„Mein Körper war nicht das Problem“
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Wally
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„Mein Körper war nicht das Problem“

Post 1 im Thema

Beitrag von Wally »

Hi,

Nadia Brönimann - angeblich die bekannteste Transfrau in der Schweiz, und "Botschafterin der Trans-Community" - denkt in einem Emma-Interview mit obigem Titel laut über ihre eigene Detransition nach:

https://www.emma.de/artikel/mein-koerpe ... lem-341337

Ein spontan herausgegriffenes Zitat daraus:

-----------------------------
(EMMA:) Unzählige Operationen, Schmerzen, Nebenwirkungen von Hormonen und am Ende die Erkenntnis, dass es die falsche Entscheidung war, das Geschlecht medizinisch anzupassen – eine bittere Bilanz.
(Brönimann:) Absolut. Dabei hätte es offensichtlicher nicht sein können, dass das eigentliche, wahre Problem nicht mein Körper war. Es war eine Flucht, weil ich mich als Christian damals nie gut genug fühlte. Ich dachte, wenn ich dem entfliehe, wenn ich meine Hülle ändere, wird alles gut, dann bin ich jemand anderes. Bloß: Das Innere, die Seele bleibt ja gleich. Ich kam mit meiner Anpassung nie bei mir selbst an, sondern flüchtete in ein anderes, weiteres Lebensextrem, in einen anderen Körper. Das Herz von Nadia war und ist aber immer noch das Herz von Christian.

------------------------------

Meine persönliche Meinung dazu:

Das kommt davon, wenn man sich selber am Maßstab anderer Leute misst; man verliert sich dabei zwangsläufig selber.

Ich muss den Leuten MICH zeigen, nicht irgendein Kunstwesen, das auf Andere so weiblich wirkt, wie ich es in meinen Wunschträumen gerne wäre: das bin ich nun mal nicht. Selbst wenn mir die Schauspielerei so gut gelingen sollte, wie es Frau Brönimann zweifellos gelungen ist, nützt es mir auf Dauer nix: ich reibe mich damit bloß auf - und werde von meinen Mitmenschen wieder nicht als das erkannt, was ich wirklich bin.

Was bin ich, wer bin ich? Bin ich eine Frau? Nein. Leider. Ich wär's gern...

Ich bin und bleibe nun mal schicksalhaft biologisch männlich, daran ändern alle Hormone, Operationen und Namensänderungen nichts. Da hat EMMA recht.

Aber psychisch bin ich genauso schicksalhaft unmännlich, daran ändern auch alle Erziehungsversuche, Lernbemühungen und Psychotherapien nichts. Dass ich emotional eher weiblich bin, und damit in der weiblichen Genderrolle besser zurechtkomme als in der männlichen, konnte ich mir nie aussuchen: ich bin genauso schicksalhaft transsexuell, wie ich als "Mann" geboren wurde.

Ich bezweifle nicht, dass Frau Brünimann eine echte Transsexuelle ist: mit dieser Lebensgeschichte IST jemand transsexuell, Detransition hin oder her. Ein biologisch und psychisch männlicher Mensch würde niemals diesen Weg gehen.

Und, doch: der Körper IST das Problem; hier irrt Frau Brünimann meines Erachtens. Der Körper war auch für sie das eigentliche Problem: weil sie sich nie wirklich damit identifizieren konnte.

Es war nicht grundsätzlich falsch, diesen Körper zu verändern. Falsch war das Ziel, das Frau Brünimann sich dabei gesteckt hat: anstatt ihn so zu verändern, wie sie - inklusive aller unvermeidlichen Risiken und Nebenwirkungen - sich SELBER am ehesten damit identifizieren und zufrieden geben konnte, anstatt also ihren ureigenen Kompromiss zu einem Friedensschluss mit dem eigenen Körper zu machen, machte sie die Weiblichkeits-Vorstellungen anderer Leute für sich zum Maßstab. Das musste schiefgehen, weil es schlicht unrealistisch ist: sie würde so nie mehr aus der Schauspieler-Rolle herausfinden, weil sie permanent ihre körperlichen Unvollkommenheiten als Frau verstecken und übertünchen musste, um diesem selbst gesteckten Ziel zu entsprechen, das gar nicht wirklich ihr eigenes war.

