SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?
SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn? - # 2

Dali
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 16 im Thema

Beitrag von Dali »

Jaddy hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 20:48 Es geht nicht um "eine mehr", sondern um Vielfalt und vor allem die Aufhebung der vielfach unnötigen Zweiteiligung.
Hmmm.
Geht es nicht viel mehr darum, eben nicht jede Personengruppe in eine eigene Schublade zu stecken, sondern eine riesengroße Lade zu haben, in der alle Gruppen Platz finden? Nicht Zweiteilung, oder drei oder zwanzig? Sondern nur eine in der alle die gleichen Rechte usw haben.
Ja, ja, ich weiß schon, das ist reine Utopie, aber Anfänge dazu könnten auch bei uns gemacht werden.
Wir haben hier in Schweden ja auch fast keine Klos für m und w. Hier kann jeder auf jedes Häuschen gehen.
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Dali hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 22:23
Jaddy hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 20:48 Es geht nicht um "eine mehr", sondern um Vielfalt und vor allem die Aufhebung der vielfach unnötigen Zweiteiligung.
Hmmm.
Geht es nicht viel mehr darum, eben nicht jede Personengruppe in eine eigene Schublade zu stecken, sondern eine riesengroße Lade zu haben, in der alle Gruppen Platz finden? Nicht Zweiteilung, oder drei oder zwanzig? Sondern nur eine in der alle die gleichen Rechte usw haben.
Ja, ja, ich weiß schon, das ist reine Utopie, aber Anfänge dazu könnten auch bei uns gemacht werden.
Wir haben hier in Schweden ja auch fast keine Klos für m und w. Hier kann jeder auf jedes Häuschen gehen.
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
Das ist auch meine Utopie. Und zwar in der Art, dass Vielfalt und Unterschiedlichkeit sowohl als gleichwertig, aber auch als eigener Beitrag wertvoll ist. (Mal abgesehen von Menschen, die anderen gegenüber menschenfeindlich sein wollen). Ob das überhaupt irgendeine Einkästelung sein muss, ist die Frage. Unterscheidbarkeit muss ja nicht zu Herabsetzung werden. Machen wir ja bei Haar- oder Augenfarbe auch nicht (mehr).

Ich sehe es wie die Lager auf Mittelaltermärkten (wenn mehr als nur Mittalalter das Thema wäre): Es gibt eigene Räume, es gibt gemeinsame. Menschen ordnen sich nach eigener Präferenz zu und werden nicht von anderen eingeteilt, sondern ihre Entscheidung wird repsektiert. Menschen wechseln auch und treffen einander. Die Verschiedenartigkeit macht das Gesamtbild erst interessant. Und das was alle brauchen wird so gebaut, dass auch alle es gleichermassen benutzen können.

D.h. das Gesamtsystem ist gerade keine Gleichmacherei im Sinne von Vereinheitlichung.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 18 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Jaddy hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 20:48 Realistisch: Schweden war zuerst mit "hen" meines Wissens,
Ja, kann auch Schweden gewesen sein. Es geht mir einzig um den damit erbrachten Beweis für die erfolgreiche Lösung des Problems und deren Annahme durch die Gesellschaft.

Jaddy hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 20:48 Andererseits ist das eine ziemlich typisch binäre Denke. So wie "die dritte Toilette".
EmmiMarie hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 21:27 ich finde ein gewünschter Name oder Pronomen ist doch ganz einfach umzusetzen.

Ich kann freilich nur für mich sprechen, aber ich betrachte das gerne mit meiner Sichtweise, die ich mir über Jahrzehnte mit meiner Arbeit in der SW-Entwicklung im Umgang mit den Anwendern erarbeitet habe. Auch wenn man mir als Aspi das gerne abspricht, so habe ich doch eine ziemlich gute Vorstellung entwickelt, wie Menschen ticken, und versuche dies bestmöglich zu berücksichtigen. Ich achte auf einfache, immer wiederkehrende Grundstrukturen in der Darstellung und Bedienbarkeit, vermeide es soweit möglich, den Benutzern Abläufe aufzuzwingen und mit aufdringlichen Fehlermeldungen zu nerven, um sie nicht zu überfordern und damit Abwehr zu erzeugen. Oder kurz gesagt: Die Anwender sollen nicht primär meine Programme bedienen, sondern ihre Arbeit machen.

