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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Mi 20. Dez 2017, 20:51
von Marlin
Hallo liebe Gemeinde

Es gibt Neuigkeiten. Und zwar richtig Gute!

Heute hatte ich meinen Termin bei der Frauenärztin. Oh, war ich nervös. Mir schossen so viele Gedanken durch den Kopf. Wie soll ich nur der Ärztin erklären, was ich will? Sie wird mich für einen totalen Freak halten. Wahrscheinlich verweist sie mich an einen Psychologen….

Als ich dann endlich an der Reihe war, wurde ich von der Ärztin freundlich begrüßt und ich habe dann einfach drauf los geredet. Und was soll ich sagen…die Frau ist super! Sie hat zugehört. Sie hat mich ernst genommen. Sie hat auch verstanden, dass ich keine Transfrau bin. Sie versteht tatsächlich, was es bedeutet nicht-binär zu sein. Unglaublich, dass es wirklich sowas gibt. Und das Beste ist: Sie will mich auf meinen Weg begleiten! Ist das nicht klasse? Nix Psychologe, nix mit „erst mal weitere Meinungen einholen“.

Sie hat meine Brust gemessen (UB: 100, OB: 107) und das war außer dem Gespräch auch schon alles. Das Ganze hat dann aber doch fast 45Min gedauert. Eine Ärztin, die sich tatsächlich Zeit nimmt. Ich bin begeistert.
Wir haben in dem Gespräch den zukünftigen Weg gemeinsam(!) erarbeitet: Welche Medikamente kommen in Frage, wie ist der Zeithorizont, usw. Aus der Praxis bin ich dann tatsächlich mit einem Rezept für Gynokadin gegangen.
Jetzt bin ich erst mal voll happy. (fwe3)

Wir sind uns einig, dass wir sehr vorsichtig starten. Ich werde die ersten zwei Wochen täglich nur einen Hub nehmen. Danach zwei. Und immer schön die Wirkungen und Nebenwirkungen beobachten.
In drei Monaten habe ich dann den nächsten Termin. Dann werden Blutwerte gemessen, die Brust untersucht (Ultraschall) und auch die Prostata. Dann sehen wir, wie es weiter geht. Je nachdem, wie das Gel angeschlagen hat, kommt eine Erhöhung der Dosierung in Frage, oder auch zusätzlich Antiandrogene. Oder was ganz anderes. Aber das sehen wir dann.

Es ist also doch so: Es gibt Ärzte, die sich Zeit nehmen und bereit sind ohne Psychotherapie eine Hormonbehandlung zu beginnen. Hilfreich war sicher, dass das bei mir auf Privatrezept passiert. Ebenso hat sie verstanden, dass das bei mir kein Schnellschuss ist, sondern ein Prozess, der schon sehr lange andauert.

Heute habe ich schon mein Weihnachtsgeschenk bekommen. Jetzt freue ich mich auf die Zukunft.

Liebe Grüße
Marlin

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Mi 20. Dez 2017, 22:11
von Jaddy
Wow, das sind tolle Nachrichten! Meinen Glückwunsch, so jemanden gefunden zu haben :)

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 10:48
von Anja
Hallo Marlin!

Das sind ja wirklich tolle Neuigkeiten. Ja es gibt solche Ärzte! Bei mir ist es mein Hausarzt, der sich Zeit nimmt.
Schade das man solche (guten) Ärzte suchen muss wie die Nadel im Heuhaufen. Aber da haben wir beide ja zumindest Glück gehabt.
Als Tipp, die Quartalspackung (3 Flaschen) ist wesentlich günster als eine Flasche Gynokadin (im Verhältnis). Ich weiß ja nicht wie viel sie dir aufgeschrieben hat. Aber als Selbstzahler hab ich darauf geachtet...

Grüße
die Anja

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 14:06
von ChristinaF
Freue mich mit dir, dass es nun losgeht und der Besuch bei deiner Frauenärztin so toll gelaufen ist. Ich denke, dass du ganz großes Glück hattest, eine so verständnisvolle Frau zu finden. Jetzt genieß erstmal deine Medikamention und freu dich heute schon auf das was kommen wird.
LG
Christina

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 14:29
von Theresa
Wow, das liest sich wirklich toll.
So wie du es handhabst hatte ich es mir für mich vorgestellt : habe es für mich "puschen" genannt. (Die im Alter rückläufige Hormonproduktion durch weibliche ersetzen ohne was erzwingen zu wollen)
Genau so etwas würde ich mir auch wünschen: eine weiblicher Fettverteilung, besseres Hautbild weniger Körperbehaarung. Das mir die Kopfhaare erhalten bleiben würden mir wichtiger als Oberweite. Ich komme mit den Silis gut zurecht aber die Frisur ist das einzig echte an meiner weiblichen Erscheinung. der Gedanke nicht mehr ohne Perücke auskommen zu können macht mir Angst. Schon jetzt muss ich bei warmen Wetter darauf verzichten Theresa auszuleben ....
Auch ich bin keine Frau aber der Wunsch danach eine zu sein ist manchmal sehr mächtig..

