Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?
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Toni Smith
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Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 1 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Di 4. Jun 2019, 09:05

Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Digitale Depression entsteht durch den Vergleich von retuschierten Bildern mit sich selbst. Man wird neidisch auf das was andere haben und eifert dem nach.
Ein nicht enden wollender Prozess der durch Aufmerksamkeit in Gang gehalten wird, likes und positive Kommentare.

Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich eher auf idealisierte Bilder anspreche als auf Bilder und Videos des sogenannten Body Positivismus.

Durch die idealisierten retuschierten Bilder entsteht schnell Neid und der Wunsch ähnlich auszusehen. Durch Körper positive Bilder entsteht dieser Wusch eher nicht.

Transgender die im Netz auftreten sind oft mitlerweile ein Beispiel für diese bis extreme retuschierte Bild. Sie legen Filter über die eigenen Fotos oder haben sogar Ops um ihr Aussehen noch “perfekter” zu machen. Heraus kommen komplett künstlich aussehende Menschen. Man sieht ihnen an das ihr Gesicht eingeebnet wurde. An ihnen ist nichts echtes dran. Das Besondere, das Interresante an ihrem Äußeren wird dadurch weggeschliffen, um ein Ideal zu entsprechen.

Dadurch befeuern sie wieder andere in ihrem Wunsch so auszusehen.

Bei mir ist es ganz deutlich zu sehen.
So lange ich die trans. Frauen sehe, die nicht wie ein Topmodell aussehen wollen und zufrieden sind als 0815 Frau, entsteht in mir so gut wie gar nicht der Wunsch an einer Transition.

Sehe ich aber die super glatt geschliffene trans. Frauen, entsteht in mir der Druck zur Transition und der Satz ploppt auf “So könntest du auch aussehen”.

Gerade nach 2012 ist dieser Vergleichsmarkt extrem angestiegen und zuletzt konnte ich dann 2016 mich auch nicht mehr davon abbringen es auch auszuprobieren.

Wie seht ihr das? Geht es euch auch so mit solchen glatt geschliffenen Bildern?

Warum nenn ich es Transtrend? Es gibt meiner Auffassung nach Transtrittbrettfahrer und die bezeichne ich als Transtrend. Ich selbst bin Teil davon geworden. Ich weiß das viele mit solchen Begrifflichkeiten ein Problem haben, vielleicht weil sie sich selber darin erkennen. Ein Transtrender zu sein schließt aber nicht aus eine echte Körperdysphorie zu haben, es kann sogar erst dadurch wahrgenommen werden. Es gibt für mich halt echte Transsexualität (auch bekannt als Neurogenitales Syndrom), Menschen die wirklich ein Problem mit ihren Körper haben aber es gibt auch Menschen die eigentlich kein Problem haben, die kein Bedürfniss haben solange es nicht geweckt wird. So wie es bei Smartphones war. Niemand brauchte die Dinger bis sie dann da waren.

Ich sehe allerdings ein Problem mit Transtrittbrettfahrern (Transtrender). Diese Gruppe hat ein hohes Potenzial zur Detranistion. Wenn diese Detransitionieren dann können diese zu einer echten Belastung für echte Transsexuelle werden. Denn Transtrender sind nicht selten Missionarisch unterwegs und werden von allen Seiten der Transphobenecken für ihre Zwecke eingesetzt. Heißt es kann zu einer Verschärfung der Gesetze kommen, wenn in ein paar Jahren der Transtrend zum Detranstrend wird. Wichtig ist es dann, schon vorher die Mechanismen erkannt zu haben und Aufklärung zu betreiben, bevor Psydoaufklärung der Transphoben kommt.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 2 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Di 4. Jun 2019, 09:59

Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Wie seht ihr das? Geht es euch auch so mit solchen glatt geschliffenen Bildern?
Hallo Toni,

in den meisten Fällen verstehe ich die Worte die du schreibst und kann sie auch ganz gut nachvollziehen.
Ich weiss das du wahrscheinlich denkst, das ichs nicht kann oder möchte...

Im Ansatz habe ich einem anderen Thread mal versucht, rauszufinden, warum du dich so sehr von der
digitalen Welt beeinflussen lässt? Magst du das mal erklären? Magst dus dir mal erklären?

Ich finde viele deiner Probleme wären ganz schnell gelöst würdest du deinen digitalen Konsum einfach
etwas runterschrauben. Möglicherweise ist das auch bei anderen Menschen so..hmm bestimmt sogar.

Ich bin eine aus der Generation die als erste mit Computern aufgewachsen ist, den ersten Rechner habe ich mit
10 bekommen-aber ich habe mich nie so dermassen einvernehmen lassen. Gut damals war das künstliche auch
noch offensichtlich erkennbar, was heute zunehmend schwerer wird.

Lass mich meinen Wunsch für dich so formulieren. Lebe dein Leben ohne Beeinflussungen die du nicht
kontrollieren kannst und finde so deine Freiheit.

