Frau sein oder nicht sein
Frau sein oder nicht sein - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Nicki
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicki » Di 26. Sep 2017, 20:09

Und da fällt mir eben noch ein, dass es auch noch einige Bigender gibt, bei denen die Einnahme von Hormonen an der wahrgenommenen Gefühlswelt wesentlich nichts verändert haben. (Um diese Menge nicht zu unterschlagen.)

Vicky_Rose
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 17 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 27. Sep 2017, 07:14

Hi Nicki,

was nützt Dir das Wissen, welche Typen von Bi- oder sonstigen -gendern existieren und wie oft ? Es geht um Dich als einzigartige Person mit einzigartigen Wünschen.

ChrisTina hat Interessantes geschrieben:
Wir beschreiben unsere Wahrnehmung und versuchen darüber, uns ein Erklärungsmodell zu konstruieren.
Das ist für mich der Kern der Krux, dem viele TGs unterliegen bzw. unterlegen waren. Ich kenne das ganz massiv auch von mir. Warum basteln wir solche Modelle oder versuchen zu begründen, warum wir so sind, wie wir sind. Ganz abgesehen davon, dass dieses Suchen sehr spannend sein kann, ist es doch aus meiner Sicht ein Ausdruck von Angst. Angst nicht akzeptiert zu werden, Angst ausgestoßen zu sein und nicht dazu zu gehören. Das wäre eine der schärfsten Strafen, die eine Gesellschaft hat. In archaischen Zeiten war sie nach kurzer Zeit tödlich.

Da liegt es nahe, dass man sich für das rechtfertigt, was oder wie man ist. Die Gefahr der Selbstverleugnung ist groß. Die Konsequenz ist, dass man durch sein Verhalten genau die Regeln weiter gibt, die einem schaden.

Die große Errungenschaft des Christentums (nicht mit Kirche verwechseln) ist die Befreiung von den Ängsten. Die Grundidee ist ja gerade, dass man so akzeptiert wird, wie man ist. Eugen Drewermann drückt das mMn recht gut aus. Z.B. hier:
http://vorarlberg.orf.at/radio/stories/2849450/

Deshalb denke ich, dass es völlig egal ist, was oder wie andere sind. Du bist was Du bist und wenn Du glaubst, dass Dich Hormone weiter bringen, dann nimm sie. Aber sie haben Wirkungen, die Du auch bedenken solltest. Was passiert langfristig mit Dir ? Ist es wirklich das, was Du willst ? Einiges kannst Du nicht zurück drehen.

Es ist eine Entscheidung wie jede andere, die Dein Leben in eine neue Richtung lenkt und Du, und nur Du, sitzt am Lenkrad. Du allein entscheidest, was gut und richtig für Dich ist.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 18 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mi 27. Sep 2017, 07:42

Diese Suche nach sich selbst bzw. eine Standortbestimmung (was bin ich, was fühle ich, wohin soll die Reise gehen) ist wichtig, um die weiteren Schritte planen zu können. Dabei sind Bauch- und Herzgefühl mindestens genauso wichtig, wie der Verstand.....meiner Meinung nach sogar wichtiger.

Liebe Grüße
Michelle
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 19 im Thema

Beitrag von Jenina » Mi 27. Sep 2017, 08:09

Liebe Nicki,

was soll man raten als Außenstehender. Ich glaube wir können nur von uns selber berichten, auch das kann aber helfen. Du hast es erst einmal schwer das alles zu bewerten.

Es ist dabei durchaus hilfreich sich mit den Begriffen zu befassen, die versuchen unsere "innere Beschaffenheit" zu erklären. Anhand derer kann man dann seine eigenen Gefühle prüfen. Aber letztlich musst Du diese Prüfung eben selber und ganz speziell für Dich tun. Das dauert. Das sollte Jahre dauern, alles was innerhalb weniger Monate entschieden wird kann in Katastrophen führen. Und es kann zu Verführungen kommen, die vermeintliche Lösung wird einem präsentiert von Anderen, die dann auch sehr entschieden auftreten. Diese äußere Beeinflussung ist die größte Gefahr.

