Die vollkommene Frau!?
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Frieda
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Die vollkommene Frau!?

Post 1 im Thema

Beitrag von Frieda » Sa 26. Okt 2019, 11:30

Die vollkommene Frau!?

Und was bin ich?
Wie bin ich?
Wer bin ich?
Warum bin ich?
Wieso bin ich?
Wo bin ich?
Wo ist mein ich?
Was ist mein Ich?
Wie ist mein ich?


In all diesen Fragen, oder auch nur in einer einzigen Frage, kann oder könnte man sich verlieren. Will man das? Falls ja, warum? Wozu? Wofür?
Oder ist der Kerngedanke doch ein ganz anderer?
Falls ja, welcher?

Was bewirken diese Fragen?
Was machen diese Fragen mit mir, in mir?
Was will ich? Warum will ich? Wozu? Wofür?


Es gibt Fragen über Fragen in unserem Alltag, in unserer Welt, auf dieser Erde, und in unserem Universum. Welche ist die wichtigste? Und warum? Warum lassen uns diese Fragen nicht los? Warum geben wir Ihnen immer wieder nach? Warum lassen wir es zu, dass Sie uns oft genug so beherrschen?

Für mich(! ), in meiner Wahrnehmung habe ich in meiner kleinen Welt ein paar Antworten gefunden.
Und die Antworten lauten:
Zufriedenheit, Unzufriedenheit, Glück, Unglück, Angst, Gier, Sehnsucht, Habsucht, Verlangen, Neid, Unwissenheit, Vergleich, Wertung, Egoismus, Akzeptanz


OK!? Wenn es schon so viele Fragen gibt, dann stelle ich mal noch eine weitere Frage, durch die ich selbst einiges gelernt bekommen habe.
Welche Farbe hat eine Zitrone, wenn wir durch eine blaue Brille schauen?
Es gibt 2 Antworten (oder doch nicht?). Die eine Antwort ist eine Ich-bezogene Antwort und die zweite die Wahrheit, bzw die eigentliche Realität. Mit dem Blick durch die blaue Brille, sehen wir die Zitrone grün, aber (☝️) in Wahrheit ist die Zitrone unverändert gelb, denn im Außen hat sich nichts verändert! Es ist einzig und allein nur unser Blick der sich verändert hat!

Was hat eine blaue Brille und eine Zitrone nun mit der vollkommenen Frau zu tun? Evtl wisst ihr bereits selbst eine Antwort!?
Ich möchte euch gerne noch meine Antwort "zumuten" dürfen. 😉
Für mich läuft es am Ende immer nur auf eins hinaus... auf unser Ich.
Wir können eine (von Menschenhand gefertigte) blaue Brille anfassen, sie ist real, wir können sie absetzen und während wir sie absetzen sehen wir klarer und haben einen Aha Effekt. Es ist für uns vollkommen einleuchtend warum wir mit der blauen Brille die Zitrone grün sehen.
Nun gibt es eine (für mich) weitere "blaue Brille" und zwar in uns... unser eigenes Ich! Es gibt in unserem Alltag unwahrscheinlich viele Gegebenheiten, wo wir unbemerkt (☝️) die Welt mit "unserer blauen Brille" sehen. Alles was wir um uns herum wahrnehmen, sehen, erleben, fühlen wir mit der inneren "blauen Ich-bezogenen Brille". Die eigentliche Wahrheit können wir oft gar nicht mehr sehen, weil unser ICH so mächtig ist und sich auch richtig für uns anfühlt.
Aber die wahrhaftige Welt in der wir mitleben ist nicht nur ein (unser) Ich! Wir sind (nur☝️) ein Teil davon!
Jedes Ich da draußen, wird zu einer eigenen Welt, in die die wahrhaftige Welt kaum eindringen kann. Die eigentliche Welt kann nur schwer in unsere Ich-Welt eindringen. Dies gelingt ihr meist nur durch einen "Türöffner", zB den der Versuchung, der Verführung oder zB die Begierde in uns zu wecken.
Allerdings kann die Welt da draußen uns unsere innerliche blaue Brille niemals absetzen, dies kann jeder nur selbst erkennen und tun.
_________________________________________________

