Mein Frühlings-Herz
Mein Frühlings-Herz - # 3

Lebensplanung, Standorte
Antworten
Diva
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 183
Registriert: Fr 8. Mär 2019, 10:41
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 89 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 129 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 31 im Thema

Beitrag von Diva » Do 13. Jun 2019, 09:04

Liebe Helga,

deine Zeilen haben mich wirklich berührt - lieben Dank dafür! Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, überhaupt Resonanz - erst recht nicht solche Worte - zu erhalten.
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Liebe Diva,
ich fürchte wir können dir hier nicht helfen.
Das erwarte ich auch nicht. Ich bin froh, dass ich nicht den Status eines "Lieblings" genieße und daher ständig mit verbalen Standard-das-wird-schon-Parolen eingedeckt werde. Solchen Unfug gebe ich selbst auch keiner anderen auf den Weg, sondern versuche immer, auf die konkreten Probleme einzugehen. Doch wer beschäftigt sich schon freiwillig mit fremden Problemen, der nicht dafür bezahlt wird? Wenn noch nicht mal ehemalige Freunde dazu bereit sind und es vorziehen, seit nunmehr einem halben Jahr den Kopf in den Sand zu stecken ...

Gestern war es soweit und ich schmiss dem letzten Psychologen, bei dem ich noch in Behandlung war, alles vor die Füße. Wir drehten uns seit Monaten im Kreis. Er hatte mich damals am Telefon wieder "aufgebaut", als ich zusammengebrochen war und in einer Hand den VÄ / PÄ-Beschluss, der überraschend gekommen war, und in der anderen die R... (ich schreib es nicht aus) hielt. Damit war jedoch der Kulminationspunkt erreicht und seine ansonsten dünne Argumentation kenne ich jetzt auswendig.
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Aber trotzdem finde ich deine letzten Beiträge wichtig, können sie doch möglicherweise anderen helfen. Daher Danke! Das ist jetzt nicht sarkastisch gemeint sondern mein voller Ernst.
Ja, als abschreckendes Beispiel taugen meine fürchterlichen, negativen, lebensverneinenden Beiträge ganz bestimmt. Nur wird das niemand freiwillig lesen und sich erst recht nicht zueigen machen. Wer gibt schon freiwillig zu, am Endpunkt angekommen zu sein, keinen Lichtblick mehr zu haben?
Für mich ist der seit Mitte Dezember anhaltende Zustand umso bitterer, weil ich damals überglücklich war, genau diesem Zustand entronnen zu sein: über 30 Jahre Depressionen, weil ich meine Identität nicht kannte. Und nun nach nur einem Jahr Leben als VZF mehr oder weniger erneut dort angekommen zu sein, ist sehr, sehr grausam.
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Ich lese hier seit einigen Monaten in allen möglichen Themen mit. Bei allen die sich um das Thema Transition drehen endet die Timeline mit der GaOp. Was danach kommt verschwimmt im rosa Nebel.
Nicht so ganz. Es gibt schon etliche post-OP, die hier emsig schreiben - Tatjana z.B.
Aber schwerpunktmäßig hast du Recht. Mir lief damals, als ich noch in der "Szene" unterwegs war, immer ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich auf "Gescheiterte" traf. Die kamen nur noch in den jeweiligen Trans*Treff, um sich schweigend in irgendeiner Ecke die Kante zu geben. Über sie wurde getuschelt und im allgemeinen war man sich einig, dass man selbst alles schlauer und besser machen würde ... Da ich Alkohol und Drogen ablehne, bin ich zwar nicht dort gelandet, aber mental am gleichen Punkt angekommen.
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Dein Beispiel zeigt deutlich dass es noch ein Leben danach gibt, über das Frau sich auch Gedanken machen muss. Auch wenn Alles gut gelaufen und Frau körperlich da angekommen ist wo sie schon immer hinwollte, tauchen plötzlich Probleme auf an die sie vorher nicht einmal zu denken wagte. Diese Probleme mögen auf andere die nicht dein Passing haben wie Luxusprobleme wirken, dennoch verstehe ich dass sie real sind.
Du sagst es - es sind in der Tat "Luxusprobleme". Andere müssen damit klar kommen, täglich in der Öffentlichkeit begafft, angepöbelt und gefilmt zu werden. Das war nie ein Thema für mich. Umso grauenhafter finde ich die Erkenntnis, trotzdem nirgends zwischenmenschlich angenommen zu werden. Ich lebe ständig mit der Angst, bei meinen Sportskameradinnen- und Kameraden "entlarvt" zu werden. Dann wäre Schluß mit Bussi links und Bussi rechts, Tätscheln, Umarmen, Komplimenten. Doch das ist z.Zt. das Einzige, was mich am Leben hält. Vermutlich würden sie mich zum Teufel jagen.
Nun könnte man ganz heroisch meinen, auf solcherart Menschen zu verzichten - aber dann wäre die Welt komplett leer für mich.

