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Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 14:44
von Anne-Mette
Moin,

ich gebe dem TAGESSPIEGEL den Vorzug vor der BZ: https://www.tagesspiegel.de/berlin/quee ... 42876.html

Die Zeitung weist hin auf Anlaufstellen für Gewaltopfer und verlinkt noch einmal das Interview mit den zuständigen StaatsanwältIinnen, die wir auch von unseren Forumtreffen kennen: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berl ... 88486.html
Auch den Link zur Ansprechpartnerin beim LKA will ich nicht vorenthalten: https://www.tagesspiegel.de/berlin/quee ... 21240.html

Gruß
Anne-Mette

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 15:47
von Ulrike-Marisa
Moin,

ich war gerade in Berlin allerdings mit einer Reisegruppe zusammen und ich bin auch abends als Frau nicht alleine unterwegs gewesen...

Ansonsten ist das keine gute Vorstellung, wenn so etwas in Zukunft vielleicht immer öfter vorkommen könnte. Sicher sind das Einzelvorkommnisse und nicht geeignet, irgendwelchen Hass auf irgendjemanden zu schüren oder jemandem etwas in die Schuhe zu schieben; es zeigt sich aber eine real existierende Bedrohung, der sich betroffene Transmenschen scheinbar in der Öffentlichkeit aussetzen müssen.
Persönliche Wachsamkeit kann etwas helfen, gefährliche Begegnungen zu vermeiden - aber muss ich das als Betroffene?
Da gibt es sicher keine allgemeingültige Antwort und eine Antwort mit meinem Knie täte die Situation sicher auch nicht entspannen, ganz im Gegenteil.
Aber wie soll ich mich als betroffener Transmensch in der Öffentlichkeit verhalten???
Einen umfassenden persönlichen Schutz gibt es nicht, da ist jede/r auf sich gestellt, außer vielleicht in einer Gruppe.

Es stimmt mich einfach traurig, dass sich unsere Gesellschaft scheinbar so entwickelt..., Ulrike-Marisa :(

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 16:59
von Jasmine
Diese Gewaltübergriffe stimmen mich nachdenklich. Aber ich gehe keinen Schritt zurück. Ich bin Jasmine und das lasse ich mir von niemandem nehmen. Lang war der Weg bis heute, ich schaue mich auch nicht ängstlich um wenn ich hinter mir etwas höre. Aber ich bin wachsam. Liebe Grüße Jasmine

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 17:07
von Maria T
Hallo,
Langsam mach ich mir gedanken.
Ich fahr demnächst für ein Wochenende nach Berlin und will dort auch als Frau mal Essen gehen oder was trinken.
Traurig das in der angeblich so weltoffenen Stadt immer wieder übergriffe stattfinden. Es sind ja nicht nur Trans Personen die attackiert werden.
LG Maria

Übergriffe gegenüber "Nicht-Männern"

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 21:03
von Katrin
Hallo Mädels,

es ist wohl leider so, dass eine gewisse Gruppe von cis-Männern der Auffassung ist, dem Andersartigen (Frauen, Ausländern, Queeren, manchmal auch Tieren oder Telefonzellen) mit Gewalt begegnen zu müssen.
Vergleicht hierzu gerne auch die #metoo-Debatte. Ich habe keine Ahnung davon, was diese Typen treibt. Meine Mitbewohnerin ist seit 1990 in der Gehirnforschung aktiv, und wusste nur zu berichten, dass im Bereich "Ego-Shooter" ausschließlich
männliche Probanden in Frage kamen. Vielleicht ist es da einfach das klassische, weibliche Risiko, wenn man sich als "Nicht-Mann" präsentiert. Ich kenne kaum einen Nicht-Mann, der sich nicht irgendwann einmal männlicher Gewalt ausgesetzt sah.

Nicht alle Männer sind böse, aber ein gewisses Potential an "anonymisierter Gewalt"* scheint es zu geben.

Alles Liebe
Katrin

*wieso reagiere ich überhaupt aggressiv auf irgendjemanden/irgendetwas, das mit meinem Leben gar nichts zu tun hat?

