Ursachenforschung
Ursachenforschung - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Lina
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Re: Ursachenforschung

Post 16 im Thema

Beitrag von Lina » Sa 23. Apr 2016, 00:11

lucalikes hat geschrieben:
Lina hat geschrieben:Hallo Martina,
ich vermute, dass das mit den Kleinmaedchensachen sich ziemlich stark au dich selbst besieht. Das bedeutet ja nicht unbedingt, dass das bei allen so zutrifft, wie du beschreibst. Ist das nicht der Fehler, den viele Psychologen machen - Siegmund Freud inkl. - dass sie davon ausgehen, dass alle mit den gleivhen Voraussetzungen geboren werden und dann sich selbst als Massrab setzt?
Du hast natuerlich Recht, dass es im weiblichem Verhalten, wenn es darum geht suess/sexy zu sein Elementevon Kindlichem Verhalten gibt. Da wind Menschen nicht die Einzigen. Da schliessen sich so viele Wirbeltiere an, dass es mich wundern wuerde, eenn nan de T-Rex nicht dazuzaehlen koennte.
Ich, zumindest, wollte als Kind nicht ein Kind sein. Ich wollte so bald wie moeglich das tun und koennen, was Erwachsene koennen.
Also habe ich auch nicht "Maedchenkleidung" angezogen sondern so weit Moeglich was den erwachsenen Frauen nahe kommt. Inkl schwerze Pumps und Schmuck mit Perlen, was ich uebrigens immer noch gerne mag.
Hallo Lina,
zum Verallgemeinern von irgendwas ist es mir auf alle Fälle noch zu früh. Deswegen habe ich es auch ausdrücklich eine Hypothese genannt, dass es eine Parallele gibt zum Ageplay. Ja, bei mir trifft das zu, aber auch bei einer Reihe anderer CD / TG / TS, die ich online kennengelernt habe. Es gibt auch Männer, die Windeln plus Jungssachen lieben oder Windeln plus Strumpfhosen, aber nichts von Mädels usw. usf. Ich hörte sogar von einem amerikanischen Psychiater, der das Phänomen AB / DL grundsätzlich mit Transsexualität in Verbindung setzen soll. Da geht also extrem viel hin und her. Deswegen höre ich lieber auf die echten Erinnerungen und Erfahrungen.
Und deine Erfahrung, dass du lieber so schnell wie möglich eine erwachsene Frau werden wolltest, ist natürlich ganz besonders spannend. So eine Geschichte habe ich noch nie gehört. Das macht mich aber auch extrem neugierig, weshalb du nicht ein erwachsener Mann werden wolltest... :wink:
LG
Martina
Das mit den Windeln etc. bezweifle ich gar nicht. Es gibt sowieso nicht das Kleidungsstück oder Accessoire samt viel mehr was nicht Gegenstand von Fetischismus ist. Aber worauf der Psychiater die These basiert, dass ausgerechnet diese eine Variante von Fetischismus insbesondere mit Transsexualität zu tun haben sollte, würde ich gerne in Detail dargestellt sehen. Zumal dass viele Windelfetischisten und auch viele Menschen, die eine fetischistische Neigung zu Frauenkleidung haben, keineswegs über ihre männliche Identität zweifeln.

Dass ich explizit eine erwachsene FRAU sein wollte stimmt auch nicht ganz. Es war eher so, dass ich verschiedene Erwachsenen-Rollenmodelle hatte - einige männlich, einige weiblich. Die Tragweite des Unterschiedes zwischen männlich und weiblich war mir einfach noch nicht klar. Obwohl ich oft mit meinen Schwestern zusammen gebadet oder gedusch hatte, war es mir nicht klar, dass wir anatomisch unterschiedlich sind. Es kam mir vor, dass die Rollenmuster zwar klar waren, aber frei auswählbar. Dann fing die Schule an ... und irgendwann kehrte ich bewusst zu meiner ursprünglichen (unbewussten) Auffassung zurück.
In der Zwischenzeit hatte ich gelernt ein Junge zu sein. Gewissermaßen leicht, in vieler Hinsicht praktisch, auf vielen Punkten unzufriedenstellend.

Aber als KInd fühlte ich mich sehr wohl, wenn ich versuchte so sehr wie z.B. meine Mutter zu sein, wie es in dem Alter ging. Und als Erwachsene fand ich, dass die sehr "damenhafte" Rolle sehr gut zu mir passt und die Interaktion mit meinen Mitmenschen gut funktioniert und dass ich mich dabei sehr wohl fühle.

hanna von elm
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Re: Ursachenforschung

