Frau sein oder nicht sein
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Nicki
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Frau sein oder nicht sein

Post 1 im Thema

Beitrag von Nicki » Fr 22. Sep 2017, 20:27

Hallo Forum

Ich habe da ein Problem: Ich weiß nicht, wie ich rausfinde, ob ich Männlein oder Weiblein bin.

Im Internet lese ich immer wieder "höre auf deinen Bauch". Frage ich meinen Bauch nach seiner Meinung, kommt da höchstens ein "du hast Hunger". Apropos... :wurstbrötchenemoji: ... Im Internet steht auch "such dir einen Psychiater, der mit dem Thema Erfahrung hat". Hab ich, gehe ich auch seit einem halben Jahr hin und bin jetzt genau so schlau wie zuvor (wobei ich ihn sogar für ziemlich gut halte).

Das Thema macht mich wahnsinnig! Zum einen finde ich mich in vielen Berichten anderer Trans* wieder, zum anderen kann ich mein gefühltes Geschlecht absolut nicht bestimmen. Allerdings begleitet mich das Thema auch schon seit ich denken kann (vielleicht weiß ich ja nur nicht, wie sich so ein Geschlecht generell anfühlt oder ich fühle zu oberflächlich?).

Dazu kommt, dass ich ständig Phasen durchmache. Einmal bin ich mir ganz ganz ganz sicher, dass für mich eine Transition das absolut richtige ist. Da fällt es mir dann manchmal sogar schwer, nicht auf eigene Faust eine HRT zu beginnen (nein, mache ich nicht, keine Sorge!). In einer anderen Phase komme ich mir blöd vor, dass ich den Weg überhaupt in Erwägung ziehe. Diese Phasen wechseln sich bei mir ab und halten oft tage- bis wochenlang an, wechseln aber auch mal an einem Tag mehrmals durch. Doch egal in welcher Phase ich mich auch befinden mag, ich suche immer nach einer Erklärung für mich selbst, warum eine Transition eben doch das richtige für mich wäre, falls ich denn mal der Meinung bin, ich sollte es lieber lassen.

Vor einigen Wochen habe ich für mich entschieden, dass ich nächstes Jahr mit der HRT beginnen möchte. Na ja, ich bin mir jedenfalls zu 60 % sicher. :D Das scheint mich etwas unter Druck zu setzen, denn inzwischen ist das Thema Trans* eigentlich rund um die Uhr in meinem Kopf, war es doch zuvor nur so +/- 1x pro Tag der Fall.

Heute bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich (mal wieder) nicht mehr weiter weiß und alles doof ist.

Über ein solches Hin und Her habe ich im Internet noch nicht so viel gefunden, was mich irgendwie ziemlich verunsichert. Bin ich vielleicht gar nicht TS und muss so bleiben, wie ich bin? :roll: Vielleicht wird das auch unter dem ominösen Deckmantel "Depressionen" versteckt?

Wie ist/war das bei euch? Kennt ihr diesen innerlichen Kampf? Und wie wird man damit fertig?

LG
Nicki

Delfinium
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 2 im Thema

Beitrag von Delfinium » Fr 22. Sep 2017, 20:50

Also ich finde du solltest mit der HRT erst beginnen bis du dir 100% sicher bist. Ich hatte früher auch so ein hin und her und je mehr Zeit verging desto mehr gewann eine "Seite". Lass dir Zeit und mach Dinge die dir spaß machen. Irgendwann wenn du so weit sein solltest dass es dieses hin und her nichtmehr gibt und du auf wirkliche längere Zeit gesehen es tun willst, dann mach es. Aber in der Phase in der du gerade bist wäre es garnicht gut etwas zu überstürzen. Das kann sehr gefährlich enden...
Ich wusste schon immer dass ich TS bin aber bei mir hat es Jahre gebraucht um dahinter zu kommen ob es wirklich das ist was ich brauche.
Du solltest dir viel Zeit lassen und das ganze ruhig angehen. Spätestens wenn der Leidensdruck sehr stark wird und du es kaum mehr aushalten kannst solltest du als letzten Ausweg die Transition nehmen. Wäre mein Leidensdruck nicht so groß dann würde ich auch als Mann weiter leben aber für mich war das unmöglich da ich stark depressiv wurde, meine Ausbildung schmeißen musste, mein Leben sinnlos war und ich jeden Tag an suizuid dachte... Ab dem Punkt konnte ich die Augen nichtmehr verschließen und wusste dass ich endlich das tun muss was ich schon lange hätte tun müssen.

