dass ich vom binären Spiel befreit bin. Theoretisch jedenfalls. Denn im Alltag anderen gegenüber spielt der Eintrag eigentlich kaum eine Rolle, es sei denn ich weise explizit daraufhin - was ich häufg tue. Die meisten ordnen 1 nach erstem Eindruck ein, binär, also immer falsch. Da beginnt der anstrengende Teil. Da wo es klappt ist es toll für mich. Echte Freude und Wohlgefühl.

Wichtiger als die neue Geburtsurkunde war für mich aber die Erkenntnis vorher, dass ich meinen Körper unabhängig vom eingetragenen Gender für mich angenehmer machen kann und darf. Es gibt da keine zwangsweise Kopplung und kein entweder oder! Was auch immer für dich funktioniert ist Trumpf.

Wegen des Attests: Mit einer genetischen Variante sollte eine entsprechende Bescheinigung kein Problem sein, wenn du das möchtest. Ich denke, dass spätestens über inter Gruppen geeignete Ärzt•innen auffindbar sind, die sie ausstellen.

Aber die ursprüngliche Zuschreibung im Alltag abzuwerfen kannst du auch ohne den offiziellen Schritt probieren. Ich lese bei Dir aber noch gewisse Unsicherheit bzgl der Konsequenzen und Hemmungen, dich offen als nicht-binär oder inter zu outen. Also wäre meine Empfehlung, dich online und an besten auch real mit Menschen zu unterhalten, die den Schritt bereits gemacht haben.
Lisa-Weber
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Re: Das bin ich

Post 6 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Dann mal herzlich willkommen.
Ich denke auf einige Fragen wist du schon Antworten bekommen.
Ich halte mich da aber eher raus.
Ich habe null Erfahrung mit nicht binär.
Aber eines ist für mich klar - der Chromosomentest gibt nur chemische Antworten.
Wer oder was du sein willst - muss dein Herz und deine Seele beantworten.

Liebe Grüße
Lisa
Liebe geben und offen sein für neues..
doppeldoppelx
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Re: Das bin ich

Post 7 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 9. Sep 2020, 16:40 ich habe noch nie eine so wissenschaftlich-orientierte Vorstellung hier gelesen.
Wenn ich es richtig verstehe, habt ihr also einen humangenetischen Test oder
eine Chromosomenanalyse veranlasst?
...
Alles Liebe Marie (flo)
Hi,

danke für das Kompliment. Ich halte mich immer an Fakten.
Man kommt wirklich auf viele Antworten, wenn man mal die Sichtweise eines anderen betrachtet, auch wenn man nicht immer für jene ist.

Ich habe mich daher gefragt: Wenn Mann und Frau die gleichen Symptome haben müssten, was bräuchten sie dazu?
Ganz klar: Die gleichen Voraussetzungen.
Und dann denkt man weiter. Wann liegen die vor? Was sind die gleichen Voraussetzungen wofür? usw.

Richtig wissenschaftlich ist das aber noch nicht. Normalerweise müsste ich alles via Quellenangaben beweisen. Aber ich habe mir das mal erspart, weil ich zugegeben zu faul dazu war.

Ein humangen. Test ist am laufen. Es gab hierbei ein kleines Problem. Der Dok wollte keine Chromosomenanalyse bei mir machen, weil ich keine Symptome hierfür aufzeige.
Man muss sich das so vorstellen.

Wenn nur ein Gen betroffen ist, dann gibt es nur ein kleines Problem. Ist aber ein ganzes Chromosom betroffen, dann sind logischerweise alle Gene auf diesem Chromosom betroffen und man hat viel mehr Probleme als nur eines. Ist verständlich oder?
Daher ist die Sicht des Doks verständlich. Wo nur ein Problem, da kein ganzes Chromosom zu wenig oder zu viel.

Problem hierbei ist folgendes:
Wir wissen, das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom.
Jenes kann aber noch nicht getestet werden, weil man wissenschaftlich noch zu wenig weiß.
Ich musste also einen Umweg gehen.