Post 17 im Thema

Beitrag von hanna von elm » Sa 23. Apr 2016, 13:08

lucalikes hat geschrieben:
hanna von elm hat geschrieben: ich glaube man muss da muss man unterscheiden zwischen zum einen crossdressern dwt Transvestiten und was es da noch so alles gibt und zum anderen Transsexuellen (hoffe ich setze mich mit meinem halbwissen jetzt nicht völlig in die Nesseln ^^)
Bei Transsexuellen, denke ich, sind die "Ursachen" wohl eher in der Neurobiologie, Genetik und/oder durch pränatale Hormoneinflüsse zu suchen. Also Dinge die ohne Medizinstudium wohl nur schwer zu begreifen sind, bzw. auch noch gar nicht vollkommen erforscht sind.
Hallo Hanna, keine Ahnung, ob man da unterscheiden muss.
Ich weiß, dass manche TS großen Wert auf die Unterschiede legen und darauf, dass bei ihnen alles schon von Geburt an so war. Ich habe sogar schon Verschwörungstherien gelesen, dass angeblich Gutachter und Krankenkassen auf Fetischforen mitlesen, um "unechte" TS zu erkennen. Wenn ich von solchen Entscheidern abhängig wäre, würde ich mich hier wahrscheinlich sowieso bedeckt halten. Wenn ich mich darüber auslasse, wie es zu meinen Vorlieben gekommen ist, besteht ja theoretisch die Gefahr, dass man mich als therapierbar einsortiert.
Bei einem Kind, welches gerade entdeckt das es verschiedene Geschlechter gibt und sich daher gerade sehr dafür interessiert kann vielleicht schon eine (objektiv betrachtet) "kleinigkeit" Auslöser für eine spätere Leidenschaft sein.
Als Beispiel : Ein kleiner Junge der eingenässt hat und keine eigenen Wechselsachen dabei hat und daher einen Rock, Mädchenhose anbekommt damit er nicht nackig rumlaufen muss.
Ein wunderbares Beispiel, das mich glatt zu Tagträumen anregt (smili)
In der Psychoanalyse wird ja tw. angenommen, dass traumatische Kindheitserfahrungen dadurch bewältigt werden, dass wir sie ins lustvolle Gegenteil verkehren. Bei mir war es in der Tat so, dass ich mit 5 Jahren in eine viel zu kleine Knöpfer-Windel gezwungen und dazu noch beschämt wurde. Und es war auch üblich, Jungen zu beschämen, indem man sie als (wie) Mädchen bezeichnete (zum Beispiel, weil ich oft geweint habe). Vielleicht haben andere ja Ähnliches erlebt?
Grundsätzlich ist sowas aber total Spekulativ und es mag noch Tausend andere Ursachen geben, aber genau das macht es ja auch so spannend darüber zu diskutieren :)
Ich irre mich manchmal mit meinen Erinnerungen. Dann fällt mir ein neues Detail ein, das ich vergessen oder verdrängt hatte. Aber im Grunde finde ich es nicht spekulativ. Und je mehr wir Erfahrungen austauschen, umso mehr kommt bei mir das Gefühl auf, dass es durchaus möglich ist, die seelische Entwicklung zu verstehen. Das Internet ist dafür genial, weil wir uns hier der ärztlichen Deutungsmacht ein Stück weit entziehen können.
LG
Martina


Hi Martina,

also ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen das sich eine Transidentität aus einem Fetisch "entwickeln" kann. Das würde auch allen seriösen Forschungen widersprechen, oder nicht?
Das es unter Menschen, die sich nicht mit einem binären Geschlechtermodell identifizieren können einen relativ hohen Anteil an Ageplayern oder anderen "non vanilla" Vorlieben gibt, glaube ich aber auch.
Doch da seh ich eben Ursache eben andersherum. Ein transidenter Mensch, der sich dem vielleicht noch gar nicht so bewusst ist vielleicht "anfälliger" für ausgefallenere Vorlieben - das bitte aber nicht negativ werten ;)

Diese Verschwörungstheorien kann ich mir ebenfalls gar nicht vorstellen, denn was für einen Sinn würden die denn ergeben? Eine Krankenkasse könnte doch kaum Leistungen verweigern mit der Begründung der/die Patient_in treibe sich in irgendwelchen "Schmuddelforen" rum, oder?

Nun widerspreche ich dir noch ein drittes Mal, lol
Denn das jemand eine andere Geschlechterrolle leben möchte als die, die Gesellschaft ihm/ihr zugeteilt für die er/sie sich unterbewusst schämt kann ich mir auch nicht vorstellen.

Naja, bloß weil ich es mir nicht vorstellen kann, muss es ja nicht heißen das es das nicht gibt, doch sehe ich für solche Ursachen einfach keine gründe die dafür sprechen aber viele die dagegen sprechen ^^


Also, auch wenn unsere Meinungen da irgendwie weit ausseinandergehen, finde ich diese Ursachenforschung doch echt spannend und freue mich auf Antwort :)


lg
hanna

NanaVistor
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Re: Ursachenforschung

Post 18 im Thema

Beitrag von NanaVistor » Sa 23. Apr 2016, 15:07

Die Uneinigkeit in der Quellenforschung ist groß. Es gibt viele Parallelen bei uns allen, und mindestens ebenso viele Unterschiede. Schon jede Eigendefinition schlägt da quer. Für den oder die ungemein wichtig, ist für den oder die andere total unbedeutend. Eine Trennung von den äußeren Einflüssen und angeboren/genetisch bedingt bringt nur noch mehr Variationen mit sich.
Schon die Ansicht "Frau" differiert enorm. Jede weitere, ursächliche Definition bringt weitere Grenzen mit sich.
Alles was ich bisher darüber gelesen oder gehört hab, zeigt auf: allgemein gültig gibt es nicht.
lg
Nana
Auch Vordenker müssen nachdenken.

ExUserIn-2018-08-04
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Re: Ursachenforschung

Post 19 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » So 24. Apr 2016, 12:25

Gutes Thema. Ich finde es völlig normal, nach Ursachen für menschliches Verhalten zu suchen. Ob man in unserem Fall allerdings leicht fündig wird, daran glaube ich nicht.

Bevor ich (TS) kapierte, was mit mir los war, sah ich mich als Sammelsurium von Eigenschaften, die vom überwiegenden Teil der Menschheit als „unnormal“ angesehen werden. Ich war Crossdresser. Ich war Fetischist. Ich liebte es, beim Sex entweder der passive Part zu sein, der sich befriedigen lässt, oder der aktive Part, wobei ich imaginativ in den Körper meiner Partnerin „switchen“ konnte. Letzteres passierte mir bereits mit 17 zum ersten Mal. Wer als Teenager ähnliche Erfahrungen gemacht, wird mir zustimmen, spätestens da weißt du definitiv: Houston, es gibt ein Problem!

Und das ist ganz schön viel Holz für eine Ursachenforschung, Mir jedenfalls hat meine Sexualität jahrelang so viel Angst gemacht, dass ich gar nicht wissen wollte, woher das alles kommt. Ich war halt so. Punkt. Schließlich tat ich damit niemandem weh.

Dennoch poppten in seltenen Momenten mutiger Selbstreflektion diverse Theorien auf: a) Mein Vater war selten zu Hause (Manager), weshalb ich kein männliches Vorbild hatte. b) Ich bin in Wahrheit schwul und komme damit nicht klar. c) Ich hatte als Kind eine Verletzung am Penis, und die Heilung war so schmerzhaft, dass ich mein Geschlechtsorgan nicht mehr mochte. d) Ich wurde von einem Schulkameraden da unten angefasst, und weil ich mich nicht wehrte, denke ich seitdem, ich sei ein Mädchen. Wäählen sie aa, be, che oder de…!

Keine dieser Antwortmöglichkeiten schien 100%ig zu passen. Das war echt frustrierend. :?:

Als vor ein paar Jahren meine selbstinszenierte Scheinwelt in Stücke fiel, kam die Suche nach den Antworten wieder auf. Diesmal allerdings in einem anderen Kontext: „Warum funktioniert mein Leben nicht?“ Ich fand die Kraft, den Alkohol auf ein gesundes Mindestmaß herunter zu schrauben und auch bei der Arbeit kürzer zu treten. Außerdem beendete ich den Kontakt mit Energy Suckern und anderen nervigen Idioten. Mein Leben funktionierte tatsächlich besser. Aber gut ging es mir trotzdem nicht.

Irgendwann schaute ich in den Spiegel, und plötzlich war sie wieder da, die immerwährende Frage: Nein, nicht „Was ist die Matrix?“ Sondern „Was bedeutet es, dass ich so bin?“ Es war die gleiche Frage, aber im neuen Gewand. Ein weiteres Mal veränderte sich die Suche nach den Antworten. Und irgendwann fiel das Puzzle zusammen. Alle „Teile“, die mich jahrzehntelang belastet haben, waren Symptome der Inkongruenz zwischen weiblichem Gehirn und männlichem Körper. Bäm!

Ich bin transsexuell. Mein Gefühle, meine Wünsche und Träume, sind weiblich. ---)))

Die Erkenntnis war erleichternd. Natürlich suchte ich erneut nach Antworten, diesmal für meine Transsexualität. Ich las Bücher über frühkindliche Psychologie. Wann entsteht die geschlechtliche Identität? Im Mutterleib? Oder in den ersten Lebensjahren? Ist vielleicht in der Ablösungs- und Wiederannäherungsphase etwas schief gelaufen? Säuglinge empfinden sich bekanntlich zunächst als Teil der Mutter. Ist die Frau in mir etwa meine während der Ablösungsphase „verloren“ gegangene Mutter? Meine Mama glaubt das nicht. Bis zum Kindergarten sei ich ein völlig unauffälliges Kleinkind gewesen. Nichts deutete darauf hin, dass ich „anders“ war.

Aber wenn man trans ist, rücken irgendwann die Herausforderungen des Alltags in den Vordergrund, und die Vergangenheit tritt dahinter zurück. Ich habe einen männlichen Körper. Anfangs fühlte ich mich wie „deformiert“. Bis heute habe ich Phasen, in denen ich deshalb sehr traurig bin. :cry: Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zwischen Crossdressern und Transsexuellen. Ich will meinen Körper in eine Form bringen, die meinem weiblichen Empfinden entspricht. Macht mich das zur Frau? Keine Ahnung. Zumindest macht es mich glücklich, immer mehr ich wie eine auszusehen.

Buddha sagt: „Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.“

Buddha war zweifellos sehr weise.

Sicher trauern viele von uns TS einer weiblichen Kindheit hinterher. Ich habe zum Einschlafen ein kleines pinkes Kuscheltier, aber damit hat es sich in Sachen Kindlichkeit. Noch mal so zart, hilflos und verletzbar zu sein, wäre für mich ein Horrorszenario.

Warum? Hier schließt sich der Kreis.

Laut meiner Mama begann das Drama am ersten Tag im Kindergarten. Meine eigenen Erinnerungen sind lückenhaft. Ich klammere mich an die Hand meiner Mutter. In einer Ecke steht ein Puppenhaus. Ich will hingehen, zu den Mädchen, die dort spielen. Aber etwas hält mich zurück. In der anderen Ecke toben die Jungs. Ich weiß nicht, was ich tun soll, bin überfordert und habe Angst. Schließlich werde ich zu den Jungs geschoben. Ich verziehe mich in eine Ecke und versuche aus Bauklötzen ein eigenes Puppenhaus nachzubauen. Ein Junge wirft sich in meinen Rohbau, und ich fange an zu weinen.

Viele Jahre später stellte meine Endokrinologin fest, dass mein Testosteronspiegel für einen „Mann“ ungewöhnlich niedrig sei. :idea: Anscheinend ist das angeboren.

Liebe Grüße

Daenerys

ab08
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Re: Ursachenforschung

Post 20 im Thema

Beitrag von ab08 » So 24. Apr 2016, 13:51

Danke für das Thema, Martina!! )):m

Liebe Daenerys,

Du beschreibst auch meine Situation ziemlich gut, denn vieles kommt mir sehr bekannt vor. (Kindergarten, Testosteronspiegel, das ständige Suchen, sogar im Bereich Fetischismus)
Pubertät... wie sehr wünschte ich mir, wie andere Mädchen einen normalen Busen zu bekommen, ... bzw. dass der Alptraum endete. :oops:
Alles aufzuzählen, dazu fehlt mir momentan die Zeit. (Beruflich zur Zeit halt extrem viel los)