Jeder geht einen anderen Weg, für manch einen ist er glasklar und für den anderen stellt sich viel Verwirrung auf. Finde deinen Weg

Viel glück :)

ChrisTina73
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 3 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Fr 22. Sep 2017, 23:13

Hi Nicki,

magst Du Dein Anhängsel als Mann und kannst Spaß damit als Mann mit einer Frau haben, verspürst aber oft die Sehnsucht, wie es sich als Frau anfühlt würd ich jetzt nicht sagen, das Du eine Frau bist.
Jeder Mensch hat weibliche und männliche Aspekte in sich. Wie ausgeprägt, verteilt und entwickelt, entscheidet mit darüber, als was wir uns empfinden. Das heißt jetzt nicht, das wir uns auf die Aspekte stürzen sollen, die uns gefallen / einfach erscheinen und die anderen am besten verdrängen oder unterdrücken/ignorieren um das zu werden, was wir uns wünschen, weil die verdrängten Aspekte früher oder später ihren Tribut einfordern. Das ist es auch, wovor Delfinium warnt. Im gewissen Maße funktioniert das über die Hormone, aber eben nicht nur.

Ich denke, die Herausforderung besteht erstmal darin, die eigenen männlichen und weiblichen Anteile anzunehmen und zu "umarmen", auch aus der Sicht Deiner inneren Weiblichkeit, Deine männlichen Aspekte zu lieben ;) Der Rest wird sich dann von selber zusammenfügen ;)

LG

ChrisTina
Der Weg hinein scheint für viele rückblickend der Schwierigste, aber auch nur, weil sie den Weg heraus noch nicht gefunden haben...

JaquelineL
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 4 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Fr 22. Sep 2017, 23:43

Liebe/r Nicki ;),
Nicki hat geschrieben:
Fr 22. Sep 2017, 20:27
Das Thema macht mich wahnsinnig! Zum einen finde ich mich in vielen Berichten anderer Trans* wieder, zum anderen kann ich mein gefühltes Geschlecht absolut nicht bestimmen. Allerdings begleitet mich das Thema auch schon seit ich denken kann (vielleicht weiß ich ja nur nicht, wie sich so ein Geschlecht generell anfühlt oder ich fühle zu oberflächlich?).

Dazu kommt, dass ich ständig Phasen durchmache. Einmal bin ich mir ganz ganz ganz sicher, dass für mich eine Transition das absolut richtige ist. Da fällt es mir dann manchmal sogar schwer, nicht auf eigene Faust eine HRT zu beginnen (nein, mache ich nicht, keine Sorge!). In einer anderen Phase komme ich mir blöd vor, dass ich den Weg überhaupt in Erwägung ziehe. Diese Phasen wechseln sich bei mir ab und halten oft tage- bis wochenlang an, wechseln aber auch mal an einem Tag mehrmals durch.
Deine Beschreibung kommt mir recht bekannt vor - in jener Zeit, in der bei mir eine vergleichbare Gefühlslage vorherrschte, stieß ich auf den Begriff "bigender" und fühlte mich dadurch sehr gut beschrieben. Es gibt hier im Forum noch die Reste eines threads dazu (es fehlen die Beiträge einer Ex-Userin), vielleicht findest Du Dich dadurch auch beschrieben...
Nicki hat geschrieben:
Fr 22. Sep 2017, 20:27
Doch egal in welcher Phase ich mich auch befinden mag, ich suche immer nach einer Erklärung für mich selbst, warum eine Transition eben doch das richtige für mich wäre, falls ich denn mal der Meinung bin, ich sollte es lieber lassen.
Eine Transition ist mehr als nur eine HET und Chirurgie, nämlich vor allem auch eine mentale Sache. Ich stimme den anderen hier zu, erst wenn Du Dich auf diesem Weg wiederfindest, solltest Du konkrete Maßnahmen einleiten. Und damit will ich mir überhaupt nicht anmaßen, Dich in die eine oder andere Richtung zu schieben: Das kannst wirklich nur Du beurteilen, nur solltest Du meiner Meinung nach schon ein starkes, eindeutiges Empfinden in die jeweilige Richtung spüren.

Liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.

Nicki
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 5 im Thema

Beitrag von Nicki » Sa 23. Sep 2017, 01:10

Danke für die Antworten.

Bigender kannte ich noch nicht. Das passt auch irgendwie ganz gut, was so meine 10 Minuten Recherche ergeben hat... Da lese ich mich mal ein.

