Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch
Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch - # 3

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Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 31 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Mo 8. Jul 2019, 16:34

Anne-Mette hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 16:04



Ich weiß nicht, in welchem Maße solche Netzwerke Einfluss auf die Suizidrate haben.

Gruß
Anne-Mette
Die Netzwerke haben mit den Suiziden weniger zutun.
Ich hoffe sogar das sie dazu beitragen den ein oder anderen zu verhindern.
Liebe Grüße
Lisa
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lexes
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 32 im Thema

Beitrag von lexes » Do 11. Jul 2019, 08:16

Anne-Mette hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 16:04
lexes hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:14
Kndermund - tut Wahrheit kund .. so einfach
"Funktionierende Familienzusammenhänge" haben mir Stabilität gegeben und mir geholfen.
Andererseits bringen sie auch besonderes Verantwortlichkeiten mit sich.
Ich weiß nicht, in welchem Maße solche Netzwerke Einfluss auf die Suizidrate haben.

Gruß
Anne-Mette
Auf die Suizidrate kann sich das nur positiv auswirken. ( wenn es positiv verläuft )

Eine massive familiäre Anbindung mit abweisendem Grundtenor hat sicher den gegenteiligen Effekt und führt dann eher zu Isolationismus.

Aber diese Beispiele ( geprägt von Akzeptanz und Anerkennung ) sind ja das Beste was einem passieren kann :

Top-Oma , Danke für den ehrlichen Einblick in Dein Privatleben (yes)

Lexi

Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 33 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Do 11. Jul 2019, 09:49

Ich glaube "Selbstzweifel" sind gar nicht so verkehrt.
Es führt zu immer wiederkehrenden Diskussionen mit sich selber.
Hormontherapie - ist ja nichts schlimmes - weil umkehrbar.
GaOp - da wird's deutlich schwieriger - es muss also ein klar überlegter Schritt sein.
Hier hinterfrage ich mich täglich - ist das dein Weg?
Ich informiere mich über alle Möglichkeiten - welche Ärzte kommen in Frage - was für Op's werden angeboten und und und
Ich hatte am Anfang meiner Transition eigentlich gesagt ich bin zu alt - das bringt dir nichts mehr - Hoden weg ist genug.
Doch inzwischen greifen die Testosteronblocker und ich fühle mich richtig befreit.
Keine Erektionen mehr - kein Sklave des "Großhirns" des Mannes mehr.
Mein innerstes fühlt es ist falsch was da rumhängt.
Jeden Tag wo ich mehr hinterfrage ist es für mich selbstverständlicher mich operieren zu lassen.

Ich bin Frau.

Ich bin angekommen in mir selbst.

Die jetzigen Zweifel in mir beziehen sich mehr auf das drumherum - Komplikationen der Op - Schmerzen (ich bin mimmimimmimmmi) etc.

Aber auch das werde ich noch überstehen.

Liebe Grüße

Lisa

Ps: Im Moment denke wird Dr. Liebl in Planegg meine Wahl sein.
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 34 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 12. Jul 2019, 05:12

Guten Morgen,

jetzt will ich doch einmal kurz meine Sommerpause unterbrechen und etwas dazu schreiben:
Hormontherapie - ist ja nichts schlimmes - weil umkehrbar.
Das stimmt so nicht! Auch die Hormonbehandlung ist nicht umkehrbar. Nach Absetzen der Hormone und des Testoblockers wird sich Dein Körper zwar wieder einschwingen, aber die Veränderungen wie Brustwachstum werden bleiben. Und was dir auch bleiben wird, sind die Nebenwirkungen der Hormonbehandlung, wenn sie Dich denn treffen. Einfach mal die Beipackzettel lesen. Und nach einer geschlechtsangleichenden OP wirst Du sogar "abhängig" von der Hormongabe. Auch das sollte man nicht schön reden. Ob das was schlimmes ist, oder nicht, muss wohl jede für sich selbst bestimmen.
Hier hinterfrage ich mich täglich - ist das dein Weg?
Ich denke, das geht hier fast jedem so. Doch, solange Du diesen Weg noch hinterfragst, bist Du noch nicht angekommen, wie Du weiter unten schreibst.
ch bin angekommen in mir selbst.
Denn wenn Du angekommen bist, brauchst Du keinen Weg mehr zu gehen. Zugegeben, dass ist eine eher buddhistische Sichtweise der Dinge, aber es lohnt sich, einmal über diese Kernaussage nachzudenken ...