Inzwischen trauen sich nach monatelanger Beobachtung die ersten Verehrer raus und wollen mich daten. Das sollte dann der Anfang vom Ende sein ... Ich geb so lange wie möglich die Unnahbare, die zwar ihre verheirateten Sportsfreunde herzt und sich gerne von ihnen drücken lässt, aber bei denen mit "zweifelhaften" Absichten distanziert ist. Doch gerade das scheint die Herren verrückt zu machen. Obendrein bricht bei den anderen Konkurrenzgehabe aus ... Ich hab wirklich keine Ahnung, wohin das führen soll. Ich mag bei einer neuen Bekanntschaft auch nicht meine Probleme thematisieren. Mit meinen Narben ist das freilich Mist, die kann ich bei der Hitze nicht mehr verstecken. Gar nicht auszudenken, wenn ich schon längst statt quer geschnitten hätte ... Bei 32 Grad langärmelig? Nee!
Heute spiele ich erstmal mit jemandem ein paar Bahnen, dessen charmante Einladung ich nicht ablehnen wollte. Hab ja noch andere dabei, die auf mich "aufpassen" - lach.
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Ich möchte damit keine angleichenden Maßnahmen verteufeln sondern nur alle die dies in Erwägung ziehen dringend bitten sich auch mit der fernen Zukunft zu beschäftigen, und nicht zu sehr auf die zu hören die gerade in der Hormontherapie stecken. Die euphorisierende Wirkung scheint ja beachtlich zu sein.
Das stimmt. Was ich während meiner zweiten Pubertät für existenzielle Probleme (Trenung, Kind weggenommen, Verlust der gesamten Familie, Bedrohung, mein Dach überm Kopf zu verlieren usw.) so "nebenbei" abhandelte und trotzdem glücklich war, erscheint mir rückblickend unmöglich!
Helga hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:25
Um zu dir zurück zu kommen. Da ich hoffnungslose Optimisten mit ausgeprägtem Harmoniebeduerfnis bin, bleibe ich dabei: Der Traumprinu wird schon noch kommen. Vielleicht ein FzM, der sich selbst als Monster empfindet?
Liebe Grüße
Helga
Vielleicht noch ein paar Worte zu meinem Pessimismus, der mir hier oftmals - m.E. zu Recht - vorgeworfen wird. Ich will niemanden im Forum ärgern, provozieren oder belästigen - aber eben nicht verschweigen, dass es auch anders als rosarot gehen kann.
In Wahrheit bin ich eine extrem lebenslustige, vitale Frau mit viel Witz und Esprit. Doch es gibt nur sehr wenige Gelegenheiten, das zu zeigen. Auf Arbeit geht es nur, wenn ich auf meiner "Bühne" stehe, Sitzungen leite und alle mitreiße. Danach werd ich dann von den eigenen Chefs runtergemacht, die mit der Begeisterung der anderen nicht umgehen können. Super Führungskräfte!

Durch die vielen schlechten Erfahrungen, Diskriminierungen, Verletzungen, ja Misshandlungen im Rahmen der Zwangsgutachten ist der Pessimismus schlichtweg Lebenserfahrung. Woher sollte denn das Positive kommen? An welchen Strohhalmen sollte ich mich festhalten?
Das ganze super Ergebnis der Transition wird dadurch zunichte gemacht, dass ich die riesigen zwischenmenschlichen Probleme nicht lösen kann, komplett vereinsame und mit allen Problemen seit Anbeginn auf mich allein gestellt bin.

Ja, der "Traumprinz" ... bringt wie geschrieben meine einzige Oase im Sportclub in Gefahr. Ewig kann ich mir die Verehrer nicht vom Leibe halten. Ich muss irgendwann bei irgendwem, dem ich nachgebe (ich bin schließlich auch nur eine Frau), auspacken - und was dann passiert, hab ich schon oft erlebt und einfach nur Angst davor. Wenn der mir dann im Club alles kaputtmacht, hab ich gar nichts mehr. Sind ja nicht alle so verschwiegen in Bezug auf die Meerjungfrau wie "Herold".

Liebe Grüße
-Diva
"Flirt ist die Kunst, so weit davonzulaufen, dass man bestimmt eingeholt wird." Z.Z. Gabor
"Deine Kleidung sollte eng genug sein, um zu zeigen, dass du eine Frau bist – aber weit genug, um zu zeigen, dass du eine Dame bist." M.Monroe

Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 152
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: 95%m, CD
Pronomen: beliebig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: 28xxx
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 100 Mal

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 32 im Thema

Beitrag von Helga » Do 13. Jun 2019, 20:26

Hallo Diva,
lass dir deinen Sport nicht durch zuviel Ehrlichkeit kaputt machen. Ich habe zwar bei Jule geschrieben das es irgendwann rauskommen wird, dies gilt aber nur wenn du auf eine feste Beziehung aus bist. Offenbare deinem Verehrer beim dritten Date dass du aufgrund einer kürzlich überstandenen Unterleibs- OP keine Intimkontakte zulassen kannst. Damit wirst du die Testosteron- Monster auf Abstand halten. Das bringt dir dann vielleicht den Ruf einer vertrockneten Jungfer ein, aber was sollst. Wenn einer der Verehrer trotzdem hartnäckig bleibt ist er nach ausreichendem Zeitablauf möglicherweise reif für die komplette Wahrheit.
Trage die Narben mit Würde, ich glaube nicht das jemand danach fragt. Aber füge bitte keine neuen hinzu.
Liebe Grüße
Helga
Du hast nur ein Leben und du hast nur einen Körper - mach aus Beidem das Beste!

Astrid_M
Beiträge: 32
Registriert: Do 18. Apr 2019, 23:39
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: 10*
Hat sich bedankt: 18 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 8 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 33 im Thema

Beitrag von Astrid_M » Fr 14. Jun 2019, 01:14

Hallo Diva,
Ich lese deine "negativen" Beiträge auch schon eine ganze Weile.
Ich glaube nicht, daß man es wirklich "besser" machen kann. Bin noch lange nicht so weit mit meiner Transition angelangt.
Eben nur teil-geoutet und noch sind die "Eingeweihten" nett zu mir. Das wird bis Jahresende sicher rauher werden.
Ich halte mich auf keinen Fall für schlauer (ist immer der erste Fehler) und jeder Fall ist anders.

In deiner Situation wäre ich ziemlich ratlos. Außer meine Habseligkeiten zu packen und irgendwo nochmal weit weit weg anzufangen,
fiel mir da nichts ein. Muß man erstmal können. Auch hilft das natürlich nichts, wenn man sich einem anderen Menschen offenbaren möchte
(man kann schlecht alle Leute ständig hinters Licht führen). Wenn der dann einem bloßstellt, steht man wieder am Anfang, Fiese Menschen
gibt es überall.
Ich würde daher die Sportgruppe auch auf etwas Distanz halten, um bei so vielen schlechten Erfahrungen wenigsten irgendwas zu erhalten.
Auf Dauer ist das natürlich keine Lösung. Du siehst das viel besser als wir aus der Ferne.