Mein Glück, dass ich früh, bereits in den 60er Jahren bei meinen Aufenthalten in Paris - https://en.wikipedia.org/wiki/Coccinelle erfuhr, dass Transsexualität existierte.
Aber es dauerte dennoch lange, ich für mich selber akzeptierte, dass ich transsexuell war.
--> Inzwischen lernte ich zum Glück einiges über Intersexualität, Transsexualität dazu :wink:

Liebe Grüße
Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Astrid
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Re: Ursachenforschung

Post 21 im Thema

Beitrag von Astrid » Mo 25. Apr 2016, 10:54

Ja, über die Ursachen habe ich mir schon oft Gedanken gamacht. Zu einem schlüssigen Ergebnis bin ich für mich aber noch nie gekommen.
Das Wohlgefühl beim Tragen von weiblicher Kleidung war bei mir schon immer da. Selbst wenn ich bis zu meinen frühesten Erinnerungn zurückgehe, so im Alter von vier bis fünf Jahren, so sehe ich mich schon mit meiner Mutters Strumpfhosen, Schuhen und Kleidern herumspielen; allerdings stets und strikt heimlich. Immer wieder, meist schon gleich nach dem Aufstehen, wenn meine Eltern noch schliefen. Was nun aus heutiger Sicht meine genaue Motivation dazu war, kann ich nicht wirklich sagen. Ich fand es einfach schön. Auch habe ich rückblickend in dem Alter noch nicht das Gefühl gahabt, das mit meiner Identität etwas nicht stimmt. Lediglich betrachteten mich viele Menschen im Rückblick als "zart besaitet". Ich weinte schnell.

Mit Beginn der Pubertät kamen mir aufgrund meines Hangs zum heimlichen Dressen dann erste Zweifel auf. Zuerst schämte ich mich vor mir selbst, dann kamen im Laufe der Zeit die ersten Minderwertigkeitsgefühle auf, kein richtiger Junge zu sein. Aus den Minderwertigkeitsgefühlen entwickelte sich später eine Art Selbsthass. Ich wollte den anderen Jungen nacheifern: männlich sein, hart sein. Was mir zum Teil, wenn auch mit Mühe gelang. Ich fing an zu trinken und die Schule zu vernachlässigen. Eine Freundin fand ich nicht. Das Crossdressen wurde zum Fetisch. Ich schuf mir meine eigene Frau. Durch meine Abiturprüfungen bin ich mit Ach und Krach gerade noch so durchgekommen. Dann lernte ich wenig später meine heutige Frau kennen. Wir zogen recht schnell zusammen. Mein Crossdressen verheimlichte ich ihr und nutzte jede Zeit, die ich allein zu Hause war, mich umzuziehen. Ich empfand mein Verhalten zu der Zeit als krankhaft. Irgendwann begann ich zuzulassen, daß ich davon träumte eine Frau zu sein. Zudem fing es an, daß mir der männliche Part beim Sex immer weniger Freunde machte. Im Laufe der Jahre hatte ich Probleme, beim Sex überhaupt noch zum Höhepunkt zu kommen. Und da kam genau das ins Spiel, was auch Daenerys beschrieb: Ich versetzte mich beim Sex imaginär in die Rolle meiner Frau. Das half mir etwas. Ich habe nie mit meiner Frau darüber gesprochen.

Nach zehn Jahren Beziehung kamen bei mir dann die ersten Suizidgedanken auf. Irgenwann kam ich an den Punkt, wo ich so nicht mehr weiterleben wollte. Das war dann der Zeitpunkt meines ersten, recht halbherzigen Coming-Outs bei meiner Frau. Nach einigen Diskussionen akzeptierte meine Frau, daß ich die Kleidung zu Hause trug. Dann lief erstmal alles so weiter, nur das ich mich nicht mehr heimlich kleiden mußte. Über die nächsten zehn Jahre entwickelte sich dann mehr und mehr - wieder unausgesprochen und an meiner Frau vorbei - diese, wie ich es jetzt mal nenne, weibliche Identität. Am Ende verging kein Tag mehr, an dem ich nicht über mein ganzes Dasein nachgrübelte. Die Abwärtsspirale begann, von der ich neulich ja hier schon berichtete. Dann der gescheiterte Suizidversuch mit anschließendem zweimonatigem Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik.
Und hier wäre meine erste große Chance gewesen, die Karten auf den Tisch zu legen, an mir zu arbeiten, mein Leben zum Besseren zu ändern.
Aber ich ließ sie verstreichen und schwieg eisern bei Ärzten und Therapeuten über mein wahres Problem.
Bei der Entlassung meinte die Stationsärztin noch zu mir: "Sie werden wiederkommen. Ihre Probleme scheinen ihnen so ungeheuerlich groß vorzukommen, daß sie noch nicht bereit sind darüber zu sprechen." Wie Recht sie doch hatte!

Irgendwie schaffte ich es über die nächsten Monate, mich wieder aufzurappeln. Es lief aber die nächsten Jahre alles weiter wie gehabt. Immer mehr fühlte ich mich aber vom "Mann-sein-müssen" abgestoßen. Echte Freude am Leben empfand ich nicht mehr. Eines Tages laß ich auf Spiegel-Online einen Bericht über eine Transsexuelle. Ich war danach wie elektrisiert, konnte an nichts anderes mehr denken. Der Wunsch, ebenfalls als Frau zu leben, war plötzlich voll da. Ich suchte später das Gespräch mit meiner Frau über meine Empfindungen. Sie war nicht schockiert, eher verblüfft und akzeptierte es auch erstmal; wohl weil weder sie noch ich uns über die tatsächlichen Konsequenzen darüber im Klaren waren.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich hier im Forum angemeldet habe. Psychisch war ich da schon wieder in einer Ausnahmesituation und erneut mit Suizidgedanken belastet.

