Ich versuche es mal zu beschreiben...
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Lebensplanung, Standorte
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ULI67
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Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 1 im Thema

Beitrag von ULI67 » So 14. Jan 2018, 08:48

Du sitzt da... hast schöne Sachen an.. bisschen Schmuck... die Haare sitzen, du fühlst dich eigentlich toll, wenn da nicht der Termin wäre. Du weisst, du musst dich umziehen, in die Männerklamotten rein, es kreist in deinen Gedanken. Ach wie toll wäre es jetzt einfach so zu bleiben. Ich gehe so dahin. Es befällt dich eine Traurigkeit. Der Termin ist nicht weit entfernt von deinem Wohnort, die Gefahr, dass dich jemand sieht und erkennt ist da.. dir ist es eigentlich mittlerweile egal. Wenn du "erwischt" wirst, dann nimmt alles seinen Lauf... dann bist du eventuell die Lachnummer in der Gegend, aber dann bist du aber auch endlich frei. Du kannst dann überall als Frau auftreten, was du tief in deinem inneren ja auch bist. Du verlierst viel an Achtung von der Außenwelt, gewinnst aber unendlich viel Freiheit und Seelenfrieden. Je länger du da sitzt und in deinen Gedanken schwelgst, desto näher rückt der Zeitpunkt, an dem du dich richten und weg gehen musst.
Du kämpft mit dir.. Ich will eigentlich als Frau weg, aber...
Das könnte noch eine Weile so weiter gehen... wie es aus geht? Immer gleich...
... bis zu dem Moment, an dem es dir egal wird und du deinem Herzen folgst, anstatt dem Verstand oder der Angst, du dich dann nicht mehr Geiseln lässt, sondern die Freiheit wählst. Eigentlich will ich mich nicht mehr vergewaltigen, warum tue ich es dann?

So viel Chaos..., aber das oder so ähnlich sind meine Gedanken... so oft.
Geht es euch genauso oder so ähnlich?
(Ich meine jetzt nicht die, die es geschafft haben sich auszuleben, sondern die, die wie ich 2 Leben haben)

LG Uli und Uli
Ja... ich bin eine Frau 👩

Tatjana_59
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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 2 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » So 14. Jan 2018, 09:06

Hallo Uli,

du sitzt noch zwischen den Stühlen.
Wie die meisten von uns musst du den inneren Angstteufel überwinden was nicht leicht ist.
Ich kann dir nur raten nachzulesen was die einzelnen hier erlebt haben bei ihrem ersten Gang in die Welt.
Die ganzen Sorgen und Ängste aus dem Vorfeld platzten wie Seifenblasen.
Es passierte außer der eigenen Befreiung nichts.
Alle Ängste waren umsonst.
Versuch es.

LG Tatjana

Kelly
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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 3 im Thema

Beitrag von Kelly » So 14. Jan 2018, 09:45

Guten Morgen Uli,
Ich habe gerade Deinen Post gelesen und habe mich darin wiedererkannt.
Ich kann es Dir voll und ganz nachvollziehen.Vor meinem Outing,die Erkenntnis Wer oder Was ich bin und den Schritt ganz als Kelly zu leben ging es mir genauso.Meine Gedanken war sehr ähnlich.Jedes mal wenn ich zuhause, nach einem schönen Abend draußen vor dem Spiegel stand und "Kelly"wieder"entfernen" musste blickte ich sehr lange in den Spiegel und musste oft bitterlich weinen.Ich war oft verzweifelt da ich mir immer mehr die Frage nach dem Warum gestellt habe.Ich hasste mein Spiegelbild immer mehr.
Und warum?Nur um die Fassade für Andere aufrecht zu erhalten,eine Rolle zu erfüllen die Andere erwarten?Eigentlich war das ganau das was ich mein Leben lang getan habe.
Ich weis noch an einen Tag an dem ich mich richtig gut geschminkt habe eine neue Perücke(meine Wunschfrisur) aufgesetzt und vor dem anziehen in den Standspiegel geschaut habe.Ich sah mich zum allerersten Mal wirklich als Frau und das Glücksgefühl das ich fühlte war unbeschreiblich.Es war der Augenblick an dem ich wusste das ich den Schritt tun muss und auch schaffen werde.
Es war bis heute ein langer und ich bin ehrlich auch kein leichter Weg der noch lange nicht zu Ende ist aber...........Das ist mein Leben!!!......Das ich nicht führe um die Erwartungen Anderer zu erfüllen!!!
Darum Uli, finde Dich und lasse Dich nicht von Ängsten und Sorgen zerfressen und bestimmen.Du hast nur das eine Leben.
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag,Liebe Grüße
Kelly