Es nützt dir zwar nichts in deiner Situation, aber es gibt zumindest ein paar Menschen, die deine Geschichte nachdenklich macht und die das ernst nehmen,
Viele Grüße,
Astrid

Frieda
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 801
Registriert: Mo 27. Aug 2018, 15:57
Geschlecht: Bio-Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 1356 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1077 Mal

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 34 im Thema

Beitrag von Frieda » Fr 14. Jun 2019, 11:16

WOW❣️


Ich hab gerade irgendwie das Gefühl, als würde ich hier in eine kleine Gruppe "eindringen".
Ich bin ziemlich geflasht gerade, und weiß mich auch nur schwer auszudrücken.

Ich möchte euch Alle hier ansprechen, die ihr bisher hier geschrieben habt, vor allem deswegen, weil dieser Thread von Diva, für mich eine Wendung genommen hat die ich so nicht erahnt habe.
Ich möchte jedem hier meine Anerkennung aussprechen, wie wundervoll ihr hier aufeinander schaut und miteinander umgeht. 🙏👍

Es liegt mir trotzdem etwas näher am Herzen und ich bitte um Entschuldigung dafür, wenn ich mich jetzt trauen möchte, dich liebe Diva hier anzusprechen.
Als erstes möchte ich dich wissen lassen, dass es bereits hin und wieder mal in mir arbeitete dich auf dieser emotionalen Ebene anzusprechen, mir aber jedesmal der Mut dazu fehlte. Du bist für mich ein sehr sehr starkes Wesen, und ich werde mich vermutlich baldigst von dir distanzieren, wenn mein Körper mir klare Zeichen aussendet um mich selber dann zu schützen.
Aber im Moment wirkt es fast schon magisch auf mich, dir hier schreiben zu wollen. Ich weiß dieser Thread hier wurde aus einem anderen Grund von dir eröffnet, aber vielleicht habe ich eine Chance trotzdem nicht getadelt zu werden.

Die Gedanken in meinem Hirn springen so massiv, ich komme kaum hinterher jeden aus mir raus lasen zu können, weil es so viele sind, viele, und ständig neue die fast in Lichtgeschwindigkeit in mir entstehen.

Diva!?.. Ich möchte mal behaupten dass du und ich scheinbar kaum Ähnlichkeiten haben (☝️auf den ersten Blick). Aber, als ich dich in meinem Thread hier.. viewtopic.php?p=241495#p241495 gelesen habe, arbeitete es sehr stark in mir. Denn es gibt mindestens eine Gemeinsamkeit die wir haben.
Ich muss jetzt gerade sehr achtsam mit mir und meinen Worten und meinen Gedanken sein, denn ich sprach bisher hier noch nicht über dieses Thema. Meiner Michi ist dieses Thema natürlich bekannt.
Doch Diva, ich denke dass ich dir ähnlich nachfühlen kann bzgl deiner Erzählungen über diesen Mann. Ich meine diese Geschichte wie der Funke übergesprungen ist und wie dieses Hochgefühl innerhalb kürzester Zeit so extrem kippte. Meine Geschichte unterscheidet sich da zwar etwas von deiner, in meiner Vergangenheit haben dritte diese Beziehung zerstört und haben über einen sehr sehr langen Zeitraum massivst daran gearbeitet. Egal. Am Ende war ich allein. Und viel natürlich tief. Und das ist jetzt die Gemeinsamkeit die ich meine. Diese Tiefe, dein Tief von dem du erzählst, dass kann ich nachempfinden. Mir geht es darum, dass ich diesen Punkt, wie du ihn beschreibst, wo wir hier diesen scheinbar nie enden wollenden Pessimismus von dir lesen können, ich diese Gefühle die du dann für mich realistisch vermittelst, ich dieses in mir von früher wiedererkenne.

Ich bin damals durch ein tiefes, dunkles und langes Tal gegangen. Ich war damals schon kraftlos durch meinen Exmann, die Trennung von ihm kostete mich schon massivst Kraft. Aber was es mich an zusätzlicher Lebensenergie kostet dieses neue Wesen loszulassen, ahnte ich nicht mal ansatzweise. Jeden neuen Tag habe ich gehasst. Ich bin mit Qualen jeden Morgen aus dem Bett raus, um meiner Aufgabe als Mutter irgendwie ein bisschen gerecht zu werden, getrieben mit der ständigen Angst, mein Exmann wartet nur auf irgendeinen Fehler von mir.
Ich kann diese Dunkelheit nicht beschreiben in der ich in dieser Zeit war. Der parallele Stresspegel meines Exmannes auf der einen Seite und auf der anderen Seite diese übermächtige Liebe zu dem neuen Wesen was ich kennenlernen durfte und wo wir beide ständig Kämpfe austragen mussten, weil sein Umfeld gegen diese neue Beziehung zwischen uns kämpfte. Es war grauenvoll für mich und es war nur mein Mutterinstinkt der mich am Leben hielt. Ich kann deine Worte aus tiefsten Herzen nachvollziehen Diva. Nur hatte ich diese Option der Erlösung nie, weil meine Liebe zu meinen Kids das nicht zugelassen hat. Ihre Zukunft ohne mich wäre der pure Horror gewesen und nur deswegen quälte ich mich jeden Morgen aufs neue, mich dem folgenden Tag zu stellen. Das war damals die Zeit, wo mir Medikamente verschrieben wurden die mich zusätzlich gaga machten. Ich kam dann zu einer neuen Ärztin und als Sie mich sah, Sie meine Geschichte verstand, und vermutlich mich und mein Wesen sehr gut verstehen konnte, stellte diese Frau die Weichen für mein zukünftiges Leben neu. Sie war es gewesen die die Tabletten sofort absetzte. Sie hatte verstanden dass ich noch nie geraucht hatte und dass ich zu diesem Zeitpunkt schon mindestens über ein Jahr kein Alkohol mehr trank (nein ich bin nicht Alkoholikerin). Sie war es die mich zum Yoga schickte und mich zum meditieren brachte.
Der Prozess der mit diesen Entscheidungen begonnen wurde, war damals nicht leicht für mich, da ich noch in den Anfängen war, mich von diesem Mann zu lösen, was ich eigentlich ja gar nicht wollte. Loszulassen, wonach jede Faser deines Herzens sich sehnt.. ich weiß was das für eine Aufgabe ist, und dass alles pur, real jede einzelne Minute ohne irgend ein Rauschmittel, was meine Sinne hätte benebeln können. Diese Zeit war es damals, wo ich (mein wahres Ich), wie Phönix aus der Asche hervorging.