Ein damaliger Therapeut aus dem Klinikum hat mal zu mir nach einer Gruppentherapie - wo ich meist auch nur schwieg - gesagt: "Machen Sie doch mal Ihr Problem zum Thema!" Ich konnte aber leider nie über meinen eigenen Schatten springen.
Auch hier im Forum nicht. Ich habe zwei Jahre lang die Chance gehabt, mein Problem zum Thema zu machen. Auch diese habe ich wieder verstreichen lassen. Stattdessen habe ich mich, in dem ich zu allem Möglichen meinen Senf dazugegeben habe, oft mit Hang zur Konfrontation, gefühlt selbst ins Abseits geschrieben.

Auch wenn ich mich hier selbst in den verschiedensten Theorien von wegen Zwischengeschlechtlichkeit verstrickt habe, ist es in Wahrheit so:
Ich bin mir absolut sicher, daß ich kein Mann bin. Ich fühle mich nicht wohl unter Männern und auch nicht dazugehörig und habe mich deshalb auch über die Jahre von allen Freunden zurückgezogen. Ich blicke in den Spiegel und meine eigene Erscheinung stößt mich ab, weil sie nicht mit meiner gefühlten Identität übereinstimmt. Der Wunsch - aber leider nicht Gewissheit - eine Frau zu sein wird immer stärker.
Und nun möchte ich deutlich sagen: Ja, ich bin transident! - Und: Ja, ich habe nicht den blassen Schimmer, wohin meine Reise noch geht.

Klar, ich bin in therapeutischer Behandlung. Aber oft fehlt mir der Mut zur konsequenten Ehrlichkeit, anderen und auch mir selbst gegenüber. Das läßt meinen Prozess nur quälend langsam voranschreiten.
Und oft ist es auch das vielleicht nur eingebildete Gefühl, den Anspüchen an eine Frau niemals gerecht werden zu können.
Andererseits habe ich auch einige Erfolge zu verbuchen, bei denen ich meine eigenen Grenzen überwinden konnte: Allen voran, daß ich bei den meisten Menschen aus meiner Familie, auch meinen Eltern, ein Coming-Out hatte. Weiterhin wird mein Erscheinungsbild immer weiblicher. Auch wenn ich nicht voll durchgestylt auf die Straße gehe, so besteht meine Kleidung doch jetzt schon hauptsächlich aus Damenteilen, meine Fingernägel trage ich lang und stets lackiert und oft trage ich noch dezent Kajal und Mascara auf und die Haare werden auch immer länger. Und ich habe mir angewöhnt, konsequent überall so hinzugehen, auch auf die Arbeit.
Kollegen, die den Mut aufbringen mich darauf anzusprechen, erhalten die Antwort zu meiner gefühlten Identität. Das hat bis jetzt gut geklappt.
Allerdings wirke ich eher wie ein feminin gekleideter Mann, als wie eine Frau, was bei vielen Leuten anscheinend nicht dem Klischee eines trans* Menschen entspricht. Aber es verschafft mir schon jetzt ein positiveres Lebensgefühl, auch wenn es zum richtigen Durchbruch noch ein harter Weg für mich ist.

Abschließend zur Frage der Ursache: Für mich selber sehe ich keine konkrete Ursache für meine Transidentität. Sie war wohl immer schon da, nur hat es einer langen Entwicklung bedurft, bis ich mir dieser ernsthaft bewußt wurde bzw. werden wollte, möglicherweise auch aus unterbewusster Angst vor den Konsequenzen.

Liebe Grüße - Astrid

Lina
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Re: Ursachenforschung

Post 22 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 25. Apr 2016, 15:46

@@Laut meiner Mama begann das Drama am ersten Tag im Kindergarten. Meine eigenen Erinnerungen sind lückenhaft. Ich klammere mich an die Hand meiner Mutter. In einer Ecke steht ein Puppenhaus. Ich will hingehen, zu den Mädchen, die dort spielen. Aber etwas hält mich zurück. In der anderen Ecke toben die Jungs. Ich weiß nicht, was ich tun soll, bin überfordert und habe Angst. Schließlich werde ich zu den Jungs geschoben. Ich verziehe mich in eine Ecke und versuche aus Bauklötzen ein eigenes Puppenhaus nachzubauen. Ein Junge wirft sich in meinen Rohbau, und ich fange an zu weinen.

OMG! Das erinnert mich auch daran, wie ich mich gefreut habe, dass ich nicht in den Kindergarten musste. Ich spielte ungern mit Jungen, fand - oder finde es immer noch - furchtbar, wie einige wild um sich mit Sachen werfen, rumschubsen die eigenen oder Spielzeuge anderer kaputt machen. Besonders wenn ein bestimmter Junge mit seinen Eltern zu besuch kam, habe ich mein schönstes Spielzeug vor ihm Versteckt. Ein entscheidendes Schlüsselerlebnis in meinem Leben war, als er mal im Alter von ca 8 Jahren beim Spielen völlig rücksichtslos auf mich gesprungen ist und mit mir ringen wollte. Ich war völlig unvorbereitet, habe ihm reflexiv einen runter gehauen und hatte dabei zufälligerweise irgend ein Gegenstand. Er ist heulend weg gelaufen. Ich blieb erstaunt stehen und entdeckte da erst, wei einfach es sein kann ... und wie wenig Tatkraft hinter einer protzigen Oberfläche sein kann. Ursache? Verstärkend vielleicht.

Ich muss aber doch etwas schmunzeln, wenn ich hier die ganzen mutmaßlichen Ursachen aneinander gereiht sehe. Eigentlich fehlen nur zwei. Die völlig old-school These, "dominante Mutter", und die eher neuzeitige, dass die "Genderisten" in Cooperation mit den Illuminati daran schuld seien.


Ein paar Punkte möchte ich aber aufgreifen. Erst mal pauschal. Wenn die ganzen genannten mutmaßlichen Ursachen diese Auswirkung haben können, wundert es mich, dass es doch relativ wenige TG gibt.

