Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?
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Marie-Elle
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Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 1 im Thema

Beitrag von Marie-Elle » Mo 11. Sep 2017, 21:52

Hi,

mich würde mal interessieren, wie und ab wann ihr als Frau in die/auf Arbeit geht/gegangen seid?

Wann wart ihr das 1. Mal als Frau in der Arbeit?
Bereits bevor ihr mit Hormone angefangen habt?
Zeitgleich mit dem Start der Hormone?
Nachdem die Hormone ihr Wirkung gezeigt haben? Wie lange in etwa nach dem Start der HET?

Schminkt ihr euch jeden Tag? Geht ihr ungeschminkt?

Seid ihr in der Übergangszeit mal als Mann, mal als Frau in die Arbeit gegangen,
oder habt ihr einen Tag gewählt, ab dem ihr nur noch als Frau dort hin gegangen seid?
Oder vielleicht so im gemischten Look, etwas vom Mann, etwas von der Frau?
Wie haben die Kolleginnen und Kollegen reagiert, da sie evt. verunsichert werden,
wenn sie das (aktuelle, heutige) Geschlecht nicht eindeutig feststellen können?

Wie habt ihr das mit dem weiblichen Vornamen gemacht? Zeitgleich neuer Vorname als ihr als Frau auf die Arbeit
gegangen seid? Oder als ihr offiziell die Namensänderung/Personenstandsänderung abgeschlossen hattet?

Änderung der Email-Adresse bereits vor der Namensänderung/Personenstandsänderung?
Oder gar 2 dienstliche Email-Adressen?

Vielen Dank für eure Antworten!

Liebe Grüße,
Marie-Elle

Michelle_Engelhardt
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 2 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Di 12. Sep 2017, 06:56

Ich habe im Januar 2013 angefangen, komplett als Frau zu leben. Damals hatte ich weder PÄ/VÄ noch Hormone. Mein Arbeitgeber, bei dem ich auch im Januar 2013 anfing, war ein alter Bekannter von mir, der mich aber bis dahin nur als Mann kannte. Vorgestellt bei ihm habe ich mich als Frau. Ich bin für ihn Sattelzug gefahren und trug auf der Arbeit dementsprechende Kleidung. Jeans, Shirt / Pulli, Arbeitsschuhe. Dezent geschminkt war ich aber immer und natürlich trug ich auch meine Perücke, war also definitiv als Frau erkennbar.

Bei meinem nächsten Arbeitgeber, einem Callcenter, habe ich mich ebenfalls als Frau vorgestellt. Dort habe ich teils im Callcenter, teils von zuhause aus gearbeitet. Bei diesem Arbeitgeber war Businesskleidung angesagt, also Stoffhose, Rock und Bluse oder Kleid.

Inzwischen nehme ich seit fast 4 Jahren Hormone und auch die PÄ/VÄ liegt jetzt knapp 2 Jahre zurück. Da stellt sich nicht mehr die Frage, wer oder was ich bin und wie ich mich bewerbe. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber arbeite ich komplett von zuhause aus. Da kann es auch schon mal passieren, das ich bis zum Mittag im Nachthemd hier sitze. Üblicherweise mache ich mich aber vor der Arbeit fertig und male mir ein bißchen die Augen an. Wenn ich mich selbst wohl fühle, komme ich auch besser am Telefon rüber. Ich muss zwar nix verkaufen, sondern die Leute wollen was von mir, aber trotzdem ist es für mich so angenehmer.

