Dysphorie - Euphorie
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!EmmiMarie!
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Dysphorie - Euphorie

Post 1 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Sa 6. Apr 2019, 16:40

Hi zusammen,

in letzter Zeit denke ich gerne mal öfter darüber nach, warum ich als trans* denn so deutlich meine Dysphorie
herausstellen muss.
Darf ich nicht auch mal euphorisch sein? Will ich das nicht auch mal sein?

Sicher es gibt Tage, da ist meine körperliche Dysphorie stark und anderen eher partiell, aber an manchen
Tagen freue ich mich einfach nur über den Weg bisher und was sich entwickelt hat.
Nein, nicht nur körperlich sondern auch im Geist.

Sooo und dann kommt jemand um die Ecke, der/die mir sagt als Trans Person hast du doch zu leiden, geht
doch gar nicht anders. Und dann sage ich "Nein, es geht mir heute super". Oh mein Gott, sehr verdächtig.
Sie kann ja gar nicht trans* sein mit so einer Aussage..."er will nur eine Frau sein"...grrrrr

Hmm jedenfalls ist es nicht gut eine Dauerdysphorie ausstrahlen zu müssen um weiterhin den Status einer
Trans Frau zu behalten. Was ich bin, ist eine Frau, die sich auch mal ihres Lebens freuen darf..
jawohl und zwar grinsend bis über beide Ohren!

Kann etwas was im Grunde total schön ist, nämlich "mir geht es gut" eine Lose-Lose Situation sein?
Das ist doch eigentlich völlig krank-findet ihr nicht?

Also...ich habe für mich beschlossen, ich darf glücklich sein, mich nicht in eine traurige Form pressen zu lassen
und trotzdem Teile meines Körpers abzulehnen. Und im Grunde wissen wir alle, das das auch genauso möglich ist.

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 2 im Thema

Beitrag von Steffi-BLN » Sa 6. Apr 2019, 16:55

Hallo Marie,

mir geht es ähnlich wie dir. Noch im Januar letzten Jahres ging es mir so schlecht dass ich echt überlegt habe mir schlimme Dinge anzutun, auch leider noch kurz nach meinen Outings überall, wo es mir eigentlich total gut ging, aber ich habe halt eine extreme Dysphorie gegenüber meinem Gesicht. Das war leider schon immer so. Es wird zum Glück besser.

Jetzt mit den Hormonen und meinen tollen Erfahrungen in der Schule die ich machen durfte geht es mir inzwischen so gut und bin auch viel gefestigter im Leben, obwohl ich soviel um die Ohren habe. Aber inzwischen brauche ich genau dass.

Und es wird ja noch besser (VÄ PÄ wird diesen Monat eingereicht, GaOP wird im Sommer nächsten Jahres beantragt). Dann kommen noch die körperlichen Veränderungen durch die Hormone dazu.

Klar, es gibt Teile an meinem Körper die ich verabscheue, aber da weiß ich inzwischen, dass sie in absehbarer Zeit so sind wie ich sie haben möchte. Und das macht mich einfach nur glücklich.
Also sei auch du glücklich, lass es dir auf keinen Fall nehmen. ❤️

Ganz liebe Grüße

Marlin
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlin » Sa 6. Apr 2019, 16:58

Hallo Marie,
natürlich dürfen wir fröhlich und glücklich sein 😀
Für mich sehe ich das so: Ich bin eine Frau, die am Anfang Ihrer Transition steht. Ich fühle und sehe Fortschritte. Das macht mich glücklich und happy und die ganze Welt soll das auch sehen!
Der Leidensdruck, wie ihn die Krankenkasse sehen will, besteht ja nur, wenn es keinen Fortschritt bei der Transition gibt.
LG
Marlin

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 4 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Sa 6. Apr 2019, 19:16

Marlin hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:58

natürlich dürfen wir fröhlich und glücklich sein 😀
Genau das ist der Kern, Marlin!

