Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?
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SusaneB
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Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 1 im Thema

Beitrag von SusaneB » So 13. Dez 2015, 17:01

Hallo ihr Lieben,

normalerweise wollt ich hier nicht, den doch recht schweren Teil des doch so lebensbejarenden Forum einweihen.
Aber nach vielen gelesenen Beiträgen und noch mehr schönen Gesprächen mit den Userinnen, ist es mir ein Bedürfnis auch mal einen Teil des Lebens anzusprechen den irgendwann jeden mal trifft.
Es geht mir um den Tod eines geliebten Menschens, wer kennt es nicht das gerade diese Menschen viel zu früh abberufen werden, dieses Loch und das Gefühl das ein Teil von sich selbst mitgestorben ist.

In meinen Fall war es mein bester Freund der mit 36 Jahren an einem Herzinfakt verstarb und ich trotz sofortiger Reanimation nichts mehr für ihn tun konnte.
Ich bin seit dem Tag nicht mehr in der Lage seiner Familie in die Augen zuschauen. Habe mich auch total von allem abgewendet seither.
2 mal im Monat besuche ich ihn in einem Friedwald und vergiesse meine Tränen beim Gedanken daran das er nicht mehr da ist für uns alle.
Ich bin Partenonkel von seinem Sohn, hab den Kleinen aber seit der Beerdigung nicht mehr gesehen, jede Kontaktaufnahme seiner Frau geh ich aus dem weg, weil ich mich nicht damit auseinandere setzten kann, was damals passiert ist. Ich finde es selber etwas egoistisch von mir aber der erste Gedanke nach dem aufwachen ist bei ihm und der letzte Gedanke meistens auch.
Die Bilder dieses Tages bekomme ich bis heute nicht aus dem Kopf und das sind nun 4 Jahre vergangen.
Der Notarzt hat mir zwar bestätigt das ich alles richtig gemacht habe und seine Familie hat es mir auch bestätigt, aber ich für mich stelle mir immer noch die Frage ob es vll anders gelaufen wäre wen ich 5 minuten früher da gewesen wäre, wen ich direkt nach seiner sms losgefahren wäre in der zwar nur stand " ich habe auf einmal so starke Rückenschmerzen bekommen, ich leg mich hin ".
Als ich dann angekommen bin und keiner öffnete bin ich auf den Balkon geklettert und hab ihn auf seinem Bett liegend gefunden, also überalle geklingelt um jemanden zu alamieren und die Haustür aufzubekommen, als diese auf war die Wohnungtür eingetretten ihn aus dem bett gezogen auf den boden und angefangen zu reanimieren. Nach 6-7 Minuten machte er noch einmal die Augen auf und sah mich direkt an, schloss sie wieder und kolabierte ein weiteres mal, in dem Moment kam dann der alamierte Notarzt und übernahm die erneute Reanimation aber dann ohne Erfolg .
Ich bin dann raus aus der Wohnung und habe mich auf eine Bank gesetzt die da Stand und das übliche Prozedere über mich ergehen lassen. Dann bat mich einer der Polizeibeamten ob ich nicht seine Eltern Informieren können, diese waren gerade Essen und nicht sofort erreichbar, also wollte die Polizei dieses übernehmen.
Dann warte mich der Poliziebeamte das der Vermieter auf mich zurück kommen könnte wegen der eingetrettenen Tür, ich sagte ihm das ich gut versicher wäre und falls die es nicht decken würde ich da für aufkomme.
Ich habe mich selber über meine Abgeklärtheit in diesem Moment gewundert.
Ich rief meinen Eltern an um ihnen zu berichten was geschehen ist und bin dann nach Hause gefahren.
Bis zu dem Moment habe ich nichts gespürt keine Trauer, keine Verzweiflung, keine Wut , rein garnix.
Erst auf seiner Beerdigung, die durch die Untersuchung der Ursache, 2 Wochen später war ist es aus mir rausgebrochen.
Ich habe geweint wie ein kleines Kind (bei dem Gedanken daran rollen die Tränen ).
Seit dem Tag habe ich das Gefühl es fehlt was in meinem Leben was mir auch keiner zurückgeben kann, egal wie viel Liebe, Zuspruch und Verständnis seine Familie mir entgegen bringt.
Ich selber frage mich immer warum ich gerade ihn nicht Retten konnte, wobei ich es schon 2 mal bei wildfremden Menschen hinbekommen habe.
Was ich daraus gelernt habe ist das jede noch so Grosse Bemühung immer auch mit einem Scheitern enden kann.

Ich wollte mal diesen Weg gehen um endlich mal diesen Teil meines Lebens auszusprechen, was ich bis jetzt nei getan habe.
Falls sich wer fragt warum ich gerade den Weg über dieses Forum gewählt habe, dem seih gesagt das ich festgestellt habe das es hier Menschen gibt die sehr emotional und gefühlvoll sind und dieses auch mit anderen Teilen mögen.
Dafür möchte ich mich bei den Menschen mit den ich bis jetzt Kontakt haben durfte bedanken und freue mich weiter liebe Menschen kennen zu lernen.

Also auf einen neuen, besseren und lebensbejarende Lebensabschnitt

Gruss Susane

Ps.: Rechtschreibfehler und Gramatik ignorieren, habe drauf los geschrieben was mir in den Sinn kam und nicht noch mal gegengelesen, sonst wäre nix vom text mehr da

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 2 im Thema

Beitrag von Kelly » So 13. Dez 2015, 17:16

Hallo Susane
Fühl Dich gedrückt,beim lesen Deines Berichtes sind auch mir die Tränen runtergelaufen(ja ich bin auch sehr emotional) da ich Deinen Bericht in ähnlicher Weise auch schon erlebt habe.Es tut mir sehr leid was Du erlebt hast.Ich persönlich finde es wichtig seine Emotionen nicht zu verstecken und zu unterdrücken was ich selber viel zu lange getan habe.
"Also auf zu einem neuen,besseren und lebebensbejaenden Lebensabschnitt" ist auch meine Meinung
Liebe Grüße
Kelly

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 3 im Thema

Beitrag von Brigitta » So 13. Dez 2015, 18:59

Hallo Susane,

es tut mir sehr, sehr leid für Dich, was Du erlebt und offenbar auch heute noch nicht überwunden hast.
Ist ja auch schwer, damit umzugehen, und dann noch der beste Freund, ohne dass Du etwas für ihn tun konntest ...

Ich kann Dir leider keinen Rat geben, wie Du aus dieser gefühlsmäßig schwierigen Situation heraus kommst.
Habe selbst den Tod eines mir nahe stehenden Menschen so noch nicht erfahren.
Aber eines solltest Du auf jeden Fall machen - und zwar den Kontakt zu Deinem Patenkind wieder aufnehmen!
Auch wenn der Kleine noch seine Mutter hat, so ist es doch gerade die Beziehung als Patenonkel,
die Dich verpflichtet, Dich um ihn zu kümmern. Vielleicht hilft Dir das sogar am Ende, die seelische Belastung
loszuwerden, die noch auf Dir liegt. Denk daran, dass der Vater in seinem Sohn gewissermaßen weiterlebt!

Ich würde Dir gern mehr Worte des Trostes und der Ermunterung sagen, aber mir fehlen diese leider ...

Liebe Grüße
Brigitta ))):s
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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 4 im Thema

Beitrag von Joanna » So 13. Dez 2015, 19:31

Hallo Susane,
deine Geschichte ist erschütternd. Gut dass du damit angefangen hast, es aufzuarbeiten. Wenigstens in diesem Forum. Gewiss triffst du hier auf Mitgefühl und verständnisvolle Freundinnen. Mich eingeschlossen. Aber wirklich helfen ´kann ich dir leider auch nicht.

liebe Grüße Joanna
Wenn die äußere Form nicht dem entspricht, was wahrhaft in ihr steckt. dann bedarf es sichtbaren Veränderungen.
Here I am!!!