LG
Michelle
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 3 im Thema

Beitrag von Franka » Di 12. Sep 2017, 07:15

Hallo Marie-Elle

also angefangen hat es ja immer schon zum Fasching, da bin ich immer in Frauenkostümen zur Arbeit gegangen, aber auch die Anderen waren ja verkleidet, viel nicht weiter auf.
Einige fragten allerdings schon, ob da mehr dahintersteckt, weil ich immer als Frau zum Karneval erschien. Bei den Kolleginnen, zu denen ich ein besseres Verhältnis hatte, war ich dann ehrlich und habe mich quasi geoutet, was auch so eine Art Selbstfindung war. Sie ermutigten mich dann einfach öfters so zur Arbeit zu kommen, was ich dann auch machte, Also mal als Mann, mal als Frau.
Das war aber auch so in etwa die Zeit, wo ich nur noch zur Arbeit in Männersachen unterwegs war und mich danach Zuhause sofort umzog.
Auch führte der ständige Wechsel zu einigen Irritationen bei meinen Chefs. Daher habe ich dann nach relativ kurzer Zeit beschlossen nur noch als Frau zur Arbeit zu gehen.
Dann auch fast immer wenigstens leicht geschminkt, aber ungeschminkt verlasse ich das Haus eh kaum mal.
Erst danach habe ich mit Hormonen angefangen. Mein Name ist allerdings immer noch männlich und meine Mailadresse auch.
Wenn der Bart endlich weg ist, werde ich wohl auch darauf bestehen als Frau und mit weiblichen Namen angesprochen zu werden. Wird jetzt nach 1,5 Jahren irgenwie immer unpassender als Herr angesprochen zu werden.
Offizielle Namens und Personenstandsänderung sind eigentlich erst geplant, wenn es ohne Gutachter möglich ist, was ja hoffentlich nicht mehr all zulange dauern wird.
Im großen und ganzen haben die Kolleginnen und Kollegen eigentlich sehr positiv reagiert, einige konnten mit dem ganzen Thema vielleicht weniger anfangen, aber zu denen hatte ich auch vorher schon ein recht distanziertes Verhältnis und man kommt trotzdem miteinander aus. Gab auch ein paar nette Gespräche, in den die Kolleginnen erzählten, dass ihr Sohn Homosexuell wäre und sowas ja heute normal wäre oder das eine Kollegin mit einer Frau verheiratet ist.
Man ist also selbst in einer relativ kleinen Firma nicht ganz allein ein bisschen anders :lol:

LG Franka
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 4 im Thema

Beitrag von ddaniela » Di 12. Sep 2017, 07:24

Hallo Marie,

Seit knapp zwei Jahren bin ich in meiner Arbeit geoutet. Seit dem war für mich das Mann sein erledigt. Nicht ein einziges mal war oder musste ich als Mann zurück, es gab nie einen Grund. Hormone nahm ich aber schon ca. ein halbes Jahr zuvor und das bereitete mir auch zunehmend Kopfschmerzen, weil ich dachte irgendwann muss du es sagen wenn man es schon sieht vielleicht.
Das ich mir zu dem Zeitpunkt solch einen Druck gemacht habe, war eher psychisch. Auch die damaligen Umstände begünstigten das und diese chance musste ich nutzen. Ich dachte jezt oder nie. Zähne zusammen und durch. Ich glaub ohne die HT hätte es nicht geklappt.
Bei mir war es so das wir, ich und meine Kollegen uns naja irgendwie auf den Tag gefreut haben, denn ich habe es zuvor schon angekündigt zusammen mit meinem Vorgesetzten. Jeder war gespannt, so wie ich auch. Ab dem Zeitpunkt war ich nur noch Daniela und alles Andere kam nach und nach. Zuerst Frauenumkleide, dann Namensänderung und dieses Jahr die Op.

Meinen ofiziellen Namen konnte ich in der Arbeit aber erst mit meinem neuen Perso wechseln. Damit aber auch gleich meine eMailadresse und Werksausweis.

Schminken tu ich mich jeden Tag für die Arbeit, mal mehr mal weniger.

LG Daniela

Ulrike-Marisa
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 5 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Di 12. Sep 2017, 07:48

