Ritzen
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Lebensplanung, Standorte
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ExuserIn-2018-09-04
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Ritzen

Post 1 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Sa 16. Dez 2017, 19:36

Hallo,

Da ich gestern wieder einen Ausrutscher hatte wollte ich mich mit einigen hier austauschen. Wer von euch ritzt? Wie oft? Was fühlt ihr dabei?

Ich habe mir einige traurige Musikvideos (später dann in richtung horrorcore) angeschaut bis das Wort "Narben" kam... Dann dachte ich an die Narben auf meinem Arm und wie schön sie sind also beschloss ich noch mehr rein zu ritzen. Sie spiegeln das innere meiner Seele wieder, sie erzählen eine Geschichte über mich, sie sind ein teil von mir... Es ist schwer zu erklären aber ich finde sie sehr schön :)

Ich liebe ihren Anblick, es bringt mich fast zum heulen... Geritzt habe ich mich nur 3 mal im Leben und das immer nur wenn ich emotional sehr stark verletzt wurde, meist so stark dass ich die negativen Gefühle kaum aushalte und dann greife ich zu spitzen Gegnständen.

Ich habe direkt einen Freund übers Internet angeschrieben und er hat auch versucht mich davon abzuhalten aber ich konnte nicht anders, ich wollte/musste es tun.

Als ich nach dem schlafen aufgewacht bin habe ich mich gefragt was mit mir los ist und wieso ich sowas mache? Ich habe es bereut und mir gewünscht ich würde sowas nicht tun, ich verstehe es nicht. Ich habe die Sorge dass es öfter passiert, gesund isses ja nicht...

Zur Therapie gehe ich schon seit Jahren, sie weiß davon und seit neuen gehe ich zur Psychiaterin also habe ich da jemand der das ganze etwas Überblickt.

Was meint ihr? Und jetzt bitte nicht sowas wie "Boah sowas ist doch nicht schön!! Du bist voll krank krieg dein Leben auf die Reihe!!"

... Versuche ich ja schon ;)

Elizabeth
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Re: Ritzen

Post 2 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Sa 16. Dez 2017, 20:06

a) bleib von den Arterien weg!
b) meine Piercings (Brustwarze) hab ich mir stechen lassen, nachdem ich nach über 22 Jahren im Job rausgemobt wurde -
manchmal brauchts auch ein Ritual!
LG Elly

Paige
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Re: Ritzen

Post 3 im Thema

Beitrag von Paige » Sa 16. Dez 2017, 20:09

Hi,
sorry das ich jetzt direkt Frage, aber du schreibst das du schon länger zur Therapie gehts, hast du eine Diagnose bekommen?
... habe ich mich gefragt was mit mir los ist und wieso ich sowas mache?
Wer von euch ritzt? Wie oft? Was fühlt ihr dabei?
Ich gehe mal davon aus, das es insgesamt auch um "Emotionen" bzw das nicht vorhanden sein oder um das sich erschlagen fühlen, der selbigen geht.


LG

Christine DarkJoker
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Re: Ritzen

Post 4 im Thema

Beitrag von Christine DarkJoker » Sa 16. Dez 2017, 20:10

Hey Delfi,

Ich persönlich ritze zwar nicht, meine Frau allerdings schon seit ich sie kennengelernt habe. Anfangs sogar sehr sehr häufig, mittlerweile kaum noch, dann aber ist ihr „Rückfall“ um so heftiger.

Sie selbst sagt, dass sie mittlerweile nur noch zur Klinge greift, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr sieht, ihre Anspannung abzubauen. Bis es soweit war, hat sie allerdings auch jahrelange Therapie mit diversen Verlängerungen und Klinikaufenthalt hinter sich gebracht. Und selbst jetzt gibt es immer noch Situationen, in der sie es nicht verhindern kann.

Ohne dir zu nahe treten zu wollen: aber bist du dir sicher, dass du die Narben wirklich schön findest? Meine Frau zum Beispiel weigert sich mittlerweile, ärmellos zu tragen, weil ihr Oberarm mit Narben voll ist. Und auch wenn ich mir beinah sicher bin, dass sie die in ihrer „Anfangszeit“ gar nicht so schlimm fand, kommt irgendwann zwangsläufig das böse Erwachen.

