Langes Gespräch mit meiner Frau
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AnjaT
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Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 1 im Thema

Beitrag von AnjaT » Do 8. Mär 2018, 08:13

Hallo Ihr Lieben,

gestern Abend hatte ich ein sehr langes gespräch mit meiner Frau. Ich hatte schon länger gemerkt, dass ihr was auf der Seele liegt. Ich bin immer noch durcheinander, oder besser aufgewühlt. Sie macht sich wohl große Sorgen wie es mir geht und wie es mit mir weiter geht.
Ich weiss ja, dass ich mit meiner Situation nicht immer glücklich bin und ich habe das wohl doch nicht so gut versteckt wie ich dachte. Eine/meine Frau merkt sowas.
Sie will mir helfen, ist aber mit vielen Sachen überfordert und hat Angst vor der Zukunft. Sie ist im Internet auf vielen Trans-Seiten unterwegs...ob Sie hier wohl auch liest ? und versucht mit der Situation klar zu kommen.
Sie möchte, dass ich den Weg weiter gehen, mein "Frausein" nicht verstecken soll, hat aber auch Angst vor den Konsequenzen. Sie hat mir auch offen gesagt, das eine "lesbische" Beziehung für Sie nicht in Frage kommt. Das war echt viel Input für mich. Ist Sie da in Gedanken schon viel weiter wie ich? Eigentlich hatte ich mich mit meiner Situation gut eingerichtet und jetzt mache ich mir auch wieder Gedanken. Hat Sie da was los getreten, was ich immer verdränge? Ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben :roll:
Liebe Grüsse von einer sehr nachdenklichen Anja
Leben Sie es, ohne sich weh zu tun - Zitat aus dem Blog von Svenja aus Kiel -

VanessaL
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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 2 im Thema

Beitrag von VanessaL » Do 8. Mär 2018, 08:57

Liebe Anja,

wenn Du Deine Frau heute siehst, nimm Sie mal in den Arm und drücke Sie. Eine tolle Frau - so liest es sich zumindest!
Ich kenne ähnliche Gespräche und kann zumindest die Grundgefühle nachvollziehen...
Meine Frau kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. In sofern magst Du auch bei Euch Recht haben. Allerdings hat meine Frau auch starke Verlustängste und Sorgen - so wird es auch bei Deiner Frau sein. Die Auseinandersetzung mit dem „Schlimmsten“ hilft den Partnerinnen vorbereitet zu sein und sich eine gewisse Mauer aufzubauen. Das was in Dir wühlt(e) beschäftig natürlich auch auf andere Art Deine Frau!
Wenn Du mit Dir momentan im Reinen bist, vermittel Ihr das auch immer wieder und zeige Ihr Deine Liebe und Zuneigung ...
Nuchts ist sicher, wenn es um Trans geht, aber eines hilft - viel und oft miteinander offen reden. Das sorgt meiner Meinung nach auch für eine ganz andere Qualität der Beziehung ... egal was noch kommen mag.
Wenn Du Dich (wieder) gefunden hast, kannst Du auch (wieder) eine starke Säule für abdere sein.

Ganz liebe Grüße
auch an Deine Frau

Ich denke Ihr seit auf einem guten Weg miteinander, auch wenn es hin und wieder schmerzhaft ist

VsnessaL
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmine » Do 8. Mär 2018, 12:49

VanessaL hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 08:57
...... vermittel Ihr das auch immer wieder und zeige Ihr Deine Liebe und Zuneigung ...
Nuchts ist sicher, wenn es um Trans geht, aber eines hilft - viel und oft miteinander offen reden. Das sorgt meiner Meinung nach auch für eine ganz andere Qualität der Beziehung ... egal was noch kommen mag.
Lange und vor allem viele Gespräche hatte und habe ich mit meiner Partnerin. Wichtige Bausteine der Beziehung von Menalee und mir ist das gegenseitige Vertrauen, das tägliche Zeigen von Liebe und Zuneigung. Wir arbeiten täglich an unserer Beziehung, weil unsere gute Beziehung kein Selbstläufer ist. Ein ganz wichtiger Bestandteil ist, das wir uns aufeinander verlassen können. Sollten einmal bei uns irgendwelche Unstimmigkeiten auftreten, wird sofort darüber gesprochen. Am Anfang war es für uns beide nicht ganz einfach manchmal über den eigenen Schatten zu springen. Aber mittlerweile klappt es bei uns ganz gut und seit 1993.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 4 im Thema

Beitrag von Badfeel » Fr 9. Mär 2018, 07:18

Heyho Anja,

ich kann dich glaube ich, etwas beruhigen. Nachdem ich mich geoutet hatte sagte mir meine Frau/Freundin ähnliches. Sie toleriert meine Neigung, gewusst
hätte sie es immer schon da ich eine sehr ausgeprägte weibliche Ader habe. Eine lesbische Beziehung will sie jedoch nicht, sie liebt mich als Mann. Auch ist
Sex nicht drin wenn ich Frau bin.