Wenn ich - wie jeden Morgen - in meine dick hüftgepolsterten Unterhosen schlüpfe und mir den silikongefüllten BH umlege: betreibe ich da nicht auch Schauspielerei? Versuche ich da nicht auch, etwas vorzutäuschen, was nicht wirklich so ist? Jein :wink:

Klar ist auch das eine Form von Schauspielerei, wie jede Kleidung - aber mit einem anderen Ziel. Ich "ver"kleide mich nicht, um anderen Leuten was vorzumachen. Es ist für mich zwar nicht völlig egal, aber mittlerweile zweitrangig, wie das bei anderen Leuten ankommt, ob sie es schön oder hässlich finden, ob es "weiblich" oder "tuntig" auf sie wirkt. Es geht mir nicht (mehr) um "Passing", ich füge mich nicht in eine festgefügte Rolle; ich kleide mich - inklusive aller verfügbaren Tricks - konsequent so, wie ich mir selber vor dem Spiegel am besten gefalle, wie ich mich den ganzen Tag über am wohlsten fühle, wie ich mich authentisch, aus tiefster Seele gerne zeige. Deshalb schleift sich das bei mir auch nicht ab, ich ermüde nicht daran: weil diese Kleidung selber pure Lust für mich ist. Insofern bin ich als Transfrau heute genau dasselbe, was wir noch vor ein paar Jahrzehnten aus überkommenen Moralvorstellungen heraus um Gottes Willen, bloß nicht sein wollten: Crossdresser - "Transvestit".

Die Leute dürfen ruhig wissen, dass ich biologisch männlich bin. Ich kann das nicht verstecken, und ich versuche das auch gar nicht mehr: ich stehe zu meiner Halbglatze, ich trage bewusst keine Perücke, weil ich mich als Person offen zeigen und eben nicht hinter einer Maske verstecken will. Ich versuche auch gar nicht erst, meine Stimme zu verstellen: die ist nun mal männlich, das hat Vor- und Nachteile - es war und ist zeitlebens meine Stimme, sie ist authentisch.

Aber die Leute dürfen - und sollen! - eben auch wissen, dass ich mich leidenschaftlich gerne weiblich kleide, und dass ich insgesamt lieber in der weiblichen Genderrolle lebe als in der männlichen: auch das ist für mich authentisch. Und da mein Wunsch - obwohl gegen alle Konvention - so ungetarnt authentisch "rüberkommt", tun mir die Leute mittlerweile auch den Gefallen, mich in dieser Rolle zu akzeptieren: das klappt prima, es strengt mich nicht mal an, es macht einfach nur Spaß, ich fühle mich darin befreit. Dass man mich dabei als "Transvestit" statt als "Frau" wahrnimmt, ist egal: ich bin's ja nun mal. Wichtig ist für mich nur, dass ich es auch sein darf.

Und was ist nun mit den Operationen? Ich habe mir schon vor 28 Jahren die Brust aufbauen lassen. Das hat sich für mich als richtig und notwendig erwiesen; ich habe es in all den Jahren seitdem keinen Augenblick bereut. Es hat mir gebracht, was ich mir davon erhoffte - und nicht nur das, sondern weit mehr: z.B. wurden wirklich befriedigende Intimpartnerschaften für mich dadurch überhaupt erst möglich.

Den Unterleib habe ich gelassen. Nicht, weil ich's mir nicht anders gewünscht hätte, sondern weil ich mir als studierter Mediziner nie Illusionen darüber gemacht habe, was möglich ist, und welche Risiken man dabei eingeht. Das ist kein generelles Verdikt: für meine ureigenen Bedürfnisse schien das halt unterm Strich nicht lohnend. Für Andere mag das anders aussehen. Man muss wissen - d.h.: mit bestmöglicher Beratung und Reflexion halbwegs realistisch einschätzen - welche Maßnahmen den eigenen Bedürfnissen zuträglich sind oder nicht.

Brau Brönimann wusste das tragischerweise nicht. Sie konnte es nicht wissen, weil sie mit diesen Maßnahmen gar nicht die Optimierung ihres eigenen Lebens, sondern die Simulation eines völlig anderen, fremden Lebens plante. Sie hat die falschen Maßstäbe angelegt.

Oder wie seht Ihr das?
Beatrixtg
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 2 im Thema

Beitrag von Beatrixtg »

Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42 Oder wie seht Ihr das?
Hallo Wally,
ich sehe das so, ich bin Biologisch ein Mann. Wurde so erzogen. Und habe gemerkt das etwas nicht stimmt.
Erste Stufe Damenkleider.
Dann Jahrzehnte hin und her gerissen. Lange Zeit als Ziel, möglichst ein guter Mann sein. Ein teil Emotionen ausgesperrt. Mit bekannten Mustern...
Oktober 2025 Erkenntnis, so geht es nicht weiter.
Resultat, ich gehe meist als Frau aus dem Haus. Ich weiss das ich keine Frau bin, aber dass Erscheinungsbild kommt meinem seelischen mix am nächsten. Und so regiere ich dann auch. Authentisch, ohne mich zu verstellen. Teilweise, je nach dem was gerade ansteht, gehe ich als Mann aus dem Haus, und die Reaktionen sind etwas männlicher, die Erziehung zeigt spuren :-(
OP war nie ein Thema, auch Hormone nicht. Ich will einfach ich selbst sein. Ich weine seither mehr, aber nicht verzweifelt, sondern einfach verarbeiten und loslassen. Und seither kann ich wieder lachen. Und fühle mich angekommen.
Morgentoilette, Hautpflege, leichtes schminken regelmässig. Was danach kommt, angepasst ans Tagesprogramm, mehr feminin
aber nicht unbedingt mit Kleidung. Einfach so wie es gerade stimmt.

