Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen
Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen - # 7

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Mirjam
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 91 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Hallo Diana, hallo Rest der Welt,
Diana.65 hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 22:58 Gerade im Sinne, dass wir uns möglichst gut in die Gesellschaft integrieren wollen, denke ich, das wir da auch mal gegenüber unseren "NORMALEN" Mitmenschen etwas in unseren Forderungen zurück nehmen sollten. Das trägt, meines Erachtens, viel mehr zur allgemeinen Akzeptanz bei.
... und was sind jetzt "normale" Mitmenschen? Bin ich nicht normal, weil ich eine Frau und kein Mann bin? Wer legt überhaupt fest, was "normal" ist?

Nein, ich mag diesen Begriff nicht, ich empfinde ihn als ausgrenzend. Und in diesem Fall helfen mir da nicht mal die Anführungszeichen drüber weg.

LG, Mirjam
die sicher alles andere als normal ist, aber aus ganz anderen Gründen )))(:
Marielle
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 92 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend,
Noa hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 21:54 Früher war die Rechtschreibung der Gradmesser für die Beherrschung der Sprache. Richtigkeit, Korrektheit bezog sich darauf. Und auf Grammatikfehler, Ausdrucksfehler, Aussprachefehler usw. Immer geht es dabei um Korrektheit in formalen, nicht inhaltlichen Bereichen.

Heute sind Rechtschreibfehler natürlich nach wie vor Rechtschreibfehler, und sie dürfen gern rot angestrichen werden. Aber es gibt eine neue Kategorie von Fehlern, die inhaltlich viel bedeutsamer ist. Jemanden zu diskriminieren oder es nicht zu tun, das ist bedeutsam. Greuel mit eu oder mit äu zu schreiben, eher nicht.

Ja, es ist komplizierter. Aber die Erkenntnis dieses Früher-Heute-Unterschieds ist erst mal die Basis dafür, die Bemühungen um gendergerechte Sprache einzuordnen. All die Leute, die gegen diskriminierungssensible Sprache ein Statement nach dem anderen raushauen, scheinen nicht zu realisieren, dass wir es hier mit einem Fortschritt zu tun haben. Dass wir uns heute bei unseren Bemühungen um korrekte Sprache auch um wichtigere Dinge kümmern als nur um Rechtschreibung, das ist ein Fortschritt.
Ich halte nicht viel von Komplettzitaten ohne weiteren, eigenen Beitrag. Aber hier finde ich es angemessen. Wirklich großartig!

Hab es gut

Marielle

PS: Die Gästin fand sich schon in Grimms Wörterbuch. Sie wurde nur zwischenzeitlich vergessen; ohne Absicht natürlich.
https://www.duden.de/sprachwissen/sprac ... Cder-Grimm
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Die fesche Tina
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 93 im Thema

Beitrag von Die fesche Tina »

Hat sich mittlerweile in diesem Thread ja einiges getan, LIKE IT!!! (yes) Das große Interesse an dem Thema passt ja super gut zu unserem gestrigen FEM-Gruppen Treffen, wo wir das Gendern im Fokus hatten und +ordentlich+ diskutierten. Unsere Teilnehmerinnen setzten sich aus den verschiedensten Bereichen zusammen, einige Frauen arbeiten für staatliche Behörden oder private Firmen, andere berichteten aus ihrem privaten Umfeld und da auch Jennifer am Treffen teilnahm, nahm sie quasi den Part der Divers*-"Partei" ein, so erreichten wir ein besonders breitgefächertes Bild zum Gendern und Gendersprache. (yes)

Im Hinblick auf das gestrige Gender-Thema, stellten wir eine Umfrage im Voraus zusammen die augenscheinlich einen sehr guten Überblick, bezüglich Ansichten und Meinungen, der (17) Teilnehmerinnen offenlegt und gut das Gesamtbild des Treffens widerspiegelt, was mir das Zusammenfassen hier im Thread ziemlich erleichtert (super)
Es wurden 10 Fragen zusammengeführt, wobei man vielleicht noch das ein oder andere hätte anführen können, jedoch schienen uns gerade diese Fragen als grundlegend für eine passende Diskussion. Vielleicht seht ihr sogar die ein oder andere Frage als unpassend an, dennoch denke ich, dass sie eine gute Grundlage bilden. Zusätzlich habe ich mal festgehalten wie Jennifer und ich bei den einzelnen Punkten abgestimmt haben.