Hallo zusammen,

hin und wieder wenn es passt, komme ich auch mit Rock oder Kleid zur Arbeit. Da ich in einer großen Bauverwaltung mit Baustellenbetrieb auch arbeite, habe ich meist arbeitsorientierte Kleidung an, so dass ich immer sofort auch auf einer Baustelle tätig sein kann und da gilt Arbeitskleidungsgebot. Wenn ich keinen Rock oder Kleid anhabe, dann versuche ich möglichst viele weibliche Elemente in die Kleidung einzubringen, lange Haare, DW und Schmuck mit Ohrringen sowieso, Bluse über die Jeans oder den ganzen Sommer über der baustellenfähigen kurzen Zimmermannshose quasi optisch als Rockersatz. Schminken tue ich mich bis auf einen zarten Augenbrauenstrich gar nicht - ich stehe auf Natürlichkeit. so kann ich mich täglich weiblich auch bei der Arbeit fühlen. Zu Dienstveranstaltungen und Versammlungen gehe ich dann weiblich gekleidet; das ist bisher so voll akzeptiert worden.(siehe mein Avatarbild)
Da habe ich ganz vergessen, die meisten Arbeitskollegen/innen kenne mich als Ulrike - meist wird aber die neutrale Kurzform Uli genannt; in Mails ist das dann schon mal richtig mit Ulrike.

Beste Grüße, Ulrike-Marisa ))):s

...es gibt nichts gutes, außer frau/man tut es... :wink:

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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 6 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Di 12. Sep 2017, 10:16

Hallo zusammen,
ich bin gegenüber meiner Umwelt völlig ungeoutet und spare mir das Frausein für bestimmte Zeitfenster in meiner Freizeit auf. Mal länger, vielleicht zwei, drei Tage und Nächte, mal kürzer. Aber wenn ich zu wenig Zeit habe, verzichte ich lieber ganz. Beruflich war ich früher mit meiner eigenen Firma im Beratungsgewerbe tätig, ein Anzugsjob der meine volle Konzentration forderte. Daher waren solche Spielereien wie im Büro mit Frauensachen unterm Hemd aufzutreten usw. völlig unmöglich, ich habe die zwei Welten deshalb immer strikt getrennt nach dem Motto: Entweder ganz oder garnicht. Nach diesem Grundsatz fahre ich auch noch heute, wo ich nicht mehr berufstätig bin, ganz gut. Lieben Gruß aus dem Süden,
Valerie

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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 7 im Thema

Beitrag von Astrid » Di 12. Sep 2017, 10:37

Moin zusammen,

ich habe an einem Tag im Mai letzten Jahres den klaren Schnitt gemacht, sowohl auf der Arbeit wie auch im privaten Leben nur noch Damenbekleidung zu tragen. Allerdings hatte ich schon ein Jahr vorher angefangen, mir den Bart, den ich bis dahin trug und meine doch recht starke Körperbehaarung zu entfernen. Da staunten einige meiner Kollegen schon nicht schlecht und als ich dann anfing, meine Fingernägel wachsen zu lassen und auch zu lackieren, ahnten wohl schon einige, daß in mir irgendetwas vor sich geht.

An dem besagten Tag war die Firma natürlich in heller Aufregung. Ich arbeite in einem kleinen Industriebetrieb und dort sprechen sich derlei "Neuigkeiten" natürlich wie ein Lauffeuer herum. Allerdings geschah das eher hinter den Kulissen, wie ich später erfuhr. Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen traten mir ganz normal gegenüber. Ein paar Leute waren aber völlig außer sich, vermutlich, weil sie mit der Situation nicht umzugehen wußten. Die, zu denen ich engen Kontakt hatte, weihte ich in die Hintergründe meiner Veränderung ein. Mit den anderen, auch den Vorgesetzten, habe ich nie darüber gesprochen.
Mittlerweile haben sich wohl alle daran gewöhnt, daß ich oft auch in Kleid und Rock zur Arbeit erscheine. Alles ist wie immer.

Allerdings, da für mich selbst das binäre Geschlechtsmodell definitiv nicht passt und ich mich keinem der beiden Geschlechter vollständig zugehörig fühle, betreibe ich auch kein "Passing". Jeder sieht auf den ersten Blick, daß mein Körper männlich ist. Daher werde ich auch weiterhin als Herr ... angesprochen. Für mich ist das unbedeutend und ok so.
Hier mal zwei Fotos von mir am Arbeitsplatz. Ich bin zwar keine Schönheit, aber das muß ja auch nicht. Bin ja zum arbeiten dort.
Pic_1.jpg
Pic_2.jpg
Liebe Grüße - Astrid
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Anja
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 8 im Thema