Und dann klappt auch alles..eben hat die kleine Tochter,
eines Freundes den ich nun eine halbe Ewigkeit kenne,
das erste mal ohne zu fremdeln gleich Marie zu mir
gesagt-nicht nur einmal, sie hat gar nicht mehr aufgehört
und zum Schluss sogar meinen Namen gesungen (smili)

Danke Katrin (ki)

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 5 im Thema

Beitrag von Diva » Sa 6. Apr 2019, 20:31

Hallo Marie,
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Hi zusammen,

in letzter Zeit denke ich gerne mal öfter darüber nach, warum ich als trans* denn so deutlich meine Dysphorie
herausstellen muss.
Wer verlangt denn so was?
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Darf ich nicht auch mal euphorisch sein? Will ich das nicht auch mal sein?
Klar, keine Hemmungen!
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Sicher es gibt Tage, da ist meine körperliche Dysphorie stark und anderen eher partiell, aber an manchen
Tagen freue ich mich einfach nur über den Weg bisher und was sich entwickelt hat.
Nein, nicht nur körperlich sondern auch im Geist.
Das schwankt mit der Stimmung und ist vollkommen normal.
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Also...ich habe für mich beschlossen, ich darf glücklich sein, mich nicht in eine traurige Form pressen zu lassen
und trotzdem Teile meines Körpers abzulehnen. Und im Grunde wissen wir alle, das das auch genauso möglich ist.

Alles Liebe Marie (flo)
Genau. Bei mir flogen die Schmetterlinge anderthalb Jahre lang! Lass sie fliegen! Je weniger du drüber nachdenkst, desto besser.
Durch das starke Glücksgefühl können enorme Probleme, Konflikte und Hindernisse bewältigt werden, die sonst nahezu unlösbar erscheinen. Das Glück hilft, ungeachtet aller äußeren Unzulänglichkeiten selbstbewusst und charmant aufzutreten. Es ist das Glück, endlich in der richtigen Identität anzukommen. Eine stärkere Kraft mag wohl nur noch "Liebe" sein, aber das kann ich nicht beurteilen.

Irgendwann in der "Normalität*" angelangt, verblasst dieses Glück. Nach der 2. Pubertät stürzte nach brutaler Diskriminierung durch "Freunde" der letzte Schmetterling ab. Dazu kamen die verschärften Anforderungen auf Arbeit, die leider auch Härte und Emotionslosigkeit erforderten. Immer häufiger geriet ich in psychische Extremsituationen. Heute frage ich mich oft, woher ich "damals" die Kraft nahm, die vielen anderen Probleme, besonders rund um das Coming Out, zu bewältigen, ohne zu verzweifeln. Es stand alles auf dem Spiel: Familie, Kind, Haus, Job, Finanzen, Verwandte und alle sozialen Kontakte.
Die Antwort lautet: Es war genau das Glück, von dem du schreibst! Es ist verloren.

Darum: Genieße dein Glück, so lange es geht!

LG
-Diva

*M.E. hat eine nicht geborene Frau überhaupt keine Chance, jemals in einem "normalen" Leben anzukommen. Mit "Normalität" meine ich lediglich, dass sich das Leben als Frau nach einigen Jahren wie auch immer eingepegelt hat und sich auch der Hormonspiegel nur noch geringfügig verändert.
Die Diva ist eine Frau, die genau weiß, was sie will - und was sie wert ist. Ihre Bühne ist eine Arena.
Die Diva entscheidet selbst, wann ihre Zeit gekommen ist.