So stelle ich die Ergebnisse der Umfrage einfach mal hier an:


01. Wissen Sie, womit sich der Begriff "Gendern" beschäftigt?
86 Prozent gaben an zu wissen, was es mit dem Gendern auf sich hat und worum sich die Materie im Gesamten befasst.
Jennifer: Ja
Tina: Ja
Ich finde das Ergebnis sehr aussagekräftig, da es zeigt, dass Gendern die Gesellschaft erreicht hat und die Breite Masse zumindest schon einmal davon gehört.

02. Sind Sie bisher schon einmal in Kontakt mit dem Gendern/Gendersprache gekommen?
80 Prozent gaben an, dass sie bereits durch Berichte in den Medien, durch Eigennutzung oder auch durch Texte (bsw. im Internet oder Print-Medien) mit der Gendersprache in Kontakt kamen.
Jennifer: Ja
Tina: Ja
Für mich spiegelt das in etwa das Ergebnis aus Frage 1 wieder, was somit nicht weiter verwunderlich ist. Gendern ist gerade jetzt fast überall präsent, zumindest die Art und Weise wie es geschildert oder angewendet wird. Für mich ist das ein Zeichen, dass sich sowohl die Bevölkerung, als auch Politik, Vereine, etc. damit beschäftigen.

03. Wissen Sie, wie man korrekt gendergerechte Sprache anwendet?
Mit 46 Prozent fällt das Ergebnis einer richtigen Anwendung nur durchschnittlich aus.
Jennifer: Ja
Tina: Ja
Das zeigt mir, dass man das Gendern bsw. durch die Medien zwar kennt, aber die richtige Anwendung, wenn es um korrekte Schreibweise geht, auf einem anderen Blatt steht.

04. Nutzen Sie die Gendersprache in Ihrem Arbeitsalltag, bzw. wurden Sie von Ihrem AG angewiesen diese zu nutzen?
32 Prozent gaben an, dass sie bei ihrer beruflichen Betätigung eine gendergerechte Sprache anwenden. Dies zumeist bei staatlichen Arbeitsplätzen, bei Privatfirmen lag die Angabe bei unter 5 Prozent.
Jennifer: Nein (bisher nicht)
Tina: aus Arbeitsalltag ausgestiegen
32 % liest sich für mich erst einmal gar nicht so viel, ändert man aber die Angabe, dann sind es immerhin 1/3tel die die Gendersprache zu Papier bringen, was meiner Meinung nach einem recht hohen Wert entspricht. Ein deutliches Ungleichgewicht erkennt man aber zwischen staatlichen und privaten Arbeitsplätzen.

05. Nutzen Sie die Gendersprache in Ihrem privaten Schriftverkehr?
Lediglich 17 Prozent schreiben auch im Privaten bei ihrem Schriftverkehr mit einer korrekten Gendersprache.
Jennifer: Nein
Tina: Ja
Ein äußerst geringer Wert, der deutlich unter dem Beruflichen liegt.

06. Finden Sie, dass die Gendersprache dem optischen Schreibstil beeinträchtigt?
Mit 56 Prozent liegen die Ansichten der Befragten ziemlich gleich auf.
Jennifer: Nein
Tina: Nein
Das Ergebnis zeigt mir, dass sich die eine Hälfte an der Schreibweise stört, während die andere es scheinbar "überliest" und damit keine Probleme hat.

07. Halten Sie gendergerechte Sprache für wichtig?
Mit gerade einmal 15 Prozent gaben die Teilnehmerinnen an, dass ihnen das Gendern wichtig ist.
Jennifer: Nein
Tina: Ja
Für mich ist das ein recht enttäuschendes Ergebnis, was sich allerdings schon aus den anderen Punkten herausgespiegelt hat. Persönlich finde ich es schade, dass nur die wenigstens in der gendergerechten Schriftweise eine Wichtigkeit erkennen.

