Kritik an Gender-Sprache »Abenteuerliche Duden-Kreationen«
Kritik an Gender-Sprache »Abenteuerliche Duden-Kreationen« - # 2

Antworten
NikolaAusR
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 230
Registriert: Di 16. Jul 2019, 14:01
Geschlecht: Häsin :-)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Regensburg
Membersuche/Plz: 93
Hat sich bedankt: 772 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 212 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Kritik an Gender-Sprache »Abenteuerliche Duden-Kreationen«

Post 16 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

kaliya hat geschrieben: Fr 19. Feb 2021, 21:11 Aber stattdessen ist uns jetzt Gender-Sprache wichtig
Hallo kaliya,
Bei dem Bild Deutschlands in der internationalen Beschau von außen bin ich völlig bei dir.
Allein, hier geht es um eine Diskussion darüber, wie die Gewährleistung juristisch unstreitiger Grundrechte erreicht werden kann. Das so zu relativieren und als 'Befindlichkeit' abzutun, wird dem Anliegen nicht gerecht.
Oder läuft das bei Dir unter 'sonstiges Versagen' deutscher Politik, das sich gerade auch beim Menschenrechtsthema Lieferkettengesetz abzeichnet?
_____________

Hab grad noch etwas (Öl :evil: ) gefunden...
https://www.rnd.de/panorama/gendergerec ... ZYW4Y.html
„Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen können von jeder Glaubensgewohnheit,
die er von Kindheit an in sich aufgenommen.
Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.“

Klar definier ich mich binär :-)
01000110 % weiblich
Wally
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 222
Registriert: Fr 7. Sep 2018, 23:37
Geschlecht: Beides
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Hurlach
Membersuche/Plz: 86857
Hat sich bedankt: 49 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 354 Mal
Gender:

Re: Kritik an Gender-Sprache »Abenteuerliche Duden-Kreationen«

Post 17 im Thema

Beitrag von Wally »

Jaddy hat geschrieben: Fr 19. Feb 2021, 21:23
(Eliminierung des Maskulinums und Femininums aus dem Sprachgebrauch - alles nur noch Neutrum)
Das wäre tatsächlich eine sehr gute Lösung. Also eine neutrale Form, die überhaupt keinen Genderbezug hat.
Du wärst damit tatsächlich zufrieden? Das erstaunt mich nun wiederum :-)

Was würde dann z. B. aus der Bundeskanzlerin? "Das Bundeskanzel"? Aus dem Bäcker "das Bäckel", aus dem Treuhänder "das Treuhändel" - im Gegensatz zum "Streithändel"? Schließlich steckt in der Endung "-er" ja auch schon wieder das Männliche drin, ebenso wie in der Endung "-e" das Weibliche - also in Zukunft "das Hebammel", mit oder ohne Gebammel in das Hosel? Klingt das nicht alles bisserl blöd? Und was machen wir aus "Friseur" oder "Ingenieur"? Das Greuel: Friseuel und Ingenieuel? Wird da das jeweils letzte "e" dann auch gesprochen, mit einem virtuellen "oi" davor, oder nur geschrieben? Kompliziert, kompliziert... Was wird aus dem "Streithammel", bei dem das männliche Geschlecht schon im Wortstamm steckt, mitsamt "-el" hintendran - "Das kastrierte Streitschafbockel"? Zimtziege - "das Zimtziegel" geht schlecht, "Ziegel" liegen auf dem Dach, somit dann auch "das Ziegel". Also "das Zimtpaarhufel"? Alles nicht so einfach
(pl)
Ich kann zudem schwer glauben, dass sich "unsere Feministeln" mit einem solchen Regel (wie zum Teufel... (ag) ) zufriedengeben würden, selbst wenn es funktionierte: "das katholische Priestel", meinetwegen dann auch vereinfacht "das Bischof" und gar "das Papst" würde dann ja trotzdem wieder als männlich verstanden, weil das alles halt in der Realität (vorerst - bis korrektes Sprachel über korrektes Denken endlich auch korrekte Machtverhältnisse kreiert hat) nur Männeln sind. Und umgekehrt wären dann mit "Straftäteln", "Mördeln", "Kriegshetzeln", "Umweltverschmutzeln" und allerlei sonstigen Bösewichteln plötzlich gleichermaßen auch Fraueln gemeint, die doch bisher völlig zu Recht mit sowas ÜBERHAUPT NICHTS zu tun hatten - wo kämen wir denn da hin ?!? Das Reuel würde auf dem Fußel folgen - Achtung, Rechtschreibfalle: sowohl "Fusel" als auch "Fussel" heißt wieder ganz was Anderes :-)

"Das Transvestitel" hätte dann immerhin vom Wort her ein gewisses, respektheischendes Touch; seine Leidenschaft, "das Travestiel" erinnerte dann aber irgendwie an "Besenstiel" - zumindest reimt sich's drauf. Beim Psychologel hole ich mir dann ein Gutachten (hoppla, ausgerechnet das geht ja plötzlich ganz glatt...), damit mir das Chirurgel Brüstel macht - aber, BITTE, nicht so kleine, wie das klingt! Bevor ich mir dann aber von das Krankenschw..., ähm, Krankenpflegel das Infusionsnadel in das Venel stechen lasse, bleibe ich doch lieber bei meinem gelernten, deutschen Sprachel )))(:

Herzliche Grüße
Wally
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1959
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name> / en
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 478 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2494 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Kritik an Gender-Sprache »Abenteuerliche Duden-Kreationen«

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Wally hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 00:10
Jaddy hat geschrieben: Fr 19. Feb 2021, 21:23 (Eliminierung des Maskulinums und Femininums aus dem Sprachgebrauch - alles nur noch Neutrum)
Das wäre tatsächlich eine sehr gute Lösung. Also eine neutrale Form, die überhaupt keinen Genderbezug hat.
Du wärst damit tatsächlich zufrieden? Das erstaunt mich nun wiederum :-)
Mich nicht :)

Klar klingt manches erst mal gewöhnungsbedürftig, egal welche Endung verwendet wird. In mehreren meiner Kreise wird aktuell y/ys probiert und daran gewöhnt sich ein tatsächlich ziemlich schnell. Meinem Ehewesen und mir fällt jetzt schon auf, wenn irgendwo _nicht_ neutral oder inklusiv gesprochen wird. Umgekehrt aber auch, wenn neutral oder inklusiv gesprochen wird, wo wir es nicht erwarten. Heute Abend zum Beispiel durchgehend in mehreren ZDF-Sendungen hintereinander zu rein wissenschaftlichen und politischen Themen, die mit Gender nichts zu tun hatten. Jeder Menge Partizipien und Glottisschläge :)

Dir ist aber vermutlich klar, dass diese Formen ohne Genderbezug eigentlich verwendet werden sollen, wenn

• das Geschlecht einer Person unbekannt ist,
• nichts zur Sache tut,
• bewusst offen gelassen werden soll,
• inklusiv (alle und ohne Gender) gemeint ist,
• oder die Person nicht-binär ist (wie ich)

Dr. Merkel kann also Bundeskanzlerin bleiben, wenn sie mag, aber für das Amt an sich oder wenn von mehreren Personen dieses Amtes die Rede ist, wird die ungegenderte Form verwendet. Du kannst also weiterhin ruhig von Bäcker Heinz sprechen, oder Bäckerin Heike gehen, sofern die beiden mit der Genderung einverstanden sind. Der Beruf an sich aber hätte eine ungegenderte Bezeichnung, ebenso eine Gruppe unbekannter, irrelevanter oder multipler Genderverteilung. Jede Person kann für sich entscheiden, welche Anrede passend ist. Es wird also nicht weggenommen, sondern tatsächlich präzisiert. Wenn von einer Person in der männlichen Form geredet wird ist sicher, dass diese Person sich männlich verortet. Ist das nicht bekannt oder explizit nicht-binär, gibt es zukünftig die Möglichkeit, das auch auszudrücken.

Mehrfache und neutrale Bezeichnungen gibt es in der deutschen Sprache schon seit Jahrhunderten. Das Pferd (ungegendert, Sammelbezeichnung), die Stute, der Hengst und der (seltsam ;) ) Wallach, das Fohlen. Rind, Kuh, Bulle, Ochse, Kalb. Und all diese Wörter sind nicht mal regelmässig oder herleitbar.

Das Wort Elternteil hat sich längst eingebürgert, wenn unerheblich ist, ob es um Mutter oder Vater geht oder potenziell beide gemeint sind (oder es keine genderbinären und_oder keine Hetero-Eltern sind).

Und gegen die völlig willkürliche grammatikalische Genderung von Gegenständen wie Äpfel, Bäume, Möbel oder so hat auch wohl kaum ein Mensch was.

Es geht um Menschen, bei denen aktuell über die andauernde Genderung alle Genderstereotypen aufgerufen werden. Es macht einen Unterschied, ob ich in einer Geschichte das Wort Autofahrerin oder Autofahrer benutze. Egal wie werden Klischees von antiken "Der 7. Sinn" Sendungen über Bild-Zeitung bis Mario Barth aktiviert.

Es geht darum, dass unsere Sprache mangelhaft ist, denn wir _müssen_ wegen der beschränkten Grammatik ständig Personen vergeschlechtlichen. Egal ob das angebracht, sinnvoll, gewünscht, geschweige denn korrekt ist. Damit werden überkommene Zuschreibungen immer wieder erneuert, jede Person ständig sortiert, segregiert, stereotypisch markiert und das beeinträchtigt auch alle Gleichstellungsbemühungen.

Deshalb braucht es neutrale, all-inklusive Formen. Welche das letztlich werden ist egal. Da werden wir uns dran gewöhnen wie an "googlen", "Smartphone", "burn-out", "Klimakrise" und "Inzidenz". Wörter, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gab. Und mit der Gewöhnung klingen sie dann auch nicht mehr seltsam.
Antworten

Zurück zu „Gendergerechte Sprache“