Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest? - # 5

Lebensplanung, Standorte
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Simone
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 61 im Thema

Beitrag von Simone » Mo 18. Jul 2016, 10:21

Hallo Martina,

ich möchte dir in deinen Bedenken spontan beipflichten. Aber im Moment sehe ich es so, dass die Betrachtung von Beziehungen ein zweiter Schritt ist, oder zumindest in meine Augen sein sollte. Wenn ich für mich meinen Standpunkt in diesem 'innersten Kreis', den ich als frei von Beziehungen zu anderen Menschen verstanden habe, geklärt habe, dann erweitere ich den Kreis meiner Betrachtung. Das tue ich dann aber auf der Basis meiner Erkenntnis.
Ich persönlich bin noch nicht so weit. Ich möchte mir die Fragen zur Selbsterkenntnis noch einmal ganz bewusst stellen und beantworten. Aus einem spontanen Empfinden heraus habe ich aber eine Ahnung, wie das Ergebnis ausfallen wird. Aber ich habe auch eine Ahnung, dass ich meine Probleme nur verschoben habe, dass die Erkenntnis, als Frau leben zu wollen nicht automatisch den Entschluss nach sich zieht, es auch zu tun und die (berechtigten ??) Erwartungen der anderen Menschen zu enttäuschen.
Aber man sollte bei der Betrachtung der Beziehung zu anderen Menschen versuchen, sich davon zu befreien, zu glauben, man wisse, wie sie reagieren. Vielleicht haben sie einem in einzelnen Fällen ihre Ablehnung unmissverständlich deutlich gemacht, aber ich habe an einigen Stellen hier im Forum gelesen, dass z.B. Eltern, die spontan mit Ablehnung reagierten, nach einer Zeit der Gewöhnung auf ihre 'neue' Tochter zugegangen sind.
Aber ich sehe es auch so, dass die Selbsterkenntnis und -akzeptanz so schwer sie schon ist, nur ein erster, zwar wichtiger, aber vergleichsweise kleiner Schritt ist.

LG Simone

Johanna Dornal
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 62 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal » Mi 20. Jul 2016, 17:26

Selbstverständlich brauchen wir nicht zu begründen, warum wir sind, wie wir sind; das hatte ich ja auch in meiner Utopie beschrieben. Diese Frage ist nur ein immer auftretendes Muster in fast allen Foren und Diskussionen, die große Warum Frage. Sie wird, man möge mir diese Pauschalisierung verzeihen, zumeist von Menschen gestellt, die noch recht am Anfang ihrer Selbstfindung oder Selbstwerdung stehen. Ich finde das auch völlig verständlich und möchte das keinesfalls unterdrücken oder in Frage stellen. Es ist, in der heutigen Welt, nachvollziehbar, verständlich und damit auch völlig in Ordnung, diese Frage zu stellen, denn wir werden förmlich dazu gezwungen, eine Antwort darauf geben zu können. Manchmal haben wir Glück und wir treffen auf Mitmenschen, die uns annehmen wie wir sind, ohne diese Frage zu stellen und insbesondere ohne das wir das Gefühl haben, das diese Frage noch über ihren Köpfen zu schweben scheint. Das ist bedngungslose Akzeptanz, bedingungslose Liebe und eines der schönsten Geschenke, dass man einem Mitmenschen machen kann. Nur leider wird dies nicht allen zuteil und schon gar nicht ist dies der Regelfall.
Sehr gut beschrieben. Besonders, das was unterstrichen ist, trifft in meinem Fall absolut zu.
Beginne ich also mit meiner Selbstfindung und Selbstwerdung, so stelle ich mir zwangsläufig diese Frage, wie kann ich das, was ich da empfinde und das, was für mich daraus zwingend eigentlich folgen muss, wie kann ich das meinen Mitmenschen und meinem Umfeld verständlich und klar machen? Diese Wie Fragen laufen dann ganz zwangsläufig auf das Warum hinaus. Für uns selbst brauchen wir diese Antworten eigentlich nicht. Das wir diese Fragen stellen, rührt, denke ich, aus der implizit gefühlten Verpflichtung, uns unserem Umfeld erklären können zu müssen.
Auch hier wieder absolut d'accord

Jetzt kommt aber noch eine schöne Erfahrung, die in Richtung der von Anke geht. Während meines Coming-Out habe ich mich Dutzenden, wenn nicht sogar Hundert und mehr Menschen gegenüber offenbart. Die ersten Male waren die Gespräche oder eMails lang, viel Erklärung, die Geschichte, die Geschehnisse, eigene Erfahrungen und so vieles mehr, das ich versuchte wie eine Beweiskette aneinander zu reihen. Es schien auch zu funktionieren, ich erfuhr keine Ablehnung. Doch recht bald schireb mir dann ein Freund, den ich leider nur selten persönlcih treffe, auf meine lange Erklärungsmail zurück "...Die ganze Erklärung war aber gar nicht nötig. Das mit Dir etwas nicht stimmer, habe ich schon lange gemerkt, doch Freunde stellen das nicht in Frage, es ist eben so. Wenn es Dir so nun besser geht, dann ist das gut und auch das stellen Freunde nicht in Frage oder brauchen gar einen Grund dafür. Ich freue mich für Dich!". Danach wurden meine Coming-Out Gespräche und eMails auch immer kürzer und es klappte trotzdem. Menschen, denen etwas an einem liegt, interessiert das Warum nicht, oder wenn überhaupt, dann viel später und auch nur soweit, wie wir es bereit sind, preis zu geben. Sie interessiert viel mehr, dass es *uns* gut geht, das wir glücklich sind.
Wenn es denn so läuft, wäre das besser als ein Sechser im Lotto. Top.
Setzt allerdings bei unserem Umfeld, welches involviert ist aber voraus, daß dieser erste Prozeß auf einer Verstandesebene ablaufen sollte, d.h. man sollte schon ein gewisses Maß an Intelligenz beim Empfänger seiner Botschaft voraussetzen.
Liebe Grüße
Johanna

universe
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 63 im Thema

Beitrag von universe » Fr 22. Jul 2016, 22:05

Hab nicht den ganzen Thread gelesen, aber ganz spontan fällt mir nur ein, woran ich es NICHT festmache: AN DER KLEIDUNG!