Alles Liebe Marie (flo)
I´ve known the wind so cold, i´ve seen the darkest days, but now the winds i feel are only winds of change

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 3 im Thema

Beitrag von Diva » Di 4. Jun 2019, 10:16

Hi Toni,

vorweg: Dein Thema lässt dich offenbar ebenso wenig los wie mich mein Thema loslässt. In dutzenden Variationen nimmst du es auseinander und eröffnest einen Thread nach dem anderen. Eine gewisse Redundanz lässt sich dabei schwerlich vermeiden. Diesen Schuh zieh ich mir genauso an, auch wenn ich mein Kernproblem immerhin zur Abwechslung in Märchenform verpackt habe. Das fehlt dir noch ;-)
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?
Wo ist er denn? Wer macht ihn denn - den "Transtrend"? Ich sehe die Gefahr, dass etwas als quasi Modeerscheinung abgestempelt wird, obwohl das Thema "dank" sozialer Medien und etwas offenerer Gesellschaft als vor 30 Jahren lediglich mehr ins öffentliche Interesse rückt. Aber es war schon immer da! Sonst hätte es z.B. bei den militaristischen Preußen kaum den - im Vergleich zu heute - fortschrittlichen "Zwitterparagraphen" gegeben. Nur damals konnte keiner solche Informationen blitzschnell überall verbreiten und interessiert hat es wohl nicht in dem Umfang wie heute, weil weder politisch noch öffentlich so ein Aufsehen darum gemacht wurde.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Digitale Depression entsteht durch den Vergleich von retuschierten Bildern mit sich selbst. Man wird neidisch auf das was andere haben und eifert dem nach.
Ein nicht enden wollender Prozess der durch Aufmerksamkeit in Gang gehalten wird, likes und positive Kommentare.
"Digitale Depression" - was für ein hübscher Begriff! Wenn mein Win-doofs wieder mal eine Stunde zum Hochfahren braucht - leide ich dann an "digitaler Depression" oder mein PC?
Scherz am Rande - dieser Bildervergleich ist doch überall üblich. Kaum ein Foto aus irgendeinem Bereich wird heutzutage noch unbearbeitet hochgeladen, ob es nun die im Sonnenlicht nickende Blütenblume, der pickende Vogel oder der posierende Mensch ist. Daraus ein reines Trans*Phänomen zu konstruieren, halte ich für Unfug.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich eher auf idealisierte Bilder anspreche als auf Bilder und Videos des sogenannten Body Positivismus.

Durch die idealisierten retuschierten Bilder entsteht schnell Neid und der Wunsch ähnlich auszusehen. Durch Körper positive Bilder entsteht dieser Wusch eher nicht.
Eben - DU sprichst bzw. sprachst darauf an und bist der ganzen Sache - nach deinen ellenlangen älteren Postings zu urteilen - mehr oder weniger auf den Leim gegangen. Das scheint DEIN ureigenstes Kernproblem zu sein, um das sich alles andere wie "Transtrender", "Digitale Depression", "Dysphorie" und sonstwas noch bei dir rankt. Es ist okay, wenn du deshalb selbst äußerst selektiv darauf reagierst, aber bitte mach doch daraus kein "Weltproblem".

Idealisierte Bilder existieren von Hinz & Kunz und beeinflussen auch Cis-Menschen, die sich davon unerreichbare Ideale zusammenbasteln, an denen sie ebenso kaputtgehen wie Trans*Menschen. Erneut sehe ich keine Trans*Spezifik.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Transgender die im Netz auftreten sind oft mitlerweile ein Beispiel für diese bis extreme retuschierte Bild. Sie legen Filter über die eigenen Fotos oder haben sogar Ops um ihr Aussehen noch “perfekter” zu machen.
Da schrieb ich dir schon einmal, dass selbst hier etliche Avatare stark idealisiert aussehen. Wer das braucht, soll es machen. Hab ich kein Problem mit. Die Probleme entstehen bei der / dem, die / der soetwas macht und dann beim Blick in den Spiegel das Heulen bekommt.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Heraus kommen komplett künstlich aussehende Menschen. Man sieht ihnen an das ihr Gesicht eingeebnet wurde. An ihnen ist nichts echtes dran. Das Besondere, das Interresante an ihrem Äußeren wird dadurch weggeschliffen, um ein Ideal zu entsprechen.
Die Beschreibung ist gut - "eingeebnet". So empfinde ich die Elli-Hunter-Fotos. Jetzt bekomme ich wahrscheinlich ordentlich Prügel, aber das ist nun mal mein Eindruck. Sie überspachtelt alle individuellen Züge und malt dann quasi ihr Einheits-Gesicht drauf, passende Perücke - fertig. Irgendwie ähneln sich die Ergebnisse sehr stark, besitzen m.E. keinerlei Individualität mehr.
Gleiches entsteht bei gewissen Retuschier-Techniken.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Dadurch befeuern sie wieder andere in ihrem Wunsch so auszusehen.

Bei mir ist es ganz deutlich zu sehen.
Ja, dann gehörst du eben auch zu denen, die auf un-individualistischen Einheitsbrei stehen. Ist doch dein Geschmack - nicht meiner und sicher auch nicht der von allen anderen.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
So lange ich die trans. Frauen sehe, die nicht wie ein Topmodell aussehen wollen und zufrieden sind als 0815 Frau, entsteht in mir so gut wie gar nicht der Wunsch an einer Transition.

Sehe ich aber die super glatt geschliffene trans. Frauen, entsteht in mir der Druck zur Transition und der Satz ploppt auf “So könntest du auch aussehen”.

Gerade nach 2012 ist dieser Vergleichsmarkt extrem angestiegen und zuletzt konnte ich dann 2016 mich auch nicht mehr davon abbringen es auch auszuprobieren.

