Nahostkrieg
Nahostkrieg - # 2

Olivia
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Re: Nahostkrieg

Post 16 im Thema

Beitrag von Olivia »

Jaddy hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 15:14 Die Angreifenden, die Regierungen von USA und Israel, haben eine Menge Dreck am Stecken, was heimliche und offene Interventionen angeht; gerade auch bzgl Iran. Dass sie einen freien, demokratischen, selbstbestimmten Iran wollen, glaubt wohl auch kein Mensch.
Hallo Jaddy,
das ist eine bösartige und israelfeindliche Unterstellung, die jeder Grundlage entbehrt. Wenn Du beispielsweise in der "Jüdischen Allgemeinen" verfolgst, was dazu Sache ist, kannst Du so eine Falschbehauptung nicht aufrecht erhalten.
Shalom
Olivia
Anne-Mette
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Re: Nahostkrieg

Post 17 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Olivia hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 15:21 die jeder Grundlage entbehrt.
eigentlich wollte ich hier nichts schreiben, aber es gibt genügend Beispiele dafür, die genannt werden können, ohne "israelfeindlich" zu sein.
Insofern wäre ich sehr vorsichtig mit Begriffen wie "jeder Grundlage entbehren".
Das Verhalten hat seine Gründe - das Verhalten der Gegenseite auch.

Nur mal ein kleines Beispiel (1/2024):
Nahost-Krieg UN-Kommissar sieht Anzeichen für Kriegsverbrechen

Die aktuell laufenden kriegerischen Maßnahmen laufen ohne Legitimation!

Es werden sehr viele Menschen getötet oder verletzt - und die Folgen und der Schaden für die gesamte Welt werden unermesslich sein.

Gruß
Anne-Mette
Jaddy
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Re: Nahostkrieg

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Olivia hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 15:21
Jaddy hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 15:14 Die Angreifenden, die Regierungen von USA und Israel, haben eine Menge Dreck am Stecken, was heimliche und offene Interventionen angeht; gerade auch bzgl Iran.
das ist eine bösartige und israelfeindliche Unterstellung, die jeder Grundlage entbehrt. Wenn Du beispielsweise in der "Jüdischen Allgemeinen" verfolgst, was dazu Sache ist, kannst Du so eine Falschbehauptung nicht aufrecht erhalten.
Wie Anne-Mette bereits schrieb, gibt es reichlich Beispiele, wo die israelische Regierung moralisch fragwürdig und teils eindeutig illegal gehandelt hat. Wohlgemerkt: Die israelische Regierung. Das hat nichts mit dem Staat selbst oder den Menschen zu tun. Aber Geheimdienst-Kommandos, die Leute im Ausland töten oder Luftangriffe im Ausland auf einzelne Leute mit eingepreisten "Kollateralschäden" aka Zivilpersonen, alles ohne Rechtstaatlichkeit, sind schon eine Nummer. Wir haben uns über die Gift-Anschläge Russlands in Europa empört? Nunja. Die staatliche Duldung, sogar Unterstützung und der Schutz der "Siedler", die jenseits der Grenzen Menschen vertreiben und töten? Die nachweisliche systematische Zerstörung ziviler Ziele in Gaza? Nachweisliche Folter in israelischen Knästen?

Klar ist auch: Der jetzige Angriff ist rein formal wohl ein völkerrechtswidriger, also illegaler Angriffskrieg, nach den Maßstäben, die die westliche Welt sich so gegeben hat. Auch wenn es gute Gründe gibt, präventiv und so.

Es gibt durchaus Argumente, die israelische Regierung mit anderem Maß zu messen, als beispielsweise Russland, China oder andere, die sich gewaltsam siedlungsmässig in angrenzende Gebiete ausbreiten; Donbass, Tibet. Oder auch Regime, die Gegner*innen im Ausland verfolgen und manchmal töten; Iran, China, Russland, ... Oder gelegentlich Ziele in anderen Ländern bombardieren. Aber dabei sollten wir auch ehrlich mit uns selbst sein. Die einen rechnen wir zu "uns" und tolerieren in gewissem Maße ihre Taten, während wir die anderen als unsere Gegner betrachten und ihre Aktionen verurteilen. In einem so komplexen Konflikt, in dem die Alternative häufig entweder unmoralisches dirty work heisst oder viele eigene Menschenleben zu riskieren, bleibt man in verantwortlicher Position nicht sauber.

Es gibt allerdings auch Aktionen, die ziemlich klar über, ich sag mal: notwendige Grausamkeit hinausgehen. Siehe Siedler, siehe Luftangriffe auf Wohnungen oder Autos in Innenstädten, siehe systematische Zerstörung in Gaza. Und das ist einzelnen Menschen in der israelischen Regierung vorzuwerfen, was übrigens die inner-israelische Opposition auch seit Jahren lautstark tut.

Gleiches lässt sich für die USA durchspielen, für den Iran und für alle Regierungen in der Region. Der Übergang von legitimer Selbstverteidigung zu Staatsterror ist häufig sehr klein und nicht eindeutig und unparteiisch zu bewerten.

Eben kam mir dieses Interview von hpd mit Michael Schmidt-Salomon vorbei. Humanistisch-moralische Betrachtung. https://hpd.de/artikel/friede-mehr-abwe ... rieg-23843
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Re: Nahostkrieg

Post 19 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Jaddy hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 16:51 Wohlgemerkt: Die israelische Regierung. Das hat nichts mit dem Staat selbst oder den Menschen zu tun. Aber Geheimdienst-Kommandos, die Leute im Ausland töten oder Luftangriffe im Ausland auf einzelne Leute mit eingepreisten "Kollateralschäden" aka Zivilpersonen, alles ohne Rechtstaatlichkeit, sind schon eine Nummer.
Stört mich nicht. Als z.B. die Täter des "Schwarzen September" gejagt und...ausgeschaltet wurden hatte Israel Recht. Und ein Staat der seit Anbeginn seiner Existenz im Selbstverteidigungsmodus steckt muß, klar, mit anderen Maßstäben gemessen werden, Die Gegner sind keine Waisenknaben und zu allem entschlossen, also muß man besser, und schneller, sein. Der Kriegsdienst dauert, für Mann UND Frau nicht umsonst 3 Jahre, für Frauen kürzer. Bei Manövern wird, teils, scharfe Munition verwandt.
Wir können von Glück reden das wir, auch dank Mossad-Infos, von schwerwiegenderen Anschlägen verschont wurden. Und wenn Menschen überraschend in den nächsten Safe-Raum oder Bunker auf unbestimmte Zeit verbringen müssen weil es mal wieder Luftalarm geben wird sieht das anders aus in den Köpfen. Können wir von unserem Sofa aus darüber über richtig und falsch philosophieren oder den Stab darüber brechen?
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Nahostkrieg