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 6 im Thema

Beitrag von Joe95 » So 7. Apr 2019, 10:58

Genieße jeden Moment, an dem es dir gut geht.
Mich würde allerdings auch interessieren wer dir gesagt hat du müsstest standig eine Dysphorie herausstellen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 7 im Thema

Beitrag von VanessaL » So 7. Apr 2019, 11:00

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
....
in letzter Zeit denke ich gerne mal öfter darüber nach, warum ich als trans* denn so deutlich meine Dysphorie
herausstellen muss.
....
Hmm jedenfalls ist es nicht gut eine Dauerdysphorie ausstrahlen zu müssen um weiterhin den Status einer
Trans Frau zu behalten.
....
Hallo,
ganz ehrlich? Ich habe den Inhalt nicht verstanden...
„Die Dysphorie ist ein Gefühl von körperlichem oder sozialem Unwohlsein“. „Nicht alle trans*-Menschen erleben die gleiche Art von Dysphorie, und sie kann bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark sein.“
Wenn es einem schlecht geht, muss/sollte man wohl etwas dagegen tun. Ich zum Beispiel bin mit meinem Geschlecht nicht mehr klargekommen (=Dysphorie), habe mich geoutet und lebe als (Trans*)Frau. Damit habe mein Gleichgewicht wiedergefunden. Es besteht also keine Dysphorie mehr diesbezüglich. Warum ich also eine Dysphorie brauche um Transfrau „bleiben zu können“ ist mir nicht ganz klar.
Vielleicht kann mir das noch jemand genauer erklären, was im Grunde gemeint ist. Aus meiner Perspektive finde nämlich momentan keinen Ansatz .... Danke!

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 8 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » So 7. Apr 2019, 16:45

VanessaL hat geschrieben:
So 7. Apr 2019, 11:00

Vielleicht kann mir das noch jemand genauer erklären, was im Grunde gemeint ist. Aus meiner Perspektive finde nämlich momentan keinen Ansatz .... Danke!

Liebe Grüße
Vanessa
Hallo Vanessa,

ich kann dir noch nicht genau erklären was im Grunde
gemeint ist! Sorry.

Ich denke der Grundgedanke kommt daher, ohne
Dysphorie eigentlich keine weiteren Massnahmen.
Klinischer Leidensdruck und so weiter..
Und trotz der Ablehnung gewisser Körperzonen darfs
mir doch auch gut gehen..
rhetorische Frage vielleicht!

Genauso wenig kann ich dir nicht erklären, warum ich
Angst habe, das meine Brüste schrumpfen oder warum
ich einen absoluten Horror vor Brustkrebs habe!?

Aber muss ich das? Ich wollte den Gedanken nur aus
meinem Kopf und hier im Raum haben..
Wenn du nichts damit anfangen kannst, musst dus
auch nicht zwingend!

Und trotzdem dank ich dir, das du mich schon öfter
auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hast.

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 9 im Thema

Beitrag von VanessaL » So 7. Apr 2019, 18:35

!EmmiMarie! hat geschrieben:
So 7. Apr 2019, 16:45
Ich denke der Grundgedanke kommt daher, ohne
Dysphorie eigentlich keine weiteren Massnahmen.
...
Und trotz der Ablehnung gewisser Körperzonen darfs
mir doch auch gut gehen..

Wenn du nichts damit anfangen kannst, musst dus
auch nicht zwingend.
Hallo Marie,

das wäre doch eigentlich das Ziel?! Oder?
Maßnahmen nicht machen müssen?!
Oder vielmehr nur Maßnahmen zu machen, wenn es unbedingt sein muss?!
Wie viele Frauen unterziehen OP‘s, um Idealen zu entsprechen?! Wie viele Männer lassen sich den Penis verlängern oder Haare verpflanzen?!
Sind das Schönheits-OP‘s oder seelisch ggf. gesundheitlich notwendige Maßnahmen?
Es ist nicht nur die Gesellschaft, die an sich arbeiten muss, sondern jeder einzelne Mensch muss sich auch hinterfragen, ob die Angst vor fehlender Akzeptanz nicht hausgemacht ist. Und ob Maßnahmen für das Bild nach Außen oder nach Innen gebraucht werden.

Also ist die Kernfrage: Habe ich tatsächlich keine andere Wahl, um in mein Gleichgewicht zu kommen!?

