Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest? - # 4

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gabi52
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 46 im Thema

Beitrag von gabi52 » Fr 15. Jul 2016, 19:07

Anne-Mette,
"Geschlechtliches Empfinden" > mache ich (auch) von einem Zugehörigkeitsgefühl abhängig, (sagen wir mal so:) von einem Wunsch, einer Gruppe zuzugehören, deren Eigenbeschreibung in mir den Wunsch erweckt, dabei sein zu wollen
Dieser These kann ich folgen, sehe aber kräftg Sprengkraft verborgen: Wenn ich nämlich nicht in die Ecke des Sandkastens darf, wo ich gern hin möchte, weil die, die schon dort sind, mich nicht haben wollen, ist doch das nächste, durchaus gravierende, Problem auf dem Tisch.

Ich verstehe die Frage nach dem geschlechtlichen Empfinden immer noch so (und ich habe die ganzen, tollen Beiträge mehrmals gelesen!! :D :D ) , dass
1. ich mir klar werden muss, wie ich empfinde und
2. ob ich immer oder nur zeitweise so empfinde

So kann ich zumindest meinen emotional/gedanklichen Standpunkt festzurren, denn wenn ich nur mit Variablen "arbeite", komme ich auch in einer Diskussion auf keinen grünen Zweig...

Wenn mich dann das "warum" interessiert, ist dies, finde ich, eine zweite Angelegenheit, die ich aber besser, wahrscheinlich nur, von einem festen Standpunkt, der aus der ersten Überlegung (wo stehe ich?) herauskommt, zu einer mehr oder weniger akzeptablen Lösung bringen kann.

Tel klingelt...

LG

Gabi

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 47 im Thema

Beitrag von Explorer » Sa 16. Jul 2016, 00:17

So... Ich habe mal etwas "gesammelt", damit es nicht zu unübersichtlich wird. Ich hoffe, ich habe keinen Standpunkt völlig übersehen - falls doch entschuldigt bitte, ich habe grad die Seiten 2-4 durchgearbeitet. ;)

Marielle,

Danke noch mal für deine Schilderungen, wie du mit anderen umgehst, und wie sie dich sehen. Ich kann mir vorstellen, dass es für andere ziemlich schwierig ist damit umzugehen, vor allem wenn man "nichts halbes und nichts ganzes" ist. Transsexuell, das kann man noch einigermaßen gut vermitteln. Davon haben inzwischen die meisten zumindest schon mal gehört, und selbst wenn nicht, ist es trotzdem immerhin eine klare Kategorie. Aber zu sagen "sieh mich als etwas dazwischen an"... wie erklärt man das? Davon haben die Leute doch gar kein Bild. Dafür ist auch unsere Sprache nicht gemacht, die klar zwischen "er" und "sie" unterscheidet - und ein "es" würde ich dann erst recht nicht sein wollen. ;)
Marielle hat geschrieben:Worum es mir, abseits der an sich durchaus interessanten Suche nach dem Warum, aber eigentlich geht, ist die Frage, ob irgendeine der heutigen Thesen zum 'Wie' und 'Warum' des Geschlechtsempfindens eine tragfähige! Begründung für den Ausschluss irgendeiner Selbstbestimmung oder auch nur den Ausschluss einer bestimmten Kombination von Selbstbestimmung und Handlungen eines Menschen bietet.

Oder anders: Ist die grade aufgelesene Aussage "ohne körperliche Veränderungen wird man aber als transidenter Mensch nicht leben können" durch tragfähige Erkenntnisse gedeckt, und damit vielleicht ein 'Mass der Dinge', oder ist es die Übertragung indivuduellen Empfindens (egal, wodurch dieses Empfinden verursacht wird) auf andere, die ein imho unbegründetes, aber wirksames Normierungspotenzial hätte?
Ich bin mir nicht 100%ig sicher, ob ich es richtig verstanden habe (das war der Beitrag von Donnerstag Mittag).