Nun ist es jedoch so das ich durch und durch Mann bin, von der "Spitze" bis zum Kopf, ich es jedoch mag, Kleidungstechnisch Frau zu sein. Und das auch nicht immer
und 24/7.
Stell dir die Frage ob du 100% Frau sein willst oder ob du eben Mann/Frau bist. Bei mir könnte es harmonischer (aktuell) nicht laufen da eben diese Rolle
ganz klar definiert ist.

Gruß
Ich bin ich
Ich bin ich auf meine Weise
Ich bin ich
Manchmal laut und manchmal leise

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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 5 im Thema

Beitrag von cd_marie » Mi 14. Mär 2018, 17:31

Meine Frau weiß auch von meiner fem Seite und möchte nicht das ich so zuhause herumlaufe wenn sie da ist.
Das ist auch von mir toleriert da ich eh selten 1 bis 3 mal im Monat meine fem Seite ausleben kann.

Mina
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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 6 im Thema

Beitrag von Mina » Mi 14. Mär 2018, 17:54

AnjaT hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 08:13
Sie hat mir auch offen gesagt, das eine "lesbische" Beziehung für Sie nicht in Frage kommt.
Ganz einfach gefragt: Hast Du sie denn gefragt ob sie schonmal eine "lesbische" Beziehung gelebt hat? Respektive, das Gefühl erlebt einen Menschen zu lieben, statt dessen Äusserlichkeiten von denen sie denkt das sie sie braucht?

Ich weiß das die Frage provokant ist, genau deswegen stelle ich sie auch. )))(:

Oder verbirgt sich mehr dahinter?

Setzen wir uns doch ins Auto und fahren durch die Innenstadt während wir die Leute betrachten welche da unterwegs sind. Es sind Menschen, zu 99,6% in binärer Kleidung gehüllt. Also Frau trägt was Frau trägt und Mann trägt was Mann trägt. Alle anderen stechen sofort aus der Masse hervor.
Viele von uns gehen am Beginn der Selbstentdeckung nur im dunkeln, vollständig stealth, in einer anderen Stadt oder garnicht aus. Warum? Viele nennen es eine Überwindung es zutun. Besuchen einen Stammtisch um Mut zu fassen. Andere Menschen ist es egal und machen einfach, komme was da wolle.

Und nun versetzen wir uns in die Lage der CIS - Menschen welche nichts anderes kennen als das binäre Bild. Was sich so gehört und wie andere wohl denken und das ganze Spektrum angefangen von ungewöhnlich bis fremdschämen etc pp.

Aber warum im Kontext Liebe?
Ich liebe Dich, so wie Du bist, bist Du mein liebstes. Ich heirate Dich, vertraue Dir mein Leben an, mein Vertrauen, meine Zuversicht und meine Zukunft. Meine Ängste und meine Träume. Ich liebe Dich.
Warum, so wie Du bist, und dann doch nicht? Gibt es einen Grund, eine Erklärung. Oder nur ein plumpes Selbstversprechen einen Menschen gefunden zu haben welcher fleißig ist, sich kümmert und darüber hinaus. Verläßt dieser Mensch eine meiner denkenden Grenzen oder eigenen Ängste, wird er einzäunt. So ist dieser Mensch falsch an meiner Seite?

Falsch, die Umgebung, mein Denken und mein "zu meiner Liebe stehen" fällt nicht in den Tenor, zu lieben. Ich liebe, also liebe ich.

Was braucht es mehr dazu zu schreiben?

Grenzen und Schranken brechen. Einfach lieben und sein.

Ich hoffe es gelingt, ich wünsche es mir.

Mina
Und ich wünsche Euch allen ein erfülltes Leben. Macht´s gut, bleibt Euch treu.