Grüße
universe

Vicky_Rose
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 64 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 25. Jul 2016, 08:46

Hi Martina,
Für mich ist es männlich zu sagen: Was interessieren mich die Leute? Ich mache, was ich will.
Was ist daran männlich ? Ohne diese Einstellung bei Frauen hätte es nie eine Emanzipationsbewegung gegeben ...

Grüße
Vicky
Viele Grüße
Vicky

Explorer
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 65 im Thema

Beitrag von Explorer » Do 4. Aug 2016, 23:34

Kurzes Statusupdate:

Ich lerne es auch nicht :lol: . Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich viel mehr über mich lerne, wenn ich neue CD-Erlebnisse habe, als wenn ich es in der Theorie 1000 mal analysiere.

Ich bin inzwischen einen kleinen Schritt weiter, und fühle mich pudelwohl. Und die Frage "Mann oder Frau?" tritt irgendwie grad ziemlich in den Hintergrund. Im Moment geht es mir einfach darum, mich schön und wohl in meiner Kleidung zu fühlen. Und das tue ich derzeit. Ob da ein Trans-Hintergrund besteht? Wer weiß, akut ist die Frage nicht so wichtig.
Zugegenermaßen ist mein Nickname etwas unpersönlich. Ihr könnt mich auch Sara nennen.

Lukretia
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 66 im Thema

Beitrag von Lukretia » So 28. Aug 2016, 14:43

Ich mache mein geschlechtliches Empfinden an meinen sexuellen Wünschen und Phantasien fest.
Hermann Hesse hat einmal geschrieben:
"Das Leben eines Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch, es zu werden."
Ich musste ein alter Mann werden, um zu erkennen, dass in mir ein altersloses junges Mädchen und eine junge Frau sind, die sexuell junge Männer begehren.
Da mich auch junge, attraktive Frauen geil machen, hatte ich nicht begriffen, dass ich diese Frauen keineswegs sexuell begehrte, sondern sie mich deshalb "anmachten", weil ich wie sie sein wollte. Denn nur in Gestalt einer attraktiven jungen Frau oder eines Mädchens glaubte ich mich einem Mann hingeben zu können, nicht als der Mann, der ich tatsächlich äußerlich war.
Eine Geschlechtsangleichung wäre ein Weg gewesen, den Zwiespalt zu überwinden. Aber nicht jeder kann und will diesen Schritt tun.

LG
Lukretia

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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 67 im Thema

Beitrag von Explorer » Mo 4. Sep 2017, 17:16

Ich grabe diesen alten Thread von mir noch mal aus. Ich habe im letzten Jahr mehrmals hier hinein geschaut, und meine Ansicht hat sich völlig verändert. Es scheint ja so eine "Herz vs. Kopf"-Sache zu sein. Und inzwischen stehe ich auf der "Herz"-Seite. Ich verstehe es nach wie vor nicht, warum ich trans bin. Ich kann keine akademisch fundierte, hieb- und stichfeste Erklärung bieten was mich zur Frau macht oder was das genau für mich bedeutet. Aber ich lasse mich einfach auf die Erfahrung ein, ich probiere es aus. Für mich war es das beste, über dieses ständige Grübeln und Analysieren hinweg zu kommen. Es fing mit Kleinigkeiten an, verschiedene Selbstbeschreibungen auszuprobieren (und "Frau" als das Wort zu finden, dass mir den meisten inneren Frieden gibt), und dann nach und nach mein Inneres Empfinden nach außen zu tragen. Es geht mir nicht mehr darum (jedenfalls nicht in erster Linie) es zu verstehen oder zu rechtfertigen, sondern darum heraus zu finden was für mich das richtige ist. Und ich merke den Unterschied, sehr sehr deutlich. Ich fühle mich "komplett", und in mir selbst angekommen in einer Art, die ich vorher nicht für möglich hielt.

Ich weiß, das Thema ist quasi Schnee von gestern, und will auch die Diskussion nicht wieder aufwärmen (obwohl natürlich diskutiert werden darf!), aber vielleicht stößt ja der/die eine oder andere hier noch auf den Thread und kann was mit meiner Antwort anfangen. Wir haben alle unseren eigenen Weg, und was mir geholfen hat muss nicht automatisch das Richtige für alle sein, aber ich kann nur die Empfehlung geben: Hört einfach mal darauf was euch gut tut, auch wenn es sich nicht erklären lässt. Macht man ja in der Liebe in der Regel nicht anders! Da gibt es auch keinen verbindlichen ärztlichen Tests, sondern nur Gefühlsentscheidungen

(Schwierig wird es natürlich, wenn Liebe und Trans-Gefühle "gegeneinander arbeiten", wenn z.B. Frau und Familie im Spiel sind. Da gibt es sicher keine guten Patentlösungen, aber man sollte auch nicht in Umständen verharren, die einen auffressen.)
Zugegenermaßen ist mein Nickname etwas unpersönlich. Ihr könnt mich auch Sara nennen.

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