Beitrag von Anja » Di 12. Sep 2017, 10:49

Hallo Marie-Elle,
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Wann wart ihr das 1. Mal als Frau in der Arbeit?
Bereits bevor ihr mit Hormone angefangen habt?
Zeitgleich mit dem Start der Hormone?
Nachdem die Hormone ihr Wirkung gezeigt haben? Wie lange in etwa nach dem Start der HET?
Mein erster Tag als Frau zur Arbeit war im selben Monat, in dem ich die HT gestartet habe. Zu diesem Zeitpunkt ließ ich meine Haare schon 1/2 Jahr wachsen. Ich wollte keine Perücke mehr tragen und etwas weiblich(er) aussehen, so hatten meine Haare etwas Vorlauf...
Den Tag gewählt habe ich nicht direkt, es war ein Dienstag. Das lag daran, das mein direkter Vorgesetzter (und einer der Geschäftsführer) auf Dienstreise war und an dem Montag davor war sein erster Tag wieder im Büro. Da klärte ich mit ihm, ob er was dagegen hat, wenn ich ab morgen (also besagter Dienstag) als Frau ins Büro kommen würde. Geoutet war ich zu diesem Zeitpunkt schon.
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Schminkt ihr euch jeden Tag? Geht ihr ungeschminkt?
Schminken tue ich mir nur meine Augen, die Wasserlinie (Kajalstift) und Mascara... Mehr nicht.
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Seid ihr in der Übergangszeit mal als Mann, mal als Frau in die Arbeit gegangen, oder habt ihr einen Tag gewählt, ab dem ihr nur noch als Frau dort hin gegangen seid?
Seit diesem Tag bin ich (nun auch optisch) jeden Tag Frau, das war ja der Sinn der Sache. Warum dann noch wechseln? Das würde ja noch mehr verwirren...
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Oder vielleicht so im gemischten Look, etwas vom Mann, etwas von der Frau?
Naja, Frauen tragen ja eh zu 99% einen gemischten Look, als wenige Kolleginnen von mir kommen im Rock oder Kleid zur Arbeit. Natürlich habe ich an sehr heissen Tagen auch schon ein Kleid auf der Arbeit getragen, aber normalerweise trage ich ne Jeans und ein Oberteil, natürlich aus der Damenabteilung...
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Wie haben die Kolleginnen und Kollegen reagiert, da sie evt. verunsichert werden,
wenn sie das (aktuelle, heutige) Geschlecht nicht eindeutig feststellen können?
Die Frage verstehe ich nicht so ganz. Da ich mich vorher bei allen Kollegen geoutet habe, ist mein Geschlecht für alle Kollegen eindeutig weiblich, auch wenn es optisch zu Anfang vielleicht nicht so gepasst hat.
Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
Wie habt ihr das mit dem weiblichen Vornamen gemacht? Zeitgleich neuer Vorname als ihr als Frau auf die Arbeit
gegangen seid? Oder als ihr offiziell die Namensänderung/Personenstandsänderung abgeschlossen hattet?
Änderung der Email-Adresse bereits vor der Namensänderung/Personenstandsänderung?
Oder gar 2 dienstliche Email-Adressen?
Ich habe per Rundmail an alle Kollegen verkündet, dass ich ab morgen als Frau zur Arbeit komme und dabei auch gleich meinen neuen Namen Anja bzw. Frau Otte jedem angeboten. Das Verfahren der VÄ-PÄ lief bereits, abgeschlossen und rechtskräftig wurde es aber erst ca. 6 Monate später.
Die eMail Adresse habe ich erst nach der Rechtskraft des Beschlusses ändern lassen, ich wollte nicht zuviele Wellen reinbringen indem ich mit immer neuen Wünschen um die Ecke komme. Das was ich wollte, der Lückenschluss zu einem Leben als Frau, hatte ich ja schon in der Tasche. Denn privat lebte ich schon als Frau, nur noch bei der Arbeit tauchte ich verkleidet auf.
Mein Angebot, mich gleich als Frau anzureden, wurde übrigens von allen Kollegen angenommen.

Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen.