08. Sollte gendergerechte Sprache bereits im Schulunterricht gelehrt werden?
Nur 10 Prozent gaben hier ein klares Ja, wobei dies einen äußerst niedrigen Wert darstellt.
Jennifer: Nein
Tina: Ja
Die klare Mehrheit möchte also nicht, dass den Kindern bereits im Schulunterricht gendergerechte Sprache beigebracht wird. Ein eindeutiges Zeichen in der Haltung der Gendersprache gegenüber.

09. Finden Sie, dass durch die Gendersprache mehr Gleichberechtigung erreicht wird?
38 Prozent haben hierbei für Ja gestimmt.
Jennifer: Ja
Tina: Ja
Ein überaus interessant hoher Wert, wenn man bedenkt, dass viele gegen eine gendergerechte Sprache im Schriftverkehr sind. Dies hat während unseres Treffens natürlich zu Diskussionen geführt. So wurde angegeben, dass eine Gleichberechtigung im Sinne vieler der Teilnehmerinnen ist, aber gleichzeitig wollen die meisten auf eine Anwendung der Gendersprache verzichten. Irgendwie beisen sich für mich hier die Ansichten der Frauen.

10. Glauben Sie, dass die Gendersprache im deutschen Sprachgebrauch eine Zukunft hat?
Jennifer: Nein
Tina: Ja
Mit immerhin 27 Prozent fanden die Teilnehmerinnen, dass uns die Gendersprache auch in Zukunft erhalten bleibt. Entweder durch einen politischen Beschluss oder durch Eigennutzung.
Trotz der vielseitigen Abneigung gegenüber der Gendersprache, glaubt 1/3tel der Befragten, dass uns das Gendersternchen erhalten bleiben wird. Das heißt aber nicht, dass die Befragten es auch selbst nutzen werden.


Für alle Beteiligten war es ein interessanter Abend. Die Diskussionsrunde hat sehr gut gezeigt, wie die derzeitige Meinung gegenüber dem Gendern ist. Auch wenn die Meinungen immer mal wieder weit auseinander lagen, so fand ich, dass gerade dies eine sehr gute Diskussionsstruktur bot, wo jede ihre eigene Meinung in der Runde darbieten konnte.
Liebe Grüße, Tina

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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 94 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Dank dir für die Arbeit und das Auflisten der einzelnen Ergebnisse. (he)
Mit 17 Teilnehmerinnen kann man schon von einem kleinen, aber doch vorhandenen "Mikrozensus" sprechen.
LG Christina
Noa
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 95 im Thema

Beitrag von Noa »

Marielle hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 23:13 PS: Die Gästin fand sich schon in Grimms Wörterbuch. Sie wurde nur zwischenzeitlich vergessen; ohne Absicht natürlich.
Hallo Marielle,

danke für den Hinweis und den Link. Die Gästin ist ja noch viel lustiger, als ich dachte.

Was die Absicht angeht. wäre ich zurückhaltend. Sprachgebrauch ereignet sich, niemand steuert ihn.

Im Grimm (hab natürlich nachgeschaut) steht beim Stichwort Gästin wenig gebraucht. Meine Erklärung für das Verschwinden wäre einfach, dass die Form im 20. Jh. kaum noch gebraucht wurde und in Vergessenheit geriet.
Und voilà, heute wird sie plötzlich wieder gebraucht, im doppelten Sinn, und mit Absicht. :wink:

Ich habe keine Ahnung von der Entwicklung des generischen Maskulinums. Mit Sicherheit eine komplexe Materie. Spannende Frage (aber um die auch nur ansatzweise zu beantworten, müsste man sich auskennen): Gibt es vom 18. Jh. bis heute eine deutliche Zunahme des generischen Maskulinums? Falls ja, könnten größere gesellschaftliche Zusammenhänge dahinterstecken. Die sich dann vielleicht auch auf die Gästin und andere verloren gegangene Formen ausgewirkt haben. - Aber das ist natürlich Spekulation.