Verzeiht es mir bitte, weil ich das Thema 100%-ig verfehlt habe, aber ich wollte zu dir sprechen liebe Diva nachdem ich euch hier gelesen hatte und nachdem ich mitfühlen durfte,wie mitfühlend ihr hier miteinander umgeht. 🙏🙏
Ich hoffe Euch nicht zu sehr zu verärgern.

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*

Diva
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 183
Registriert: Fr 8. Mär 2019, 10:41
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 89 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 129 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 35 im Thema

Beitrag von Diva » Fr 14. Jun 2019, 18:52

Liebe Frieda,

wir hatten hier im Forum keinen guten Start. Offenbar bist du jedoch ebenso wenig gekränkt oder nachtragend wegen unserer Konfrontation, in die sich auch deine Michi einschaltete, wie ich.
Die "Likes" hatten mich schon sehr überrascht und ich ging davon aus, du hättest dich verklickt. Doch dann kam dein Beitrag. Das hat mich sehr gefreut.
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
WOW❣️


Ich hab gerade irgendwie das Gefühl, als würde ich hier in eine kleine Gruppe "eindringen".
Ich bin ziemlich geflasht gerade, und weiß mich auch nur schwer auszudrücken.

Ich möchte euch Alle hier ansprechen, die ihr bisher hier geschrieben habt, vor allem deswegen, weil dieser Thread von Diva, für mich eine Wendung genommen hat die ich so nicht erahnt habe.
Ich möchte jedem hier meine Anerkennung aussprechen, wie wundervoll ihr hier aufeinander schaut und miteinander umgeht. 🙏👍
Hier hat sich in der Tat in letzter Zeit einiges getan. Obwohl das Thema gleichermaßen unerfreulich wie kontrovers ist, blieb der respektvolle Umgang miteinander bislang erhalten. Noch gab es keine Ausfälle z.B. in die Richtung: Nun bring dich doch endlich um, damit wir Ruhe haben und uns uneingeschränkt an positiven Beispielen erfreuen können!
Dabei gibt es durchaus Positives, wie der sehr erfolgreiche körperliche Verlauf meiner Transition - die problemlose Akzeptanz in der Öffentlichkeit, das ich nicht verschweige. Dass dann letztlich wieder alles vom Negativen aufgefressen wird, ist weniger schön.
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
Es liegt mir trotzdem etwas näher am Herzen und ich bitte um Entschuldigung dafür, wenn ich mich jetzt trauen möchte, dich liebe Diva hier anzusprechen.
Als erstes möchte ich dich wissen lassen, dass es bereits hin und wieder mal in mir arbeitete dich auf dieser emotionalen Ebene anzusprechen, mir aber jedesmal der Mut dazu fehlte. Du bist für mich ein sehr sehr starkes Wesen, und ich werde mich vermutlich baldigst von dir distanzieren, wenn mein Körper mir klare Zeichen aussendet um mich selber dann zu schützen.
Aber im Moment wirkt es fast schon magisch auf mich, dir hier schreiben zu wollen. Ich weiß dieser Thread hier wurde aus einem anderen Grund von dir eröffnet, aber vielleicht habe ich eine Chance trotzdem nicht getadelt zu werden.
Das mit dem "starken Wesen" stimmt, denn das Eingeständnis des Scheiterns hat wenig mit Schwäche zu tun. Als dem Fernöstlichen zugetane Frau wird dich vielleicht der Beweis der "Seelenkraft" interessieren, den ich selbst als absolut Ungläubige erfahren durfte. Innerhalb weniger Monate, nachdem ich meine verschüttete Identität zurückerinnert hatte, bekam ich einen "Hormonsturz", der meinen Körper und vor allem mein Gesicht ganz ohne HET derart in weibliche Richtung veränderte, dass ich selbst im Mann-Modus überall Probleme bekam, wo ich den Ausweis zeigen musste. Der Endo beschimpfte mich, weil er felsenfest überzeugt war, dass ich bereits jahrelang illegal Hormone eingeworfen hätte. Ich musste ihm alte Fotos zeigen und schwören, nichts genommen zu haben. Das waren die ersten Schattenseiten einer rasanten Entwicklung, die sich jeder Kontrolle oder Steuerung komplett entzog. Dafür rächte sich dann meine Frau auf furchtbare Weise ...
Leider habe ich es nicht gelernt, die "Kraft des Geistes", die damals wirkte, auch jetzt für mich zu nutzen, um aus der Dunkelheit herauszukommen.

Das sich viele nicht nur distanzieren, sondern mich hinterrücks bekämpfen, die meine Stärke im Alltag nicht ertragen, erlebe ich jeden Tag. Auf Arbeit sind sich noch nicht mal Chefs zu fein dafür, weil ich Verantwortungen meistere, die sie eben erst nach Jahrzehnten in höherer Position stemmten. Das darf nicht sein und wird bis aufs Blut boykottiert.
Der Witz an der Stärke ist, dass sie nur Unglück und Missgunst bringt. Wäre ich hübsch brav unauffällig und unengagiert, würde die Krümel lecken, die meine Vorgesetzten ab und an in den Schmutz fallen ließen, dann hätte ich ein leichteres Leben. Aber ich bin nun mal "Diva" und hab ein entsprechendes dominantes (keinesfalls aufdringliches!) Auftreten, ich inszeniere und schaffe mir meine Bühnen. Es hat gerade mal anderthalb Jahre gedauert, bis ich das erkannte und die Kraft hatte, dazu zu stehen. Ich lebe so mit jedem Atemzuge. Dass ich parallel dazu zur Dramatik, Tragik, Melancholie, Impulsivität und tiefsten Emotionen neige, macht die Sache nicht unbedingt leichter ...

