"Mein letzter Tag"
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Frieda
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"Mein letzter Tag"

Post 1 im Thema

Beitrag von Frieda » Do 13. Sep 2018, 10:44

Durch ein aktuelles Gespräch in meinem engsten Freundeskreis, traue ich mich, euch einmal auf euren "letzten Tag" anzusprechen.

Denkt Ihr manchmal über euren letzten Tag nach?
Falls ja! Wie? Was denkt Ihr da? Was fühlt Ihr da? Und....bewegt diese Frage etwas in Euch?



Ich selbst denke sehr sehr oft an meinen "letzten Tag". Ich denke nicht in dieser Form daran, was wohl nach meinem Tod, wie gemacht werden sollte oder nicht. Dieses Thema meine ich nicht, es geht mir grade nicht um Abschiedsrituale oder so.
Mir geht es eher darum, was der bewusste, achtsame Gedanke an meinen "letzten Tag" hier auf diesen Planten, hier (hoffentlich) im Kreise meiner Liebsten, was dieser Gedanke mit mir im Hier & Jetzt macht!
Der Gedanke an meinen eigenen Tod, macht mir mittlerweile keine Angst mehr. Mittlerweile ist dieser Gedanke, an den ich mich optisch tagtäglich selbst bewusst erinnern kann (und ja auch sichtbar für meine Kids), eine willkommene Erinnerung für mich. Ich erinnere mich selbst damit daran, was mir in meinem Leben lieb und teuer ist. Ich erinnere mich, was mir wichtig ist. Ich erinnere mich dann selbst damit, mich nicht in Banalitäten zu verlieren, mir Nichtigkeiten nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Ich erinnere mich, meine Wertigkeiten die mir am wertvollsten geworden sind, meinen Kindern nicht erst auf meinem Sterbebett mitzuteilen, sondern sie Ihnen jetzt immer wieder vor Augen zu halten, solange wir in unserem Alltag leben.
Der Gedanke an meinen letzten Tag, erinnert mich auch an meine Eltern...die mir gelernt haben, wie wertvoll, wie kostbar ein Gespräch ist, dass die Gefühle in diesem Moment, die Gedanken in diesem Moment, das Fühlen in diesem Moment....niemals zurück kommen. Es erinnert mich das Hier & Jetzt mit demjenigen der seine Zeit mit mir verbringen möchte, sie mir also schenkt, dass dieses mit das kostbarste ist, was man bekommen kann.
Der Gedanke an meinen letzten Tag zeigt mir klar und deutlich, was ich meinen Kids auf ihren Weg von mir mitgeben möchte. Ich rede nicht von Geld oder Möbeln, selbst meine Bücher nicht. Was ich meinen beiden Raptoren mitgeben möchte sind eher Dinge wzB:
- Mitgefühl, Geduld, Akzeptanz (weil dieses leben zu können in meiner Wahrnehmung einem Ruhe & Frieden schenkt!)
- ich möchte sie lehren, wie sie Kriesen geistig bewältigen können
- oder, wie man seinen Puls in einem Streit beruhigen kann
- und ich möchte ihnen lehren...nicht WAS sie lernen sollen, sondern WIE sie lernen sollen/können
- und natürlich Meditation
Mein denken über meinen letzten Tag, hat sich in den letzten Wochen natürlich auch noch verändert. Mit Michi/Micha kam neues bewusstes Denken diesbezüglich dazu. Natürlich hoffe ich, dass ich meinen letzten Blick ich dir schenken kann mein Schatz, das mein letzter Gedanke, letzter Satz, mein letztes Wort für dich ist Schatz, meine letzte bewusste Berührung dir gilt....aber wir wissen Alle, dass ich diese Sicherheit niemals garantiert bekomme. Also bringt mich der Gedanke an meine "letzten Minuten" dazu, dir Micha/Michi so oft es mir möglich ist, dir danken zu wollen. Dir dafür zu danken, dass ich mit dir zum ersten mal in meinem Leben erleben darf, was ehrliche Liebe zwischen zwei Wesen wahrhaftig bedeutet (diese Worte beziehen sich nicht aufs körperliche, ich weiß, dass du mich gerade verstehst Schatz, wovon ich rede). Und ja ich möchte dir auch meine Liebe zeigen wollen, dir so oft es geht damit die Gänsehaut über deinen Körper schicken zu können. Dein schönes Gesicht mit meinen Händen bewusst, achtsam und genießend zu umfassen und dir zu zuflüstern, was für ein beeindruckendes Wesen du bist und ich dir immer beistehen möchte...neben Dir - Hand in Hand, hinter Dir - dich stärkend und vor Dir - dich beschützend, auch wenn ich nur ein Minion bin, ich aber trotzdem den Mut einer Löwin in mir trage, wenn es um meine Liebsten geht!