LG, Noa
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 96 im Thema

Beitrag von Die fesche Tina »

...kann die Tina nicht rechnen+++ ARGH!!! :evil: 27% entsprechen natürlich eher 1/4tel, statt meiner geschriebenen +1/3tel+
Trotz meines üblichen Korrekturlesens ist mir dieser Fehler unterlaufen, ich bitte das zu entschuldigen.

Die fesche Tina hat geschrieben: Do 14. Okt 2021, 11:27 10. Glauben Sie, dass die Gendersprache im deutschen Sprachgebrauch eine Zukunft hat?
Jennifer: Nein
Tina: Ja
Mit immerhin 27 Prozent fanden die Teilnehmerinnen, dass uns die Gendersprache auch in Zukunft erhalten bleibt. Entweder durch einen politischen Beschluss oder durch Eigennutzung.
Trotz der vielseitigen Abneigung gegenüber der Gendersprache, glaubt 1/3tel der Befragten, dass uns das Gendersternchen erhalten bleiben wird. Das heißt aber nicht, dass die Befragten es auch selbst nutzen werden.
Liebe Grüße, Tina

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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 97 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Es gibt überall auf der Welt Reibungsverluste (smili)

Ihr hättet ja auch mal analog zur Wahl in Berlin schätzen können )))(:

Stimmt wirklich:
Berlin-Wahl im Chaos: Rechtfertigung für Schätzung statt Ergebnis in Charlottenburg-Wilmersdorf
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 98 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Noa, Hallo zusammen,
Noa hat geschrieben: Do 14. Okt 2021, 14:34Was die Absicht angeht. wäre ich zurückhaltend. Sprachgebrauch ereignet sich, niemand steuert ihn.
Keine Sorge. Ich neige nicht zu Verschwörungstheorien. Allerdings hin und wieder zur Ironie oder auch zum Sarkasmus.

Vielleicht ist es eine Frage der (wiederum vielleicht ironischen) Deutung von 'Absicht'. Sicherlich kann man 'Absicht' in diesem Zusammenhang nicht so deuten, dass das Wort Gästin gezielt zum Verschwinden gebracht wurde. Wenn man die Veränderung des Geschlechterverständnisses bzw. der Rollenzuschreibungen im 18. Jahrhundert als nicht unbedingt koordiniert, aber als, zumindest von vielen Männern, willentlich ins Werk gesetzt ansieht, könnte die Gästin doch ein 'quasi-absichtliches' Opfer sein. :wink:

Ich teile die Ansicht, dass der Sprachgebrauch nicht gezielt gesteuert wird oder auch nur steuerbar ist. Andererseits sollte man auf Versuche der Sprachbeeinflussung immer gefasst sein, um sie zu erkennen und bewerten zu können. Beispiele gibt es genug in der deutschen Geschichte; gute und schlechte.

Habt es gut

Marielle
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 99 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Marielle hat geschrieben: Do 14. Okt 2021, 16:34 Ich teile die Ansicht, dass der Sprachgebrauch nicht gezielt gesteuert wird oder auch nur steuerbar ist.
Das sehe ich anders. Wir erleben das jeden Tag in den Nachrichten oder noch deutlicher in der Werbung. George Orwell hat darauf mit "1984" bereits hingewiesen. Wir haben heute kein Kriegsministerium, sondern ein Verteidigungsministerium und warum wohl hat man so lange gezögert, die staatlichen Aktivitäten in Afgahnistan "Krieg" zu nennen ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 100 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Vicky,

natürlich hast du Recht. Es gibt Beeinflussungsversuche ohne Ende. Wahrscheinlich jeden Tag neue. Und sicher gibt es auch erfolgreiche Beeinflussungen. Letztlich haben wir, Gott oder sonstwem sei dank, aber die Freiheit und die Möglichkeiten, diese Beeinflussungsversuche zu bewerten und anzunehmen oder abzulehnen.

Die einen nannten es 'Kerntechnik', die anderen 'Atomkraft'. Die einen 'Wehrpflicht', die anderen 'Kriegsdienst', 'Entsorgungspark' oder 'Müllhalde', 'Gendergaga' oder 'geschlechtliche Selbstbestimmung'. Es gab und gibt eine Wahl, man muss sie nur treffen. Eine Steuerung wäre für mich die Möglichkeit, die Bewertung zu unterbinden und den Nutzer_innen der Sprache keine Wahl lassen zu können. Das haben nichtmal die Nazis durchgängig geschafft, obwohl sie wirklich viel darangesetzt haben.