Letzten Endes war es auch bei ihr nur der Ausdruck von angestauter Anspannung, den sie nicht anders verarbeiten könnte.
Vielleicht könntest du das nächste mal andere Möglichkeiten versuchen, die nicht so langanhaltende Folgen mit sich ziehen, bis du soweit bist, dass es gar nicht mehr soweit kommen muss?
Einfallen würden mir da auf Schlag so sachen wie auf Chili-Schoten beißen, eine eiskalte Dusche nehmen, alles was zwar irgendwo wehtut, aber keine wirklichen Schäden hervorruft.

Liebe Grüße Christine
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Tina-K.
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Re: Ritzen

Post 5 im Thema

Beitrag von Tina-K. » Sa 16. Dez 2017, 20:12

.
Ich verstehe es andeutungsweise... nicht selbst, aber ich weiss von vielen.
Viele junge Frauen, die mal missbraucht wurden... oder auch sonst unter emotionalem Druck standen/stehen.
Es ist eine Art Sucht... es baut Spannung ab... es kann ein Rausch entstehen.

Aber Frau kann davon weg kommen... nicht einfach.
Suche Dir ein Forum, wo solche Leute drin sind, versuche Dich auszutauschen.

Und es gibt Skills... Hifsmittel, die das unterdrücken können, Dir über eine schlimme Zeit hinweg helfen können.

Du bist damit nicht allein. )))(:

Maria T
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Re: Ritzen

Post 6 im Thema

Beitrag von Maria T » Sa 16. Dez 2017, 20:28

Hey,
Klingt nach borderline.
Hab ne gute Freundin die genauso ist.
Hoffe deine Psychologin hat dir paar Skills gegeben.
Es gibt viele gruppen bei Facebook die sich damit beschäftigen und teilweise auch gut helfen können.
Ich hab Depression mit borderline Anteilen, mal mehr mal weniger. Mittlerweile kann ich damit umgehen.
LG Maria
Einfach ist am schwersten.

ExuserIn-2018-09-04
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Re: Ritzen

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Sa 16. Dez 2017, 20:30

Paige hat geschrieben:
Sa 16. Dez 2017, 20:09
Hi,
sorry das ich jetzt direkt Frage, aber du schreibst das du schon länger zur Therapie gehts, hast du eine Diagnose bekommen?
Bis auf Das Trans Ding und eine Depression nichts bis jetzt...

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Re: Ritzen

Post 8 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Sa 16. Dez 2017, 20:34

Christine DarkJoker hat geschrieben:
Sa 16. Dez 2017, 20:10
Ohne dir zu nahe treten zu wollen: aber bist du dir sicher, dass du die Narben wirklich schön findest? Meine Frau zum Beispiel weigert sich mittlerweile, ärmellos zu tragen, weil ihr Oberarm mit Narben voll ist. Und auch wenn ich mir beinah sicher bin, dass sie die in ihrer „Anfangszeit“ gar nicht so schlimm fand, kommt irgendwann zwangsläufig das böse Erwachen.
Sie haben eine besondere bedeutung für mich, wenn ich sie anschaue sehe ich als den Leid und Kummer den ich spüre und in der Vergangenheit gespürt habe, es erinnert mich daran wer ich bin. Sie sind ein Zeichen... Ich finde sie schön, ja manchmal aber auch nicht, dann schäme ich mich und heule weil ich mich "verunstaltet" habe.. Eigentlich will man sowas nicht tun aber man tut es trotzdem. Meine Gefühle dazu sind gerade gemischt und ich weiß nicht was ich davon halten soll, deshalb auch der ganze Thread hier :(

Christine DarkJoker
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Re: Ritzen

Post 9 im Thema

Beitrag von Christine DarkJoker » Sa 16. Dez 2017, 20:51

Delfinium hat geschrieben:
Sa 16. Dez 2017, 20:34
dann schäme ich mich und heule weil ich mich "verunstaltet" habe..
Dann bist du in der Realität angekommen, nach ein paar Jahren wirst es noch mehr Bereuen als jetzt. Du hast immer eine Art Tripp die zu einer Sucht werden kann und jedes mal nach so ein Tripp bekommst du eine Klatsche von der Realität. Du solltest wie es hier schon gesagt wurde andere Möglichkeiten suchen die dir deine Anspannung nehmen. Dafür musst du lernen rechtzeitig zu merken wann diese Anspannungen kommen um dann auch gleich zu handeln.
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Re: Ritzen