Die vollkommene Frau (so denke ich) existiert nicht, existierte noch nie und wird auch niemals existieren❣️
Diese Frage, dieses Thema um "Die vollkommene Frau", was ich während meiner Mitgliedschaft hier schon mehrfach gelesen habe, existiert auch außerhalb dieses Forums, und auch außerhalb der Transwelt! Und ich fragte mich hin und wieder, ob euch das überhaupt bewusst ist?
Es gibt noch viel viel mehr Wesen da draußen, außerhalb eurer/unserer Ich bezogenen "blaue Welt-Brille", die mit den selben Gedanken und daraus resultierenden Gefühlen "kämpfen", und dies resultiert nicht aus dem Thema Trans heraus.
Es gibt Wesen die biologisch und mental und gefühlt als weibliches Wesen geboren wurden, und die trotz funktionstüchtiger weiblicher Organe keine Kinder zeugen/gebären können.
Es gibt aber auch weibliche Wesen die mit nicht funktionierenden weiblichen Organen geboren werden und sich trotzdem danach sehnen ein Kind zeugen/gebären zu können.
Und es gibt weibliche Wesen die in ihrer Entwicklung an einen Punkt angekommen sind, wo sie mit der Menopause keine Kinder mehr zeugen/gebären können.
Unter all diesen Wesen, leiden sehr viele darunter, (bzw unter ihren eigenen Ich bezogenen Gedanken), dadurch "eine unvollkommene Frau" zu sein.

Oft genug haben wir es hier schon gelesen, dass es nicht nur ums Frausein geht. Es geht um die innere Balance. Und wenn ich selbst, durch meine Ich bezogene blaue Brille, wie ein trainiertes Zirkuspferd blicke, kann ich mich nicht wohl fühlen bzw glücklich werden, weil ich das sehe, oder dieses und jenes haben will, was mir vorgegaukelt wird.
Des Öfteren sagte ich hier schon, dass ich euch wie Pioniere sehe. Ihr geht einen steinigen und beschwerlichen Weg, den vor euch noch niemand gegangen ist❣️ Die Menschheit weiß (noch) kein Richtig und/oder Falsch beim Thema Trans. Es ist Neuland für alle Beteiligten. Und die Menschheit wird nicht klüger, wenn ihr aufgeben wollt, den Kopf in den Sand stecken wollt, nur weil andere euch nicht verstehen oder sie in ihrer eigen Ich bezogenen "blaue Welt-Brille" leben. Wir wissen alle, dass uns Tiefschläge, und Rückschritte lähmen können. Wir wissen Alle, dass wir nicht auf einer rosa Wolke leben, trotz "blauer Ich-bezogenen Weltbrille".
In meiner Wahrnehmung, können wir niemals glücklich werden, mit einer "Ich-bezogenen Blaue-Weltbrille".

Was könnte denn nun die Lösung aus diesem Irrgarten sein?
Akzeptanz! 😊 Nicht Toleranz sondern ehrliche, wahre Akzeptanz, hat die "Macht" uns glücklich zu machen❣️
Uns 100%-ig zu akzeptieren wie wir sind, wie jeder einzelne von uns ist, dass ist in meiner Wahrnehmung ein Weg aus diesem Irrgarten.
Es wurde hier von anderen auch schon mehrfach erwähnt, wie wichtig jede einzelne Facette in euch wichtig und richtig ist. Jede Facette in euch bringt euch zum strahlen. Ich stimme dem absolut zu, dass das "nicht nur Mannsein" und auch "nicht nur Frausein", bzw das "Vollkommen sein" zu wollen das A und O ist, sondern sich nur in der eigenen wahrhaftigen Annahme seiner Selbst, der innerlichen Frieden und das Glück zu finden ist.
Natürlich sind die Klamotten, Haare, Schminke, Schmuck, Op's, Hormone und Co für euch wichtig, das bezweifle ich überhaupt nicht. Aber, ich finde das ist nicht ausreichend, es gehört für mich zusätzlich eine riesen Portion Akzeptanz dazu, dass das Dasein eines Trans, eine zusätzliche Facette in unserer Welt ist, die zusätzlich "Vollkommen" richtig ist.


Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 2 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Sa 26. Okt 2019, 11:52

Du sprichst aus wozu ich nie in der Lage gewesen wäre.
Du findest Worte wie ich sie nie sagen könnte.
Danke dir sehr dafür.
Es ist so wahr.
Lisa
Liebe geben und offen sein für neues..

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 3 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly » Sa 26. Okt 2019, 12:41

Hallo Frida,
Ich kann mich Lisa anschließen.
Eine Frage habe ich jedoch:
Was würde Spock darauf schreiben?
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine Spuren.
Mein Motto: Ich werde glücklich.

Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Nicole Doll
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 4 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 26. Okt 2019, 13:33

Hallo allerseits, hallo Frieda,

so eine Blaue Brille können wir ja absetzen und dann feststellen, dass die Zitrone in Wirklichkeit(?) gelb und nicht grün ist. Wie ist es aber, wenn es in unserem Gehirn einen Filter gibt, der wie so eine Brille funktioniert? Dann wäre doch die Zitrone für uns ganz sicher grün, auch wenn alle anderen behaupten, sie sei gelb. So ähnlich war es bei mir immer, wenn die anderen behaupteten, ich sei ein attraktiver Mann. Ich sah da im Spiegel immer nur einen abstoßend hässlichen, dummen Hampelmann - So ähnlich wie eine vollkommen abgemagerte, magersüchtige Frau im Spiegel immer noch ganz viel Fett sieht.

Wie sehe ich mich also jetzt im Spiegel? - Da ist jetzt vor allem nicht mehr dieser total hässliche Typ. Irgendwie so viel Frau wie nötig und so wenig Mann wie möglich. Mit HRT und GaOP wäre wohl noch mehr Frau möglich. Das ist aber mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Und zudem erfordert es für mich einen Kniefall vor der starren, streng binären Strukturen dieser Gesellschaft, den ich eine Kapitulation vor denen empfinde, die sich - entgegen demokratischer Grundsätze - anmaßen über uns bestimmen zu wollen.

Kommen wir nun zu dem Filter in unserem Gehirn zurück. Wenn ich einen solchen Filter im meinem Gehirn habe, dann haben doch höchst wahrscheinlich alle anderen auch einen solchen Filter. Nur meiner funktioniert anders, da ist die Zitrone grün und bei den meisten anderen ist sie gelb. Aber welche Farbe hat sie nun wirklich? Ist sie vielleicht in Wirklichkeit blau, violett oder gar schwarz? Oder sind Farben letztlich nur ein Konstrukt unserer Wahrnehmung? Da gibt es nur eine deutliche Mehrheit, für die eine Zitrone gelb ist. Ich denke, Akzeptanz bedeutet eben diesen Filter in der Wahrnehmung zu kennen und zu verstehen, dass er bei jedem von uns anders funktioniert.

Zur vollkommenen Frau: Jedes Lebewesen hat einen angeborenen Drang zur Fortpflanzung. Wenn diese, aus welchem Grund auch immer, nicht funktioniert, geht das auf die Psyche. Bei mir war das eine ständige Angst zu scheitern und die Angst vor einer globalen atomaren oder ökologischen Katastrophe. Deshalb konnte ich einfach kein Kind in die Welt setzten, dass ja auch diesen Ängsten ausgesetzt sein würde. Ich verweigerte meine Rolle als Mann, sah aber keine Alternative und schob sie immer nur vor mich her - bis ich keinen Sinn mehr in meiner Existenz erkannte.

Für mein Verständnis müssen wir als Menschheit von der Fortpflanzung als wichtigste Aufgabe unseres Lebens, also von "vollkommenen" Männern oder Frauen, weg kommen, wenn wir als hoch entwickelte Zivilisation überleben wollen. Da sind uns Ameisen oder Termiten bereits weit voraus. Da gibt es Königinnen und Drohnen für die Fortpflanzung und der Rest der Staates leistet einfach nur im Sinne einer Symbiose seinen Beitrag zum Funktionieren der Gemeinschaft. Einziger Unterschied: Unser "Ameisenhaufen" ist die ganze Erde.

Wenn wir sämtliche Ressourcen unseres Planeten vergeuden, um Milliarden - drastisch ausgedrückt - "überflüssigen Fressern" (minderwertige) Nahrung, (billige) Kleidung und ein (erbärmliches) Dach über dem Kopf zu verschaffen, zerstören wir die Grundlagen unserer Existenz. Eine Tendenz in der Entwicklung Bevölkerungszahl ist übrigens bereits vorhanden (für Details bitte Jaddy fragen). Der minimale Wohlstand, der immer mehr Menschen zuteil wird, dämpft den Drang zur Fortpflanzung. Dem gegenüber steht aber ein aus kapitalistischer Gier resultierender gnadenloser Egoismus. Und diesen gilt es mit allem, was uns an Fähigkeiten und Kraft gegeben ist, zu bekämpfen. Dabei müssen wir versuchen Vorbild zu sein und so allen anderen den einzig zielführenden Weg aus unserer großen globalen Krise aufzeigen.

Stetiges Wachstum ist unser aller Tod!!!