Also höre nicht auf Andere, auch nicht auf uns, wenn Dir Ratschläge erteilt werden. Höre nur auf Dich selbst. Das ist schwer, sich soweit abzukoppeln.

Ich selber lebe beide Seiten aus, die männliche und die weibliche, ohne mich den damit verbundenen Stereotypen allzu sklavisch zu unterwerfen. Somit wäre ich also ein Bigender oder Genderfluid. Oder einfach ein Transvestit. Diese böse Bezeichnung habe ich für mich gereinigt. Auch das muss man wenn man seinen Platz sucht. Man darf sich nicht von Konnotationen beeinflussen lassen, die angeblich unverrückbar feststehen. Im Gegenteil, man muss diese Verkrustung - zuerst für sich selbst - aufbrechen. Sonst erschlagen einen die Begriffe wieder.

Also höre in Dich hinein, liebe Nicki, und bedenke, dass bestimmte Entscheidungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können oder die auch Nebenwirkungen haben. Freilich hat alles Nebenwirkungen, auch das ständige Hin-und-Her ist ja so einfach nun nicht. Vor allem wenn man es dann noch mit seiner Partnerin abstimmen muss.

Hiermit hast Du nun eine Verwirrung mehr - ich wünsche Dir viel Erfolg beim auftröseln der Fäden und den Knoten darin, die Dich zu Deinem Ziel leiten: das heisst zuallererst ein zufriedenes, ruhiges und glückliches Leben. Das Zile ist nicht der Name einer Genderkategorie.

Liebe Grüße
Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Vincent
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 20 im Thema

Beitrag von Vincent » Mi 27. Sep 2017, 09:32

Hallo Nicki,
die Frage nach dem eigenen Ich, der Position im Genderspektrum und in der Gesellschaft ist für fast alle hier so alltäglich, dass ich mich manchmal schon wundere über Leute das draußen, die sich selbst noch nie diesbezügliche Gedanken gemacht haben.
Mir gingen solche Gedanken seit Kindesbeinen durch den Kopf, auch wenn ich sie damals noch nicht wirklich formulieren konnte. Meist heimlich, ganz selten öffentlich habe ich meine Bedürfnisse ausgelebt.
Irgendwann bin ich auf eine TS SHG gestoßen und war dort über zwei Jahre Mitglied.
In dieser Zeit habe ich viel Leid miterlebt, vor allem seelischer Art, aber auch durch das, was Hormone und OPs anrichten können. Ich hatte in dieser SHG oft das Gefühl, dass es einen regelrechten Wettbewerb oder sozialen Druck gab, sich schnellstmöglich auf den Weg zur "ganzen" Frau zu machen, was dazu geführt hat, dass ich bei manchem das Gefühl hatte, es wäre keine Geschlechtsangleichung, sondern tatsächlich eine Umwandlung.

Auch wenn ich solche SHG mittlerweile als gefährlich ansehe, hat es mir die Augen geöffnet, wo ich stehe und was ich will, natürlich auch unterstützt durch den langen Zeitraum über den ich mich mit diesem Thema auseinander setze. Auch wenn sich im Leben natürlich immer etwas ändern kann, bin ich mir sicher einfach ein Mann zu sein, möchte als solcher erscheinen und angenommen werden. Einzig und alleine reichen mir die gesellschaftlich normalen Ausdrucksmöglichkeiten bzgl. Rolle und Kleidung nicht.