Post 10 im Thema

Beitrag von Paige » Sa 16. Dez 2017, 21:14

Das Problem ist, dass man auf Grund eines Kriteriums keine Tendenz oder gar eine Diagnose abgeben kann.
Meine Gefühle dazu sind gerade gemischt und ich weiß nicht was ich davon halten soll, deshalb auch der ganze Thread hier
Was ich aber zu genüge kenne ist, auch wenn man in einem Moment das Gefühl hat das richtige zu tun, kann es sich 30 sek. später genauso falsch anfühlen.
Das Pendel zwischen Ratio und Emotion ist meistens nicht da wo es sein soll, in der Mitte. :-(

Auch das Ritzen dient dir wahrscheinlich eher dem Emotions abbau, bzw der "Realitätsüberprüfung".
Mir selbst dient es der Entspannung, fühlen tu ich in dem Moment, wo ich Ritze, meistens nichts, oder aber, Emotional ist es mir zu viel, darum mache ich es.

Was du erkennst ist ja, dass man selbtschädigendes Verhalten lieber lassen sollte. Was auf der einen Seite richtig, auf der anderen Seite aber nicht immer einfach zu unterlassen ist. :?

Ach ja,wie Christine schon geschrieben hat, um im ersten Moment der Schleife zu entfliehen, gibt es in Apotheken auch Fläschchen mit Amoniak, die sind Umwickelt und kann man zerbrechen. Tief einatmen..... , hat einen "belebenden" Effekt.

Ansonsten würde ich mal gucken ob es bei dir in der Nähe evtl. Einrichtungen gibt, die sich mit "Borderline" auskennen.
Solange du noch keine Diagnose in dieser Richtung hast, würde ich aber lieber auf Text-Ratgeber und auf "Borderline"-Foren verzichten, damit du evtl. freier an das Thema bei einem "Profi" herangehen kannst.
Mir hat es sehr geholfen, dass ich vor einer Diagnose absolut keine Ahnung hatte.

LG

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Re: Ritzen

Post 11 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Mo 18. Dez 2017, 02:14

Ohje nicht schonwieder... wie das letzte mal verspüre ich es 2 Tage nach dem ritzen Online Casinos zu spielen... hab direkt wieder Geld verballert :(

Langsam wird das ja schon ein Muster :? ... Traurig > Ritzen > Geld verzocken > Noch trauriger... Meine Therapeutin ist bis Mitte Januar im Urlaub also von daher... Ich will eigentlich kein Geld mehr verzocken aber irgendwas bringt mich doch wieder dazu etwas einzuzahlen :/

ExuserIn-2018-09-04
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Re: Ritzen

Post 12 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Mo 18. Dez 2017, 07:08

Paige hat geschrieben:
Sa 16. Dez 2017, 21:14
Mir hat es sehr geholfen, dass ich vor einer Diagnose absolut keine Ahnung hatte.
Bei mir ist es andersrum... Meine Eltern verstehen es nicht um haben eine "Ach stell dich nicht so an" Einstellung... Es ist schwer mich vor ihnen oder anderen zu erklären die nicht wissen was mit mir los ist (Ohne meine ganze Lebensgeschichte und Gefühlsleben zu erklären)... Wenn ich es doch nur benennen könnte wüsste ich wo ich gerade stehe und wenn anderen sehen dass es wirklich ernst ist z.B. meine Eltern dann wäre das ganze erstmal einfacher bzw. eine Beruhigung. Aufgrund meines geistigen Zustanden kann ich unter anderem auch nicht arbeiten gehen und kriege öfters deshalb was schlechtes zu hören.

Ich fühle mich als wäre mein innerer "Zustand" nicht ernst zu nehmen bis ich nen Namen einer Krankheit dafür habe und andere dann sehen "Ohhh das Mädel hat ne psychische Krankheit! Das ist also wirklich ernst!"

Meine Mutter meint auch immer "Du hast Probleme, jeder hat Probleme und trotzdem kriegen sie ihr Leben auf die Reihe und gehen arbeiten".

Das letzte mal als ich arbeiten ging bzw. Zur schulischen ausbildung ging es mir am schlechtesten und bin froh dass ich da raus bin... Wieso sollte ich also zurück zu etwas gehen was mir im Moment nur schadet?