... den dann relativiert sich vielleicht auch diese Aussage:
Mein innerstes fühlt es ist falsch was da rumhängt.
Im Grunde verstehe ich deine Gefühle und kann die Gedanken nachvollziehen, aber was ist daran falsch? Was ist falsch an einem Körperteil, der Dir so lange treue Dienste geleistet hat? Warum fällt es jetzt in "Ungnade"? Und by the way: dieser jetzt abgelehnte Penis, ist Deine zukünftige Neovagina. Also nix mit einfach abschneiden. Er bleibt quasi in Dir, Du wirst ihn nicht los. Also achte gut auf ihn, Du brauchst ihn noch.

Mir geht es nicht darum hier die geschlechtsangleichende Genital-OP schlecht zu reden oder gar irgendjemanden aus- oder einzureden. Schließlich bin ich selbst angemeldet. Ich sehe jedoch in den Formulierungen, die ich lese, oft die Notwendigkeit einen Gegenpol zu geben. Ich habe das Gefühl, dass eine OP oft aus einer zu binären Perspektive wahrgenommen wird. Es werden eher uneindeutige, gefühlte Erwartungen in sie gesetzt, die dann gegen rationalen Bedenken stehen. Das ist dann, wie mit den Äpfeln und Birnen.

Sicher schlagen jetzt wieder einige die Hände über den Kopf zusammen und denken "die schon wieder". Aber ich stelle trotzdem die Frage:
"Was genau fühlt sich falsch an? Warum ist das, was da rumhängt falsch?" (Wir brauchen das hier nicht zu diskutieren, aber die Frage sollte bleiben)

Ich beschäftige mich gerade mit dem Wort "absichtslos". Etwas tun, ohne Gegenleistung zu erwarten. Auch hier möchte ich nicht über die Frage diskutieren, ob man überhaupt etwas absichtslos machen kann, denn natürlich machen wir im Grunde alles mit "Absicht". Aber das würde ich dann eher als "bewusst" Handeln bezeichnen. Absicht bezeichnet dann eher das Handeln mit der Erwartung einer Gegenleistung, einer bestimmten Reaktion oder Handlung des Gegenüber. Beispiel: Ich schenke Dir Blumen. Absichtsloses schenken bedeutet, ich habe die Blumen gesehen und an Dich gedacht, sie gekauft und schenke sie Dir. Damit ist der "Vorgang auch schon abgeschlossen", Du kannst mit den Blumen machen was Du möchtest. Weder erwarte ich ein Danke, übergroße Reaktionen oder ein andere Gegenleistung. Obwohl ich mich natürlich freue, wenn Du Dich freust.
Absichtsvoll wäre: ich kaufe irgendwelche Blumen, weil ich Dich treffe und glaube, dass ich Dich damit bestechen und verführen kann. Denn im Grund bist Du mir unwichtig und ich möchte Dich benutzen, um meine Triebe erfüllen zu lassen. Beim Schenken geht es also im Kern um mich und meine eigenen Bedürfnisse.
Wir sind gewohnt, die meisten Dinge mit Berechnung zu tun, meinen aber absichtslos zu handeln. Nur wer sich reflektiert, kann das erkennen. Hier passt Dein erster Satz ganz gut:
Ich glaube "Selbstzweifel" sind gar nicht so verkehrt.
Zurück zu unserem (meinem) eigentlichen Thema:
Jeden Tag wo ich mehr hinterfrage ist es für mich selbstverständlicher mich operieren zu lassen.
Nun stelle ich Dir die Frage, ob diese Selbstverständlichkeit, sich operieren zu lassen, zu einer absichtslose Entscheidung bei Dir führt. Frei von (falschen) Erwartungen und Gegenleistung.
Jede von uns hofft, durch eine OP näher zu sich selbst zu finden und mehr Frau zu sein. Aber das kann diese OP nicht leisten. Ja, sie gleicht uns äußerlich vielleicht an (aber dann auch nur an dieser Stelle) und sie gibt uns sicher auch die Möglichkeit, das Gefühl zu erfahren, jemanden oder etwas in uns zu spüren. Aber das war es aus meiner Sicht auch schon. Es macht uns nicht mehr zur biologischen Frau und es gibt uns nicht zwangsläufig mehr gesellschaftliche Identität. Unsere Hoffnungen in eine so schwere OP zu setzen, sollte nicht aus falschen Erwartungen und Wünschen entstehen, sondern "abichtslos" sein - eben eine sehr bewusste Entscheidung aus dem Inneren heraus für sein Inneres. Vielleicht sollte sie sogar ergebnisoffen gesehen werden können.