Ich bin gespannt und interessiert ob und was Ihr dazu schreiben möchtet....ich grüße Euch freundlichst mit Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 2 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 13. Sep 2018, 11:01

Hallo Frieda,

nein an den expliziten "letzten Tag" denke ich nicht. Aber das Bewusstsein, dass mein Leben endlich ist, ist in den letzten Jahren aufgekommen. Dadurch bekommt der Augenblick mehr Bedeutung. Und da die Zeit zu rasen scheint, wird der Augenblick immer schwerer zu fassen. Was bleibt ?

Den Augenblick los zu lassen und trotzdem im Hier und Jetzt zu verweilen. Da bleibt kein Raum für die Zukunft, auch nicht für den letzten Tag. Aber er ist trotzdem im Denken und Fühlen.

Es ist anders als früher. Es gibt nichts mehr zu beweisen und zu erreichen. Die Kinder stehen auf eigenen Füßen. Es ist eine Freiheit in mir, die ich so noch nicht kannte. Und trotzdem bleiben noch Räume zu entdecken. Ich hoffe, ich habe noch viel Zeit dafür, denn es ist schön.

Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfel essen ;-) Oder so ähnlich ...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 3 im Thema

Beitrag von Kim » Do 13. Sep 2018, 11:35

An meinen letzten Tag habe ich auch noch nicht gedacht.
Sollte er dann doch plötzlich vor der Tür stehen, wäre es schön wenn meine liebsten in meiner Nähe sind.
Ich würde auf mein Leben zurückblicken , und mich fragen. .hast du alles richtig gemacht.
Seit dem Tod meiner Mutter lebe ich bewusster, nehme mir mehr zeit zum reden.
Ich wollte meiner Mutter noch so viele Fragen stellen, 2 Tage vor ihrem Tod hätte ich zur ihr kommen sollen.
Damals fehlte mir die Zeit. .Dann der Anruf von meinem Vater, ich müsse schnell kommen. .Mama geht es nicht gut.
Sie ist in meinen Armen gestorben, ohne dass ich mich verabschieden konnte.
Es verfolgt mich bis heute ,wieso bin ich nicht hingegangen.

Darum sollte man jeden Tag mit seinen liebsten genießen, als wäre es dein letzter.

Angst vor dem Tod habe ich nicht.