Grüße
die Anja

*Nachtrag
Das hattest du zwar nicht gefragt, ist aber vielleicht auch ganz hilfreich. Wir haben in unserem Bürohaus getrennte Toiletten für Damen und Herren. Die Benutzung der Damentoilette habe ich auch entsprechend vorher abgesprochen mit meinen Kolleginnen. So dass ich ab meinem ersten Tag als Frau auf der Arbeit auch die Damentoilette benutzt hab. Aus meinem Freundeskreis weiß ich, das so manche Kollegin damit ein Problem haben könnte...
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

Daenerys Targaryen
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 9 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Di 12. Sep 2017, 11:30

Hallo Marie-Elle,

ich war (und bin) in meinem beruflichen Umfeld sehr vorsichtig und konservativ, was mein Auftreten als Frau angeht. Vom Job hängt schließlich der Lebensunterhalt ab.

Mein Vorteil ist, dass ich in den Medien arbeite, da hat man es etwas leichter, weil der Anteil offen schwuler und lesbischer Mitarbeiter höher ist. Diesen Umstand habe ich ausgenutzt, in dem ich mein eigenes Aussehen nach und nach femininer gestaltet habe. Zunächst habe ich Frauen- und Männerkleidung sehr dezent gemischt, dann kamen die Ohrringe, Schmuck, dezentes Make Up… Ich habe mich ein bisschen gestylt wie Jean-Paul Gaultier, sehr androgyn. Das entspricht auch durchaus meinem Typ. Dass mich viele für schwul hielten, war mir egal.

Offiziell lief alles unter meinem männlichen Namen weiter, auch nach Beginn der HRT. Meine Familie und meine Freunde habe ich früh eingeweiht, das ist meiner Meinung nach wichtig. Darüber hinaus habe ich ab einem gewissen Zeitpunkt meine engsten Kollegen ins Vertrauen gezogen und ihnen von meiner TS erzählt. Sie haben mich Dritten gegenüber beschützt und Gerüchte abgeblockt, die mir schaden könnten. Ich wollte mich nicht komplett outen, so lange der Prozess nicht eine sichere Stufe der Selbstfindung erreicht hat. Ein Outing kann man nicht so einfach zurücknehmen.

Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich meine TS kaum noch verbergen konnte. Hormone und Bartepilation haben mein Gesicht deutlich verweiblicht. In den letzten zwei Sommern hatte ich zwei Haartransplantation. Statt einer mehr oder weniger großen Glatze habe ich nun Locken und eine weibliche Haarline. Tja, da kamen natürlich von einigen schon Fragen: "Du siehst irgendwie so verändert aus? Was ist denn mit dir los?" Und ich fing an, mit offenen Karten zu spielen. Die Dementis nahmen ein Ende. Verstecken wollte ich mich auch nicht ewig.

Die "sanfte" Umstellung hatte den Vorteil, dass mein berufliches Umfeld die Möglichkeit hatte, sich Schritt für Schritt an meine Veränderung zu gewöhnen. Als ich mich dann offiziell geoutet habe, hat niemand mehr überrascht reagiert, sondern eher so: "Das wundert mich jetzt nicht wirklich!"

Liebe Grüße Daenerys

ChristinaF
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 10 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Di 12. Sep 2017, 14:39

Hallo Marie-Elle,

seit meinem Outing in der Arbeit bin ich seither nur als Frau in der Arbeit. Kurz danach begann meine HET.
Anfangs ging ich noch etwas „stärker“ geschminkt in die Behörde. Seit meiner (nunmehr abgeschlossenen) Epilation eigentlich gar nicht mehr. Evtl. eine getönte Tagescreme mit vielleicht etwas Puder und nur leicht die Lippen nachgezogen. Mehr brauch und will ich auch gar nicht.
Mein Vorname wurde in der Dienststelle gleich am nächsten Tag nach dem Outing in den Verteiler eingetragen.
Weder bei der Dienststellenleitung noch bei den Kolleginnen/en gabs wegen meiner TS nennenswerte Probleme.
LG
Christina

Andrea aus Sachsen
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 11 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » Di 12. Sep 2017, 21:30