Wie seht ihr das? Geht es euch auch so mit solchen glatt geschliffenen Bildern?
Nein, absolut nicht. "Eingeebnete" Gesichter törnen mich weder als retuschiertes Foto noch als Elli-Hunter-Ergebnis an. Ich hab für mich immer versucht, meine vorhandenen weiblichen Züge zu betonen und die männlichen zu kaschieren. Ein Zuspachteln kam für mich niemals in Frage. Inzwischen benutze ich für den Teint fast gar keine Foundation mehr, nur noch ein wenig Concealer, Puder und etwas Rouge.
Und was ich trotz fast 30kg Gewichtsverlust und 4-5 Kleidergrößen kleiner in 2,5 Jahren nicht komplett wegbekomme, wie große Füße, immer noch etwas breite Schultern und die verfluchten Bizeps, beeinflusst meine Kleiderwahl, dass es nicht so auffällt. Dennoch akzeptiere ich diese "Überbleibsel" als Teil meiner Indiviudalität, die nicht glatt geschliffen ist, so wie kein Lebewesen glatt geschliffen ist. Und wenn doch, haben die Ärzte im OP viel Arbeit reingesteckt ...
Gerade vorgestern sah mich ein kleines Mädchen ehrfürchtig an, flüsterte dann zur Mama: "Mama, ist das aber eine große Frau!" Große Frauen gibt's viele, treffe ich jeden Tag.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Warum nenn ich es Transtrend? Es gibt meiner Auffassung nach Transtrittbrettfahrer und die bezeichne ich als Transtrend. Ich selbst bin Teil davon geworden. Ich weiß das viele mit solchen Begrifflichkeiten ein Problem haben, vielleicht weil sie sich selber darin erkennen. Ein Transtrender zu sein schließt aber nicht aus eine echte Körperdysphorie zu haben, es kann sogar erst dadurch wahrgenommen werden. Es gibt für mich halt echte Transsexualität (auch bekannt als Neurogenitales Syndrom), Menschen die wirklich ein Problem mit ihren Körper haben aber es gibt auch Menschen die eigentlich kein Problem haben, die kein Bedürfniss haben solange es nicht geweckt wird. So wie es bei Smartphones war. Niemand brauchte die Dinger bis sie dann da waren.

Ich sehe allerdings ein Problem mit Transtrittbrettfahrern (Transtrender). Diese Gruppe hat ein hohes Potenzial zur Detranistion. Wenn diese Detransitionieren dann können diese zu einer echten Belastung für echte Transsexuelle werden. Denn Transtrender sind nicht selten Missionarisch unterwegs und werden von allen Seiten der Transphobenecken für ihre Zwecke eingesetzt. Heißt es kann zu einer Verschärfung der Gesetze kommen, wenn in ein paar Jahren der Transtrend zum Detranstrend wird. Wichtig ist es dann, schon vorher die Mechanismen erkannt zu haben und Aufklärung zu betreiben, bevor Psydoaufklärung der Transphoben kommt.
Oh nee, nee - entschuldige, aber inzwischen erscheinst du mir missionarischer als deine ewigen "Transtrender". Zu den Themen (Detransition, Transtrender, Dysphorie) hattest du bereits spezielle Threads. Willst du wirklich hier nochmals alles aufwärmen? Bitte nicht!
Was unsere Politiker umtreibt, weiß der Fuchs - aber sicher keine Scharen von "Transtrendern", die sie mit Detransitions-Problemen nerven. Der offensichtliche Drang, Trans*Menschen von politischer und gesetzlicher Seite aus das Leben möglichst schwer zu machen, ist ein Trend seit Erfindung der Erstfassung des TSG. Dieser Trend wird bis heute hartnäckig verfolgt. Wo waren deine "Transtrender" in den 80ern?

-Diva
Zuletzt geändert von Diva am Di 4. Jun 2019, 11:08, insgesamt 1-mal geändert.
Es gibt auch ein Leben VOR dem Tode.

Nicole Doll
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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 4 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 4. Jun 2019, 10:36

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:59
Im Ansatz habe ich einem anderen Thread mal versucht, rauszufinden, warum du dich so sehr von der
digitalen Welt beeinflussen lässt? Magst du das mal erklären? Magst dus dir mal erklären?
Hallo Marie,

schau vielleicht einmal kritisch auf Dich selbst. - Ich bin noch ganz ohne Computer und diesen ganzen digitalen Quatsch groß geworden, also brauche ich ihn auch nicht wirklich. Oder? Wieso ist es aber dann bei mir zu einem Ritual geworden, dass zum Kaffee am Morgen und meinen Frühstücksbrötchen den Computer hochfahre und in dieses Forum klicke? Und so ganz weit bin ich auch nicht von dem Trend entfernt hier möglichst perfekte Fotos rein zu stellen - ich retuschiere zwar nicht, suche aber doch immer die schönsten heraus.

Noch kurz zum eigentlichen Thema: Es ist ein interessanter Ansatz. Als Enby habe ja auch ich einen viel kritischeren Blick auf die ganze Trans-Thematik als viele Betroffene. Ich werde also ein wenig nachdenken und dann antworten.

Liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 5 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 4. Jun 2019, 17:35

Hallo Toni, hallo Diva,

so ganz abwegig erscheint mir die angesprochene Problematik nicht. Ich könnte mich gewissermaßen als Transtrender sehen, der noch rechtzeitig vor HT und GaOP zu der Einsicht gekommen ist non-binär zu sein.