Glg Kim

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 4 im Thema

Beitrag von Theresa » Do 13. Sep 2018, 12:43

So richtig bewust wurde mir der letzte Tag, als mich damals meine Freundin daran erinnerte, eine Parientenverfügung zu formulieren. Recht hat sie. Ich habe es bis heute nicht gemacht. Vom letzten Tag wünsche ich mir, dass ich nicht weiss das es der Letzte ist. Es wird niemand kommen, niemand mich besuchen. Wenn es in der Wohnung passiert wird es erst jemand merken, wenn es stinkt. Ich habe zwar eine Tochter. Der letzte Kontakt fand aber vor ca. 17 Jahren statt. In der Kindheit hatte ich versucht, so gut ich konnte, Vater zusein auch wenn ich nie mit der Mutter zusammen gelebt habe. Dieser gebe ich auch die Schuld, dass es von Seiten der Tochter nie zu einer Kontaktaufnahme gekommen ist. Ich habe ihr, unter dem Vorwand einer steuerlichen Bescheinigung, angeboten, Kontakt aufzunehmen. Nichts ist geschehen. So wird die Nachricht über mein Ableben sie über die Behörden erreichen.
Aber das ist ok so. Wenn in der Familie bekannt wird das ich auch eine weibliche Seite auslebe wird die Mutter die Gelegenheit nutzen, mich bei meinem Arbeitgeber damit fertig zu machen. Das hat sie schon bei meiner letzteren Freundin via Facebook versucht. Behauptet, ich würde Frauenkleidung tragen, lange bevor mir Theresa bekannt war (uind ich das auch nicht getan habe)
Das sind warlich keine schönen Aussichten. Die Zeit rennt und ist endlich. Das wird jeder ab einen gewissen Alter merken. Es macht mir zusätzlich eine gewissen PAnik. Noch habe ich die Hoffnung auf eine paar glückliche Jahre mit einer lieben Frau nicht aufgegeneb. Da würde ich auch Theresa soweit möglich unterdrücken. So macht das alles keinen Spaß.
Es gibt nicht mal jemand, dem ich in meinem Testament erwähnen konnte. Mein Bruder mit Frau und Tochter haben ganz gut ausgesorgt,. Meine Ex-Frau mit der ich ein richtig schönes freundschaftliches Verhältnis hatte, bricht plötzlich den Konntakt ab. Den Grund kenne ich bis heute nicht. Ja, und meine Tochter, die in Jahrzehnten nicht mal von selber auf die Idee kommt, sich mit mir in Verbindung zu setzen, braucht meine paar Kröten auch nicht (wenn noch was übrig bleiben sollte.

Die letzte Freundin, eine Fernbeziehung , war das,was ich so als Liebe des Lebens bezeichnen würde. Leider sind wir gegen Ende haarscharf aneineander vorbei gelauffen.Theresa, die , weil für mich neu, hatte einen zu hohe Priorität bekommen. Sie hat versucht damit klar zu kommen, es aber nicht geschafft. Sie hat, als attraktive Frau längst einen Anderen und das, worauf ich die Hoffnung auf ein späteres Zusammenleben gebaut hatte, hat längst eine andere Priorität.

Nun muss ich sehen was ich daraus machen kann. Bin halt kein Gesellschaftsmensch. Wüsste nicht wo die Gelegenheit bestünde, jemand kennen zu lernen. Auf Trans-Stammtischen, die ich besuche, wird die Chance gering sein.

Nun ist doch wieder so einen elendige Jammer-Mail daraus gewirden. Sollte gar nicht so sein....

Trotzdem

Viele Grüße
Theresa

(die sich mal wieder ärgert, weil sie die Rechtschreibprüfung hier in firefox nicht auf deutssch umstellen kann....)
Beachten sie auch unbedingt die Hinweise im Kleingedruckten auf der Rückseite dieser Nachricht!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 5 im Thema

Beitrag von lexes » Do 13. Sep 2018, 14:32

Denke ich öfter dran ... dabei geht´s mir aber nicht um mich sondern um meine Frau , meine n Nachwuchs und die bleibenden Verbindlichkeiten ( Haus , Grundstück etc etc etc.. )

Ich mache mir keinerlei Sorgen, es kommt wie es kommt.

Was nicht sein darf ist das mein ggf. unerwartet frühes Ableben ( sicher schwer genug für die engste Familie ) finanzielle und andere Probleme in der Art auf den Plan ruft, welche den Hinterbliebenen das Leben zusätzlich und unnötig schwer machen.