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 4 im Thema

Beitrag von Cybill » So 14. Jan 2018, 09:48

MOMENT!

Es geht nicht darum, das Leben komplett als Mann oder als Frau zu leben. An dieser Stelle bitte ich alle Mädels, die über diese Brücke gegangen sind, um Verständnis genauso wie ich euren missionarischen Eifer und euer Sendungsbewusstsein nicht in Frage stellen möchte.
Aber es ist unangebracht, bei anderen Forums-MitgliederInnen ein weiteres Gefühlsfeld der Unvollkommenheit zu beackern, das viele aufgrund der individuellen Lebenswirklichkeiten nicht bearbeiten können und auch wollen.

Jede/r hat in diesem Forum sein höchst persönliches Erleben der eigenen Geschlechtszugehörigkeit. Ich bitte dies zu respektieren.
- - - - - - - - - - -
Ja Uli, auch ich kenne dieses Gefühl, wenn alles wieder auf "Werkseinstellungen" zurück muss. Aber ich regle es für mich so, dass ich mir sage, dass es für jede Tätigkeit ein bestimmtes Auftreten gibt und dass auch ein Abendkleid zum Motorradbasteln eher unpraktisch ist.

Vielleicht ist alles nur eine Frage der Einstellung?

Schönen Sonntag wünscht

Cybill (poli)
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 5 im Thema

Beitrag von Jenina » So 14. Jan 2018, 10:23

Hallo Uli,

was Du da schreibst kann ich gut nachvollziehen. Wie oft habe ich schon gedacht mal einfach aus dem Haus zu gehen ohne alle Rücksicht, besonders die auf die Befindlichkeiten meiner Frau. Auch einfach mal so auf Arbeit zu erscheinen, vielleicht zum Fasching, spukt im Kopf herum.

Nur dann meldet sich etwas was man vielleicht Vernunft nennen könnte. Es wird mir bewusst dass das der Anfang von einem anderen Leben sein würde. Und das will ich nicht. Das ist keine Feigheit. Ich kann mein Leben nicht explodieren lassen denn es ist so wie es ist vollkommen richtig. Ich habe meine Freiräume wo alle Menschen, die mir lieb und teuer sind, mit mir gehen können. Wenn ich weiter will muss ich zuerst sie mitzunehmen versuchen. Daran arbeite ich ständig. Kann sein dass die dafür verbrauchte Energie zu viel kostet, aber ich bin nicht gut im Wechseln des Energieversorgers.

Und: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" sagt Adorno. Das sei jetzt mal allgemein genommen obwohl er es etwas anders gemeint hat. Oder doch nicht?

Außerdem ist es ganz schön zu träumen und dann zu versuchen wenigstens Teile davon wahr zu machen. Das macht halt Arbeit - siehe oben...
Aber trotzdem bin ich ein zufriedener Mensch, auch wegen der Träume und weil ich sie haben darf.

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 6 im Thema

Beitrag von Kelly » So 14. Jan 2018, 10:42

Guten Morgen Cybill,
Mir liegt es fern hier "zu missionieren " wie Du es schreibst,es schildert nur mein persönliches früheres Empfinden das sich sehr ähnelt.Zudem lebte ich über 40 Jahre ein Leben in dem ich nicht wusste was ich bin und sich alles im Versteck der eigenen vier Wände abspielte ohne einen Schritt nach draußen.
Ich hatte also auch sehr lang zwei Leben bis ich"meinem Herz gefolgt bin" :wink:
Liebe Grüße
Kelly