Und diese Frage muss jede_r für sich selbst beantworten.

Natürlich muss ich Dinge nicht verstehen, Marie!?
Aber im Grund bin ich neugierig, weil meine Sichtweise auf Dinge ja nicht die Einzige oder gar richtig sein muss.
Aber, wenn Du es selber nicht erklären kannst, mag es vielleicht sein, dass Du zwei Begriff in das Rennen geworfen hast, die so nicht miteinander verknüpft sind .... und Du hast es ja selber geschrieben: es ist eine rethorische Frage, ob es Dir gut gehen darf!

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 10 im Thema

Beitrag von Aria » So 7. Apr 2019, 20:40

Es spricht doch nix dagegen, auch mit Dysphorie glücklich zu sein. Meine Thera hat mir mal gesagt, dass sich unser Geist nur auf die jeweils aktuellsten Themen konzentrieren kann, und mal dies, mal jenes höchste Priorität im Leben hat. Ich hatte sie das am Anfang meines TS Weges gefragt. Damals hatte ich privat viel zu organisieren, zu verarbeiten und u.a. Trauerarbeit zu leisten. Während diesem Zeitraum, der sich über ca. 4-5 Monate erstreckte, fühlte ich kaum Unzufriedenheit mit mir (was Trans anging) und zweifelte wirklich, ob ich denn überhaupt TS sei. Was soll ich sagen, als diese Sorgen kleiner wurden, alles wieder in halbwegs geordnete Bahnen lief, meldete sich mein TS wieder. Sie hatte also Recht, mit dem was sie sagte.

Das war nun aber ein Beispiel, das sich nicht genau auf deinen Zwiespalt zwischen Dysphorie und Euphorie übertragen lässt. Dennoch aber ganz gut zeigt, dass in unserem Gehirn eben nicht ständig ein und das selbe Thema vorherrscht, sondern wichtig von weniger wichtig trennt, sonst gibt es einen Kurzschluss. Was aber hingegen sehr gut passt, ist die Tatsache, dass man in tiefster Trauer auch mal lachen kann. Dann fragen sich zwar alle, was denn da los sei, schließlich müsste die Person doch trauern und am besten den ganzen Tag heulen. Das geht aber nicht, unser Geist brauch auch mal Pause und die nimmt er sich, indem er auch mal lustige und fröhliche Zeiten zulässt und geniesst.

Ich schreibe hier, weil ich das nur zu gut kenne, Dysphorie auf der einen Seite und glückliche Zeiten auf der anderen. Doch sind diese irgendwann vorbei und die Dysphorie, die ich am liebsten zum Teufel schicken würde, kommt wieder und erinnert mich gnadenlos daran, dass ich so nicht weitermachen kann. Ich muss etwas an mir ändern, komme was da wolle. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.
Musst du nicht verstehen, ist halt einfach so!

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 11 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 8. Apr 2019, 13:19

Moinsen (moin)
Diva hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 20:31
M.E. hat eine nicht geborene Frau überhaupt keine Chance, jemals in einem "normalen" Leben anzukommen. Mit "Normalität" meine ich lediglich, dass sich das Leben als Frau nach einigen Jahren wie auch immer eingepegelt hat
Das kann ich so nicht stehen lassen.
Ich lebe nämlich ein ganz normales Leben, so weit ich das beurteilen kann. Durch meine Besonderheit, das ich nicht als Frau geboren wurde, erfuhr ich bisher weder Bevorzugung noch Benachteiligung.
Es gab schon entliche Situationen, die mir im Vorfeld Kopfschmerzen bereitet haben, aber bisher haben sich die Sorgen immer als unbegründet erwiesen.
Mit meiner Frau, meinen kleinen Kindern und einem guten Job stehe ich als nicht geborene Frau mitten im (normalen) Leben. Es gibt kaum noch "erste Male", ich bin voll und ganz angekommen. Viele haben mich schon als Frau kennengelernt und die, die mich von früher kennen, haben sich inzwischen (3 Jahre nun als Frau) an den neuen Namen bzw. auch das weibliche Pronomen gewöhnt. Versprecher gibt es da so gut wie garnicht mehr.
Manchmal hadere ich mit meinem männlichen Schoß, aber im Alltag hat das für mich keinerlei Bedeutung...

