Wie gehen Eltern mit uns um?
Wie gehen Eltern mit uns um? - # 2

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Frieda
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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 16 im Thema

Beitrag von Frieda » Do 25. Apr 2019, 06:46

Anja hat geschrieben:
Mi 24. Apr 2019, 10:15
Moinsen (moin)
Frieda hat geschrieben:
Do 18. Apr 2019, 09:29
Hat Jemand von Euch schon Erfahrungen gesammelt?
Mich interessiert es wirklich, welche Gedanken in Eltern da aufkommen können.
Schwierig. In die Köpfe kann man ja schlecht reinschauen.
Liebe Anja das stimmt absolut, deswegen fragte ich danach ob es evtl Gespräche mit den Eltern gegeben hat, wo Eine von euch erfahren durfte/konnte, welche Gedanken die Elternteile so beschäftigen.

Ich möchte nicht unhöflich zu euch sprechen, denn ich danke euch ehrlich sehr für eure Antworten, nur schildern eure Worte (in meiner Wahrnehmung), den Umgang mit dem Thema Trans in den Familien.
Was mich interessiert sind die ganz eigenen Gedanken die in Mutter und Vater zu diesem Thema dann arbeiten.
Natürlich weiß ich auch, dass es Familien gibt, wo die Elternteile nicht mehr leben. Und ich weiß auch, dass nicht jedes Wesen sich ehrlich und tiefgründig vor anderen (in dem Falle das eigene Kind) öffnen kann.
Es war mir trotzdem ein Versuch wert euch fragen zu wollen, denn es interessiert mich zB sehr, was Michi's Eltern so für Gedanken beschäftigen.
Und ich kenne mich, es wird irgendwann der Tag - der Moment kommen, wo ich solch ein tiefgründiges Gespräch mit einen von Michi's Eltern, oder vielleicht sogar auch mit dem anderen Elternteil führen kann.

Ihr redet hier im Forum sehr viel über die Partnerinnen und ihre Gefühle und Gedanken zum Thema Trans. Natürlich auch sehr viel über eure eigenen Gedanken und Gefühle. Aber ich frage mich welche Gedanken in euren Eltern arbeiten!? Ob Sie sich Sorgen machen um Euch.. Eure Zukunft zB bzgl der Gesellschaft, Sorgen um eurer Glück, oder ob Sie Fragen haben zum "Entstehen des Transsein" (Entschuldigung bitte, ich konnte es nicht besser formulieren) und ich möchte es sogar sehr krass formulieren, ob die Eltern sich selbst mit Vorwürfen plagen "was Sie Euch angetan, oder zugemutet haben...mit eurem" Anderssein"?
Sry ich frage mich ehrlich "Fragt sich denn keiner von Euch einmal, mit welchen Gedanken sich Eure Eltern seitdem Outing sich beschäftigen"?
Eure Eltern gehören in dieser Geschichte doch dazu, sie sind ein wichtiger Baustein...so empfinde ich es jedenfalls. Und wenn sie sich im geheimen mit Vorwürfen plagen, vielleicht könnte das eine oder andere Gespräch Ihnen Frieden schenken!?
Ich weiß dafür brauch es die Möglichkeit, die Chance um mit den Eltern so tiefgründig reden zu können.


Ich sprach ganz ganz freundlich und geduldig zu dir liebe Anja und zu Euch allen hier❣️😊
Namaste 🙏
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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 17 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Do 25. Apr 2019, 08:19

Hallo Frieda,

...Eltern bleiben Eltern, egal wie alt die Kinder mittlerweile sind, für ein Leben lang. Ich denke, dass Eltern immer wieder sich Gedanken machen, ob sie mit der Erziehung und Betreuung der eigenen Kinder alles recht gemacht haben und ob sie richtige Vorbilder waren. Die Entwicklung der Kinder aus Elternsicht zu betrachten, gerade wenn sie erwachsen sind, kann dann schon manche herbe Enttäuschung hervorbringen. Kinder gestalten ihr eigenes Leben und ich habe mit meiner Frau mit der Entwicklung unserer Kinder genau auch dieses Problem. Unsere Vorstellungen, hier geht es um einen ganz anderen Bereich, Berufliche Entwicklung etc., sind doch abweichend von denen, die unsere Kinder nun an den Tag legen; z.B. gefühlt weit ab von ihren eigentlichen Möglichkeiten oder bummelig im Studium, wo wir alle unsere Berufsabschlüsse auch mit Erfolg gemacht haben, was aber nicht unbedingt zu Arbeit führte,...Lehrerberg... So gibt es im Leben immer unterschiedliche Betrachtungen und uns fällt es manchmal doch ein wenig schwer, es so zu akzeptieren, wie es eben ist. Das ist so. So oder ähnlich vermute ich, wird es Eltern auch gehen, die sich mit Transfragen ihrer Kinder auseinandersetzen - müssen.