Liebe Grüße
Nicole

PS: ich vermute Spock würde jetzt ähnliches schreiben wie ich.
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

VanessaL
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 5 im Thema

Beitrag von VanessaL » Sa 26. Okt 2019, 14:44

Liebe Frieda,

ich kürze Deinen langen Text einmal deutlich ein, alle können ihn ja im Original lesen. Ich habe für mich zwei Punkte herausgezogen, zu denen ich etwas schreiben möchte. Doch bevor ich das tue, sei mir die Anmerkung erlaubt, dass mein Blick ein völlig anderer ist und auch sein muss. Ich sehe das nicht als Brille, sondern einfach als gegeben an. Als biologisch geborener Mann, der sich irgendwann dazu bekannt hat, im Grunde eine Frau zu sein, habe ich einfach eine völlig andere Wahrnehmung zu diesem Thema und sicher auch ganz andere Definitionen davon was eine Frau ist, als andere Menschen, wie Du sie beschrieben hast. Das ist auch gar nicht schlimm, muss man aber einfach wahrnehmen und realisieren.
Frieda hat geschrieben:
Sa 26. Okt 2019, 11:30
Was bewirken diese Fragen?
Was machen diese Fragen mit mir, in mir?
Für mich haben diese Fragen eine zentrale Bedeutung in meiner Persönlichkeitsentwicklung gehabt und haben sie vermutlich auch immer noch. Als ich aus der Praxis meines Psychologen kam, endlich meinen Widerstand gegen mich selbst aufgab und zu mir sagte: "Dann bin ich eben eine Frau", Platzte ein riesiger Knoten für mich. Es war ein befreiendes Gefühl, bis zu nächsten Straßenecke, denn dann kam nämlich diese Frage in mir auf: "Was ist das denn überhaupt? Was ist eine Frau und was ist eine richtige Frau? Wie packst Du das in Dein Leben?" Es hat noch einmal Monate gedauert, bis ich dies für mich einigermaßen beantworten konnte. Und tatsächlich ist die einzige Antwort, die es mir erlaubt Frau zu sein, die Negation. Es gibt keine richtige, keine perfekte Frau. Das wurde mir nach meinem Outing vor Augen geführt, als Ich meine erste Frauenversammlung besuchte. Da war niemand perfekt, alle waren unterschiedlich, so, wie ich eben auch anders bin.
Zusammenfassen möchte ich sagen, dass mir diese Fragen geholfen haben, meine "falsche" Hülle abzulegen. Ich habe erkannt, dass es mir erlaubt, ist so zu sein, wie ich als Frau bin. Keine Schminke, kein Kleid, keine körperverändernden Maßnahmen sind notwendig, damit ich Frau bin. Ich war es eben schon immer - bloß eben (nicht nur für mich) unerkannt.
Frieda hat geschrieben:
Sa 26. Okt 2019, 11:30
Was könnte denn nun die Lösung aus diesem Irrgarten sein?
Akzeptanz! 😊
Die Lösung ist Akzeptanz, schreibst Du und wie ich es verstanden habe, ist es vor allem Selbstakzeptanz, die Du meinst. Also in etwa das, was ich oben bei mir beschrieben habe. Doch da gibt es ein kleines Problem, denn tatsächlich geht es bei mir nicht ohne ein Mindestmaß an weiblichen Attributen und tatsächlich denke ich, dass dieses Maß bei jedem anders und veränderlich ist. Damit stelle ich mein inneres und mein äußeres Gleichgewicht her - ohne geht es leider nicht.
Und ja, es ist notwendig, damit mich andere verstehen und mich so annehmen können, wie ich denn bin. Ich bin eine perfekte Frau - für mich. Andere sehen das ganz anders und haben Schwierigkeiten mich an den richtigen Stellen zu berühren (innen, wie außen). Daher gebe ich Ihnen eine Brille (vielleicht nicht unbedingt Deine blaue, die hier ja schon abgegriffen ist), die ihnen ermöglich nicht die Zitrone, sondern den Schwan zu sehen, der so zauberhaft vor Ihnen steht. Die wenigsten brauchen diese Brille ein zweites Mal, denn sie verstehen es in der Regel sehr schnell, was ich Ihnen über mich zeigen wollte. Trotzdem bleich ich immer etwas fremd für sie.

In letzter Konsequenz, also wirklich die eigene Akzeptanz losgelöst von Rollen und Äußerlichkeiten, löst sich dann für mich das binäre Modell auf. Es gibt weder Frau noch Mann - nur Menschen. Wenn ich soweit bin, bekomme ich jedoch Probleme. Denn meine gewonnene und erkämpfte Weiblichkeit wieder loszulassen, mich davon zu lösen, birgt für mich den Gedanken wieder das männliche anzunehmen. Und tatsächlich ist genau das wohl eine Hauptaufgabe oder das größte Problem für jede Transperson in Ihrer Entwicklung. Zu erkennen, dass wir im Grunde beides sind und eins - eben Mensch.