Und wenn man von einige gängigen Theorien der Psychoanalytik aus geht - einerseits, dass Kinder ohne Vorprägung geboren werden und alles sich nur durch die Einflüsse nach der Geburt aufbaut, weiter dass wenn bestimmte Erlebnisse/Erinnerungen/Traumen, die "verdrängt" seien, wieder bewusst gemacht werden dann auch ihre Wirkung verlieren, dann sollten ja auch kaum jemand hier nach Bewusstmachung der Ursache immer noch T sein. Also - wenn diese Theorie stimmt, dann können die nicht die tatsächlichen Ursachen gefunden haben, denn dann wären sie nicht T mehr. Zumindest bei denen, wo es sich um psychische Ursachen geht.
Logisch, oder? Natürlich immer noch angenommen, dass diese Theorien wasserdicht sind.
Möglich ist natürlich auch, dass diese Theorien nur teilweise stimmen oder total durch den Wind sind.

Und was die physiologischen Ursachen betrifft: Die physiologischen Unterschiede sind ja ohne jeden Zweifel festgestellt. Was mir da noch fehlt ist, dass konkreter festgestellt wird, was hier Ursache und was Wirkung ist.

Nehmen wir die Sache mit dem Testosteron. Super, ich zweifle nicht daran, dass die meisten, die sonst physiologisch wie Männer sind und ganz oder teilweise in der sozialen Rolle der Frau leben wesentlich weniger Testosteron als andere Männer ihrer engeren Verwandtschaft haben. Aber wie viel weniger - das würde ich gerne wissen. Wenn wir nur von 10-15% weniger reden, kaufe ich das nicht als Ursache. Weil ...
Es ist bekannt und unter Laborbedingungen feststellbar, dass man mit Suggestion und / oder durch bestimmte Körperpositionen das Testosteronlevel erheblich verändern kann. In manchen Fällen sogar 25%+. Wer es nicht glaubt - wenn jemand Versuchsperson und Labor + stellt, beweise ich es auch gerne in Praxis. (Es geht auch einfacher, aber wenn es wissenschaftlich sein soll, dann soll es wissenschaftlich sein.)
Es ist auch bekannt, dass es Sportler gibt - überwiegend welche, die Muskelmasse aufbauen wollen - die mittels bestimmter Körperhaltungen sich ein höheres Testosteronlevel antrainieren.
Als T macht man eigentlich genau das Gegenteil. Wenn mehr Testosteron sich antrainieren lässt, dann auch weniger. Logisch, nicht wahr?

Dass das Hirn sich auch durch bestimmten Prozesse sich verändert, denke ich, ist inzwischen allgemein bekanPnt.
Das stärkste Beispiel, was ich vorführen könnte, hat zwar nicht mit TG zu tun, aber deutet stark darauf hin, dass durch einen mentalen Prozess innerhalb von Minuten auch was Physiologisches verändert - ist die sog. Fast Phobia Cure. Die Fast Phobia Cure habe ich gelegentlich in Zusammenarbeit mit Praktizierenden, die eine Heilerlaubnis besitzen, ausgeführt. (Zumindest in den Fällen, wo es in Deutschland statt fand.)

Eine Phobie manifestiert sich ja nicht nur durch eine psychischen Reaktion oder Fluchtreflex - z.B. bei Angst vor kleinen Räumen, Spinnen, etc. - sondern auch durch Schweißausbrüche, erhöhte Herzfrequenz, schnelleres Atmen, Haut reagiert usw. Denkt bitte daran, dass eine Phobie nicht nur ein bisschen Unbehagen bei irgend etwas ist, sondern etwas was stark genug ist um Teile des Lebens des betroffenen zu beherrschen. Genau wie eine bestimmte sexuelle Neigung oder ein Fetisch es auch sein kann.
Wenn also durch einen mentalen Prozess - eine Art Suggestion - nicht nur das subjektive Angstgefühl sondern auch die körperlichen Reaktionen auch normalisiert sind - meine ICH (natürlich nicht nur ich, sondern auch eine Menge Andere), dass in der Kurzen Zeit auch physiologisch was geändert haben muss. Die ganzen genannten körperlichen Funktionen werden vom Hirn gesteuert, also müssen sich auch neue Neuronverbindungen gebildet haben, und das innerhalb von Minuten.
Wenn man also innerhalb von 15-30 Minuten etwas an der Phsyiologie des Hirns ändern kann - was passiert dann wenn:
Eine Peson wird - mit den ganzen zusätzlichen Stressfolgen, die man sich denken kann - in einer Gender role erzogen, die nicht passt.
Die Person bricht aus diesem muster aus. Fühlt sich nicht mehr verpflichtet, den "Obermacker" zu spielen, muss nicht mehr das "Rangordnungsverhalten" in einer Männergruppe mit machen, was bestimmt stressig war - kann jetzt lernen ganz andere mutmaßlich viel sanftere seiten von sich zu zeigen usw. Dies als Teil eines Prozesses, der vielleicht Jahrzehnte dauert. Nicht nur 15-30 Min. Wenn jemand mal beweist, dass dies NICHTS am Hirn ändert, dann glaube ich an die These, dass TG mit einem komplett anders strukturierten Hirn geboren werden.
Bis dahin halte ich das ganze Spektrum von überwiegend angeboren bis überwiegend konditioniert für offen.