Post 20 im Thema

Beitrag von conny »

Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 06:20
conny hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 20:50Gutmenschen
Wen meinst Du damit und wie definierst Du diesen Begriff denn ?
Ich meine damit Menschen die davon ausgehen, dass alle Konflikte mit jedem Aggressor gewaltfrei gelöst werden können.
Ok, der Begriff ist vielleicht doch etwas unpassend.
Wally hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 13:55 Eben diese grundlegende Erkenntnis unterscheidet das Neue Testament vom Alten: statt "Auge um Auge" eben mal nicht "zurückschlagen" (wobei ja in einem Krieg jeder Schlag "bloß" ein "Zurückschlagen" ist...), sondern diese Gewaltspirale durchbrechen und dem Feind "auch noch die andere Wange hinhalten". Klingt erst mal naiv, ist aber in aller Regel die EINZIGE Möglichkeit einen Kampf unmittelbar zu beenden: schon zu einem bloßen Waffenstillstand kommt man logischerweise NUR dadurch, dass einer der Kontrahenden mittendrin einfach mal aufhört, "zurückzuschlagen" - in der Hoffnung, dass es der andere dann auch tut.
Das ist m.E. aber ziemlich naiv. Du schreibst selbst "in der Hoffnung". Im Ukrainekrieg wird ein Waffenstillstand abgelehnt, da dieser zu einer Kräfterneuerung genutzt werden könnte.
S. zu dem Thema:
https://www.ekd.de/ekd-ratsvorsitzende- ... -90768.htm
Jaddy hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 15:14 ...werden ihre Angriffe sowohl von Exil-Iraner*innen wie auch inner-iranischen Oppositionskräfte begrüsst. In einem O-Ton sagte eine Opposition-Funktionärin, die Leute fürchteten die Bomben, aber lieber die, als weitere Jahre unter dem Regime. Bleibt also nur zu hoffen, dass es für alle, die weder was dafür können, noch etwas dran ändern können, möglichst glimpflich ausgeht. Auf allen Seiten.
:!: :!: :!:
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Re: Nahostkrieg

Post 21 im Thema

Beitrag von Jaddy »

HeikeCD hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 17:34Stört mich nicht. [...] Können wir von unserem Sofa aus darüber über richtig und falsch philosophieren oder den Stab darüber brechen?
Ich kann nicht sagen, dass es mich nicht stört. Allerdings bin ich auch nicht in der SItuation und betroffen, sondern kann sehr vieles nachvollziehen und enthalte mich deshalb bei Konfliktthemen in der Region in der Regel jeglichen schwarz-weiss-Urteils. Keine Seite ist da nur "gut" oder nur "böse", wie immer das auch abhängig von der persönlichen Geschichte definiert sein mag. Viele Menschen leiden auf allen Seiten. Andere meinen, mit der "richtigen" und natürlich "gerechtfertigten" Gewalt irgendwas ein für alle mal lösen zu können. Andere kochen ihr persönliches Macht- oder Profit-Süppchen. Alle haben ihre eigenen, herkunfts-gefärbten Fragmente und Erzählungen aus füntausend Jahren Geschichte im Kopf. Ich wollte nur deutlich machen, dass es auch auf der Seite der vorgeblich guten, demokratischen und gerechten, einiges zu kritisieren gibt, und das nicht bedeutet, einen ganzen Staat oder seine Menschen in Frage zu stellen. Stichwort Ambiguitätstoleranz :)
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Re: Nahostkrieg

Post 22 im Thema

Beitrag von Lina »

conny hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 20:50
missy hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 17:53 Alle Toten auf beiden Seiten haben Eltern, viele haben Frauen, Kinder, Geschwister, überhaupt Familie ...
Nur mal so:
Auch die im Iran gefolterten und getöteten zehntausende Demonstranten haben diese.
Auch Ärzte die den Verwundeten unter Gefahr des eigenen Lebens geholfen haben, haben diese.
Auch die Opfer der von Iran initiierten Terroranschläge auch bei uns haben diese.
Auch die Opfer der vom Iran finanzierten Hamas haben diese.
Die Vernichtung Israels als Staatsziel, verbunden mit der bereits weitgehend fortgeschrittenen Möglichkeit des Atomwaffenbaus.
Alles egal?
Michi hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 19:09 ... Machtmenschen, ohne den geringsten Funken Empathie!
Da ist das Regime im Iran gaaaanz vorne mit dabei.

Ich habe nicht die Hoffnung, dass Gutmenschen eine gute Welt schaffen, wenn sie nicht bereit sind, das Böse zu bekämpen.

Was hat das alles mit der Sache zu tun, ob das "egal" ist? Meinst du, dass Missil- und Luftangriffe daran was ändern werden? Falls so, wie?
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Re: Nahostkrieg

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Ohne "einen Blick zurück" werden wir nicht zurechtkommen und uns nur mit der Situation im Jetzt beschäftigen.

Es wird sich lohnen, verschiedene Quellen zu nutzen; ich fange mit einer an.

