taz: Homophobie in der Türkei
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Anne-Mette
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taz: Homophobie in der Türkei

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

die taz schreibt: https://taz.de/Homophobie-in-der-Tuerkei/!5687275/

und setzt sich dabei auch kritisch mit dem Schweigen der Gesundheitssenatorin Dilek Kalaycı zu dem Thema auseinander; denn ein türkischstämmiger Arzt in Berlin fällt mit homophobie-unterstützenden Tweets auf.

Gruß
Anne-Mette
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Rominalein
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Re: taz: Homophobie in der Türkei

Post 2 im Thema

Beitrag von Rominalein »

Ich komme ja aus einer islamischen Familie und kenne solche Aussagen. Erst vor kurzem meinte mein Vater wieder, dass es so etwas wie Homosexualität in den islamischen Ländern nicht gibt. Das ist natürlich völliger Schwachsinn, natürlich gibt es Homosexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle usw. in diesen Ländern.
Ich bin zwar bei meinen Eltern noch nicht geoutet, diskutiere aber viel mit ihnen, wenn das Thema aufkommt. Mein Vater ist Transsexualität zwar offener gegenüber, aber alles aus der LGBTQ+ Welt ist für ihn und meine Mutter fremd und schlecht. Die meisten Menschen, die in islamischen Ländern groß werden, werden mit genau diesem Gedanken erzogen.
Denn sie denken, dass man es sich aussuchen kann, ob man homosexuell ist oder ob man trans ist. Sie verstehen nicht, dass die Identität eines Menschen genauso "gottgegeben" ist wie ihre sexuelle Orientierung. Sie denken, dass man sich entscheiden kann "schwul" oder "trans" zu sein. Sie denken ein paar Gesetze oder Schriften können einen davon überzeugen, dass man nicht mehr schwul ist oder dass man plötzlich mit seinem Körper klar kommt, obwohl man transsexuell ist.

Ein weiteres Problem ist, dass diese Themen Tabuthemen in den Ländern sind. Es wird nicht darüber gesprochen. "Anders" zu sein ist eine Straftat, eine Schande, die dich und deine Familie für immer verfolgt.
Die Angst davor, dass man selbst Opfer dieses Stigmas wird, führt dazu, dass man alles mit dem Thema von sich abstößt. Man will nichts damit zu tun haben. Es wäre sogar schlimm, wenn man sich mit einem schwulen Menschen in der Öffentlichkeit zeigen würde! Das wäre schon genug. Im Umkehrschluss verteufelt man also einfach alles aus der LGBTQ+ Szene, um selber eine weiße/reine Weste zu tragen.
Während meiner Pubertät musste ich viel mit meinen Eltern streiten und diskutieren, weil ich eine lesbische Freundin hatte und meine Eltern meinten, dass sie ein schlechter Einfluss auf mich wäre. Sie haben es irgendwann zwar akzeptiert, aber in ihren Köpfen ist Homosexualität immer noch falsch und ich bin mir auch sicher, dass sich das nie mehr ändern wird.

Ich will das also ganz und gar nicht rechtfertigen, da muss noch so viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Aber wie verändert man eine ganze Kultur/Mentalität? Die Religion ist so tief verankert in diesen Kulturen und solange nicht mehr einflussreiche Menschen aus der islamischen, religiösen Welt Machtwörter sprechen, wird sich in den Köpfen der Menschen nicht viel tun, weil ihre Angst sie selbst regiert. Wir können nur stark bleiben und uns nicht unterkriegen lassen. Und ihnen zeigen, dass ihre Angst unbegründet ist.
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