Transition ist ein Prozess über mehrere Jahre (3-5 Jahre habe ich einmal gehört). Unsere Wahrheiten und Sichtweisen auf ein Sache, muss am Ende der Transition nicht die Gleiche sein, wie heute.

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg. Ich bin mir sicher, dass er der Richtige ist, um festzustellen, dass Du schon da bist.

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

Wir brauchen mehr Gelassenheit und weniger Binärität.

Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 35 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Fr 12. Jul 2019, 11:56

Langsam geht es vorwärts:
22.08.2019 - 2. Gutachten zur Vä/Pä
Denke im Oktober wird es den neuen Ausweis geben.
Heute den ersten Termin zur Vorbesprechung GaOp für den 14.10.2019 bei Dr. Liebl in Planegg gemacht...
Es wird ernst.
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Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 36 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Fr 12. Jul 2019, 12:13

VanessaL hat geschrieben:
Fr 12. Jul 2019, 05:12
Nun stelle ich Dir die Frage, ob diese Selbstverständlichkeit, sich operieren zu lassen, zu einer absichtslose Entscheidung bei Dir führt. Frei von (falschen) Erwartungen und Gegenleistung.
Jede von uns hofft, durch eine OP näher zu sich selbst zu finden und mehr Frau zu sein. Aber das kann diese OP nicht leisten
Danke dir für deinen Beitrag. Genau das ist es was ich mir wünsche - andere Sichtweisen oder andere Denkanstöße.
Was letztendlich passiert kann immer nur die Person bestimmen die es betrifft - und es wird immer eine einsame Entscheidung bleiben - so oder so.
Natürlich mach ich mir auch über meinen Körper Gedanken - bin ja leider etwas vorbelastet durch mehrere Stents und Lungenprobs.

Was ich nun erstmal mache ist Informationen zusammen zu suchen - und versuchen auch ein "Risiko-Management" einzusetzen.

Der Zug der da gerade fährt wurde natürlich durch die Therapie die ich mache beschleunigt - fahren tut er allerdings schon immer - ohne es damals so zu sehen.

Geoutet und als Frau gelebt hab ich mich schon viel früher und es war eigentlich nur noch der "Arbeits-Mann" übrig.

Liebe Grüße
Lisa
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 37 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 12. Jul 2019, 13:31

Moinsen (moin)
VanessaL hat geschrieben:
Fr 12. Jul 2019, 05:12
Transition ist ein Prozess über mehrere Jahre (3-5 Jahre habe ich einmal gehört)
Das ist wohl eine Glaubensfrage :wink:
Ich glaube, eine Transistion ist nie abgeschlossen. Ich war 38 Jahre lang unter Testosteron-Einfluss und nun 3,5 Jahre unter Östrogen. Ich glaube nicht, das mein Körper nach 5 Jahren aufhört sich zu verändern.
So lange ich lebe, wird sich das Östrogen auch weiterhin auf meinen Körper auswirken und diesen verändern. Natürlich zu Anfang mehr als später. Aber es wird sicher nicht nach 5 Jahren wirkungslos. Dann könnte man es ja wieder absetzen.
Und ebenso die Sozialisation. Auch diese Anpassung wird nicht nach 5 Jahren zu Ende sein. Nach meinen 38 Jahren männlicher Sozialisation stellen 5 Jahre als Frau nur einen Anfang dar. Wobei ich glaube, das gerade dieser Teil völlig unterschätzt wird.
Alle reden von Hormonen und der GaOP, aber keiner über Sozialisation.
Die Hormone können mich optisch zu 100% in eine Frau verwandelt haben, ohne entsprechende weibliche Sozialisation werde ich immer männlich auf andere wirken.
Deswegen genieße ich es auch, (möglichst) viel Zeit in der Gesellschaft von geborenen Frauen (zu Hause bei meiner Frau, im Büro mit den Kolleginnen und natürlich neuerdings mit meiner Freundin) zu verbringen.
Ich glaube, durch die gemeinsame Zeit mit von Geburt an sozialisierten Frauen "geht" dann auch etwas auf mich über. Aber Erfahrungswerte zu dieser Thematik tendieren ja so ziemlich gegen Null.
Zumindest ist mir, glaube ich, hier noch kein Thread dazu begegnet...
Naja, bevor ich jetzt noch ganz vom Thema abdrifte, beende ich mal den Beitrag :wink:

