Liebe Sophia,
Du hast das Thema zwar aus einem anderen Grund wieder aus der Versenkung geholt, aber ich ergreife dennoch gerne die Gelegenheit, noch ein paar Gedanken zu liefern und nehme jetzt einfach mal an, dass deine Aufforderung noch gilt:
Sophia69 hat geschrieben: Mo 24. Nov 2025, 21:49kommentiert einfach meine Gedanken, wenn ihr Lust dazu habt!
Sophia69 hat geschrieben: Mo 24. Nov 2025, 21:49...so mich zu geben, wie ich empfinde, ich mich fühle, ich wahrnehme und denke. Als Frau! Dies beinhaltet sicherlich eine Menge TNT

Denn wie fühlt eine Frau? oder gar zwei Frauen und Frauen allgemein
Das ist genau die Frage, die ich nicht beantworten kann. Nicht für mich, und für andere erst recht nicht. Daher beschäftigt mich diese Frage nicht mehr. Sie ist sozusagen irrelevant geworden, als ich für mich verstanden habe, dass es nicht wichtig ist, ob ich "Frau bin" oder mich als "Frau fühle". Ich weiß, dass einige hier großen Wert auf diese Unterscheidung legen. Aber für mich ist "Frau" nichts greifbares, sondern eine abstrakt-diffuse Kategorie, unter der sich alle was anderes vorstellen. Und weil sie so unklar ist, bringt sie mich bei der Identitätssuche nicht weiter.
Klar, ich könnte mir den Schuh anziehen und mich mit dem Label "Frau" schmücken. Aber was könnte ich dadurch gewinnen, wo dieser Begriff doch nichts erklärt? Es wäre nur eine scheinbare Klarheit, eine einfache Antwort auf die Frage aller Fragen:
Was bist du?
Und doch löst sie keines meiner Probleme, trifft nicht den Kern meines Anliegens, nämlich zu wissen,
wer ich bin.
Sophia69 hat geschrieben: Mo 24. Nov 2025, 21:49So kreist das Mantra "ich bin eine Frau" einen erheblichen Anteil des Tages in meinem Kopf. Käme es nicht mehr wieder, dann vermute ich, werde ich es geschafft haben mich endgültig als Frau anzunehmen.
Nun, ich habe ja gerade beschrieben, warum diese Frage mich nicht mehr beschäftigt. Deine vermutete Folge, nämlich dass man sich dann endlich als Frau angenommen habe, ist bei mir nicht eingetreten. Oder, um genau zu sein, nicht in dieser Form.
Ich habe gelernt, mich mit meiner Individualität anzunehmen. Dazu braucht es keine Kategorie, in die ich eingeordnet werde. Ich brauche auch keine Kategorie, um mich zuzuordnen. Wozu denn?
Ich bin ich. So wie ich geworden bin im Laufe der Jahre, aus dem, was schon immer da war und sich nach und nach formiert. Das ist komplex, unübersichtlich, widersprüchlich, nicht vorhersagbar.
Alles ist, wie es ist.
Mein Körper.
Meine Gefühle.
Mein Geist.
Mein Herz.
Ich muss es nicht in eine Kategorie pressen, nur um eine einfache Antwort geben zu können, wenn man mich fragt, was ich denn sei.
Aber ich muss damit gut leben können, zunächst einmal für mich, und dann mit den Menschen um mich herum, die mir wichtig sind. Ich muss mich selbst annehmen, nicht ein unklares Konzept, das "Frau" genannt wird.
Vielleicht ist es unbefriedigend, sich nicht "erklären" zu können. Aber warum wird das von mir wie selbstverständlich erwartet, und von cis Menschen nicht?
Sophia69 hat geschrieben: Mo 24. Nov 2025, 21:49
Ist dazu es denn notwendig, in meinem Fall, in den Spiegel zu schauen und einen "real" weiblichen Körper zu entdecken. Schaffe ich es nicht mit der Selbstannahme, indem ich Judith Butlers Aussagen folgen kann und meine Physiognomie vollkommen irrelevant für meine Weiblichkeit ist? Anscheinend nicht, somit bleibt die Sehnsucht, welche mich im o.g. positiven Sinne in Bewegung hält, um weiter meine Weiblichkeit zu erforschen und zu nähren.
Ich würde die Aussage von Butler umkehren. Wie wäre es damit:
Weiblichkeit ist vollkommen irrelevant für die Akzeptanz meiner Identität?
Du siehst, da steht noch ein Fragezeichen am Ende des Satzes. Und das ist wohl der Grund, warum ich überhaupt meine Gedanken aufschreibe. Wenn es denn tatsächlich so einfach wäre, dann würde ich mich von deinen Überlegungen überhaupt nicht inspirieren lassen. Aber der Gedanke, wie es wäre, einen cis-weiblichen Körper zu haben, ist mir durchaus vertraut. Auch meine Kleidung entspricht in vielem den typisch weiblichen Klischees. Also hat "Weiblichkeit" doch irgendeine Bedeutung für mich?
Warum lehne ich dann die Kategorie "Frau" für mich ab? Obwohl es mir große Freude bereitet, ihrem Äußeren nahe zu kommen?
- Und im Inneren, wie sieht es da aus?
Jedenfalls nicht "typisch männlich". Das ist schon immer so, wurde aber sehr lange nicht richtig von mir verstanden. Und da liegt wohl auch des Pudels Kern:
Mein Inneres kann ich nicht nach außen kehren. Es ist unsichtbar. Was ich aber tun kann, ist mein Äußeres mit dem Inneren in Übereinstimmung zu bringen. Deshalb sehe ich so aus, trete ich so auf, wie ich es mache. Performing Gender, ganz im Sinne von Butler. Aber nicht um der Performanz willen, sondern um den Bruch zwischen Innen und Außen zu kitten.
Dafür nutze ich die weibliche Garderobe.
Nicht um "Frau" zu sein, oder mich so zu fühlen.
Ich möchte
mich spüren.
Als das, was ich bin.
Wenn andere dann eine Frau in mir sehen freue ich mich darüber, auch wenn ich es selbst anders sehe. Aber es kommt meiner inneren Wahrheit immer noch am nächsten.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal