Gemütslage
Gemütslage - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Regina
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Re: Gemütslage

Post 16 im Thema

Beitrag von Regina » Do 3. Sep 2009, 12:23

Hallo Jessica,

ich hatte mich schon länger gefragt, wie es bei Euch wohl weiter gegangen ist. Ihr seid im Dialog, das ist doch sehr positiv. Auch wenn es manchmal scheint als ginge es nicht weiter.

Du möchtest wissen was direkt vor bzw. nach dem Outing in uns vorging. Ich habe meiner Frau, meine Leidenschaft Damenkleidung zu tragen lange vor unserer Ehe gestanden. Da ging es mir sehr locker über die Lippen. Zunächst waren es auch nur Dessous die wir gemeinsam beim Ausgehen drunterhatten. Es war für uns einfach aufregend zu wissen, dass der Partner, die Partnerin nicht alltägliche Unterwäsche trägt. Sie legte mir dann manchmal die Hand auf Bein und spielte mit den Strapsknöpfen. Unter weiten Pullies bzw. Sweatshirts trug ich auch BH. Dann lies sie bei mir auf dem Rücken schon mal einen Träger schnipsen, wie das sonst die Jungs bei den Mädchen machen. Mir war das immer eher unangenehm, da ich dann befürchtete entlarvt zu werden. Aber das machte auch den Reiz aus. Später am Abend genossen wir auch den Sex in unseren Dessous. Daraus kannst du entnehmen, dass es in unserer Partnerschaft nicht schlecht lief. Irgendwann wurde bei mir dann auch der Wunsch immer stärker mich gelegentlich komplett als Frau zu kleiden. Auch da habe ich von ihr keine ablehnenden Äußerungen bzw. Gefühle erfahren. Sie kaufte mir sogar eigenes Makeup, da sie einen wesentlich dunkleren Hauttyp hat als ich und ihre Farben überhaupt nicht zu mir passten. Lediglich wenn die Gefahr der Entdeckung durch Nachbarn, Eltern oder Kinder zu groß wurde, war sie nicht mehr so entspannt. Du siehst also das ich auch nicht wirklich kämpfen musste um meine Leidenschaft ausleben zu dürfen. Zur Zeit ist es jedoch so, dass ich mich selbst ein wenig zurücknehme um ihr nicht auf den Wecker zu gehen. Vor allem was die Unterwäsche angeht haben wir unterschiedliche Geschmäcker entwickelt. Ich habe einen Faible für richtig stramme Mieder. Ich glaube aber das sie es nicht so sexy findet ihren Mann mit Unterkleid im Hüfthalter oder Korselett zu sehen. Gesagt hat sie dazu bisher aber nichts und ich war bisher auch nicht mutig genug zu fragen.

Ich crossdresse auch nicht täglich. Es gibt immer wieder Phasen in denen ich wochenlang kein weibliches Kleidungsstück am Körper trage. Und dann überkommt es mich wieder mit Macht. Was mich heute meistens daran hindert sind unsere Kinder die bisher nicht eingeweiht wurden. Da unsere Kinder auch häufig Freunde mit nach Hause bringen gehen bei uns viele fremde Leute ein und aus. Ich habe da schon Angst dass in der Schule der Kinder etwas weitererzählt wird. Vor allem bei der 16 jährigen. Ich möchte auch nicht gern das Thema in der Schule sein.

Personen aus ländlichen Gegenden denken immer in der Großstadt wäre alles ganz anders und es schert niemanden was man tut und wie man herum läuft. Ich sehe das etwas anders. Wir wohnen in einer Einzelhausgegend, mit Ein- oder Zweifamilienhäusern. Ich bin hier aufgewachsen und kenne sehr viele Leute und ich habe das Gefühl noch mehr kennen mich. Ich unterrichte als Trainer im ortsansässigen Sportverein und stehe auch deshalb häufig im Fokus. Ich befürchte das meine Reputation stark darunter leidet wenn ich mich in meinem Umfeld als Crossdresser oute und damit für meine Frau und mich auch Lebensqualität verloren geht. Zu einem Treffen an einem Ort weiter weg könnte ich mich eventuell noch durchringen aber sonst bleibe ich eher in meinen eigenen vier Wänden.