Da unsere Threadstarterin ja selber Psychologin ist und dies im Threadstart betont hat, hoffe ich jetzt auch auf wissenschaftlich fundierte Reaktionen.

lucalikes
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Re: Ursachenforschung

Post 23 im Thema

Beitrag von lucalikes » Mo 25. Apr 2016, 17:15

hanna von elm hat geschrieben: Hi Martina,

also ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen das sich eine Transidentität aus einem Fetisch "entwickeln" kann. Das würde auch allen seriösen Forschungen widersprechen, oder nicht?
Das es unter Menschen, die sich nicht mit einem binären Geschlechtermodell identifizieren können einen relativ hohen Anteil an Ageplayern oder anderen "non vanilla" Vorlieben gibt, glaube ich aber auch.
Doch da seh ich eben Ursache eben andersherum. Ein transidenter Mensch, der sich dem vielleicht noch gar nicht so bewusst ist vielleicht "anfälliger" für ausgefallenere Vorlieben - das bitte aber nicht negativ werten ;)
Hallo Hanna,
ab welchem Alter kann man denn schon von einem Fetisch sprechen? Das ist ein komplexes Ding, vielleicht ähnlich komplex wie die Geschlechtsidentität (auch wenn es sich manchmal so simpel anfühlt).
Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass Dinge, Situationen oder Verhaltensweisen, die uns erregen, auch zur Bildung einer Identität beitragen. In einem heteronormativen Umfeld (früher sehr häufig) wird ein männlicher Jugendlicher, der unter Erregung Frauensachen anzieht, sich fragen, ob er schwul ist. Und ein Schwuler wird sich fragen, ob er eine Frau ist. Es fehlt an Identifizierungsangeboten.
Heute gibt es aber zum Glück auch dank des Internets viele Identifizierungsangebote. So bilden sich dann Zwischen- oder Trans-Identitäten heraus. Die sexuellen Vorlieben spielen eine Rolle, aber andere Faktoren auch. Nicht nur, was uns erregt, sondern auch was uns schlicht gefällt und was wir ablehnen.
Die Erkenntnisse der Psychologie (seriös oder nicht) deuten auf alle Fälle darauf hin, dass Identität in keiner Hinsicht angeboren ist, sondern in einem psychosozialen Spannungsfeld erarbeitet wird. Angeboren sind aber vielleicht Erregungsmuster, Vorlieben, Verhaltensweisen. Wenn die schon frühzeitig in großem Maß in eine bestimmte Richtung weisen, kann das dann so aussehen, als wäre es eine angeborene (Trans-)Identität.
Nun widerspreche ich dir noch ein drittes Mal, lol
Denn das jemand eine andere Geschlechterrolle leben möchte als die, die Gesellschaft ihm/ihr zugeteilt für die er/sie sich unterbewusst schämt kann ich mir auch nicht vorstellen.
Naja, bloß weil ich es mir nicht vorstellen kann, muss es ja nicht heißen das es das nicht gibt, doch sehe ich für solche Ursachen einfach keine gründe die dafür sprechen aber viele die dagegen sprechen ^^
Den Abschnitt verstehe ich leider auch nach wiederholtem Lesen noch nicht. Kannst du noch mal schreiben, was genau du meinst?

LG
Martina

Jaqueline
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Re: Ursachenforschung

Post 24 im Thema

Beitrag von Jaqueline » Mo 25. Apr 2016, 17:42

Warum schreibt ihr alle solche Romane (ag) ? Es geht garantiert auch kürzer
Genieße jeden Tag, als sei es dein letzter :-)

Sachsen ist meine Heimat
Bayern ist mein Bett
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rika
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Re: Ursachenforschung

Post 25 im Thema

Beitrag von rika » Mo 25. Apr 2016, 18:06

Hallo zusammen,

ich habe auch in der Vergangenheit oft darüber nachgedacht, warum gerade ich? Gab es Ereignisse, die die Entwicklung beeinflusst haben, war es der Vater der vielleicht auch CD war, es in seinem Leben aber nie zeigen durfte, aber warum ist er Schneider geworden? War es die 10 Jahre ältere (Halb)schwester, die mich sehr mochte? Warum sind meine Brüder "klassische" Männer? Warum wollte ich Kinder haben?

Auf all diese Warums habe ich keine Antwort gefunden,aber rückblickend erkannt, dass ich auch nicht der "klassische Junge" war. Fußball blöd, Turnen in der Schule höchstens eine 4, Bundesjugendspiele immer ohne Urkunde. Ich fuhr gerne Rad, spielte mit großer Ausdauer Federball (hieß früher so), Lego und Modellbahn. Alles Beschäftigungen ohne Fouls.

Vom Gymnasium geflogen landete ich mit 15 in der Handelsschule, war der Primus, Klassen- und Schulsprecher. Da fing ich auch an, mich etwas ausgefallen zu kleiden (langer Pulli mit Gürtel obendrüber, trug man damals) und hatte lange Haare, denen ich bis heute nachtrauere.

Meine Eltern bauten ein Haus, ich arbeitete mit Hingabe im Garten und an der Außengestaltung incl. Treppen bauen. Die Erwartung, "zum Bund" zu müssen, machte mir Angst. Ich hatte Glück und wurde in die höchste Tauglichkeitsstufe 5 wegen akutem Untergewicht eingestuft )))(:

Ich hatte eine Freundin, auch wenn sie nicht meine große Liebe war und heiratete mit 21. Heute weiß ich, dass es sowohl eine Flucht als auch eine Hoffnung war: vielleicht werde ich anders. Wir waren 14 Jahre kinderlos verheiratet, dann getrennt und ich ging für längere Zeit alleine nach USA. Da lebte man in den 80er besser drinnen, wenn man nicht den Standards entsprach. Zurück in Deutschland lebte ich in meinem kleinen Haus alleine bis eine Kollegin eingestellt wurde, die 3 Jahre später die Mutter meiner Tochter wurde. Auch da kam immer wieder das Warum und manchmal dachte ich: wenn die intensive Ehe so weiter geht, verblasst das andere ich. Und wieder eine Frage: kann eine intakte und intensive Beziehung den CD verdrängen oder gar ganz entfernen? Antwort für mich: nein, niemals.