Die Geschichte Israels
https://www.lpb-bw.de/geschichte-israels

Ich hoffe, das Thema bleibt friedlich und respektvoll (pea)
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Re: Nahostkrieg

Post 24 im Thema

Beitrag von conny »

@Lina
Wie es i.S. einer Chancen-Risikobeurteilung ausgehen könnte vermag ich, wie jede(r) hier, nicht einzuschätzen.
Wally
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Re: Nahostkrieg

Post 25 im Thema

Beitrag von Wally »

conny hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 17:47
Wally hat geschrieben: Mo 2. Mär 2026, 13:55 Eben diese grundlegende Erkenntnis unterscheidet das Neue Testament vom Alten: statt "Auge um Auge" eben mal nicht "zurückschlagen" (wobei ja in einem Krieg jeder Schlag "bloß" ein "Zurückschlagen" ist...), sondern diese Gewaltspirale durchbrechen und dem Feind "auch noch die andere Wange hinhalten". Klingt erst mal naiv, ist aber in aller Regel die EINZIGE Möglichkeit einen Kampf unmittelbar zu beenden: schon zu einem bloßen Waffenstillstand kommt man logischerweise NUR dadurch, dass einer der Kontrahenden mittendrin einfach mal aufhört, "zurückzuschlagen" - in der Hoffnung, dass es der andere dann auch tut.
Das ist m.E. aber ziemlich naiv. Du schreibst selbst "in der Hoffnung". (...)
Natürlich "nur" Hoffnung; das kann auch schiefgehen. Es kann passieren, dass ich erst richtig in die Fresse kriege, sobald ich aufhöre, "zurückzuschlagen". Dieses Risiko muss ich eingehen, wenn ich einen akuten Kampf beenden will. Frieden kriegt man in einem akuten Kampf nicht umsonst, man muss dafür - und damit - in Vorleistung treten. Frieden schließen erfordert deshalb zuallererst Mut: sogar mehr Mut, als weiter zu kämpfen! "Feigheit vor dem Feind" beweist dagegen oft gerade derjenige, der den Feind "präventiv" angreift - eben, weil er ihn fürchtet, und schon der bloßen Möglichkeit eines Angriffs seinerseits begegnen will. Das ist zwar menschlich verständlich, er will halt überleben. Aber mutig ist das nicht, und dem Frieden dienlich erst recht nicht.

Einen Kampf einseitig einzustellen schafft noch keine Sicherheit - aber immerhin Raum für Hoffnung. Für den Moment ist das besser als nichts! Solange beide nicht aufhören, "zurückzuschlagen", gibt es dagegen auch keine Hoffnung. Man kann nun mal einen Krieg nicht beenden, indem man ihn aktiv weiterführt oder gar noch eskaliert: das ist ein Widerspruch in sich.

So weit zur Theorie; nun zum konkreten Fall:

Ich denke, wir sind uns hier so ziemlich einig darüber, dass die israelischen Juden existenziell bedroht sind, und zwar von mehreren Seiten, zu denen auch der Iran gehört. Insofern mag es nicht unbedingt heldenhaft und "gerecht" sein, wenn sie zur Waffe greifen; verständlich ist es allemal. Es ist müßig, da jetzt über strittige Völkerrechtsgrundlagen dreier, vorangegangener Generationen zu debattieren: wenn mir jemand aktuell den Kopf abzuschneiden droht, dann ist das nicht der geeignete Moment für so eine Debatte. Dann kann ich nur alles, wirklich ALLES Verfügbare tun, um JETZT das Messer von meinem Hals fernzuhalten. Andernfalls kann ich nur noch tun, was ein Mensch ohne Kopf eben so tut: garnix mehr, Gerechtigkeit hin oder her.

Auch einen "Präventivangriff" wage ich in dieser Situation nicht in Bausch und Bogen zu verurteilen: um zu beurteilen, wie weit so etwas "gerechterweise" gehen darf, müsste man mehr über die Situation wissen, als die Kombattanten selber wissen.
Eine Notwehrlage ist immer subjektiv. Einen "gerechten" Krieg kann es sowieso niemals geben, weil der Krieg selber das denkbar größte Unrecht ist, das man Menschen überhaupt antun kann. Es ist entschuldbar, wenn man in einer Notwehrsituation zur Waffe greift - aber mehr auch nicht. "Gerecht" kann der Griff zur Waffe auch dann nicht sein, weil Waffengewalt IMMER auch Unrecht gegen den menschlichen Gegner beinhaltet; man kann das gar nicht vermeiden. Die Israeli sind deshalb in meinen Augen prinzipiell (außer natürlich für echte Kriegsverbrechen) im aktuellen Konflikt erst mal entschuldigt - aber nicht politisch gerechtfertigt! Wie eine gerechte Einigung in diesem Konflikt aussehen könnte, ist eine ganz andere Frage, über die man überhaupt erst dann sinnvoll reden kann, wenn das gegenseitige Abschlachten aufgehört hat - auf BEIDEN Seiten. Solange jemand auf mich schießt, kann ich mit ihm unmöglich fair verhandeln.

Für Trump und die Amerikaner sieht das grundsätzlich anders aus. Die sind nicht existenziell bedroht! Als erklärte Schutzmacht Israels haben sie natürlich eine ethische Verpflichtung zur Hilfe; aber die kann niemals so weit gehen, damit wiederum anderen Völkern vermeidbares Unrecht anzutun. Die Amerikaner können sich da nicht auf eine Notwehrsituation berufen; im Gegensatz zu den Israelis selber müssen sie bei der Wahl ihrer Mittel in diesem Konflikt strikt auf Verhältnismäßigkeit achten; alles andere wäre ein Kriegsverbrechen. Obwohl er die größte Streitkraft der Welt befehligt, kann auch der amerikanische Präsident Israels Sicherheit auf Dauer nicht wirklich garantieren. Wenn Israel nicht zu retten sein sollte, ohne anderweitig ähnliche Menschheitsverbrechen zu begehen, dann ist Israel eben nicht zu retten. Trump ist nicht Gott.