Aus meinen Erfahrungen heraus würde ich Dir raten, gehe ruhig an das Thema heran, lass Dich nicht unter Druck setzen, von Dir oder deiner Umgebung, probiere aus, was geht, ohne deinen Körper zu gefährden
LG

Vincent

Vicky_Rose
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 21 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 27. Sep 2017, 12:44

die Frage nach dem eigenen Ich, der Position im Genderspektrum und in der Gesellschaft ist für fast alle hier so alltäglich, dass ich mich manchmal schon wundere über Leute das draußen, die sich selbst noch nie diesbezügliche Gedanken gemacht haben.
Eine gute Frage. Über das "Ich" habe ich mir an anderer Stelle Gedanken gemacht:

https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 61#p177861

Wir gehen immer davon aus, dass wir ein "Ich" haben, das wir leben könnten. Aber wir haben Prägungen, die von außen auf uns wirken und wir wirken auf andere. Oder wie Watzlawick sagt: "Man kann nicht nicht-kommunizieren". Das bedeutet, dass immer andere in uns wirken. Eine reine Synthese vom "Ich" kann es gar nicht geben. Und somit stellt sich die nächste Frage: Woher weiß ich, wer oder was ich bin ? Oder ist es vielleicht gar nicht möglich, dass ich mich von anderen abgrenze, also immer ein Teil des Ganzen bin, verwoben mit allen anderen Menschen ?

Das hätte einen massiven Einfluss auf unser Verhalten. Und wer kennt es nicht, Freundlichkeit zu anderen führt zu Freundlichkeit anderer zu mir und umgekehrt. Das ist das Problem einer Gesellschaft, die übertrieben auf Individualismus setzt. Die Abgrenzung vom Anderen ist gar nicht möglich und somit schadet jede Separierung der Gemeinschaft und damit auch mir selber. Aber ich schade mir auch, wenn ich versuche, mich vollständig in der Gesellschaft zu assimilieren. Damit falle ich als schöpferisches Element aus.

Was wäre das Fazit ? Ich kann als Individuum die Gemeinschaft mit gestalten. Dazu muss ich mich aber auch als ein Teil dieser Gesellschaft verstehen. Aber völlig separiert kann ich nicht leben, denn dann fehlt ein wesentliches Teil meiner selbst. Dann stellt sich sogar die Frage, ob man sich selber erkennen kann ? Was nützt mir eine weibliche Brust (natürlich oder selbst gestaltet), wenn niemand da ist, der mich als Frau anerkennen kann ? Kann ich mich dann selber als Frau wahr nehmen ? Reicht tatsächlich der Spiegel ? Oder sind es nicht die Verknüpfungen mit der Außenwelt, die mich genau das spüren lassen, die mich "ganz" werden lassen ?

Was brauche ich also, um mich vollständig zu fühlen ? Nehme ich Hormone, um eine Brust zu bekommen, um mich dann zu verstecken und nur im Spiegel anzuschauen ? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man Hormone nimmt, um in der Gemeinschaft als die zu bestehen, die man sich fühlt ? Bi-Gender mit Geschlechtsmerkmalen von Mann und Frau gibt es und sie formen auch unsere Gemeinschaft. Die Frage, ob man eine HRT macht, heißt also, will ich so für mich und in der Gemeinschaft leben ?
Viele Grüße
Vicky

Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 22 im Thema

Beitrag von Anja » Mi 27. Sep 2017, 14:02

Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben:
Fr 22. Sep 2017, 20:27
Ich habe da ein Problem: Ich weiß nicht, wie ich rausfinde, ob ich Männlein oder Weiblein bin.
Die Antwort findest du in dir. Du musst nur genau hinhören. Und versuchen den Lärm von außen dabei zu ignorieren.
Ich bin selbst über diverse Schubladen gestolpert, eh ich mich als Frau wiedergefunden habe. Ich habe mich aber vorher in den jeweiligen Schubladen (DWT, CD, Bi-Gender) genauso wohl gefühlt, jedenfalls eine Zeit lang.
Natürlich denkt man viel darüber nach, was die Leute, z.B. die Nachbarn darüber denken (könnten). Oder ob man seinen Job behält, die Familie sich abwendet und und und. Dazu kommen noch die eigenen biologischen Gegebenheiten. Ich sehe ja garnicht wie eine Frau aus, die Stimme ist viel zu männlich, der Bartwuchs, ich bin zu groß, übergewichtig, Geheimratsecken usw.
Deswegen vergleiche ich mich auch nicht gerne mit einer geborenen Frau. Da kann ich ja nur den Kürzeren ziehen. Ich möchte auch nicht die schönste Frau der Welt sein. Aber ich möchte die Frau sein, die ich sein kann.
Diese Sichtweise hat mir große innere Zufriedenheit verschafft, weil die ganzen biologischen Faktoren, die ich als geborener Mann mitbekommen habe, dann deutlich an Gewicht verloren haben.