Ich lasse mich im Moment auf ein Fragiles-X-Syndrom (auch Martin-Bell-Syndrom) testen. Wie der Name sagt, liegt auch dieses Gen auf dem X-Chromosom.
Um es nachzuweisen, müssen so viele X-Chromosomen getestet werden, wie vorhanden sind. Wenn also 2 vorhanden sind, müssen 2 getestet werden.
Wenn 3 vorhanden sind, müssen 3 getestet werden usw.
Ich kann so zwar nicht herausfinden, ob ich die Mutation des betroffenen Gens habe, aber ich kann herausfinden, welcher Mosaiktyp ich bin.
Da jede Frau von Natur aus ein Mosaik ist, macht dieses Wissen bezüglich der genetischen Konstellation auch Sinn. Das Gefälle kann jedoch nicht festgestellt werden. Dazu müsste man mich auseinandernehmen und alle Zellen nachzählen. Ist klar, dass das nicht geht.

Mehr ist momentan leider nicht machbar.
Mir würde schon ein Zettel ausreichen, wo irgendwas glaubhaftes drauf stehen würde, damit die Leute das endlich mal verstehen.
Bevor jemand fragt, ja, die Kassen bezahlen diesen Test bei begründetem Verdacht.
Bei mir ist der Verdacht begründet, da wir einen kleinen Jungen (5) in der Familie haben, der stark entwicklungsverzögert ist. Frauen können wegen der beschriebenen Geschichte symptomlos sein.

Wenn das Thema besonders interessiert, der schlägt am besten ein Buch der Humangenetik nach. Oftmals bieten viele Unibibliotheken mit Medizinstudenten jene kostenlos zum lesen an.

Immer wenn ich Antworten suche, die mir die Ärzte nicht geben können oder wollen, schlage ich deren Literatur nach. Lesen kann ich auch.

Ich habe wegen meiner Behinderung meine Ausbildung verloren. Ich konnte jahrelang nicht mehr Fuß fassen wegen diversen rechtlichen Problemen.
Mein Umfeld betitelt mich seit dem als "Irre" ohne Zurechnungsfähigkeit. Ich wurde aus meinem Verein rausgemobbt und wurde als Kinderschänderin hingestellt.
Das man dann einen Gegenbeweis sucht, ist klar und verständlich. Darüber muss man sich nicht streiten.


Auch wenn ich keine Kinder will, weil ich einfach keinen Wunsch dazu habe, so lasse ich mir nicht ohne Weiteres nachsagen, dass ich für Kinder eine Gefahr wäre, nur weil ich behindert bin bzw. weil sich unsere männlichen Betroffenen manchmal unmöglich verhalten.


PS: Ich hatte mal überlegt, Biologie zu studieren. Das war immer mein bestes Schulfach und ich fand das immer super spannend. Aber ich kann weder Insekten, noch Fische leiden. Zudem bin ich in Mathe und Chemie nicht die beste gewesen. Chemie eher daher, weil ich die Formelrechnung nie richtig kapiert hatte. Ich war nach der 11. ausgestiegen. Daher habe ich es gelassen. Hätte eh keinen Platz bekommen.


@Jaddy: Da hast du vollkommen Recht. Meine Mutter sieht es immernoch konservativ. Es gibt für sie kein drittes Geschlecht. Alles uneindeutige sind für sie Missbildungen bei einem entweder oder. Man wird sie auch nicht mehr umstimmen können. Ich hatte mich letztens mit einem Thema beschäftigt, bei dem es juristisch darum ging, wenn die Frau absichtlich die Pille weglässt. Kurz: Die Justiz sah es in den 80ern (kein aktuelles Urteil) so, dass das Schadensgeld nicht von der Frau an den Mann gezahlt werden konnte, da er wiederrum Unterhalt für das Kind leisten musste, was ein sinnloses hin und her geworden wäre. Also zum Wohle des Kindes sozusagen.
Meine Mutter sah es so, dass die Frau für die Verhütung und die Entstehung eines neuen Lebens alleine verantwortlich ist. Daher hat der Mann nach ihrer Auffassung auch kein Recht zu entscheiden, ob er Vater wird (so einen Schwiegersohn zu finden, ist echt schwer).
Genau wegen solchen Gedankengängen gibt es für sie auch kein drittes Geschlecht.
Sie kennt sich mit Chromosomen auch gar nicht aus, weiß nicht mal die Basics. Sie sagt immer, sie hätte das in der Schule nie gehabt. Ich nehme das mal so hin. Informieren will sie sich auch nicht. Sie sei zu alt dafür. Stattdessen beruft sie sich darauf, dass Gott sei so gemacht hätte, wie sie sei.
In der Bibel heißt es ja, Eva sei aus Adam erschaffen worden. In der Bibel steht nicht, dass Gott das X-Chromosom nicht verdoppelt hat. Ihre Aussage kann so stehen gelassen werden, hilft uns aber nicht weiter bei genetischen Krankheiten und deren Ursache.
Jaddy
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Re: Das bin ich