Vicky_Rose
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 6 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 25. Sep 2017, 08:50

Hi Nicki,

ich kenne das nur zu gut und nach einigen Jahrzehnten sind diese Phasen noch immer ähnlich. Dann kommt es vor, dass ich eine Woche nur en femme unterwegs bin (im Urlaub) und dann gibt es Phasen, in denen ich mich frage, was ich da eigentlich mache.

Mein persönliches Fazit. Es ist wie es ist und ich mache mir keinen Kopf mehr darum. Ich lebe so, wie ich mich gerade fühle. Das ist die einzige Lösung, die ich für mich gefunden habe und sie ist nicht schlecht. Kein Mensch zwingt mich dazu, mich auf ein Geschlecht festzulegen. Warum sollte ich es tun, wenn es bei mir hin und her geht ? Das ist manchmal recht anstrengend, kommt meinem Wesen aber am nächsten.

Deshalb kommen für mich auch keine endgültigen Maßnahmen, wie z.B. eine HRT, in Frage. Aus meiner Sicht sollte jede(r) sich absolut sicher sein, bevor man so etwas unternimmt. Beim kleinsten Zweifel würde ich es unterlassen. Aber das ist meine Meinung.
Viele Grüße
Vicky

Nicki
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicki » Mo 25. Sep 2017, 20:33

Für mich war bisher ein großes Problem, dass ich nicht so recht wusste, was ich mit meiner Gefühlswelt anfangen soll, da es bei mir mal so und mal so zu sein schien. Auf Jackies Tipp hin habe ich inzwischen recht viel über Bigender und seine Unterformen gelesen, und tatsächlich passen die Beschreibungen anderer Bigender so gut zu meinen Empfindungen, dass ich mich im Moment als Bigender betrachte. Für mich bedeutet das endlich zu wissen, oder zumindest einen starken Verdacht zu haben, wie sich so ein "Geschlecht" anfühlt. So nach über 30 Jahren... :D

Eine HRT scheint mir jetzt erst recht das richtige für mich zu sein! Aber alles zu seiner Zeit.

Danke Jackie, für den super Tipp!! ))):s

Nicola
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 8 im Thema

Beitrag von Nicola » Mo 25. Sep 2017, 21:24

Hallo Niki, mich beschäftigen diese Gedanken auch schon seit meiner Kindheit. Ich konnte es jedoch lange beiseite schieben. Ich verkroch mich oft in der Arbeit und hatte immer wieder Depressionen. Wenn ich als Kind gesagt bekam das ist nichts für Jungs, sagte ich, ich bin kein richtiger Junge, und wenn ich als erwachsene Person gefragt wurde, wie siehst du das als Mann, sagte ich, ich kann dir nur sagen wie ich es sehe, Männer denken meistens anders wie ich. Als ich erfuhr, dass es Menschen gibt die Hormone nehmen um ihren Körper zu verweiblichen, hatte ich den Wusch dies auch zu tun. Dies liegt allerdings schon über 30 Jahre zurück, und mir war damals gar nicht wirklich klar, was es damit auf sich hat, und warum diese Menschen das taten.

Als ich vor ein paar Jahren erfuhr, dass es auch noch andere Menschen gibt die sich weder als Mann noch eindeutig als Frau fühlen, und ich mich in dieser Beschreibung erkannte, ging ich zu einem erfahrenen Psychologen der sich mit der Thematik gut auskannte.
Anfangs war meine Vorstellung, es sei möglich, zu lernen mit dieser Unstimmigkeit in mir zurecht zu kommen. Je länger ich mich jedoch damit auseinander setzte und zu dem Psychologen ging, wurde mir klar, dass ich mich auch körperlich verändern möchte. Nun mache ich seit über zwei Jahren eine HET, habe amtlich meinen Namen geändert und bin überall geoutet. Ich bezeichne mich als non binär, fühle mich jedoch mehr auf der weiblichen Seite. Um es nicht unnötig kompliziert zu machen sage ich den Leuten meistens ich sein eine Frau und mein Pronomen sei weiblich. Menschen die mich besser kennen oder nachfragen erkläre ich auch gerne was non binär ist.
Auch wenn mein Passing nicht das beste ist, da ich mir auch nicht immer so viel Mühe gebe und es öfters vorkommt dass ich Mann gelesen werde, oder die Leute irritiert sind, bin ich froh diesen Schritt gemacht zu haben.