Auf das hier diskutierte Problem angewendet bedeutet das, dass die Menschen nicht genötigt werden sollten, unzählige Pronomen und Konjugationen auswendig lernen, eigentlich immer erst fragen zu müssen, um ja nicht das falsche zu wählen, und sich schlussendlich beim nächsten Wiedersehen hoffentlich nicht falsch zu erinnern, weil sie das Gegenüber dann in höchstem Maße beleidigt fühlt.

Mal ganz pragmatisch gesehen: So schlecht wie das binäre System für sich nicht binär einordnende Menschen geeignet ist, so intuitiv ist es doch zu erlernen. "B oder B?" das saugen wir quasi schon mit der Muttermilch auf. Das eine B verspricht Nahrung, und das andere B ... naja. Jedenfalls wird alles, was diese "Komplexität" wesentlich übersteigt, verständlicherweise nicht auf große Begeisterung stoßen, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist ..und die meisten Gehirne ziemlich faul sind. Also ist die .. für mich .. logische Folge, als Einstieg eine Lösung anzubieten, die erst einmal immer passt, sogar bei den beiden binären Mehrheits-Fällen.

Also nochmal .. Jaddy und Marie: Ich habe genug Phantasie, und kann euren Wunsch nach Vielfalt durchaus gut nachempfinden. Jedoch scheitert dieser zuverlässig an der Realität .. an der Mehrheit der Menschen, die nun mal wenig bis keine Phantasie und keinen Willen haben, sich in unsere Bedürfnisse und Wünsche hineinzuversetzen. Und da hilft es auch nicht, mit dem Fuß auszustampfen und "Ich will aber." zu schnauben, oder am Problem vorbei zu argumentieren, dass es ja durchaus Fälle von Verständnis und Entgegenkommen gibt. Damit erntet man nicht Verständnis, sondern Unwillen und Ablehnung, und wird gesamtgesellschaftlich gesehen eher länger als kürzer darauf warten müssen, dass sich in der Breite etwas bewegt.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

MichiWell hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 23:06 Auf das hier diskutierte Problem angewendet bedeutet das, dass die Menschen nicht genötigt werden sollten, unzählige Pronomen und Konjugationen auswendig lernen, eigentlich immer erst fragen zu müssen, um ja nicht das falsche zu wählen, und sich schlussendlich beim nächsten Wiedersehen hoffentlich nicht falsch zu erinnern, weil sie das Gegenüber dann in höchstem Maße beleidigt fühlt.

Mal ganz pragmatisch gesehen: So schlecht wie das binäre System für sich nicht binär einordnende Menschen geeignet ist, so intuitiv ist es doch zu erlernen. "B oder B?" das saugen wir quasi schon mit der Muttermilch auf. Das eine B verspricht Nahrung, und das andere B ... naja. Jedenfalls wird alles, was diese "Komplexität" wesentlich übersteigt, verständlicherweise nicht auf große Begeisterung stoßen, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist ..und die meisten Gehirne ziemlich faul sind. Also ist die .. für mich .. logische Folge, als Einstieg eine Lösung anzubieten, die erst einmal immer passt, sogar bei den beiden binären Mehrheits-Fällen.

Also nochmal .. Jaddy und Marie: Ich habe genug Phantasie, und kann euren Wunsch nach Vielfalt durchaus gut nachempfinden. Jedoch scheitert dieser zuverlässig an der Realität .. an der Mehrheit der Menschen, die nun mal wenig bis keine Phantasie und keinen Willen haben, sich in unsere Bedürfnisse und Wünsche hineinzuversetzen. Und da hilft es auch nicht, mit dem Fuß auszustampfen und "Ich will aber." zu schnauben, oder am Problem vorbei zu argumentieren, dass es ja durchaus Fälle von Verständnis und Entgegenkommen gibt. Damit erntet man nicht Verständnis, sondern Unwillen und Ablehnung, und wird gesamtgesellschaftlich gesehen eher länger als kürzer darauf warten müssen, dass sich in der Breite etwas bewegt.
Komplexität reduzieren, unnötige Schritte vermeiden und aufs wesentliche konzentrieren finde ich ja grundsätzlich prima. Von daher wäre ich super zufrieden, wenn alle anderen so wie ich einfach aus dem Spiel "Gender" austreten würden. Einfach komplett abschaffen. Vereinfachte Sprache, keine Fremdzuweisungen mehr, Menschen können sich nach Fähigkeiten und Interessen entfalten, und wir konzentrieren uns auf die tatsächlichen Bedarfe - insbesondere die unterschiedlichen.