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Also Alter lasse ich als Entschuldigung nicht gelten. Meine Mutter habe ich ja schon häufiger erwähnt, die mit ihren 83 Jahren da völlig offen für ist und sich hauptsächlich dafür interessiert, ob es mir gut geht. Sie hat nach einigen Auseinandersetzungen vor Jahr(zehnt)en verstanden, dass ich andere Entscheidungen treffe als sie, aber mit ihren Lösungen auch nicht zurecht kommen würde.

Gegen religiöse oder ähnlich Bauchgefühl-/Weltbild-/emotionale Basis stabilisierende Vorstellungen lässt sich kaum argumentieren. Fakten helfen selten. Sei es Biologie (sichtbare, messbare Vielfalt und Variantenreichtum), Soziologie/Anthropologie (viele Völker kennen mehr als zwei Geschlechter; bei etlichen sind solche Personen besonders ausgezeichnet/spirituell) oder Psychologie.

Aber vielleicht geht es, wenn du innerhalb ihres Glaubens argumentierst. Zur Entstehungszeit der Bibel war von Chromosomen nicht die Rede, okay. Auch über Kernspaltung, Impfstoffe und wie die Sonne funktioniert steht nichts genaues in der Bibel. Vielleicht weil diejenigen, die Gottes Wort aufnahmen und verschriftlicht haben, das gar nicht hätten verstehen können. Trotzdem waren Chromosomen da als Teil der Schöpfung, ebenso wie Kernspaltung, Viren und die Sonne :)

Die Bibel ist vielleicht nur der Beipackzettel mit den wichtigsten Grundregeln. Das reichte ja auch erst mal. Um die Schöpfung in ihrer ganzen Vielfalt zu erfassen soll sich der Mensch aller Sinne und Fähigkeiten bedienen. Macht euch die Erde untertan heisst auch: Versteht sie, die nötigen Werkzeuge habt ihr. So gehen die Jesuiten vor. Lies mal hier:
Worin ist die Motivation begründet, die Jesuiten nach wie vor in Naturwissenschaften arbeiten läßt? Vielleicht liegen die Ursprünge ganz einfach in einem ignatianischen Prinzip, nämlich in der Maxime "Gott finden in allen Dingen". [...] Ignatius war von der Tatsache überzeugt, dass Gott in allen geschaffenen Dingen und insbesondere durch das rationale Verstehen der natürlichen Welt zu finden ist, sodass künftige Jesuitengenerationen keinen Widerspruch zwischen ihrer Berufung, "Gott in allen Dingen zu finden" und dem Projekt der Naturwissenschaften sahen bzw. sehen konnten. In vielerlei Hinsicht haben Jesuiten die naturwissenschaftliche Forschung als Teil der menschlichen Suche nach Gott verstanden.
Es wäre also geradezu sträflich, göttliches Wirken zu verleugnen, nur weil es nicht in der Bibel steht. Und wie der Volksmund sagt: Wer weiss, wofür's gut ist.

Oh, aber trans kommt in der Bibel vor (vielleicht sogar nicht-binär). Sogar im AT. Den Artikel hier, "Josef und ihre Geschwister", habe ich damals gut weggespeichert.

