Diskriminierung durch Verhaltenskodex?
Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Antworten
sbsr
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 948
Registriert: Mi 17. Aug 2016, 10:21
Geschlecht: biologisch Mann
Pronomen: Prinzessin
Wohnort (Name): Niederbayern, LK Kelheim
Membersuche/Plz: 933xx
Hat sich bedankt: 693 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 900 Mal

Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 1 im Thema

Beitrag von sbsr » Do 14. Feb 2019, 12:38

Hallo in die Runde

Unser Konzern hat vor kurzem einen "Verhaltenskodex" herausgegeben, deren Erhalt und Einhaltung alle Mitarbeiter per Unterschriftsformular (-> Personalakte) bestätigen müssen.

Im Grunde geht es darin um gängige Gesellschaftliche Werte wie Umweltschutz, Geheimhaltung, Verhalten gegenüber Medien und Äußerungen in sozialen Netzwerken, und solche Dinge. Einige Absätze, vor allem in Kombination, stoßen mir allerdings etwas auf.

Auszugsweise heißt es
Ein "Interessenskonflikt" würde eine Situation bedeuten, bei der externe Aktivitäten oder persönliche Interessen einen Konflikt oder den Anschein eines Konflikts mit den Verpflichtungen gegenüber [Firma] darstellen. Ein Interessenskonflikt entsteht daher, wenn persönliche Interessen einer [Firma] repräsentierenden Person oder die Interessen eines Dritten mit den Interessen von [Firma] in Wettbewerb stehen. In einer solchen Situation kann es für diese Person schwierig werden, vollkommen im besten Interesse von [Firma] zu handeln.
...
Jede [Firma] Repräsentierende Person muss danach streben, Interessenkonflikte zu vermeiden, und es wird von ihr erwartet, im besten Interesse von [Firma] zu handeln. Sogar der Anschein eines Konflikts kann dem Ruf der Person und/oder [Firma] schaden. Daher hat jede Person freiwillig alle Situationen in Bezug auf einen Interessenkonflikt aufzudecken, somit wie sie davon erfährt.
Kritisch wird das ganze durch einen Absatz am Ende des Verhaltenskodex unter "Allgemeine Bestimmungen".
Personen, die die Bestimmungen dieses Kodex verletzen, würden einer Ermittlung und/oder Untersuchung gemäß diesem Kodex und gegebenenfalls Disziplinarmaßnahmen unterliegen, wenn der Regional Manager dies entscheidet.
...
Klarstellung: Im Sinne dieses Kodex dedeutet "Disziplinarmaßnahme" [...] folgende Maßnahmen: Erstellung eines Abmahnbescheids [...], einer Degradierung, Kündigung des Arbeitsverhältnisses, ...
Auch wenn das wahrscheinlich nicht die Intention des Pamphlets ist, könnte man den Fall daraus konstruieren, dass ich durch das Tragen von Damenkleidung am Arbeitsplatz dem Ansehen meiner Firma schade, wenn zum Beispiel Mitarbeiter eines Kunden im Haus sind. Nachdem die Konzernführung aus einem sehr konservativen Land stammt, ist das durchaus vorstellbar. Mit meiner Unterschrift in der Personalakte würde ich jetzt in so einem Fall offiziell einer Degradierung oder sogar dem Arbeitsverlust zustimmen.

Sehe ich das ganze nur überdramatisch, oder wie empfindet Ihr ein solches Schreiben?
Zuletzt geändert von sbsr am Do 14. Feb 2019, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Laila-Sarah
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1954
Registriert: Di 16. Jan 2018, 23:39
Geschlecht: Bigender
Pronomen: kontextuell bitte
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: 1xxxx
Hat sich bedankt: 1283 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1492 Mal
Kontaktdaten:

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 2 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Do 14. Feb 2019, 12:52

Hallo Svenja,

du siehst es absolut Richtig, nur was willst du tun?

Denn ein nicht Unterschreiben wäre ja auch gegen die Interessen der Firma und würde auf wenig Nächstenliebe stoßen.

Es sieht ein wenig so aus, als ob die Firma einen Hebel installieren wollen würde, womit sie das Arbeitsrecht unterwandern können. Denn mal ehrlich alles was die Arbeit betrifft ist mehr als penibel im Arbeitsrecht festgehalten. Es ist so etwas wie eine versteckte Verzichtserklärung deiner Persönlichkeitsrechte gegenüber den Interessen der Firma.