Aber nehmen wir an, es findet sich ein valider Grund, warum Menschen nach Geschlechtern unterscheiden (und mit der Partnersuche gäbe es da durchaus einen heißen Kandidaten), dann wird es doch schwer zu argumentieren "ich sehe mich als Frau", wenn andere Menschen einen aber in diesem Sinne nicht als Frau sehen können und wollen. Und das dann sogar zurecht, denke ich.

Wobei das Beispiel mit der Partnersuche einen wichtigen Aspekt aufzeigt: Man kann auch verschiedenen Ebenen "Frau sein" (bzw. "Mann sein"). Man kann sich weiblich kleiden, man kann sexuell gesehen die Rolle der Frau einnehmen, man kann in der Fortpflanzung die weibliche Rolle übernehmen (nicht automatisch identisch mit Sex!), man kann die beste Freundin sein, man kann eine weibliche Bezugsperson sein etc. - vielleicht vollzieht sich der Rollen-/Geschlechterwechsel gar nicht immer auf allen Ebenen (bei der Fortpflanzung sowieso nicht, nach derzeitigem Stand der Medizin).

--------------------

Ich sehe es an sich auch so, dass die heutigen Geschlechterzuschreibungen (ebenso wie die der Vergangenheit, und die anderer Kulturen), von körperlichen Tatsachen abgesehen, sozial konstruiert sind. Und dass sie in einer idealen Gesellschaft eigentlich gänzlich verschwinden sollten (s. auch die Beiträge von nicole.f und lucalikes dazu).

Wobei ich allerdings auch Simones Antwort darauf zustimme: Andere Menschen teilen nun mal in Klischees und Rollenerwartungen ein. Vom gegenwärtigen Standpunkt aus ist das nun mal ebenfalls eine soziologische Tatsache, dass diese Bilder bestehen - und vielleicht werden sie auch immer bestehen bleiben. Vielleicht lässt sich so ein Geschlechterempfinden erklären: Wenn die Menschen ABC mit "Mann" verbinden, und "XYZ" mit Frau, dann macht es vielleicht wirklich Sinn, sich als das zu fühlen, dem man eher entsprechen zu glaubt - auch wenn man nicht den "passenden" Körper hat. Aber ich habe etwas Sorge, dass das eher kontraproduktiv ist, auf die lange Sicht, weil es die Klischees dann ja irgendwie wieder bestätigt. Dass es eigentlich eher ein Arrangieren mit den bestehenden Klischees ist, als eine Überwindung selbiger.

-------------------

Was Simone in meinen Augen sehr gut zusammen gefasst hat, sind die zwei grundverschiedenen Herangehensweisen: Die Suche nach "Wahrheit", und die Suche nach "innerem Einklang" (in meinen Worten).

Ich finde es völlig legitim, für sich selbst einfach das zu suchen, womit man sich am wohlsten fühlt. Solange man damit niemandem schadet, ist das ja eigentlich ganz wunderbar. Aber ganz ohne "Wahrheit" * tue ich mich auch schwer damit. Denn ich brauche, wie schon gesagt, auch das Gefühl, es vor anderen wirklich plausibel vertreten/erklären zu können. Kann ich das nicht, muss ich akzeptieren, dass andere meine Sichtweise einfach als Spinnerei abtun, und kann ihnen nicht mal einen Vorwurf machen. Wenn sie nett sind, lassen sie mich dennoch gewähren, aber trotzdem... wie schon gesagt wurde, geht es ja auch um die eigenen Mitmenschen, das näheste Umfeld. Diese müssen es ja auch immer vor dem Rest der Welt "mitvertreten" - und das will ich niemandem zumuten, wenn ich keine (zumindest für mich selbst) wasserdicht plausible Erklärung geben kann. Außerdem ist ja, wie Gabi schon sagt, nicht zwingend jeder dort willkommen, wo er sich gerne zuhause fühlen würde (ein Gefühl, dass ich im Umgang mit Frauen leider auch schon ein, zwei mal erleben musste).