Zurück zu deiner Frage, Frau sein oder nicht sein. Aus meiner Sicht gibt es nicht nur Frau und Mann, Mensch kann auch hin und her pendeln oder etwas dazwischen sein, ohne dass etwas daran falsch ist. Wenn du einen Weg finden kannst der besser ist als deine jetzige Situation, dann versuche ihn zu finden. Wenn dich das Thema beschäftigt seit du denken kannst dann wir auch etwas dran sein.

Was für dich das richtige ist weiss ich auch nicht, und die Ansichten wann man eine HET machen soll oder nicht sind wie du siehst auch unterschiedlich, und wie immer noch den Hinweis, mache eine HET nur unter Ärztlicher Kontrolle und Aufsicht.

Alles Gute und liebe Grüsse
Nicola

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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 9 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Di 26. Sep 2017, 08:11

Huhu Nicki.

"Als Bigender (bi+gender) werden Personen bezeichnet, die sich in ihrer sozialen Geschlechtsidentität und deren Ausdruck zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit bewegen und beide Geschlechter in sich vereinen." *

Im Zusammenhang mit dieser Definition verstehe ich Deine Aussage "HRT....jetzt erst recht" nicht so richtig. Magst Du das vielleicht erklären?

Liebe Grüße Michelle

* Quelle: Wikipedia
"Ich kaufe ein "E" und möchte dann lösen......Rostbratwurst"

Miriam_KL
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 10 im Thema

Beitrag von Miriam_KL » Di 26. Sep 2017, 08:55

Hallo Nicki, hallo ihr,

ich kann da sehr gut mitfühlen. Bei mir gibt es auch immer wieder diese Wechsel über Wochen ... momentan geht das Pendel wieder in Richtung männlich, nachdem ich zuvor zwei Monate total traurig war und alles für einen weiblichen Körper gegeben hätte ... und davor tickte ich wieder einen Monat männlich (ich notiere mir die Gefühlslagen zum besseren Verständnis). Auch bin ich hin- und hergerissen, was dies dann letztendlich bedeutet ... und komme zu keinem Ergebnis, lediglich zu kurzen Nächten mit viel Grübeln. Da die Wünsche in Richtung Frau-sein aber immer häufiger kommen und länger andauern, geht meine Therapeutin mittlerweile davon aus, dass ich doch nicht nur Crossdresser, sondern transsexuell bin. Nur eben zurzeit noch nicht mit dem vollen Bewusstsein, dass es wohl so ist oder noch wird. Aber auf keinen Fall solle ich irgendetwas überstürzen, so wie es ihr auch geraten habt. Noch ist es eben bei mir nicht sicher, wo die Reise hingeht. Manchmal kämpfe ich auch dagegen an, da ich nicht weiß, wie alles dann weitergehen kann/soll (beruflich/Familie). Also ich kann voll und ganz nachvollziehen, wie du dich fühlst. Aber leider kann ich keinen vernünftigen Tipp geben, außer abwarten ... bevor wir beide irgendetwas tun, was wir später vielleicht bereuen.
Vielleicht sind wir tatsächlich Bigender, an so etwas hatte ich noch gar nicht gedacht. Vielleicht müssen wir uns gar nicht für eine "Lösung", Mann oder Frau, entscheiden. Vielleicht ist dies "die" Lösung für uns. Das wäre ja der Hammer, wenn es letztendlich so einfach wäre. Auf jeden Fall mal eine Danke für den Hinweis an Michelle ... ;-)

Liebe Grüße
Miriam
Ich liebe Feinstrumpfhosen und Pumps!

Vicky_Rose
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 11 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Di 26. Sep 2017, 09:17

Das wäre ja der Hammer, wenn es letztendlich so einfach wäre.
Ich denke, dass die meisten unserer Probleme "Kopfprobleme" sind. Wir stecken so tief in der Vorgabe, dass es zwei Geschlechter gibt, dass wir gar nicht auf andere Lösungen kommen. Die Erwartungshaltung anderer, werden gerne als Normen von uns übernommen. Es liegt an uns, ob wir das so übernehmen oder uns selber wichtig nehmen, dass wir uns darüber hinwegsetzen und uns befreien.

Seit ich das erkannt habe, schlafe ich auch viel besser.
Zuletzt geändert von Vicky_Rose am Mi 27. Sep 2017, 06:47, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Vicky

ChrisTina73
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 12 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Di 26. Sep 2017, 16:23

Hallo,

was bedeuten Begrifflichkeiten? Wie kann ich etwas emotionales versuchen mit dem Kopf zu verstehen, wenn es eigentlich nur erfahrbar ist? Was zwingt mich dazu, schnellstmöglich eine Entscheidung zu fällen? Ist das nicht gleich dem Versuch, eine eindeutige Definition zu finden, genau das, was wir den "anderen" Menschen vorwerfen, das sie uns in unserem Sosein nicht annehmen, unsere Angst vor Ablehnung?