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » So 13. Dez 2015, 19:59

Liebe Susane,

eine erschütternde Geschichte. Ich kann nachempfinden, wie Du Dich damals gefühlt hast und was es für ein Schock war. 2007 lag meine Frau morgens tot im Bett, zwei Tage nach ihrem 42. Geburtstag. Von heute auf morgen war ich alleinerziehend mit 2 Kindern (8 und 10 damals). Ich möchte Dich dringend bitten, wieder Kontakt zu der Familie und insbesondere zu dem Kleinen und seiner Mama aufzunehmen. Ich bin fast sicher, das Du es nicht bereuen wirst und Dein verstorbener Freund würde es wohl auch gerne sehen.

Es gibt gewisse Situationen im Leben, mit denen kommt man alleine nicht klar und Gespräche sind in solchen Fällen sooo unendlich wichtig. Weiterhin würde ich Dir vorschlagen, Dich ggfs. in professionelle Hände zu begeben (Stichwort: Trauerbewältigung). Mir und den Kindern hat es seinerzeit auch etwas geholfen.

Alles Liebe und viel Kraft

Michelle
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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 6 im Thema

Beitrag von Katrin-Doris » So 13. Dez 2015, 20:17

Hallo Susanne,

auch ich habe deine Geschichte, oder sagt man Erlebnisse mit einigen Tränen gelesen.
Du hast etwas erlebt, dass vermutlich bei jedem Menschen Selbstzweifel und Fragen
hervorrufen würden.
Ich glaube, du hast auf jeden Fall richtig gehandelt und das Schicksal deines Bekannten, oder anders
ausgedrückt, der Lebensweg war zu Ende. So etwas ist immer traurig, egal wie alt ein Mensch ist,
weil es plötzlich und unerwartet kommt.
Die Aufarbeitung für dich ist nicht einfach,weil dich unberechtigte Selbstzweifel quälen,
aber helfen kann ich dir leider auch nicht.

Mein Mitgefühl hast du auf jeden Fall und irgendwann geht auch für Dich wieder die Sonne auf
und diese Schatten verschwinden. Reden oder auch Schreiben hilft dabei ungemein...

Das wünsche ich dir von Herzen

Katrin-Doris
:::Katrin, manchmal zickig, aber immer lustig...

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 7 im Thema

Beitrag von HeikeL » So 13. Dez 2015, 21:01

Hallo Susane,
du hast da eine schreckliche Erfahrung machen müssen. Helfen wollen, eigentlich auch helfen können und dann doch zu scheitern. Und dann noch bei einem Menschen, der dir sehr nahe stand. Das ist sehr schwer zu verarbeiten.
Ich könnte dir jetzt von zwei lieben krebsleidenden Menschen berichten, die wir in den letzten Jahren nur noch beim Sterben (zu Hause) begleiten konnten. Wo auch die Frage hochkam: Haben wir alles getan? Oder von dem Schwager, dem die Frau im Ehebett unter den reanimierenden Händen weggestorben ist. Das hilft dir aber nicht weiter.

Führ dir bitte vor Augen, das du da warst, als dein Freund dich brauchte. Du hast alle, dir möglichen Hebel in Bewegung gesetzt und noch die Kraft gefunden ihn zu reanimieren. Du warst bei ihm, als er dich am nötigsten brauchte! Mehr konntest du nicht tun!!!
Nach dem, was du geschrieben hast, hätten die '5 Minuten' auch kein Wunder vollbracht. Und wer kann aufgrund einer SMS, über Rückenschmerzen, sofort auf einen Herzinfarkt schließen? Kein Arzt, ich nicht und du auch nicht.