Grüße
die Anja
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Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 38 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Fr 12. Jul 2019, 17:30

@Anja
Du sprichst da ein tolles Thema an "Sozialisation"
Wenn ich ehrlich bin noch nie Gedanken drüber gemacht.
Aber jetzt da du es so ansprichst und ich mich wieder reflektiere - gebe ich dir völlig recht.
Ich ertappe mich immer wieder bei Dingen wo ich mir selber sage - als Frau - macht man es anders..
Und wieder ein Denkanstoß mehr
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 39 im Thema

Beitrag von Mina_35 » Sa 13. Jul 2019, 07:44

Anja hat geschrieben:
Fr 12. Jul 2019, 13:31
Moinsen (moin)
VanessaL hat geschrieben:
Fr 12. Jul 2019, 05:12
Transition ist ein Prozess über mehrere Jahre (3-5 Jahre habe ich einmal gehört)
Das ist wohl eine Glaubensfrage :wink:
Ich glaube, eine Transistion ist nie abgeschlossen. Ich war 38 Jahre lang unter Testosteron-Einfluss und nun 3,5 Jahre unter Östrogen. Ich glaube nicht, das mein Körper nach 5 Jahren aufhört sich zu verändern.
So lange ich lebe, wird sich das Östrogen auch weiterhin auf meinen Körper auswirken und diesen verändern. Natürlich zu Anfang mehr als später. Aber es wird sicher nicht nach 5 Jahren wirkungslos. Dann könnte man es ja wieder absetzen.
Und ebenso die Sozialisation. Auch diese Anpassung wird nicht nach 5 Jahren zu Ende sein. Nach meinen 38 Jahren männlicher Sozialisation stellen 5 Jahre als Frau nur einen Anfang dar. Wobei ich glaube, das gerade dieser Teil völlig unterschätzt wird.
Alle reden von Hormonen und der GaOP, aber keiner über Sozialisation.
Die Hormone können mich optisch zu 100% in eine Frau verwandelt haben, ohne entsprechende weibliche Sozialisation werde ich immer männlich auf andere wirken.
Deswegen genieße ich es auch, (möglichst) viel Zeit in der Gesellschaft von geborenen Frauen (zu Hause bei meiner Frau, im Büro mit den Kolleginnen und natürlich neuerdings mit meiner Freundin) zu verbringen.
Ich glaube, durch die gemeinsame Zeit mit von Geburt an sozialisierten Frauen "geht" dann auch etwas auf mich über. Aber Erfahrungswerte zu dieser Thematik tendieren ja so ziemlich gegen Null.
Zumindest ist mir, glaube ich, hier noch kein Thread dazu begegnet...
Naja, bevor ich jetzt noch ganz vom Thema abdrifte, beende ich mal den Beitrag :wink:

Grüße
die Anja
Hah Anja, das ist auch genau mein Thema und wohl wirklich eine Glaubensfrage. :)