VlG
The trick is to keep breathing

evacampelli
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 227
Registriert: Fr 16. Feb 2018, 15:29
Geschlecht: MuF
Pronomen: Du
Wohnort (Name): München
Membersuche/Plz: 81---
Hat sich bedankt: 69 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 467 Mal
Gender:

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 3 im Thema

Beitrag von evacampelli » Do 14. Feb 2019, 12:57

sbsr hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 12:38
Sehe ich das ganze nur überdramatisch, oder wie empfindet Ihr ein solches Schreiben?
Ich würde sagen: Ja siehst Du.

Die Passagen deuten doch ziemlich klar aus um was es geht: Korruptions- und Betrugsvermeidung! (Dieselgate läßt grüßen)
Aus dem recht spezifischen Begriff des Interessenskonflikts eine grundsätzlich Verpflichtung zum unbedingten Gehorsam in jeder Beziehung (Kleidung) abzuleiten ist meiner Meinung nach übertriebene Sorge.

Im übrigen kann jeder Mitarbeiter (mit Kundenkontakt oder aus wichtigem anderen Grund) zu einer bestimmten Kleidungswahl angehalten werden.
(und die ist ja oft geschlechtsspezifisch definiert oder Sicherheits/Hygiene Hintergrund)

Allerdings können die juristisch besser mit Thema vertrauten dazu ja auch noch was schreiben.
Es stellt sich auch die Frage ob das verweigern der Unterschrift Konsequenzen hat und die Aktion vom Betriebsrat abgenickt wurde.

Marlin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 126
Registriert: Mo 27. Nov 2017, 18:03
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Kassel
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 127 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 92 Mal
Gender:

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 4 im Thema

Beitrag von Marlin » Do 14. Feb 2019, 13:08

Hallo,

bei uns im Konzern gibt es neben dem Verhaltenskodex anch einen Anti-Diskriminierungskodex. Darin wird auch ausdrücklich verschiedene Geschlechtsidentitäten geschützt. Gibt es sowas bei euch nicht?

In dem von dir dargestellten Text sehe ich zunächst erst mal kein Problem, solange Du dich angemessen kleidest. Dazu zähle ich z.B. ein bürotaugliches weibliches Outfit. Allerdings hab ich bei rechtlichen Fragen auch nur sehr begrenzte Erfahrungen.
Gar kein Angriffspunkt hast Du natürlich nach erfolgter Personenstandsänderung.

Gruß
Marlin

triona
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 840
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 01:01
Pronomen:
Wohnort (Name): Aue
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 60 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 171 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 5 im Thema

Beitrag von triona » Do 14. Feb 2019, 13:15

Laila-Sarah hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 12:52
Hallo Svenja,

du siehst es absolut Richtig, nur was willst du tun?

Denn ein nicht Unterschreiben wäre ja auch gegen die Interessen der Firma und würde auf wenig Nächstenliebe stoßen.

Es sieht ein wenig so aus, als ob die Firma einen Hebel installieren wollen würde, womit sie das Arbeitsrecht unterwandern können. Denn mal ehrlich alles was die Arbeit betrifft ist mehr als penibel im Arbeitsrecht festgehalten. Es ist so etwas wie eine versteckte Verzichtserklärung deiner Persönlichkeitsrechte gegenüber den Interessen der Firma.

VlG

Das sehe ich genauso.
Und wer sich dagegen äußert oder sogar die Unterschrift verweigert, steht doch schon auf der Abschußliste.
(Ob der Betriebsrat dem zugestimmt hat, ist dabei eine interessante Frage.)
Daß sich das nun speziell egen TV / CD usw richtet, ist eher weniger zu vermuten.
Natürlich können solche Gummiparagrafen-Ermächtigungen bei Bedarf jederzeit gegen jede und jeden gewendet werden. Wenn sie allerdings mit dem einen nicht durchkommen, dann finden sie etwas anderes. Daran ändert sich auch durch solche Maßnahmen nichts.


liebe grüße
triona

conny
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2790
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Membersuche/Plz: Leipzig
Hat sich bedankt: 265 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 305 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 6 im Thema

Beitrag von conny » Do 14. Feb 2019, 13:26

Hallo,
wie der Verhaltenskodex zu interpretieren ist, sollte der Betriebsrat wissen.
Ein Arbeitgeber hat jedoch unter bestimmten Umständen das Recht, Kleidungsvorschriften zu erlassen, die beispielsweise für Mitarbeiter im Kundenkontakt gelten.
Im Zweifel hilft ein klärendes Gespräch.