Habs gut

Marielle

PS: Beim Schreiben des Beitrags dachte ich grad, dass niemand je gefordert hat, Wörter wie Kriegsdienst oder Atomkraft per Erlass oder Gesetz zu verbieten. Soweit ich weiss, haben sogar die Nazis keine direkt sprachregelnden Gesetze erlassen. Wieviel Angst müssen manche dann haben, wenn sie das Sternchen und den Unterstrich verbieten wollen?
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 101 im Thema

Beitrag von Noa »

Hallo Vicky.

1984 ist das Beispiel einer Diktatur, die die Einflussnahme auf die Sprache sehr weit treibt. Gehirnwäsche halt. Dass sich das auf den Sprachgebrauch auswirkt, keine Frage. Dass es ihn steuert, hm. Da möchte ich dann doch daran erinnern, dass es ein Roman ist.

Dein Beispiel mit dem Afghanistankrieg, der ja bis heute lieber ‚Einsatz‘ genannt wird, zeigt wiederum auch nur genau das, was Marielle schon geschrieben hat. Da versuchen mächtige und interessierte Kreise, den Sprachgebrauch zu beeinflussen. Das findet permanent statt, und in sensiblen Bereichen ist es ein Kampf mit harten Bandagen. Ein Kampf um Diskursmacht. Glücklicherweise leben wir in einer Art Demokratie und unsere mächtigen interessierten Kreise sind ein ganzes Stück davon entfernt, uns die Gehirne waschen zu können. Auch wenn ich ihren Einfluss auf unseren Sprachgebrauch keineswegs kleinreden möchte.

Um auf das Thema dieses Threads zurückzukommen: Genau diese fiese Einflussnahme beklagen die Kämpfer gegen den Genderwahn. Interessierte mächtige Kreise wollen uns zwingen, komische Wörter zu benutzen! Sie wollen uns vorschreiben, auf unwichtige Dinge zu achten! Uns dazu bringen, über akademischen Quatsch nachzudenken statt über die wirklich wichtigen Fragen!

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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 102 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

wow, ein Thread der innerhalb von nicht mal 10 Tagen über 100 Posts erzeugt. Das Thema scheint sehr viele sehr stark zu bewegen.

Offen gestanden bin ich nicht gerade ein Fan des Gendersternchen, habe aber auch keine wirkliche Alternative anzubieten. Mich stört, dass beim Sternchen gesprochene und geschrieben Sprache zu sehr auseinander fallen.

Die Umtriebe von Frau Lambrecht sehe ich da ziemlich gelassen. Ich glaube nicht, dass sich durch diese Maßnahme das Sternchen stoppen lässt. Und ob ein paar Behörden das Sternchen benutzen oder nicht, wird am Ende kaum eine Rolle spielen.

Am Ende wird entscheidend sein, ob das Sternchen die Menschen überzeugt oder eben auch nicht. Sprache, gesprochen und geschrieben, hat sich immer schon jenseits von Regierungshandeln selbstständig entwickelt. Und das ist auch der richtige Weg. Am Ende kann mir niemand vorschreiben, wie ich schreibe und spreche. Wichtig ist nur, dass meine Umwelt mich versteht.

Ich bin jedoch der Meinung, dass unsere Sprache dringend Veränderung braucht. Eine Veränderung die deutlich über Sternchen und Co. hinausgeht. Unsere Sprache ist sehr vermännlicht und es wird höchste Zeit, dass das aufhört.