Ich bin da völlig deiner Meinung, das die Veränderungen durch die Hormone ein Lebenlang stattfinden und mehr und mehr verweiblichen, auch wenn die Geschwindigkeit deutlich verlangsamen wird. Ich erkläre das immer mit einer e-Funktion (Sättigungskurve).
Es ist ja nicht nur bei uns so, es ist bei jedem Menschen so, man verändert sich ständig. Wenn ich mir Fotos von mir ansehe, wie ich mit 18 aussah und dann vor 2 Jahren, sehe ich dort auch anders aus.
Wie du auch schreibst, die Sozialisation ist genau das selbe, es gibt sicher eine Grundsozialisation und anschließend geht es dann eher um die Feinheiten.
Ich merke das ganze auch bei mir, ich arbeite in einem Bereich mit noch 2 Wochen 100% Männeranteil. Ich habe 2 Kolleginnen, an einem anderen Standort, die ich nur 1-2 mal pro Monat sehe, ich merke wie ich mich bei denen deutlich weiblicher verhalte, als bei meinen anderen Kollegen, die ich täglich 7 Stunden sehe.
Ich merke auch deutlich, so wie du auch, das ich viel mehr Zeit mit Bio-Frauen (komisches Wort) verbringen muss, einfach, das ich noch mehr Verhalten, Sprache usw. aufnehmen kann, sonst werde ich immer als männliche Frau gelten. Also zumindestens aus eigener Erfahrung kann ich dich bestätigen. Wie ich immer sag: Nur wenn ich sehe wie Frauen gehen, kann ich wie eine Frau gehen, nur wenn ich höre wie Frauen sprechen, kann ich wie eine Frau sprechen. Menschen sind nunmal dazu gemacht nachzuarmen (nachzuaffen trifft es besser, ist aber ein blödes Wort :D), denn nur so hat man als Kind gelernt und lernt man heute noch. Abgucken, selber im Kopf durchspielen und dann selber machen.

Ich wollte hier nun auch gar kein Fass aufmachen, in Lisas Thema. Ich habs mir aber gerade mal durchgelesen.

@ Lisa: Ich finde es wirklich sehr konsequent wie du es machst, lass dich nur nicht von deinem Weg abbringen, umgebe dich mit Leuten die dich akzeptieren und unterstützen, lass die anderen links liegen, sie sind es kaum Wert, das du dich ärgerst und schlechte Laune aufkommen lässt, auch wenn es manchmal schwer ist.

Einer meiner Lieblingssprüche ist: Overcome fear and nothing will hold you back.

Es ist nie zu spät damit anzufangen und DU machst vielen Menschen mit deiner Sichtbarkeit Mut ihr richtiges Leben zu leben und sich nicht verstecken zu müssen. Ich drück die Daumen, das es nun schnell mit deiner VÄ/PÄ klappt :)

Lisa-Weber
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 40 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Sa 13. Jul 2019, 08:55

@Mina

nun habe ich wieder Pipi in den Augen und ein Lächeln im Gesicht.
Danke für deine Lieben Worte und macht euch alle keine Gedanken darüber wenn ihr sowas in "meinem" Thread macht....
ich klaue mal: Mein Thread - Dein Thread - der Thread ist für uns alle da....)
Es ist genau das was ich mir gewünscht habe - rege Konversation unf Anregung

Liebe Grüße
Lisa
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 41 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 15. Jul 2019, 10:24

Lisa-Weber hat geschrieben:
Sa 13. Jul 2019, 08:55
Mein Thread - Dein Thread - der Thread ist für uns alle da....)
Wenn das so ist möchte ich auch ein paar Gedanken beitragen.
VanessaL hat geschrieben:
Fr 12. Jul 2019, 05:12
Was ist falsch an einem Körperteil, der Dir so lange treue Dienste geleistet hat? Warum fällt es jetzt in "Ungnade"? Und by the way: dieser jetzt abgelehnte Penis, ist Deine zukünftige Neovagina. Also nix mit einfach abschneiden. Er bleibt quasi in Dir, Du wirst ihn nicht los. Also achte gut auf ihn, Du brauchst ihn noch.
Nein, treue Dienste hat er wahrlich nicht geleistet. Nicht einmal was das anatomisch bedingte betrifft.
Ich sehe in ihm ein ausführendes Organ der Hoden, von denen ich mich mit seiner Hilfe (und vermutlich der ein oder anderen konspirativen Gehirnwindung) missbraucht fühle.
Es ist bei mir also nicht der Penis die "Wurzel allen Übels", dieses geht (hängt) tiefer.
Ich hoffe also das er nach der Operation mir seine Fähigkeiten zur verfügung stellt.
Wenn er den eh schon nutzlos gewordenen Schwellkörpern und meinem Erzfeind, den Triebtätern, erst mal beraubt ist dürfte dem nichts mehr im Wege stehen.