Grüße, Ulrike-Marisa

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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 18 im Thema

Beitrag von Jasmine » Do 25. Apr 2019, 09:31

Frieda hat geschrieben:
Do 25. Apr 2019, 06:46
.............
Was mich interessiert sind die ganz eigenen Gedanken die in Mutter und Vater zu diesem Thema dann arbeiten.
...................
Sry ich frage mich ehrlich "Fragt sich denn keiner von Euch einmal, mit welchen Gedanken sich Eure Eltern seitdem Outing sich beschäftigen"?
Eure Eltern gehören in dieser Geschichte doch dazu, sie sind ein wichtiger Baustein...so empfinde ich es jedenfalls. Und wenn sie sich im geheimen mit Vorwürfen plagen, vielleicht könnte das eine oder andere Gespräch Ihnen Frieden schenken!?
Ich weiß dafür brauch es die Möglichkeit, die Chance um mit den Eltern so tiefgründig reden zu können.
...........
Dann möchte ich noch etwas beitragen. Da ich die Angelegenheit bereits aufgearbeitet habe entstehen keine neuen Wunden oder Belastungen für mich. Die Gedanken meiner Mutter waren egoistischer Natur geprägt. Das Einzigste was sie interessiert ist sie selbst und wie ihr Ansehen in ihrem Umfeld ist. Allein die Tatsache wie sie meine Entwicklung negativ beeinflusst hat um mein wahres ich zu unterdrücken nur um den Schein einer Bilderbuchfamilie zu wahren ist heftig. Aus all ihren Reden und Vorwürfen: "überleg dir mal was du mir mit deinem Verhalten antust" oder "Denkst du mal daran wie die Leute über mich denken wenn du so rumspinnst" oder "Ich habe nichts falsch gemacht du bist doch krank" ..... so könnte ich die Äußerungen/Beleidigungen endlos weiterführen. Das war mein Zuhause. Natürlich habe ich bis zum Abbruch der Beziehung versucht mit meinen Eltern zu reden, aber der Tenor war: Sie hätten nichts falsch gemacht, brauchen sich nichts vorwerfen - ich sei das Problem und ich solle mich als Vater von zwei Mädchen mal auf meinen Geisteszustand untersuchen lassen.
Fazit: Sie glauben das sie nichts falsch gemacht haben und scheinen auch kein Problem damit zu haben, das ich jetzt 600 km von ihnen enfernt wohne und kein Kontakt mehr da ist. Die schmerzende Leere die ich nach dem Abbruch der Beziehung in meinem Herzen fühlte, denn es waren trotz allem meine Eltern ist heute verschwunden und aufgefüllt mit der Liebe zu meiner Partnerin also meiner kleinen Familie.

Bei meinen Schwiegereltern war es so, das sie mich von Anfang an nicht akzeptierten. Sie hätten sich für ihre Tochter jemand anders vorgestellt. Hier wurde die Beziehung zu meiner Partnerin auf sehr viele Proben gestellt, weil von ihnen und meinem Schwager Lügen/Gerüchte über mich verbreitet wurden um die Beziehung zu zerstören. Das an den Gerüchten nichts dran war erkannte meine Menalee sehr schnell. Trotzdem haben wir beide versucht ein vernünftiges Verhältnis aufzubauen, erkannten aber sehr schnell das das vergebens war. Ihr Sohn war und ist der Gute egal was er anstellt. Für meine Partnerin war schon früh ihre Oma/Opa die Bezugspersonen. Später wurde mein Partnerin in ein Internat abgeschoben und seltenst besucht. Sie wuchs also in anderen Orten auf. Die Frage nach dem "Warum" ist sehr schnell beantwortet, Sie war nicht geplant und dafür haben meine Schwiegereltern meiner Frau die Schuld gegeben. Ich-Menschen die keine Schuld trifft :lol: Als wir hierher zogen, wunderten wir uns über zum Beispiel solche Aussagen: "wie der ....... hat eine Schwester?" oder "Wir dachten die ...... und ...... haben nur einen Sohn".
Fazit: Sie haben nichts falsch gemacht und geben meiner Partnerin die Schuld das sie überhaupt existiert. Also auch hier Ich-Menschen. Bewerten will ich das nicht weiter, für uns ist das Thema abgehakt.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 19 im Thema