Es ist also normal, wenn niemand wirklich etwas mit mir zu schaffen haben möchte. Gerade gestern hab ich einen potentiellen Verehrer zum Teufel gejagt, der meine Gefühle auf eine Art verletzte, die er vermutlich noch nicht mal selbst bemerkte (typisch Kerl eben). Dafür bekam er die volle ungefilterte Breitseite von mir, ich schmiss ihn von meiner Bahn, um mich endlich wieder auf meine Abschläge konzentrieren zu können - und er saß dann abends bei riesigen Gläsern Weißwein alleine auf der Clubhaus-Terrasse ...
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
Die Gedanken in meinem Hirn springen so massiv, ich komme kaum hinterher jeden aus mir raus lasen zu können, weil es so viele sind, viele, und ständig neue die fast in Lichtgeschwindigkeit in mir entstehen.

Diva!?.. Ich möchte mal behaupten dass du und ich scheinbar kaum Ähnlichkeiten haben (☝️auf den ersten Blick). Aber, als ich dich in meinem Thread hier.. viewtopic.php?p=241495#p241495 gelesen habe, arbeitete es sehr stark in mir. Denn es gibt mindestens eine Gemeinsamkeit die wir haben.
Ich muss jetzt gerade sehr achtsam mit mir und meinen Worten und meinen Gedanken sein, denn ich sprach bisher hier noch nicht über dieses Thema. Meiner Michi ist dieses Thema natürlich bekannt.
Doch Diva, ich denke dass ich dir ähnlich nachfühlen kann bzgl deiner Erzählungen über diesen Mann. Ich meine diese Geschichte wie der Funke übergesprungen ist und wie dieses Hochgefühl innerhalb kürzester Zeit so extrem kippte.
Diese Sache verursacht einen Teil meiner Selbstaufgabe, aber sie ist nur eines von vielen Puzzleteilen. Der Verlust der gesamten Familie und vor allem meines Kindes aufgrund der Transition wiegt wesentlich schwerer. Es gibt keinen Ausweg, keine Lösung.
"Herold" - wie ich "ihn" in meinem Meerjungfrauen-Märchen nenne, weiß jetzt, dass unser Erlebnis tief und sicher in meinem Herzen weggeschlossen ist, einzig zu dem Zweck, mich im Moment des Sterbens daran zu erinnern. Ich habe ihm ausdrücklich versichert, mich zu Lebzeiten komplett aus seiner heilen Welt rauszuhalten. Als verbohrter, aggressiver Mann hat er das nicht aus meinem distanzierten Verzichtsverhalten herausgelesen, sondern musste mich zusätzlich quälen.
Inzwischen haben wir nach viel zu langem Schweigen darüber gesprochen. "Herold" wird mir quasi beim Sterben zuschauen und kann beruhigt sein, dass ich sein Glück niemals antaste.
Mein Ziel ist nur der Tod und keine dumme Illusion irgendeinen irdischen "Glücks". Ich weine meine Tränen, wo es niemand sieht.
Wer keine 24 Stunden nach einem Suizidversuch mit durchgeblutetem Verband eine Sitzung moderiert, als wäre nichts geschehen, kann so etwas.
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
Meine Geschichte unterscheidet sich da zwar etwas von deiner, in meiner Vergangenheit haben dritte diese Beziehung zerstört und haben über einen sehr sehr langen Zeitraum massivst daran gearbeitet. Egal. Am Ende war ich allein. Und viel natürlich tief. Und das ist jetzt die Gemeinsamkeit die ich meine. Diese Tiefe, dein Tief von dem du erzählst, dass kann ich nachempfinden. Mir geht es darum, dass ich diesen Punkt, wie du ihn beschreibst, wo wir hier diesen scheinbar nie enden wollenden Pessimismus von dir lesen können, ich diese Gefühle die du dann für mich realistisch vermittelst, ich dieses in mir von früher wiedererkenne.

Ich bin damals durch ein tiefes, dunkles und langes Tal gegangen. Ich war damals schon kraftlos durch meinen Exmann, die Trennung von ihm kostete mich schon massivst Kraft. Aber was es mich an zusätzlicher Lebensenergie kostet dieses neue Wesen loszulassen, ahnte ich nicht mal ansatzweise. Jeden neuen Tag habe ich gehasst. Ich bin mit Qualen jeden Morgen aus dem Bett raus, um meiner Aufgabe als Mutter irgendwie ein bisschen gerecht zu werden, getrieben mit der ständigen Angst, mein Exmann wartet nur auf irgendeinen Fehler von mir.
Ich kann diese Dunkelheit nicht beschreiben in der ich in dieser Zeit war. Der parallele Stresspegel meines Exmannes auf der einen Seite und auf der anderen Seite diese übermächtige Liebe zu dem neuen Wesen was ich kennenlernen durfte und wo wir beide ständig Kämpfe austragen mussten, weil sein Umfeld gegen diese neue Beziehung zwischen uns kämpfte. Es war grauenvoll für mich und es war nur mein Mutterinstinkt der mich am Leben hielt. Ich kann deine Worte aus tiefsten Herzen nachvollziehen Diva. Nur hatte ich diese Option der Erlösung nie, weil meine Liebe zu meinen Kids das nicht zugelassen hat. Ihre Zukunft ohne mich wäre der pure Horror gewesen und nur deswegen quälte ich mich jeden Morgen aufs neue, mich dem folgenden Tag zu stellen.
Das klingt nach einer sehr schweren Zeit. Doch deine Situation erforderte parallel ein Restmaß an äußerlicher Disziplin, weil du die Verantwortung für deine Kinder getragen hast. Das stelle ich mir schwer vor, aber es zwingt quasi zu einem gewissen Anteil von "Normalität". Vielleicht rettet das vor dem totalen Absturz? Wäre ich nicht überzeugt, dass eine tote Papi für mein Kind besser wäre als eine lebendige Frau, die gemäß seines halb-asozialen, transphoben Umfelds nur Abscheu und Hass verdient, hätte ich ähnliche Hemmungen.
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
Das war damals die Zeit, wo mir Medikamente verschrieben wurden die mich zusätzlich gaga machten. Ich kam dann zu einer neuen Ärztin und als Sie mich sah, Sie meine Geschichte verstand, und vermutlich mich und mein Wesen sehr gut verstehen konnte, stellte diese Frau die Weichen für mein zukünftiges Leben neu. Sie war es gewesen die die Tabletten sofort absetzte. Sie hatte verstanden dass ich noch nie geraucht hatte und dass ich zu diesem Zeitpunkt schon mindestens über ein Jahr kein Alkohol mehr trank (nein ich bin nicht Alkoholikerin). Sie war es die mich zum Yoga schickte und mich zum meditieren brachte.
Der Prozess der mit diesen Entscheidungen begonnen wurde, war damals nicht leicht für mich, da ich noch in den Anfängen war, mich von diesem Mann zu lösen, was ich eigentlich ja gar nicht wollte. Loszulassen, wonach jede Faser deines Herzens sich sehnt.. ich weiß was das für eine Aufgabe ist, und dass alles pur, real jede einzelne Minute ohne irgend ein Rauschmittel, was meine Sinne hätte benebeln können. Diese Zeit war es damals, wo ich (mein wahres Ich), wie Phönix aus der Asche hervorging.
Aha - so bist du also auf den Weg gekommen! Dann ist es kein Wunder, wie eifrig du diese Richtung für alle unübersehbar vertrittst! Jeder Mensch hat seine Schlüsselerlebnisse und setzt danach seine Prioritäten. Zum Thema Esoterik sieht es bei mir - es wird dich schwerlich überraschen - nicht gleichermaßen positiv aus:
IMG_6226T.jpg
Das ist nur ein kleiner Teil meiner Sammlung - sinnloses Wissen, das wohl niemand braucht. Ich jedenfalls nicht (mehr). Auf dem Boden stehen Kisten voller esoterischer Bücher. Über 30 Jahre lang beschäftigte ich mich mit Astrologie, über 20 Jahre mit Alchemie und Psychologie, seit Kindesbeinen mit Malerei und Architektur. Alles umsonst. Nichts davon hat mich zur Selbsterkenntnis gebracht. Noch nicht mal die selbst errechneten Horoskope, die so oft zutrafen, verrieten mir etwas über meine Identität, was mit mir nicht stimmte. Ich las fanatisch, weil ich Antworten suchte auf eine Frage, die ich noch nicht mal formulieren konnte.