Als ich an der Schwelle von Bigender zu TS stand, habe ich versucht, alle äußeren Einflüsse und Gedanken auszublenden und nur auf mein innerstes Ich zu hören. Was würde ich tun, wenn ich unabhängig wäre, keine Familie hätte, Geld wie Heu... Und da war mir die Antwort sofort klar.
Ich bin eine Frau. Und ich möchte auch so leben.
Alle Unsicherheiten waren durch äußere Einflüsse bedingt. Ich für mich allein war mir sicher.

Die Antwort liegt in dir. Ganz sicher. Hör auf deinen Bauch. Ohne den Lärm, den dein Kopf(kino) deswegen veranstaltet.

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

ChrisTina73
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 23 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Mi 27. Sep 2017, 14:07

Ich finde interessant, das es hier immer um das Ich (Ego) geht und nicht um das Selbst oder die Hülle/Persona. Insofern ist die Frage nach dem Ich für mich schon eine Abgrenzung, die zu einer "Trennung" führt und erkennen lässt, das "Ich" anders bin.
Wer ich anders bin und meine Verwobenheit im großen Ganzen zu erkennen gilt es dann vielleicht herausfinden über die 12 Prüfungen des Herakles oder die 12 Apostel oder die Heldenreise durch die 12 Häuser des Horoskops oder die 12 Sternzeichen?

Die Frage bzgl. HRT kann ich so, wie Vicky schreibt unterstreichen und würde vielleicht noch ergänzend hinzufügen, bin ich ehrlich genug zu mir selbst und versuche nicht dadurch, vor etwas zu flüchten, von dem ich mir selber einrede oder eingeimpft wurde, das ich nicht stark genug bin, dieser Auseinandersetzung stand zu halten? Oder gehe ich den Weg, mich vom Drachen verschlingen zu lassen um geläutert wieder emporzusteigen ohne mich Selbst dabei zu verlieren? Das weibliche in uns und allgemein zu respektieren, es zu achten mit der Gewissheit, mit einem neuen männlichen Selbstverständnis durch die Welt zu gehen?

Ich denke, in vielen von uns steckt diese Suche, sonst wären wir nicht hier.

LG

ChrisTina
Der Weg hinein scheint für viele rückblickend der Schwierigste, aber auch nur, weil sie den Weg heraus noch nicht gefunden haben...

Nicki
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 24 im Thema

Beitrag von Nicki » Mi 27. Sep 2017, 21:09

Anja hat geschrieben:
Mi 27. Sep 2017, 14:02
Nicki hat geschrieben:
Fr 22. Sep 2017, 20:27
Ich habe da ein Problem: Ich weiß nicht, wie ich rausfinde, ob ich Männlein oder Weiblein bin.
Die Antwort findest du in dir. Du musst nur genau hinhören. Und versuchen den Lärm von außen dabei zu ignorieren.
Seit einer halben Ewigkeit versuche ich jetzt schon herauszufinden, was eigentlich mit mir nicht stimmt und wie ich innen drin ticke. Eine klare Antwort habe ich noch nicht gefunden. :cry: Horche ich ganz tief in mich hinein, komme ich irgendwie auf unterschiedliche Ergebnisse. Vielleicht horche ich auch einfach nur nicht tief genug in mich hinein? Ich bin irgendwie ziemlich ratlos...

Michelle_Engelhardt
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 25 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Do 28. Sep 2017, 06:52

Hallo Nicki,

probiere doch mal Anjas Tipp mit der Vorstellung "Was wäre wenn....." Das scheint mir der Schlüssel zur Lösung zu sein, oder zumindest ein guter Wegweiser hinaus aus dem Nebel, der Dich umgibt.