Grüße
die Anja
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 12 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 8. Apr 2019, 14:12

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Sooo und dann kommt jemand um die Ecke, der/die mir sagt als Trans Person hast du doch zu leiden, geht
doch gar nicht anders.
Ich möchte diesen Satz aufgreifen. Wenn das jemand sagt, bedeutet das nur, dass sie (die Person) in Ihrer Situation es sich nicht anders vorstellen kann. Vielleicht kannst Du den Ball, ohne auf die Frage einzugehen, mit einer Frage wieder zurück spielen. "Warum muss ich Deiner Meinung nach ständig leiden ?" könnte eine solche Frage sein. Der Nachsatz "Oh mein Gott, sehr verdächtig. Sie kann ja gar nicht trans* sein mit so einer Aussage..."er will nur eine Frau sein"." offenbart ja eine beschränkte Sichtweise. Das ist erst einmal nicht schlimm. Wir alle sind in manchen Fragen völlig blauäugig. Es könnte ein guter Ansatz sein, mit verschiedenen Vorurteilen aufzuräumen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 13 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Di 16. Apr 2019, 08:43

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Hi zusammen,

in letzter Zeit denke ich gerne mal öfter darüber nach, warum ich als trans* denn so deutlich meine Dysphorie
herausstellen muss.
Darf ich nicht auch mal euphorisch sein? Will ich das nicht auch mal sein?

Sicher es gibt Tage, da ist meine körperliche Dysphorie stark und anderen eher partiell, aber an manchen
Tagen freue ich mich einfach nur über den Weg bisher und was sich entwickelt hat.
Nein, nicht nur körperlich sondern auch im Geist.

Sooo und dann kommt jemand um die Ecke, der/die mir sagt als Trans Person hast du doch zu leiden, geht
doch gar nicht anders. Und dann sage ich "Nein, es geht mir heute super". Oh mein Gott, sehr verdächtig.
Sie kann ja gar nicht trans* sein mit so einer Aussage..."er will nur eine Frau sein"...grrrrr

Hmm jedenfalls ist es nicht gut eine Dauerdysphorie ausstrahlen zu müssen um weiterhin den Status einer
Trans Frau zu behalten. Was ich bin, ist eine Frau, die sich auch mal ihres Lebens freuen darf..
jawohl und zwar grinsend bis über beide Ohren!

Kann etwas was im Grunde total schön ist, nämlich "mir geht es gut" eine Lose-Lose Situation sein?
Das ist doch eigentlich völlig krank-findet ihr nicht?

Also...ich habe für mich beschlossen, ich darf glücklich sein, mich nicht in eine traurige Form pressen zu lassen
und trotzdem Teile meines Körpers abzulehnen. Und im Grunde wissen wir alle, das das auch genauso möglich ist.

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Verstehe den Text nicht. Wenn jemand Körperdysphorie hat dann leidet er vor der Angleichung mit Angleichung sollte es weggehen.

Tut es das nicht dann hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Sozialdysphorie und diese geht nicht durch Angleichung weg sondern durch Anpassung in die Gesellschaft (Passing) oder man verändert seine Sicht auf die Dinge.

Ich hab noch niemanden gehört der behauptet man müsse nach Transition ebenfalls Dysphorie haben, es war bisher immer die genau gegenteilige Aussage.
Also frag ich mich wo du jetzt diese Aussage her nimmst? Oder willst du ein Problen schaffen wo keins ist. Im Übrigen wird über Geschlechtseuphorie sehr wohl gesprochen. In realen Gruppen und Facebook zu genüge.