Andere Gedanken in der Richtung mache ich mir gar nicht ... das passt nicht in meine Gefühlswelt... und da bin ich doch sehr dankbar für

Euch allen ein laaaaaaanges und erfülltes Leben

Lexi

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 6 im Thema

Beitrag von Cybill » Do 13. Sep 2018, 21:07

Namaste Frieda,

"memento mori" gehört zu meinem Leben. Ich bin Mensch, Menschen sind sterblich, also bin auch ich sterblich. Es ist rund 10 Jahre her, dass ich mit "akutem Bauch" Bruder Hein von der Hippe gehüpft bin. Ich lebe seitdem bewusster, intensiver und bin mir meiner Sterblichkeit bewusst. Dabei spielt sicherlich meine hauptberufliche Tätigkeit eine wichtige Rolle. Hier gehöre ich zu einer gefährdeten Art und man trifft mich auch nur selten ohne Schutzweste an. Hein kennt mich und ich ihn, daher begegnen wir uns auf Augenhöhe (ki)

In meiner Nebentätigkeit bin ich seit einiger Zeit hauptsächlich als Dr. Cybill unterwegs. Hier genieße ich meine"Weiblichkeit" und gerade dies öffnet mir Zugänge zu meinen Klienten, die mir als "Mann" verwehrt sind. Um zum Thema zurück zu kommen; das Bewusstsein der Sterblichkeit im Dienst kompensiere ich mit der "Leichtigkeit des Seins" als Psycholog*in.

So bin ich mir meiner Sterblichkeit bewusst ohne davon zu verzweifeln.

Auf der anderen Seite glaube ich daran, dass im ewigen Osten uns ein guter Gott erwartet...(Wo bleiben sonst die 23 Gramm? Was ist mit meiner und anderen Nahtoterfahrungen?)
Ich lebe mein Leben in dieser Welt so gut und so gerecht, wie es mir möglich ist und wenn ich dann auf der Gästeliste von Walhalla oder Woauchimmer stehe, dann stehe ich eben drauf. I did it my way!

Live long and prosper!

- Cybill (poli)
Einer meiner schönsten und persönlichsten Beiträge in diesem Forum
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 7 im Thema

Beitrag von Christiane » Do 13. Sep 2018, 21:41

Konbangwa Frieda

Ich gehöre nicht zur "Zunft" von Cybill und bin dementsprechend auch nicht mit SchuWe unterwegs.
Seitdem aber ein lieber Kollege damals bei uns in der Kantine das Feuer auf uns eröffnet hat - lebe ich im Hier und Jetzt - jeder Tag kann der letzte sein.
Das wurde uns damals auf blutige Weise beigebracht.
Meine Frau und ich - wir leben Jetzt - denn wir wissen nicht, wie lange es ihr noch gut geht - die nächste Chemo erscheint schon langsam wieder am Horizont.
Vielleicht können wir es noch bis Mitte nächstes Jahr rauszögern.
Unsere "Motivationslage" sieht demzufolge etwas anders aus.
Wir haben Beide unsere Angelegenheiten geregelt (Testament/Patientenverfügung/usw.), so das der überlebende Teil unserer Ehe nicht Mittellos dasteht.

Gevatter Tod wird unsere Ähre schneiden, wenn er das letzte Sandkorn durch unsere Uhren rieseln sieht.

Sayonara
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 8 im Thema

Beitrag von Uta » Do 13. Sep 2018, 22:26

Der letzte Tag wie und wo auch immer, ich weiß das Leben ist endlich (ein Glück) und ich bin darauf vorbereitet. Vorbereitet habe ich alles was meine Tochter wissen muß. Ich habe vor meiner langen Reise mit dem Wohnmobil alles mit ihr besprochen und alles schriftlich festgehalten. Patientenverfügung, Testament, Betreuungsvollmacht, egal ob Verträge gekündigt werden müssen oder wie und wo ich beerdigt werden soll. Sie ist informiert und hat es leicht die letzten Schritte umzusetzen. Häufig bin ich gefragt worden, wenn ich alleine in den Bergen wandere und mir passiert etwas, wie geht's dann weiter.....
Eines kann ich mit Gewissheit sagen, ich habe mein Leben gelebt. Es gibt mir ein gutes Gefühl nun als Crossdresser wahrgenommen zu werden. Wenn nun der letzte Tag ansteht, dann kann ich sagen das ich mein Leben gelebt habe. Angst habe ich nicht vor diesem Tag und das ist auch gut so.

