Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?
Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Forumbereich für Kinder und Jugendliche, die sich als transsexuell oder transidentisch beschreiben und deren Eltern.
Hilfe bei Outing, Schulalltag und Zeugnisgestaltung, Umgang mit Eltern und Geschwistern
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celticwitch
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Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 1 im Thema

Beitrag von celticwitch » Do 27. Dez 2018, 22:14

Dazu muss ich wohl erklären, das ich selbst nach mehreren glücklosen Beziehungen zu Männern inkl. Ehemann und Scheidung nun seit fast 8 Jahren mit einer Frau zusammenlebe - unsere Umwelt (leben auf dem Dorf) hatte damit schon Probleme, jetzt hat das "Komische" auch noch auf mein Kind "abgefärbt".

-----ich habe vor 18 Jahren einen Sohn geboren, jedenfalls dem biologischen Anschein nach. Nun stellt sich heraus das sie eigentlich eine Tochter ist. Derzeit stehe ich relativ hilflos da und weiß nicht wie ich damit umgehen soll, es passiert mir auch öfter das ich "er" statt "sie" sage.
Die Ausbildung abgebrochen,weil keine Akzeptanz, stehen wir jetzt da und wissen nicht wie es weiter gehen soll - die Umwelt wirft uns komische Blicke zu...und ich fühle mich irgendwie schuldig..

Wem geht es ähnlich, oder habt ihr Erfahrungen wie das überwunden werden kann? Gibt es Bewerbungstraining für Transsexuelle?

Ich bin für jeden Tipp und Austausch dankbar.

LG

Sanny

Elizabeth
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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 2 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Fr 28. Dez 2018, 02:05

die Tochter war schon immer da - bereits bevor Du sie geboren hast!
Daher: kannst nix dafür!
irgendwann kommt das Mädel halt raus: ob ganz oder teilweise, ob mit 4 oder mit 64... - da steckt keiner drin.
Erziehung: "Umerziehungsversuche" bringen GAR NIX (außer Schäden), Link z.B.: https://www.dq-pb.de/
Das Zwillingsexperiment von Money in USA endete letztendlich mit Suizid: sollte man nich wiederholen!
Ausbildung:
Mädels dürfen inzwischen (fast) alles: incl. Kampfeinsatz bei der Bundeswehr: könnt ihr die Ausbildung noch retten?
Vielleicht kann nach einer Intervention von außen (Kammer, Frauenbeauftragte,...?) die Tochter da einsteigen, wo der Sohn rausgedrängt wurde?
u.U. auch in 'nem anderen Betrieb. - Versuch wärs wert!
LG Elly

Frieda
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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 3 im Thema

Beitrag von Frieda » Fr 28. Dez 2018, 02:41

Hallo Sanny, ich möchte dich herzlich in unserem Forum hier begrüßen.😊
Ich finde es richtig und wichtig, dass du dir Rat suchst, in der neuen Situation.

Meinen besten Freund (ein Transmann), lernte ich noch vor seinem Outing kennen. Ich erinnere mich noch an dieses auf und ab mit seiner Mutter. An Telefonate, wo sie mir ihr Leid klagte.
Es drohten die sorgenvollen Gedanken Sie zu zerfressen. Gedanken daran, was Familie und Nachbarn denken und reden werden.
Sehr oft versuchte ich es ihr zu beschreiben wie egoistisch dieses Denken von ihr ist. Und das Sie dieses Denken und dass daraus folgende evtl bewusst falsche handeln, ihrem eigenen Kind schweres Leid zufügen kann ...mehr als Familie und Nachbarn an Leid verursachen könnten.

Ich frage mich gerade Sanny, wie deine Tochter damit umgegangen ist, als sie realisierte, dass du ab sofort eine Partnerin hast und nicht wie die Nachbarn sich evtl wünschen einen Partner?

Das du zu deinem Kind im Moment noch verhäuft "er" sagst anstatt "sie", ist ein Automatismus. Wenn du aber beständig dran bleibst, wird es immer besser.
Ich erinnere mich, wie traurig mein bester Freund deswegen oft war. Seine Mutter konnte den neuen Namen kaum aussprechen.
Um so schöner, war das Weihnachten letzten Jahres für meinen besten Freund ...seine Mutter schenkte ihm einen Kuli und Füller mit dem eingravierten neuen Namen.


Zum Thema Ausbildung, kann ich leider nix sagen.
Ich wünsche dir ehrlich alles Gute.
Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 4 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Fr 28. Dez 2018, 03:08

@Frieda:
Find ich toll, wie die Mutter ihr (neues) Kind akzeptiert hat!
näheres würd ich aber lieber im X-Bereich oder per PN behandeln - es wird halt ziemlich persönlich!
LG Elly

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Fr 28. Dez 2018, 03:56

Hallo celticwitch,

herzlich willkommen hier im Forum. Zunächst mal ist es toll, dass Du zu Deiner Tochter stehst und sie unterstützen möchtest. Das sollte zwar eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber manchmal leider nicht.
Um Dir vielleicht ein paar Anlaufstellen nennen zu können, wäre es ganz hilfreich, zu wissen wo Du herkommst. Zumindest die Region bzw. die nächst größere Stadt.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 6 im Thema