!EmmiMarie!
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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 14 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Di 16. Apr 2019, 10:21

Toni Smith hat geschrieben:
Di 16. Apr 2019, 08:43
Ich hab noch niemanden gehört der behauptet man müsse nach Transition ebenfalls Dysphorie haben, es war bisher immer die genau gegenteilige Aussage.
Hi Toni...

bitte erst lesen und dann schreiben-wer hat etwas von nach der Transition gesagt oder geschrieben?
Aber vielleicht liegt das an unserer unterschiedlichen Definition von Transition und nach meiner
Definition stecke ich mittendrin.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 16. Apr 2019, 08:43
Verstehe den Text nicht. Wenn jemand Körperdysphorie hat dann leidet er vor der Angleichung mit Angleichung sollte es weggehen.
Mit jeder kleinen Veränderung, also mit jedem kleinen körperlichen Puzzlestück was sich angleicht, wird die Dysphorie weniger nicht
auf einmal. Das ist was ich mit partiell meine. Mit jedem Schritt des Weges ein bisschen mehr in die richtige Richtung.
Transition ist denke ich auch für dich kein jetzt auf nachher, sondern ein Übergang.
Wie Vanessa ganz bildhaft gesagt hat eine Reise vom alten Heimatland in ein Neues.
Toni Smith hat geschrieben:
Di 16. Apr 2019, 08:43
Oder willst du ein Problem schaffen wo keins ist.
Ah, da fällt mir etwas auf...ist ja dein Topthema mit der Detransition-ist das nicht genau dabei das Problem?
Das die Dysphorie nicht weg ist, oder sich gar umkehrt? Wenn das kein Problem ist, ist ja alles schön.


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Re: Dysphorie - Euphorie

Post 15 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Di 16. Apr 2019, 10:49

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 16:40
Sooo und dann kommt jemand um die Ecke, der/die mir sagt als Trans Person hast du doch zu leiden, geht
doch gar nicht anders. Und dann sage ich "Nein, es geht mir heute super". Oh mein Gott, sehr verdächtig.
Sie kann ja gar nicht trans* sein mit so einer Aussage..."er will nur eine Frau sein"...grrrrr
/quote]


Wer sagt das denn? Cis Personen oder Trans? Ärzte oder Leute die von der Thematik nicht so viel Ahnung haben?

Du sagst es ja selbst Transition ist ein Prozess mit dererhilfe die Dysphorie weniger wird.

Es gibt ne Fraktion die sagt ohne Dysphorie kann man nicht trans sein. Diese Definition bezieht sich aber auch auf die Dysphorie vor der Transition.

Wer behauptet man müsse immer Dysphorie haben, dessen Definition von trans und Dysphorie würde mich mal interessieren.

Für mich sind trans sein und Dysphorie zwei paar Schuhe. Dysphorie hat man oder nicht und diese kann durch Transition gelindert werden. Jemand der trans ist muss aber nicht zwangsläufig eine Dysphorie damit mindern wollen. Jemand der trans ist ist für mich jenand der eine TRANSition macht. Ob diese rechtlich, sozial oder medizinisch ist oder alle drei, ist dabei jeder Person überlassen. Trans bezeichnet also für mich eher einen Status ( in Transition befindent) einer Handlung, während Dysphorie ein erfahrbaren Zustand beschreibt. Also was tue ich, ein Tansition und was habe ich, eine Dysphorie.
Aber das ist meine Definition und da rührt auch viel Missverständnis her. Jede Person hat da ihre eigene mehr oder weniger von der Mehrheit getragene Definition. Darum kommt es auch immer wieder zu Missverständnissen und Definitionskämpfen. Und für sowas ist ein Forum leider nicht der richtige Ort. Leider hab ich mich auch wieder hinreißen lassen diesen Thread zu kommentieren, weil er so gar nicht meine erlebte Realität wiederspiegelt.

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