Das in kurzen Worten die letzten über 60 Jahre mit der Erkenntnis, dass ich zwar ein Mann bin, Frauen liebe aber meine Gefühlswelt irgend wo dazwischen ist.

Siehe unten mein Anhang, der stimmt so

Liebe Grüsse Beatrix
Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin einfach ich. Und das ist gut so.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 3 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Wally,

aus Deinen Worten klingt eine Menge Kampfgeist. Den habe ich immer weniger, weil mich das aufreibt. Ich habe mich auch aus Trotz als Frau gezeigt. Ich wollte es wissen und war überrascht, wie leicht es geht, so zu leben. Das hat mir die Tür geöffnet, aber auch gezwungen, mich selber so weit zu hinterfragen, wie es um mich steht, was sich richtig für mich anfühlt. ICh kann Deine Gefühlswelt nachvollziehen, weil ich heute in vielen Bereichen ähnlich ticke. DIe Akzeptanz meiner selbst ist am Ende der Schlüssel und Ängste der innere Widerstand. Wichtig ist, dass ich beides selber in der Hand habe. Es ist nicht das Außen, das mich wirklich beschränkt. Das bin ich selber. Nur zu gerne habe ich einen "Schuldigen" gesucht und habe nach Ursachen geforscht. Was mir fehlte, war die Übernahme der Verantwortung für mich selber.

Ob ich Frau bin oder Mann, körperlich oder mental. Ist das die Kernfrage ? Es kommt für mich viel mehr darauf an, mental wie körperlich gesund zu sein. Und wenn dazu Sillies, Schminke und ein Kleid gehört, dann ist das eben so. Deshalb lehne ich körperliche Anpassungen auch für mich ab. Ich brauche sie nicht, auch wenn meine Fähigkeit, mich in einen weiblichen Körper zu fühlen, zeitweise sehr ausgeprägt ist. Die Begriffe Mann/Frau sind sehr mit einer Bedeutung aufgeladen, die sie mMn nicht haben sollten. Ich zitiere Wikipedia, das sich auf Simone de Beauvoir bezieht:
Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es. Kein biologisches, psychisches, wirtschaftliches Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen im Schoß der Gesellschaft annimmt. Die Gesamtheit der Zivilisation gestaltet dieses Zwischenprodukt zwischen dem Mann und dem Kastraten, das man als Weib bezeichnet. Nur die Vermittlung eines Anderen vermag das Individuum als ein Anderes hinzustellen.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_andere_Geschlecht

Das ist spannend. Sie unterscheidet das, was das Individuum ausmacht mit dem Bild, das von ihr in der Gesellschaft erwartet wird. Es gibt sozusagen den Mann und den "Nicht-Mann", zu dem ich mich ja auch zähle. Den Begriff Kastrat verstehe ich hier als einen Menschen, dem nicht erlaubt wird, das zu Leben, was in ihm steckt. (Nebenbei: hier sehe ich die Verstrickung von Emma, die Transmenschen eben im gleichen Sinn, aber einen anderen Teil der Menschheit, nämlich uns, zum "Kastraten" macht.)

Ob der Körper das Problem ist, muss jede für sich selber entscheiden. Mein Thema sind die eingeschränkten Möglichkeiten, die mein Wesen mit sich bringt, sowohl im Inneren als auch im Äußeren. Am Inneren kann ich arbeiten, aber es hat einen Preis. Am Inneren nicht zu arbeiten, ist Selbstbeschränkung. Die Kernfrage für mich ist also: Wie kann ich mein Leben so gestalten, dass es mir gerecht wird ? Ich weiß, was für mich falsch ist, das heißt noch lange nicht, dass ich weiß, was richtig ist. Was wäre, wenn dieses Ich in einem Frauenkörper zur Welt gekommen wäre ? Bestimmt ein anderes Leben. Aber dieses Leben habe ich nicht und kann es auch nicht generieren, weder mit Hormonen, noch mit einer OP, noch mit Accessoires. Aber ich kann meine Lebensweise generieren, wie ich es mag und diese Möglichkeit habe ich jeden Tag.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Michi
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 4 im Thema

Beitrag von Michi »

Hab in der Vergangenheit schon mehrmals davon gelesen.
Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42 Das kommt davon, wenn man sich selber am Maßstab anderer Leute misst; man verliert sich dabei zwangsläufig selber.
Das ist einer von 2 miteinander zusammenhängenden großen Fehlern. Nach dem sie verkürzt und zugespitzt gesagt: "nicht mehr trans* sein und Super-Frau spielen wollte", hat sie sich nämlich in der Folge damit zum Maßstab für die (alle) anderen Menschen gemacht.

Soweit mein erster kurzer Gedanke.