Ich bin von Deiner Fragestellung ein wenig abgewichen aber ich hoffe doch im Thema "Gefühlswelt" geblieben zu sein.
Ich drücke Euch die Daumen, dass ihr gemeinsam einen für Euch gangbaren Weg findet.

Liebe Grüße,
Regina CD
Zuletzt geändert von Regina am Do 3. Sep 2009, 22:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Anne-Mette
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Re: Gemütslage

Post 17 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 3. Sep 2009, 12:34

Moin,

ich freue mich, dass die Kommentare hier so offen, ehrlich und mit Niveau geschrieben werden!
Herzlichen Dank dafür!
Personen aus ländlichen Gegenden denken immer in der Großstadt wäre alles ganz anders und es schert niemanden was man tut und wie man herum läuft.
Habe ich auch anders erlebt - vor ein paar Jahren, als Crossdressing für mich noch kein Thema war, ich mir aber schon Fuß- und Fingernägel lackierte...
... da entdeckte eine ältere Frau mich (d.h. eher die lackierten Fußnägel) in einer Seitenstraße der Schlossstraße.
Ich weiß nicht mehr, was sie gesagt hat, aber die Reaktion war heftig; und zwar so, wie ich sie auf dem Lande bei uns, wo höchstens mal getuschelt oder gelacht wird, nicht erlebt habe.
Hier läuft vieles "spaßiger" ab.
In der Elternvertreter-Runde wurde mal darüber gesprochen.
Ich konnte kontern mit "dann brauche ich jedenfalls keine bunten Socken, wenn ich farbige Fußnägel habe" - und gut war's.

Gruß
CPG

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Re: Gemütslage

Post 18 im Thema

Beitrag von Gerdi55 » Do 3. Sep 2009, 23:45

Hallo Jessica,

ich habe deinen Beitrag erst heute gelesen, obwohl ich doch recht häufig die Forumseiten überfliege.
Wie schon an anderer Stelle gesagt, haben mir die Erfahrungsberichte und Diskussionen geholfen meinen Weg zu finden.
Mein Outing ist ein von Innenkommender Drang mich zu zeigen wie ich bin.
In meiner zu Ende gegangenen Ehe hatte ich ihn nicht geachtet. Wenn ich heimlich mal die Kleidung meiner
Frau probierte, dann habe ich dies mehr in Richtung sexueller Kick gesehen. Was ich jetzt mit mir erlebe, ist wunderbar.
Es gibt Minuten in denen ich es einfach nicht verstehe, warum ich es mir nicht früher getraut habe, zu meiner Weiblichkeit zu
stehen.
Ich habe das Glück, daß meine jetzige Partnerin mich dazu motivierte, die Damenkleidung mal in ihrer Gegenwart anzuziehen(das erste Stück war ein
Nachthemd). Diese Ereignis löste in mir ein Selbstfindungsprozeß aus. Letzten Sonnntag motivierte mich mein Gefährtin,
den Pizzaservice in meiner Damengarderobe zu empfangen. Ich war stolz auf mich, daß ich dem Mann fest in die Augen schautte. Meine Lebensgefährtin
freut sich darüber, daß das Tragen der Kleider mich glücklicher macht,
aber sie möchte nicht mit mir im Rock auf die Straße gehen(abgesehen davon, daß ich es auch noch nicht gewagt habe, Solo diesen Schritt zu machen).
Der Drang mich auch Bekannten im Rock zu präsentieren ängstigt sie. Ebenfalls hat sie Angst, daß ich nicht mehr Mann sondern Frau sein will.
So wie es an anderer Stelle schon stand, kann ich es mir nicht vorstellen, daß ich in ferner Zeit den Mann in mir negieren möchte.