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Mi 7. Mär 2018, 23:15
von conny
Ulrike-Marisa hat geschrieben:
Mi 7. Mär 2018, 15:47

Es stimmt mich einfach traurig, dass sich unsere Gesellschaft scheinbar so entwickelt..., Ulrike-Marisa :(
Ich sehe nicht, dass sich unsere Gesellschaft in Bezug auf LGBT-Menschen negativ entwickelt. Im Gegenteil, die Akzeptanz und Toleranz steigt ja allgemein, wenn auch noch nicht in dem wünschenswerten Umfang
Diese Entwicklung geht aber leider an einigen Unverbesserlichen vorbei, die gegen alles, was von ihrer kleingeistigen Norm abweicht, etwas haben.

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 00:06
von Steffi-BLN
Genau das wird auch der Grund sein warum ich die ersten male en Femme unterwegs bin nur mit Taxi fahren werde. Öffentliche hier in Berlin ist immer so eine Sache. Da mach ich mir auch ständig Gedanken darüber. Aber egal.
Wie Jasmine schon oben schrieb. Ich lasse mir meinen Weg nicht von so welchen Idioten kaputt machen. Auch wenn mit einer gewissen Vorsicht, gerade was die ersten male betrifft.

LG

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 00:47
von Ninakadin
Ja, schwierig. Ich lebe ja in dieser Stadt, seit knapp 6 Jahren als Frau, ich sitze auch täglich zweimal in genau dieser U-Bahn und fahre dort lang. Ich bin in der U-Bahn zu normalen Zeiten noch nie angemacht worden, nachts um 2,3 Uhr sind schon mal dumme Fragen gekommen. Allerdings habe ich es mir abgewöhnt, nachts mit der U.-Bahn zu fahren, es sind halt doch eine Menge Idioten unterwegs, und wenn die dann noch etwas getrunken haben...
Ich kenne durch die TransSisters auch eine größere Menge an Transfrauen, ich kann nicht sagen, dass es da viele Berichte über Übergriffe gegeben hätte in den letzten Jahren. Bei 3,7 Mio. Einwohnern passiert natürlich schon statistisch häufiger etwas, als anderswo. Meine privaten Erfahrungen sind geprägt von Akzeptanz, sei es im Wohnumfeld, im Arbeitsumfeld, im Alltag. Aber mir ist nicht zu jeder Zeit an jedem Ort wirklich wohl zumute, was aber wohl den meisten Frauen so geht. Bestimmte Orte, z.B. den Alex, meide ich nachts (eigentlich immer, ich kann mit diesem Platz nichts anfangen). Auf jeden Fall reichen schon einige wenige Vollpfosten, um solche Schlagzeile in nennenswerter Zahl zu erzeugen. Aber abgesehen von den nächtlichen Vorsichtsmaßnahmen bewege ich mich ganz normal durch die Stadt, und zwar ohne Angst.

Liebe Grüße!, Nina

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 06:55
von Svetlana L
Ninakadin hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 00:47
Meine privaten Erfahrungen sind geprägt von Akzeptanz, sei es im Wohnumfeld, im Arbeitsumfeld, im Alltag. Aber mir ist nicht zu jeder Zeit an jedem Ort wirklich wohl zumute, was aber wohl den meisten Frauen so geht. Bestimmte Orte, z.B. den Alex, meide ich nachts (eigentlich immer, ich kann mit diesem Platz nichts anfangen). Auf jeden Fall reichen schon einige wenige Vollpfosten, um solche Schlagzeile in nennenswerter Zahl zu erzeugen. Aber abgesehen von den nächtlichen Vorsichtsmaßnahmen bewege ich mich ganz normal durch die Stadt, und zwar ohne Angst.
Danke, liebe Nina, deine Worte könnten so auch glatt von mir kommen.