Meinst Du sowas?

Nur warum hältst Du das binäre System für quasi naturgegeben? Alles was uns nach Geburt und Babyzeit als binäre Genderei im Alltag begegnet ist doch losgelöst von Biologie und eher willkürlich (bzw kultürlich).

Bei binärer Genderei sind Menschen überhaupt nicht denkfaul, sondern folgen äusserst komplexen Regeln für zwischenmenschliches Verhalten. Und das bei nur zwei Gendern. Das ist alles gelernt und antrainiert. Die Farben, die Kleidung, die Jobs und Fähigkeiten, die Sprache, welcher Umgang okay ist, usw. Und es gibt hunderte von Varianten, je nachdem in welcher zeitlichen, geografischen, sozialen, materiellen, intellektuellen Umgebung ein Mensch aufwächst.

Die Referenzen auf Studien spar ich mir diesmal. Tenor jedenfalls: Eigentlich sind sich die erwachsenen Männchen und Weibchen von Homo Sapiens in ihrem heutigen, weitgehend künstlichen Lebensraum ähnlicher als verschieden. Auch ihre benötigten Fähigkeiten sind eigentlich gleich verteilt. Biologische Unterschiede wie Länge der Extremitäten oder Muskelmasse sind für die meisten Belange irrelevant und rechtfertigen jedenfalls keine getrennten Klamotten oder verschiedene Pronomen.

Uns wurde der binäre Unfug nur so intensiv eingetrichtert und seit frühester Kindheit bis heute immer wiederholt, dass die meisten ihn für selbstverständlich halten.

Gerade weil Menschen so komplexe Regeln quasi intuitiv aufsaugen und nachahmen können, so sehr, dass sie völlig vergessen, dass sie es mal gelernt haben, und weil sich allein in meiner Lebenszeit schon eine Menge geändert hat, bin ich zuversichtlich, dass mittelfristig eine für alle erträgliche gemeinsame Verhaltensregel entsteht.

Ob das bezogen auf Sprache nun eine einzige neutrale Form wird oder die Frage nach Pronomen so normal wie nach dem Namen wird, ist dann egal.

Letztlich bleibe ich aber dabei, dass wir viel mehr Diversität lernen müssen. Nicht nur zu Gender. Sinnlose Unterscheidungen müssen abgebaut und tatsächliche Bedürfnisse besser beachtet und selbstverständlich mitgedacht werden. Da steckt die tatsächliche "Spaltung der Gesellschaft" drin, die Dinge wie den rassistischen Seifenspender und für die Hälfte der Menscheheit ungeeignete Autositze konstruiert, und das lässt sich nicht durch normativen Druck hin zu cis-bin-mono-het-abled-weisser Kartoffeligkeit lösen.

Nunja, und ein notwendiger Teil dieser Lernbewegung ist, dass einzelne, hoffentlich viele, ab und zu laut mit dem Fuss aufstampfen und ihre Bedürfnisse einfordern.

Es ist Juni, Pride Month. Stonewall was a riot (und Comptons Cafe auch). 1970 gabs die erste CSD Demo in D, 1984 Kiesling, 1996 §175 abgeschafft, 2001 Wowereit und "eingetragene Lebenspartnerschaft" und seit 2005 ist mW immer mindestens ein Ministy im Bundeskabinett offen homosexuell. 2017 Ehe für (fast) alle.