Grüße (has-o)
Michi

PS: Das ist etwas, was ich auch bei anderen immer wieder beobachte.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 5 im Thema

Beitrag von Val44721 »

Die Zeitschrift „Emma“ ist die Bild für alle, deren wichtigstes Hassziel trans Personen (und manchmal auch schwarze Menschen) sind. Seit Jahrzehnten ist es eine der führenden Figuren im Kampf gegen das Existenzrecht unserer Minderheit, zitiert, unterstützt, und interviewt die Extremsten der Extremen, und gibt Hass eine Plattform. Ihre Zielgruppe teilen sie sich unter anderem mit der AfD und Pegida.

Emma ist ein Magazin für rechte konservative Frauen, die selbst gerne Rechte und ein selbstbestimmtes Leben haben, aber das für Minderheiten dann das zu viel fänden. Man sollte es nicht durch Verbreitung ihrer Inhalte unterstützen.
Nature has made us intolerant to change but fortunately, we have the capacity to change our nature - Arcane
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 6 im Thema

Beitrag von Liv »

Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42 Ein spontan herausgegriffenes Zitat daraus: ...
Die Kernaussage ist doch ganz am Ende:
Meine Hausärztin und meine Psychologin warnten mich damals beide vor einer überstürzten Anpassung: Bevor ich damit beginne, müssten zuerst andere Baustellen in meinem Leben angeschaut und aufgearbeitet werden. Ich wollte nicht auf sie hören. 
Klar. Sie wollte auf niemanden hören und ist mit dem Kopf durch die Wand. Sie hatte die freie Entscheidung und hat alle Warnungen in den Wind geschlagen. Weil sie das jetzt im nachhinein als Fehler sieht, will sie, dass ihre Nachfolger*innen keine Entscheidungsfreiheit mehr haben und sich einem strengen ärztlichen Diktat unterwerfen sollen. Ironischerweise nimmt sie sich heute trotzdem das Recht heraus, über sich zu entscheiden. Was wäre, wenn ihre Detransition erstmal jahrelang "vertiefter psychologisch abgeklärt" abgeklärt werden müsste? Es ist zum Haareraufen - oder besser: Haareabschneiden.
Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42Brönimann wusste das tragischerweise nicht. Sie konnte es nicht wissen, weil sie mit diesen Maßnahmen gar nicht die Optimierung ihres eigenen Lebens, sondern die Simulation eines völlig anderen, fremden Lebens plante.
Was man ihr zugestehen muss, ist die Tatsache, dass die Welt von 26 Jahren noch eine andere war. Nichtbinarität war de-facto nicht bekannt bzw. nicht lebbar (Wally, da warst du Lichtjahre vorraus). Für Transitionen existierten enge Leitplanken, die man zu akzeptieren hatte. Das kann man aus heutiger Sicht kritisieren und sich gleichzeitig freuen, dass die heutige Situation eine andere ist. Wäre sie heute nochmal 26 Jahre jünger, würde ihre Transition vermutlich ganz anders ablaufen. Doch anstatt dies anzuerkennen, fordert sie eine Rückkehr zu den engen Leitplanken. Ist das eine Art Stockholm-Syndrom? Und dann wundert sie sich, dass "die trans Community schweigt" und es für sie "kein Hilfsangebot, weder medizinisch noch psycho­logisch" gibt? Manchmal spricht Schweigen Bände.
Val44721 hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 12:47 Man sollte es nicht durch Verbreitung ihrer Inhalte unterstützen.
Da hast du einerseits vollkommen recht, andererseits sollten wir auch im Blick behalten was "die anderen" gerade so an perfidem Müll verbreiten.
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

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Beitrag von Diana.65 »

Hallo zusammen.

Ich habe den Artikel in ähnlicher Form irgendwo schon einmal gelesen.
Gerade der letzte Absatz verdeutlicht doch das eigentliche Problem. Diese Person hat sich zu Beginn ihrer Transition nicht mit ihren eigentlichen Problemen auseinandergesetzt und vollkommen falsche Erwarungen in die Transition gesetzt. Noch zudem, dass sie teilweise Warnungen erhalten hat und bewusst Ärzte getäuscht hat, um zu IHREM Ergebnis zu kommen.
Ich kann doch anderen keine Vorwürfe machen, wenn ich mich selbst nicht genug mit mir auseinander setze und meine eigenen Bedürfnisse daher gar nicht erkennen kann. Sicherlich ist der Umgang mit Geschlechterrollen in den letzten Jahren etwas offener geworden, aber sie hat die Transition, in meinen Augen, unter falschen Voraussetzungen begonnen und sich selbst in das neue Korsett gepresst, das ihr nun nicht mehr passt.

Nchdenklich,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 8 im Thema

Beitrag von Süßwasserperle »

Nadja Brönimanns Erfahrungsbericht war der erste autobiografische, den ich damals gelesen habe.

Tatsächlich fand die Transition in einer Zeit statt, wo Transmenschen oft den Druck verspürten, die Geschlechternormen besonders genau auszufüllen. Dass dies dazu führte, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu vergiften, ist besonders tragisch. In diesem Fall scheint sich anzudeuten, dass dies zu Fehlbehandlungen geführt hat, wobei die Verantwortung hier nicht einseitig den Ärzten zugeordnet werden kann.

Trotz allem stelle ich fest, dass die Geschichten von Detransitionen zu den traurigsten und Mitleids erregenden Geschichten in unserem Umkreis gehören.

Liebe Grüße
Süßwasserperle
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 9 im Thema

Beitrag von Michi »

Süßwasserperle hat geschrieben: Sa 14. Mär 2026, 06:54 Trotz allem stelle ich fest, dass die Geschichten von Detransitionen zu den traurigsten und Mitleids erregenden Geschichten in unserem Umkreis gehören.
Solche Fälle sind ohne jeden Zweifel sehr schlimm für die Betroffenen. Das wird nur davon übertroffen, dass diese Fälle gegen uns andere instrumentalisiert werden, und so noch sehr viel mehr Leid erzeugen werden.

Den Betroffenen muss man klar und deutlich sagen: Man kann nicht Leid verhindern, indem man noch viel mehr Leid schafft.

Die anderen, die Fälle von Detransitionen gegen uns instrumentalisieren, muss man energisch bekämpfen, weil die eh nicht mit uns reden werden, sondern uns nur unterdrücken wollen.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 10 im Thema

Beitrag von Wally »

Michi hat geschrieben: Sa 14. Mär 2026, 10:41 Die anderen, die Fälle von Detransitionen gegen uns instrumentalisieren, muss man energisch bekämpfen, weil die eh nicht mit uns reden werden, sondern uns nur unterdrücken wollen.
Hallo Michi,

"Die anderen?" Wer sind die?

Es GIBT nun mal Detransitionen. Und zwar nicht wenige, wenn ich mich so umgucke! Bis um die Jahrtausendwende gab es noch massiven Druck von allen Seiten - gesellschaftlich, juristisch, medizinisch, finanziell - genau den Fehler zu machen, den Frau Brönimann gemacht hat: in ein einheitlich vordefiniertes, fremdes Lebensmodell zu schlüpfen, und dazu das eigene Leben buchstäblich weg zu amputieren und in den Müll zu schmeißen, anstatt den bestmöglichen, individuellen Kompromiss zu suchen. Patentlösung statt individueller Lösung, alles oder nichts...

Dabei gibt es für uns Transsexuelle keine Patentlösung, das Problem lässt sich NUR individuell lösen. Genau darin liegt ja unser spezifisches Problem: dass die beiden "Patentlösungen" Mann-Sein und Frau-Sein nach Schablone, die ja für die allermeisten Menschen immerhin halbwegs funktionieren, für uns KEINE Lösung sind. Es gibt zwar schon einzelne, für die der radikale Schablonenwechsel tatsächlich halbwegs funktioniert; aber das ist nur eine Minderheit mit extrem ausgeprägter Veranlagung. Und selbst die würden vermutlich mit einer maßgeschneiderten Individuallösung noch etwas besser fahren.

Die "Patentlösung" eines kompletten Wechsels von der einen in die andere Schablone war damals noch allgemeiner Zeitgeist, der auch in uns Transsexuellen steckte; gerade auch wir selber haben das damals vehement propagiert! "Wir" (ich selber bin da ja schon 10 Jahre früher ausgeschert) sahen damals auch und vor allem in den Gutachtern "die anderen", die Gatekeeper, die bösen Feinde und Unterdrücker, bei denen man das Blaue vom Himmel herunterlügen musste, um endlich aus der Hölle ins Paradies entlassen zu werden.

Dabei stimmte das schon damals nicht. Mein persönliches Anliegen, ein individuelles Zwitter-Leben mit Silikonbrüsten und naturbelassenem Unterleib zu führen, galt für die damaligen Verhältnisse als revolutionär, eine Pioniertat. Auch bei anderen TS erntete ich damit überwiegend Unverständnis: "Das kriegst du NIE durch! Wie soll das denn auch funktionieren, im Alltag?" Sie konnten es sich einfach nicht vorstellen - genauso, wie sich Genosse cis-Normalo von nebenan dieses ganze Gender-Dings bis heute nicht vorstellen kann. Für Nichtbetroffene ist das nun mal kaum nachvollziehbar, und auch wir selber mussten erst mal draufkommen; für individuelle "Zwischen"lösungen gab's damals noch kaum Vorbilder. Ich konnte es mir ja selber kaum vorstellen - und war dann im Alltag ziemlich verblüfft darüber, wie gut das tatsächlich funktionierte.