* Wahrheit bitte sehr relativ betrachten. Ich glaube, dass kein Mensch jemals ansatzweise soetwas wie die völlige Wahrheit verstehen kann, sofern diese überhaupt existiert.

Trotzdem habe ich mich an den letzten 2 Tagen mal auf den Versuch eingelassen, einfach meinem Gefühl zu folgen, wo ich mich am ehesten daheim fühle. In dem Modell der Kreise um einen herum habe ich quasi den innersten Kreis gewählt: Egal, was andere sagen, ich definiere einfach nur mal still für mich selbst mein Geschlecht als mein Wunschgeschlecht. Der erste Impuls war stark und ziemlich eindeutig: Ich bin eine Frau. Das habe ich immer mal wieder in Gedanken vor mich hin gesagt, mir es immer wieder vor Augen gerufen. Das Ergebnis war echt interessant:

Ich habe mich super gefühlt (und tue es immer noch). Ich habe sogar heute einen "Frauen-Einkauf" (also en homme, aber in der Damenabteilung) ganz entspannt erledigt, dabei hatte mich das sonst immer viel Überwindung gekostet. Gleichzeitig war mein Drang nach Make-Up, nach Frauenkleidung etc. immer noch da, aber nicht mehr so stark. Vielleicht deshalb, weil ich mir meine eigene Feminität nicht mehr "beweisen" musste, sondern es als meine innere Wahrheit akzeptiert hatte. Gleichzeitig habe ich dadurch aber viel bewusster auf mein eigenes "Selbst-Empfinden" geachtet, und festgestellt, dass ich teilweise nach wie vor von mir als Mann denke. Ich will aber erstmal weiter beobachten, fühlen, und keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Ich finde diesen "Versuch" echt aufschlussreich und seeehr wohltuend, ich werde damit auf jeden Fall weitermachen. Das hindert mich ja nicht daran, das Thema nach wie vor auch von der "theoretischen Seite" zu betrachten. Und zufällig (?) schwirrt mir immer mal wieder eine Strophe aus dem Lied "Innuendo" von Queen im Kopf herum:
You can be anything you want to be,
just turn yourself into anything you think that you could ever be.
Be free with your tempo, be free, be free.
Surrender your ego, be free, be free to yourself
... )):m

Marielle, entschuldige bitte, dass ich deinen Beitrag von Freitag nachmittag zunächst ausklammere. Nicht, weil ich ihn blöd finde, im Gegenteil. Aber er ist ja doch nicht grad "intellektuelles Fastfood", und ich merke, wie meine Konzentration nachlässt. Damit muss ich mich noch mal in Ruhe befassen. ;)
Zuletzt geändert von Explorer am So 17. Jul 2016, 01:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 48 im Thema

Beitrag von Franka » Sa 16. Jul 2016, 18:25

Muss ich mein Geschlecht denn überhaupt an irgendwas festmachen?
Nehmen wir mal eine_n Ausländer_in. Woher spielt keine Rolle, aber dieser Mensch lebt jetzt seit einigen Jahren bei uns in Deutschland. Fühlt sich als Deutsche_r weil es ihr/ihm hier gefällt.
Gleichzeitig fühlt sich aber diese Person immer noch als Mexikaner_in, Holländer_in oder was auch immer die Herkunft mal war. Und das nicht abwechselnd sondern gleichzeitig.
Also kann ich mich doch auch gleichzeitig als Mann und Frau fühlen, mal mehr in die eine Richtung, mal mehr in die Andere und manchmal genau in der Mitte.