.
Hallo Marie-Elle,
ich hatte das Glück oder, wie man es nimmt, auch das Pech, dass ich vor der Transition meine Arbeit aufgeben musste. Ich kam mit der alten männlichen Rolle überhaupt nicht mehr klar und meine Leistungen gingen immer mehr zurück. Zu meinen alten Kollegen habe ich seit dem keinen Kontakt mehr. Dadurch wissen diese möglicherweise noch nichts von meiner Veränderung.
Als es dann wieder „bergauf“ ging, war ich bei der Suche einer neuen Arbeit von Anfang an ganz Frau, auch wenn das noch nicht in meinen Papieren steht. Meine neuen Kollegen kennen mich gar nicht anders.
Ungeschminkt gehe ich nie aus dem Haus, also auch nicht zur Arbeit. Voriges Jahr habe ich mir dazu ein Permanent-Makeup machen lassen. Das reduziert den täglichen Schminkaufwand erheblich. Ganz ohne Schminken komme auch deshalb nicht aus, weil meine Hormontherapie bisher (nach fast 2 Jahren) keine nennenswerten Ergebnisse brachte.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

Michelle_Engelhardt
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 12 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mi 13. Sep 2017, 06:56

@Andrea: Also ich weiß ja nicht, wie Du in Deinem alten Leben ausgesehen hast, aber ich finde, das Du ein feminines Gesicht hast und glaube nicht, dass das ausschließlich am Make Up liegt. Die Veränderungen durch die Hormone sind insbesondere im Gesicht ziemlich schleichend und uns selbst fallen diese auch kaum auf, da wir uns ja täglich im Spiegel sehen.

Liebe Grüße
Michelle
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 13 im Thema

Beitrag von Marie-Elle » Sa 16. Sep 2017, 13:02

Hallo zusammen,

erst einmal vielen Dank für eure Antworten. (yes)
Sie haben mir viel weitergeholfen und mir vor allem Mut gemacht, den nächsten Schritt zu gehen.

Hier ein kleines Feedback von meiner Seite:

Ich habe die letzten Wochen bereits mit vielen meiner Kolleginnen und Kollegen (nach Personalabteilung und Vorgesetztem) gesprochen
und ihnen meinen bisherigen Weg sowie die nächsten Schritte unterbreitet und dass so eine Transition nicht von heute auf morgen passieren wird.

Am Dienstag Früh hab ich dann den Entschluss und Mut (durch eure Antworten gestärkt) gefasst,
dass ich in dezenter Damenkleidung in die Arbeit gehe.
Es waren normale (Männer-)Jeans, (Damen-)Turnschuhe und ein Damen-Shirt, welches man durchaus als Mann auch noch tragen hätte können.
Als ich in die Arbeit kam, war mein Puls doch recht hoch, war aber mehr Kopfkino, kein reales Problem.
Ich habe keine besondere Reaktion meiner Kollegen festgestellt, bin genauso behandelt worden, wie in der Zeit davor.
Mir fiel dabei schon mal ein echter Stein vom Herzen.

Mittwoch und die folgenden Tage habe ich es dann noch etwas gesteigert:
Stiefeletten mit Keil-Absatz (Höhe in Maßen), Skinny-Jeans
und diverse andere Damen-Shirts (auch mit etwas Spitze, aber Unterwäsche/BH/BH-Träger nicht offen sichtbar, höchstens etwas durchscheinend).
Auch weiterhin keine (negative) Reaktion. Ok, Kollegen, mit denen ich vorher noch nicht gesprochen hatte,
die nicht von meinen Details wussten, hatten mich teils etwas genauer gemustert. Das ein oder andere konnte auch
in netten Gesprächen dann noch aufgeklärt und vertieft werden.
Weitere Proben waren die ersten (internen) Meetings, Kantinenbesuche, Besuche von Gaststätten außerhalb der Arbeitsstätten,
Aufsuchen dieser mit Kollegen (gehen diese weiterhin mit mir dorthin, obwohl ich jetzt anders aussehe?),
aber bisher waren alle Bedenken unbegründet.
Ich möchte ich mich auf diesem Weg auch nochmals ganz herzlich bei meinen Kolleginnen und Kollegen bedanken,
für die bisherige Unterstützung und die Hilfsangebote! Ich bin für jedes Feedback (ob positiv oder negativ) dankbar,
weil es mir hilft, meine (zugegebenerweise doch noch vorhandene) Unsicherheit abzubauen.