Beitrag von Anja » Do 25. Apr 2019, 09:55

Moinsen (moin)
Frieda hat geschrieben:
Do 25. Apr 2019, 06:46
Ich sprach ganz ganz freundlich und geduldig zu dir liebe Anja und zu Euch allen hier
Ich doch auch. Ich hoffe zumindest, das ich halbwegs freundlich rüberkomme )))(:
Frieda hat geschrieben:
Do 25. Apr 2019, 06:46
Ich weiß dafür brauch es die Möglichkeit, die Chance um mit den Eltern so tiefgründig reden zu können.
Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, das mein Geschlechterwechsel noch ein großes Thema bei meinen Eltern bzw. Schwiegereltern ist.
Wenn wir uns treffen ist es wie früher.
Wenn ich lese, wie es z.B. Jasmine und Menalee ergangen ist, empfinde ich meine familiäre Situation nun quasi wie ein Lottogewinn. MIt dem Outing alle Eltern zu verlieren ist schon ne Hausnummer. Gut, das die beiden mit dem Thema durch sind... Das war sicher nicht so einfach zu verarbeiten.

Grüße
die Anja
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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » Do 25. Apr 2019, 11:33

Gegenüber meiner Mutter habe ich mehrere Coming Outs durchgemacht. Grundsätzlich habe ich mit ihr wirklich einen tollen Menschen. Es kamen nie Vorwürfe oder "was sollen die Nachbarn denken". Nie ging es darum, was ich falsch mache, sondern immer Sorge um mich oder die Frage, was sie falsch gemacht hätte.

Das einzig anstrengende ist bzw. war, dass sie trotz ausführlicher Erklärungen nicht damit aufgehört hat. Die gleichen Sorgen kamen für eine gewisse Zeit einfach immer wieder. Das triggert natürlich bei mir das Gefühl, dass sie meine Lebenskompetenz nicht anerkennt. Ab und zu habe ich während solcher Phasen dann den Besuch oder das Telefonat mit Ansage abgebrochen.

Mit den Jahrzehnten ist es aber besser geworden. Und als es letztes Jahr um meine offene Enbyness ging, hat sie selber in ihrer Erinnerung Dinge gefunden, dass ich nie typisch männlich war. Das habe sie ja schon gemerkt, als ich so 13 war. "Aber wir hatten ja gar keine Begriffe dafür". Bei der HET hatte sie hauptsächlich medizinische Sorge und jetzt mit dem "divers"-Eintrag, ob ich mich dadurch irgendwie angreifbar mache.

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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 21 im Thema

Beitrag von Anja1177 » Do 25. Apr 2019, 14:14

Liebe Frieda,

ich weiß natürlich nicht wie Eltern sich in einer solchen Situation fühlen, oder Schwiegereltern, da diesbezüglich noch kein Gespräch stattgefunden hat, aber ich habe vor einigen Wochen beinahe hier eine Frage gestellt, weil es komische Äußerungen von meinem Jüngsten gab und ich absolut nicht wusste, wie ich damit umgehen soll /darf.
Aus diesem Anlass habe ich mir persönlich Gedanken gemacht, wie ich reagieren würde wenn mein Sohn mir sagt, dass er lieber ein Mädchen wäre, Frauenkleider tragen möchte etc pp. Ich habe festgestellt, daß ich tatsächlich ein Problem damit habe. Nicht weil ich einen Sohn verliere, er würde immer die Person bleiben die ich geboren habe, die ich sein ganz Leben lang kenne, die mir soviele wunderbare Momente und andere Sichtweisen geschenkt hat. Ich habe mir die Frage gestellt "Mist, was hab ich falsch gemacht, bin ich schuld?" habe ich ihn auf die dumme Idee gebracht, weil ich einen Partner habe der CD ist? Und ehrlich gesagt, ich war sehr aufgewühlt und hab sogar geheult und dann nochmal nachgedacht. Ich bin nicht schuld, wenn sich mein Kind verändert, ich bringe ihn nicht auf dumme Ideen, sondern, weil er weiß wie ich denke, kann er mit mir solche Themen überhaupt besprechen und wir beide sind einfach so okay wie wir sind, haben unsere Macken, unsere Fehler und respektieren uns gegenseitig, egal welche Klamotten getragen werden. Demnach, sollte doch mehr kommen in der Zukunft, werde ich ihn einfach genau so lieben und unterstützen wie bisher.

