Mein Leben in Rock und Bluse
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Heidiontour
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Mein Leben in Rock und Bluse

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Beitrag von Heidiontour » Di 24. Jan 2017, 17:36

Seit meiner Jugend bzw. bereits im Kindesalter war der Wunsch in mir, lieber im Kleid oder Rock mich zu bewegen, wie in Hosen. Erst im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hab ich es geschafft, diesen Wunsch mehr und mehr in Erfüllung zu bringen. Dabei hat mir meine berufliche Entwicklung allerdings auch sehr geholfen. Im vergangenen Jahr habe ich angefangen, ein Tagebuch zu führen und meine Gedanken darin zur Entwicklung und zum täglichen Geschehen niederzuschreiben.
Ich beginne einfach im Sommer des vergangenen Jahres und wenn es interessant genug ist, so lass ich auch gerne die weiteren Wochen folgen.

Ruhig ist es auf Schloss Dyck, nur der Regen prasselt verhalten aber zunehmend auf die Frontscheibe meines Fahrzeugs, einem grösseren Fahrzeug zur Personenbeförderung. Wenn ich Glück habe, kommt meine Gruppe etwas früher aufgrund des Wetters und ich bin dafür natürlich auf früher zuhause. Heute ist einer der Tage, die ohne technische Errungenschaften, wie Tablet, Handy oder E-Book langweilig wären, dabei habe ich sogar mein E-Book heute morgen vergessen. Nichts, aber auch gar nichts ist im näheren Umfeld dieses Schlosses, ausser Natur. Das Schloss selber ist ist etwas für Kultur und historisch ínteressierte Menschen. Nur dazu steht mir im Moment nicht der Sinn. Der Zielpunkt am vormittag hätte mich schon mehr interessiert, das Rosengart Museum in Bedburg Rath, aber hierzu war leider keine Einladung der Gruppe erfolgt, teilzunehmen. Schade, schliesslich war Rosengart ein französischer Techniker, dem viele Erfindungen und letztlich ein wichtiger Entwicklungsschritt in der Automobilindustrie zugeschrieben werden.
Aber von Langeweile im herkömmlichen Sinne kann ich in meinem Beruf nicht sprechen, schliesslich ist kein Tag wie der vorherige. Tagein tagaus die gleiche Monotonie im Berufsalltag mit immer wieder kehrenden Riten und Personen, das macht unzufrieden und alt. Nein, ich freue mich jeden Tag über neue Aufgaben und Herausforderungen.