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 9 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Fr 14. Sep 2018, 01:15

Als Kleinkind war ich so schwer erkrankt, dass mein Leben am seidenen Faden hing. Nach der unerwarteten Besserung bekamen meine Eltern vom behandelnden Arzt die Prognose, dass ich eine Lebenserwartung von rund 40 Jahren hätte. Mittlerweile habe ich die Prognose um 57% überschritten. Mit zunehmenden Zipperlein, aber doch lebenswert.

Die "Einschläge" kommen allerdings näher, wie der tägliche Blick in die Todesanzeigen zeigt. Das sollte zur Pflichtlektüre jedes Menschen gehören, weil der Blick auf das Ende viele Dinge relativiert. Viele Sachen regen mich immer weniger auf, je kürzer der Rest meines irdischen Lebens wird. Der letzte Tag beschäftigt mich dabei weniger als das Bewusstsein, dass mir eine begrenzte diesseitige Zeit zur Verfügung steht (der Gedanke, dass die Plagerei unendlich weiterginge, ist für mich erschreckender als der Gedanke an meinen Tod).

Wie lebensgefährlich das Leben ist, hat sich mir in letzter Zeit dreimal gezeigt: Einmal hat mich eine Autofahrerin auf die Hörner genommen, als sie vom Supermarkt-Parkplatz auf die Straße einbog, auf der ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Batsch, da lag ich auf der Straße. Sie hat mich nicht gesehen. Eigentlich unglaublich! Gott sei Dank bin ich noch so beweglich, dass die Landung nicht so hart war. Dann auf einer Dienstreise nach Kärnten fährt mir auf dem Hinweg auf der Pyhrn-Autobahn ein LKW so vor die Karre. dass ich voll in die Eisen gehen musste. Und auf dem Rückweg donnert mir auf der Autobahn in Deutschland ein Vogel gegen die Winschutzscheibe, so dass sie springt. Zum Glück konnte ich trotz des Schreckens die Spur halten und bin noch gut nach Hause gekommen. Die Scheibe musste natürlich ausgetauscht werden Wenn ich mir vorstelle, was alles hätte passieren können.........

Der letzte Tag kann ganz schnell kommen, Statistik hin oder her.

Das Kleid, welches ich nach meinem letzten Tag bei meiner Beerdigung tragen werde, liegt schon im Schrank. Symbolisch für das weiße Kleid, welches bei Gott für mich bereit gehalten wird. Das Beste kommt noch!

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)

Conny-Andrea
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 10 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea » Fr 14. Sep 2018, 05:53

Hallo Zusammen,

ich glaube, dass alle Vorbereitung nichts nutzt. Wenn es soweit ist wird mir immer noch vieles einfallen was ich nicht getan habe. Die Probleme beim Tod hat nicht der Tote sondern die Hinterbliebenen. Ich denke nicht an das Ende. Vor vielen Jahren habe ich im Fernsehen einen Satz gehört der sich mir eingeprägt hat: Es kommt wie es kommt wenn es kommt!

Also, was soll's. Ich hoffe auf ein Ende wie Hannes Wader es beschrieben hat:

Übrigens habe ich neulich noch eine Wahrsagerin befragt
Wie's denn mit meinem Ende stünde und darauf hat sie gesagt
Ich dürfte als ur-uralter Greis, Haar und Bart eisgrau
In meiner Badewanne sterben, in den Armen einer schönen Frau


Schaun mer mal.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 11 im Thema

Beitrag von Lea Michele » Fr 14. Sep 2018, 08:08

Hallo ihr Lieben,

mein Motto ist
"Zum Leben gehört der Tod und zum Tod gehört das Leben"
Im diesem Sinne lasst uns leben! (fwe3)

GLG Lea Michele (he) (ki) (he)
Das Leben ist perfekt, wenn man sich wie eine Frau fühlen und leben kann!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 12 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Fr 14. Sep 2018, 09:19