Dass deine Mutter mit ihrer Einstellung zur Alleinverantwortung der Frau recht fundamental z.B. gegen Paulus patriachale Familien-Vorstellungen verstösst können wir ja höflich verschweigen :)

[Disclaimer: Ich bin nicht religiös. Ich weiss bloss gerne, wie andere denken, damit ich besser mit ihnen diskutieren kann ;) ]
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Re: Das bin ich

Post 9 im Thema

Beitrag von Renée »

Hallo,

Herzlich willkommen in diesem schönen Forum.
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Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
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Re: Das bin ich

Post 10 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

Jaddy hat geschrieben: Mi 9. Sep 2020, 19:23 Also Alter lasse ich als Entschuldigung nicht gelten. Meine Mutter habe ich ja schon häufiger erwähnt, die mit ihren 83 Jahren ...
...
Meine Mutter wird dieses Jahr 57 und hat offensichtlich ein Problem damit.
Da ich glaube, dass ich mit fast 30 Jahren noch nicht beurteilen kann, was alt sein bedeutet, auch wenn ich es langsam werde, halte ich mich da raus.
Mütter machen sowieso was sie wollen.

(Ich denke, dass ganze kommt auch dadurch zustande, dass sie keine Vorbilder hat. Meine Oma starb mit 51 an Krebs. Mein Opa lebte jahrelang in Italien, ohne dass wir wussten wo, weil meine Mutter ein Bastard war (uneheliches Kind). Es kam daher mehr oder weniger zu einer Zwangsheirat, weil man in der BRD unverheirateten Frauen die Kinder wegnahm und in Kinderheime gab. Wie alles genau war, weiß ich nicht. Ich habe das auch mittels unserer Bibliothek rausgefunden. Aber ich kann meine Oma nicht mehr fragen. Da sie bereits 1992 starb, weiß ich nur das, was ich darüber gehört habe.
Genau aus diesem Grund gibt es auch einen innerfamiliären Konflikt, bei dem sie sich als unechte Tochter fühlt und daher immer wieder zwangsweise versucht sich als reale Tochter zu sehen. Das führt oft besonders zu Zwist bei Familienfeiern, insbesondere wenn es darum geht, meine richtige Familie mit einzubeziehen (Ich habe noch Tanten und Onkels.))

Jaddy:
Gegen religiöse oder ähnlich Bauchgefühl-/Weltbild-/emotionale Basis stabilisierende Vorstellungen lässt sich kaum argumentieren. ...
Man muss dagegen nicht argumentieren. Man muss damit leben und sterben. Genauso muss man mit meiner Meinung leben und sterben.

In ihren Glauben hänge ich mich nicht rein. Da müsste ich dann auch noch anfangen die neuapostolische Auslegung erstmal zu verstehen mit der meine Mutter aufgewachsen ist. Ich bin vor Jahren aus der Kirche ausgetreten. Zum einen wegen des Geldes, zum anderen weil ich eben ein Mensch bin, der wehement an Fakten festhält.
Die Bibel ist für mich eher eine Art Quelle, um nachzulesen, dass manche Probleme innerhalb der Menschheit immer wieder auftauchen.
Klassisches Beispiel: Kain und Abel

Die Bibel wurde von verschiedenen Autoren über die Jahrhunderte geschrieben. Dabei gab es zuerst eine Urbibel, die Septuaginta. Sie wurde vom griech. ins lat. übersetzt und wurde somit zu einem Teil der neuen Bibel. Die hebräisch. Teile, altes Testament, hatten manche Teile des neues Testaments gar nicht inne. Die Apokryphen.
Wegen all dem Übersetzungswirrwarr entstand grob gesagt später eine Institution, sprich Kirche, die meinte, das einige Teile der Bibel nicht stimmen könnten. Jene richtete dann die Bibel nach ihrem Wunsch aus, wie sie es für richtig hielt.
Ich wäre also vorsichtig damit irgendwas in der Bibel so hinzunehmen, wie es steht. Wenn man das wahre Wort wissen will, so lerne man hebräisch und lateinisch und übersetze es selbst.

Die Verfasser der Bibel, inkl. Jesus, gab es also wirklich. Das heißt aber nicht, dass alles was in der Bibel steht, dank Übersetzungsfehlern und Kirche, so stimmt.
Zudem gilt zu beachten, dass das alles Menschen wie wir alles waren. Da man damals keinen Google zum nachschlagen hatte und Bücher auch nicht jedem zugänglich waren, hat man sich die Welt auf die eigene Art und Weise erklärt. Es ist also nicht zu fragen, auf was ist die Person gekommen, sondern wie ist sie darauf gekommen.
Nichts anderes macht man beim Intelligenztest auch. Wie kommt bei der Zahlenreihe dieses Ergebnis zustande?