Für mich stellt sich hier die Frage wie blind der Mensch bei solchen Dingen sein kann. Ich denke da an einen Beitrag bei einer Transgender-Gruppe bei Facebook. Im Text steht sinngemäß: ".. Ich bin mit meinem Passing überhaupt nicht zufrieden. Habt ihr Tipps. Bitte helft mir. ..". Auf dem Foto sehe ich eine schöne junge Frau. Ob oder wie das Bild manipuliert wurde kann ich jetzt nicht beurteilen.

Bei mir ging der Versuch mich in eine schöne junge Frau zu verwandeln aufgrund der biologischen Gegebenheiten gehörig nach hinten los. Als lebende Gummipuppe mit Maske und Latexanzug kann man wohl kaum aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Also musste ich eine praktikable Alternative finden. Bei einer SHG erkannte ich, dass ich auch mit HT und GaOP meinem Idealbild einer schönen jungen Frau nie entsprechen würde. - also wozu dann die Mühe und die Risiken und Nebenwirkungen?

Wie wäre es aber, wenn ich noch jung wäre? - Vielleicht wäre ich beim Sport aktiv und würde regelmäßig Gemeinschafts-Umkleiden und -Duschen nutzen. Genau aus diesem Grund war ich seit meinem Outing nicht mehr im Hallenbad. Es gibt dort keine Einzeldusche für Behinderte wie in unserem Freibad. So etwas könnte doch zu einer psychischen Belastung führen, die nach einer GaOP nicht mehr vorhanden wäre. Und so könnte es zu einer körperlichen Dysphorie kommen.

Wer sich nur lange genug einredet im falschen Körper zu stecken, ist davon irgendwann überzeugt, denke ich. So stellt sich das jedenfalls aus meinem Blickwinkel dar. Falls aber jemand wirklich anders empfindet, kann ich das nicht nachvollziehen.

Liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 6 im Thema

Beitrag von Mina_35 » Di 4. Jun 2019, 18:04

Nicole Doll hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 17:35
Wer sich nur lange genug einredet im falschen Körper zu stecken, ist davon irgendwann überzeugt, denke ich. So stellt sich das jedenfalls aus meinem Blickwinkel dar. Falls aber jemand wirklich anders empfindet, kann ich das nicht nachvollziehen.
Ich versteh was du meinst und das trifft auch sicher auf einige zu, die a) nicht wissen was sie wollen oder b) nur dem neuesten trend hinterher laufen wollen. Man darf auch keine falschen erwartungen haben und da liegt vielleicht auch eins der größten probleme, besonders wenn man schon etwas älter ist. ich kann aber von mir sagen, das ich mir nichts einreden brauchte, im gegenteil, ich habs mir ausgeredet, jahre lang, das da was dran ist, das ich im falschen körper stecke. ich sehe da die informationsflut im internet als fluch und gleichzeitig auch als segen. als segen, weil ich so endlich zu mir selbst finden kann, bzw mir helfen kann zu mir selbst zu finden und als fluch, weil es wie schon agesprochen zuviele falsche hoffnungen erweckt, bei einigen. daher kann ich auch verstehen, das es einigen gut tut 12 monate einen alltagstest zu machen, besonders wenn man noch nicht gefestigt ist, aber das ist halt auch schwer herauszufiltern, wer das braucht und wer nicht. und ja, auch ich habe eine app benötigt, um die person zu sehen, die ich im spiegel immer gesehen habe, aber nicht erkannt habe. andererseits darf man halt auch nicht vergessen, das man mit 35 oder 45 kein 18 jähriges model wird und ich glaube das ist heute eines der schwierigsten erkenntnisse, gerade wegen des internets, weil es soviele retuschierte bilder gibt, auf denen jede 40 jährige wie eine 20 jährige aussehen kann.

ich hab mir von anfangan gesagt, bzw war von anfangan damit zufrieden, das ich eine mitte 30 jährige Frau werde und keine 20 jährige, entsprechend hatte ich meinem alter entprechende klamotten im schrank und am ende auch die realistische vorstellung, das einige männliche eigenschaften wohl nie verschwinden werden. inzwischen bin ich soweit, das es mir geistig sehr gut geht, ich mich natürlich über jede weitere körperliche veränderung freue, aber solangsam schleicht sich ein gefühl ein, das ich auch, wenn sich nicht mehr viel verändert damit ziemlich zufrieden sein kann, weil ich geistig befreit bin.

am ende ist es wie bei jedem trend und jeder mode erscheinung, das man selbst reflektieren muss und sich nicht überstürzen sollte. jeder erwachsene sollte entscheidungen für sich selber treffen können und dafür selber gerade stehen und nicht mit dem finger auf andere zeigen. jeder erwachsene ist für sich selber verantwortlich.

Edit: ich möchte noch anfügen: ich habe größten Respekt vor jedem, der/die über sich selber reflektiert und nicht automatisch in die HRT geht, weil es z.b. nicht der richtige Weg ist oder auch den Weg zurückgeht, weil nicht das erhoffte eingetreten ist.
Zuletzt geändert von Mina_35 am Di 4. Jun 2019, 20:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 7 im Thema

Beitrag von Magdalena » Di 4. Jun 2019, 18:38

Hallo,
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Digitale Depression entsteht durch den Vergleich von retuschierten Bildern mit sich selbst

Ich möchte zu diesem Ausgangssatz und deren Inhalt näher eingehen. Retuschierte Bilder sind ja nichts neues. In jeder Zeitschrift sind sie Massenware.
Und negative Erscheinungen treten nicht nur bei Transgendern auf. Ich denke da gerade an die vielen Magersüchtigen, die den Idealen von Modelagenturen
nacheifern.