Mit meiner Expartnerin bin ich noch dabei, die Trennung auch ökonomisch zu vollziehen. Beim letzten Mal war ich mit Damenschuh, Nylons und Damenshirt
bei ihr. Sie konnte es nicht fassen, daß ich jetzt so rumlaufe. Sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. In den Gesprächen an diesem Tag
bat sie mich es unseren Töchtern so früh wie möglich zu erzählen, damit sie nicht unvorbereitet überrascht werden.
Meine Ex-Frau sagt, sie kann es jetzt vielleicht besser annehmen als wenn wir noch zusammen lebten.

Ich glaube auch deine Frau muß erstmal mit der Situation fertig werden, keine 100% Mann geheiratet zu haben. Ich finde es optimistisch, daß ihr so oft
darüber redet. Dies hilft euch euren Weg zu finden.
Ich wünsche euch viel Glück und Spaß dabei.

Eliot

Bianca D.
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Re: Gemütslage

Post 19 im Thema

Beitrag von Bianca D. » So 6. Sep 2009, 15:44

Hallöchen Jessica,

Heute finde ich nunmal die Zeit,mich zu deinem Post zu äußern.Falls das etwas wirr wird,nehmt es mir nicht übel.Ich fang am besten vorne an.
Ein Outing in dem von dir beschriebenen Stil hat es bei mir nicht gegeben.Zu Beginn meiner aktuellen Beziehung haben wir nur eine Wochenendbeziehung(1-2x/Monat) geführt.Beim näheren Kennenlernen kam dann auch die Frage nach besonderen Vorlieben des Partners auf,die ich mit dem Hinweis auf meinen Spaß am Tragen von femininen Sachen beantwortete.Vor Ihrem 1. besuch bei mir habe ich sie denn auch gleich über die Eigentumsverhältnisse meiner Kleider und Wäsche aufgeklärt(keine Überbleibsel von der EX).Damit war denn eigentlich soweit klar und akzeptiert,daß ich in meinen 4 Wänden auch in ihrer Anwesenheit in Frauenklamotten rumlaufe darf.
Anfangs,auch nachdem wir zusammengezogen waren,reichte mir das auch völlig aus.
Nun geht es mir aber mittlerweile so,wie einigen anderen von Euch,daß ich mehr will.Ich mag mich nicht in der Wohnung verstecken,ich würde gerne komplett durchgestylt mal auf die Rolle gehen,oder essen gehen oder,oder,....Ich spüre aber,daß ich bei meiner
Freundin da an eine Grenze gestoßen bin,und das stimmt mich einerseits natürlich traurig,andererseits verstehe ich auch Ihre Fragen und Sorgen: "Bist du noch Mann?Wo soll das hinführen?Stehst du auf Männer?"-"Nee,eigentlich eher die lesbische Seite"-"Ich will aber keine Frau im Bett,sondern...."
So geht das in einem fort,wenn das Thema mal wieder auf dem Tisch liegt.Da ich aber auch nicht weiß,wie ich ihr die Ängste nehmen kann,hab ich nun auch Sorge,das wir uns auseinander leben.In einem Punkt muß ich ihr leider auch Recht geben.Die Lust auf Sex hat in den letzten 3 Jahren rapide nachgelassen und sie stellt natürlich eine Verbindung zu meiner femininen Seite her.Vielleicht hat sie Recht ,
vielleicht auch nicht.In allen meinen Beziehungen war es allerdings immer so,warum weiß ich aber auch nicht.Es gibt hier also noch vieles
zu bereden und Kompromisse zu suchen,wenn meine jetzige Beziehung nicht vor die Wand fahren soll.Ich wünsche mir,daß ich sie finde..