Namsté

Alles Liebe
Vanessa
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 6 im Thema

Beitrag von Momo58 » Sa 26. Okt 2019, 15:14

Warum? Warum ist die Banane krumm? Mit der Warum-Frage habe ich mich über viele Jahrzehnte selbst gequält, bis ich erkannt habe, dass ich die weiblichen Gefühle in mir zulassen kann. Jetzt ist diese Frage nicht mehr wichtig!

ICH
Ich bin
Ich bin gut
Ich bin gut zu mir

Ich bin ICH

GlG Manuela
Die Vergangenheit ist meine Wurzel, der Stängel ist die Gegenwart, die Zukunft ist die Blüte

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 7 im Thema

Beitrag von Joe95 » Di 29. Okt 2019, 11:57

VanessaL hat geschrieben:
Sa 26. Okt 2019, 14:44
Als ich aus der Praxis meines Psychologen kam, endlich meinen Widerstand gegen mich selbst aufgab und zu mir sagte: "Dann bin ich eben eine Frau", Platzte ein riesiger Knoten für mich. Es war ein befreiendes Gefühl
Ich war richtig erschrocken, als ich das las, denn bisher dachte ich immer ich wäre die einzige, der das so passiert ist.
Denn genau so war es, auf die Einsicht erfolgte ein extrem starkes Gefühl der Befreiung.
Als ich dann weiter las kam dann doch ein großer Unterschied.
VanessaL hat geschrieben:
Sa 26. Okt 2019, 14:44
bis zu nächsten Straßenecke, denn dann kam nämlich diese Frage in mir auf: "Was ist das denn überhaupt? Was ist eine Frau und was ist eine richtige Frau? Wie packst Du das in Dein Leben?"
Die Frage was männlich oder was weiblich ist stelle ich mir schon so lange ich über mein Geschlecht nachdenke.
Es gibt keine exakte Definition.
Was ist das denn überhaupt? Was ist eine Frau und was ist eine richtige Frau?
Irgendwie ist die Frage doch geklärt, oder? Vanessa, hast du nicht selber geschrieben "Dann bin ich eben eine Frau"?
Drehen wir das einfach um und wir haben die Antwort: Du bist (ich bin) eine Frau, also ist eine Frau so etwas wie du (ich)!
Nicht in allem, wenn du dich umschaust gibt es doch die verschiedensten Frauen, also reduziere es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner:
Eine Frau ist ein Mensch, der sich weiblich fühlt.
Ob es nun eine richtige, dicke, blasse, große Frau ist liegt nur am Standpunkt des Betrachters. Ist also keine Eigenschaft der Frau, sondern ein Eindruck des Betrachters.
Wie packst Du das in Dein Leben?"
Das ist jetzt mal eine überflüssige Frage.
Schließlich steht ja schon fest das du eine Frau bist.
Wie machen es denn die anderen Frauen?
Stell dir vor du stehst irgendwo in einer Fussgängerzone, vielleicht noch ein Microfon in der Hand und fragst Passantinnen:
"Wie packen sie es in ihr Leben eine Frau zu sein?"
Ich denke die meisten werden die Frage garnicht verstehen.
Ich übrigens auch nicht so wirklich. Wo musst du da was reinpacken? Und was?
Es kommt nichts neues hinzu, neu ist lediglich die Erkenntnis.
Du bist nicht plötzlich Frau geworden, du warst es schon vorher.
Du musst nichts "reinpacken" weil es ja schon immer drin war.
Vielleicht kannst du das eine oder andere weglassen, weil es dir zu männlich vorkommt, das reicht aber auch schon.

Damit kommen wir auf Friedas ursprüngliche Fragen, warum, wieso, was und wie bin ich?(und ähnliche Fragen)
Nun, ich bin ein Mensch, dessen bin ich mir ziemlich sicher.
Das ich - entgegen dem äusseren Anschein - eine Frau bin haben mir die Ärzte erklärt.
Warum und wieso weiß ich nicht. Es gibt da verschiedene Theorien, bestimmt mehr als ich überhaupt schon gehört habe, aber wozu muss ich das wissen?
Da kommen wir nämlich auch zu Friedas Antwort:
Akzeptanz.
Wer bitte soll mich akzeptieren, wenn ich das selber nicht kann?
Ich habe meine Fehler, es gibt sogar einiges an mir, was ich nicht mag.
Aber trotzdem halte ich mich nicht für einen schlechten Menschen.
Optimal wäre anders, aber ich halte mich sogar für mehr als nur akzeptabel.