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 7 im Thema

Beitrag von Dana X07 » So 14. Jan 2018, 11:22

Hallo Uli ,
das ist auch mein Problem . Diese Zerrissenheit zwischen meinem männlichen Teil und meinem weiblichen Teil . Nur mit einem kleinen Outing in der Familie ( Frau, Tochter und Schwiegermutter ) ist das sehr schwer über seinen Schatten zu springen . Man will ja auch seine Familie nicht verletzen , so wie bei mir meine Tochter . Die damit noch nicht so gut klar kommt . Leute die ich nicht kenne sind mir eigendlich egal . Ich glaube es geht um die Leute die einem nahe stehen .Sie möchte man nicht verletzen , wenn man denn doch mal gesehen wir und es zu Gerüchten kommt . Aber meine weibliche Seite drängt auch nach draußen , das ist ganz schwierig den inneren Schweinehund zu über . Ich bin auch noch nicht so weit . Nur mein Körper hat gelernt , das es besser ist , wenn in der Arbeitswelt mein männlicher Teil dominiert . Das macht das etwas einfacher . Ich hoffe du findest ein Weg bzw. Kompromiss für dich ...

Gruß Dana Nicole
Zuletzt geändert von Dana X07 am So 14. Jan 2018, 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
Im Alter wird man meißt schlauer , deswegen " ICH BIN ICH " . Das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen .....

Christiane
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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 8 im Thema

Beitrag von Christiane » So 14. Jan 2018, 11:29

Cybill hat geschrieben:
So 14. Jan 2018, 09:48

- - - - - - - - - - -
Ja Uli, auch ich kenne dieses Gefühl, wenn alles wieder auf "Werkseinstellungen" zurück muss. Aber ich regle es für mich so, dass ich mir sage, dass es für jede Tätigkeit ein bestimmtes Auftreten gibt und dass auch ein Abendkleid zum Motorradbasteln eher unpraktisch ist.

Cybill (poli)
Danke Cybill

Ich glaube, da hast Du bei Einigen von uns die Situation treffend beschrieben.
Wenn ich ganz als Frau leben möchte, müßte ich mich:
- von meiner Frau trennen (geht gar nicht!)
- meinen Arbeitsplatz aufgeben (wäre denkbar)
- den Wohnort wechseln (könnte auch positiv sein :mrgreen: )

Ich habe zu lange und zu schwer gearbeitet, um die bisherigen Ziele zu erreichen.
Und - eine Trennung von meiner Frau käme eh nie in Frage. (he) (he)
Desweiteren habe ich meine knackigen Jahre hinter mir und kann mir daher den restaurativen Aufwand in Permanenz echt nicht leisten. :lol: :lol:
LG
Christiane
Fairness - ist die Kunst - sich in den Haaren zu liegen - OHNE die Frisur zu zerstören. Gekl. bei G.Bronner

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 9 im Thema

Beitrag von Dana X07 » So 14. Jan 2018, 11:48

Hallöchen ,
es gibt ja auch welche , so wie ich , die wollen garnicht permanent als Frau Leben . Ich möchte gerne zwischen den Geschlechtern hin und her springen . Dieses macht die Sache aber auch nicht einfacher , für die Menschen die mich umgeben , weil die beiden Teile in mir doch etwas unterschiedlich sind . Die Angst fährt ja auch immer mit , wie kommen die anderen Menschen mit meiner ,leicht zickigen , weiblichen Seite klar . Der M-Teil ist ruhig und still ,aber der W-Teil unruhig , sehr gefülls betont und redet fiel mehr . Das bremst mich auch noch mehr an die Öffentlichkeit zu gehen . Ich möchte andere Bekannte nicht verschrecken . Da gibt es also viel Faktoren die unseren weiblichen Teil bremsen nach draußen zu gehen bzw. sich zu öffnen .


Gruß Dana Nicole ...
Zuletzt geändert von Dana X07 am So 14. Jan 2018, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
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MichiWell
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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 10 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 14. Jan 2018, 12:07

Hallo Uli,

erst mal muss ich vorab Jenina und Cybill zustimmen.

Ich bin wie du auch in der Sitution, gewissermaßen 2 Leben zu führen.