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

Anne-Mette
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Re: Gemütslage

Post 20 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 6. Sep 2009, 16:26

Moin,
In allen meinen Beziehungen war es allerdings immer so,warum weiß ich aber auch nicht.Es gibt hier also noch vieles
zu bereden und Kompromisse zu suchen,wenn meine jetzige Beziehung nicht vor die Wand fahren soll.
Viele Leute sagen, das muss so sein - jede Beziehung würde sich stark verändern mit der Zeit. Die Foren sind voll von diesen Themen. Ich bin (leider) auch so naiv(?) und wünsche mir, dass meine Beziehung nach mehr als 20 Jahren immer noch von liebevollem Umgang und von gegenseitigem Verlangen geprägt wird. Bei mir ist dieses Verlangen auch noch da.
Leider hat unsere Beziehung im Alltag gelitten. Drei Kinder groß zu ziehen, zu arbeiten, mehrmals umzuziehen und und und... haben zu einem Kräfteverschleiß geführt, der seit einiger Zeit besonders stark zum Tragen kommt.
Der "Ungleichklang" in meiner Ehe belastet mich. Während für mich die "Kuschelstunden" mit meiner Frau meine Batterien wieder aufladen würden, kann sie sich eher entspannen, wenn das Umfeld stimmt. Auf dieses Umfeld habe ich nur relativ beschränkten Einfluss; denn wie die Kinder so "drauf sind", das kann ich nur wenig beeinflussen.
Auf der anderen Seite habe ich es recht gut; denn das Crossdressing spielt (fast) keine negative Rolle in unserer Beziehung. Wenn ich es nicht übertreibe, geht sie fast immer mit mir zusammen raus, zum Einkaufen, auf Spaziergänge...
Man kann eben nicht alles haben... :)

Ich denke, man muss reden und wie schon gesagt wurde, einen möglichst guten Kompromiss finden. Dabei gelangt man aber in der Regel oft an Punkte, wo es nicht mehr weiter geht, wo man sich fest beißt. Toleranz, Verständnis und Liebe kann man nicht "verabreden" wie z.B. die häuslichen Pflichten, wo man ohne Probleme bestimmen kann, wer den Müll rausbringt und wer die Wäsche macht.

Gruß
CPG

martina
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Re: Gemütslage

Post 21 im Thema

Beitrag von martina » Di 8. Sep 2009, 22:02

hallo jessica,
ich finde nicht, dass du chaotisch geschrieben hast.

es geht nicht allein um das crossdressing. lassen wir das einfach mal weg. es geht um das zusammenpassen von zwei menschen, um das annehmen und erfahrenwollen des anderen in seiner ganzheit.

wir können doch crossdressing ohne weiteres durch fussballfan, motorradfan, hobby-funker, angler oder sonstwas austauschen. der eine partner hat eine leidenschaft für die sache, der andere nicht. der andere lässt sich manchmal mitreissen, macht auch mit. oder ihn interessiert die sache nicht, aber akzeptiert es beim anderen. oder nicht nur die sache interessiert ihn nicht, sondern er fühlt sich verletzt, wenn der andere seiner leidenschaft frönt, während er allein rumhockt.

wenn ich meine heutige beziehung betrachte, so ist sie die absolute krönung verglichen mit all meinen bisherigen beziehungen. wenn ich an meine jüngeren jahre denke, dann ging es eher darum, seine stärken hervorzuheben und seine schwächen möglichst zu vertuschen oder abzulegen. mit zunehmenden alter ging es aber immer mehr um die ganzheitliche darstellung und um eine partnerin, die offen, tolerant ist und sich nicht scheut, einen blick auf mich in meiner ganzheit zu werfen.

liebe grüsse
martina
Wenn es uns gelingt, uns aus unseren eingebildeten Beschränkungen zu befreien und unser inneres Feuer anzuzapfen, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt. (Dean Karnazes)

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Re: Gemütslage

Post 22 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Di 8. Sep 2009, 22:51

Moin Jessica!

Dann krame ich mal meinen Part raus.
Jessica01 hat geschrieben:Als erste hat sich ja Claudia gemeldet. Es beruhigt mich ja schon ein wenig, dass nicht nur bei mir das Outing nur schwer über die Lippen kam.
Das war eine Sache wochenlanger Gespräche, die auch nicht so häufig stattfinden konnten. Selten genug waren wir wirklich allein. Und ich konnte es auch nur in Häppchen hervorbringen. Das war ja noch vor der Heirat und mir war es schon wichtig, daß sie vorher davon weiß.
Hast du deine Neigung anfangs geheim gehalten, weil ihr in einem Studentenwohnheim lebtet oder auch weil deine Partnerin es so wollte? Und wie sah dann euer gemeinsamer Weg in der eigenen Wohnung aus?
Geheim gehalten habe ich meine Wünsche vor den anderen Mitbewohnern. Und damit verbat sich das Ausleben eben. Ich hatte viel zu große Angst, daß es entdeckt werden könnte. Vor ihr geheim gehalten natürlich nicht, aber mehr als drüber sprechen ging eben nicht. Deshalb der Begriff "theoretisches Outing". Ich konnte es beschreiben, aber nicht zeigen.