Das du hier schreibst, ist schon mal ein guter Anfang. Weinen können ist auch wichtig - nichts ist schlimmer als den Kummer und den Schmerz zu vergraben! Wenn du aber emotional so betroffen bist, brauchst du meiner Erfahrung nach Hilfe bei der Aufarbeitung. Denn nach 4 Jahren von Schuldgefühlen und/oder Trauer los zu kommen, kann sehr schwer werden, wenn der Verstand und Gefühl nicht auf einen Nenner zu bringen sind. Du hast dich, meiner Meinung nach, schon viel zu lange gequält.
Du solltest dich nach professioneller Hilfe umsehen. Notfallseelsorger oder Psycholgen (solche, die in Katastrophenfällen auch den Helfern helfen) kannst du bei den örtlichen Rettungsleitstellen erfragen. Und wenn die dir nicht direkt helfen können, so sollten sie dir zumindest weitere Ansprechpartner nennen können. Eventuell können dir auch kirchliche Seelsorger in der Aufarbeitung behilflich sein (Stichwort: Trauerbegleitung).

Bitte versuche weiter, aus diesem emotionalen Tief heraus zu kommen. Dir zu liebe, aber auch deinem Patenkind und seiner Frau zu liebe. Die brauchen dich vermutlich mehr, als du denkst.

Ganz liebe und mitfühlende Grüße - Susi.
Ich bin nicht so stromlinienförmig, wie andere mich gerne haben möchten.

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 8 im Thema

Beitrag von SandY » So 13. Dez 2015, 22:00

Nichts zu machen, das wäre verkehrt gewesen. Du hast als Ersthelfer richtig gehandelt. Wer als Ersthelfer zu Schaden kommt oder selbst Schäden anrichtet, der ist versichert. Das heißt in jedem Bundesland anders, erkundige dich mal!

Der wichtigere Gedankenanstoß kommt von mir zum Schluß, damit er in Erinnerung bleibt: Einen Menschen zu verlieren, das passiert einige Male im Leben. Bei einigen tut es mehr weh als bei anderen, den Tod mancher nimmt man auch einfach nur zu Kenntnis. So, wie eine Begrüßung zum guten Umgang gehört, so gehört auch der Abschied dazu. Dafür sollte man sich Zeit nehmen. Mir half bei Menschen, zu denen ich ein wie auch immer geartetes Verhältnis hatte, ein Verabschiedungsgespräch. Das habe ich mit diesem Menschen allein an seiner letzten Ruhestätte gehalten. Gedanken an schöne Momente, gemeinsame Erlebnisse und bei manchen war es auch das "Danke, daß du für mich da warst!", das nicht fehlen durfte. Damit kann ich mich verabschieden und habe an diese Verabschiedung später auch noch positive Erinnerungen. Sitzen und sich herzhaft ausheulen, das kann unglaublich erleichtern und entlasten. Trotzdem darf das keine Endlosschleife werden, aus der man nicht heraus kommt und die einem die Chance zu einer ehrlichen Verabschiedung nimmt.

Und noch etwas: Über einen, der gegangen ist, spricht man nicht schlecht. Gab es Streitigkeiten, so hätte man sie zu Lebzeiten austragen müssen. Wer gegangen ist, der nimmt auch das mit, was mich möglicherweise an ihm gestört oder gar aufgeregt hat. Damit sind klare Verhältnisse geschaffen und ich habe mental meinen reinen Tisch gemacht.

Lina
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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 9 im Thema

Beitrag von Lina » So 13. Dez 2015, 23:43

@normalerweise wollt ich hier nicht, den doch recht schweren Teil des doch so lebensbejarenden Forum einweihen.

Liebe Susane,
so was gehört auch zum Leben - also wäre das Forum nicht lebensbejahend, wenn man vor so was die Ohren schließen würde.