Zudem sind die USA - im Gegensatz zu Israel - eine globale Großmacht. Als solche haben sie eine besondere, ethische Verpflichtung, den Weltfrieden zu wahren. Ich gehöre nicht zu denen, die den Amis reflexhaft unterstellen, in Nahost "nur" das iranische Öl einheimsen zu wollen; aktuell mag das für Trump wirklich nur eine Nebenrolle gespielt haben. Aber als Präsident einer Weltmacht muss er solche Dinge ins Kalkül ziehen: es ist keine Kleinigkeit, wenn durch seine Militäraktionen in Venezuela und Iran zusammen plötzlich fast 30% der weltweit bekannten Erdölreserven von der östlichen in die amerikanische Einflußsphäre übergehen. Eine derart gravierende Machtverschiebung birgt ein immenses, weltweites Konfliktpotenzial, das Trump hier zu verantworten hat. Speziell im Verhältnis zu China, wo es unter anderem (nicht nur) wegen Taiwan eh schon kokelt, ist das ein gewaltiger, zusätzlicher Affront - eine weitere Weichenstellung in Richtung eines globalen Kriegs.

Wie Kriegslogik funktioniert, kann man aktuell am Ukrainekrieg studieren: der wird jetzt erst mal munter weitergehen, kein Ende in Sicht - allein schon deshalb, weil er die Russen militärisch bindet und sie davon abhält, sich im Iran einzumischen. Es gibt also jetzt nicht etwa Krieg im Iran statt in der Ukraine, sondern Krieg im Iran und in der Ukraine, das bedingt sich gegenseitig (ohne den Ukraine-Krieg hätten die Amerikaner diesen Überfall auf den Iran gar nicht erst wagen können). Im Libanon brennt's jetzt auch schon wieder, weil der Iran als Schutzmacht für die dort mächtige Hisbollah paralysiert ist. Wo es jetzt sonst in der Welt noch überall zu brennen anfängt, muss man sehen. Der neuerliche Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan z. B. scheint zwar auf den ersten Blick mit Nahost nichts zu tun zu haben; aber in der weltweiten Lagerbildung angesichts der wachsenden Anzahl der Konflikte werden auch die sich Verbündete suchen, und dann einen möglichen Flächenbrand kräftig mit anheizen.

Ich bin von Trump schwer enttäuscht. Nicht, dass ich einem "demokratischen" Präsidenten Besseres zugetraut hätte; was Trump jetzt im Iran tut, ist ja ziemlich exakt derselbe Mist, wie ihn seine Demokraten-Vorgänger - im Fall Obama dafür groteskerweise auch noch mit dem Friedensnobelpreis behängt - auch schon verbrochen haben. Nur ist dasselbe in der gegenwärtigen Weltlage noch ungleich gefährlicher geworden... Aber diesem Trump hätte ich nach seiner ersten Amtszeit - und dem ersten Jahr seiner zweiten - mehr zugetraut. Eine Zeitlang schien es ja wirklich so, als ob er dem Frieden die erste Priorität einräumen würde. Stattdessen zündelt er jetzt mit seinem MAGA fahrlässig an der Lunte zum 3. Weltkrieg herum.

So richtig entsetzt bin ich mal wieder über "unsere" europäischen Politiker. Solange Trump Friedenspolitik versucht hat, haben sie sich tagtäglich gegenseitig dabei übertroffen, auf ihn einzudreschen. Aber genau jetzt, wo Kritik - oder wenigstens eine vorsichtige Distanzierung - wirklich mal dringend angebracht wäre, ist da plötzlich Schweigen im Walde. Kein Wort mehr vom vorher so Monstranz-artig herumgetragenen Frieden und Völkerrecht: wenn beides auf dieser Seite so eklatant gebrochen wird, scheint das ganz okay zu sein. Jenseits aller transatlantischen Differenzen der letzten Jahre scheint man sich über eines mit den Amerikanern nahtlos einig zu sein: MAN WILL KRIEG.

Die Grünen waren doch einstmals DIE Anti-Kriegs-Partei. Wohin ist dieses Denken eigentlich verschwunden? Kaum waren sie mit an der Regierung, haben sie fleißig im völkerrechtswidrigen Jugoslawien-Krieg mitgebombt. Und gegenwärtig sitzen sie zwar in der Opposition, gerieren sich aber mit ihrer unsäglichen "Brandmauer" als fester Bestandteil des Regierungsblocks, der nur zufällig grade mal eine Auszeit genommen hat - und machen auch die Kriegstreiberei dieser Regierung frischfröhlich und völlig distanzlos mit.

Es wäre höchste Zeit, dass sich die Grünen erstens auf ihre pazifistischen Wurzeln und zweitens auf ihre Oppositionsrolle besinnen. Es wäre höchste Zeit, dass sie endlich wieder die Massen gegen eine in einen neuen Faschismus abkippende Regierung mobilisieren, sie auf die Straßen schicken und Druck machen lassen, wie ehemals gegen SPD-Kanzler Schmidt's "Nachrüstungsbeschluss". Sie würden damit in beiden anderen Oppositionsparten bereitwillige Mitstreiter finden, und sie könnten sich damit auch endlich wieder redlich neue Wählerschichten erschließen. Denn eines sollte klar sein: die große Mehrzahl der Deutschen will - durchgehend seit 1945 bis heute - NIE WIEDER KRIEG! Diese Lektion haben wir Deutsche ein für allemal gelernt. Nur unsere Regierung nicht.
Herzliche Grüße
Wally
Susi T
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Re: Nahostkrieg

Post 26 im Thema

Beitrag von Susi T »

Der Ausbau der KI hängt an der benötigten Energie, mittlerweile ist klar geworden das da das größte Nadelöhr ist. Die Amis haben da im Gegensatz zu den Chinesen ein riesiges Problem, denn die Chinesen bauen da schon seid Jahren massiv aus und haben einen großen Vorsprung und machen einfach was sie wollen.
Es wäre völlig naiv zu glauben das das Thema keine Relevanz hat. Unsere Big Player haben zum Teil Computer-Hardware auf Halde liegen, weil sie mit dem Ausbau der Infrastruktur nicht nach kommen. Die Strompreise auch in den USA steigen zunehmend, nicht nur die Kosten für die Computerhardware.
Energieerzeugende Anlagen werden nicht nur massiv neu gebaut, sondern alte, wegen unwirtschaftlichkeit aussortierte Anlagen werden wieder in Betrieb genommen.
So sind zumindest die Nachrichten die ich so nebenbei mitbekomme, obwohl ich mich da ziemlich zurück halte.
Ist ja oft mit der Frage verknüpft welche Geldanlage als nächstes den großen Gewinn verspricht. Hab den Eindruck das das aktuell das Hauptthema für viele ist.
KI für Weltmacht/Weltherrschaft. Ukraine, Nahe Osten, Taiwan/Asien. Ein großes Wettrüsten bei dem aktuell an neuen Waffensystemen getüftelt wird und gleich getestet.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Nahostkrieg