Mit dieser Angst war es in der gemeinsamen Wohnung vorbei. Aber auch das hieß nicht die große Freiheit. In der Anfangszeit habe ich mich mal für eine halbe Stunde umgezogen, dann wurde es ihr oder auch mir zuviel. Für sie ein eher befremdlicher Anblick, ich fühlte mich unsicher, mich ihr so zu zeigen. Man kann es Gewöhnung nennen, aber für uns beide wurde die Situation normaler, verlor das Ungewöhnliche. So wurde aus der halben Stunde eine ganze, daraus ein Nachmittag, ein Tag, ein Wochenende. Nur haben wir für diese Veränderung gut ein Jahr gebraucht. Das war nichts Rationales, die Veränderung fand in den Gefühlen statt.

Das war auch die Zeit der ersten gemeinsamen Einkaufsbummel, wobei sie mich schon manchmal darauf hinwies: "Das wäre doch etwas für dich." Und manchmal haben wir dann auch etwas für mich gekauft.

Angst gab es in dieser Anfangszeit auf beiden Seiten. Bei mir, daß sie mich doch noch verläßt, bei ihr, daß sich meine Wünsche weiterentwickeln, möglicherweise bis zur Geschlechtsumwandlung. Ich war sicher, daß dies nie mein Weg sein wird, aber ihre Angst hielt sich lange.

Das liegt jetzt etwa 30 Jahre zurück und wir haben wohl einen Weg gefunden, gut damit leben zu können. Auch wenn es zwischendurch immer mal kleine Krisen gab. Die letzte liegt gerade ein paar Monate hinter uns und ist auch noch nicht vollständig beendet. Aber wir arbeiten dran.

Tschüß
Claudia
Freiheit nutzt sich nur ab, wenn man sie nicht benutzt.
(Reinhard Mey)

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Re: Gemütslage

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 9. Sep 2009, 18:14

Moin,
Das liegt jetzt etwa 30 Jahre zurück und wir haben wohl einen Weg gefunden, gut damit leben zu können. Auch wenn es zwischendurch immer mal kleine Krisen gab. Die letzte liegt gerade ein paar Monate hinter uns und ist auch noch nicht vollständig beendet. Aber wir arbeiten dran.
Ich kenne viele "normale Leute", die auch ihre Krisen haben :)
Es ist doch selten geworden, dass es Paare 30 Jahre miteinander aushalten - schade - so oder so...
Also ist das Crossdressing sicherlich neutral zu bewerten?
Es gibt ja auch viele andere Verhaltensweisen und Schicksalsschläge, die Krisen entstehen lassen.