Es ist schon viel gutes gesagt worden, aber einiges fehlt. Was Wichtiges. Es geht nicht, dass ihr weiter euch selbst und euch gegenseitig quält indem ihr euer Trauer voreinander versteckt. Das ist einfach nicht gut für euch. Ihr habt euch ja gegenseitig nichts vorzuwerfen - du hast alles getan, was überhaupt mit deinen vorhandenen Mitteln möglich war. Auch wenn du teoretisch hättest fünf Minuten da sein können, gab es nichts was dir vorab sagen könnte, dass du das sein solltest.
Du warst aber da, hast richtig reagiert, unmittelbar auch mit der Reanimierung erfolg gehabt, die Profis ran gelassen. Du hast alles getan, was ich mir wünschen würde, dass jemand für mich tun würde in so einer Situation.
Jetzt geht es aber um dich: Rede mit Leuten darüber, die ihn kannten. Wenn geweint wird, dann wird geweint, aber zurücstecken geht einfach nicht. Das kann unmittelbar aussehen als wäre es erfolgreich, aber dann findet der Körper schon einen anderen Weg ...
Ich weiß wie es sich anfühlt und ich habe auch hypnotische Rückführungen mit Klienten gehabt, die ganz alte weggesteckte Trauersituationen erst Jahre später "ausgelebt" haben - nachdem irgendwelche Symptome von physiologischenm Charakter sich gemeldet hatten und beim ersten Anschein nichts mit alten Verlusten zu tun hatten. Abgesehen davon, dass sie eine auffällige Tendenz Symptome ähnlich denen, der Personen, denen sich nicht helfen konnten.

Es gibt schon Gründe weshalb wir alle die folgenden Mechanismen in uns eingebaut haben: Wenn wir ein trauerndes Gesicht sehen, reagieren wir in der Regel reflexiv auch mit trauer, selbst wenn wir die genauen Umstände oder gar die Person nicht mal kennen. Die ersten Menschen hatten keine Sprache - aber es bestand die Notwendigkeit, Trauer mitzuteilen und Trauer zusammen zu erleben. UNd es gibt scheinbar auch eine Art Reflex, sich zurückzuhalten, bis man mit Menschen zusammen ist, die voraussichtlich dasselbe fühlen. Das ist eine ganz natürliche Sache.

Also deshalb nochmals in Kurzorm: Wenn ich der Freund wäre in so einer Situation würde ich mich freuen einen Freund zu haben, der so reagiert wie du. Wirklich.
Es hätte auch klappen können. Tut es in ganz vielen Fällen auch, aber nicht in der Mehrheit der Fälle. Damit hast du deines getan.
Jetzt tue ich, was jemand für dich tun sollte indem ich sage: "Rede mit den anderen Betroffenen darüber."
Wenn du nicht sofort weißt wie oder was du sagen sollst, dann schreib erst mal einen Brief. Ob du den Brief dann tatsächlich abschickst, einen anderen schreibst oder dann doch weißt, was du ihnen sagen willst, das wird sich zeigen.

Vicky_Rose
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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 10 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 14. Dez 2015, 07:31

Hallo Susane,

ich denke, Deine Reaktion ist verständlich und nachvollziehbar. Schwere Verluste brauchen einfach ihre Zeit. Mit 17 habe ich meinen damals besten Freund verloren und letzten Freitag den Sohn meiner Partnerin. Jeder dieser Menschen hat in seinem Freundes- und Verwandtenkreis Spuren hinterlassen und wenn wir uns in diesen Kreisen bewegen, haben wir auch ein klein wenig mit den verlorenen Menschen zu tun. Ich denke auch, dass der Kontakt zur Familie Deines Freundes Dir helfen kann.

Was mich wundert, dass die Geschehnisse bereits 4 Jahre her sind und Du noch immer so massiv davon betroffen bist, dass es Dein Leben beeinträchtigt. Ich denke, es wäre ein guter Gedanke, wenn Du Dich mit einem professionellem Helfer, sei es ein Psychologe oder Seelsorger zusammensetzt, um den Kern Deiner Trauergedanken zu bearbeiten und Du die belastenden Aspekte loslassen kannst.

Alles Liebe
Vicky
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 11 im Thema

Beitrag von lilijana » Mo 14. Dez 2015, 14:30

Hallo Susane,

lass dich von mir ganz arg drücken. Ich kann in etwa nachempfinden wie du dich fühlen musst.
Da deine Frage lautete "Wer hat noch diese Erfahrung gemacht?" möchte ich an dieser Stelle keine Ratschläge erteilen.

Als ich 24 Jahre alt war ist mein Vater gestorben, für mein Empfinden war das für mich viel zu früh. Wenn jetzt 12 Jahre später gleichaltrige mir erzählen was sie für ein tolles Wochenende mit ihrem Vater hatten oder ihr Vater sie unterstützt bei diesem und jenem, dann macht mich das traurig.