Post 27 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo zusammen,

es wurde zwischenzeitlich schon vieles geschrieben trotzdem ist mir folgendes wichtig:


1. Zur Berichterstattung über Israel und den Gründen der hierzulande vorherrschenden Israelkritik ein Artikel aus der Jüdischen Allgemeinen vom 05. Feb. 2026:

"Die halbe Wahrheit:
Deutschlands Medien und der Gaza-Krieg: Wie aus ungeprüften Zahlen der Terrororganisation Hamas plötzlich Gewissheiten werden – ganz ohne kritische Einordnungen
Hand aufs Herz: Die deutsche Israel-Berichterstattung war noch nie ein Aushängeschild des deutschen Journalismus. Zu wenig Expertise, zu viele vorschnelle Ratschläge, regelmäßig kontrafaktische Vorwürfe, absurde Headlines samt Täter-Opfer-Umkehr (legendär: »Israel droht mit Selbstverteidigung«), die man sich zwar in der Theorie in Hamburg-Lokstedt leisten kann, nicht aber in Israel. Erst recht nicht in jenem Israel nach dem 7. Oktober 2023, dem von der palästinensischen Terrororganisation Hamas der Krieg erklärt wurde und das zeitgleich aus dem Libanon, Jemen, Syrien, Irak, Iran und dem Westjordanland attackiert wurde.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für dieses regelmäßige mediale Versagen bei der Einordnung des Krieges ist die Berichterstattung über die vermeintlichen Todeszahlen in Gaza. »Israels Armee bestätigt Zahl von 70.000 Kriegstoten in Gaza«, titelte vergangene Woche etwa der »Spiegel«, das Sturmgeschütz der deutschen »Israelkritik«. Die »Süddeutsche Zeitung« ergänzte: »Israel gibt zu, dass in Gaza 70.000 Palästinenser getötet wurden«.

Nicht fehlen darf natürlich das ZDF. Dort heißt es: »Kehrtwende eher verschämt: Israels Armee bestätigt jetzt die von der Hamas genannten Opferzahlen im Gazastreifen, konnte daran offenbar nicht mehr vorbeigehen«.
Der Hintergrund der Schlagzeilen: Israelische Medien wie »Haaretz« und »The Times of Israel« berichteten vergangene Woche unter Berufung auf eine anonyme Quelle der israelischen Armee (IDF), dass die Angaben der Hamas-Terroristen über die Zahl von 70.000 Toten im Gaza-Krieg korrekt sei. Was sich in vielen israelischen Berichten dazu findet, aber nicht bei der deutschen Berichterstattung: Die Armee dementierte und wies darauf hin, dass sie diese Zahlen nicht bestätigen kann. Und anders als berichtet, handelte es sich mitnichten um eine Aussage der Armee. Sprich: Israel weist zurück, 70.000 Menschen in Gaza getötet zu haben – und kündigt einen eigenen Bericht zu den genauen Zahlen an.

Mindestens ebenso bemerkenswert: Eine Bewertung der angeblichen Zahlen erfolgte hierzulande ebenfalls nicht. Zumindest nicht so, wie es erfolgen sollte. Denn selbst wenn die Angaben der Hamas stimmen sollten – was durchaus bezweifelt werden darf, da die Zahlen von jener Terrororganisation stammen, zu deren Zielen nicht nur der Massenmord an Juden gehört, sondern auch das ebenso geschickte wie bösartige Manipulieren der öffentlichen Meinung –, sollten Journalisten diese Zahlen auch einordnen.
Angenommen, die Zahlen der Hamas stimmen, muss nichtsdestoweniger Erwähnung finden, dass Experten zu Recht darauf hinweisen, dass Israel einen Krieg gegen die Hamas führte, und eben keinen Krieg gegen Zivilisten. Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass auch deshalb mehr als 600 israelische Soldaten seit Beginn des Krieges gefallen sind, eben weil beim Vorgehen in Gaza der Schutz von Zivilisten zu den wichtigsten Zielen gehört. Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass durch die Hamas selbst Palästinenser getötet werden, durch »Friendly Fire«, durch fehlgeleitete Raketen, die auf Israel abgeschossen werden sollten. Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass bei der Angabe von 70.000 Toten die natürlichen Tode mitgedacht werden müssten – in zwei Jahren mehr als 10.000 Menschen.

Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass es zur Kriegsführung der Hamas gehört, sich hinter der eigenen Bevölkerung zu verschanzen, um die Zahl der getöteten Zivilisten in die Höhe zu treiben, weil nur so der Kampf um die öffentliche Meinung gewonnen werden könne (O-Ton Hamas-Führer Yahya Sinwar: »Wir kommen nur mit Blut in die Schlagzeilen. Kein Blut, keine Nachrichten«). Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass es in der Geschichte der Menschheit noch nie einen Krieg wie diesen gegeben hat, in dem die Angreifer die Möglichkeit hatten, sich in einem Tunnelsystem zu verstecken, das bis zu 720 Kilometer lang war und über rund 5700 eigene Schächte verfügte.

Historisch niedriges Verhältnis
Und nicht zuletzt: Zu Recht weisen Experten darauf hin, dass die IDF weit mehr als 25.000 Hamas-Kämpfer getötet hat. Angesichts all dessen weisen Militär-Experten wie John Spencer oder Andrew Fox zu Recht darauf hin, dass der Gaza-Krieg ein historisch niedriges Verhältnis von Kombattanten- zu Zivilopfern (zurückhaltend gerechnet 1:1,5) im Vergleich zu allen anderen urbanen Kriegen mit auch nur annähernd ähnlichen Bedingungen, zeigt.