Gruß
CPG

Regina
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Re: Gemütslage

Post 24 im Thema

Beitrag von Regina » Mi 9. Sep 2009, 19:41

Hallo Jessica,
Was ich mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen kann, ist die beschriebene Tatsache, dass deine Frau nachdem sie von deiner Neigung erfuhr gleich so zustimmend reagierte, so nach dem Motto: "super, toll, endlich machst du es". War da kein bischen Ablehnung oder Erschütterung?
Da habe ich mich dann sicher nicht klar ausgedrückt. Sie hat nicht zustimmend reagiert und "super, toll" gerufen. Sie hat nur nicht ablehnend reagiert. Auch bei uns bzw. bei mir hat sich dann alles sehr langsam und über die Jahre entwickelt. Zunächst war es nur Unterwäsche und das auch nur gelegentlich. Ich wollte dann langsam mehr und habe von ihr keine Ablehnung erfahren. Vieles haben wir auch einfach nur ausprobiert. Auch mir viel es schwer ihr das erste Mal komplett als Frau gestyled gegenüber zu treten. Ich bin mir selbst auch nicht sicher wieweit ich wirklich gehen will. Es war z.B. für mich nie ein Thema mir einen weibliche Vornamen an zueignen. Das habe ich erst hier für das Forum getan. Auch schminken habe ich nur ein paar Mal probiert. Es ist nicht so, dass ich mich zwangsläufig schminke wenn ich Damenkleidung trage. Ich schminke mich eher nicht. Die gleiche Frage stelle ich mir bzgl. Perücke. Will ich wirklich ein? Welche? Wie lang? Oder komme ich mir doof vor wenn ich in den Spiegel schaue. Andererseits gibt es dann wieder Dinge die für mich zwangsläufig dazu gehören, wie: BH, Strümpfe (keine FSH!!), Rock, Schuhe (bei Schuhgröße 47 schwierig), und noch anderer Klöterkram. Das zeigt sich aber auch bei den anderen Beiträgen. Es gibt keinen Level von Crossdressing. Jeder trägt doch das worin er/sie sich wohlfühlt. Ich mag zum Beispiel keine Jeansröcke, die hier sonst alle so toll finden. Als Mann trage ich z.B. nie Polohemden. Ich finde die einfach doof. Und nun? Was bin ich denn jetzt für einer, als nicht Polohemden tragender Mann.

Naja, ich schweife schon wieder ab und fange an zu schwadronieren.

Abschließend nur noch das:
Auch meine Frau und ich sind bereits über 30 Jahre zusammen. Und wie CPG schon schrieb ist es heute nicht unbedingt mehr üblich überhaupt so lange zusammen zu sein. Ob nun mit Crossdressing oder ohne. Da reicht dann manchmal schon die falsch ausgedrückte Zahpastatube.
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Re: Gemütslage

Post 25 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Mo 21. Sep 2009, 10:12

Jessica01 hat geschrieben: Hat es deine Partnerin gleich mit Jubel und Hurra aufgenommen, oder war auch sie erst mal schockiert und eben nur so sehr verliebt, um es mit in Kauf zu nehmen? Oder hat sie es provokativ gefragt zunächst für einen Witz gehalten?
Hallöchen Jessica,
Heute morgen finde ich nun mal die Zeit,auf deine Fragen zu antworten.Also mit Hurra und fliegenden Fahnen hat sie es nicht aufgenommen und für einen Witz nun auch nicht,da in den Kuschelstunden vorher schon aufgefallen war,daß ich nur Damenslips(nix besonderes,so einfache aus cotton) trage.Das ich zu Hause denn noch Kleider und Röcke hab,hat sie denn nicht wirklich in Frage gestellt,
eher etwas verunsichert,was sie sich da für einen Typen geangelt hatte.
Jessica01 hat geschrieben: Das liest sich ein wenig so, als existiere bei euch das Thema Crossdressing schon, weil du es ja praktizierst, aber es nicht häufig Gesprächsthema ist. Und wird deine Freundin kritischer was die Akzeptanz von Crossdressing betrifft oder versuchst du die Grenzen etwas mehr in deine Wunschrichtung zu schieben?
Im täglichen Leben(zu Hause nur in Röcken/Kleidern,wird so akzeptiert,weil sieht ja keiner) ist das Thema nicht so sehr auf dem Tisch,es wird immer dann zum Thema,wenn ich die Grenzen auszudehnen versuche.Sie sieht in mir bis jetzt wohl den Mann,der gerne Röcke anzieht.Ich sehe mich auch so,wobei ich aber auch gerne mal den
Rahmen sprengen würde.Perücke,zweiten Ohrring,BH tragen oder Nagellack würde ich gerne mit ihrer Billigung zu Hause mal tragen,zu Karneval
oder am CSD komplett durch gestylt auch mal draußen,aber da spielt sie halt nicht mit und es kommt zu den beschriebenen Diskussionen.
Wenn ich alleine bin zieh ich meist einen BH drunter-ich mag dieses Gefühl.Das ich welche besitze ahnt sie vielleicht,da muß ich nochmal
das Gespräch suchen,bevor das eine "Überraschungsparty" gibt.