Die Ehe endete nach 10 Jahren und rika wurde stark, wagte die ersten Spaziergänge und fragte doch immer wieder: warum gerade ich? Ist es Last und Fluch oder??? 14 Jahre sind seit der Trennung vergangen, in den letzten 2-3 Jahren habe ich die Fragen beendet und den Kampf gegen mich ebenso, denn wer gegen sich selbst kämpft, kann nie gewinnen, da dieser Mensch zugleich immer auch der Verlierer ist. Man sagt, ich sei weicher geworden.

rika

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Re: Ursachenforschung

Post 26 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 25. Apr 2016, 21:15

Lucalices
@Die Erkenntnisse der Psychologie (seriös oder nicht) deuten auf alle Fälle darauf hin, dass Identität in keiner Hinsicht angeboren ist, sondern in einem psychosozialen Spannungsfeld erarbeitet wird.

Womit begründen sie diese Annahme?

Einige sprechen doch von Einflüssen schon im Mutterleib.






...

(War das kurz genug, Jaqueline?)

Helen52
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Re: Ursachenforschung

Post 27 im Thema

Beitrag von Helen52 » Mo 25. Apr 2016, 22:53

Einige sprechen doch von Einflüssen schon im Mutterleib.

An diese Einflüsse habe ich auch schon gedacht- ich habe ein frühe Erinnerung: Meine Mutter kommentiert mein Auftreten als ca. 8 Jähriger mit zwei Bällen unter dem langen kleidähnlichen Pullover und Baumwollstrumpfhosen mit: "Ja - eigentlich solltest du ein Mädchen werden".
Aber das reicht mir persönlich nicht für eine plausible Erklärung meiner Transidentität.
Ich glaube ich war zulange auf diesem Planeten mit Östrogen-Atmosphäre.
Rechtschreibfehler sind im Sinne der Autorin künstlerisch wertvoll

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Re: Ursachenforschung

Post 28 im Thema

Beitrag von lucalikes » Mo 25. Apr 2016, 23:03

Lina hat geschrieben:Lucalices
@Die Erkenntnisse der Psychologie (seriös oder nicht) deuten auf alle Fälle darauf hin, dass Identität in keiner Hinsicht angeboren ist, sondern in einem psychosozialen Spannungsfeld erarbeitet wird.
Womit begründen sie diese Annahme?
Einige sprechen doch von Einflüssen schon im Mutterleib.
Einflüsse im Mutterleib gibt es genügend, klar, bis hin zur Ausbildung uneindeutiger äußerer Geschlechtsorgane. Aber die vorgeburtlichen Einflüsse schaffen keine Identität, sondern wie gesagt Vorlieben, Verhaltenstendenzen, auch körperliche Merkmale usw. Viel Testo in der fetalen Phase lässt den Ringfinger lang werden und das mathematisch-abstrakte Denken wird gefördert, während die sprachlichen Fähigkeiten offenbar besser ausgebildet werden, wenn der Testo-Einfluss geringer ist.
Wenn ein Kind dann merkt, wie es sich verhält und was es mag, muss es sich in Auseinandersetzung mit der Umwelt eine Identität bilden. Wenn die Umwelt rigide Rollenmuster vertritt, wird es schwierig. Entweder passt sich das Kind an und unterdrückt einige seiner Anlagen, oder es akzeptiert und lebt sie und gerät in Identitätszweifel.
In einem weniger rigiden Umfeld sind dagegen mehr Mischformen möglich. Es kann aber auch passieren, dass das Umfeld nicht flexibel genug ist und/oder die Anlagen so gemischt ausfallen, dass eine eindeutige Identifizierung im flexibelsten Umfeld nicht gelingt.
Gelegentlich hören wir von Kindern, die schon sehr früh der Meinung sind, dem nicht-körperlichen Geschlecht anzugehören. Eine derart frühe Identifizierung ist ganz sicher ungewöhnlich, weil sie viele Begründungen erfordert, warum das Zeugs zwischen den Beinen keine Bedeutung haben soll.
Worauf ich hinaus will: In der durchschnittlichen Identitätsentwicklung spielt es eine wichtige Rolle, welchen Körper ich habe, was ich mag und was nicht. Aber nicht die einzige. Wie mir scheint, sind die Antworten in diesem Thread auch eine Bestätigung dafür.

Jaqueline
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Re: Ursachenforschung

Post 29 im Thema

Beitrag von Jaqueline » Mo 25. Apr 2016, 23:54

Lina hat geschrieben:War das kurz genug, Jaqueline?
Perfekt (yes) endlich einmal keine Abhandlung in 5 Akten :-)

Ganz liebe Grüsse
Jacky
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Re: Ursachenforschung

Post 30 im Thema

Beitrag von Lina » Di 26. Apr 2016, 00:21

lucalikes hat geschrieben:
Lina hat geschrieben:Lucalices
@Die Erkenntnisse der Psychologie (seriös oder nicht) deuten auf alle Fälle darauf hin, dass Identität in keiner Hinsicht angeboren ist, sondern in einem psychosozialen Spannungsfeld erarbeitet wird.
Womit begründen sie diese Annahme?
Einige sprechen doch von Einflüssen schon im Mutterleib.
Einflüsse im Mutterleib gibt es genügend, klar, bis hin zur Ausbildung uneindeutiger äußerer Geschlechtsorgane. Aber die vorgeburtlichen Einflüsse schaffen keine Identität, sondern wie gesagt Vorlieben, Verhaltenstendenzen, auch körperliche Merkmale usw. ...
Selbst angenommen ich würde die komplett materialistische Betrachtungsweise befürworten, wie willst du ausschließen, dass beispielsweise Vorlieben und Verhaltenstendenzen nicht hochgradig Teil unserer Identität ist. Und dabei - diese Faktoren sind doch auch wesentliche Bausteine der Geschlechtsidentität.

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