All das nicht zu berücksichtigen: Ist das Unkenntnis, Schludrigkeit, Schwarmdummheit, politische Einseitigkeit? Das können nur die betreffenden Kollegen beantworten. Fest steht: So macht man Stimmung gegen Israel. Es möge sich niemand wundern, dass angesichts dessen 73 Prozent der Deutschen der Aussage zustimmen, Israel habe in Gaza einen Genozid begangen. Auch möge sich niemand darüber wundern, dass die Antisemitismusfallzahlen auch hierzulande geradezu explodieren.

Es erinnert an die alte Ritualmordlüge. Das, was früher Juden als Individuum unterstellt wurde, wird nun – ob intendiert oder nicht – Israel, der Heimstatt von Millionen Juden, als Nation vorgeworfen.
Es ist eigentlich banal: Journalistische Berichterstattung bedeutet nicht nur zu schreiben, wer etwas zu Protokoll gegeben hat. Zur verantwortungsvollen Berichterstattung gehört auch, das Gesagte zu hinterfragen und einzuordnen.

»Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge«, lautet ein altes jüdisches Sprichwort. Das ist auch hier zutreffend. Nur die halbe Wahrheit zu transportieren, heißt aber schlichtweg auch: schlechter Journalismus – und eben kein »Schreiben, was ist«."



2. Zur Standortbestimmung der UNO zu Israel empfiehlt sich das Buch "vereinte Nationen gegen Israel", Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-95565-249-4. ("Kein anderes Land steht bei den Vereinten Nationen so oft am Pranger wie Israel. Der UN-Menschenrechtsrat etwa hat den jüdischen Staat in seinen Resolutionen häufiger verurteilt als alle anderen Länder dieser Welt zusammen. Auch die Generalversammlung der UNO beschäftigt sich in ihren Diskussionen weitaus häufiger mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten als etwas mit dem Iran. Die für Bildung, Wissenschaft und Kultur UNESCO verabschiedet am laufenden Band Resolutionen, in denen die historischen Bezüge des Judentums zum Land negiert werden. Und das sind nur einige Beispiele von vielen. Grund genug, der Frage nachzugehen: Wie halten es die Vereinten Nationen mit Israel?")

In die Richtung geht ja auch folgende Meldung in der Jüdischen Allgemeinen vom 26. Feb. 2026:
"»Die UNRWA ist nicht reformierbar«: CDU will Zahlungsstopp
Einmütig haben die Delegierten des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart beschlossen, dass es künftig striktere Auflagen für deutsche Zuschüsse an die Palästinenser geben soll.
Die CDU fordert striktere Kriterien für Hilfszahlungen an die Palästinenser und ein Ende deutscher und europäischer Zuschüsse an das umstrittene Palästinenser-Hilfswerk UNRWA. Nach kurzer Debatte stimmten die Delegierten zum 38. Bundesparteitag in Stuttgart am Samstagnachmittag einstimmig dem entsprechenden Antrag M06 des CDU-Kreisverbandes Brüssel-Belgien zu (die »Jüdische Allgemeine« berichtete).

Deutsche und EU-Gelder für die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) sollen demnach künftig nur bei Erfüllung der von der EU und Deutschland festgelegten Bedingungen ausgezahlt und streng überwacht werden. Im Falle von Missbrauch der Bedingungen sollen die Zahlungen automatisch gestoppt werden.

Konkret verlangt die CDU, dass aus dem Haushalt der PA keine Zahlungen mehr an Familien von Terroristen erfolgen und auch keine Schulbücher mehr finanziert werden, die antisemitische Hetze enthalten.
Tim Peters, Vorsitzender des Brüsseler CDU-Verbands, sagte bei der Einbringung des Antrags: »Die EU ist der größte externe Geldgeber, und das Geld fließt zum großen Teil direkt in den Haushalt der Autonomiebehörde. Und was viele hier nicht wissen: Aus dem Haushalt bezahlt die Behörde sogenannte Terrorrenten, also Gehälter an Familien von verhafteten oder getöteten Terroristen.« Das sei, so Peters weiter, ein »unverantwortlicher Anreiz« für terroristische Aktivitäten.

Zudem verlangt die CDU in ihrem Beschluss, dass Empfänger von Geldern aus dem EU- oder dem Bundeshaushalt, welche Projekte in den palästinensischen Gebieten durchführen, sich vorab verpflichten müssten, das Existenzrecht Israels anzuerkennen sowie »den deutschen Ansatz einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Antisemitismus einzuhalten«.
Dies schließe Äußerungen ihrer Mitarbeiter in der Öffentlichkeit oder in den sozialen Medien ein, so der Antrag. Maßgeblich sei dabei die von der Bundesregierung anerkannte Arbeitsdefinition der IHRA zum Antisemitismus.

Die Aktivitäten der UNRWA würde die CDU am liebsten dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie andere UN-Organisationen übertragen, sobald diese dazu bereit seien. Nach einer Übergangsphase sollen Deutschland und die Europäische Union dann ihre Unterstützung für UNRWA ganz einstellen, so der Beschluss, denn es sei nicht ersichtlich, warum es für palästinensische Flüchtlinge ein eigenes Hilfswerk geben und warum bei den Palästinensern der Flüchtlingsstatus von einer Generation auf die nächste vererbt werden müsse. Die bisherige Regelung erschwere die Beilegung des Nahostkonflikts.
Vorsichtiger Widerspruch kam in der Aussprache auf dem Parteitag nur vom hessischen Europaabgeordneten Michael Gahler. Er stimme zwar mit den Grundforderungen des Antrags überein. Doch dann sagte er: »Nur weil die Hamas offensichtlich einige Mitarbeiter bei UNRWA eingeschleust hat, sollten wir nicht die Schlussfolgerung ziehen, die gesamte UN-Organisation von der künftigen Auszahlung der Hilfe auszunehmen.« Es gehe nicht nur um Gaza, so Gahler weiter. Deswegen müsse das Problem anders angegangen werden.

