Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen
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Phi
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Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 1 im Thema

Beitrag von Phi » Fr 19. Apr 2019, 13:21

Hallo,

der folgende Text stellt einfach nur ein paar meiner Gedanken (im Sinner einer Selbstreflektion?) dar. Ich habe mich bisher kaum mit diesen Fragen beschäftigt, weil es für mich einfach nicht so relevant war und ich auch nicht darunter leide - also eigentlich auch keine Lösung finden muss. Angestoßen wurde dieser Prozess letztendlich durch meinen Vater, als er mich vor einiger Zeit fragte: "Was bist Du?", und ich darauf keine Antwort geben konnte. Ich habe ein wenig im i-net gelesen (Wikipedia :roll:, die Seite von Fr. Dr. Livia Prüll, und natürlich hier im Forum). Meine Gedanke, die gleich kommen ;) sind mit Absicht in einer Art Rohfassung - ich wollte keinen Aufsatz schreiben. Wenn sich also manches wiederholt oder komisch liest...

Mich würden Gedanken und Empfindungen anderer EnBys interessieren - wobei ich mich frage: "Bin ich NB?" - aber lest selbst...

Liebe Grüße
Phi

Fühle ich mich weiblich, männlich, oder dazwischen?
Was bedeutet es überhaupt (für mich), sich männlich oder weiblich zu fühlen? Bedeutet es, Rollenerwartungen zu entsprechen, oder bestimmte Eigenschaften zu haben?

Mein Körper ist männlich, mein Chromosomensatz ist ein männlicher - mein Fühlen ist… ich kann es nicht richtig sagen.

Wenn ich unrasiert bin, schminke ich mich weniger (Mascara geht immer!) - selbst wenn ich es eigentlich gerade wollte, hält mich der Bart irgendwie davon ab. Andererseits fühle ich mich ohne Bart sehr viel befreiter in meinen Entscheidungen, wie ich mich präsentiere (Makeup, hohe Schuhe, Kleider), obwohl der Bartschatten sichtbar ist und ich mir keine Mühe gebe, ihn zu verstecken. Der Bart erscheint mir eher lästig und ich könnte sehr gut ohne ihn leben, jeden Tag rasieren erscheint mir jedoch ebenso lästig und außerdem schneide ich mich sehr oft, wenn die Stoppeln noch unterhalb einer bestimmten Länge sind.

Früher hatte ich viele Jahre lange Haare, in der letzten Zeit jedoch länger eine Glatze - und seltsamerweise fühlte ich mich femininer, wenn sie gerade ganz frisch abgeschnitten waren. Nach einer Woche fand ich mich eher wieder etwas maskuliner vom Haar her und hätte zum Beispiel nicht so gern Kleid oder höhere Schuhe getragen, wie mit frisch geschorenem Kopf. Jetzt lasse ich die Haare gerade wieder wachsen (mal sehen, wie lange…).

Generell würde ich sagen, dass ich mich in einem Spektrum von weiblich bis männlich im mittleren Bereich sehe/fühle. Wobei dies ebenfalls wieder ein Bereich, oder sub-Spektrum darstellt - ein Streubereich - ich fühle mich nicht immer gleich… Dabei kann ich aber kaum festlegen oder sagen, ob ich mich eher mit weiblichen/männlichen Facetten sehe, oder ob diese Teile „nicht-männlich“, „nicht-weiblich“ oder einem entsprechenden „nicht-Spektrum“ entstammen.
Wenn andere mich ansprechen, ist es mir egal, ob sie „Frau“ oder „Herr“ sagen. Wenn ich mich vorstelle, nehme ich nie Bezug auf ein Geschlecht. Sowohl „Herr“ als auch „Frau“ fühlt sich für mich bei einer Selbstzuschreibung sonderbar an.

Zur Einordnung bei „Sex & Gender“:
Sex: Ich bin ein Mann - das entspricht meinem Körper, meiner mess- und untersuchbaren Ausstattung (Chromosomen, Körperbau, prim./sek. Geschlechtsmerkmale). Ich könnte von mir nicht sagen „Ich bin eine Frau“, weil das körperlich nicht stimmt und ich empfinde diese Aussage entsprechend als für mich nicht zutreffend.
Gender: Bei der Frage nach feminin/maskulin, sehe ich mich als „nicht-maskulin“ und vielleicht „eher-feminin“ aber auch „nicht-feminin“ und „teils-maskulin“ - irgendwie pendelt hier alles ständig hin und her und mir erscheint das ganze Festlegen oder Festsetzen auf etwas Bestimmtes oder einen Zustand irrelevant - zumindest für mich scheint es nicht relevant zu sein und vielleicht habe ich mir deshalb bis vor Kurzem auch keine großen Gedanken darüber gemacht.
Ich bin ein Mensch, eine Person - das muss reichen. Damit fühle ich mich wohl.