Was die Hormone betrifft denke ich auch, was das Testosteron in einem halben Jahrhundert Schreckensherrschaft angerichtet hat kann Östrogen nicht mal so eben widergutmachen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 42 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Mo 15. Jul 2019, 12:35

Joe95 hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 10:24

Was ist falsch an einem Körperteil, der Dir so lange treue Dienste geleistet hat? Warum fällt es jetzt in "Ungnade"?

Was die Hormone betrifft denke ich auch, was das Testosteron in einem halben Jahrhundert Schreckensherrschaft angerichtet hat kann Östrogen nicht mal so eben widergutmachen.
Du drückst es sehr hart aus - aber nicht unzutreffend.
Bei mir war es auch sehr schlimm - dieses "Großhirn zwischen den Beinen".
Einerseits zwei ganz tolle Kinder geschenkt auf die ich sehr stolz bin.
Anderseits dieses ständige Gefühl des "Orgasmuszwangs" - Triebtäter - und Sklave.
Das kurze Gefühl des Glücks mit dem anschließend ewig langen Gefühl des Ekels vor sich selber.
Ich bin mehr als glücklich das meine Hormontherapie gut ansetzt und sich bei mir "untenrum" absolut nichts mehr tut.
Es ist eine unglaubliche Erfahrung und Befreiung meiner selbst.

Ich bin ich und ich muss meinen Weg gehen.

Liebe Grüße eure
Lisa
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 43 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 15. Jul 2019, 12:41

Lisa-Weber hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 12:35
Einerseits zwei ganz tolle Kinder geschenkt auf die ich sehr stolz bin.
Kinder habe ich keine, nichts, was mich irgendwie stolz machen könnte.
Lisa-Weber hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 12:35
dieses ständige Gefühl des "Orgasmuszwangs" - Triebtäter - und Sklave.
Das kurze Gefühl des Glücks mit dem anschließend ewig langen Gefühl des Ekels vor sich selber.
Ich bin mehr als glücklich das meine Hormontherapie gut ansetzt und sich bei mir "untenrum" absolut nichts mehr tut.
Es ist eine unglaubliche Erfahrung und Befreiung meiner selbst.
Genau so möchte ich es auch beschreiben.
Für mich war das ganze schon eine Qual als ich noch glaubte ein Mann zu sein.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 44 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 15. Jul 2019, 13:27

Joe95 hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 10:24
Wenn er den eh schon nutzlos gewordenen Schwellkörpern und meinem Erzfeind, den Triebtätern, erst mal beraubt ist dürfte dem nichts mehr im Wege stehen.
Nutzlose Schwellkörper? Der empfindlichste Punkt des Penis ist meines Wissens Teil dieser Schwellkörper und ich will hoffen, dass der nicht mit entfernt wird, sondern erhalten bleibt!
Und wer sich mit der erotischen Anatomie der Frau und der Vagina beschäftigt, kommt nicht umhin festzustellen, wie wichtige die Schwellkörper, die so einfach entfernt werden, für das sexuelle Empfinden sind.
Eine GAOP ist und bleibt „eine Krücke“. Wer das weiß, wird gut damit leben können. Und auch derjenige, der seine Disphorie auf sein Geschlechtsteil projiziert, wird nach der OP wohl glücklich sein. Wer aber eine Patentlösung für seine Probleme erhofft, könnte enttäuscht werden.

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Ich fühle mich überfahren.... - Mein Tagebuch

Post 45 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 15. Jul 2019, 13:42

VanessaL hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 13:27
Nutzlose Schwellkörper? Der empfindlichste Punkt des Penis ist meines Wissens Teil dieser Schwellkörper und ich will hoffen, dass der nicht mit entfernt wird, sondern erhalten bleibt!
Wer weiß, vermutlich habe ich mich nicht anatomisch korrekt ausgedrückt.
Nach meinem Wissensstand sind die Schwellkörper nichts anderes als Gefäße, die mit Blut aufgepummt werden und damit die Errektion äh... darstellen.
Das empfindliche, das auch ich gerne behalten möchte, ist die Eichel, halt vorne die Spitze.
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