Schönes Wochenende euch allen noch

LG Franka
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 49 im Thema

Beitrag von Explorer » So 17. Jul 2016, 00:25

Ein interessanter Vergleich: Geschlechterwechsel ~ Staatsbürgerschaftswechsel

Hmmm... jetzt habe ich echt lange über die ganzen Aussagen hier im Thread nachgedacht, versucht verschiedene Standpunkte abzuwägen, Argumente zu entwickeln... und irgendwann sagte es "click" in mir, und ich hatte gar keine Lust mehr auf die Theoretisiererei. Nicht falsch verstehen, ich diskutiere gerne und habe viele interessante Anregungen bekommen, und wie ich mich kenne werde ich mich morgen oder übermorgen eh wieder begeistert in die Diskussion stürzen... aber ich dachte grad nur: "So viele Gedanken, und irgendwie kommt man doch nicht auf den grünen Zweig. Man kann es nicht klar sagen... also hör einfach mal auf dein Bauchgefühl." Und das sagte mir eigentlich vom ersten Moment an, als ich von Transsexualität gehört habe: "Ja, akzeptiere ich." (auch als ich noch nicht daran dachte, selbst irgendwie Transgender-"betroffen" zu sein).

Es IST doch etwas Gutes. Es macht Menschen glücklicher, befreiter, es tut niemandem weh - also nimm es doch einfach mal an. Das war, als hätte sich ein Knoten in meiner Brust gelöst. Nein, dadurch habe ich es noch immer nicht theoretisch erklärt, wie es geht. Aber damit gewinne ich das Selbstvertrauen, dazu zu stehen - so geht es mir im Moment jedenfalls. Ich habe jetzt nicht mehr das Gefühl, mit wackeligen Argumenten anderen gegenüber treten zu müssen, sondern mit einer "Vision", für die mein Herz schlägt. Ich fühle grade mehr Lebensmut als... vielleicht seit mehreren Jahren!

Ich hoffe, dieses Gefühl hält an. (smili)
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 50 im Thema

Beitrag von Franka » So 17. Jul 2016, 03:44

Hallo Sara,

ja ich glaube schon das dieses Gefühl anhalten wird. Aber es wird auch Tage geben an denen du dich fragst, ob du das richtige tust, warum tue ich das alles?, wäre es nicht einfacher weiter die Rolle zu spielen, die alle von mir erwarten?, aber so miese Tage gibt es halt manchmal. Im großen und ganzen ist es aber eine Befreiung, auch wenn es nicht immer einfach sein wird. Ich wünsche dir, dass dein Lebensmut dir erhalten bleibt.

LG Franka
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 51 im Thema

Beitrag von nicole.f » So 17. Jul 2016, 14:00

Explorer hat geschrieben: ...
Hmmm... jetzt habe ich echt lange über die ganzen Aussagen hier im Thread nachgedacht, versucht verschiedene Standpunkte abzuwägen, Argumente zu entwickeln... und irgendwann sagte es "click" in mir, und ich hatte gar keine Lust mehr auf die Theoretisiererei. Nicht falsch verstehen, ich diskutiere gerne und habe viele interessante Anregungen bekommen, und wie ich mich kenne werde ich mich morgen oder übermorgen eh wieder begeistert in die Diskussion stürzen... aber ich dachte grad nur: "So viele Gedanken, und irgendwie kommt man doch nicht auf den grünen Zweig. Man kann es nicht klar sagen... also hör einfach mal auf dein Bauchgefühl."
...
Es IST doch etwas Gutes. Es macht Menschen glücklicher, befreiter, es tut niemandem weh - also nimm es doch einfach mal an. Das war, als hätte sich ein Knoten in meiner Brust gelöst. Nein, dadurch habe ich es noch immer nicht theoretisch erklärt, wie es geht. Aber damit gewinne ich das Selbstvertrauen, dazu zu stehen - so geht es mir im Moment jedenfalls. Ich habe jetzt nicht mehr das Gefühl, mit wackeligen Argumenten anderen gegenüber treten zu müssen, sondern mit einer "Vision", für die mein Herz schlägt. Ich fühle grade mehr Lebensmut als... vielleicht seit mehreren Jahren!

Ich hoffe, dieses Gefühl hält an. (smili)
Das ist wunderbar, herzlichen Glückwunsch!