LG Bianca
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Re: Gemütslage

Post 26 im Thema

Beitrag von Regina » Fr 26. Feb 2010, 00:16

Hallo Jessica,

ich finde es schön, dass Du uns an Deinen Gedanke und Deinen Gefühle teilhaben lässt. Sicher kann Dir hier kaum einer Antwort auf Deine Fragen geben. Ich glaube aber auch nicht, dass Du das erwartest. Du kannst Dir aber sicher sein das wir Zuhören bzw. Lesen und Anteil nehmen. Sind es doch auch bei uns oft die gleichen Fragen die uns Quälen.

Liebe Grüße,
Regina
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Re: Gemütslage

Post 27 im Thema

Beitrag von valerie » Fr 26. Feb 2010, 12:33

Hi Jessica,
erwartest du wirklich eine rationale Antwort auf die Fragen, die uns alle mehr oder weniger, anfangs oder noch immer beschäftigen: Warum bin ich Mann und trage gern Damenkleidung oder Nylons und Damenwäsche oder schminke mich gern oder trage Perücken und richte mich mitunter ganz als Frau her? Diese Fragen sind nach meiner Meinung elementar für Crossdresser oder auch TV's. Ich habe nun mein Leben lang immer wieder Phasen erlebt, in denen ich dieser Neigung nicht nachging. Dann wieder exzessiv. Dabei habe ich gelernt, dass ein Mensch eben so ist wie er ist, mit allem drum und dran. Inzwischen nehme ich mich deshalb auch so wie ich bin und nicht anders. Wenn ich Valerie sein will, gehört das genauso zu mir wie mein "normales" Mannsein. Viele in diesem Forum, einer mehr, der andere weniger, haben ja das Glück, ihre Neigung oder besser ihre weibliche Seite mit ihrer Partnerin zusammen ausleben zu können. Die habe ich leider nicht. Meine Frau mag mich als Valerie nicht. Alle Beteuerungen, ich bin gern Mann und will nur hin und wieder (na ja, vielleicht auch recht häufig) als Valerie auftreten, helfen da nicht. Auch wenn ich ihr erkläre, dass ich nicht zur Transsexualität neige und mich niemals in eine "richtige" Frau umwandeln lassen würde, hat sie dennoch kein Verständnis, bei all ihrer sonstigen Toleranz mir gegenüber. Bleiben mir also nur die Gelegenheiten, wenn sie es nicht mitbekommt. Kürzlich hat sie Nagellackreste an meinen Fußnägeln entdeckt und kurz und bündig daraus geschlossen, dass würde ich in dem Geiste tun, eine Umwandlung anzustreben. Deshalb darf man auch nicht müde werden, mit seiner Partnerin über seine Beweggründe zu sprechen und du hast schon ganz recht, mit deiner Frau immer wieder das Thema anzuschneiden. Ich hoffe, du erntest dabei etwas mehr Verständnis als ich. Bei mir hat es jedenfalls nicht geholfen und so haben wir uns eben so arrangiert, dass sie weiß, aber es möglichst nicht mitbekommt. Letztlich trage ich halt regelmäßig einen String, wenn ich ins Büro gehe. Ich weiß nicht, ob dir das alles als rationale Antwort erscheint. Bei soviel Gefühl, das sicher für die meisten hier beim Crossdressen im Spiel ist, kann man sicher ohnehin nicht von rational sprechen. Aber jetzt noch einmal etwas anderes: ich hatte ja nun nicht nur im Januar, sondern auch im Februar nur wenig zeit, um mich mit dir mal in dem von dir propagierten kleinen second hand Laden zum Bummeln zu treffen. Wenn es den Laden nun wieder oder immer noch gibt, wäre es schön, wenn wir das nicht aus den Augen verlieren.
Liebe Grüße
Valerie

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Re: Gemütslage

Post 28 im Thema

Beitrag von Joe95 » Fr 26. Feb 2010, 15:21

na, ich denke mal valerie hat mir da ein sehr schönes beispiel dafür gegeben wie relativ doch alles is...
ihre frau findet nagellackreste an den fussnägeln und schliesst daraus das sie eine operation anstrebt...
für mein verständnis - und auch das meiner frau - ist nagellack an männerfüssen vielleicht etwas seltenes, jedoch völlig normal...
genau so sehe ich fsh als ganz normale unterwäsche, die auch von ganz normalen männern getragen werden kann...