Wichtig erscheint mir hier ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und die Reflektion des eigenen Körpers zu haben. Auch zu wissen,
es ist in der digitalen Welt nicht alles echt.


Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 8 im Thema

Beitrag von heike65 » Di 4. Jun 2019, 19:53

Diva hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 10:16
Die Beschreibung ist gut - "eingeebnet". So empfinde ich die Elli-Hunter-Fotos. Jetzt bekomme ich wahrscheinlich ordentlich Prügel, aber das ist nun mal mein Eindruck. Sie überspachtelt alle individuellen Züge und malt dann quasi ihr Einheits-Gesicht drauf, passende Perücke - fertig. Irgendwie ähneln sich die Ergebnisse sehr stark, besitzen m.E. keinerlei Individualität mehr.
Gleiches entsteht bei gewissen Retuschier-Techniken.
Nee für die Äusserung bekommst du ein fettes Kompliment
Diva hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 10:16
Ja, dann gehörst du eben auch zu denen, die auf un-individualistischen Einheitsbrei stehen. Ist doch dein Geschmack - nicht meiner und sicher auch nicht der von allen anderen.
Auch da vollste Zustimmung
Diva hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 10:16
Oh nee, nee - entschuldige, aber inzwischen erscheinst du mir missionarischer als deine ewigen "Transtrender". Zu den Themen (Detransition, Transtrender, Dysphorie) hattest du bereits spezielle Threads. Willst du wirklich hier nochmals alles aufwärmen? Bitte nicht!
Was unsere Politiker umtreibt, weiß der Fuchs - aber sicher keine Scharen von "Transtrendern", die sie mit Detransitions-Problemen nerven. Der offensichtliche Drang, Trans*Menschen von politischer und gesetzlicher Seite aus das Leben möglichst schwer zu machen, ist ein Trend seit Erfindung der Erstfassung des TSG. Dieser Trend wird bis heute hartnäckig verfolgt. Wo waren deine "Transtrender" in den 80ern?
Das sehe ich differenzierter, ich denke viele wussten damals, mangelns fehlender Information nicht was mit ihnen los ist oder hatten schlichtweg Angst zu sich zu stehen.

Toni Smith
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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 9 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Di 4. Jun 2019, 20:55

Erstmal danke für die sachliche positive Diskussion. Ich fühle mich mal nicht missverstanden.

Oft kommt ja dann das Beispiel von den Magersüchtigen aber die Mukibuden sind auch voller Leute die ein Problem mit dem Schönheitsbildern unserer Gesellschaft haben.

Vielleicht lässt diese Schönheitsidealisierung auch einen gewissen Prozentsatz von Dysphorie überhaupt erst entstehen. Wenn ich als Mann nicht den Adonis aus dem Coverbild mimen kann dann erzeugt es ein starkes unzulänglichkeits Gefühl. Man muss Diäten machen, man soll bloß 10 km am Tag laufen und natürlich bis 24 Uhr in der Fitnessbude hängen. Das schafft ein komplett ungesundes Gefühl zum eigenen Körper. Dem eigenen Körper wird gar nicht mehr Vertraut und das ist sehr schade. Zuletzt hatte ich in meiner Transition genau dieses Gefühl. Das Gefühl, dass ich meinen Körper nicht mehr vertrauen kann. Wunden heilten nur sehr langsam ab und blieben lange als rote Flecken bestehen. Hungergefühl, Schlafrythmus alles war durcheinander.

Zurück zum Männer ideal. Wenn also nun der Adoniskörper ausbleibt obwohl man ständig in die Fitnessbude rennt, dann linst man vielleicht mal rüber zu den Frauen und denkt, "Mensch, die haben Spaß. DIe Lachen ständig. Frau müsste man sein." Also wächst das Bedürfniss nach Frausein. ALs Frau aber unterliegt man dann erneut Schönheitsidealen und eifert diesen Hinter her. Da ist dann ganz schnell der Schritt zur OP gemacht usw. usw.

Als ich damals in den frühen 2000ern zur Rückenschule musste, sagte mir mein Arzt ich solle danach in die Fitnessbude, damit ich meine Muskeln aufbaue (die durch eine OP geschwächt waren). Also ging ich in die Fitnessbuden (die es damals noch nicht so häufig wie jetzt gab). Auch nach Monate langen Training hatte ich kein Erfolgserlebnis. Meine Muskeln wurden nicht größer und nichtmal im Schulsport wurde ich besser. Ich war aber umgeben von Muskelprozen und musste in die gleiche Umkleide wie sie und als ich so auf den Trimmrad sahs, da schaute ich immer direkt auf die Tür der Frauenumkleide und herauskamen Menschen die viel eher meinem Körpertypen entsprachen. Während also meine Mutter mit den anderen Frauen Spaß in den zahlreichen Aerobicworkshops hatte, müte ich mir einen bei den Gewichten ab.

Ich hatte sowieso schon das Gefühl als Mädchen hätte ich es leichter, aber diese Zeit hat mich nochmal zusätzlich geprägt.

Ich verlor also nach einigen Monaten die Lust am Sport. Dreimal versuchte ich es mit den Mukibuden, bis ich irgendwann feststellte, dass mein Vater, trotz muskelbenötigter Arbeit gar nicht so muskelbepackt wie die Typen aus der Bude war. Da wurde mir klar, ich werde niemals so aussehen. Meine Muskulatur ist auf Ausdauer ausgelegt, nicht auf Stärke. Darum macht mir körperlich ansträngende Arbeit auch keinen Spaß, weil mein Körper auf diese Art der Arbeit gar nicht ausgelegt ist.