@all: tl;dr

Natürlich könnte ich diese zu einem zusammenführen und sagen: "Scheiß drauf." Aber es ist ungleich problematischer, was wohl auch für einen Teil derer schwer vorstellbar ist, die den kompletten Wechsel ins andere Geschlecht vollzogen haben. Ich kenne nur Einzelne, die das gemacht haben, und die sind im Rentenalter oder in einer sehr komfortablen Situation (Beamte oder ÖD), wo sie zumindest keine Konsequenzen fürchten müssen, die ihr Leben auf materieller Ebene komplett zerstören würden. Ja, ich kenne Menschen, bei denen das zweite Leben ruchbar wurde, und die dafür im ersten Leben sehr viel Leid zu ertragen haben.

Es klingt irgendwie bescheuert, geradezu schizophren, dass wir ob unserer Individualität so in finanzieller, materieller Abhängigkeit sind, was doch offiziell kommuniziert gar nicht sein sollte. Wir haben uns in Richtung einer Gesellschaft entwickelt, die Wohlverhalten immer stärker belohnt, in dem sie den Zugang zu den Ressourcen davon abhängig macht. Und es geht immer weiter in die Richtung, in der nur Platz für wenige erwünschte, enge Individualitätsschablonen ist. Eine universelle, freie Schablone "Mensch" scheint mir derzeit nicht in Sicht. Eher machen wir ein drittes oder auch noch ein viertes Geschlecht, als beispielsweise die Geschlechtssschablone aufzugeben.

Die Welt kann sich durchaus daran gewöhnen, dass ein Mensch der früher scheinbar als Mann durch die Welt ging, ab heute und für immer als Frau durchs Leben schreitet. Denn dieser Mensch bewegt sich auch weiter im vorgegebenen festen Schema von Erwartungen, zementiert er/sie doch die Stablität des großen Ganzen geradezu, in dem der Wechsel so rasch und vollständig wie möglich vollzogen wird. Und dazu gehört ebenfalls, die Vergangenheit so gut wie möglich anzupassen.

Disclaimer: Natürlich respektiere ich dieses Bedürfnis jeder Einzelnen, ein solches Leben zu wählen.

Jedoch - einen Menschen zu ertragen, von dem die Gesellschaft nicht sicher sein kann, ob er heute als Frau oder Mann auftritt, und morgen schon wieder anders, das wirkt unter den gegebenen Umständen bedrohlich, das schaffen nur sehr wenige Mitmenschen. Wir können da unseren nächsten Angehörigen, insbesondere unserer Partnerin nicht genug danken, dass sie bereit sind und die Kraft haben, dies auszuhalten. (ki)

Die Prämisse "nur nicht auffallen" wird mehrheitlich von beiden Teilgruppen gelebt. Gleich ob wir ganz zur weiblichen Rolle wechseln oder nur temoprär, das "Passing" steht doch zumeist sehr weit oben, und es bedarf schon bei uns selbst oft jahrelanger Gewöhnung, weniger als das persönliche Maximum zu akzeptieren, und den Mitmenschen zu präsentieren, sind wir doch - ob wir wollen oder nicht - von der positiven Bestätigung durch unsere Mitmenschen abhängig, die uns Belohnung verspricht.

So sehr auch immer wieder die Individualität den Individuums beschworen wird, so wenig scheint sie doch gewollt. Es werden nur sehr sehr wenige Einzelne als Ikonen des Individualismus gefeiert, denn Anerkennung ist ein wertvolles Gut in unserer Zeit, was durch inflationären Gebrauch schnell an Wert verlieren würde, während gleichzeitig alle Welt auf Facebook, Twitter und Co. um Aufmerksamkeit buhlt. Als Individuum sehen die meisten Menschen in erster Linie sich selbst (was durchaus "menschlich" ist). Daher sind viele - bewusst oder unbewusst - bestrebt, ihren Mitmenschen die Anerkennung zu versagen, um sich selbst ein wenig wertvoller zu fühlen. Likes gibt es nur dann, wenn man auch genug zurück bekommt.