Ich ging damit zu Dr. Kemper und Frau Dr. Poland: damals die renommiertesten TS-Gutachter in München, denen freilich gerade auch deshalb ein übles "Gatekeeper"-Image anhing. Bei beiden stieß ich auf offene Türen: sie schrieben schon nach relativ kurzer Zeit und wenigen Gesprächen die von mir gewünschten Gutachten, Dr. Schaff operierte, und die (private) Krankenkasse bezahlte das Ganze. Von Obrigkeitsgebaren und Normierungsdruck keine Spur; ich erlebte die Gespräche als offen, freundlich, und - gerade in diesem sehr speziellen Fall - für beide Seiten aufschlussreich und hilfreich. Man musste halt nur wirklich mit den Gutachtern reden, anstatt ihnen irgendwelche blutleeren Klischees vorzulügen. Zugegebenermaßen war ich darauf auch gut vorbereitet, durch eine bereits Jahre vorher absolvierte Psychotherapie bei einer sehr, sehr guten Therapeutin; da hatte ich großes Glück. Ohne diese Vorbereitung hätte ich meinen Weg wohl niemals gefunden. Und als Mediziner konnte ich mit den Fachleuten auch halbwegs auf Augenhöhe reden, ich verstand deren Fachsprache und Denkweise.

Und die anderen "anderen", wie z.B. mein rechtschaffener, alter Nachbar von nebenan? Der wusste einfach nicht, was es mit unsereins auf sich hat, der war noch mit völlig kruden, überkommenen Vorstellungen aufgewachsen. Der setzte Transfrauen immer noch pauschal mit Schwulen gleich, vor denen er sich aus tiefster Seele ekelte. Er regte sich - aus dieser Sicht verständlich - darüber auf, dass er mit seinen ständig steigenden Krankenkassenprämien solchen "perversen Schweinkram" auch noch mitfinanzieren sollte. Als ich dem - gänzlich ohne Vorwarnung - zum ersten Mal im Sommerkleidchen am Gartenzaun gegenüberstand, war der Ärmste echt geschockt. Er guckte mich wortlos von oben bis unten an, drehte sich weg und grüßte mich ein paar Tage lang nicht mal mehr :mrgreen: Er hat sich dann aber auch relativ schnell wieder eingekriegt, als er sah, dass ich auch im weiblichen Outfit auf unserer offenen Terrasse genauso liebevoll mit meinem cis-Eheweib turtle wie vorher als "Mann", und als er erlebte, dass ich ihm seine geschockte Abwendung nicht übelnahm, und dass ich auch sein anfängliches Misgendern nicht mit Zeter und Mordio, sondern bloß mit einem amüsierten Grinsen quittierte: alles ganz easy, keine Gefahr. Der war nicht böse, er hatte bloß Angst.

Man muss halt mit den Leuten reden; die allermeisten "Feinde" sind dazu auch bereit - sofern WIR bereit sind, normal und auf Augenhöhe mit ihnen zu reden, anstatt mit Oberlehrer-Zeigefinger und dem Strafgesetzbuch in der Hand. Es gibt nicht "die anderen", das sind individuell höchst unterschiedliche Menschen, die uns aus höchst unterschiedlichen Gründen erst mal ablehnen. Das einzig gemeinsame, was sie alle verbindet, ist nicht Hass: sie verstehen uns bloß nicht. Okay, manche hassen uns sogar wirklich: weil sie uns nicht verstehen. Aber ihr Hass betrifft uns zumeist gar nicht. Er zielt auf eine Schimäre, die sie selber auf uns projiziert haben: das klassische Feindbild. Es gibt für solchen Hass ja nicht mal ein Substrat, irgendeinen Gegenstand, um den wir uns mit denen streiten könnten oder müssten: wir brauchen nix, was wir denen erst mal wegnehmen müssten. Worum willst Du mit denen kämpfen?

Und wie willst Du gegen solche Leute "kämpfen"? Hingehen und eins in die Fresse? Zum Kadi rennen und sie wegen Misgendern und missliebiger Meinungsäußerungen verhaften lassen? Ihnen nachts heimlich "Nazi" an die Hauswand malen? Das bringt doch alles nix. Das einzige, was wirklich funktioniert, ist hingehen, sich zeigen, und miteinander reden, damit sie uns wenigstens mal ein Stückchen besser verstehen. Wir müssen dabei noch nicht mal über "trans" reden; es genügt völlig, ganz banal zu zeigen, dass wir normale Menschen sind, keine Aliens und keine Ungeheuer.

Okay, das funktioniert auch nicht bei Jedem. Aber wenn das nicht funktioniert, funktioniert auch nix anderes mehr, dann bleibt nur ein resigniertes Schulterzucken. Man kann halt nicht immer gewinnen. Der Nächste, bitte.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 11 im Thema

Beitrag von Lana »

Wally hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 13:42 "Die anderen?" Wer sind die?
Wally hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 13:42 Es gibt nicht "die anderen", das sind individuell höchst unterschiedliche Menschen, die uns aus höchst unterschiedlichen Gründen erst mal ablehnen.
Ich freue mich wirklich sehr, wie du deinen offenen und toleranten Umgang mit schwierigen Zeitgenossen beschreibst, liebe Wally. Dennoch ist Michis Einwand nicht unberechtigt.