Das war damals vor ca. 20 Jahren. Jetzt hat sich dieses Fitnessmillieu sogar noch verschärft. Aufgrund von Tinderbildern oder Instagram-Story und und und taumeln die Leute gestresst von der Arbeit gestresst in die FItnessbude und rackern sich einen ab. Wer nicht mitmacht, ist Nerd, ungesund, unattraktiv und und und.

Was meint ihr macht das mit den Menschen? Man soll also zu einem muskelbepackten Berg werden aber die meisten Männer haben gar nicht die Veranlagung dazu. Was passiert jetzt mit schmalen Männertypen? Sie sind jetzt in den Augen des Schönheitswahns weniger Wert. Ergo um ihre Wertigkeit zu erhöhen müssen sie einen anderen Weg finden. Sie können sich jetzt also entweder bewusst dagegen entscheiden und selber die Regeln machen oder sie suchen sich andere Schönheitsideale bzw. Ideale die sie anstreben.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 10 im Thema

Beitrag von siemens » Di 4. Jun 2019, 21:20

Hallo Toni,
Mach mal Gas weg!
Unter was für Leuten tummelst du dich?
Normale Menschen sind dünn oder dick oder haben krumme Beine, abstehende Ohren, sind fehlsichtig, schwerhörig, taubstumm oder sonst was.
Nach deiner Theorie müsste ich analoge Depressionen haben, weil ich seit vielen Jahren Kataloge anschaue und die gut gebauten Models bewundere.
Aber ich weiß was!!!!!!
Das ist alles Fake! Die wollen was verkaufen / Geld verdienen, und darum wird beschissen was das Zeug hält!
Alles logisch - also keine Depression wert!

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 11 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 5. Jun 2019, 00:29

Diva hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 10:16
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Di 4. Jun 2019, 09:05
Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?
Wo ist er denn? Wer macht ihn denn - den "Transtrend"? Ich sehe die Gefahr, dass etwas als quasi Modeerscheinung abgestempelt wird, obwohl das Thema "dank" sozialer Medien und etwas offenerer Gesellschaft als vor 30 Jahren lediglich mehr ins öffentliche Interesse rückt.
Body positivity ist mal als positive Gegenwehr gegen übertriebene Schönheitsnormen gestartet. Gegen "lookism", "fat shaming", etc.pp. Gibt da haufenweise ismen. Tolle Sache und gerade was den Einfluss von Marketing auf die Psyche angeht durchaus berechtigt.

Im Zusammenhang mit der sehr üblen Vokabel "Transtrend" stellen sich bei mir aber die Nackenhaare auf. Das ist eine sehr beliebte Stossrichtung von transfeindlichen Menschen aka TERFs und anderen, die damit einen anderen, sehr üblen ismus pushen wollen, nämlich (Gender) Essentialismus. Sehr verkürzt wird Gender-Inkongruenz und jegliche Art von Dysphorie verleugnet, weil nach ihren Vorstellungen die "Essenz" des jeweiligen Geschlechts am Geburtskörper hängt. Deshalb seien auch alle angleichenden Maßnahmen Verstümmelungen und "angebliche Transpersonen" sollten besser so therapiert werden, dass sie ihren Geburtskörper (und damit ihr "essenzielles" Geschlecht akzeptieren. Mit anderen Worten: "Konversionstherapie" unter Beibehaltung der strikt binären Geschlechtertrennung. Bei TERFs inklusive mystifizierter Weiblichkeit.

Toni Smith
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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 12 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Mi 5. Jun 2019, 08:30

Jaddy hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 00:29
Diva hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 10:16
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:05
Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?
Wo ist er denn? Wer macht ihn denn - den "Transtrend"? Ich sehe die Gefahr, dass etwas als quasi Modeerscheinung abgestempelt wird, obwohl das Thema "dank" sozialer Medien und etwas offenerer Gesellschaft als vor 30 Jahren lediglich mehr ins öffentliche Interesse rückt.
Body positivity ist mal als positive Gegenwehr gegen übertriebene Schönheitsnormen gestartet. Gegen "lookism", "fat shaming", etc.pp. Gibt da haufenweise ismen. Tolle Sache und gerade was den Einfluss von Marketing auf die Psyche angeht durchaus berechtigt.

Im Zusammenhang mit der sehr üblen Vokabel "Transtrend" stellen sich bei mir aber die Nackenhaare auf. Das ist eine sehr beliebte Stossrichtung von transfeindlichen Menschen aka TERFs und anderen, die damit einen anderen, sehr üblen ismus pushen wollen, nämlich (Gender) Essentialismus. Sehr verkürzt wird Gender-Inkongruenz und jegliche Art von Dysphorie verleugnet, weil nach ihren Vorstellungen die "Essenz" des jeweiligen Geschlechts am Geburtskörper hängt. Deshalb seien auch alle angleichenden Maßnahmen Verstümmelungen und "angebliche Transpersonen" sollten besser so therapiert werden, dass sie ihren Geburtskörper (und damit ihr "essenzielles" Geschlecht akzeptieren. Mit anderen Worten: "Konversionstherapie" unter Beibehaltung der strikt binären Geschlechtertrennung. Bei TERFs inklusive mystifizierter Weiblichkeit.
Dagegen halten TERFs, dass die Transitionstherapie eine Konversionstherapie ist, weil feminine Männer und maskuline Frauen, meist vorher Homosexuell an der Heteronorm angeglichen werden. Es ist also deren Sorge, sie würden in ihrer Sexualität nicht anerkannt werden. Das nur mal so zur Ergänzung.