Als ich 34 Jahre alt war, hat sich mein bester Freund mit dem ich 22 Jahre befreundet war selbst umgebracht. Manchmal mache ich mir heute Vorwürfe das ich das hätte verhindern können.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft.

Lilijana
Manche Menschen brauchen lange, bis sie geboren wurden.

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 12 im Thema

Beitrag von Jessie » Mo 14. Dez 2015, 20:27

Diese Erfahrung musste ich nicht in der Art machen, aber leider eine Andere.

Kurz vor der Hochzeit dieses Jahres ist mein einziger wirklicher Onkel verstorben.
Er lebte noch bei meiner Oma, weil er schwer krank war. Ich hatte kurze Zeit vorher schon ein komisches Gefühl, einige Zeit später geschah es dann leider.

Das Schlimme an der Geschichte ist, dass es sich ähnlich zu trug, wie bei dir.
Du kannst dir nicht vorstellen, welche Kräfte meine Oma entwickelt hat meinen Onkel zu reanimieren... Dazu muss man sagen, dass es im ersten Stock geschah und meine Oma kaum noch die Treppe hoch kommt.

Das Schlimme daran ist - und deshalb erzähle ich es dir -, dass man sich immer Vorwürfe machen kann.

Mal angenommen: du wärst 5 min früher gewesen, hätte es wirklich was gebracht?
Aus der medizinischen Sicht vielleicht... jedoch wäre es nicht dann auch 5 min früher passiert?

Meine Oma hat sich genau dieselben Vorwürfe gemacht, damit ist aber keinem geholfen.

Bitte fasse dir ein Herz und nimm mit der Familie Kontakt auf und versorge dein Patenkind.
Natürlich ist nun Zeit vergangen und ich hoffe nicht, dass die Familie nachtragend ist. Jedoch musst du dich nicht dafür rechtfertigen, was geschehen ist.

Ich denke, dass natürlich die Frage kommt, warum du nicht da warst all die lange zeit. Wenn du jedoch selber nicht damit klar kamst, sollte auch die Familie darauf Rücksicht nehmen, schließlich bist du die am meisten betroffene Person, weil du letztendlich erste Hilfe geleistet hast, zu meinem Bedauern vergeblich.

Es gibt keine Erfolgsgarantie, aber ich halte es für den falschen Weg sich ab zu kapseln und sein Leid alleine zu tragen.
Denke immer daran: geteiltes leid ist halbes leid!

Solltest du diesen Weg einschlagen, wünsche ich dir viel Erfolg und Seelen heil,
nein, ich bin kein spiritueller Mensch, aber einen Königsweg gibt es nicht...
Ich fühle also bin ich.......

All this mistakes in my posts are just for your happiness, so read and enjoy

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 13 im Thema

Beitrag von Chrissie » Mo 14. Dez 2015, 20:54

Hallo Susanne

Sich zu verkriechen ist der falsche Weg. Das Beste was Du tun kannst ist mit der Familie Deines Freundes immer wieder zu reden. Gemeinsam könnt ihr den Verlust besser aufarbeiten und gerade als Patenonkel wirst Du jetzt ebenfalls besonders gebraucht.
Je mehr Du Dich verkriechst, desto schwerer wird es für Dich die Situation zu verarbeiten und irgendwann auf die Familie zuzugehen.

Denk auch mal an Dein Patenkind, dass hat durch Dein Verkriechen eine zweite Bezugspersonen verloren.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 14 im Thema

Beitrag von Inga » Di 15. Dez 2015, 01:20

Hallo, Susanne,

danken möchte ich dir, dass du deine Geschichte mit uns hier im Forum teilst. Denn "Geteiltes Leid ist halbes Leid." - und allein schon miteinander teilen hilft dir schon ein bischen, die Last, die dich bedrückt, auszuhalten und zu (er)tragen.