Der Versuch, mit dem Kodex das Arbeitsrecht auszuhebeln wäre allerdings sittenwidrig.

Ulrike-Marisa
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2642
Registriert: Mo 21. Mai 2012, 13:58
Geschlecht: transsexuell
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: 248**
Hat sich bedankt: 507 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 553 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 7 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Do 14. Feb 2019, 13:34

Moin,

...das sehe ich auch so, denn es gibt dass Direktionsrecht des Arbeitgebers, der viele Bedingungen für die Ableitung der vereinbarten Arbeitsleistung direkt vorgeben kann. Das Arbeitsrecht regelt ganz viele Detailfragen dazu. Diskriminierung aus welch einem Grunde darf es nicht geben, wohl aber Kleidungsvorschriften für Mitarbeiter/innen z.B. mit Kundenkontakt. Anderes regeln ungeschriebene Umgangsformen und Anstandsregeln in einer Arbeitsstätte und oftmals der gesunde Menschenverstand.
Gibt es überhaupt einen Betriebsrat, der da wenn überhaupt Einfluss nehmen könnte?
Die Frage wäre zu klären, inwieweit ein dgti-Ausweis da hilfreich sein könnte. Rechtliche Ansprüche lassen daraus aber nicht direkt ableiten.
Nur eine rechtlich abgesicherte Namensänderung hätte da wohl justiziablen Charakter, was die Kleiderordnung in einem Betrieb angeht. Alles andere ist good will, soweit ich das für mich übersehen kann.

Grüße, Ulrike-Marisa
Personalrätin

Vicky_Rose
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2074
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 275 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1470 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 8 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 14. Feb 2019, 13:36

Ich sehe den Text auch kritisch und das nicht nur vor dem Hintergrund der Diskriminierung. Es gibt berechtigte Interessen der Firma. Dazu gehört z.B., dass der Mitarbeiter verschwiegen ist. Mir scheint aber, dass durch die offene Formulierng die Interessen des Mitarbeiters unterlaufen werden können.

Kann der Betriebsrat nicht eine rechtliche Prüfung durchführen lassen ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

sbsr
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 948
Registriert: Mi 17. Aug 2016, 10:21
Geschlecht: biologisch Mann
Pronomen: Prinzessin
Wohnort (Name): Niederbayern, LK Kelheim
Membersuche/Plz: 933xx
Hat sich bedankt: 693 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 900 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 9 im Thema

Beitrag von sbsr » Do 14. Feb 2019, 14:20

:shock: Wow, mit 7 Antworten in weniger als einer Stunde hätte ich nicht gerechnet.

Zur Erläuterung, ich selbst habe nur telefonischen Kundenkontakt, persönlich allenfalls in vorher bekannten Ausnahmefällen. Allerdings habe ich öfters interne Besprechungen in den heiligen Hallen, wo auch auch Besprechungen mit Kunden stattfinden. Wir könnten uns also am Flur begegnen.

Unser Laden hat einige Tausend Mitarbeiter, Konzernweit (multinational) sind es fünfstellig. Da bin ich mit meinem 23-köpfigen Team sowieso ein sehr kleines Licht. Die Veröffentlichung kommt vom Konzern, so was macht der Gesamtbetriebsrat zusammen mit der Arbeitsrechtsfraktion der Rechtsabteilung. Sollte also schon Hand und Fuß haben, insofern bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es nicht das primäre Ziel ist, Anzugpflicht in Büros durchzusetzen. Trotzdem klingt der Text reichlich bedrohlich.

Personenstandsänderung kommt für mich als CD/TzF nicht in Frage.