Ich glaube das Body Positivity auch ein Beitrag zur Akzeptanz des eigenen Körpers bei trans. Menschen bieten kann. So fühlen sie sich vielleicht nicht mehr genötigt zich OPs zu machen nur um der Schönheitsnorm zu entsprechen.

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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 13 im Thema

Beitrag von Diva » Mi 5. Jun 2019, 08:37

Jaddy hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 00:29
Im Zusammenhang mit der sehr üblen Vokabel "Transtrend" stellen sich bei mir aber die Nackenhaare auf. Das ist eine sehr beliebte Stossrichtung von transfeindlichen Menschen aka TERFs und anderen, die damit einen anderen, sehr üblen ismus pushen wollen, ...
Hallo Jaddy (wo ist dein Bild mit dem roten Kleid?),

bin ich deiner Meinung, darum bezweifle ich, dass irgendjemand einen Nutzen von der Schaffung eines neuen "Ismus" hat - außer denen, die dadurch anderen schaden wollen. Und das finde ich äußerst verwerflich!

Wer ernsthaft eine Transition beginnt, sieht sich gewaltigen Problemen gegenüber, denen sich m.E. niemand freiwillig und aus einer Schnapslaune heraus stellt. Die gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für Trans* sind auch ohne Scheiterhaufen und Gaskammern noch hart genug. Also welcher geborene Mann probiert denn "einfach mal so" aus, "auf die Schnelle" Frau zu werden?
Ich rede nicht davon, was mit Nylons & Co angestellt wird, wenn Frauchen nicht daheim ist. Darum geht es nicht, sondern um die volle Konsequenz, in allen Lebensbereichen das äußere Geschlecht zu wechseln.
Im englischen Sprachraum wird in Bezug auf "Transtrender" nicht umsonst oftmals eine Altersgrenze von 14-18 Jahre gezogen. Solche Ideen sind maximal pubertär. Dort wirft es dann sicher ernsthafte Probleme auf, wenn sich Kinder selbst als trans* bezeichnen und herausgefunden werden muss, ob das aus eigenem Empfinden oder aus dem 100fachen Anschauen eines youtube-Videos resultiert.

Hallo Toni,

ganz ehrlich - wie ich schon im ersten Beitrag zu diesem Thread schrieb: Es scheint mir die Verallgemeinerung deines eigenen, ganz spezifischen Problems zu sein und der Versuch, daraus eine "Ideologie" zu schaffen. Eigene Probleme werden scheinbar kleiner, wenn man sie gleichmäßig auf die Leute verteilt. Aber ich und viele andere werden sich das keinesfalls unterjubeln lassen.

Zudem entsteht bei mir die Vermutung, dass du selbst auch gar kein "echter Transtrender" bist. Du kannst offenbar mit deinem Scheitern nicht umgehen - was ich total verstehe - und redest dir ein, dass du ja im Grunde genommen das eigentlich nie wolltest. Wenn ich den Berg nicht erklimmen kann, weil mir die Luft ausgeht, fällt das Versagen leichter, wenn ich behaupte, dass ich ohnehin niemals ernstlich vorhatte, dort raufzuklettern ...

Alles sind Strategien zur Konfliktbearbeitung:
  • Verallgemeinerung des eigenen Problems
  • sowie Verleugnung des ursprünglichen Ziels, das nicht erreicht werden konnte.
  • Dazu die Verschiebung der Schuld auf das "böse Internet", das so hohes Verführungspotential besitzt.
Daraus lassen sich wunderbare wertlose Welterklärungs-Szenarien stricken, aber leider keine Probleme lösen. Soviel zu einem Laien-Psychogramm, das ich schon lange mal von dir - Toni - entwerfen wollte.
Nicole Doll hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 17:35
Hallo Toni, hallo Diva,

so ganz abwegig erscheint mir die angesprochene Problematik nicht. Ich könnte mich gewissermaßen als Transtrender sehen, der noch rechtzeitig vor HT und GaOP zu der Einsicht gekommen ist non-binär zu sein.
Hallo Nicole,

ich würde dich keineswegs als "Transtrender" sehen. Du bist doch keinem Trend aufgesessen, hast dich an pinkfarbenen Glitzervideos mit animierten Barbie-Puppen berauscht (deine spezielle Beziehung zum Thema Puppen mal außen vor gelassen) und bist danach losgezogen, eine Frau zu "werden".
Du hast ganz einfach deinen Weg gesucht, deine Identität hinterfragt und nach einiger Zeit gefunden. Bei manchen geht das in Sekunden (wie bei mir), bei anderen dauert es länger.
Toni zielt m.E. auf die wenigen Fälle, in denen sich vornehmlich männliche Teenager durchs Internet beeinflusst plötzlich als Mädchen probieren wollen. In Wahrheit spiegelt er - nach meinem Empfinden - lediglich seine eigene Problematik und dreht diese so herum, als hätte er nie ernsthaft transitionieren wollen, sondern wäre vom "bösen Web" verführt worden.
heike65 hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 19:53
Das sehe ich differenzierter, ich denke viele wussten damals, mangelns fehlender Information nicht was mit ihnen los ist oder hatten schlichtweg Angst zu sich zu stehen.
Hallo Heike,