Die Chiromantie zeigte mir schon im Alter von 9 (!), dass die Lebenslinien beider Hände extrem abwichen. Ausgerechnet links gab es eine Teilung in zwei auseinanderlaufende Abschnitte, rechts war sie zusammenhängend. Es musste einen gewaltigen Bruch geben - aber welchen? Als Kind kontrollierte ich ständig, ob sich dieses Phänomen verwachsen würde - im Gegenteil. Seit ein paar Jahren weiß ich nun, dass der erste Teil das Leben im Geburtsgeschlecht und der zweite das Leben im Identitätsgeschlecht abbildet.

Dir hat die Esoterik Kraft und Glaube geschenkt, mir nur weitere Fragen und am Ende totales Versagen aller klugen Theorien beschert. Ich hab das Lesen fast vollständig aufgegeben. Ich will oberflächlich sein; Vogue und Glamour sind hervorragend dafür geeignet. Wobei die Vogue manchmal herrliche Modefotos enthält, von denen die schönsten mein Whiteboard und meinen Schuhschrank (hab ich mir diven-gerecht besorgt) im Büro säumen.
Frieda hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 11:16
Verzeiht es mir bitte, weil ich das Thema 100%-ig verfehlt habe, aber ich wollte zu dir sprechen liebe Diva nachdem ich euch hier gelesen hatte und nachdem ich mitfühlen durfte,wie mitfühlend ihr hier miteinander umgeht. 🙏🙏
Ich hoffe Euch nicht zu sehr zu verärgern.

Namaste 🙏
Ich empfinde das keinesfalls so, dass du das Thema verfehlt hättest und es sollte mich wundern, wenn du irgendwen verärgert hättest.
Außerdem: Was genau ist denn das Thema? Das Elend der misslungenen Integration einer Transitionierenden? Der Beweis einer fortdauernden Katabasis mit dem Resultat der Synthese eines pathologischen Pessimismus? Ein dummes ungehorsames Herz, das trotz allabendlicher Bitten einfach nicht stehen bleiben will? Oder der Frühling?
Hoffentlich Letzters, dann wäre in wenigen Tagen ein Ende abzusehen ...

Liebe Grüße
-Diva
"Flirt ist die Kunst, so weit davonzulaufen, dass man bestimmt eingeholt wird." Z.Z. Gabor
"Deine Kleidung sollte eng genug sein, um zu zeigen, dass du eine Frau bist – aber weit genug, um zu zeigen, dass du eine Dame bist." M.Monroe

Diva
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 183
Registriert: Fr 8. Mär 2019, 10:41
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 89 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 129 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 36 im Thema

Beitrag von Diva » Fr 14. Jun 2019, 19:16

Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
Hallo Diva,
Ich lese deine "negativen" Beiträge auch schon eine ganze Weile.
Hallo Astrid,