Meine Mutter sieht es ganz simpel: Männer sind für die Erziehung eines Kindes und für das Verstehen zu sonstigen Themen mit dem Umgang neuen Lebens nicht fähig, weil das Aufgabe der Frau ist.
Männer haben schließlich ihrer Meinung nach auch ein Recht darauf sich aggressiv und gesellschaftwiderwillig zu verhalten, weil sie es eben nicht besser können.
Umso mehr muss die Frau ausgleichen.
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Re: Das bin ich

Post 11 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Herzlich willkommen in diesem schönen Forum
LG Jasmine
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Re: Das bin ich

Post 12 im Thema

Beitrag von ascona »

Hallo doppelx
doppeldoppelx hat geschrieben: Mi 9. Sep 2020, 17:25 Ich halte mich immer an Fakten.
Man kommt wirklich auf viele Antworten, wenn man mal die Sichtweise eines anderen betrachtet, auch wenn man nicht immer für jene ist.
...
... finde ich gut.
Habe zwar deine spezielle Situation mit den Chromosomen nicht ganz nachvollzogen - kann dazu auch nichts beitragen, aber mir gefällt deine Art, wie du den Dingen nachgehst, und wie du argumentierst.
Ich sehe auch keinen Widerspruch zwischen rationalem argumentieren und auf Gefühle hören. Bei beidem ist es gut, wenn man den "Nebel" vertreibt, klar sieht und die Dinge auf den Punkt bringt.
Herzlich willkommen in diesem Forum.
)))(: ascona
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Re: Das bin ich

Post 13 im Thema

Beitrag von Céline »

doppeldoppelx hat geschrieben: Mi 9. Sep 2020, 16:38 Ist meine Erklärung gut gelungen?
Soweit ich das mit meinem kleinen unbedeutenden Wissen beurteilen, ja (smili)
Aber mich interessiert der Mensch;) , erzähl doch mal ich bin neugierig
Céline
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Re: Das bin ich

Post 14 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

Zum Menschen gibt es nicht viel zu sagen.

Ich kann grob sagen, ich bin ein Mensch, der nach Wissen strebt. Neugierde ist mein bester Freund. Wenn man in ein neues Haus einzieht, so... checkt man natürlich erstmal die Nachbarn ab.

Ich habe gestern einen Ausschnitt aus einer ehem. Vorlesung von Vera F. Birkenbihl (†2011) gesehen. Sie malte eine Grafik, mit einer Abszisse und einer Ordinate. Also ein kleines Koordinatensystem wie in der Schule. Unten auf der Abszisse war ein Balken der Grob für das Streben nach Leistung stand. Oben war ein Balken, der grob für das Streben nach Kontakten stand. Nun gibt es aber keinen Menschen, der nur für das eine, noch für das andere steht, sondern jeder muss sich ungefähr selbst in diesem System einordnen.
ich wäre wohl irgendwo sehr weit unten bei der Abszisse.
Das mit Menschen hat bei mir irgendwie nie so richtig geklappt. Vor allem, weil viele Emotionalität mit besserem Wissen verwechseln.
Nach Birkenbihl sind viele Firmenchefs etc. sehr emotionale Menschen und halten daher die Firma zusammen. Die Leistung erbringen aber die eher weniger sozialen Typen. Das sind super Arbeiter nach ihr, aber je mehr aufs Wissen fokussiert, desto mehr Probleme im sozialen Umgang. Beide arbeiten einfach mit zwei verschiedenen Systemen. Weder das eine, noch das andere ist falsch. Aber man versteht sich manchmal falsch.

Aber zurück zu mir.

Ich habe bis 2009 meine erste Ausbildung gemacht und bin damals böse auf die Nase gefallen, weil ich mit meinen 18 Jahren gedacht habe, dass das wie in der Schule laufen würde und ich es auch ohne lernen verstehen würde. Ich hatte damals meine postpubertäre Phase.
Dort lernte ich auch meinen damaligen Freund kennen.