Der ebenfalls aus Hessen stammende CDU-Politiker Uwe Becker widersprach Gahler. »Nach 19 Jahren Gewaltherrschaft der Terrororganisation Hamas im Gazastreifen ist die UNRWA nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Sie ist auch nicht reformierbar.«

Es handele sich auch nicht nur um einige wenige Mitarbeiter, sondern es sei »die UNRWA selbst, die mit Schulbüchern die Kinder verzieht« und Schulen als Standorte für Raketen missbrauche, betonte Becker.

Ines Claus, die Fraktionsvorsitzende der CDU im Hessischen Landtag, sagte für die Antragskommission, der Antrag vermittle eine »klare Haltung gegen Terrorismus« und »eine Solidarität mit Israel in aller Deutlichkeit«. Die Antragskommission empfehle deswegen seine Annahme. Dem folgten die Delegierten in der Stuttgarter Messe denn auch einmütig.

Im Frühjahr 2024 hatte die damalige Ampelkoalition die Zahlungen an die UNRWA vorübergehend ausgesetzt, weil bekannt geworden war, dass mehrere Mitarbeiter des Hilfswerks in die Massaker vom 7. Oktober 2023 verwickelt waren. Kurze Zeit später nahm Berlin die Zahlungen aber wieder auf."


3. Wie geht es den Menschen im Iran?
Die deutsch-iranische Journalistin Gilda Sahebi, die in ständigem Kontakt zu Vertrauten im Iran steht, sagt: Die Menschen seien überwiegend glücklich über das Ende Chameneis, viele hätten nach Bekanntwerden der Nachricht gefeiert.

Denn der Großteil von ihnen empfinde nur noch Abscheu und Hass gegenüber den Machthabern.

Das Regime hatte rohe Gewalt gegen sein eigenes Volk ausgeübt: Zuletzt ließ es bei landesweiten Protesten Anfang Januar Zehntausende Menschen auf den Straßen und in den Krankenhäusern ermorden, darunter viele Kinder und Jugendliche. Es ließ Leichen verschwinden, verhaftete Ärzte, die Protestierende versorgten, und richtete vermeintliche Aufrührer hin.

Was sagt die Gemeinde der Iraner in Deutschland?
Am Wochenende haben in Berlin rund 1.800 Menschen demonstriert – um ihrer Freude über den Schlag gegen das Mullah-Regime Ausdruck zu verleihen. Sie wünschen sich, dass dort anstatt der derzeitigen politischen Führung Prinz Reza Pahlavi eine neue Regierung anführt. Das ist der Sohn des 1979 im Iran gestürzten Schahs. Er lebt derzeit im Exil in den USA.

Darüber, wie es den Menschen im Iran geht und welche Hoffnungen und Sorgen sie haben, haben wir heute mit Ehsan Djafari gesprochen, der der Iranischen Gemeinde in Deutschland vorsteht.

Ein Gefühl der Erleichterung
Freunde und Familienangehörige hätten den Tod Chameneis nicht mit Trauer aufgenommen, sagt Djafari. Sie hätten aufgeatmet. Manche hätten geweint – aber nicht aus Schmerz, sondern aus einem Gefühl der Erleichterung.

„Nach Jahrzehnten von Repression, Hinrichtungen, Unterdrückung von Frauen, Verfolgung von Andersdenkenden und blutiger Niederschlagung von Protesten verbinden viele Chameneis Namen mit Leid“, sagt Djafari. Die Menschen wollten das „elende, unterdrückerische System der Mullahs“ nicht mehr akzeptieren.

Und damit soll es von meiner Seite gut sein...
lG

Olivia
Susi T
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Re: Nahostkrieg

Post 28 im Thema

Beitrag von Susi T »

Danke Olivia
Und das Ganze ist natürlich noch viel komplexer.
Gestern war ein guter Bericht im Brennpunkt der ARD.
Die Enteignung von Ausländischen(Britischen) Produktionsanlagen durch den Präsidenten vor vielen Jahrzehnten im Iran, der daraufhin mit Unterstützung des Westens gestürtzt wurde. Der daraufhin eingesetzte Schah, der sich zum Despoten entwickelte und in dessen Herrschaftszeit viele Greultaten geschehen sind, bis die Mullahs an die Macht kamen, mit ihren Greultaten.
Ob da der Sohn des Schahs wirklich die neue Hoffnung des Irans ist, bleibt eine Hoffnung, aber eine mit Unsicherheit.
Das Israel umgeben von lauter problematischen Staaten ist es wirklich nicht leicht hat, ist unbestritten.
Der Beitrag von dem Dessous-Laden den Anne- Mette gepostet hat, hatte da eine ziemlich deutliche Nachricht, die mich bewegt hat. Es wurde von einigen(überraschend vielen)davon gesprochen auf Reise zu gehen und damit war das Auswandern aus Israel gemeint. Die Leute sind einfach nur Müde und verlieren die Hoffnung auf Besserung, hüben wie drüben.
Den Krieg zu eskalieren sehe ich nicht als Lösung, sondern befürchte das Alles nur noch schlimmer wird.
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Re: Nahostkrieg

Post 29 im Thema

Beitrag von Wally »

Olivia hat geschrieben: Di 3. Mär 2026, 09:33 (... Viel zwar Richtiges, aber einseitig Ausgesuchtes zum Nahostkonflikt ...)
Liebe Olivia,

Ich bezweifle nicht den Wahrheitsgehalt Deines Posts. Ich finde es auch gut, dass Du damit gezielt gegen die oft extrem einseitige "Berichterstattung" (mitunter schon eher "Kriegshetze") unserer Medien angehst; als Korrektiv ist das sicher richtig und notwendig.

Um aber ein Fazit daraus abzuleiten, möchte ich doch folgendes zu bedenken geben:

Wie jeder Krieg hat auch der Irankrieg ZWEI Seiten, von denen keinesfalls nur eine das Recht für sich alleine gepachtet hat. Aus unserer mitteleuropäischen Sicht - da stimme ich Dir uneingeschränkt zu - war/ist das Mullah-Regime im Iran zweifellos verabscheuungswürdig und verbrecherisch, es tritt nahezu alle unsere ethischen Maßstäbe mit Füßen; es machte und macht sehr viele Menschen zu Opfern, und jedes einzelne davon ist eines zu viel. Übrigens nicht nur hinsichtlich der von Dir genannten Aspekte: so finde ich es z. B. auch verabscheuungswürdig, dass dort - wie überall im Islam - wehrlose Kinder beiderlei Geschlechts "beschnitten" (also auf gut deutsch: sexuell verstümmelt) werden. Auch sie sind aus meiner Sicht misshandelte, schützenswerte Opfer.