Denn das ist, zumindest was mich angeht, alles, was ich mit meinen Beiträgen dazu erreichen wollte. Das warum ist vielschichtig und auch interessant, hilft dem einzelnen Menschen aber eigentlich nicht oder kaum weiter. Wichtig ist die Selbstakzeptanz. Das ist der erste große Schritt. Jetzt kommt der große und spannende Teil, was Du aus dieser Erkenntnis machst? Also kann dieses Selbst nun mit der Außenwelt, außerhalb des eigenen Kopfes, in Kontakt und Erscheinung treten? Das ist ein langer und teilweise nicht ganz einfacher Verhandlungsprozess, der aber auch nur gelingen kann, wenn das "Click", wenn das Selbst zuvor erkannt und akzeptiert wurde - was Du ja nun geschafft hast.

Alles Gute!

Liebe Grüße
nicole
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 52 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal » So 17. Jul 2016, 15:19

Franka hat geschrieben:Hallo Sara,

ja ich glaube schon das dieses Gefühl anhalten wird. Aber es wird auch Tage geben an denen du dich fragst, ob du das richtige tust, warum tue ich das alles?, wäre es nicht einfacher weiter die Rolle zu spielen, die alle von mir erwarten?, aber so miese Tage gibt es halt manchmal. Im großen und ganzen ist es aber eine Befreiung, auch wenn es nicht immer einfach sein wird. Ich wünsche dir, dass dein Lebensmut dir erhalten bleibt.

LG Franka
Hallo, ja, das deckt sich 100%ig mit meinen Empfindungen. Was, wenn ich mich später doch einmal frage, war die Entscheidung die richtige? Aber es manifestiert sich so eine Richtung, die mir sagt, es geht doch schon längst nicht mehr ums Äußerliche, Klamotten usw., sondern um dieses beißende Gefühl, daß ich irgendwie dazugehören möchte, zu den Vetretern der Damenwelt. Schwer zu beschreiben, aber das ist dieses unterschwellige Gefühl, daß ich von ihnen als Gleichartige anerkannt und respektiert werden möchte, weniger das Zurschaustellen von weiblichen Attributen. Darum geht es schon lange nicht mehr. So ein Gefühl hatte ich das erste Mal, als ich einen Sheegokatalog auf meinen weiblichen Namen erhielt. So eine kleine Sache, aber doch so wichtig in meiner Entwicklung.
Liebe Grüße
Johanna

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 53 im Thema

Beitrag von Explorer » So 17. Jul 2016, 16:13

nicole.f hat geschrieben:Wichtig ist die Selbstakzeptanz. Das ist der erste große Schritt. Jetzt kommt der große und spannende Teil, was Du aus dieser Erkenntnis machst? Also kann dieses Selbst nun mit der Außenwelt, außerhalb des eigenen Kopfes, in Kontakt und Erscheinung treten? Das ist ein langer und teilweise nicht ganz einfacher Verhandlungsprozess, der aber auch nur gelingen kann, wenn das "Click", wenn das Selbst zuvor erkannt und akzeptiert wurde - was Du ja nun geschafft hast.
Mein erster Schritt ist mir eigentlich selbst klar werden, was ich sein will, bzw. als was ich mich sehe. Also geschlechtlich gesehen. Versuche ich eigentlich auch schon längere Zeit, aber ich bin gedanklich immer etwas an diesem ersten Schritt hängen geblieben - vielleicht lasse ich diesen Stolperstein endlich hinter mir.