Während ich wegen Minderleistungen von der Schule flog, machte er die Ausbildung zu Ende. War zugegeben mein Mist damals.
Da ich deshalb nur ein halbes Jahr auf der Schule war, habe ich zwischenzeitlich wegen eines schlechten Realschulabschlusses eine Maßnahme vom Arbeitsamt machen müssen, bei der man verschiedene Praktika durchlaufen konnte, um eine Ausbildung zu finden (kein Teilnehmer konnte damals vermittelt werden, aber die Firmen bekamen Geld für die Beschäftigung). Ich habe zuerst 3 Monate im Krankenhaus gearbeitet, weil ich damals noch Krankenschwester werden wollte und mir nichts besseres einfiel. Bei der Berufsfindung wurde ich von meinen Eltern im Stich gelassen. Es galt noch der alte Glaube: Realschule = Angestellte usw.
Mein Vater hatte seine Ausbildung hingeschmießen und immer so rumgejobbt. Er konnte mir nicht helfen. Meine Mutter hatte mit ihrem Beamtensystem auch keinen wirklichen Vergleich, da sie eine gesonderte Ausbildung durchlaufen hatte.
Nach den 3 Monaten auf Station brach ich das Praktikum ab, weil es mir nicht nur nichts brachte, ich wurde auch von einer Schwester immer wieder niedergemacht durch anschreien und Beschimpfungen, weil ich die Arbeitsabläufe nicht kannte. Wahrscheinlich ging sie davon aus, dass wir das in der Maßnahme gelernt hätten.
Ich hatte sofort wieder eine andere Praktikumsstelle und war diesmal in einer Werbeagentur tätig. Dort habe ich dann 8 Stunden am Tag Bilder für das Internet verschönert. Es waren Kleinigkeiten, keine großen Sachen. Haut verschönern, bestimmte Erkennungsmerkmale wie Tattoos entfernen usw. Das war mit dem Bildbearbeitungsprogramm keine große Sache. Auch dieses Praktikum habe ich 3 Monate gemacht. Ich habe keinen Cent verdient und war auch noch jeden Tag hingependelt, weshalb ich ein Minus gemacht hatte. Die Firma wollte auch, dass ich meinen Urlaub nicht antrete, der mir von der Agentur zustand und weiter arbeite. Da ich schon oft Überstunden gearbeitet hatte und der Firma nicht traute, tat ich dies nicht.

In der Zeit verstarb auch unser damaliger Bekannter mit 28. Er hatte bei einem Umzug geholfen, war duschen gegangen und das wars. Lungenembolie unter der Dusche. Er wurde zu spät gefunden. Ich konnte nicht mit auf seine Beerdigung, weil mich keiner hinfahren konnte und mir auch keiner genaue Auskunft geben wollte. Daher weiß ich auch nicht, wo das Grab ist, nur das er bei seinem Vater mitbeerdigt wurde.
Durch sein Übergewicht musste er aus Kostengründen eingeäschert werden (Sagte man mir so).

2011 war ich am Tag der Abschlussprüfung nochmal bei meiner alten Schule, um meinen Freund seelisch zu unterstützen. Nachdem er bestanden hatte, bat mir die Schulleitung an, mich nochmals aufzunehmen. Man ging davon aus, wenn ich die eine Ausbildung nicht schaffe, dann könne ich evtl. eine andere schaffen.
Es lief auch besser als damals und ich bestand fast alle Prüfungen. Im 3. Semester (wurde in Semestern unterteilt) gab es dann Probleme mit einer Lehrkraft (die Schule hatte nur 3 für uns zuständige Lehrer). Ich weiß bis heute nicht warum, aber irgendwie hatte sie was gegen mich. Daher wurde ich im 3. Semester mit Aussagen gekündigt, wie ich hätte Mitschüler beleidigt, ich hätte nicht mitgearbeitet und noch weitere unschöne Sachen. Ich habe meine Mitschüler damals gefragt. Wir waren nur 10. Keiner fühlte sich von mir irgendwie angegriffen. Meine vollen Ordner beweisen auch das Gegenteil einer Nichtmitarbeit, die ich bis heute habe und mich weigere sie fortzuschmeißen.
Da meine Mutter damals nicht wollte, das ich mich wehre, bin ich nicht zu einem Anwalt gegangen. Daher bekam ich auch kein Zeugnis, sondern nur einen sog. Leistungsnachweis. Das ist ein Papier, wo drauf steht, was man für Klausuren geschrieben hat. Für Bewerbungen relativ unbrauchbar.
Sowas wird nur bei Studiengängen angerechnet. Die meisten Arbeitgeber missverstehen es oder verstehen es gar nicht. Zudem waren die Daten darauf falsch, was die Schule aber nicht ändern wollte. Daher gab es auch noch Ärger mit den damaligen Behörden wie Rentenkasse und co.
Nebenbei wurde ich 2x gekündigt, weil ich kurz darauf meine Diagnose bekam und als nicht mehr gesundheitlich fähig für diesen Beruf galt.