Liebe Grüße
Michelle
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Delfinium
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 26 im Thema

Beitrag von Delfinium » Do 28. Sep 2017, 07:03

Das mag villeicht hart klingen aber wenn du dir ao unsicher bist mit dir selbst und du nicht weißt ob nun männlein und weiblein dann scheinst du bis jetzt keinen allzu großen Leidensdruck zu haben wie die meisten TS es erleben. Bei vielen fing es in der Pubertät an. Sie hassten ihre Pubertät, ihre Merkmale, ihr Geschlechtsorgan, ihre soziale Rolle und das ganze bewirkt nunmal diesen Leidensdruck weil man eigentlich äußerlich sein Geschlecht anpassen will.
Keine Frage du bist verwirrt und weißt nicht wohin aber du solltest dich erstmal entspannen und dein Leben genießen. Sei froh dass du (noch) nicht darunter leidest im falschen Körper zu sein. Wenn du mit den Hormonen zu schnell beginnst obwohl du nicht 100% sicher bist, glaube ich könntest du wirklich danach im falschen Körper sein ;) Wie mans halt nimmt

Ich sehe die Transition als letzten Ausweg, als Lichtblick in der Dunkelheit und solange du noch nicht so stark darunter leidest solltest du es lieber lassen und deinen männlichen Körper behalten

Anne-Mette
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 28. Sep 2017, 08:51

Moin,

ich bitte um Zurückhaltung was die Beurteilung "richtig TS" angeht.

Die Warnung vor zu früher Hormoneinnahme ist in Ordnung. Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
du nicht weißt ob nun männlein und weiblein
Warum MUSS man das so genau wissen? Was ist mit Menschen "dazwischen" - oder die sich in beiden Geschlechtern - oder in keinem sehen?

Leider fängt es schon im Kindesalter an, dass man "Junge oder Mädchen" sein muss. Das macht viel kaputt - und stempelt in Einzelfällen Kinder sogar dazu, sich als transsexuell zu bezeichnen, obwohl es sich eher nicht um eine Transsexualität handelt.
Sie hassten ihre Pubertät, ihre Merkmale, ihr Geschlechtsorgan, ihre soziale Rolle und das ganze bewirkt nunmal diesen Leidensdruck
Natürlich gibt es das auch - und das macht sich auch bestens bei Gutachtern; aber es gibt auch andere Lebenswege.

Gruß
Anne-Mette

Michelle_Engelhardt
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 28 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Do 28. Sep 2017, 09:05

Meine Pubertät habe ich (zumindest bewußt) nicht wirklich gehasst. Überhaupt gehöre ich ja eher zu den Spätzündern, hat es doch 42 Jahre gebraucht, mein wahres Ich zu erkennen und auch anzunehmen. Mag sein, das ich dadurch für manche keine "richtige TS" oder Frau bin, aber deren Meinung ist mir herzlich egal. Nur ich alleine weiß, wie ich fühle und empfinde. Natürlich hat sich in den besagten 42 Jahren ein immer größerer Leidensdruck aufgebaut, bis es nicht mehr auszuhalten war. Schlummerte er zunächst Jahrzehntelang in meinem Unterbewusstsein, so trat er mit voller Wucht hervor, als Michelle leibhaftig in Erscheinung trat.
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 29 im Thema