Ich selbst schreibe neuerdings öfter mal im generischen Femininum, als Gegenentwurf zum generischen Maskulinum. Das ruft zuweilen Irritation hervor und bringt die Eine oder Andere zum Nachdenken.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

https://www.belle-larouge.de
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 103 im Thema

Beitrag von Lady Jennifer »

Ich nehme noch mal kurz Bezug auf meine Teilnahme beim FEM-Gruppen Treffen über das meine Mama weiter oben schon berichtet hat. Ich bin froh, daß ich die Zeit gefunden hatte daran teilzunehmen, denn das Gendern ist gerade jetzt ein großes Thema und da finde ich solche Diskussionsrunden immer interessant, bzw. auch ich kann meine Meinung kundtun... :mrgreen:

Daß überhaupt großes Interesse an dem Thema bestand zeigt die große Teilnehmerzahl. Allerdings muß auch erwähnt werden, dass die FEM-Gruppe eine reine Frauenrunde ist - von daher fielen keine männlichen Stimmen bei der Umfrage mit ab. Aber ob dies das Umfrageergebnis beeinflußt hätte?

Ich fand den Fragebogen gut ausgearbeitet und im Allgemeinen liebe ich solche Umfragen immer. Einige Fragen führten zu unterschiedlichen Ansichten der Frauen, was "ordentlich" diskutiert wurde.
Aus dem Treffen habe ich mitgenommen, daß so ziemlich jede vom Gendern schon mal gehört hat, aber es im Großen und Ganzen nicht gut findet. Ich bin der Meinung, daß jede*r für sich selbst entscheiden soll, ob man diese Schreibweise anwendet oder nicht. Wenn Frau Lambrecht das Gendersternchen stoppen möchte, bedeutet das, daß Beamte, behördliche Stellen oder auch Privatfirmen, nicht mehr darauf angewiesen wären dies in ihren Schriftverkehr zu nutzen. Erst möchte man "hü" und dann wieder "hott". Die einen möchten es salonfähig machen, die anderen sehen keinen Nutzen darin und möchten es wieder loswerden.
Diese Unklarheiten in der Politik verunsichern die Leute und verschlingen gleich noch Steuergelder...Wieder so ein Thema, wo man sich uneinig ist, ewig darüber debattiert und sollte es letztendlich doch wieder abgeschafft werden, verkommt es zur Lachnummer.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das entwickelt.

Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 104 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Aus einer Mail von Genderleicht:

Christine Lamprecht, die neben ihrem Hauptjob als Bundesjustizministerin die vakante Stelle der Bundesfrauenministerin vertritt, hat lediglich für Klarstellung gesorgt: Das generische Maskulinum wird quasi abgeschafft. Es gilt, was der Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt. Er qualifiziert Genderzeichen als rechtschreibwidrig. Stattdessen sind alle Methoden des geschlechtergerechten Schreibens anzuwenden. Der tiefere Sinn der Schreibanleitung im Namen der Ministerin: Mitarbeitende, die weisungsgebunden sind, wünschen sich Genderstandards.


Hier ist eine recht gute Zusammenfassung zum Genderleicht Schreiben

Es ist doch ganz einfach – nutzen Sie Ihre Schreibkünste auf kreative Art und in der grammatikalisch richtigen Form. Sie müssen die deutsche Sprache nicht verbiegen, sie bietet selbst die besten Lösungen.

https://www.genderleicht.de/schreibtipps/
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Re: Spiegel-Online: Frauenministerin Lambrecht will Gendersternchen stoppen

Post 105 im Thema

Beitrag von Diva »

Offenbar scheint die geschlechtergerechte Sprache im Bund jedoch nicht die gleiche wie für Landesbehörden zu sein.
Während in der Bundes-GGO nur steht, dass die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu beachten ist (was ist mit anderen?), wird erst im jeweiligen Land konkret festgelegt, wie das zu geschehen hat. Berlin ordnet z.B. in seiner GGO II Anhang 1 Nr 2 Satz 3
https://www.berlin.de/sen/inneres/buerg ... g-docx.pdf an:
Dies soll primär durch geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen und, wo dies nicht möglich ist, durch die
Ausschreibung der jeweils weiblichen und männlichen Form geschehen.
Also weder Gernderstern noch Gendergap als Standard! Die nachgeordneten Berliner Landesbehörden sind ebenfalls daran gebunden
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q ... 3NXbKUZZTD

Sprache als Ländersache? Klar: Wenn ein sächsischer, ein berliner und ein bayerischer Mensch dasselbe sagen, ist es lange nicht das gleiche ...
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