Ich werde mich wie üblich unterm Radar halten und das Ding einfach unterschreiben. Das meiste wird ja doch nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Ulrike-Marisa
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2642
Registriert: Mo 21. Mai 2012, 13:58
Geschlecht: transsexuell
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: 248**
Hat sich bedankt: 507 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 553 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 10 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Do 14. Feb 2019, 14:48

Hallo Svenja,

...das hätte ich wohl auch so gemacht; Freiräume suchen, erhalten und nutzen, kann ich da nur aus eigener Erfahrung sagen. :wink:

Gruß, Ulrike-Marisa

MichiWell
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3613
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1943 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2578 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 11 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 14. Feb 2019, 23:33

evacampelli hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 12:57
Die Passagen deuten doch ziemlich klar aus um was es geht: Korruptions- und Betrugsvermeidung! (Dieselgate läßt grüßen)
Hallo Eva,

sorry, aber ich sehe das ein wenig anders. Aus den aufgeführten Gemeinplätzen ("externe Aktivitäten", "persönliche Interessen", "einen Konflikt oder den Anschein" etc.) kann ich keinen ausschließlichen Bezug zu Korruption und Betrug erkennen. Für mein Empfinden hat man sich da Gummiparagraphen geschaffen, die sich im Bedarfsfalle weit bis in das Privatleben/Freizeit der Mitarbeiter ausdehnen lassen.

In wie weit das mit dem Arbeits- und Zivilrecht vereinbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenn es doch so weit gekommen ist, wird man erst mal Gerichte bemühen, und viel Zeit und Nerven aufwenden müssen, um zu seinem Recht zu kommen. Der Arbeitsplatz und das Umfeld, in dem man sich vielleicht viele Jahre sehr wohl gefühlt hat, und was unter Umständen das Leben bis zur Rente gesichert hätte, ist dann wohl in jedem Falle futsch.

Ich kann Svenja da sehr gut verstehen, dass sie große Bedenken hat.


Beste Grüße
Michi
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Rabea-Marie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 235
Registriert: Do 10. Aug 2017, 00:49
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 209 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 384 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 12 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Fr 15. Feb 2019, 07:54

Hallo Svenja!

Im Zuge meiner Weiterbildung hatte ich unter anderem auch das Prüfungsfach Arbeitsrecht.
Daher, es stimmt die Firma kann eine Kleiderordnung erlassen. Als Beispiel: Männer = Anzüge, Frauen = Kostüm. Gibt es sowas? Wenn ja, müssen sich alle daran halten und wer dies nicht tut kann abgemahnt werden.

Des weiteren, ist es im Prinzip egal was du unterschreibst. Ein Arbeitsvertrag, eine Verordnung oder was sonst alles gibt darf nicht gegen Gesetze verstoßen oder sind bei rechtswidrigkeit ungültig, ob nun von dir unterschrieben oder nicht.

Als Beispiel: Eine junge Frau unterschreibt einen Arbeitsvertrag in dem steht dass sie, falls sie schwanger werden würde und somit auf der Arbeit ausfällt, gekündigt werden kann. Dies ist natürlich rechtswidrig und somit ungültig. Statt gekündigt zu werden steht ihr nämlich laut Gesetz ein erhöhter Kündigungsschutz zu.

Egal was man unterschreibt, dies kann niemals über geltenden Gesetzen stehen.

Problematisch ist bei solchen Dingen allerdings immer dass dies dann auch oft mit einer Klage verbunden ist. Heißt, mit dem Gesetz drohen reicht nicht, du musst dies auch vor Gericht einklagen.
Ein weiterer Stein der uns hier der Gesetzgeber in den Weg legt Ist, selbst bei gewonnenen Verfahren sind Verfahrenskosten im Arbeitsrecht in der ersten Instanz immer selbst zu zahlen.

Hast du Beispielsweise eine der mögliche Diagnosen für unsere Fälle von einem Arzt bestätigt, gibt es da genug Gesetze die dich schützen.

Allerdings muss man auch dazu sagen dass die Möglichkeiten eines Arbeitgebers vielseitig sind.
Stört ihn das Kleid und kriegt dich deshalb nicht dran, findet man was anderes... Privates Handy am Arbeitsplatz geladen? Strom geklaut, Kündigungsgrund.

Bei der Größe deiner Firma solltest du dich mal über eine Anti Diskriminierungstelle oder sowas wie einen Diversity Council informieren und das Gespräch suchen.

Ich würde in deinem Fall mit dem Wisch zum nächsten Verantwortlichen laufen, der dir auch etwas vertraut ist, und fragen: "Betrifft das mich?"