ich finde es immer spannend, wenn sich eine stille Mitleserin erstmals zu Wort meldet - vielen Dank!
Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
Ich glaube nicht, daß man es wirklich "besser" machen kann.
Doch - davon bin ich überzeugt. Bei jeder sind die Rahmenbedingungen anders. Es gibt hier etliche, die meine Probleme belächeln und komplett über den Dingen stehen - strotzend vor Selbstbewusstsein, gestützt von Familie und Freunden und mangels schlechter Erfahrungen.
Es wäre schlimm, wenn eine erfolgreiche Transition am Ende zwangsläufig in den Abgrund führen würde.
Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
Bin noch lange nicht so weit mit meiner Transition angelangt.
Eben nur teil-geoutet und noch sind die "Eingeweihten" nett zu mir. Das wird bis Jahresende sicher rauher werden.
Ich halte mich auf keinen Fall für schlauer (ist immer der erste Fehler) und jeder Fall ist anders.
Dann wünsche ich dir jedenfalls viel Erfolg auf deinem Weg!
Schaden kann es nicht, wenn du nur ab und an das Gedankenexperiment wagst, wie du damit umgehen wirst, wenn die Probleme Coming Out, Passing, Stimme, Verträglichkeit der HET, VÄ / PÄ, ggf. GAOP gemeistert sind und dennoch nur die Außenseiterinnen-Rolle in der Gesellschaft bleibt. Daran hab ich damals nämlich keine Sekunde verschwendet.
Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
In deiner Situation wäre ich ziemlich ratlos. Außer meine Habseligkeiten zu packen und irgendwo nochmal weit weit weg anzufangen,
fiel mir da nichts ein. Muß man erstmal können. Auch hilft das natürlich nichts, wenn man sich einem anderen Menschen offenbaren möchte
(man kann schlecht alle Leute ständig hinters Licht führen). Wenn der dann einem bloßstellt, steht man wieder am Anfang, Fiese Menschen
gibt es überall.
Und genau deshalb nutzt ein Neuanfang nur bedingt. Er hilft, aus dem hasserfüllten, komplexgebeutelten Umfeld der Betonschädel herauszukommen, aber die Vergangenheit nimmst du überall mit hin, so weit du auch rennst ...
Darum ist der Tod eine Universallösung.
Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
Ich würde daher die Sportgruppe auch auf etwas Distanz halten, um bei so vielen schlechten Erfahrungen wenigsten irgendwas zu erhalten.
Auf Dauer ist das natürlich keine Lösung. Du siehst das viel besser als wir aus der Ferne.
Wie geschrieben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die "Erbsünde" herauskommt und ich zum Teufel gejagt werde. Darum ziere ich mich so mit dem Jahresvertrag ...
Astrid_M hat geschrieben:
Fr 14. Jun 2019, 01:14
Es nützt dir zwar nichts in deiner Situation, aber es gibt zumindest ein paar Menschen, die deine Geschichte nachdenklich macht und die das ernst nehmen,
Viele Grüße,
Astrid
Das freut mich zu lesen, denn es ist leider weder unwahr noch übertrieben, was ich hier schreibe - schön wär's.

Grüße
-Diva
"Flirt ist die Kunst, so weit davonzulaufen, dass man bestimmt eingeholt wird." Z.Z. Gabor
"Deine Kleidung sollte eng genug sein, um zu zeigen, dass du eine Frau bist – aber weit genug, um zu zeigen, dass du eine Dame bist." M.Monroe

Astrid_M
Beiträge: 32
Registriert: Do 18. Apr 2019, 23:39
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: 10*
Hat sich bedankt: 18 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 8 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 37 im Thema

Beitrag von Astrid_M » Sa 15. Jun 2019, 00:56

Hallo Diva,

Wg. Rahmenbedingungen: Ja, deshalb meine ich, daß die Schicksale schlecht vergleichbar sind.
Ich bin z.B. Single (nie verheiratet) und ohne Kinder. Habe daher auch keine Probleme damit.
Aber habe ich es deshalb "besser" gemacht? Ich denke nicht.

Anderes Beispiel meine Freunde: die halten momentan zu mir und ich hoffe, daß es auch so bleibt. Folge: finde ich mal irgendwann einen Partner,
so treffen altes und neues Leben unweigerlich aufeinander. Irgendjemand - und sei es unabsichtlich - verquatscht sich. Und dann gibt es einen Knall.
Ich bin das Single-Dasein gewohnt, aber wirklich toll ist das nicht. Andere gehen dabei definitiv kaputt.
Schrecklich wäre, wenn mich meine Freunde am Ende dann doch verließen. Davor habe ich immer noch Angst.
Wie geschrieben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die "Erbsünde" herauskommt und ich zum Teufel gejagt werde. Darum ziere ich mich so mit dem Jahresvertrag ...
Ich verstehe deine Bedenken, wobei ein Jahresvertrag ja wenig an dem Problem ändert. Du riskierst es entweder immer wieder und fällst auch ggf. auf die Nase oder
du ziehst dich von allem und jeden zurück. Ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer durchhalten kann, aber Außenseiterinnen bleiben wir mit und ohne Transition wohl immer.

Ich wünsche dir mehr Glück mit deinen Mitmenschen. (Ich weiß, das ist ein blöder Spruch).
Astrid

Diva
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 183
Registriert: Fr 8. Mär 2019, 10:41
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 89 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 129 Mal
Gender:

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 38 im Thema

Beitrag von Diva » Sa 15. Jun 2019, 21:00

Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Hallo Diva,

Wg. Rahmenbedingungen: Ja, deshalb meine ich, daß die Schicksale schlecht vergleichbar sind.
Ich bin z.B. Single (nie verheiratet) und ohne Kinder. Habe daher auch keine Probleme damit.
Aber habe ich es deshalb "besser" gemacht? Ich denke nicht.
Hallo Astrid,

jedenfalls kannst du weder Partner(in) noch Kind(er) verlieren. Das nenne ich Risikominderung.
Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Anderes Beispiel meine Freunde: die halten momentan zu mir und ich hoffe, daß es auch so bleibt. Folge: finde ich mal irgendwann einen Partner,
so treffen altes und neues Leben unweigerlich aufeinander. Irgendjemand - und sei es unabsichtlich - verquatscht sich. Und dann gibt es einen Knall.
Na, wenigstens hast du deinen Optimismus noch lange nicht verloren - lach. Was du schreibst, setzt gleich zwei "Wunder" voraus:
  • deine Freunde halten auch während der Transition unverbrüchlich zu dir
  • dein weibliches Gesamtbild ist dermaßen überzeugend, dass es überhaupt etwas zu verraten gibt
Der Vorteil einer Erscheinung, die auch nach Jahren HET noch klar den Mann erkennen lässt, ist doch der, dass die Leute sofort wissen, woran sie sind - keine Diskussion, keine Geheimniskrämerei, kein Versteckspiel. Wem das nicht gefällt, der kann sich sofort distanzieren. Es gibt niemanden, der dich dafür hasst, dass du ihn hinters Licht geführt - getäuscht - hast.
Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Ich bin das Single-Dasein gewohnt, aber wirklich toll ist das nicht. Andere gehen dabei definitiv kaputt.
Ich z.B.
Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Schrecklich wäre, wenn mich meine Freunde am Ende dann doch verließen. Davor habe ich immer noch Angst.
Die Angst ist berechtigt.
Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Ich verstehe deine Bedenken, wobei ein Jahresvertrag ja wenig an dem Problem ändert. Du riskierst es entweder immer wieder und fällst auch ggf. auf die Nase oder
du ziehst dich von allem und jeden zurück.
Genau das mache ich. Im Endeffekt hab ich mich von allem zurückgezogen: vom Ausgehen, Tanzen, verrückten Ausflügen zu irgendwelchen Parties, den letzten Freunden. Ich will nur noch meine Prüfungen beim Sport schaffen (Ehrgeiz stirbt zuletzt, Hoffnung ist schon tot) und danach sollte ich mich endlich zusammenreißen, dem Schmerz ins Auge zu sehen. Es muss klappen. Das ist mein letzter positiver Gedanke. Ich höre jetzt schon das Aufatmen der anderen ...
Astrid_M hat geschrieben:
Sa 15. Jun 2019, 00:56
Ich wünsche dir mehr Glück mit deinen Mitmenschen. (Ich weiß, das ist ein blöder Spruch).
Astrid
Brauch ich für die paar Wochen nicht mehr. Aber trotzdem danke.