Ich weiß, ich bin jetzt "ein wenig" übers Ziel hinaus geschossen, und darf deswegen auch nur von wenigen hier Anerkennung erwarten. Aber genau das zeigt dann schon wieder das Problem hinter dem Problem auf, und vielleicht denkt ja doch die Eine oder Andere mal etwas intensiver darüber nach. :wink:


Liebe Grüße an alle die durchgehalten haben
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 11 im Thema

Beitrag von Tinchen » So 14. Jan 2018, 12:34

Hallo Uli,
ich wäre definitiv lieber eine Frau, jedoch habe ich vor 25 Jahren für mich festgestellt, dass ich einfache gerne beides bin. Ich habe mich auch gegen ein Outing und eine Trennung von meinem weiblichen und männlichem Leben entschieden. Damit bin ich mit mir im Reinen.

Ich hatte aber die Chance zu testen :-) Ich bin nach Berlin gezogen, weil ich mich verliebt hatte, das ging leider in die Brüche und ich fand mich in Kreuzberg in einer winzigen Wohnung wieder. Zum ersten Mal seit langem alleine wohnen war schon komisch. Ich hatte kein Geld, aber um die Ecke gab es einen Second-Hand Laden, wo ich mich preiswert eindecken konnte. Mich kannte keiner, Kreuzberg war damals noch sehr schrill, sprich in bin raus wie es mir gefiel. Es war eine tolle Zeit, ich bin mit dem Fahrrad und Röckchen durch die Gegend gebraust....Man lernt dann auch Leute kennen, und die hatten eigentlich kein Problem mit meinen Fummeln. Eigentlich....es war für die Leute nicht immer nachvollziehbar, dass ich mal so mal so auftauchte, zumal ich als Tinchen mich auch anders verhalte...zurückhaltender, ängstlicher.

Dann überschlugen sich bei mir die Ereignisse, auf super tolles folgte super schlimmes....das Transen war dann auch einfach weg......Dadurch landete ich in Prenzlauer Berg und hatte nun einen Freundeskreis, der mich nur als Mann kannte und ein paar Leute in Kreuzberg die mich als Martina kannten. Ich sagte mir: Belass es doch einfach dabei, zum Transen bin ich nach Kreuzberg. Passte gut, bis ich mich wieder verliebt habe....na ja, ich habe alles entsorgt, Abstinenz geschworen und wir hatten tolle Jahre. Wenn es mich zu sehr "gejuckt" hat, dann habe ich Kleider für meine Freundin gekauft und es genossen, wenn sie es für mich anzog....legendär war meine Strumpfhosenberatung im Kaufhof, sie hat nur noch den Kopf geschüttelt was ich alles wusste :-) Mist mir fallen immer sofort Geschichten ein, zweimal wurde ich doch rückfällig.....

Ich verdiente Geld mit Musik, und war in bis zu vier Bands gleichzeitig.......Da fragte mich eine Sängerin, ob ich mit ihr nicht zum internationalen Frauentag in ihrer Heimat Ingolstadt im Opernhaus auftreten möchte. Bedingung der Veranstalter: Es dürfen nur Frauen, oder Menschen die wie Frauen aussehen auf die Bühne. Mir standen die langen Haare kilometerweit zu Berge, die Gänsehaut spüre ich gerade auch wieder. Ich quetschte mir also ein möglichst beiläufiges: "Ja ok, mach ich auch.." heraus und war wenig später in meinem Second-Hand Laden.....Opernhaus = Abendkleid *hüpf, sing, spring* Ich erstand ein blaues glitzerndes Abendkleid, knielang, mit eingebautem Petticoat. Pumps in 42 waren damals schwer zu bekommen, aber ich fand silberne Riemchensandalen in 41......Schminke und Strumpfhose habe ich mit der Sängerin vor Ort gekauft, um auch sie zu überraschen, wie ich am Strumpfstand das passende ausgesucht habe :-).....Sie war dann recht abgenervt, weil ich ewig gebraucht habe um mich zurecht zu machen. Beim Schminken hat sie mir geholfen und dann stand ich auf der Bühne....nein ich schwebte, ich war eine Prinzessin .... Wir sangen zweistimmige Balladen bzw. Duette und es war auch musikalisch ein voller Erfolg. Anschließend konnte ich noch lange mich im feinen Fummel neben all den anderen schicken Damen geniessen. TOLL!!!! Die Mutter der Sängerin sagte später lachend zu mir: "Ihr verdammten Kerle, selbst am Frauentag kommt ihr an und stehlt uns die Show".