Beitrag von Anja » Do 28. Sep 2017, 09:47

Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben:
Mi 27. Sep 2017, 21:09
Seit einer halben Ewigkeit versuche ich jetzt schon herauszufinden, was eigentlich mit mir nicht stimmt und wie ich innen drin ticke. Eine klare Antwort habe ich noch nicht gefunden. :cry: Horche ich ganz tief in mich hinein, komme ich irgendwie auf unterschiedliche Ergebnisse. Vielleicht horche ich auch einfach nur nicht tief genug in mich hinein? Ich bin irgendwie ziemlich ratlos...
Manche wissen schon in der Pubertät, wo sie sich am besten einordnen, manche erst mit 60... Vielleicht solltest du dir nicht so einen Druck machen? Außerdem muss man sich ja nicht für eine Seite entscheiden.
WIe ich oben geschrieben habe, war ich in mehreren Schubladen zu Hause und habe die Zeit genossen, den Moment gelebt. Es war auch eine Zeit, in der ich viel ausprobiert habe und in mich hineingehorcht habe: Wie fühlt es sich an?
Z.B. die Nägel lackiert, nicht nur Unterwäsche, auch mal Damenoberbekleidung probiert... Dabei merkte ich, das es sich gut anfühlt, das es in die richtige Richtung geht. Warum wusste ich damals noch nicht.
In meinem Freundeskreis habe ich einen CD, der sich in Damensachen total wohl fühlt, aber schminken fühlt sich irgendwie falsch an.
Ich hatte viel Spaß mit verschiedenen Sachen zu experimentieren. Und wenn du dich (zur Zeit) in beide Richtungen gezogen bzw. als beides fühlst, dann bist du eben so. Zwischen Mann und Frau ist alles möglich.
Wie man an mir sehen kann, ist das ja auch nicht in Stein gemeißelt, man kann nach einer gewissen Zeit genauso gut feststellen, das die Schublade einem zu eng wird und es nicht mehr passt. Oder auch nicht. Aber da keiner von uns in die Zukunft sehen kann, versuche doch es so zu genießen, wie es gerade ist und wenn du die Möglichkeit hast, kannst ja mal ausprobieren, wie es sich anfühlt mehr in Richtung Frau zu gehen.
Ich selbst habe auch erst verstanden, wer ich bin, als ich mich das erste Mal komplett als Frau zurecht gemacht im Spiegel gesehen habe. Erst da habe ich gesehen, was die ganzen Jahre aus mir raus wollte. Da war ich übrigens in deinem Alter (888)

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 30 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Do 28. Sep 2017, 09:56

Hallo ihr Lieben,
Anne-Mette hat geschrieben:
Do 28. Sep 2017, 08:51
Moin,

ich bitte um Zurückhaltung was die Beurteilung "richtig TS" angeht.

Die Warnung vor zu früher Hormoneinnahme ist in Ordnung. Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
bei Delphiniums Beitrag habe ich keine Wertung herausgelesen, sondern den Hinweis, dass die medizinischen Maßnahmen eher als Mittel der letzten Wahl abgesehen werden sollten. Diese Einstellung unterstütze ich voll und ganz.

Die Beeinflussung durch Hormone sind vielfältig und ab einem Zeitpunkt "x" (der bei jedem Menschen anders liegen kann, aber wohl ungefähr ein halbes Jahr nach Start einer "richtigen HET" liegt) sind die Folgen im Organismus so gravierend, dass sie nicht mehr umkehrbar sind.

Delphiniums Hinweis auf den Leidensdruck (der von jeder betroffenen Person zu bewerten ist und nicht von uns) ist da durchaus angebracht und sollte das Maß der Dinge sein. Die Maßnahmen "HET" und "Chirurgie" dienen der Behebung eines solchen Leidensdruckes in dem Fall, dass man sich eindeutig dem Zielgeschlecht zugehörig fühlt, das eigene Leben dauerhaft umstellt und mit der (aus körpermedizinischer Sicht den Körper von "gesund" auf "dauerhaft behandlungsbedürftig" verändernder!) Anpassung besser "in Frieden mit sich selbst" leben kann. Wenn man also schwankend ist (z. B. in der eigenen Geschlechtszuweisung), wäre auch nach der Therapie eine zeitweise Nichtstimmigkeit gegeben - wieso dann den Körper derart belasten?

Ich kann diejenigen völlig verstehen, die den Weg in den Schritten "erkennen", "akzeptieren", "persönliche Situation umfassend aufräumen", "Leben umstellen", "simple medizinische Maßnahmen", "gravierende Maßnahmen", "extreme Maßnahmen" sehen und bei *allen* TS-Betroffenen nur so weit gehen würden, wie unbedingt notwendig. Statt erst einmal "das volle Programm" durchzuziehen und dann zu schauen, was man aus den Resultaten machen kann.

Liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.

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