Venlo, das war gestern, der totale Gegensatz zu heute, Sonne zu Regen, quirlige Einkaufspassagen zu verregneten Schlossgärten, Pommes und Kaffee zu Butterbrot und Wasser, Jack Wolfskin Outdoor Schuh zu Gabor Stiefeletten.
Der Einkaufsbummel bei strahlendem Sonnenschein und angenehm hohen Temperaturen durch die Einkaufstrassen Venlos war auf eine Art sehr schön aber aufgrund der Tatsache, dass Venlo ein preisgünstiges Einkaufsparadies ist, waren die Passagen entsprechend voll, Cafes und Restaurants gut belegt und so entschied ich mich zu einem Stop an einem Imbiss mit guten holländischen Pommes mit Ketchup und einem Becher Kaffee.
wohlweislich der sommerlichen Temperaturen hatte ich mich mit einen knielangen dunklen Rock, einer hellblauen Sommerbluse, schwarzen Strumpfhose, Stiefeletten und Loopschal ausgestattet, geschminkt und ein Perücke übergestreift. Das war allerdings bei diesem Temperaturen etwas schweisstreibend, wie sich herausstellte.
Einer unter Tausenden dachte ich mir, du fällst hier nicht auf. In einem amerikanischen Warehouse erstand ich nach einer Anprobe einen sehr hübschen preisreduzierten kurzen Rock und eine dazu passende kurzärmelige Bluse und nahm auf dem Weg zur Kasse noch ein paar schwarze Strumpfhosen mit.
Den Abschluss meines Bummels unternahm ich bei den "zwei Brüdern" und trat mit viel Kaffee und Pads, sowie meinem Shoppingergebnis bei Primark den Rückweg zum Parkplatz an.
Das Fahrzeug, den Bus, hatte ich schon in weiser Voraussicht so geparkt, dass es auf dem gut gefüllten Platz nicht auffiel, dass hier eine Frau das Fahrzeug aufschloss und bestieg, Ein grosser Teil meiner Kollegen ist nicht zimperlich mit anzüglichen und wie in meinem Fall sicherlich auch ausfallenden Bemerkungen.
Ich erinnere mich an einen Stop auf einem Parkplatz in Leipzig, als ich den Bus erreichte und aufgrund der abgestellten Lage einigen Kollegen nicht ausweichen konnte. Verwunderte Blicke und darauf folgende Diskussionen konnte ich im Rückspiegel mitbekommen:
"was war das denn, Frau, Mann, dazwischen?"
War ich anfänglich noch mit diesen Situationen über Stunden gedanklich beschäftigt, so gehe ich heute damit anders um. Ich provoziere sie zwar nicht, aber ich stehe darüber und muss sagen, sie stärken mich sogar ein wenig.
Die Frage des Warum habe ich mir im Laufe meines Lebens häufiger gestellt, Tatsache jedoch ist, dass ich mich ganz einfach wohl fühle und diese leider noch nicht zu häufig stattfindenden Möglichkeiten zunehmend geniesse. Feststellen kann ich, dass, sobald ich en femme unterwegs bin, einen anderen Blick, bzw eine andere Perspektive entwickle. Einen Bummel durch die Einkaufszonen der Stadt empfinde ich nicht als Pflicht, mehr denn als Vergnügen, Zeit und Raum verfliegen und oft sind die mir zu Verfügung stehenden Zeiten zu begrenzt.

In Jeans, Hemd und festem Schuh kann ich einem ausgedehnten Bummel durch die Einkaufstrassen nur wenig abgewinnen. Es macht aber einfach Spass, als Frau durch die Modevielfalt der Kaufhäuser zu streifen, sich die ein oder andere Bluse, Rock oder Schuhe anzusehen, anzuhalten oder auch anzuprobieren. Hin und wieder erheische ich schon einmal einen verwunderten Blick von einem der mitgeschleiften und sichtlich gestressten Ehemänner, die wartend vor den Umleidekabinen sitzen oder stehen und die An- und Ausziehprozedur ihrer Ehefrauen mitverfolgen. Seitens der weiblichen Kunden, wie auch der Verkäuferinnen wird meine Gesellschaft problemlos akzeptiert.

Soweit zunächst der Beginn meines Tagebuches, die weiteren Wochen führen mich quer durch die Bundesrepublik mit ganz interessanten Erlebnissen.

Es grüßt Euch
Heidi

Heidiontour
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Re: Mein Leben in Rock und Bluse

Post 2 im Thema

Beitrag von Heidiontour » Fr 24. Feb 2017, 14:11

kurzer Rückblick
Ich genoss diese Momente, anders zu sein, ich fühlte mich wie in einem anderen Körper, war mir aber stets bewusst,
dass es leider immer nur zeitlich begrenzt sein würde. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich innerlich noch mit dem Gedanken,
dass dieser Drang, dieser Wunsch und Gefühl mit zunehmendem Alter und Reifung sicherlich nachlassen und irgendwann
verschwinden würde.
Allerdings ist dieser Zustand bis zum heutigen Tag nicht eingetreten, im Gegenteil, er ist intensiver geworden und bestimmt
mein Leben zusehends mit.

Potsdam
Ankunft in Potsdam, Wetterkapriolen, wie auch der anfängliche starke Verkehr trugen dazu bei, dass ich froh war, es
geschafft zu haben. Die Jugendgruppe war ganz ok, nicht die sonst übliche chipsträchtige Verschmutzung im Bus, so
dass ich wenig Zeit mit der Reinigung des Busses haben würde.
Die Gruppe war für die Dauer ihres Aufenthaltes in der Jugendherberge untergebracht und auch für mich war hier ein
Zimmer reserviert. In Kenntnis diese Umstandes und der Tatsache , dass ich für die folgenden Tage bis einschließlich
Donnerstag keinen weiteren Fahreinsatz haben würde, hatte ich im Vorfeld bereits anders geplant. Ein lang ersehnter
Wunsch sollte für mich in Erfüllung gehen.
Die Gruppe sollte mich in den kommenden Tagen nicht zu Gesicht bekommen, denn diese 4 Tage wollte ich dazu nutzen,
erstmalig ausschließlich als Frau zu leben.