Jaddy
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 19. Apr 2019, 15:56

Erst mal zu der Frage "Bin ich NB": Kommt auf die Definition an, oder? Da gibt es meines Wissens keine verbindliche.

Mein aktueller Favorit: "Nicht-binär sind Menschen, die sich nicht oder nicht dauerhaft ausschliesslich dem männlichen oder weiblichen Geschlecht (Gender) zuordnen". Also wenn Du Dich mindestens gelegentlich nicht als Mann oder Frau fühlst, dann hast Du mindestens gelegentlich Enby-Anteile oder -Phasen :)

Und es gibt ja keine Verpflichtung, sich jederzeit gleich einzuordnen.

Für mein persönliches Enby-Gefühl sind wie bei Dir die Anreden "Herr" und "Frau" beide unpassend. Das hängt vor allem an den Zuschreibungen und Erwartungen, die von anderen damit verknüpft werden. Ich kann mit diesen Erwartungen an mich nichts anfangen. Ich empfinde die Verknüpfungen der Art "als X musst du auch Y" von Körperlichkeiten und Eigenschaften willkürlich und einengend. Und da diese Sets zwangsläufig mit der Anrede kommen, möchte ich auch die Anreden nicht. Enby heisst für mich vor allem, das Spiel zu verlassen.

Mein Genderverse ist keine Achse m..w mit einem Enby "dazwischen", sondern mehrdimensional. Ich habe es mal so skizziert.
Gender_Koordinaten.png
Von diesen Ebenen gibt es viele. Körperlichkeit ist mindestens eine (wenn nicht sogar mehrere) davon. Kleidung/Styling mindestens eine andere. Manierismen, Interessen, Orientierung, etc., alles was traditionell strikt auf genau zwei Seiten geschoben wird wie damals beim (hetero) Tanzkurs, kann ich doch frei kombinieren, wenn ich das Genderlabel entferne.

"Was bin ich" wird vom Skalar zum Vektor. Und das Label "gender identity" im Sinne des Selbstgefühls ist nur eines davon, unabhängig von den anderen.

Problematisch ist tatsächlich, den Binären diese Verweigerung ihres alltäglichen Genderspiels klar zu machen. Ihre Welt ist offenbar in fast allem zweigeteilt. Keine Ahnung, wie sie das hinkriegen, aber irgendwie haben sie wohl eine Art Instinkt, der alles von der Handbewegung bis zur Klobürste automatisch männlich oder weiblich gendert. Du hast als Enby kaum eine Chance, sie davon abzubringen, denn irgendwann landen sie unweigerlich bei "aber eigentlich bist du doch...".
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 3 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Fr 19. Apr 2019, 21:41

Jaddy hat geschrieben:
Fr 19. Apr 2019, 15:56
Problematisch ist tatsächlich, den Binären diese Verweigerung ihres alltäglichen Genderspiels klar zu machen.
Hallo Phi,

letztlich wieder typisch bei einer guten Bekannten, nachdem ich erklärte, dass ich den Trans-Weg mit HT und OP nicht gehen will: "Willst du jetzt wieder Mann werden?" - Antwort: "Nein wieso?" - Dann völliges Unverständnis. Wieder Mann werden kann ich gar nicht, weil ich noch nie einer war. Ich könnte den höchstens wieder spielen. Aber das will ich nicht mehr. - Doch wie soll ich einem streng binär denkenden Menschen das erklären?

Also bis vor etwa zwei Jahren wusste auch ich noch nicht, was non-binär bedeutet. Ich outete mich als Trans-Frau und ging zu einer Selbsthilfegruppe. Als man mir dort den ganzen Trans-Weg erklärte, wurde mir schrecklich übel - Psychotherapie, Hormone, Operation - und das bei meiner ausgeprägten Ärzte-Phobie. Und was würde sich überhaupt ändern, wenn ich äußerlich körperlich eine Frau wäre? Außer etwas rein äußerlich körperlichen nicht wirklich etwas, begriff ich bald. Ich bin nicht wirklich eine Frau, und daran ändern HT und OP auch nichts.

Thema Anrede: Für neue Bekannte bin ich Nicole und sie, für die meisten alten Bekannten und Nachbarn Klaus und er. Und wenn ich das gerne anders hätte, kann ich ermahnen, bis ich schwarz werde. Da gibt es sinnvollere Dinge zu tun. Sonst wäre es mir an liebsten, wenn möglichst statt eines Pronomens der Name Nicole benutzt würde.

Für mich ist es nun einfach angenehmer öffentlich die Rolle einer Frau zu spielen. Den blöden Kerl, den ich immer gespielt habe, hasse ich. Dass man mich als Trans-Person ansieht, ist für mich OK. Als schwul eingeordnet zu werden ist auch OK, solange mich keiner an grapscht.

Liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Phi
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 4 im Thema

Beitrag von Phi » So 21. Apr 2019, 12:51

Hallo Jaddy,

einiges von dem, das Du schreibst erscheint mir bekannt aus meinem eigenen Erleben bzw. Denken - wenigstens ähnlich. Zuschreibungen und Erwartungen, die sich auf meine Physiologie gründen, erscheinen mir zwar absurd und ich versuche mich so zu verwirklichen, wie ich es für richtig halte, jedoch ist es mir auf der anderen Seite nicht wichtig, wie mich meine Mitmenschen ansprechen oder welche Erwartungen sie an mich haben (in Bezug auf meine Person).

Ich habe mich auch mal an einer Darstellung probiert, die zumindest in 4 Dimensionen darstellt, wie ich mich in etwa sehe. Ist natürlich ein kleiner Scherz, basiert nicht auf echten Daten, und muss mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben ;)
gender.jpeg
Die Darstellung als Wahrscheinlichkeiten innerhalb jeweiliger Spektra impliziert hier auch den wandelbaren Charakter der Persönlichkeit.

Liebe Grüße
Phi
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 5 im Thema

Beitrag von Phi » So 21. Apr 2019, 13:10

Liebe Nicole,

vielen Dank für Deine Schilderungen.

Während meines Studiums konnte ich sehr viel experimentieren und genoss diese Zeit. Als ich dann anfing zu arbeiten, habe ich mich äußerlich wieder rein männlich gegeben. Mein Verhalten, und die Dinge, die mir wichtig waren (und sind) habe ich jedoch nicht angepasst. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas zu spielen, eher etwas zu verstecken. Ich freue mich darüber, dass ich das wieder ganz frei zeigen darf. Aber ich spiele weder einen Mann, noch eine Frau.

Liebe Grüße
Phi

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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

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Beitrag von Toni Smith » So 21. Apr 2019, 14:08

Also ich sehe mich nicht als NB sondern als Mann und ich versuche lieber die sehr klein gewordene Box des Mannes wieder zu erweitern. Ähnlich wie Boy Georg halt. Denn ich empfinde es so das Jungen die Vorbilder fehlen. Sie können kaum noch wählen und somit könnten sie zum falschen Schluss kommen, dann muss ich wohl ein Mädchen sein. Gerade weil es durch die Transaufklärung auch viel mehr sensibilität dafür gibt und auf der anderen Seite das Gendermarketing ganz klar zwischen zwei Geschlechtern abgrenzt, könnte ich mir vorstelle. das viel eher eine Fehleinschätzung erfolgt.

Die NBs sind meiner Meinung nach eine Gegenbewegung des Gendermarketing. Es gibt im Grunde kein Mann und Frau (nicht das was Gendermarketing daraus gemacht hat) sondern Menschen.

Was ixh meine:
Wenn ein kleiner Junge im Laden Wasser sieht mit Prinzessinen drauf und eins mit Autos, wird er darauf konditioniert auch im späteren Leben klarer die Produkte zu unterscheiden. Kommt dann noch die alte Frauenfeindlichen Bilder hinzu wie "du wirfst wie ein Mädchen" und die neuen Männerfeindliche Weltbilder "the future is female" entsteht ein ungesundes Verhältnis zum Geschlecht und der Rolle des Kindes in der Welt.
Ein Kind was dann denkt, ich mag aber Pink. Pink ist aber nur den Mädchen vorbehalten und gesagt bekommt, er wirft wie ein Mädchen, muss unweigerlich zum Schluss kommen, ich bin also ein Mädchen.

Zusätzlich wird dieser Glaube durch transensible Pädagogen verstärkt. Das Kind steht plötzlich im Mittelpunkt und darf mehr Sachen machen und wird mit Zuneigung und Anerkennung bestätigt.

Eine echte Transexualität mit Körperdysphorie ist dann gar nicht mehr feststellbar.

NBs hingegen versuchen sich dem Gendermarketing zu verweigern und könnten damit diesen Trend stoppen.

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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

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Beitrag von Toni Smith » So 21. Apr 2019, 14:33


Nicole Doll
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 8 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 22. Apr 2019, 10:33

Hallo,

also dann melde ich mich auch noch einmal.

@Phi: Dass ich jetzt eine Frau spiele, ist falsch ausgedrückt. Gespielt habe ich sie kurz nach meinem Coming Out - mit großen Silikon-Brüsten, Langhaar-Perücke, kurzen Röcken und hohen Absätzen. Jetzt ziehe ich mehr und mehr einfach nur die Kleidung an, die mir schon immer gefiel, und fühle mich wohl dabei.