Nachdem ich bereits eine Krebserkrankung und zwei Herzinfarkte überstanden habe, ist für mich das Leben auf einem anderen Level.
Ich habe viel über das Leben nachgedacht, natürlich auch über den Tod.
Ich habe dem Totengräber den Stinkefinger zeigen können, ich hoffe auch das er noch lange auf mich warten muss.
Ich weiß natürlich dass der Tod zum Leben gehört.
Ich gebe mir das sterben definitiv bis zum Schluss auf.
Ich bin froh nicht zu wissen wann Schluss ist.
Ich gehöre zu denen die panische Angst vor dem sterben, vor dem Tod hat.
Was kommt danach?
Niemand weiß es!
Ein großes nichts?
Der Himmel, das Paradies egal in welcher Form?
Vor diesem nichts habe ich Angst, wirklich Angst.
Da hilft mir auch mein christlicher Glaube wenig.
Ich bin ja nun auch schon fast 60 Jahre alt, das Leben ist endlich.
Mehr als zwei Drittel dürfte ich wohl hinter mir haben.
Angst, ja ich habe Angst vor dem letzten Tag!

LG Tatjana
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 13 im Thema

Beitrag von Frieda » Fr 14. Sep 2018, 09:31

Ich habe jeden einzelnen Post mit Interesse gelesen....und mir fiel wiederholt auf, wie unterschiedlich jedes einzelne Wesen hier und auf unserem wunderschönen Planeten ist und wie unterschiedlich auch die Wahrnehmungen über meine Gedanken bei Euch sind.

Ich danke euch sehr fürs lesen, ich danke euch besonders für die Reaktionen (auch den zukünftigen, falls doch noch Jemand Lust verspürt, uns seine Gedanken wissen lassen!)
Ich wünsche Jedem Einzelnen alles Liebe für die Zukunft!
Namaste🙏
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 14 im Thema

Beitrag von Astrid » Fr 14. Sep 2018, 09:39

Ich grüße Euch!

Hier mal meine Gedanken zu dem Thema:


Ich leide seit meiner Pubertät an mal mehr, mal weniger starken Depressionen und daher sind mir die Gedanken an meinen letzten Tag sehr vertraut. Ich denke oft darüber nach, was ich diesem Tag wohl fühlen werde und was mich dazu bewegen könnte, ...

Genau genommen habe ich ihn schon erlebt, diesen "letzten Tag", als ich vor rund zehn Jahren, nach einer zweimonatigen psychischen Abwärtsspirale, einen Suizidversuch unternommen habe. Da war eigentlich nichts von dem, was ich mir vorgestellt habe, auf mein Leben zurückzublicken oder Liebe oder sonstwas. Meine Gefühle bestanden nur noch rein aus völliger Leere und unendlicher Einsamkeit. Ich kann eigentlich nicht mehr sagen, was mich dann dazu bewogen hat, den Notarzt zu rufen. Lebenswille war es nicht. Eher das Gefühl, etwas Unfertiges zu hinterlassen und natürlich die Angst vorm Übergang.

Mein großes Problem war schon immer die Unzufrieden mit mir selbst. Ich habe mich selbst nie gemocht, oder besser gesagt das, was ich nach außen darstelle. Es kommt mir vor, als wenn ich einen Panzer aus einem halbdurchlässigen Spiegel trage, durch den von außen zwar alles durchdringt, aber kaum etwas herauskommt. Ich habe Gefühle, sehr starke sogar, aber ich habe Mühe, diese nach außen zu etwas Wertvollem zu formen, mich selbst und andere davon profitieren zu lassen.
Blöd auch, daß meine Partnerin sehr ähnlich ist. Zwei verschlossene Menschen, die sich lieben und alles füreinander tun würden. Aber es ist eine stille Liebe, ohne Worte. Selbst unser 25. Hochzeitstag letzte Woche verstrich sang und klanglos. "Wir hatten gestern unseren Hochzeitstag." , "Ja, ich weiß."
Es hat mir nie an Geld oder Materiellem gemangelt, aber psychisch und im sozialen Bereich bin ich völlig auf dem falschen Dampfer. Und ich sehe dabei zu, wie ich alles kaputtmache, was vielversprechend anfängt, obwohl ich es eigentlich anders möchte.