Medial wird dieser Gegensatz zwischen "wir" und "die anderen" als Dauerbrenner für Klicks missbraucht. Gegensätze werden überbetont ober frei erfunden, Gemeinsamkeitem werden verschwiegen. Nicht nur bei diesem Thema, aber hier fällt es besonders auf. Vielleicht weil wir direkt betroffen sind und die Hintergründe besser kennen und verstehen. Und auf dieser Ebene ist das einfache Reden mit den Leuten schwierig. Schon allein deshalb, weil Journalisten nicht unbedingt am Gegenstand interessiert sind, über den sie berichten, sondern daran, einen "Aufreger" zu veröffentlichen, mit dem sich Geld verdienen lässt. Das liegt vielleicht gar nicht so sehr an den einzelnen Personen, die da schreiben, als vielmehr an den Redaktionen und ihren Vorgaben. Etwas, das nicht zur Linie passt, wird nicht veröffentlicht.

Leider ist die mediale Darstellung meinungsprägend, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Und das wird zunehmend problematisch, weil kaum mehr offene Diskurse geführt werden (können). Dagegen anzukommen, ist nahezu unmöglich. Dennoch sollte es konsequent angesprochen werden, wenn Darstellungen falsch oder unvollständig sind.

Das gilt im Übrigen für alle. Es ist genauso Über griffig, Detransition pauschal als "Verrat" zu verurteilen, wie sie zum Anlass zu nehmen, selbstbestimmte Transition grundsätzlich in Frage zu stellen.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 12 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Wally hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 13:42 Es GIBT nun mal Detransitionen. Und zwar nicht wenige, wenn ich mich so umgucke! Bis um die Jahrtausendwende gab es noch massiven Druck von allen Seiten - gesellschaftlich, juristisch, medizinisch, finanziell - genau den Fehler zu machen, den Frau Brönimann gemacht hat: in ein einheitlich vordefiniertes, fremdes Lebensmodell zu schlüpfen, und dazu das eigene Leben buchstäblich weg zu amputieren und in den Müll zu schmeißen, anstatt den bestmöglichen, individuellen Kompromiss zu suchen. Patentlösung statt individueller Lösung, alles oder nichts...
Volle Zustimmung und das entspricht ja auch dem aktuellen Stand der Leitlinien, dem ICD11 usw.: Geschlechtsdysphorie ist eine individuelle Sache, die eine individuelle Lösung erfordert, in unterstützender Zusammenarbeit aller Disziplinen, von Psychotherapie (Klärung, Begleitung, Bewältigung von Problemen mit der Umwelt) über Endokrinologie und Chirurgie, wenn denn gewollt.

Allerdings: Bei aktueller Praxis (WPATH, EPATH) liegt die Detransitionsrate bei und um 1%. Dazu wissen wir, dass die meisten (~80%) tatsächlich detransionieren, weil ihre Umwelt sie nicht so akzeptiert, wie sie aus der Transition rauskommen. Menschen, die mit falschen Vorstellungen die dreifache Transition durchmachen, sozial, juristisch, medizinisch, durch alle Beratungen und Therapien rutschen und dann nach Jahren feststellen, dass sie sich verrant haben; nunja, das sind die allerwenigsten.

Wir sollten gleichzeitig in jedem Fall alle gleichermassen respektieren als gleich Betroffene im Problemkomplex Geschlecht / Gender. Ob sie binär, nichtbinär, nach der Transition happily ever after leben, oder ob sie de- oder retransitionieren, verschiedene Genderphasen in ihrem Leben haben, Entscheidungen getroffen haben, die mal richtig schienen, aber nicht funktionierten, oder wie auch immer. Dieser ganze gesellschaftliche Genderkram ist schon schwierig genug, wenn eins nicht ins Schema passt.
Michi
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 13 im Thema

Beitrag von Michi »

Wally hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 13:42
Michi hat geschrieben: Sa 14. Mär 2026, 10:41 Die anderen, die Fälle von Detransitionen gegen uns instrumentalisieren, muss man energisch bekämpfen, weil die eh nicht mit uns reden werden, sondern uns nur unterdrücken wollen.
"Die anderen?" Wer sind die?
Ich bitte dich! Es geht doch nicht um diesen einen blöden Typen, dem man irgendwie aus dem Weg gehen kann. Du bist lange genug dabei, um wissen zu können, welche Kreise uns bekämpfen, weil sie etwas dagegen haben, dass wir so leben wie wir leben möchten .. frei und selbstbestimmt.
Wally hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 13:42 Es GIBT nun mal Detransitionen. Und zwar nicht wenige, wenn ich mich so umgucke!
Das habe ich mit keiner Silbe betritten. Aber genau so gibt es nicht nur diesen einen plakativen Grund (like Brönimann), warum Betroffene detransionieren. Der wird aber immer wieder mit der Absicht angeführt, unsere Rechte zu beschneiden.