Wir beschreiben unsere Wahrnehmung und versuchen darüber, uns ein Erklärungsmodell zu konstruieren. Dabei drehen wir uns im Kreis. Diese unsere Grenzgänger gab es schon vor 2000-3000 Jahren und auch im Buddhismus ist der/die Kathoey verankert und damals schon hatten sich viele Menschen denen Gegenüber nicht anders verhalten als heute. Also was unterscheidet uns von denen? Sie dienten einem "höheren" Sinn oder lebten in einer Gemeinschaft, die einer "Göttin" dienten. Wir irren umher und verirren uns in sinnlose Gedankenkonstrukte und kämpfen jeden Tag mit uns oder gegen uns je nach eingenommener Position statt nach dem Sinn zu fragen. Als Kind nehmen wir die Welt noch voller "Archetypen" war.
Der Krieger, der Indianer/Schamane oder Priester, der Held, der Clown, die Böse Hexe, die gute Fee, die Verführerin, die Priesterin und doch verhalten wir uns wie die Menschen vor 2000 Jahren (wir dürfen unser Bewußtsein nicht gleich deren Bewußtsein setzen evolutionstechnisch betrachtet). Es gibt keine Kentauren (Menschen mit Pferdeleib), die Hexen wurden verbrannt, die "männermordende" Verführerin wird denunziert, weil es sie nicht geben durfte und darf und der Krieger (sozusagen das letzte archetypisch auch real existierende Männermodell) kommt auch so langsam aus der Mode und gleichsam haben Filme, Fantasie/Rollenspiele, CosPlay, Crossdresser, Transgender etc. "Hochkonjunktur" weil es der Seele nach archetypischer Erfahrung dürstet! Wo sind unsere "Tempel" (abgesehen vom Schlafzimmer bzw. Wohnung ;) ) wo wir das profane in uns ablegen können und dem heiligen, dem sinngebenden in uns öffnen können?

Ich muß mein sosein nicht mit dem Ereignis, als Junge mal ne Damenstrumpfhose getragen zu haben rechtfertigen (ich weiß, das tut keiner von uns :-D ), denn als Kind bin ich mir bestimmt nicht dessen bewußt, was ich da tue, denn es ist eher die Neugierde (die Neugierde gleicht das öffnen der Büchse der Pandorra), nur als Erwachsener rede ich es mir selbst gerne ein ;)
In Erinnerung geblieben sind jedoch 2 gegensätzliche Gefühlsregungen. Erregung und Scham ;) oder das Kleid = ich bin/fühle mich schön und werde beachtet vs. ich hab zu funktionieren und die Kleidung ist praktisch aber langweilig.

liebe nachdenkliche Grüße,

Eure ChrisTina
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Maria T
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 13 im Thema

Beitrag von Maria T » Di 26. Sep 2017, 16:44

Hallo zusammen,
Das thema bi-gender spricht mich irgendwie an. Eine Richtung in die ich ebenso noch nicht gedacht habe.
Für mich passt das schon sehr gut den ich steh irgendwie zwischen den Stühlen, Geschlechtern. Ich komme als Bio Mann relativ gut zurecht aber hab eben auch meine weibliche seite, die des Öfteren raus muss. Mir ist der Rock am Mann manchmal zu wenig, ich brauch dann das komplette umstyling um mich wohl zu fühlen.
Lg Maria
Einfach ist am schwersten.

ChrisTina73
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 14 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Di 26. Sep 2017, 19:31

Ich kann und muß mich auch nicht mit dem Rock am Mann identifizieren und öffentlich zur Schau tragen abgesehen vom "Schottenrock", der aber rituell eingebunden ist oder der Männerrock in der TechnoSzene.
Das wäre für mich an dem vorbeigelebt, was das "Ritual" und die "Verwandlung" für mich bedeutet.

LG ChrisTina
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 15 im Thema

Beitrag von Nicki » Di 26. Sep 2017, 19:50

Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Di 26. Sep 2017, 08:11
Huhu Nicki.