Ich bin Joe, und das ist gut so.
Thema erledigt.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 8 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 4. Nov 2019, 14:26

Frieda hat geschrieben:
Sa 26. Okt 2019, 11:30
Die vollkommene Frau!?
.....
Es wurde hier von anderen auch schon mehrfach erwähnt, wie wichtig jede einzelne Facette in euch wichtig und richtig ist. Jede Facette in euch bringt euch zum strahlen. Ich stimme dem absolut zu, dass das "nicht nur Mannsein" und auch "nicht nur Frausein", bzw das "Vollkommen sein" zu wollen das A und O ist, sondern sich nur in der eigenen wahrhaftigen Annahme seiner Selbst, der innerlichen Frieden und das Glück zu finden ist.
Natürlich sind die Klamotten, Haare, Schminke, Schmuck, Op's, Hormone und Co für euch wichtig, das bezweifle ich überhaupt nicht. Aber, ich finde das ist nicht ausreichend, es gehört für mich zusätzlich eine riesen Portion Akzeptanz dazu, dass das Dasein eines Trans, eine zusätzliche Facette in unserer Welt ist, die zusätzlich "Vollkommen" richtig ist.

Namaste 🙏
Liebe Frieda, liebes Forum ....

ich möchte diese Beitrag noch einmal hochholen und Euch gerne zeigen, was für mich eben auch eine vollkommene Frau ist:
4509CF96-37B4-4851-9B2D-4A327D6F3F65.jpeg
OK, es ist reichlich provokant .... daher gibts noch das dazu ....
DCA595D6-E6D8-4BBB-B9E4-F40C91F8E215.jpeg
Das sind Bilder aus meinen Alltag... (gut, dass letzte hat eine Fotografin am Arbeitsplatz geschossen)
Aber, das bin ich und ich bin eine stolze Frau.
Es ist egal, ob ich in Jeans und Pulli zur Nadelepilation gehe und dafür 5 Tage lang die Barthaare wachsen ließ, oder ob ich im Abendkleid ins Theater gehe. Ich bin ich und wer will es mir absprechen, eine Frau zu sein? Für mich bin ich vollkommen ... so, wie ich bin. Sicher bin ich noch nicht am Ende meiner Entwicklungen und Entscheidungen, aber ich habe mein ich akzeptiert .... für mich, aus meinen Stärken und Schwächen heraus. Ich kann mich annehmen und mich selbst lieben, wie ich eben bin. Und ich zeige alle meine Facetten jeden Tag.
Ich habe die äußere Veränderung im Rahmen des Crossdressings gebraucht, um in einen Spiegel zu sehen - mich zu erkennen. Mittlerweile brauche ich diesen Spiegel nicht mehr .... ich sehe mich auch so ....

Namasté
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 4. Nov 2019, 15:48

Joe95 hat geschrieben:
Di 29. Okt 2019, 11:57
Das ich - entgegen dem äusseren Anschein - eine Frau bin haben mir die Ärzte erklärt.
Wie bitte? - Wer ist denn so selbstherrlich und arrogant, so etwas erklären zu wollen oder zu können? - Und wenn mir jetzt ein Arzt erzählt ich sei eine lebende Mülltonne, dann glaube ich das etwa auch, oder wie? (@Joe: ich meine das ganz allgemein und nicht persönlich!)

Bin ICH jetzt eine Frau? Um diese Frage zu beantworten muss ich doch erst einmal wissen, was - für mich! - eine Frau ist oder bedeutet. Und da wird es schon einmal eindeutig uneindeutig. Da gibt es die äußeren Geschlechtsmerkmale: Die wären bei mir schon einmal falsch. Dann das Aussehen: Da arbeite ich dran. Und als was empfinde ich mich überhaupt? - also so richtig als Mann sah ich mich nie. Aber wie empfindet sich eine Frau? Wäre ich jetzt überzeugt eine Frau zu sein, wäre die Antwort klar: Sie empfindet genau so wie ich. - OK. - Kann ich jetzt für mich so sehen. Aber woher will so ein arroganter Arzt das wissen, der seine ganze Erkenntnis nur aus Büchern oder Vorlesungen erworben hat? Nichts weiß der! Der hält sich nur für etwas besseres.