Unweit des Kudamms hatte ich mir ein Hotel gebucht in dem ich die
nächsten Tage ohne jegliches Gepäckstück, das mich als Mann ausweisen könnte, verbringen wollte.
Nachdem ich den Bus auf den für mich reservierten Parkplatz in Potsdam abgestellt hatte, begann ich mein Äusseres
auf mein Vorhaben hin anzupassen. Ich muss sagen, obwohl ich die Planung schon seit Kenntnis dieser Reise begonnen
hatte und es nicht das erste Mal einer Verwandlung war, fühlte ich in mir eine gewaltige Aufregung.

Ein leichtes Make-up, Kajal und Lippenstift trugen dazu bei, mein Gesicht zu verändern, Schmuck, eine Damenjeans,
Bluse und Ballerinas verliehen mir die feminine Außendarstellung, Perlenarmband, Kette und Ohrringe vervollständigten
diesen Eindruck, so dass ich als neuer Mensch, nein, als Frau meinen Ausflug antreten konnte. Alles männliche liess
ich hinter mir, lediglich zur täglichen Rasur benötigte ich technische Hilfe, aber dies war auch das einzigste Utensil,
was mich noch als Mann hätte ausweisen können.
Aber auch Damen haben ja mittlerweile Rasierer mit, man nennt sie nur Shaver.

Es war schwül warm in Potsdam und so trat ich meinen Koffer im Schlepp die Fahrt mit der S-Bahn nach Berlin an. Dezent
geschminkt war ich eine unter vielen und fiel nicht weiter in S und U-Bahn auf. Vom Prager Platz aus musste ich
das letzte Stück bis zum Hotel zu Fuss zurück legen und erreichte nach 10 Minuten das Hotel Atrium. Hier war ich mit
einem weiblichen Vornamen angemeldet und wurde von der Dame an der Rezeption freundlich begrüßt. Mit einem angenehmen
Aufenthalt verbunden, erklärte sie mir den Weg zu meinem Zimmer.
Geschafft, endlich in der neuen Welt, die kommenden 4 Tage sollten für mich eine neue Erfahrung bringen und zu einem
besonderen Erlebnis werden. Frau sein, das was ich mir schon seit vielen Jahren erträumt hatte.
Nachdem ich meinen Koffer ausgepackt und alles im Schrank verstaut hatte, erfrischte ich mich, legte neues Make up
auf und wechselte von der Jeans zu einem leichte Sommerrock. Frisch gestylt verließ ich das Hotel und bummelte in
Richtung Prager Platz. Hier befanden sich einige nette Lokale , sowie ein kleineres Einkaufszentrum.
Nachdem ich hierein paar Dinge für die weiteren Tage erstand, genehmigte ich mir im Cafe Engelchen ein erfrischendes Getränk und genoss
meine alternative Freiheit in Rock und Bluse.
Mit einem Glas Wein liess ich den Tag ausklingen und im
Bewusstsein eine paar schöne Tage vor mir zu haben, begann meine erste Nacht in einer anderen Welt.

Der darauffolgende Morgen sollte mit einem guten Frühstück in der Hotellobby beginnen. Ich wusste nicht, was mich
erwartete, ist der Frühstücksraum voll, welche Gäste sind anwesend, habe ich einen Tisch für mich, kurz gesagt, ich
war nervös. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich diesen Schritt gewagt hatte, bereits in Frankreich war ich schon
zweimal nach einer Hotelübernachtung in weiblichem Outfit zum Frühstück erschienen, aber immer nur dann, wenn ich
als Einzelperson dort gebucht war und nicht in Zusammenhang mit einer Gruppe. Aber es war immer eine sehr aufregende
Sache mit anderen Gästen m Frühstücksraum zu sitzen und ich war stets sehr nervös und angespannt.
Hier jedoch war es etwas anderes, ich war nicht derselbe der noch vor einer Woche am Frühstück sass, hier war ich eine ganz andere Persönlichkeit,
eine Frau, die für ein paar Tage auf Urlaub in Berlin weilte.