Es geht zu langsam, aber Fuss aufstampfen wirkt. Auf jeden Fall besser als still und unsichtbar zu sein. Im Fall nichtbinär hätten wir ohne aufstampfen keine dritte Option, kein m/w/d (_ fehlt...) und nicht mal eine Diskussion wie diese.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Das sollte jetzt bei einigen Rechtsabteilungen Eindruck machen:
https://tinrechtshilfe.de/2022/06/19/pr ... e-bahn-zu/
Oberlandesgericht spricht Entschädigung wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung durch die Deutsche Bahn zu

Am Dienstag, den 21.06.2022, verkündete das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt/M. das Urteil bezüglich der Diskriminierung einer nicht-binären trans* Person. Die klagende Person, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnet, hatte 2019 über die Webseite der Deutschen Bahn (DB) eine Fahrkarte gekauft. Diese ermöglichte nur eine weibliche oder männliche Registrierung und verhinderte es die Fahrkarte zu buchen, wenn man sich nicht einem der beiden Geschlechter zuordnete. Das OLG spricht der klagenden Person nun eine Entschädigung von 1.000,00 € zu.
Sind zwar "nur" 1000€, aber wenn sich reichlich Menschen beschweren wird das auch teuer. Vor allem durch die Bindung von Mitarbeitys zur Bearbeitung etc.
Jaddy
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 21 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Und diesen Absatz aus https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... hn256.html feiere ich ja noch mal extra hart:
Geschlechtsneutrale Anrede ab 1. Januar 2023 für Deutsche Bahn Pflicht

Für die Deutsche Bahn viel folgenreicher ist jedoch die Verfügung der Richter, dass das Unternehmen sein Online-Buchungssystem für Fahrkarten so umstellen muss, dass die Angabe von männlich oder weiblich keine Pflicht mehr ist. Vielmehr müsse das Unternehmen eine geschlechtsneutrale Ansprache von Kunden einführen. Bis Ende des Jahres hat die Deutsche Bahn für die Umstellung Zeit. Das Gericht urteilte am Dienstag, der Konzern habe es ab dem 1. Januar 2023 zu unterlassen, "die klagende Person nicht-binärer Geschlechtszugehörigkeit dadurch zu diskriminieren, dass diese bei der Nutzung von Angeboten des Unternehmens zwingend eine Anrede als Herr oder Frau angeben muss". Das Urteil ist nicht anfechtbar.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 22 im Thema

Beitrag von Blossom »

Nico hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 21:40 In dem wird an einigen Stellen mit ":" gegendert an den meisten Stellen kommt es aber komplett ohne aus. Der Lesefluss wird an keiner Stelle eingeschränkt.
Das mag für den entsprechenden Autor und Text ja durchaus zutreffen ... für - und ich schreibe hauptsächlich - Erotik ist das echt ein Graus, auch überflüssig ... da sich meine Protas klar als das Eine oder Andere definieren ... schließlich schreibe ich lieber über das, was ich selbst nachvollziehen kann ... nichts von einem der beiden zu sein? Da kann ich mich ehrlich zugegeben kaum bis gar nicht hineindenken, was nichts mit fehlender Akzeptanz zu tun hat.
»Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.«
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Urteil, Deutsche Bahn muss Fahrkarten für Diverse anbieten

Post 23 im Thema

Beitrag von Momo58 »

https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... verse.html

Urteil verpflichtet Deutsche Bahn zu Fahrkarten für Diverse und hat dafür 6 Monate Zeit für die technische Umstellung. Anschreiben, Werbung etc. müssen per sofort für Diverse geändert werden.
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 24 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

@Momo: ich habe die Themen zusammengeführt
Jaddy
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Re: Urteil, Deutsche Bahn muss Fahrkarten für Diverse anbieten

Post 25 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Momo58 hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 18:16 https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... verse.html

Urteil verpflichtet Deutsche Bahn zu Fahrkarten für Diverse und hat dafür 6 Monate Zeit für die technische Umstellung. Anschreiben, Werbung etc. müssen per sofort für Diverse geändert werden.
Auch der Welt sei noch mal die Notiz an den Monitor geklebt, dass "divers" lediglich eine (von zwei) möglichen amtlichen Sammelbezeichnungen für das gesamte nichtbinäre Spektrum ist.

Nichtbinär ist der korrekte Oberbegriff.

Aber: Nicht alle nichtbinären haben/wollen einen "divers"-Eintrag (oder die Streichung), nicht alle mit "divers"-Eintrag (oder Streichung) labeln sich selbst nichtbinär.