Und wenn ich dann weiß, was ich bin/will, oder zumindest der Antwort auf diese Frage näher komme, kann ich auch langsam daran gehen, diese Änderung in die Außenwelt zu tragen. Wie und in welchem Rahmen... habe ich noch keine Ahnung. ;)
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 54 im Thema

Beitrag von nicole.f » So 17. Jul 2016, 16:21

Vielleicht auch einfach mal das "was ich sein will" anders betrachten? Warum sich für ein so oder so entscheiden? Wie wäre es einfach, Du selbst zu sein, so wie *Du* eben bist, unabhängig davon, als was dies andere vielleicht einsortieren? Du bist Du und was Du zu Dir zugehörig empfindest oder eben nicht, ist ganz alleine Deine Sache und ganz bestimmt keine Frage von Klassifikationen wie Mann oder Frau. Die können helfen, es vielleicht zu kommunizieren, aber zur Selbstwerdung sind es eher hinderliche Stereotype, die sowieso auf praktisch keinen Menschen völlig zutreffen. Erstmal Selbst werden, dann kann man immernoch gucken, ob es dafür eine Beschreibung gibt :)

Liebe Grüße
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 55 im Thema

Beitrag von NanaVistor » So 17. Jul 2016, 16:35

Ziele und Neugier, beides hat aber mit geschlechtlichem Empfinden nichts zu tun. Aber wegen beidem, bin ich jetzt da wo ich bin.
Das Empfinden selbst, wird meistes wohl nur verwechselt, oder geht in dem Wunsch oder dem Verzehren darin auf.
Auch Vordenker müssen nachdenken.

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 56 im Thema

Beitrag von Marielle » So 17. Jul 2016, 18:55

Hallo Sara,
... und irgendwann sagte es "click" in mir, und ich hatte gar keine Lust mehr auf die Theoretisiererei. ..... Ich fühle grade mehr Lebensmut als... vielleicht seit mehreren Jahren!
Das hört sich doch richtig gut an! Freut mich.


Hab's gut

Marielle


PS: "nichts halbes und nichts ganzes" trifft es nicht :wink:
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 57 im Thema

Beitrag von Explorer » So 17. Jul 2016, 20:35

nicole.f hat geschrieben:Vielleicht auch einfach mal das "was ich sein will" anders betrachten? Warum sich für ein so oder so entscheiden? Wie wäre es einfach, Du selbst zu sein, so wie *Du* eben bist, unabhängig davon, als was dies andere vielleicht einsortieren? Du bist Du und was Du zu Dir zugehörig empfindest oder eben nicht, ist ganz alleine Deine Sache und ganz bestimmt keine Frage von Klassifikationen wie Mann oder Frau. Die können helfen, es vielleicht zu kommunizieren, aber zur Selbstwerdung sind es eher hinderliche Stereotype, die sowieso auf praktisch keinen Menschen völlig zutreffen. Erstmal Selbst werden, dann kann man immernoch gucken, ob es dafür eine Beschreibung gibt :)
Ja, einfach so sein, wie ich bin/sein will - da bin ich eh mit mir im Reinen. Aber darauf dann ein Etikett wie "weiblich", "androgyn" oder "geschlechtsunbestimmt" zu kleben, damit tue ich mich schwer. Aber ich will weiblich sein, zumindest zum Teil. Manchmal fühle ich mich wohl damit, ein klischeebrechender Mann zu sein, manchmal fühle ich mich wohl damit, mich als Frau zu sehen... aber dem werde ich jetzt, zumindest erstmal für mich selbst, einfach nachgehen, und schauen wohin mich mein Gefühl führt.
Marielle hat geschrieben:PS: "nichts halbes und nichts ganzes" trifft es nicht :wink:
Ja, ich weiß. Aber für andere Menschen wird es teilweise so klingen. ;)
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 58 im Thema