LG Rabea

Jasmine
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2333
Registriert: Di 16. Jul 2013, 08:25
Geschlecht: TS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Bayern
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 2510 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1461 Mal
Gender:

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 13 im Thema

Beitrag von Jasmine » Fr 15. Feb 2019, 10:25

sbsr hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 12:38
Im Grunde geht es darin um gängige Gesellschaftliche Werte wie Umweltschutz, Geheimhaltung, Verhalten gegenüber Medien und Äußerungen in sozialen Netzwerken, und solche Dinge. Einige Absätze, vor allem in Kombination, stoßen mir allerdings etwas auf.

Auszugsweise heißt es
Ein "Interessenskonflikt" würde eine Situation bedeuten, bei der externe Aktivitäten oder persönliche Interessen einen Konflikt oder den Anschein eines Konflikts mit den Verpflichtungen gegenüber [Firma] darstellen. Ein Interessenskonflikt entsteht daher, wenn persönliche Interessen einer [Firma] repräsentierenden Person oder die Interessen eines Dritten mit den Interessen von [Firma] in Wettbewerb stehen. In einer solchen Situation kann es für diese Person schwierig werden, vollkommen im besten Interesse von [Firma] zu handeln.
...
Jede [Firma] Repräsentierende Person muss danach streben, Interessenkonflikte zu vermeiden, und es wird von ihr erwartet, im besten Interesse von [Firma] zu handeln. Sogar der Anschein eines Konflikts kann dem Ruf der Person und/oder [Firma] schaden. Daher hat jede Person freiwillig alle Situationen in Bezug auf einen Interessenkonflikt aufzudecken, somit wie sie davon erfährt.
Sehe ich das ganze nur überdramatisch, oder wie empfindet Ihr ein solches Schreiben?
Ich weiss ja nicht wie gross diese Firma ist, allerdings solch ein Schreiben insbesondere wenn der Arbeitgeber die Unterschrift verlangt halte ich für wichtig, weil hier meiner Meinung nach mit Folgen gedroht wird.

Liebe Grüße Jasmine
Ich bin wie ich bin --- Ich lebe meinen Traum

Frieda
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 889
Registriert: Mo 27. Aug 2018, 15:57
Geschlecht: Bio-Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 1604 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1280 Mal

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 14 im Thema

Beitrag von Frieda » Fr 15. Feb 2019, 10:36

Zu deiner Frage liebe Jasmine ..
Jasmine hat geschrieben:
Fr 15. Feb 2019, 10:25
Ich weiss ja nicht wie gross diese Firma ist, allerdings solch ein Schreiben insbesondere wenn der Arbeitgeber die Unterschrift verlangt halte ich für wichtig, weil hier meiner Meinung nach mit Folgen gedroht wird.
Svenja selbst schrieb darüber ...
sbsr hat geschrieben:
Do 14. Feb 2019, 14:20
Unser Laden hat einige Tausend Mitarbeiter, Konzernweit (multinational) sind es fünfstellig. Da bin ich mit meinem 23-köpfigen Team sowieso ein sehr kleines Licht. Die Veröffentlichung kommt vom Konzern, so was macht der Gesamtbetriebsrat zusammen mit der Arbeitsrechtsfraktion der Rechtsabteilung. Sollte also schon Hand und Fuß haben, insofern bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es nicht das primäre Ziel ist, Anzugpflicht in Büros durchzusetzen. Trotzdem klingt der Text reichlich bedrohlich.

Mit lieben Grüßen Frieda.
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*

Jasmine
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2333
Registriert: Di 16. Jul 2013, 08:25
Geschlecht: TS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Bayern
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 2510 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1461 Mal
Gender:

Re: Diskriminierung durch Verhaltenskodex?

Post 15 im Thema

Beitrag von Jasmine » Fr 15. Feb 2019, 10:44

Frieda hat geschrieben:
Fr 15. Feb 2019, 10:36
Zu deiner Frage liebe Jasmine ..
Ich hatte auf den ersten Post geantwortet, ich las erst später den nachfolgenden Post.
Aber danke und liebe Grüße Jasmine
Ich bin wie ich bin --- Ich lebe meinen Traum

Antworten

Zurück zu „Rechtliches“