Einfach mal persönliche Identität und amtliche Eintragung auseinander halten :)
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 26 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 01:20 Komplexität reduzieren, unnötige Schritte vermeiden und aufs wesentliche konzentrieren finde ich ja grundsätzlich prima. Von daher wäre ich super zufrieden, wenn ...
Wünschen kann man sich viel. Aber ich dachte immer, du möchtest auch tatsächlich etwas verändern. Dann wären Vorschläge angebracht, deren Umsetzbarkeit etwas näher an der Realität ist, auch wenn man mit dieser Realität höchst unzufrieden ist, was ich, wie bereits geschrieben, durchaus nachempfinden kann.

Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 01:20 Nur warum hältst Du das binäre System für quasi naturgegeben?
[...]
Das habe ich überhaupt nicht geschrieben! Ich fühle mich gerade völlig missverstanden, und ehrlich gesagt werde ich das Gefühl nicht los, dass diese falsche Unterstellung auch nicht so ganz unabsichtlich passiert ist, so wie du das darauf folgend ohne einen für mich erkennbaren Grund sehr ausschweifend zu untermauern versuchst. :(
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 27 im Thema

Beitrag von Jaddy »

MichiWell hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 23:14
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 01:20 Komplexität reduzieren, unnötige Schritte vermeiden und aufs wesentliche konzentrieren finde ich ja grundsätzlich prima. Von daher wäre ich super zufrieden, wenn ...
Wünschen kann man sich viel. Aber ich dachte immer, du möchtest auch tatsächlich etwas verändern. Dann wären Vorschläge angebracht, deren Umsetzbarkeit etwas näher an der Realität ist, auch wenn man mit dieser Realität höchst unzufrieden ist, was ich, wie bereits geschrieben, durchaus nachempfinden kann.
Die kurzfristigen Angebote sind da: Ändert die Formulare. Lasst die Anrede weg, wenigstens optional. Verwendet Sternchen oder was auch immer. Benutzt Namen statt Pronomen. Lernt Partizipformen ("Sehr geehrte Studierende"). Schreibt Funktionen an ("Liebes Supportteam").

Mittelfristig muss es aber auch konkrete Fortschritte geben. Bisher gegenderte Räume inklusiv machen. Nichtbinäre Menschen mitdenken (oder wenigstens erstmal überall Frauen...) und Teilhabe ohne sich entscheiden müssen zu ermöglichen.

Dazu braucht es die unauffälligen, aber auch die auffälligen Menschen. So wie es die schrillen und die biederen Leute bei CSD und LGBT-Gruppen braucht. Hella von Sinnen, Alfred Biolek.

Und bei uns eben Menschen wie Vanja (Pseudonym) bei der dritten Option und René_ Rain heute, die kleine und große Erfolge erzielen.

Mein heutiger Erfolg: Die halbe Augenklinik aufgeklärt, Flyer ausgegeben, dabei längere Gespräche geführt und am Ende ein besonders berührendes mit einer Person sicherlich Ü70, die sich vorsichtig erkundigte, "entschuldigen Sie, sind Sie transgender?" und mir gegenüber als immer schon bisexuell offenbarte. "Was damals richtig gefährlich war und man sich sehr allein fühlte". Das war herzerwärmend.

Aber das Fernziel ist und bleibt, und das soll auch ruhig völlig klar sein: Gender wird zur Nebensache. Überall. Ein Hobby ohne alltägliche Konsequenzen. Wie Haarfarbe oder Team Rosenkohl vs Team Bockwurst.
MichiWell hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 23:14
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jun 2022, 01:20 Nur warum hältst Du das binäre System für quasi naturgegeben?
[...]
Das habe ich überhaupt nicht geschrieben! Ich fühle mich gerade völlig missverstanden, und ehrlich gesagt werde ich das Gefühl nicht los, dass diese falsche Unterstellung auch nicht so ganz unabsichtlich passiert ist, so wie du das darauf folgend ohne einen für mich erkennbaren Grund sehr ausschweifend zu untermauern versuchst. :(
Oh okay. Dann habe ich das falsch eingeschätzt. Ich bezog mich auf den Part:
MichiWell hat geschrieben: Mo 20. Jun 2022, 23:06 So schlecht wie das binäre System für sich nicht binär einordnende Menschen geeignet ist, so intuitiv ist es doch zu erlernen. "B oder B?" das saugen wir quasi schon mit der Muttermilch auf. Das eine B verspricht Nahrung, und das andere B ... naja. Jedenfalls wird alles, was diese "Komplexität" wesentlich übersteigt, verständlicherweise nicht auf große Begeisterung stoßen, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist ..und die meisten Gehirne ziemlich faul sind.
Intuitiv zu erlernen, Muttermilch usw.