Ich bin sehr an deinen Erfahrungen interessiert.

Viele Grüße
Theresa

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 14:34
von Jasmine
Theresa hat geschrieben:
Do 21. Dez 2017, 14:29
.......nicht mehr ohne Perücke auskommen zu können macht mir Angst.
Da bei mir schon früh die Haare zum Problem wurden, habe ich mich daran gewöhnt Perücken zu tragen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Es bedurfte zwar einer Eingewöhnungsphase, aber nun ist es ganz normal für mich wie das tägliche schminken.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 14:52
von Theresa
Hallo Jasmin,

Wäre es der einzige Punkt fände ich das auch nicht weiter schlimm. Aber um mir einigermaßen gerecht zu werden muss ich Strumpfhosen tragen. Meine Beine entsprechen denen eines älteren Mannes und das sieht nicht sonderlich weiblich aus. Benötige Polsterhosen da ich auch ohne Sport recht breite Schultern habe und man ohne nicht so recht erkennen kann was"es" sein soll. Als Taillenfan muss ich auch in diesem Bereich nachhelfen. Bei der Oberweite sowieso. Mit 191cm Größe gehe ich trotzdem nur als "Wuchtbrumme" durch. Aber damit muss ich leben.
Auf eine wärmende Kopfbedeckung würde ich gerne verzichten.

Grüßlis mal an alle Leser

Theresa

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 17:34
von Jaddy
Ich oute mich jetzt auch mal. Nachdem meine Liebste und ich uns einig waren letzte Woche, habe ich mir Estradiolgel besorgt. Das ging erstaunlich schnell und problemlos nach -äh- interessanten EU-Regeln.

Unsere Recherchen (Literatur und Personen) brachten uns zur gleichen Dosierung, wie Marlin sie nimmt. Wir sind also quasi parallel unterwegs. Sehr spannend :) Ich lasse jetzt mal alle Werte beim Hausarzt bzw. Labor nehmen und grob checken, insbesondere wegen Leber und Thromboserisiko, und habe einen festen Termin bei einer mir empfohlenen Endo-Ärztin im April.

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 17:02
von Marlin
Hallo liebe Gemeinde,

vielen Dank für eure Glückwünsche. Ich habe heute zum dritten Mal das gel angewendet. Was soll ich sagen? Bisher ist noch nichts passiert :D
Was ich bisher so gelesen habe, ist das mit der Dosierung (zunächst nur 1 Hub, dann nach zwei Wochen zwei,...) ein guter Weg. Es müssen sich im Körper zunächst auch mal entsprechende Rezeptoren bilden und da ist eine höhere Dosierung am Anfang wohl eher ungünstig. Auf diese Weise soll die spätere Wirkung auch besonders nachhaltig sein.
Ich freue mich schon unheimlich auf die Wirkung und bin auch etwas ungeduldig. Trotzdem werde ich natürlich nur die Dosierung nehmen, die die Ärztin empfiehlt.

Ich wünsche allen schöne Feiertage!

Liebe Grüße
Marlin

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Mi 3. Jan 2018, 22:34
von Jaddy
Hi Marlin,

bei Reddit gibt es einige Enbys mit ähnlichem Plan, Fragen und Antworten. Aktuell u.a. Thinking about hormone replacement therapy.

Siehe auch die "Related Communities".

Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Verfasst: Fr 5. Jan 2018, 19:42
von Marlin
Jaddy hat geschrieben:
Mi 3. Jan 2018, 22:34
Aktuell u.a. Thinking about hormone replacement therapy.
Siehe auch die "Related Communities".
Hey Jaddy,
vielen Dank für den interessanten Link. Ich musste erst mal die Abkürzungen nachschlagen. „AMAB“ heißt wohl „Assigned Male at Birth”. Das macht Sinn. Ich kannte das bisher eher als „All men are bastards“ :-?