Na ja, es gab dann noch einmal einen Auftritt, wo ich im Fummel Heavy Metal machen konnte.....ich wollte mich doch kurz fassen :-)

Soviel zu den Zwei Rückfällen in 7 Jahren. Die Beziehung ging ganz doof in die Brüche und ich habe das Vertrauen verloren, daher bin ich seit dem alleine. Ist aber völlig ok für mich. Das Prinzip der zwei Welten habe ich wieder aufgegriffen. Sprich ich bin im Fummel aus dem Haus gegangen und nach Kreuzberg gefahren, oder als Mann in den anderen Gegenden. Da habe ich dann auch oft etwas ähnliches wie Uli gefühlt, aber Cybill hat es schön auf den Punkt gebracht. Es gibt für fast Alles eine passende Kleidung, ich gehe ja auch nicht im Blaumann ins Büro :-) Es ist oft schwer, die schönen Sachen links liegen zu lassen, aber ich freue mich dann umso mehr, wenn ich sie wieder anziehe. Manchmal will das Tinchen auch gar nicht raus....dann hat der Kerl in mir mehr Zeit :-)

Ich bin nun erneut umgezogen und da bin ich nun zur Autotranse mutiert, das fertig gestylt aus dem Haus gehen vermisse ich zwar sehr, aber ich denke es ist so besser für mich und mein Umfeld. Es ist mir auch nicht wichtig, ob man mich nun für feige hält, weil ich mich nicht oute und so ein heimliches Doppelleben führe. Ich bin mit mir und dem Mädchen in mir im Reinen, das zählt für mich. Ich habe ja ein wenig ausprobieren können und so weiß ich, dass es mir anders nicht unbedingt besser gehen würde.

Wenn ich mich also auf "Werkseinstellung" zurücksetzen muss, dann überwiegt die Freude, dass die Sachen die ich ausziehe, bald wieder Verwendung finden.

LG Tina
P.S.: Oft beneide ich die Mädels die Dinge mit einem knackigen Satz auf den Punkt bringen können, während ich halbe Romane verfasse. )))(:
Wo kommen wir denn da hin, wenn Niemand ginge um zu sehen wohin man käme wenn man ginge.

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 12 im Thema

Beitrag von ascona » So 14. Jan 2018, 13:45

Hallo Uli,
mit einem schmunzeln mußte ich da grad an einen Termin denken, wo es mir genau umgekehrt wie dir ging:
ULI67 hat geschrieben:
So 14. Jan 2018, 08:48
Du sitzt da... hast schöne Sachen an.. bisschen Schmuck... die Haare sitzen, du fühlst dich eigentlich toll, wenn da nicht der Termin wäre. Du weisst, du musst dich umziehen, in die Männerklamotten rein, es kreist in deinen Gedanken.
eigentlich war mir gar nicht danach, aber da war ein Termin, wo ich in die Frauenklamotten rein musste. War zugesagt, also musste sein. Ich fühlte mich nicht wohl in der Rolle. Wohl fühlte ich mich erst, als ich sofort danach im Auto erstmal Rock und Schminke los wurde.
Selber schuld, Aber auch nicht schlimm.

Ist bei dir natürlich etwas anderes. Das entscheidende finde ich doch, du hast ja selber gesagt du hast 2 Leben.
Dann steh doch zu beiden positiv und denke nicht, du mußt das eine (Mann) ganz aufgeben , um das zweite ständig zu haben.
Cybill, Tinchen und Jenina haben das auf verschiedene Weise gut beschrieben
Christiane hat geschrieben:
So 14. Jan 2018, 11:29
Wenn ich ganz als Frau leben möchte, müßte ich mich:
- den Wohnort wechseln (könnte auch positiv sein :mrgreen: )
Oha ! In Luzern ist es doch suber und glatt, ein großer See, herrliche Berge (so) . Wer will da schon weg ?