Mir ging es vor allem darum, dass an der ganzen Genderei eigentlich nichts intuitiv und auch nichts simpel ist. Es ist nur so allgegenwärtig, dass es trotz seiner unglaiblichen Komplexität selbstverständlich scheint. Genauso leicht kann eine neue Generation völlig andere Formen lernen. Die experimentieren gerade damit. Pronomenrunden sind bei FFF und ähnlichen Gruppen ziemlich häufig. Die Sache mit der Denkfaulheit streite ich deshalb ab. Es ist eine Veränderungsfaulheit. Aber auch die kann geknackt werden :)
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 28 im Thema

Beitrag von Cybill »

Jeder möge nach der eigenen Facón selig werden.

Was mich bei der ganzen Geschichte besorgt macht, ist die Tatsache, dass diese ganzen medienwirksamen Moves einzelner Personen, die Sympathien, die wir uns in den letzten Jahren mit Engagement und unter vielen Mühen erworben haben, verspielen.

Wir sind auf diese Sympathien der Mehrheitsgesellschaft angewiesen, um eine tragfähige Unterstützung für die geplanten rechtlichen Projekte von Art. 3GG über Familien- und Abstammungsrecht, bis hin zu einem Selbstbestimmungsrecht, umsetzen zu können.

Als praktizierende Queerpolitikerin nervt mich das, weil es die Arbeit zunehmend erschwert.

-Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 29 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, liebe Bahnkunden und -interessierte unter uns
und ein "Guten Tag!" an alle anderen,

ich frage mich inmmer wieder, wofür die Bahn im Buchungssystem eine Geschlechtsanganbe braucht. Bei den Toiletten im Zug geht es doch auch ohne Geschlechtsangaben - eine Kabine für alle Geschlechter und Geschlechtslose. Die meisten Ansagen beginnen auch mit dem geschlechtsneutralen "Sehr geehrte Reisende, ...". Auch meine Fahrkarten auf Papier sind seit Jahrzehnten ohne Geschlechtsangabe ausgekommen, und trotzdem gültig gewesen. Da sollte es doch im Buchungssystem auch selbstverständlich sein. Auf denn, an die Arbeit und die Systeme umprogrammieren. Die Korrekturen sollten in sechs Monaten erledigt sein.

Ich finde es traurig, dass das erst eingeklagt werden muss. Respekt gegenüber allen Kunden sollte doch leichter fallen.

Liebe Grüße
Inga
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Re: SHZ: René_ Rain Hornstein, warum verklagen Sie die Deutsche Bahn?

Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: Mi 22. Jun 2022, 10:06 ich frage mich inmmer wieder, wofür die Bahn im Buchungssystem eine Geschlechtsanganbe braucht. [...] Auch meine Fahrkarten auf Papier sind seit Jahrzehnten ohne Geschlechtsangabe ausgekommen, und trotzdem gültig gewesen. Da sollte es doch im Buchungssystem auch selbstverständlich sein.
Das ist genau der Punkt. Es wurde da mal eingebaut. Vermutlich "weil man das eben so macht" oder so ähnlich. Dabei spart jedes Datum weniger ne Menge Folgeaufwand.
Cybill hat geschrieben: Mi 22. Jun 2022, 08:59 Was mich bei der ganzen Geschichte besorgt macht, ist die Tatsache, dass diese ganzen medienwirksamen Moves einzelner Personen, die Sympathien, die wir uns in den letzten Jahren mit Engagement und unter vielen Mühen erworben haben, verspielen.

