Mein Sohn im Kleid
Mein Sohn im Kleid - # 3

Forumbereich für Kinder und Jugendliche, die sich als transsexuell oder transidentisch beschreiben und deren Eltern.
Hilfe bei Outing, Schulalltag und Zeugnisgestaltung, Umgang mit Eltern und Geschwistern
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Anja
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 31 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Petra Sofie hat geschrieben: Mo 6. Jan 2020, 05:15 Ich denke, da solltet ihr Beide mit den Lehrern in aller Ruhe ein klärendes Gespräch führen. Damit dein Kind sich in Ruhe entwickeln kann.
Hä? Die Lehrer haben damit doch nichts zu tun. Er macht sich Sorgen wegen der anderen Kinder.... Das war übrigens auch schon in der Kita so. Momentan scheut er die Auseinandersetzung, was ich gut nachvollziehen kann.
In einigen Verhaltensweisen sind mir schon ziemliche Ähnlichkeiten zu mir aufgefallen. Anscheinend hat er etwas von meiner Hochsensiblität abbekommen. In welchem Ausmaß wird sich zeigen.
Er darf sein wie er sein möchte. Und wenn er die Zöpfe lieber nicht in der Schule tragen möchte, dann ist das seine Entscheidung.
Ich wollte ihn nur darüber aufklären, das ihn ein Zopf keinesfalls zum Mädchen macht.

Grüße
die Anja
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Vincent
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 32 im Thema

Beitrag von Vincent »

Mittlerweile ist es ruhig geworden um das Thema (das für uns eigentlich nie eines war).
Wer meinen Sohn kennt sagt er, wer nicht sagt sie. Einfach aufgrund des Aussehens.
Für ihn ist das gleichbedeutend und sein Spitzname, mit dem er sich immer vorstellt ist schon immer genderneutral.

Gestern gab es aber eine Situation die mich beeindruckt hat:

Es war lange ruhig, verdächtig ruhig als meine Jungs in ihren Zimmern spielten, irgendwann hab ich nachgesehen:

Beide saßen zusammen mit in paar Blöcken in einem Haufen von Stoffen aus meinem Nähzimmer und waren wie wild am Zeichnen.
Auf meine Frage was das wird kam die Antwort:

"Wir entwerfen gerade ein tolles Kleid für 'Sohn2'. Du muss es dann zusammennähen, Papa!"
Ich bin gespannt, was dabei herauskommt, meine Unterstützung haben die beiden.
(he)
Und sie sind auch heute immer noch dran (ap)
LG

Vincent
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 33 im Thema

Beitrag von Vincent »

Das Thema ist jetzt schon zwei Jahre alt, und mein Sohn entsprechen älter.
Geändert hat sich nicht viel, seine Haare sind nach wie vor lang und er wird immer noch für ein Mädchen gehalten.
Die Kleider in seinem Schrank zieht er nicht mehr an, weggeben dürfen wir sie aber keinesfalls.
Nach dem Grund habe ich ihn kürzlich gefragt und eine insgesamt sehr klare Antwort zu seiner Befindlichkeit erhalten, die so vor zwei Jahren aufgrund des Alters nicht möglich war und, die mich irgendwie betroffen gemacht hat.
Er sieht sich als Junge, will auch nichts anderes sein.
Die Kleider liebt er eigentlich aufgrund von Farben, Form und Bequemlichkeit, will sie aber nicht mehr tragen, weil die Leute oft so komisch nachfragen (offensichtlich in Richtung TS wenn ich das richtig interpretieren konnte).
Wirklich zu denken gab mir die Aussage, dass er es bevorzugt für ein Mädchen gehalten zu werden und auch teilweise von den Leuten die ihn kennen, eher wie ein Mädchen behandelt zu werden, weil die Leute netter, sanfter und fürsorglicher zu ihm wären, als wenn sie ihn für einen Jungen halten.

Selbst habe ich das einmal mitbekommen, als ich mit beiden Jungs beim Zahnarzt war: Selbe Ärztin, selbe Helferin, selber Tag, nur „sie“ wurde merklich liebevoller behandelt, als der Bruder.
Dass einem 8 Jährigen sowas bewusst wird und daraus so tief durchdachte Konsequenzen zieht, finde ich beklemmend.
LG

Vincent
Jaddy
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 34 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Das ist wirklich sehr heftig, bestätigt meine Erfahrung, seit ich gelegentlich weiblich eingeschätzt werde. Ich hoffe, dass Dein Kind im Leben diese misshandelnde Härte gegen Jungs und Männer vermeiden kann.
Momo58
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 35 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Australische Wissenschaftler haben im Jahr 2010 herausgefunden, dass Transidentität nicht nur von sozialen Faktoren abhängig ist, sondern genetisch bedingt ist. In manchen Fällen ist das Geschlechtsgen länger als bei heterosexuellen Menschen. Deshalb kann es sein, dass Transidentität vererblich ist. Wenn dein Sohn lieber ein Mädchen ist und der Lehrerin ein typisch weibliches Verhalten aufgefallen ist, dann ist es deine Aufgabe, deinen Sohn entgegen aller gesellschaftlicher Konventionen zu unterstützen.
Einer echten Transidentität geht in vielen Fällen eine geschlechtliche oder sexuelle Vielfalt in der vorherigen Generation voraus.