irgendwo (aber noch hier im forum) hab ich kürzlich von einem gelesen, der pullover (oder war es sweatshirt?) und leggins getragen hat... sowas hab ich als ganz normale freizeitkleidung getragen, da hab ich noch garnicht an cd oder ähnliches gedacht...

so gesehen trage ich also garnix so sehr besonderes, was mich zum crossdresser macht ist das es eben unbedingt damenkleidung sein muss...

also keine herrenstrumpfhosen, keine herrenröcke sondern die sachen aus der damenabteilung...

was mein outing angeht kam das eigentlich "in echtzeit"...
mir gingen die hässlichen jogginghosen auf den keks und mir gefiel der gedanke statt dessen einen rock zu tragen...
ein paarmal drüber nachgedacht und dann laut gesagt.
mein erster rock war so ein einfacher schwarzer, langer in einheitsgröße wie man ihn auf dem flohmarkt bekommt...
das war der einzige rock meiner frau, der über meinen bauch passte...
badeanzüge trug ich vorher schon, erst herrenmodelle, dann damenmodelle.

so kam dann eins zum anderen...

meine frau fand das nicht gerade gut, sie machte sich mehr sorgen um das seelenheil der nachbarn als um sonstwas...
ok, die ehe ging dann auch auseinander, was nach meiner frau aber nix mit meiner veranlagung zu tun hat (sagt sie).
allerdings war das auch besser für alle beteiligten und auch für unser verhältnis zueinander, das nach der ehe besser war als je zuvor...

meine jetzige lebensgefährtin hat mich in rock und strumpfhose kennengelernt und meint "es ist doch nur wäsche, warum drüber aufregen?"
was darüber (weit) hinaus geht gefällt ihr schon garnicht mehr, "ich bin doch nicht lesbisch!" sagt sie...
na, verstehen kann ich sie schon und das "mehr" ist bei mir auch nicht so wichtig...

warum ich so bin?
warum trage ich damenwäsche?
warum bin ich dick?
warum hab ich keine reichen eltern?
warum bin ich jetzt geboren, nicht in einem zeitalter, das mir besser gefällt?
warum muss ich sterben?

für mich sind das alles fragen auf die es antworten geben mag, aber niemals die antwort...
Den Weg sehe ich vor mir, es wird Zeit für den einen oder anderen Schritt.

wonsti

Re: Gemütslage

Post 29 im Thema

Beitrag von wonsti » Fr 26. Feb 2010, 16:58

Hi Joe,
ich glaub, das mit den leggings usw. könntest Du bei mir gelesen haben. Ich denke unsere Einstellung ist sehr ähnlich, und die unserer Partnerinen wohl auch. Eigentlich kann ich fast alles machen, und manchmal macht Vorschläge sie mir sogar zu weit gehen, wie z.B. Shorts, gemusterte SH uns Stiefel zum Besuch ihrer Eltern, aber, alles was dazu führen könnte, dass ich feminin aussehe lehnt sie ennergisch ab.
Kleidung sieht sie auch nur als solche, würde ich sie irgendwie benutzen um meine Rolle zu verändern, gingen wir wohl getrennte Wege.

Joe95
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Re: Gemütslage

Post 30 im Thema

Beitrag von Joe95 » Fr 26. Feb 2010, 17:20

ich merke bei ihr auch das es durchaus nicht immer gleich ist, schonmal scheint ihr das eine oder andere spass zu machen...

das ich strumpfhosen trage gefällt ihr scheinbar besser als mir selbst...
nach dem schwimmen, im umkleidebereich wo die spiegel und haartrockner sind... ich wartete auf sie, der raum war voller teenys, da reichte sie mir cajal und maskara "willst du auch?"

bh mag sie nicht so sehr, gefüllt schon garnicht...
Den Weg sehe ich vor mir, es wird Zeit für den einen oder anderen Schritt.

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