Wieso nicht erstmal stabil werden um dann Projekte in Angriff zu nehmen die meine Energie und Konzentration erfordern?

Vielen geht es garnicht um die Gesundheit eines Menschen... Nein... Einfach nur arbeiten, etwas leisten und wenn du dazu nicht fähig bist, bist du Abschaum...

Ich war früher gut in der Schule, wollte mein Abi machen und danach villeicht studieren aber so wie es jetzt läuft habe ich mir nicht ausgesucht. Mein Vater war nie da, immer arbeiten und hat ne Menge Kohle verdient bis er krank geworden ist, 10 mal den Notarzt rufen mussten, er sogar nen Herzinfarkt hatte und mehrmals den Tode nahe war NUR um jetzt zu sehen wie er seine Familie kaum noch ernähren kann weil er durch die Krankheit sein Job verloren hat und jetzt von Hart 4 lebt, nichtmal die Wohnung können wir noch halten. Und das nach Jahrzehnten langer Arbeit mit Top Verdienst von 4-6 Tausend Euro im Monat!!

Die Gesundheit interessiert niemanden in der Gesellschaft, wenn du gut was leisten kannst bist du nützlich und wenn nicht? Dann gehörst du zu den Losern und Versagern...

All die Jahre habe ich genauso gedacht... "Komm leiste was, es wird von dir erwartet! Tu es dann gehts dir besser und du erfüllst die Erwartungen an dich"

Bis ich vor 2 Jahren wo Alpträume, Depression, Suizidgedanken am größten waren und ich einen Schlussstrich zog weil ich so nicht weiterleben kann.

Ich beendete die Ausbildung, auf alle Fragen wie es jetzt weiter geht war meine Antwort dass ich mich erholen muss sonst geht es nicht weiter.

Es war ein schwerer Schritt mich gegen alle zu stellen und das zu tun was mir gut tut. Ungefähr ein Jahr später suchte ich mir eine neue Therapeutin(mit trans erfahrung). Begann Hormone zu nehmen und komplett als Frau zu leben und habe seit neuen eine Psychiaterin die mich auch auf meinem Weg begleitet bzw. Mir villeicht helfen kann.

Der MDK oder wie es heißt hat mich für 2 Jahre arbeitsunfähig erklärt, das heißt erstmal tief durchatmen und Zeit für mich nehmen...

Mit der Transition und der Professionellen Hilfe an meiner Seite habe ich schonmal den Grundbaustein gelegt damit Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht kommemln... Oder ich dem Gleichgewicht zumindest so nahe komme dass ich damit ohne größere Probleme ein normales Leben führen kann, denn soweit ich weiß kann man manche psychischen Störungen nicht "heilen", sondern lernen damit umzugehen und den Schaden zu minimieren.

Britt
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Re: Ritzen

Post 13 im Thema

Beitrag von Britt » Mo 18. Dez 2017, 09:58

Hi,
irgendwie kommt mir hier einiges bekannt vor. Ich habe mit 11 oder 12 Jahren angefangen zu schneiden (das war ende der 70er). Anfangs nur im Genitalbereich. Dann hatte ich einen Bericht über Ritzen im Fernsehen gesehen, und sofort daran gefallen gefunden. Irgendwann hatte ich mich auch mal die Zunge durchgeschnitten. Wenn man dann genießt hat, hat es im Mund weh getan, und das jucken und die Schmerzen an den anderen Körperstellen (aufgerissene Haut wegen der Schuppenflechte) war weg. Das war ein Schönes Gefühl. Warum ich das gemacht habe, keine Ahnung. Irgendwie habe ich mich dann besser gefühlt. Dann hatte ich mal ein Mädchen mit Brandwunden gesehen. Die Narben sind größer geworden als ich wollte….
Aufgehört, besser gesagt immer seltener geritzt, hatte ich dann, als ich mich aufgegebenen hatte. Da war ich Anfang 20. Dann kamen Alkohol und andere Drogen ins Spiel. Nichts gerade zum nachahmen.
Nach meinem abgebrochen Studium hatte ich mich dann irgendwie wieder gefangen. Ich habe angefangen zu arbeiten. Außer Alkohol/Nikotin keine Drogen mehr. Das ist nun 25 Jahre her.
So oft war es auch nicht gewesen dass ich mir selbst weh getan habe. Ich denke so um die 30 Mal, vielleicht öfter.
Es ist nun schon fast 10 Jahre her, dass ich mich das letzte mal selbst verletzt habe. Alkohol trinke ich inzwischen nur noch in Gesellschaft.
In meinem TS Lebenslauf steht nichts davon drin, da die Krankenkasse Selbstverletzung gegen einen verwenden kann. Man hat dann einen instabilen Zustand.