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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 7 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Mi 14. Mär 2018, 18:34

AnjaT hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 08:13
Sie hat mir auch offen gesagt, das eine "lesbische" Beziehung für Sie nicht in Frage kommt.
Hallo Anja,

In etwa dieselben Worte hat meine Frau vor Jahren an mich gerichtet, sie hat die Worte auch immer mal wiederholt.
Ich begann mit meiner Transition.
Während dieser Zeit musste ich noch des öfteren selbige Worte hören.
Schwer für uns beide!
Am Freitag ist meine Gaop acht Wochen vorüber, wir haben jetzt definitiv eine lesbische Beziehung.
Wir lieben uns, wir sind mehr denn je zusammen geschweißt.
Wir reden über Sex.
Wir warten ab bis ich ohne Schmerz soweit bin, dann werden wir vermutlich Sex haben, denn die Gespräche zielen genau darauf, auch von ihrer Seite.
Aus nie lesbische Beziehung entwickelte sich genau eine solche!

LG Tatjana

Mina
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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 8 im Thema

Beitrag von Mina » Mi 14. Mär 2018, 18:43

Tatjana_59 hat geschrieben:
Mi 14. Mär 2018, 18:34
Aus nie lesbische Beziehung entwickelte sich genau eine solche!
Liebe zueinander. Dem Menschen und sein Herz, das innere! )))(: (flo)
Und ich wünsche Euch allen ein erfülltes Leben. Macht´s gut, bleibt Euch treu.

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Re: Langes Gespräch mit meiner Frau

Post 9 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Mi 14. Mär 2018, 19:00

Mina hat geschrieben:
Mi 14. Mär 2018, 18:43
Tatjana_59 hat geschrieben:
Mi 14. Mär 2018, 18:34
Aus nie lesbische Beziehung entwickelte sich genau eine solche!
Liebe zueinander. Dem Menschen und sein Herz, das innere! )))(: (flo)
Liebe ist der beste Brückenbauer )))(:

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Ich beneide Euch beide nicht

Post 10 im Thema

Beitrag von AndroSern » Fr 23. Mär 2018, 22:36

Ich kann Euch beiden nur von Herzen wünschen, dass Ihr den gemeinsamen Weg nicht verliert. Die Chancen dafür stehen allerdings nach Deinen eigenen Worten besser, als Du es vielleicht zu ahnen meinst.
Ich bin leider hier nur dazu in der Lage mich mit billigen kurzen Patent-Rezepten einzulassen. Vielleicht gelingt es Dir und Euch einen Wert für Euch zu finden.
Gestolpert bin ich über die Sorge, dass es schließlich als "lesbische" Beziehung angesehen werden könnte. => Das ist der Fluch der unseligen Schuhkartons, in die wir zu gerne die Menschen sortieren. - Diese Einteilungen der Menschen sollten innerhalb der Wissenschaft eine bessere Differenzierung im Diskurs ermöglichen, aber keine Qualifizierung - Ihr beide sind längst in einer zu großen Tiefe miteinander verbunden, Ihr erkennt Euch an Worten, Handlungen, Düften, Mimik,... und wie benennt Ihr Euch, sagt Ihr zueinander "Du, Hetero!" oder gibt es einen Vornamen, ein Kosewort, einen Spitznamen. ein DU?
Gefreut hat mich, dass Deine Frau sich dem Gespräch stellt, und sogar Dich erkennbar überraschte => Schenkt Euch immer wieder das Gespräch, lacht und weint, entwickelt gemeinsam die kleinen Schritte den anderen gegenüber.
Meine Worte kommen aus der eigenen Erfahrung, die ihren Ursprung zwar schon in einer grusligen Erfahrung mit den Eltern (in den 1950/60erJahren) hat, dann aber 1994 begann mein Körper mit mir zu machen, was er wollte,... Die Ruhe, das stressfreie Gespräch, die kleinen Schritte in der äußerlichen Anpassung nahmen erkennbar alle mit! - Und Ich ahne in Deinen Zeilen, Euer Weg ist ähnlich. Er wird Euch stark machen!
Christel grüßt
Mein Sein ist mein Leben und warum sollte ich an meinem Leben etwas ändern, damit ich das bin, was anderen von mir erwarten - Das Ergebnis könnte nur sein, dass ich eine schlechte Rolle spiele! - ICH BIN ICH!

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