Ende 2013 habe ich mich freiwillig auf einer Schule für ehem. Drogensüchtige wegen dieser Sache angemeldet. Dort habe ich erst meine Fachhochschulreife nachgeholt und dann mit etwas Verspätung auch 2018 das Abitur, weil ich mich zum eigenen Lernen ein halbes Jahr abgemeldet hatte. Es dauerte etwas länger, da es an der Schule Pflicht war erst eine Probeklasse zu besuchen, um zu schauen, ob die Schüler überhaupt schulfähig sind (was bei Exjunkies nicht immer der Fall ist). Darin wurde dann teilweise Unterricht und eine teilweise Beschäftigung durchgeführt. Danach musste ich nochmal die 10. zur Auffrischung durchmachen. Anschließend eben noch die Oberstufe. Das macht man nicht innerhalb eines Jahres. Es galt zudem ein striktes Alkoholverbot mit Urinkontrollen. Ausnahmen gab es keine.

Nach dem Bestehen habe ich mir überlegt, was ich machen könnte, damit ich in Zukunft besser geschützt bin und habe nach einem Jurastudium gegoogelt. Dann habe ich Jura studiert und gemerkt, dass ich zwar Gesetze sehr gut auslegen kann, aber mir dieser bürokratische Schreibstil nicht obligt. Ich musste daher leider abbrechen, rate aber dazu dies nicht als mangelnde Intelligenz für Klagen zu sehen.
Ich habe mein ehem. Wohnheim wegen Hausfriedensbrauch angezeigt und den gesamten Mietvertrag zunichte gemacht.
Meine ehem. Ausbildungsschule gibt es auch nicht mehr. Ich nahm mir 2015 doch einen Anwalt und schrieb mit der Schule hin und her. Das Klinikum drehte ihr daraufhin den Geldhahn ab. Das wars dann.

Momentan stellt sich die Fragestellung für mich daher, ob diese Aussagen so haltbar sind. Wenn ich als Frau nicht so asozial bin wie meine männlichen Leidensgenossen, dann ist diese Aussage so nicht ohne weiteres haltbar und es stehen mir entsprechende gesetzliche Ansprüche zu.
Ich habe zwar 70GdB auf Lebenszeit, kann jene aber nicht nutzen, weil ich keine Arbeit habe. Stattdessen habe ich durch die Angabe der Behinderung immer nur Ärger und frage mich daher, was das ganze soll.

Ich plane derzeit wegen dem ganzen Wirrwarr, weil ich "zu langsam" bin, ein Lehramtsstudium zu machen, weil man darin die Fächer ggf. nochmals austauschen kann.
Es geht auch um finanzielle Interessen. Gleichzeitig möchte ich eine Prüfung zur Heilpraktikerin machen. Eine Ausbildung ist hierfür nicht von Nöten, es bedarf nur das Bestehen der Prüfung. Die Praxis ist eine andere Geschichte.
Eine bessere und schnellere Alternative fällt mir nicht ein.

Wegen der Sache mit der Heilpraktikerin habe ich umso ein größeres Interesse das mit der Diagnose zu klären. Ich will nicht schon wieder Ärger damit haben.


Meine Hobbys habe ich fast aufgegeben. Früher habe ich viel gepuzzelt. Das viel lange Zeit wegen dem Umzug flach. Meine erste Wohnung war zu klein. Eben ein kleines Studentenzimmerchen.
Kochen und Backen soll ich auch nicht. Das sei alles zu teuer und zu zeitaufwändig. Ich koche nur noch für mich selbst, habe aber für neue Gerichte momentan kaum Zeit, weil ich das immer sehr genau plane.
Momentan beschränkt sich daher mein Hobby leider aufs zocken, weil ich kaum einen festen Wohnsitz wegen der Situation vermuten kann und daher immer mobil sein muss. Fernseher und co kann man einpacken. Ein angefangenes Puzzle schlecht.
Bei mir Zuhause läuft fast immer Musik. Das macht mich fröhlich. Und ich kann endlich Radio hören, was bei mir Zuhause nicht möglich war, weil meine Mutter ein eingeschaltetes Radio mit dem Zeichen verwechselte, sie müsse immer in die Nachrichten reinquatschen.