Ein Problem wird in der Schule spätestens im pubertären Alter auftreten, wenn massives Mobbing dazu kommt. Auch bei der Berufswahl wird es schwieriger.

Das Verhalten deines Sohnes erinnert mich an meine eigene Kindheit. Ich habe verstanden, dass ich ein Mädchen bin, konnte es als Kind aber nicht so deutlich rüber bringen. Dein Sohn kann stolz auf dich sein. Ich hatte leider nicht so viel Glück mit meinem Vater.

Liebe Grüße
Manuela
Die Vergangenheit ist meine Wurzel, der Stängel ist die Gegenwart, die Zukunft ist die Blüte
Anne-Mette
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 36 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Vincebt hat allerdings geschrieben:
Vincent hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 16:10 Er sieht sich als Junge, will auch nichts anderes sein.
Ulrike-Marisa
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 37 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...bei mir gab es anno ca. 1963 noch mächtig Krach, als ich mit einer Freundin bei ihr zu Hause Kleidungstausch spielerisch gemacht habe, Ihre Mutter sah uns und sie erzählte es meiner Mutter mit der Folge, dass ich eine gesalzene Abreibung bekam von wegen, dass das nicht ginge und überhaupt. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter es eigentlich hätte besser wissen müssen als gelernte Kindergärtnerin und nach Berichten aus dem Kindergarten über mich. Aber so war es in der damaligen Zeit. Ich denke, wir hätten da heute möglicherweise etwas vorsichtiger reagiert, wenn unsere Kinder so etwas gemacht hätten. Nun es war so nicht, auch gut.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
Helga
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 38 im Thema

Beitrag von Helga »

Vincent hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 16:10 Die Kleider liebt er eigentlich aufgrund von Farben, Form und Bequemlichkeit
klingt nach einem typischen Crossdresser...
Ein Riesenlob an dich und deine Frau. So sollte es eigentlich sein. Ein Kind kann sich allen Konventionen und Gerede zum Trotz einfach mal ausprobieren ohne dabei irgendwelche Sanktionen befürchten zu müssen, aber auch ohne dass jemand überreagiert und Pubertätsblocker ins Spiel bringt.
So kann eine Generation entstehen, die sehr viel unverkrampfter mit Geschlechterzugehörigkeit, Geschlechterrollen und Geschlechterklischees umgeht.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 39 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Helga hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 22:36klingt nach einem typischen Crossdresser...
Ach, zusammen mit dem anders und besser behandelt werden könnte das auch femboy, demiboy, genderqueer, agender werden, oder welche tollen Label sich da noch finden werden in der Zukunft. Oder einfach eine Phase oder ein Aspekt im Leben.

Ich sehe bereits bei vielen jüngeren trans und_oder nicht-binären Menschen trotz der ganzen Labelvielfalt genau die Unverkrampftheit, die Du beschreibst. Ein deutlich flexibleres und stufenloseres Verhältnis zu den Geschlechtsdimensionen als "CD/TV/TS". Bei allen Problemen mit sich und den Erwartungen der Umgebung, die viele haben, ist diese gewisse Lockerheit inzwischen häufiger, sich nicht ein für alle Mal irgendwo festlegen zu müssen, geschweige denn in genau eine von zwei (oder drei) Kategorien.
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 40 im Thema

Beitrag von Elizabeth »

meine Mutter hat 1974 nen BH bei mir gefunden und entsorgt: hat auf lange Sicht nix gebracht!
01.01.1975 ist sie verstorben - Krebs. Ich hab es nicht vergessen, aber hab ihr verziehen.
LG Elly
Inga
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Re: Mein Sohn im Kleid

Post 41 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, miteinander,

ich finde, ein Kind mit acht Jahren sollte noch die Chance und Freiheit dürfen, sich individuell zu entwickeln und nicht gleich schubladengerecht in eine vorgefertigte Form anzupassen. Das mag auch mit Zickzackzügen verbunden sein und doch macht es spannend, dabei zu begleiten und im Suchen und Finden des eigenen Weges des Kindes zu unterstützen.

Ach, wenn ich an meine Kinder- und Jugendzeit zurück denke. ich hätte damals gerne die Mädchenkleider im Schrank gehabt, auch wenn ich sie nicht angezogen hätte. Ich hatte es immer humorvoll genossen, wenn ich mit meinen langen Haaren von hinten für ein Mädchen gehalten wurde. Doch damals war ich der festen Üerzeugung zu sein, ein Junge zu sein, vielleicht mit gelegentlichem Traum vom Cross-Dressing, aber vor allem ein Junge.

Das sehe ich heutzutage, Jahrzehnte später, allerdings anders.
Und schöne Kleider, die ich nicht so oft anziehe, weil ich es für unpassend halte, habe ich auch im Schrank. (smili)

Liebe Grüße
Inga
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