@Toni: Vom rein Biologischen (sex) her sehe ich mich auch als Mann, aber von der gefühlten Identität (gender) her kann ich mit dem, wie unsere Gesellschaft einen Mann definiert, nichts anfangen. So richtig als Frau fühle ich mich aber auch nicht. Also: sex = männlich, gender = non-binär. Deine Bemühungen die Gesellschaft so zu verändern, dass Menschen mit eher nicht-binärer Identität ihren Platz in der Männerwelt finden können, kann ich im Prinzip nur unterstützen. Aber warum sollen wir nicht versuchen dieses binäre Denken in zwei Schubladen vollständig abzuschaffen? Dann findest Du Deinen Platz in der Gesellschaft und ich finde meinen. Und bei einem nicht-binären Verständnis macht der ganze Trans-Weg mit HT und OP keinen Sinn mehr. So liegt es dann auch nahe, dass sich eine körperliche Dysphorie kaum noch bei jemandem entwickeln würde.

Liebe Grüße
Nicole
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 22. Apr 2019, 11:53

Nicole Doll hat geschrieben:
Mo 22. Apr 2019, 10:33
Und bei einem nicht-binären Verständnis macht der ganze Trans-Weg mit HT und OP keinen Sinn mehr. So liegt es dann auch nahe, dass sich eine körperliche Dysphorie kaum noch bei jemandem entwickeln würde.
:) Zum Beispiel, weil eins die typischen Eigenheiten des eigenen Körpers einfach nicht angenehm findet. Weil der eigene Körper sich nicht so anfühlt oder die Dinge kann, wie der Kopf es möchte - warum auch immer. Selbst wenn diese genderbinären Zuschreibungen wegfielen, bleiben immer noch reichlich Möglichkeiten für Unzufriedenheiten. Oder wer ist mit dem eigenen Körper wirklich zufrieden? Na? Haare? Gesichtsform? Bauch? Beine?

Ich vermute sogar, dass mit mehr Möglichkeiten der körperlichen Veränderung (⇾Technik, ⇾Medizin) und ihrer leichteren Erreichbarkeit (⇾Geld, ⇾Örtlichkeit) auch mehr Menschen diese in Anspruch nehmen wollen.

Meine Unzufriedenheit mit gewissen Dingen an meinem Körper habe ich lange Zeit gar nicht wahrgenommen. Ich war einfach an das "naja, ist eben so (blöd)"-Gefühl gewöhnt. Erst als Möglichkeiten in Reichweite rückten, habe ich mich damit beschäftigt und festgestellt, dass es sich ja gar nicht so blöd anfühlen muss.

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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 10 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 22. Apr 2019, 14:18

Hallo Jaddy,

wenn ich an alle diejenigen denke, die viel Geld für Schönheitsoperationen, Kosmetik und ähnliches ausgeben, muss ich Dir jetzt absolut Recht geben. Was die medizinische Seite angeht, prägt mich sicherlich meine Ärzte- und Krankenhaus-Phobie. Bei Haaren (hier insbesondere Färben) und Kosmetik bin ich gegenüber Veränderungen ja auch nicht abgeneigt. Und warum versuche ich wohl überflüssige Kilos los zu werden?

LG Nicole
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Re: Nicht-Binär - Gedanken/Empfindungen

Post 11 im Thema

Beitrag von AndraAuri » Mi 24. Apr 2019, 11:36

Huhu! Ich kann nicht leugnen, dass ich ein großer „Fan“ von nicht binären Gedankengut und der Enby Theorie bin, weil ich mich dort auch für mich selbst am wohlsten fühle. Ich bin für mich selbst betrachtet auch ein Anhänger der seelischen Einheit, das perfekte Gleichgewicht zwischen beiden Anteilen an weiblich und männlich, wo sich im Prinzip beides dann vermischt und ineinander auflöst und dann bin ich im Endeffekt natürlich noch mehr als die Summe der Anteile. Desto mehr ich darüber lese, desto mehr würde ich mich, wenn ich nur „ich“ und im Gleichgewicht bin, als Enby sehen, selbst körperlich macht sich dies bemerkbar. (bin ziemlich muskelös aber trotzdem kurvig, besonders mein Allerwertester...grins)
Was ja alles nicht ausschließt, dass ich mich jederzeit und nach eigener Laune oder Tagesgefühl mehr weiblicher oder mehr männlicher geben oder kleiden kann. Es ist eigentlich cool und bedeutet die absolute Freiheit, da ich nichts vermisse und mit meinem einem Körper happy bin und ihn nicht verändern/anpassen möchte...
Gleichzeitig hab ich mittlerweile den Mut und die Stärke, mich männlich und weiblich auszuleben also auch sexuell und wie es mir beliebt. Und ich genieße beides sehr. Durch meinen Schatz habe ich hier auch alle Möglichkeiten, ich Glückspilz. 😊

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