@Anja:
Stichwort Toiletten: Sehr guter Punkt und Vorschlag, steht noch auf der ToDo-Liste, noch nicht geklärt.
Im Privaten, als Frau unterwegs (z.B. Shops, Bars, Gaststätten, Disko,...), habe ich da keine Problem mehr,
die Damen-Toiletten aufzusuchen. Dies ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden.

Liebe Grüße,
Marie-Elle

Franka
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 14 im Thema

Beitrag von Franka » Sa 16. Sep 2017, 16:19

Schön Marie-Elle, dass du den Schritt gewagt hast und alles so prima verlaufen ist bisher.
Stichwort Toilette, ich gehe meist auf die Herrentoilette, bin einfach Stehpinkler solange es noch geht. Die Mitarbeitertoiletten sind aber auch alles Einzeltoiletten, wäre die für mehr Personen, würde ich auf die Damentoilette gehen.
Zum Thema Feedback, die Kolleginnen sind da ganz schön offen und sagen mir auch mal ihre Meinung, wenn sie der Ansicht sind, dass mein Outfit, Schmuck oder Makeup mal nicht geht oder zusammenpasst.
Aber allen kann man es nie recht machen, was einige schlecht finden, finden andere gut. Ich nehme das immer mal als Anregung auf,
Meine Vorgesetzten hatten wohl anfangs auch Bedenken, wie die Kunden auf mich reagieren, haben dann aber schnell festgestellt, das sich niemand daran stört und es noch nie Thema war (bis auf eine Ausnahme in 2 Jahren).
Seit dem sind ihre Bedenken auch weg und sie sehen die Sache auch viel entspannter. Wenn man so will, mein größter Skeptiker, begrüßt meine Kollegin und mich inzwischen auch locker mit "Hallo die Damen".

LG Franka
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Re: Wie geht ihr als Frau in die/auf Arbeit?

Post 15 im Thema

Beitrag von Svetlana L » So 17. Sep 2017, 15:37

Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 11. Sep 2017, 21:52
mich würde mal interessieren, wie und ab wann ihr als Frau in die/auf Arbeit geht/gegangen seid?
Ich bin gerade im (wohlverdienten) Urlaub und gehe daher nur selten ins www, will aber trotzdem auch noch die Frage von Marie-Elle beantworten.
Nach Gesprächen mit Gruppen- und Amtsleitung, Frauenvertreterin, Bürgermeisterin und einigen nahestenden Kolleg_innen habe ich am 05.12.2016 eine Mail an die Kolleg_innen meines Amtes, Personalrat, Frauenvertretung, unsere Azubis und einige weitere gesandt, in dem ich sie auf das Kommende vorbereitet habe. Und seit dem 06.12.2016 bin ich nur noch als Frau unterwegs - sowohl auf Arbeit als auch Privat (da sowieso schon längere Zeit). Ich staune immer noch, wie reibungslos der Wechsel in der Dienststelle von statten ging und manchmal denke ich, dass da doch noch was kommen muss. Kommt aber scheinbar nichts :D

Seitdem bin ich in allen Adress- und Telefonlisten als Svetlana L geführt. Auch meine Mailadresse wurde umgestellt, da musste ich allerdings mit ein paar Flyern von "trans* in Arbeit" nachhelfen, da die IT-Stelle doch tatsächlich nach einem Personenstandswechsel gefragt hatte. Nachdem ich denen aber die Flyer - in denen auch auf die Namensführung eingegangen wird - geschickt hatte, wurde die Adresse sofort umgestellt.

Das alles ist m. E. auch vollkommen unabhängig von Hormonen, da ich keine nehme(n werde).

So, jetzt gibt es noch einen Wattspaziergang - Wetter spielt heute gottseidank mit
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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