Aber gerade das letztgenannte Beispiel weist schon darauf hin: das ist UNSERE Sichtweise. Im Iran sehen das nicht nur die Mullahs, sondern große Teile der Bevölkerung (wenn nicht sogar die Mehrheit) ganz anders! In unseren Medien werden jetzt lautstark, aber ausschließlich diejenigen Stimmen im Iran zitiert, die als unterdrückte und misshandelte Opfer über das System klagen und - notfalls gar mit Bomben - davon befreit werden möchten. "Lieber tot als rot" pflegten wir in den 68ern so eine Haltung zu umschreiben - übrigens auch mit ganz ähnlichem Bezug auf militärische "Hilfe" aus solcher Situation.

Auch wenn wir uns das aufgrund unseres völlig anderen, kulturellen Hintergrunds schwer vorstellen können: das gibt's zwar zweifellos im Iran; es sehen dort aber nicht alle so, vermutlich noch nicht mal die Mehrheit! Wenn man dort mal ehrlich eine repräsentative Auswahl befragen würde, würde man sicher massenhaft auf Leute treffen, die aus tiefer, ethisch-religiöser Überzeugung das Mullah-Regime für gut und richtig halten. Ohne solche, breite Unterstützung im Volk hätte sich Chamenei unmöglich so lange Zeit an der Macht halten können. Selbst ein Großteil der objektiven Opfer dieses Systems - z. B. sozial unterdrückte Frauen - sehen sich vermutlich subjektiv keineswegs als Opfer, sondern halten diese ihre Lebenssituation für gut und richtig. Von den bei uns aufgewachsenen, männlichen Muslimen sehen sich ja auch nur die allerwenigsten wegen ihrer Beschneidung als Opfer - obwohl sie das aus objektiver, biologisch/medizinischer Sicht ohne jeden Zweifel sind.

Als westlich geprägter Mensch muss ich das nicht gut finden, ich find's auch nach wie vor abscheulich. Das gibt mir aber nicht das Recht, kulturell anders geprägten Menschen meine Sichtweise mit Gewalt aufzuzwingen. Ich kann argumentieren und zu überzeugen versuchen; aber spätestens, wenn ich dabei mit Bomben und Raketen "argumentiere", bin ich der verbrecherische Aggressor, nicht die!

Zweifellos hat das Mullah-Regime auch eine Vielzahl an Menschen auf dem Gewissen, die dort eindeutig, nach überall gültigen Maßstäben, verbrecherisch ermordet wurden. Tausende (10.000?) Tote allein bei den jüngsten Demonstrationen und Unruhen lassen sich nicht wegdiskutieren. Aber selbst da sollte man schon auch mal noch kritisch nachfragen: Sind wirklich alle diese Aufmüpfigen spontan, aus ureigenem Antrieb auf die Straße gegangen, weil sie die Verhältnisse einfach nicht mehr ertragen konnten und wollten? Wurden nicht manche von ihnen durch jahrelange, systematische Wühlarbeit ausländischer Geheimdienste dazu angestiftet? Waren da nicht auch viele, mehr oder weniger naive Mitläufer dabei, denen man vielleicht sogar Geld gegeben und ihnen weisgemacht hatte, das sei jetzt sicher, da würde ihnen schon nix passieren? Solche Massenproteste sind so gut wie NIE wirklich spontan, das wurde von langer Hand vorbereitet und organisiert. Und wenn man sich die "spontanen" Revolten in zig Staaten in den letzten Jahrzehnten im Vergleich so anschaut, könnte einem schon der Verdacht kommen, dass viele von diesen aktuellen Opfern nicht nur die Mullahs allein, sondern auch ausländische Geheimdienste auf dem Gewissen haben: durch Anstiftung, durch politische Instrumentalisierung, zynischerweise vielleicht sogar durch bewusste Inkaufnahme unschuldiger Opfer, weil man die als progandistische Vorbereitung militärischer Operationen gut brauchen konnte. Solches wäre weder neu noch ungewöhnlich. Majdan lässt grüßen.

Trump will diesen Krieg in 4 Wochen erledigt haben. Wer's glaubt... Putin hat sich den zeitlichen Verlauf seiner "begrenzten Militäroperation" auch anders vorgestellt, und ich kann mich aus meinem langen Leben an keine, amerikanische Militäroperation erinnern, die solch anspruchsvolle Zielsetzungen wie jetzt im Iran (u. a. komplette Zerstörung der Marine!) überhaupt jemals wirklich als "erledigt" abhaken konnte - geschweige denn nach 4 Wochen. Auf iranischer Seite dürfte das Bombardement schon jetzt, nach wenigen Tagen, hunderte bis tausende Todesopfer gekostet haben, von denen wohl die allermeisten den Tod NICHT persönlich "verdient" haben. Wie viele es am Ende sein werden, steht in den Sternen. Möglicherweise wird ihre Anzahl eine Vielfaches derer sein, die sich das verbrecherische Mullah-Regime in Jahrzehnten aufs Gewissen geladen hat.

Krieg war noch nie eine Lösung.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Nahostkrieg

Post 30 im Thema

Beitrag von conny »

@Wally,
Du stellst hier Vermutungen über die Protestbewegungen im Iran an, die eben nur solche sind. Welche Motivationen die Menschen auf die Strassen trieb wissen wir nicht, aber ein derartiges Unrechtsregime schafft sich seine Gegner zunehmend selbst.
Was in der bisherigen Diskussion deutlich zu kurz kam ist die Tatsache, dass die Mullahs die Entwicklung einer Atombombe schon sehr weit vorangetrieben haben. Was der Abschluss bedeutet hätte kann sich jeder ausmalen.
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