Liebe Grüße,
Britt

Paige
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Re: Ritzen

Post 14 im Thema

Beitrag von Paige » Mo 18. Dez 2017, 12:57

Ein Problem ist sicherlich, die abwertende Beurteilung Psychischer-Probleme durch außenstehende.
Wer noch nie im seinem Leben Magenschmerzen hatte, weiß einfach nicht wie es sich anfühlt.

Auch wenn du eine Diagnose bekommen würdest, kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, die Leute würden es leider nicht verstehen.
Man sieht es dir nicht an. Du hast kein gebrochenes Bein, keinen Verband, keine sichtlichen Verletzungen die zB in der Chirurgie "einafch" behandelt werden könnten/wurden.
Ich habe versucht meine Eltern an das Thema herran zuführen, kein Verständinss, kein Interesse.
Genau, wie bei dir, auch aus dem Freundeskreis, ".. was ist das Problem, man muss einfach nur den Ar*** hochbekommen, das ist nur mangelnde Disziplin, Morgen, Morgen nur nicht heute sagen alle Faulen Leute...."
Ich kenn die Sprüch zu genüge.

Der Kopf ist in der Lage alles zu erledigen, Bäume auszureißen, doch der Körper bewegt sich keinen Zentimeter.... Der Kopf kann sagen: Bewege dich. Der "Körper" sagt: leck mich. Um es mal auf den Punkt zu brinegn :-(
Hinzu kommt dann auch noch die mangelnde Stressresistenz, was sich im Endefekt auf fast alle Bereiche des Lebens auswirkt. Schule, Alltag, zwischenmenschliche Konflikte, etc.

Genau, das was du schreibst: heruasfinden, was dir gut tut, und das auch tun. Viele wollen dir sagen was gut für dich ist, mag sein das es für die meisten gilt. Aber du bist nicht die meißten.. ;-)

Leider ist das Geld ausgeben nur eine Befriedigung für einen kurzen Augenblick, ich kenne es auch.

Wir sind leider eine Leistungsgesellschaft und du wirst an deinen Leistungen gemessen. "Liberté, Égalité, Fraternité" so schön diese Worte auch sind, so sehr werden sie vom Egomanen-Tum mit Füßen getreten und das Egeomanen-Tum ist leider mittlerweile ein Hauptbestandteil unsere Gesellschaft.

Ich finde es gut, dass du trotz aller widrigkeiten nicht die Flinte ins Korn geschmissen hast, dich dazu wentschlossen hast, deinen für DICH richtigen weg zu gehen.
Auch die Verkettung von Dingen die dir im ersten Moment ein gutes Gefühl geben, danach dein schlechtes Gewissen auf den Plan rufen, nicht unterkriegen lässt.
Selbst wenn es noch etwas dauert, die Kausalzusammenhänge zu erkennen und zu deuten, die Zwischen deinen Emotionen, deinem Verstand und deinem Gewissen ablaufen und sich beeinflussen, glaube ich bist du stark genug die Dinge zu meistern.

Mit der Transition, tust du den ersten Schritt für dich, dies zeigt doch was noch an Kraft und Zuversicht in dir Steckt....

Joe95
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Re: Ritzen

Post 15 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 18. Dez 2017, 16:06

Hallo Delfinium...
Wenn ich das alles von dir lese fallen mir zwei Dinge auf:
Du möchtest nicht "machen müssen" nur um des machens willen.
Du weist wie es ist, wenn es einem richtig schlecht geht.

Vielleicht fehlt dir eine Aufgabe?
Etwas, was du erreichen möchtest.
Jemand, um den du dich kümmern kannst.

Ich überlege ob es etwas gibt, wo du jemandem helfen kannst, ohne das du gezwungen bist dann und dann dort dieses oder jenes zu tun.
Es gibt so sehr viele Wesen auf dieser Welt, die deine Hilfe brauchen und vielleicht hilft es dir zu sehen was du selber bewirken kannst.

Meine Gedanken halt...
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

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