Ich war eine der Gäste und wollte auch so wahrgenommen werden. Nachdem ich den Frühstücksraum betreten hatte
und feststellen konnte, dass nur wenige Tische erst besetzt waren, legte sich auch schnell meine Nervosität. Nachdem
ich meine Handtasche auf einen Stuhl abgelegt hatte, ging ich zum Buffet und nahm mir entsprechend Brot und Wurst.
Seitens des Hotelpersonals wurde ich sehr nett und zuvorkommend bedient und man liess mir die gleiche Aufmerksamkeit
zukommen wie allen anderen Frühstücksgästen. Ich muss anmerken,dass ich nicht so naiv bin und davon ausgehe,
dass man diesen Unterschied nicht bemerken würde.

Gekleidet bin ich sicherlich wie eine Frau, weder auffallend, noch nuttig oder sonst extrem, doch ist mein männlich
markantes Profil sicher nicht so einfach weg zu schminken.

Mit jedem Tag, den ich als Frau erlebe, bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass man respektiert wird. Es hat sicherlich
die Zeit gegeben, dass Menschen wie ich, sobald sie den Mut aufbrachten und ihren vier Wänden zuhause entflohen
und in die Öffentlichkeit gingen, mitleidig belächelt, wenn nicht sogar dumm angemacht und angepöbelt
wurden.
Die Welt stellt sich um und gibt Menschen wie uns gottseidank mehr Freiraum.
Was mir persönlich noch Angst macht, ist die sicherlich fehlende Toleranz meines persönlichen Umfeldes. Auch wenn
unsere Zeit immer toleranter wird, wenn es die eigene Persönlichkeit betrifft, wird meistens mit anderen Maßstäben gerechnet


Der zweite Tag
Von meinem Hotel aus war der Kudamm fussläufig gut zu erreichen und vom Frühstück gestärkt verliess ich das Hotel.
Den angenehm warmen Temperaturen angepasst, hatte ich mich für einen knielangen Rock und eine beige Sommerbluse
entschieden. Auch die Ballerinas sollten mir heute gute Dienste leisten, war es doch sehr angenehm, hierin zu bummeln.

Es macht schon einen großen Unterschied aus, für welches Geschlecht ich mich nach dem morgendlichen Duschen entscheide.
Diese Entscheidung bringt mit sich, dass ich entsprechend mehr Zeit für gewisse Dinge einplanen muss. Als
Mann springe ich in Hemd, Hose,Socken und Schuhe, kämme und Rasiere mich und wenn möglich heisst es noch Zähneputzen.

Entscheide ich mich für die weibliche Seite, so ist es nicht mit Bluse und Rock getan, nein es stellt sich die Frage, welche
Bluse passt zu welchem Rock, habe ich die geeigneten Schuhe dabei, soll die Strumpfhose blau, schwarz oder Saskia
sein. Fällt der schwarze BH unter meiner Bluse auf und welchen Schmuck kann ich dazu tragen.
Mit diesen Entscheidungen und der Tatsache, dass ja auch noch Gesichtscreme aufgetragen werden muss, der Lidstrich gezogen, die
Lippen geschminkt und letztendlich auch die Fingernägel in der dazu passenden Farbe ihre Ausdrucksform erhalten,
vergehen Minuten bis hin zur vollen Stunde.

Aber ich unterwarf mich gerne dieser Prozedur und hatte dazu natürlich auch meine Fingernägel lackiert.