Ein erheblicher Teil detransioniert nur, weil die Betreffenden von ihrem Umfeld so massiv abgelehnt werden, dass ihnen das Leben im Geburtsgeschlecht weniger schlimm vorkommt. Andere detransionieren gar nicht erst, sondern bringen sich um, weil sie die Ablehnung nicht mehr aushalten.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 14 im Thema

Beitrag von Vesta »

Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42 Ich bin und bleibe nun mal schicksalhaft biologisch männlich, daran ändern alle Hormone, Operationen und Namensänderungen nichts.
Wenn du das für dich so siehst, ist das völlig in Ordnung.

Aber allgemein stimme ich dem nicht zu. Nach längerer Hormoneinnahme und Operationen hat der ehemals rein männliche Körper so viele weibliche Aspekte, dass man nicht mehr einfach sagen kann, das ist männlich. Irgendwann ist die Frau da. Ich weiß, dass mir Organe fehlen, um eine vollständige Frau zu sein (Gebärmutter z. B.), aber mittlerweile fehlt mehr, um als vollständiger Mann durchzugehen.

Es muss auch mal Schluss damit sein, und zu passender Zeit sollte man sich auch körperlich als weiblich sehen und so gesehen werden.
Wally hat geschrieben: Fr 13. Mär 2026, 00:42 Die Leute dürfen ruhig wissen, dass ich biologisch männlich bin. Ich kann das nicht verstecken, und ich versuche das auch gar nicht mehr: ich stehe zu meiner Halbglatze, ich trage bewusst keine Perücke, weil ich mich als Person offen zeigen und eben nicht hinter einer Maske verstecken will.
Das darfst du gerne machen, aber ich halte das anders. Meine männliche Vergangenheit ist meine persönliche Sache und geht niemanden sonst etwas an, so ich ihm nicht selbst davon erzähle. Ich mag es gar nicht, wenn der Mann noch erkannt wird (kommt glücklicherweise so gut wie nicht mehr vor, außer wenn die Leute mich von früher kennen).

Die Emma ist mittlerweile ein einseitiges transphobes Blatt geworden, da hilft auch deren Eigenlob nicht. Der Artikel für sich ist völlig in Ordnung, und auch, dass über Bedauern und Detransitionen gesprochen wird. Aber es fehlt komplett die andere Seite, die erfolgreichen Transitionen, die auch nach vielen Jahren nicht bereut werden, und die in der Realität doch die deutliche Mehrzahl aller Transitionen ausmachen. Damit wird aus der Emma ein einseitiges Hetzblatt. Vielleicht sollte Alice Schwarzer lieber mit Sahra Wagenknecht zusammen Pro-Putin-Demonstrationen organisieren ... (ag) (ko)
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Re: „Mein Körper war nicht das Problem“

Post 15 im Thema

Beitrag von Wally »

Hallo Michi
Michi hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 20:58 Ich bitte dich! Es geht doch nicht um diesen einen blöden Typen, dem man irgendwie aus dem Weg gehen kann. Du bist lange genug dabei, um wissen zu können, welche Kreise uns bekämpfen, weil sie etwas dagegen haben, dass wir so leben wie wir leben möchten .. frei und selbstbestimmt.
Diese Kreise gab's schon immer. Die AfD ist ja nix Neues: Sie ist eine Abspaltung der CDU. Sie hat politisch genau das Vakuum aufgefüllt, das Merkel mit ihrem Linkskurs in der Parteienlandschaft hinterlassen hat. Wo sonst hätte sie denn ihre Wähler angeln können? Intolerante Trans- und Schwulenhasser gab's in diesem politischen Spektrum zu Kohls Zeiten sogar noch weit mehr als heute in der AfD, weil Vorurteile gegen uns damals in der Bevölkerung noch viel verbreiteter waren, und folglich auch mehr Politiker mit sowas Punkte sammeln konnten. Selbst in der SPD gab's damals nicht wenige dieser ultrakonservativen Holzköpfe.

Und - haben die sich durchgesetzt? Nö. WIR haben uns durchgesetzt, in einem Ausmaß, das in den 80er Jahren, als das TSG neu erlassen wurde, noch völlig undenkbar schien. Ohne Wähler sind Politiker NICHTS (neuerdings manchmal auch MIT Wählern - aber lassen wir das jetzt mal beiseite). Die paar Hansel, die mit so einem Krampf heute noch ein Mandat ergattern können, kannste getrost vergessen.

Wichtiger sind ihre Wähler: eben "dieser eine blöde Typ", dem ich entweder beleidigt aus dem Weg gehen oder mit ihm doch wieder freundlichen Kontakt suchen kann - weil er vielleicht ja gar nicht mal so blöde ist. Auf DIESER Ebene spielt für uns letztlich die Musik, und auf dieser Ebene haben wir auch schon seit 40 Jahren unsere politischen Erfolge erreicht. Wir haben das alles nicht von Schmidt, Kohl oder Merkel als Geschenke gekriegt, wir haben's uns an der Basis verdient. Die hohe Politik kommt dann irgendwann nicht mehr dran vorbei.
[/quote]
Herzliche Grüße
Wally
Gesperrt

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