LG Anja
Ich kann dir mein ganzes Leben erzählen, aber verstehen wirst du mich erst, wenn ich mich dir öffne

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Re: Wie gehen Eltern mit uns um?

Post 22 im Thema

Beitrag von Diva » Fr 26. Apr 2019, 20:35

Jasmine hat geschrieben:
Do 25. Apr 2019, 09:31
Die Gedanken meiner Mutter waren egoistischer Natur geprägt. Das Einzigste was sie interessiert ist sie selbst und wie ihr Ansehen in ihrem Umfeld ist. Allein die Tatsache wie sie meine Entwicklung negativ beeinflusst hat um mein wahres ich zu unterdrücken nur um den Schein einer Bilderbuchfamilie zu wahren ist heftig.
Meine und deine Mutter würden sich übrigens prächtig verstehen! Wir sollten mal die Adressen austauschen.

Es kostet mich wirklich Überwindung, das Folgende zu schreiben. Aber ich halte gerade meine neue Geburtsurkunde in den Händen und stelle mir vor, was wohl meine Eltern dazu sagen würden, dass sie ab sofort offiziell eine Tochter haben ...
Ich war in doppelter Hinsicht ein unerwünschtes Kind. Zunächst kam ich ungeachtet gewisser Vorkehrungen auf die Welt, was zu einem riesigen Zerwürfnis zwischen diesen untereinander sowie der gar nicht glücklichen Oma mütterlicherseits führte, sodass eine wahre Flucht der jungen Familie stattfand. Der gesamte Verwandtenpulk befand sich seitdem im Dauerkrieg, bis ich volljährig war.
Die nächste Gemeinheit, die ich ausheckte, war scheinbar "gesund" geboren zu werden. Doch schon bald merkte meine Mutter, dass der vermeintliche Junge nicht nur sehr mädchenhaft aussah, sondern obendrein die reinsten geschlechtsuntypischen "Allüren" an den Tag legte. Jahrelang wurde in erfolgreicher Zusammenarbeit mit den gar christlich-sozialistischen "Erzieherinnen" so lange draufgehauen, bis ein idyllisches Kinderheim in der real-existierenden DDR zur letzten Instanz werden sollte, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.
Diese fürsorglichen Pläne belauschte ich zufällig und bekam vor Angst die traumatische Keule direkt auf den Kopf ...

Dadurch blieb mir zwar das Heim erspart, aber es folgten über 40 Jahre versautes Leben ohne zu wissen, was fehlte: die Identität.
Meine Eltern wussten freilich immer mehr als ich und warteten förmlich auf den großen Knall, wann ich "es" endlich zurück erinnern würde. Meiner Mutter wurde das Warten irgendwann zu lang und sie beschloss, mich durch eine romanreife Intrige endgültig aus der Familie zu kicken, ehe die "Peinlichkeit" aufflog. Freilich erst, nachdem ich in jahrelanger Arbeit das Haus saniert und selbst jede Menge Geld reingesteckt hatte, um dann mit Schimpf und Schande vom gemeinsamen Besitz gejagd zu werden. Die Aktion hat mich finanziell fast erschlagen und ich war jahrelang gehindert, etwas Eigenes aufzubauen.

Mich hat immer die absolute Härte und Gnadenlosigkeit im Vorgehen meiner Mutter verwundert. Erst nachdem ich wusste, Frau zu sein, konnte ich das Puzzle dank der Psychotherapie allmählich zusammensetzen und heute verstehe ich die Hintergründe. Meine Ex-Partnerin hatte sich selbst endlos Vorwürfe gemacht und immer gedacht, sie wäre die Ursache, dass ich durch den Familienkrieg so enorme ökonomische Verluste erlitt. Menschlich waren die Verluste im Nachhinein betrachtet nicht groß, denn Leute, die mich von Geburt an kennen und derartige Lügen über mich glauben, können mir wirklich gestohlen bleiben.
Es wäre interessant gewesen, was wohl passiert wäre, wenn meine Mutter damals zu meiner künftigen Ehefrau gesagt hätte, dass sie sich keinen Mann, sondern eine Frau ausgesucht hätte ...

Ich stelle mir machmal vor, wenn sich der Wahnsinn meiner Kindheit, über 20 Jahre Depressionen und die aktuellen Probleme in mein Gesicht eingegraben hätten, würde ich aussehen wie die MzF-Version von Kris Kristofferson und Jürgen Prochnow zusammen ...
Es gibt auch ein Leben VOR dem Tode.

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