Beitrag von Céline » Fr 28. Dez 2018, 04:37

Hallo Sanny,
Erstmal Herzlich Willkommen hier bei uns.Ich finde es sehr gut das du so zu Deiner Tochter stehst und sie unterstützt.Hilfreich wäre eine Selbsthilfegruppe um einfach mal Kontakt zu Anderen zu bekommen.Eine Lehrstelle/Arbeitsstelle zu bekommen ist auf jeden Fall möglich.Ich selbst arbeite auch nach meinem Outing in der gleichen Firma ohne größere Probleme mittlerweile sogar in einer etwas höheren Position.Unter Umständen ist es in einer größeren Firma leichter als in einem kleinen Betrieb.Ich wohne auch in einem großen Dorf bisher ohne Probleme,ich gehe mit der Thematik aber auch sehr offen um.
Und Vorwürfe darfst Du Dir wirklich nicht machen,Transitentiät ist schließlich keine Krankheit oder ansteckend.Uns gibt es schon immer und mehr als man sich vorstellen kann.
Hilf Deiner Tochter so gut du kannst den es ist und da bin ich ehrlich ein anstrengender Weg.
Wenn du Fragen hast dann stelle sie einfach,hier wirst Du immer ein offenes Ohr finden.Wenn du möchtest kannst Du sie auch per PN stellen
Liebe Grüße
Céline
Man muss wählen
Zwischen Herz und Vernunft.
Ich gehorche dem Herzen.

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 7 im Thema

Beitrag von Joe95 » Fr 28. Dez 2018, 14:15

celticwitch hat geschrieben:
Do 27. Dez 2018, 22:14
...jetzt hat das "Komische" auch noch auf mein Kind "abgefärbt"...
Beides wird man nicht, man wird schon so gebohren. Es kann auch nicht abfärben. Ansteckend ist es auch nicht.
Aber ich denke das weißt du schon, im Gegensatz zu den anderen Dorfbewohnern.

Meine ersten Gedanken sind dass ihr viel Selbstvertrauen braucht und möglichst Kontakt zu Menschen, die euch Akzeptieren.
Ich fürchte gegenüber der Gemeinschaft habt ihr eine Opferrolle, einzig weil ihr anders seid.
Wenn ihr also mit ihnen über das Thema sprecht, dann lieber mit einzellnen Personen als mit der ganzen Gemeinschaft.

Fragen könnt ihr hier was immer ihr wollt und wenn wir helfen können tuen wir das Gerne.
Auch wenn sich jemand blos mal was von der Seele reden will.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 28. Dez 2018, 18:15

Vielleicht sind eine Pause, eventuell Transition und dann ein Neuanfang woanders möglich. Also ohne Menschen im Umfeld, die sie kennen.

Ausserdem gibt es Selbsthilfegruppen, häufig auch dezidiert für junge Menschen in vielen Städten. Und es gibt auch Gruppen für Angehörige. Es lohnt sich häufig, auch etwas weiter zu fahren für eine Gruppe, in der man sich wirklcih wohl fühlt. Adressen findest du hier im Forum unter https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 48#p106248

Vermutlich kommen einige hier auch aus eurer Nähe und können euch Empfehlungen geben. Ich z.B. aus Bremen und nördlich davon.

Oh, und eines noch: Niemand hat Schuld. Einzig und allein wichtig ist, wie ihr gemeinsam damit umgeht.

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 9 im Thema

Beitrag von celticwitch » Sa 29. Dez 2018, 12:10

Danke für eure aufmunternden Worte,
wir kommen aus Niedersachsen, Großraum Hannover. Für Jugendliche gibt es den Andersraum in H, da hat sie aber wohl nicht so gute Erfahrungen gemacht die paar Mal die sie dort war. Jedenfalls will sie nicht darüber sprechen wenn ich frage. Einen Psychologen brauchen wir ja auch noch...habt ihr Erfahrungen mit den sozial psychiatrischen Diensten? Können die da weiterhelfen?

Jetzt hole ich sie erstmal zurück aus Schleswig Holstein ( war dort hin gezogen für die Ausbildung) dann schauen wir hier wie es weiter geht. Die Wohnung läuft schon mal komplett auf mich, mit Bewohner "mein Kind" so sollte die erste Hürde genommen sein.

Jetzt steht die Suche eines neuen Ausbildungsplatzes auf dem Programm, habe gelesen das Bosch z.B. eine eigenes Netzwerk hat um die Zufriedenheit zu fördern und Gleichberechtigung zu garantieren.

Jedenfalls freue ich mich auf Tipps und Infos und werde hier mal fleißig mitlesen um mehr Wissen und Verständnis zu bekommen.

LG

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Re: Aktive Unterstützung - wie mache ich es richtig?

Post 10 im Thema

Beitrag von celticwitch » Sa 29. Dez 2018, 12:18

Ich frage mich gerade Sanny, wie deine Tochter damit umgegangen ist, als sie realisierte, dass du ab sofort eine Partnerin hast und nicht wie die Nachbarn sich evtl wünschen einen Partner?
Das war in der alten Wohnung kein Problem, die direkten Nachbarn und meine Vermieter kannten mich und meine beiden Kinder schon seit Jahren, und meine Frau war vorher mit einer Mutter aus unserer Kindergartengruppe zusammen, so haben wir uns auch kennengelernt. Daher war auch sie nicht unbekannt.

Meine Kinder - Sohn 23 und jetzt Tochter 18 kannten sie vorher auch schon und mochten sie sehr. Daher war das auch kein Problem - da bin ich verwöhnt worden von meinem Umfeld.

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