Seit ich fortgezogen bin, ernährt sie sich kaum noch gesund. Nicht mal einen Apfel rührt sie an. Ich habe schon geschimpft, aber sie sieht keinen Sinn im gesunden Essen. Zudem ist sie seit Jahren depressiv und ich habe wirklich Probleme damit umzugehen, weil alles was ich mache, ist falsch. Auch Gewicht ist ein Thema für sich.

Mit meinem Vater habe ich auch so meine Probleme. Er ist jemand, der vor Problemen wegläuft. Er will sich nicht um seine Mängel in seiner Wohnung kümmern. 2017 musste er 4 Teilprothesen eingesetzt bekommen, weil er jahrelang nicht beim Zahnarzt war und seine Zahnpflege nie die beste war. Einige Zähne waren bereits abgebrochen und nur noch Stümpfe. Er wird schnell aggressiv, gibt ständig rassistische Äußerungen von sich und sein einziges Hobby ist das Rauchen und Chatten am PC. Das er eine Chatsucht hat, ist schon lange bekannt, aber natürlich gibt er das nie zu. Das war auch der Grund für die Trennung meiner Eltern. Meine Teeniezeit war daher nicht von Stars und Schminkversuchen etc. begleitet, sondern von den ständigen Versuchen, das Familienleben zu vertuschen und die Schuld auf mich als Ausrede zu schieben.

Ich hatte mir auch überlegt, mal wieder eine Beziehung einzugehen. Aber viele Männer, die um die 30 Singles sind, haben irgendwie eine Macke. Die einen wollen nur Sex, die anderen sind unzuverlässig und die dritte Gruppe ist irgendwo im Kleinkindalter hängen geblieben.
Mein letzter Freund hatte eine Turner-Frau und konnte mit mir daher nichts anfangen, auch wenn ich es ihm mehrfach erklärt habe, warum ich als normale Frau ohne Hilfe schwanger werden kann und er daher doch bitte ein Kondom benutzen soll und warum ich eine monatliche Menstruation habe. Er wurde mir irgendwann zu aufsässig. Ich konnte fast nicht mal alleine aufs Klo. Zudem war sein einziges Hobby, das Auswendiglernen von Zugnummern. Damit konnte ich nichts anfangen.

Geschwister habe ich keine.
Mit meinen Cousins und Cousinen ist das so eine Sache.
Ein Cousin ist nicht leiblich und macht mit seiner Drogensucht massive Probleme.
Seine Schwester ist 10 Jahre älter als ich und ziemlich von sich eingenommen. War immer das Goldstück der Familie. Groß, blond, blauäugig. Ich werde nicht warm mit ihr.
Meine anderen Cousins und Cousinen leben in Italien, England und der kleine Rest in Deutschland hat derzeit auch ein großes Problem, weil meine Cousine der ersten Tochter meiner Urgroßmutter nicht im Stande ist, alleine zu sein, aber einen 5-jährigen Sohn hat, der nicht einschulungsfähig ist, weil er nicht richtig sprechen kann und noch Windeln braucht. Ich habe das Jugendamt anonym wegen dem Vorfall informiert. Ihre Ärztin wohl auch. Sie ist nicht zur Einschulungsuntersuchung, also letzten U-Untersuchung erschienen. Die ist in Hessen Pflicht. Seit dem versucht meine Tante das Problem zu vertuschen und weicht immer auf andere Themen aus.
Ich befürchte, das Kind ist verloren.
Maya
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Re: Das bin ich

Post 15 im Thema

Beitrag von Maya »

Hallo doppeldoppelx,

aus Deiner wissenschaftlichen Ausführung halte ich mich mal raus.
Die muss ganz sicher was mit meiner Signatur zu tun haben. :D

Sei Willkommen in diesem tollen Forum (flow)

Liebe Grüsse
Maya
Hakuna Matata
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