Ich war gestern auf einer Veranstaltung der Landesantidiskriminierungsstelle zum Thema wie man Rechtsextremismus begegnen kann. Justizsenator Behrendt, der das Grußwort sprach, sagte, dass er die Staatsanwaltschaft gebeten hat, Verurteilungen wegen rassistischer, volksverhetzender Straftaten (insbesondere auch im www) mehr publik zu machen, da sich davon schon viele (mit Sicherheit nicht alle) abschrecken lassen. Gleiches gilt natürlich auch für Straftaten gegen LSBTI und dazu passt dann auch die folgende Meldung auf queer.de: Berliner Jugendgericht: Vier Wochen Dauerarrest für zwei Trans-Hasser

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 18:15
von MichiWell
Svetlana L hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 06:55
Justizsenator Behrendt, der das Grußwort sprach, sagte, dass er die Staatsanwaltschaft gebeten hat, Verurteilungen wegen rassistischer, volksverhetzender Straftaten (insbesondere auch im www) mehr publik zu machen, da sich davon schon viele (mit Sicherheit nicht alle) abschrecken lassen. Gleiches gilt natürlich auch für Straftaten gegen LSBTI und dazu passt dann auch die folgende Meldung auf queer.de: Berliner Jugendgericht: Vier Wochen Dauerarrest für zwei Trans-Hasser
Vielleicht sollte man Staatsanwaltschaft und Gerichte auch mal bitten, die Verfahren zügiger abzuwickeln.

Denn da sehe ich ein großes Problem in unserem Rechtssystem. Die Taten liegen oft Jahre zurück, hier in diesem Fall 1,5 Jahre. Durch die großen Zeitabstände bis zur Verhandlung vor Gericht und einer Verurteilung stellt sich bei den Tätern kaum noch eine Verbindung zwischen Tat und Strafe ein, und damit auch kein wirkliches Unrechtsbewusstsein.

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 18:30
von Laila-Sarah
Idioten gibt es bekanntlich überall, leider auch in meiner Stadt. Aber unterm Strich ist Berlin eine multikulturelle, sichere und weltoffene Stadt. Deshalb ist in Berlin die Intoleranz nicht der Tenor sondern Ausnahme in der Statistik und wenn man bedenkt wie bunt gemischt Berlin ist, ist die Stadt eher sehr friedlich.

*Obwoh es so klingt ist dies nicht gesponsert vom der Berliner Tourismusverband*

VLG

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 18:45
von Mina
MichiWell hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 18:15
Vielleicht sollte man Staatsanwaltschaft und Gerichte auch mal bitten, die Verfahren zügiger abzuwickeln.
Sorry, die sind mit "Cannabis-delikten" beschäftigt. Die CDU und AFD sagt: Jeder Cannabis-User wird automatisch zum Chrystal Meph User! :?


Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Do 8. Mär 2018, 20:18
von MichiWell
Mina hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 18:45
Sorry, die sind mit "Cannabis-delikten" beschäftigt.
Und mit Schwarzfahrerinnen. :wink:

Re: Berlin-Wedding Transfeindlicher Übergriff auf 52-jährige Frau

Verfasst: Fr 22. Jun 2018, 04:00
von Sonnenuhr
Eine Freundin von mir wurde vor dem Arbeitsamt Wedding von dessen Sicherheitsbeamten lautstark diskriminiert
und sollte sich dann nach Protesten ihrerseits dann auch noch rechtfertigen, dem (diskriminieren) nicht zuzustimmen,
der Beamte kam garnicht mehr runter und nachdem sie das 5 Minuten vor anderen Sicherheitsbeamten und anderen
Mitarbeitern (inzwischen drinnen angekommen) hatte über sich ergehen lassen, spuckte sie ihm auf die Hose und ging,
trotz der Bedrohlichkeit der Situation, dafür sollte sie auch Ärger bekommen.

Eine Anzeige und Beschwerde beim Arbeitsamt und der Bundesstelle für Antidiskriminierung mit der expliziten Aufforderung,
den Mann zu feuern, führte zu ... überhaupt garnichts, außer ein paar inhaltslosen leeren Worten und dem verlogenen, nicht
eingehaltenen Versprechen, der Sache auf den Grund zu gehen, die Aussage des Sicherheitsbeamten selber wog schwerer als
die der Beleidigten und zweier Zeugen !!!

Sorry, aber wenn Zeitungen aus dem Springerverlag, wie BZ und Tagesspiegel sich anmaßen über Straftaten zu moralisieren, die
sie durch eine Jahrzehntelange Praxis des gezielten Schürens von Hass durch Verunglimpfung und Verachtung gegenüber "uns" in
ihren Artikeln selbst mit zuverantworten hat, finde ich das einfach nur verlogen und kann darüber nur meinen Kopf schütteln.