Vor mir ist schon so viel geschrieben worden, da möchte ich mich nicht wiederholen. Soviel doch: Ich werde dich und deine Geschichte in Gedanken bewegen und- wenn es dir recht ist - dir und deiner Geschichte eine Kerze anzünden, sie betrachten, wie die Flamme leuchtet, sich im Luftzug bewegt und in das Dunkel drum herum etwas Licht bringt.

Etwas schreiben wollte ich doch noch. Ich glaube, du hast in den Jahren eine zentrale Erfahrung gemacht. Ich glaube, diese von dir persönlich gespürte "Schuld" ist für andere oft nicht so verständlich. Ja, sie versuchen mit Erklärungen dich zu trösten, dir das auf dich liegende Leid zu nehmen, und es wäre so schön, sie würden es schaffen. Und doch schaffen sie es nicht. Es scheint nur einer anderen Kraft, einer Kraft, die nicht von Menschen ausgeht, möglich, diese "Schuld" von dir zu nehmen. Hoffe darauf! Es ist für dich wie ein Weg durch einen Tunnel. Mitten drin weißt du nicht wie lang er ist. Du weißt nur, es ist um dich dunkel, wohin du blickst. Und doch ist irgendwann ein Licht zu sehen, zuerst nur ein zarter Schimmer, dann wird es größer und größer,je näher du kommst. Trotz aller Dunkelheit um dich herum und hinter dir. Und irgendwann trittst du hindurch: Das Ende des Tunnels.

Was du damals erlebt hast, ist ziemlich häufig: Beim eigentlichen Helfen, beim Reanimieren, bei all den Aktivitäten danach und noch Tage danach, ist man erst mal gelassen und nüchtern. Der eigentliche Schock kommt dem Helfer erst später, dann eher unerwartet und unkontrolliert heftig. Für dich die Trauer, die Wut auf dich selber, die Vorwürfe gegen dich selber. Eine "Schuld" die auch von einer Macht wieder von dir genommen wird. Das ist eine Phase - ein Tunnel des Weges, den du durchschreitest und von dem wir nicht wissen, wie lange er ist. Professionelle Begleitung durch Psychologen des Faches, durch einen vertrauenswürdigen Geistlichen und/oder eine Selbsthilfegruppe mit Leuten, die ähnliches erlebt haben oder denen es ähnlich schwer fällt, mögen dich begleiten, den Weg jetzt auszuhalten.

Eine Frage habe ich: Damals bei der Beerdigung, War es etwas ganz Bestimmtes, das dich im wahrsten Sinne des Wortes "aus der Fassung" der Gelassenheit der ersten Tage brachte?

Ich wünsche dir eine gute Nacht.

Liebe Grüße
Inga

helgafemin
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Re: Wer hat noch diese Erfahrung gemacht ?

Post 15 im Thema

Beitrag von helgafemin » Di 15. Dez 2015, 13:10

Hallo Susanne,

schöner als Inga kann man es nicht ausdrücken. Da kann ich mich nur anschließen.

Wichtig finde ich, dass du dich von deinen Schuldgefühlen befreien kannst und deine Ruhe wieder findest. Nach so langer Zeit wirst zu dazu - neben dem Forum, das dein Leid teilt - wohl auch professionelle Hilfe brauchen. Solche Hilfe bekommen auch die Helfer von Feuerwehr und Rettungsdiensten, wenn sie nach bestimmten Einsatzsituationen nicht mehr klar kommen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer das ist. Manche Eindrücke und Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf.

Ebenso wichtig ist, wieder Kontakt mit der Familie deines Freundes, insbesondere mit deinem Patenkind, aufzunehmen. Möglicherweise warten sie nur darauf, sich mit dir auszusprechen und dabei selbst Trost zu finden.

Trost solltest du auch darin finden, dass dein Freund nach deiner Reanimation noch einmal die Augen öffnete und dich ansah. Meinst Du nicht, dass dies ein Dank und Abschied deines Freundes gewesen sein könnte in dem Glauben an ein Wiedersehen? Dies ist nicht jedem vergönnt.

Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem weiteren Lebensweg.


Liebe Grüße

Helga

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