Wäre ich jetzt vom binären Denken, so wie wir es von klein an ständig vermittelt bekommen, immer noch geleitet, müsste ich eine Entscheidung treffen. Wenn ich mich also nicht als Mann empfinde, muss ich im Kopf eine Frau sein! Punkt! - Aber bin ich wirklich eine Frau? - Was ist ein*e Arbeiter*in in einem Bienenstaat? Sie*? kann nicht wie die Königin Nachwuchs hervor bringen, was ein weibliches Wesen üblicherweise kann. Also ist sie*? doch nicht wirklich weiblich, sondern irgend etwas anderes. Und wenn es so etwas bei Bienen gibt, warum nicht auch beim Menschen? Die Evolution betrifft uns alle. Also bin ich doch zunächst einmal Mensch. Aber warum muss ich mich dann bezüglich meiner Position im Staat oder in der Lebensgemeinschaft als Mann oder Frau einordnen? Die - doch ach so primitive - Biene braucht das jedenfalls nicht.

Herzliche Grüße auch von Charles Darwin und der Evolution
Nicole

PS: .. Und wenn man die Rolle einer Drohne in einem Bienenstaat betrachtet, wird ganz schnell klar, warum sich unsere männlich geprägte Gesellschaft so vehement gegen das non-binäre Denken auflehnt. :mrgreen: (moin)
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 10 im Thema

Beitrag von Joe95 » Fr 8. Nov 2019, 03:55

Nicole Doll hat geschrieben:
Mo 4. Nov 2019, 15:48
Wie bitte? - Wer ist denn so selbstherrlich und arrogant, so etwas erklären zu wollen oder zu können? - Und wenn mir jetzt ein Arzt erzählt ich sei eine lebende Mülltonne, dann glaube ich das etwa auch, oder wie? (@Joe: ich meine das ganz allgemein und nicht persönlich!)
Na, da habe ich mich wohl reichlich missverständlich ausgedrückt.
Natürlich ist keiner hingegangen und hat gesagt "du bist jetzt eine Frau".
Es hat über ein Jahr und zwei Therapeuten gebraucht um in mir die Erkenntnis reifen zu lassen.
Keiner hat mir also etwas gesagt, sondern ich habe im Verlauf der Therapie selbst erkannt dass das Leben, das ich führen möchte, das Leben einer Frau ist.
Nicole Doll hat geschrieben:
Mo 4. Nov 2019, 15:48
Bin ICH jetzt eine Frau? Um diese Frage zu beantworten muss ich doch erst einmal wissen, was - für mich! - eine Frau ist oder bedeutet. Und da wird es schon einmal eindeutig uneindeutig.
Stimmt genau.
Für mich verschwimmen die Grenzen, sind sehr subjektiv.
Wenn ich ehrlich wäre würde ich mich selbst als Enbi bezeichnen, aber wegen meiner Abneigung gegen den männlichen Anteil meines Körpers tue ich das nicht.
Daher definiere ich mich als Frau.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Fr 8. Nov 2019, 14:36

Joe95 hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 03:55
Wenn ich ehrlich wäre würde ich mich selbst als Enbi bezeichnen, aber wegen meiner Abneigung gegen den männlichen Anteil meines Körpers tue ich das nicht.
Daher definiere ich mich als Frau.
So langsam wird mir Klar, dass eine große körperliche Dysphorie, die ich nicht nachempfinden kann, den immer wieder so betonten Unterscheid zwischen non-binär und trans ausmacht. Für mich gibt es da einen fließenden Übergang, und die einen sehen einen falschen Körper und die anderen eine falsche Rolle in der Gesellschaft. Wenn es die Natur hergibt, erscheint es nun einfacher den Körper passend zu machen. Wäre ich sicher, dass es mir damit besser geht, würde ich das wohl auch machen. Aber meine Dysphorie betrifft vor allem unsere Gesellschaft und nur wenig meinen Körper. Und damit überwiegen die Bedenken wegen Risiken und Nebenwirkungen.