Wir sind auf diese Sympathien der Mehrheitsgesellschaft angewiesen, um eine tragfähige Unterstützung für die geplanten rechtlichen Projekte von Art. 3GG über Familien- und Abstammungsrecht, bis hin zu einem Selbstbestimmungsrecht, umsetzen zu können.
Mal zu Beginn: Die Klage gegen die Bahn war kein Move einer einzenen Person. Da ist die GFF dahinter, TIN-Rechtshilfe und das Netzwerk Geschlecht im Recht, zu dem auch F.Boll und die Leute von der Klage zur dritten Option gehören. Im Hintergrund des Verfahrens war eine Menge Arbeit, Nerven, Zeit und Geld erforderlich. René_ Rain ist die auserkorene Gallionsfigur, so wie Vanja damals bewusst für die Verfassungsbeschwerde gewählt wurde.

Dann ging es nicht um eine beliebige Klage gegen irgendeine Klitsche, sondern bewusst gegen eine potente Gegenseite, die sich dankenswerterweise ausreichend störrisch gezeigt hat.

Natürlich muss das auch medienwirksam sein, damit die anderen Läden auf ihre rechtswidrige Handlungsweise aufmerksam gemacht werden. Nochmal: Rechtswidrig. Und zwar letztlich auch an Artikel 3 GG aufgehängt. Abgesehen vom AGG wurde also durchaus auf die Durchsetzung verfassungsmässiger Rechte gezielt. Das ist keine schrullige Bagatelle.

Dann zu Punkt zwei: Mit Sympathie wird die Arbeit vielleicht flauschiger, aber es dauert auch erheblich länger. Guck dir das TSG an. Das Ding steht seit über 20 Jahren dringend zur Änderung an. Es gibt Resolutionen, Vorgaben und Rügen von diversen Institutionen inklusive EU und UNO. Was ist passiert? Nix. Weil: CxU und ihr "traditionelles Familienbild". Bis wir da "Sympathie" genug haben, ist Grönland eisfrei (also vermutlich 2050...). Die eigentlichen Erfolge wurden vor dem Bundesverfassungsgericht erzielt.

Ich ziehe mal den Vergleich zu anderen queeren Themen. Rechte homo- und bisexueller Menschen in Jobs, Familie, etc. Ehe für (fast) alle, Adoptionen, Antidiskriminierungsregeln in Firmen usw. Nichts davon ist durch Leisetreterei und "sympathische" Runden im Hinterzimmer allein entstanden. Das braucht es auch, so wie die vielen Stunden ackern und formulieren im Hintergrund und die sicher vielen Gespräche mit der Gegenseite bei der Bahn-Klage. Aber es braucht auch die Gallionsfiguren, die ein bisschen über die bereits "sympathisch" akzeptierte Grenze gehen, Aufmerksamkeit erzeugen, das Thema in den Medien vielen Leuten bekannt machen.

Ich hab die 80er und 90er sehr bewusst erlebt. Ich war damals schon kinky, pansexuell und nicht-binär, aber die Begriffe habe ich erst nach und nach gelernt und vor allem, dass ich nicht allein bin. Alles durch Medienberichte. Durch Vorbilder und Aktionen, auch die schrillen. Ohne die hätte ich das für mich nie auf die Kette bekommen. Heute ist BDSM keine große Sache mehr. Homo- und bisexuelle Gemeischaften auch nicht. Langsam kommen Polynetzwerke im Bewusstsein an. Und dass jetzt so viele trans Personen aus dem Schrank kommen können liegt auch an solchen Interviews. Allein gestern hab ich mehrfach gehört "ja, das hab ich neulich im Fernsehen gesehen".

Medienwirksame Aktionen wirken empowernd für Betroffene und aufmerksam machend für die anderen. Ohne solche Aktionen landet die Themen weit hinten auf der Tagesordnung und werden zum Ende der Sitzung zur Kompostierung "in die Ausschüsse verwiesen".

Also sorry, wenn du in deiner täglichen Arbeit auch auf solche Aktionen und Interviews angesprochen wirst. Ich hoffe mal, dass du dich dann nicht entschuldigst, sondern die Sache dahinter verteidigst, selbst wenn es nicht genau deine ist. Im übrigen fände ich es durchaus mal gut, wenn du ab und zu berichten würdest, was denn bei deiner Arbeit tatsächlich rausgekommen ist.
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