Selbst die Psychologin, zu deren Sitzungen ich eineinhalb Jahre ging, hat mich letztendlich nicht vollständig knacken können. Es hat mir gutgetan, ohne Frage. Immerhin hat sie mir dabei geholfen, meine wahre Geschlechtsidentität, die ich mir selbst schon vorher dank dieses Forums eingestanden habe, nach außen zu tragen, was auch im Familienkreis und im Arbeitsumfeld erstaunlicherweise ohne nennenswerte Probleme ablief.
Und zu der Zeit hatte ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, mich selbst zu mögen. Die Entwicklung meines äußeren Erscheinungsbildes ging dann auch recht schnell und mutig voran, bis mein nächstes großes Problem zu Tage trat: Ich habe Mühe Hilfe anznehmen, will immer alles alleine können. Kann ich aber nicht! Und so stehe ich heute da, in der öffentlichen Wahrnehmung als Mann in Frauenklamotten und rede mir selbst ein, daß es genau das ist, was ich möchte. Was für ein Quatsch! Ich bin nicht zufrieden damit, Mann sein zu müssen. Die Frau in mir dringt einfach nicht durch durch diesen Panzer, der mich umgibt.
Klamotten machen keine Frau, die Lektion habe ich gelernt. Und diese nächste Hürde in meiner Entwicklung scheint mir im Moment unüberwindbar. Vor irgendetwas habe ich Angst (bitte sagt mir jetzt nicht, ich brauche Hilfe. Das weiß ich selbst).
Seit einiger Zeit schon zeigt also die Kurve meiner psychischen Gesundheit mal wieder nach unten. Ich empfinde mein Leben mal wieder als belanglos, oftmals ist es die Aussicht auf das Feierabendbierchen, die mich noch motiviert.
Ja, und eben diese Gadanken an den letzten Tag in meinem Leben sind immer wieder präsent.
Als letztes Jahr erst Chris Cornell und dann später Chester Bennington, deren Musik ich sehr gern mochte, Suizid begingen, war mein erster Gedanke trotz aller Trauer: Die haben es geschafft. Darum verstehe ich auch, weshalb es nach solchen Vorfällen oft zu Nachahmertaten kommt.
Mein Leben selbst bestimmen und auch beenden zu können, war schon immer Teil meiner Gedanken vom Leben und Sterben.

Meine größte Hoffnung ist allerdings, daß ich wenigstens an meinem letzten Tag mit mir selbst im Reinen sein kann. Das schließt einen Suizid natürlich aus und gibt mir eine Aufgabe mit auf den Weg, die ich in meiner nun schon begonnenen zweiten Lebenshälfte noch schwerlich vor mir habe.
Für mich stellt sich also nicht die Frage nach dem letzten Tag, sondern nach dem Rest des Weges dorthin.

Liebe Grüße - Astrid

P.S: Bitte entschuldigt meine Ausschweifungen. Ich habe meine Gedanken mal einfach so fließen lassen.

Frieda
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 15 im Thema

Beitrag von Frieda » Fr 14. Sep 2018, 10:01

Ich bin dankbar für deine Worte Astrid, dankbar für deine ehrlichen Worte und JAAA für deine ausführlichen Worte...geben sie uns doch die Gelegenheit dich fühlen zu können!
Mich bewegen deine Worte, ich fühle sie spürbar in mir. Ich bin im Moment, wie stumm und doch drehen sich meine Worte für dich, in mir, wie in einem Strudel....ich finde keine Ordung in ihnen und doch ist der Drang soooo stark dir reagieren zu wollen.

Ich hoffe einfach grade, dass Jemand Anderes sich (erstmal) passender ausdrücken kann und will, als ich mit meinem Gestammel soeben...sry.

Dich Astrid, nachdenklich in meinen Gedanken habend sage erstmal Namaste🙏
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