LG ascona (moin)

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 13 im Thema

Beitrag von Tinchen » So 14. Jan 2018, 14:02

Irgendwie haben Michi und ich gleichzeitig geschrieben, sodass ich den Post erst jetzt sehe :-)
MichiWell hat geschrieben:
So 14. Jan 2018, 12:07
Eine universelle, freie Schablone "Mensch" scheint mir derzeit nicht in Sicht. Eher machen wir ein drittes oder auch noch ein viertes Geschlecht, als beispielsweise die Geschlechtssschablone aufzugeben.
Spontan ging mir fast das Gleiche durch den Kopf, als ich von der Einführung des dritten Geschlechts erfahren habe. Doch im aktuellen Spiegel steht (sinngemäß) auch: Nachdem man nun mit aller Gewalt für sämtliche Begriffe/Berufsbezeichnungen eine weibliche und eine männliche Form gesucht hat, wird das nun durch das dritte Geschlecht ad Absurdum geführt, oder es müssen noch mehr neue Begriffe her. Es bleibt also spannend :-)

MichiWell hat geschrieben:
So 14. Jan 2018, 12:07
Jedoch - einen Menschen zu ertragen, von dem die Gesellschaft nicht sicher sein kann, ob er heute als Frau oder Mann auftritt, und morgen schon wieder anders, das wirkt unter den gegebenen Umständen bedrohlich, das schaffen nur sehr wenige Mitmenschen.
Das durfte ich ja ausprobieren und ich denke ich war anstrengend. Es war dann aber auch für mich selber irgendwie schwierig........
Wo kommen wir denn da hin, wenn Niemand ginge um zu sehen wohin man käme wenn man ginge.

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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 14 im Thema

Beitrag von Dana X07 » So 14. Jan 2018, 14:45

Da sehe ich auch das Problem , so wie Michi und Tichen das beschreiben . Auf wenn solche sich dein Umfeld ein stellen . Es sind immer beide Teile da . Mal dominiert der eine und Mal dominiert der Andere und dann sind die beiden Persönlichkeit auch noch verschieden . Obwohl ich für mich nicht sagen würde , das ich 2 Persönlichkeiten habe . Sondern ist das ein erweiterter Teil von mir . Der gehört genau so zu mir . Nur habe ich den nie öffentlich gezeigt . Aber seit ich sie nicht mehr einsperre , sondern Versuche damit zu leben , ist mein weiblicher Teil auch nicht mehr so gut für mich zu kontrollieren . Meine Frau ist manchmal auch etwas verwundert , wie ich mich plötzlich verhalte . Wie geht das dann erst Leuten die mich nur als Mann kennen . Das macht das raus aus den eigenen Wänden doch etwas problematisch . Man will sein Umfeld ja auch nicht Schocken und abschreckend wirken . Ich arbeite da auch noch dran und Taste mich vorsichtig nach vorne . Obwohl mein weiblicher Teil Recht ungeduldig ist .
LG Nicole...
Im Alter wird man meißt schlauer , deswegen " ICH BIN ICH " . Das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen .....

Olivia
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Re: Ich versuche es mal zu beschreiben...

Post 15 im Thema

Beitrag von Olivia » So 14. Jan 2018, 15:00

Hallo Uli,

ja, ich kenne die Situation, die Du da beschrieben hast sehr gut. Ich bezeichne mich ja selbst als "Stubentranse", also als heimlicher Crossdresser. Ja, ich würde manchmal gerne in Frauenkleidern los gehen - aber ich gebe zu: Ich habe mich das nie wirklich getraut. Ja, man/frau mag das verurteilen, kritisieren oder was auch immer - und dennoch: ich habe Angst und schaffe das nicht. Ich leide zwar darunter, aber die Angst und das Schämen ist einfach größer... Ja, auch ich bin zerrissen und versuche, damit zu leben und zurecht zu kommen, es ist nicht einfach...

Liebe und verständnisvolle Grüße von Olivia

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