"Als Bigender (bi+gender) werden Personen bezeichnet, die sich in ihrer sozialen Geschlechtsidentität und deren Ausdruck zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit bewegen und beide Geschlechter in sich vereinen." *

Im Zusammenhang mit dieser Definition verstehe ich Deine Aussage "HRT....jetzt erst recht" nicht so richtig. Magst Du das vielleicht erklären?

Liebe Grüße Michelle

* Quelle: Wikipedia
In meinem Fall ist der Grund für diese Aussage das Ergebnis eines längeren Lernprozesses.

Angefangen hatte das damit, dass ich über Trans* Youtuberinnen gestolpert bin, die bereits vor einigen Jahren eine HRT begonnen hatten und dennoch von sich behaupten, dass sie eine starke/klare männliche Seite hätten (um nicht zu sagen, sie betrachten sich teils noch als männlich, irgendwo). Deren Art und Selbsterklärungen passten zu meinen Ansichten wirklich sehr gut, doch so recht einordnen konnte sie nicht. Dennoch, da ergab sich für mich langsam eine Vorstellung, dass es für mich doch einen Weg geben könnte. Das ist jetzt schon eine ganze Weile her. Seit dem dachte ich mir oft, dass ich die HRT vielleicht nur wegen mangelnden Mutes vor mir herschiebe. Unsicherheit und Sehnsucht nach einer Transition machten sich in mir breit.

Als ich dann nach Bigendern recherchiert hatte, ergab sich aber langsam ein Bild für mich. Genderfluid war dann die Form, die nach der Beschreibung anderer, am besten zu meinen Empfindungen passt. Auf verschiedenen Seiten habe ich dann gelesen, dass Genderfluids durchaus auch Hormone des jeweils anderen Geschlechts nehmen würden. Als erste positive Eigenschaft beschrieben Betroffene, dass das Gefühls-Chaos sich etwas beruhigen würde, und zwar schon bei einer geringen Dosis. Aus der Menge derer, die eine geringe Menge Hormone zu sich nehmen (ohne Blocker), ergeben sich drei Gruppen: Jene, die damit absolut glücklich und zufrieden sind (Betroffene haben dann eher Probleme wie die weibliche Brust, die mit der Zeit entsteht und lassen diese dann ggf. sogar entfernen). Und dann eben noch die Gruppe, für die mit der Zeit klar wurde, dass eine Transition das absolut richtige wäre. Also deutlich weniger Zweifel hätten, als vor der Einnahme von Hormonen. Dann scheint es auch noch eine geringe Menge zu geben, für die nach kurzer Zeit klar wird, dass sie doch keine Hormone nehmen möchten/benötigen, ohne glücklicher waren und diese dann eben absetzen. Zumindest gab es von solchen nicht so viel zu finden. Nicht selten empfehlen Bigender und Genderfluids, die Hormone nahmen, dass man durchaus erst mal eine geringe Dosis versuchen sollte, bevor man eine Transition angeht, sozusagen also als vorläufige Alternative zu einer Transition.

All das beeindruckte mich sehr und war für mich, als hätte jemand ein Licht am Ende des Tunnels eingeschaltet. Doch in Foren wird viel geschrieben. Also recherchierte ich weiter und erfuhr, dass Genderfluids oder Bigender (als Teil einer größeren Menge) 2012 Einzug in die Standards of Care gefunden hatten und die oben beschriebene Vorgehensweisen durchaus eine äquivalente Methode sein könnte, dem Thema zu begegnen - zumindest in den USA und wohl auch UK. Laut den SoC ist es also eine valide Option, oder wird zumindest nicht ausgeschlossen.

Zu all dem kommt jetzt noch, dass ich mich überwiegend weiblich wahrnehme und mich sehr aus dem Leben zurückgezogen habe. Meine längste Beziehung ging 2 Jahre und Endete mit mittelschweren Depressionen. Seit dem, und das ist schon einige Jahre her, drehe ich mich im Kreis. Immer wieder habe ich versucht einen Weg zu finden, als Mann das Leben zu genießen, finde aber keinen Weg, mit dem ich glücklich werde.

Für mich ist die logische Schlussfolgerung also eine HRT, bzw. erst mal mit Östrogenen ohne Blocker zu starten. (Und ja, natürlich nur unter ärztlicher Aufsicht! Auf Akne, Thrombosen und sonstige Nebenwirkungen kann ich nämlich wirklich verzichten!) Außerdem sind Genderfluids verbreiteter und den Bigendern, die als Frau zur Welt kamen. Also noch ein weiteres Indiz dafür, dass ich mehr Frau als Mann bin! :lol:

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