und das sind m.E. auch keine "Transtrender" in Tonis Sinne.
Dass Menschen auf der Suche nach der eigenen Identität auch in Sackgassen geraten, hat nichts mit irgendeinem Trend zu tun. So würde ich den fürchterlichen Begriff gar nicht missdeuten.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 20:55
Als ich damals in den frühen 2000ern zur Rückenschule musste, sagte mir mein Arzt ich solle danach in die Fitnessbude, damit ich meine Muskeln aufbaue (die durch eine OP geschwächt waren). Also ging ich in die Fitnessbuden (die es damals noch nicht so häufig wie jetzt gab). Auch nach Monate langen Training hatte ich kein Erfolgserlebnis. Meine Muskeln wurden nicht größer und nichtmal im Schulsport wurde ich besser.
Zuletzt nochmal zu Toni:
Der Aufbau von Muskulatur zur Entlastung von Knochen und Gelenken soll überhaupt nicht dazu führen, Muskelprotze heranzuzüchten. Das ist ein riesiges Missverständnis!
Reha-Sport zur Stärkung der inneren Muskulatur hat rein gar nichts mit Bodybuilding gemein.
Insoweit bist du einem Irrtum aufgesessen, denn dein Erfolg sollte nicht im vergrößerten Muskelquerschnitt, sondern Ertüchtigung der gelenkumspannenden Muskulatur bestehen. Auf die Kondition muss Reha-Sport auch nicht zwangsläufig Einfluss haben. Außerdem muss je nach Übung nach Schnell-, Maximal- und Ausdauerkraft unterschieden werden.
Aber fein, dass in diesem Rahmen uralte Irrtümer geklärt werden können, auch wenn ich als ehemalige Trainerin ziemlich eingerostet bin ;-)

-Diva
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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 14 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 5. Jun 2019, 10:31

Diva hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 08:37
ich würde dich keineswegs als "Transtrender" sehen. Du bist doch keinem Trend aufgesessen, ...
Hallo Diva,

ich behaupte immer ganz überheblich gegen jede Art von Trend absolut immun zu sein. Aber ohne das Internet hätte ich mich inzwischen vermutlich einfach still und leise tot gesoffen. Als meine Mutter, die letzte Person, für die ich noch den Mann spielte, gestorben war, ergab nichts mehr Sinn in meinem Leben. Dann suchte ich im Internet und fand hier im Forum einen Zusammenhang zwischen meinem Gummipuppen-Fetisch und Transsexualität. Kurz darauf outete ich mich zunächst als Teilzeitfrau. Die Überzeugung im falschen Körper zu stecken hatte ich aber nie. Bei mir ist es eindeutig die falsche Rolle, mit der ich nie klar kam. Seit ich die nicht mehr spiele, geht es mir besser - auch wenn mein Körper jetzt ganz etwas anderes darstellt als eine aufreizende weibliche Sexpuppe.

Der "Trend", dem ich folgte, waren die Crossdresser und Teilzeitfrauen hier im Forum, denen ich versuchte mit Kleidungsstil, Makeup, Wahl der Perücke, usw. nachzueifern. Parallel dazu suchte ich mit Hilfe einer SHG nach meiner wahren Identität, die ich ja in dem Mann nie gefunden hatte. Schließlich erkannte ich, dass der Trans-Weg für mich nirgendwo hin führt.

Hätte es die Gesellschaft zugelassen, dass ich mich auch außerhalb des typisch männlichen Rollenbildes zu einem Mann entwickeln konnte, wäre ich vermutlich nie mit dem Trans-Thema in Berührung gekommen. Deshalb bin ich überzeugt, dass es einen fließenden Übergang von cis über non-binär nach trans gibt. Und ich stehe in diesem Spektrum irgendwo ziemlich in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vermutlich sogar eher zu männlich hin.

Was wäre aber, wen ich nicht "absolut immun gegen jede Art von Trend" wäre. Könnte ich da nicht der Gruppendynamik in der SHG gefolgt sein und mit großer Euphorie und dem Mut der Verzweiflung alles daran gesetzt haben endlich das zu sein, was ich offensichtlich immer war: eine Frau? Dann hätte ich die GaOP vielleicht hinter mir und müsste erkennen: wirklich etwas geändert hat sich damit nicht. Würde ich dann aber detransitionieren? Eher nein. Wozu? Ein "richtiger" Mann war ich ja nie. Penis oder Neo-Vagina? - passt beides nicht wirklich. Ich würde mich wahrscheinlich wieder von der Welt zurück ziehen und nun als Frau an der Einsamkeit kaputt gehen. Und niemand würde etwas darüber erfahren.

LG Nicole
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Re: Body Positivity die Antwort auf Digitale Depression und ein Mittel gegen den Transtrend?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anja » Mi 5. Jun 2019, 11:13

Moinsen (moin)

ganz im Gegenteil.
Nicole Doll hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 17:35
Wer sich nur lange genug einredet im falschen Körper zu stecken, ist davon irgendwann überzeugt, denke ich.
Ich habe über 30 Jahre lang versucht, mir das auszureden. In der Regel versuchen Transmenschen doch so lange wie möglich "normal" zu sein, kämpfen also gegen ihre Gefühel an, anstatt sich was einzureden.
Oder hab ich dich jetzt falsch verstanden?

Grüße
die Anja
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