LG Nicole
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 12 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 8. Nov 2019, 16:30

Nicole Doll hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 14:36
Joe95 hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 03:55
Wenn ich ehrlich wäre würde ich mich selbst als Enbi bezeichnen, aber wegen meiner Abneigung gegen den männlichen Anteil meines Körpers tue ich das nicht.
Daher definiere ich mich als Frau.
So langsam wird mir Klar, dass eine große körperliche Dysphorie, die ich nicht nachempfinden kann, den immer wieder so betonten Unterscheid zwischen non-binär und trans ausmacht. Für mich gibt es da einen fließenden Übergang, und die einen sehen einen falschen Körper und die anderen eine falsche Rolle in der Gesellschaft.
Zustimmung; Körper und Verortung (ich mag den Begriff "Identität" nicht mehr) sind durchaus verschiedene Dinge. Und was davon wie viel ausmacht ist sehr persönlich. Bei mir ist es beides. Die Zuschreibung von Stereotypen stört mich. Ebenso die ständigen Zweiteilungen. Egal wie, Situationen, wo ich in eine der binären Ecken eingeordnet werde.

Gleichzeitig ist inzwischen ganz klar, dass ich mich in meinem östrogengesteuerten Körper deutlich wohler fühle als früher mit den Testosteron-Features. Das ist ganz mein eigenes Gefühl für mich in meiner Haut. Der Kreis schliesst sich allerdings, wenn ich wegen dieser neuen Features jetzt plötzlich auf der anderen Seite falsch eingeordnet und "als Frau" behandelt werde. Das wird sich leider so schnell nicht ändern, denn "There is no enby passing".

VanessaL
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 13 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 8. Nov 2019, 23:46

Jaddy hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 16:30
Gleichzeitig ist inzwischen ganz klar, dass ich mich in meinem östrogengesteuerten Körper deutlich wohler fühle als früher mit den Testosteron-Features. Das ist ganz mein eigenes Gefühl für mich in meiner Haut. Der Kreis schliesst sich allerdings, wenn ich wegen dieser neuen Features jetzt plötzlich auf der anderen Seite falsch eingeordnet und "als Frau" behandelt werde. Das wird sich leider so schnell nicht ändern, denn "There is no enby passing".
Hallo Jaddy,

vielen Dank für diesen Absatz - insbesondere den letzten Satz.
Das ist so schlicht wie tief - ich werde noch sehr lange darüber nachdenken ....

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

Wir brauchen mehr Gelassenheit und weniger Binärität.

Joe95
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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 14 im Thema

Beitrag von Joe95 » Sa 9. Nov 2019, 01:28

Jaddy hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 16:30
Zustimmung; Körper und Verortung (ich mag den Begriff "Identität" nicht mehr) sind durchaus verschiedene Dinge. Und was davon wie viel ausmacht ist sehr persönlich.
Ja, das kann ich so annehmen. Rein körperlich werde ich meine Vergangenheit wohl nie los werden, aber die ist ja auch nicht mein Problem (denn sie ist ja vorbei), sondern die Anwesendheit der männlichen Genitalien. Diese zu entfernen und zumindest diesen Teil des Körpers optisch anzupassen ist chirurgisch möglich, was mein Leben sehr erleichtern wird.
Jaddy hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 16:30
denn "There is no enby passing".
Hier möchte ich dir wiedersprechen, denn ich finde genau das habe ich.
Allerdings ist das auch wieder eine Auslegungssache.
Man kann auch einfach sagen "ein grottenschlechtes Passing als Frau".
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Die vollkommene Frau!?

Post 15 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 9. Nov 2019, 09:53

Joe95 hat geschrieben:
Sa 9. Nov 2019, 01:28
Jaddy hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 16:30
denn "There is no enby passing".
Hier möchte ich dir wiedersprechen, denn ich finde genau das habe ich.
Allerdings ist das auch wieder eine Auslegungssache.
Man kann auch einfach sagen "ein grottenschlechtes Passing als Frau".
Genau das ist das Problem. "Passing" heisst, wie eine Person von anderen, uninformierten wahrgenommen, gelesen, einsortiert wird. Die meisten Menschen da draussen wissen nicht einmal, dass es nicht-binäre Menschen gibt, geschweige denn, woran sie eine Person als nicht-binär erkennen könnten(1).

Ein Friendby sagte mal: "Menschen sortieren nach B und B". Bart und Brüste. Und bei Bart(anzeichen) ist es "Mann", denn Brüste können leicht "gefälscht" sein.

Deshalb werden ca 98% der Leute da draussen noch lange Zeit alles auf zwei Beinen binär-geschlechtlich einsortieren.

(1) Errm, weiss ich auch nicht. Nicht alle Enbys laufen androgyn rum (ich zum Beispiel), und gemischte gender-konnotierte Kleidung/Signale kann auch alles von Fetisch über CD bis persönliche Kunstform bedeuten. Oder Butch. Oder Femboy. Oder Girlfag. Oder Boydyke. Oder "ich hab mir einfach gar nix dabei gedacht".

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