-Diva
"Flirt ist die Kunst, so weit davonzulaufen, dass man bestimmt eingeholt wird." Z.Z. Gabor
"Deine Kleidung sollte eng genug sein, um zu zeigen, dass du eine Frau bist – aber weit genug, um zu zeigen, dass du eine Dame bist." M.Monroe

Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 152
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: 95%m, CD
Pronomen: beliebig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Membersuche/Plz: 28xxx
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 100 Mal

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 39 im Thema

Beitrag von Helga » Mo 17. Jun 2019, 21:35

Liebe Diva, 

bevor du das Verfallsdatum für dein irdisches Dasein festlegt denke bitte daran dass du nicht allein auf dieser Welt bist. Damit meine ich nicht dieses Forum, deinen Golfclub oder deine Kollegen sondern dein Kind. Ich weiß nicht ob es ein Sohn oder eine Tochter ist, auch kenne ich das Alter nicht, vermute aber dass es noch nicht erwachsen ist. Du schreibst selbst dass es schwer traumatisiert wurde und in psychologischer Behandlung ist. Ich gehe davon aus, dass du wie jede Mutter und jeder Vater nur das Beste für dein Kind willst.  Eine "tote Papi" ist für das Kind mit Sicherheit nicht die beste Lösung. Mit einem Suizid wirst du das Trauma nur noch verschlimmern. Das transphobe Umfeld wird triumphieren, sämtliche Schuld bei dir einsortieren, wobei man sich nicht mit Tatsachen begnügen sondern noch einiges hinzudichten wird. Dadurch wird das Trauma noch potenziert werden.
Auch wenn dein Kind dich derzeit möglicherweise nicht sehen soll/ will/ darf, wird es irgendwann im Erwachsenenalter Fragen an den Vater/ über den Vater haben um das jetzt kürzlich Erlebte und das Trauma zu verarbeiten. Wer soll die Fragen beantworten wenn du nicht mehr da bist? Das transphobe Umfeld?
Vielleicht entwickelt dein Kind durch das Trauma selbst eine Geschlechtsdysphorie. Wer soll ihr/ ihm dann beistehen? Das transphobe Umfeld? Die werden sicherlich Ansätze haben, dann aber in der Art von "nichts was man durch eine Tracht Prügel nicht heilen könnte!"
Irgendwann wird dein Kind hoffentlich mal ein Date mit einer potentiellen Partnerin/ einem potentiellen Partner haben. Bei solchen vortastenden kennenlern- Gesprächen kommen zwangsläufig auch irgendwann die Eltern zur Sprache. Was soll dein Kind dann über seinen Vater sagen? "Mein Vater wurde zur Frau und hat sich dann umgebracht." Macht auch in weltoffenen Kreisen keinen guten Eindruck. Viel besser würde klingen: "Mein Vater ist jetzt eine weltbekannte Golfspielerin" oder "Mein Vater ist Gleichstellungsbeauftragte in einem DAX- Unternehmen oder "mein Vater ist Geschäftsführerin einer Kreativ- Agentur". Bei weltoffenen Gesprächspartner macht dies Eindruck und weckt Neugier.
Kinder wollen stolz auf ihre Eltern sein. In einem anderen Post wurde viel über den Sinn des Lebens geschrieben. Hierzu hätte ich folgenden Vorschlag: Mach etwas worauf den Kind stolz sein kann. 
Auch wenn es derzeit den Anschein hat, du bist nicht allein auf dieser Welt. Die Situation mit Kind und Exfrau wird sich mit der Zeit entspannen. Dann solltest du für dein Kind verfügbar sein und dich nicht mit Würmern und Maden 1,8m unter der Erde tummeln.
Stell dir vor das (vermutlich aus dem Internet heruntergeladene Rezept deines Giftcocktails funktioniert nicht richtig. Du bist nicht tot sondern hast nur einen schweren Nervenschaden und liegst bei vollem Bewusstsein im Pflegeheim, unfähig die einfachsten Dinge zu tun. Du wirst gefüttert und gewindelt aber vermutlich nicht rasiert und schon garnicht geschminkt. In Schönheit sterben ist eine romantische Vorstellung. Die Realität sieht in der Regel anders aus. 
Im Übrigen: bevor du dir den Golfrasen für lange Zeit von unten betrachtest solltest du erstmal dein Handicap verbessern, Meisterschaften gewinnen und auf den schönsten Plätzen dieses Planeten gespielt haben.
Liebe Grüße
Helga
Du hast nur ein Leben und du hast nur einen Körper - mach aus Beidem das Beste!

Elizabeth
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 453
Registriert: Mo 1. Mai 2017, 14:12
Geschlecht: div
Pronomen:
Wohnort (Name): Stuttgart
Membersuche/Plz: 70xxx
Hat sich bedankt: 942 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 156 Mal

Re: Mein Frühlings-Herz

Post 40 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Do 20. Jun 2019, 00:06

"Einsendeschluß" heute: ich mach mir Sorgen!
Hat jemand direkten Kontakt?
LG Elly

Antworten

Zurück zu „Körper - Gefühle - Empfindungen“