Beitrag von sabine01 » So 17. Jul 2016, 22:09

Hallo Sara, hallo ihr Lieben, ich glaube, ihr macht euch Alle viel zu viele Gedanken. Gut, ich bin achtundsechzig Jahre alt, von denn ich siebenundsechzig als Mann "vertan" habe.. Wer weiß, wie lange ich noch lebe? Also gehe ich dieses "Problem" etwas anders an. Ich bemerke seit etwa einem Jahr an mir Veränderungen in meinem Denken und Handeln, die seit dem Beginn des Suchens, wer ich denn nun eigentlich bin, oder sein möchte, immer mehr Raum einnehmen. Es sind keine großartigen Dinge, um die es da geht. Teilweise laufen Prozesse ab, über die ich mich köstlich amüsiere. Z.B. wenn ich am Freitag als Frau über etwas nachdenke, was mich als Mann am Donnerstag völlig kalt ließ. Ich mache es jetzt so, dass ich mich nicht mehr in eine Schublade sperren lasse. Bin ich Mann, denke und handle ich wie ein solcher. Bin ich Frau, geht´s anders rum. Wobei ich gestehen muss, dass ich mit meiner weiblichen Seite, meine männliche kontrolliere. Zwei Seelen wohnen, Ach, in meiner Brust... Wer war´s? Ich glaube Goethe, oder?
Auf jeden Fall wünsche ich dir und euch Anderen viel Kraft und Glück
GLG
Sabine
p.s. Sollte ich undeutlich oder diffus werden, schreibt mir bitte. Ich muss dann meinen Untermieter körperlich ermahnen

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 59 im Thema

Beitrag von lucalikes » So 17. Jul 2016, 22:20

Jetzt muss ich doch noch mal theoretisch werden, obwohl ich das gar nicht so mag.
Vielleicht irre ich mich ja auch, aber manchmal kommt es mir so vor, als ob sich in diesem Forum immer wieder die Stimmen durchsetzen, die meinen: Mach, was du denkst, sei, wie du glaubst, lebe, was du fühlst!
Ja, ich halte auch viel von Selbstbestimmung. Bei mir schließt die Selbstbestimmung aber ein, dass mir die anderen, die Verwandtschaft, die Freunde, die Gesellschaft nicht egal sind. Ich möchte schon ankopplungsfähig bleiben und ich möchte eben nicht meine Mitmenschen zu Einsichten zwingen.
Nach wie vor wünsche ich mir ein klares Kriterium für mein Gefühl, weiblich zu sein. Doch da muss ich noch suchen.
Eine Entscheidung zu treffen, ohne all dieses Drumherum, empfinde ich ehrlich gesagt (und da ist ein großes Hindernis), als absolut männlich. Für mich ist es männlich zu sagen: Was interessieren mich die Leute? Ich mache, was ich will.
Schon allein deswegen helfen mir hier viele Aussagen nur wenig weiter. Und der leibliche Aspekt fehlt mir auch. Stimmt bei mir was nicht?
LG
Martina (lucalikes)

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 60 im Thema

Beitrag von Explorer » Mo 18. Jul 2016, 05:48

Hallo Martina,

Was heißt "Einsichten erzwingen"? Ich erwarte, dass mich andere Menschen akzeptieren wie ich bin. Und wenn das jemand für unzumutbar hält, dann muss diejenige Person an ihrem eigenen (!) Problem arbeiten oder damit leben.

Für mich ist das Stärke, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit. Ich persönlich assoziiere das mit Frauen. Aber richtiger wäre wohl zu sagen, dass das geschlechtsunabhängige Werte sind.

Ich nehme dennoch Rücksicht auf meine Partnerin, weil ich nur eine Entscheidung für mich treffen kann, nicht aber an ihrer Stelle. Deshalb ist für mich aber angepasstes Duckmäusertum noch nichts erstrebenswertes.

Also ja: Für mich gilt tatsächlich "tu was du willst", solange dadurch niemand zu Schaden kommt. Das beinhaltet auch, von einer Umwelt Anpassungsleistungen zu verlangen, die ihrerseits Konformitätsdruck auf mich ausübt. Meine Erwartungshaltung an die Umwelt ist weitaus geringer als umgekehrt.

Davon abgesehen kann man es ohnehin nicht immer allen recht machen, daher halte ich das für den falschen Ansatz. Viel besser finde ich es, meinen Weg zu suchen und dem treu zu bleiben. Ich gehöre mir selbst, und nicht den Erwartungen, die andere auf mich projezieren.
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