Auf dem Weg zum Kuhdamm passierte ich ein Fingernagelstudio. Ich hatte in der Vergangenheit schon oft den Gedanken
an einer fachlichen Maniküre meiner Fingernägel. Allerdings scheiterte dies immer an der Zeit, die ich von solch
einer Aktion profitieren konnte. Aber diesmal war das anders, ich hatte ja nun 4 Tage vor mir und das war Grund genug,
mir meine Fingernägel einmal in einem professionellen Studio maniküren zu lassen. Kurz entschlossen betrat ich das Studio und steuerte den einzigen noch freien
Platz an. Die Dame dahinter, eine nette Asiatin war intensiv mit ihrem Handy beschäftigt. Sie empfing mich mit einem
interessiert fragenden Blick.
Auf meine Frage nach einer Maniküre erhielt ich die Gegenfrage: "haben sie einen Termin?".
Verneinend sah ich bereits die ablehnende Antwort in ihren Augen als die zweite Mitarbeiterin in einem asiatischen
Akzent ihre Zustimmung gab.

Ich muss sagen,ich war aufgeregt aber diese Aufregung legte sich zusehends. Nachdem die Mitarbeiterin die Nägel von
ihrer am Morgen aufgetragenen Farbe befreit hatte, brachte sie sie zunächst mit Feilen und Polieren in Form. Zur
Frage der Farbe wählte ich ein intensives dunkles Rot und dann genoss ich die zunehmende Verschönerung meiner Nägel.
Während der ganzen Aktion, es dauerte ca eine drei viertel Stunde mit trocknen und Schutzlasur und ich wurde das
Gefühl nicht los, dass auch die Asiatin Spass an ihrer Arbeit hatte. "Schön geworden, nicht?" waren ihre Worte kurz vor
Vollendung. Für mich war es eine Meisterleistung und für die Mitarbeiterin sicherlich eine Premiere, die sie, so hoffe
ich, auch ein wenig Stolz machte.

Ein tolles Gefühl, mit professionell gestalteten Fingernägeln den Bummel fortzusetzen.

Es ist immer wieder interessant, einen Bummel durch's KaDeWe zu unternehmen. Wahnsinn, dieses Angebot, ganz besonders
die Feinkostabteilung im obersten Stock.
Allerdings Damen und Herrenabteilung waren nicht so ganz meine Preisklasse und so war der Aufenthalt auch nur von
begrenzter Dauer. Mein Bummel führte mich entlang des Kuhdamm bis zur Gedächtniskirche. Bedingt durch die Vielzahl
der Shops verging auch hier die Zeit wie im Flug und Hunger und Durst liessen ihr Dasein spüren.

Am späten Nachmittag endete mein Bummel dann am Restaurant Dalmcija am Prager Platz und genussvoll stärkte ich
mich bei einer grossen Potpourri Platte und einem kühlen Weizenbier. Likör oder etwas härter wurde ich bei der Zahlung
gefragt. Ich entschied mich für einen Sliwowitz der mein Essen abrundete.

Ein schöner Tag ging zu Ende und zufrieden spazierte ich zum Hotel

Der dritte Tag

Nach meiner morgendlichen Toilette und der Entscheidung, heute in Jeansrock und Stiefeletten den Tag zu verbringen
begab ich mich zum Früstücksraum,auch diesmal wieder ziemlich nervös. Aber nach wenigen
Minuten legte sich die Aufregung. Ich fand einen freien Tisch inmitten anderer Gäste und kann unweigerlich ihren
Gesprächen lauschen. Hatte ich erwartet, dass bei meinem Betreten des Raumes die Gespräche sich reduzieren, so
werde ich enttäuscht. Niemand nimmt Anstoss neben einer "Transe" zu sitzen, es scheint keinen zu stören oder es sich
zumindest anmerken zu lassen. Vielleicht bilde ich mir das ganze nur ein und in Wirklichkeit fällt niemandem auf, wer
hier jetzt zum Frühstück seinen Platz einnimmt.

Tatsächlich wird es aber sicherlich so sein, dass mittlerweile doch eine grössere Toleranz gegenüber uns Transgendern besteht
und nur einige wenige keine oder nur geringe Akzeptanz zeigen.

Bei einem abendlichen Bummel in Speyer wurde ich einmal von einem angeheiterten jungen Mann freundlich angesprochen,
ob ich bereits eine Geschlechtsumwandlung hinter mir hätte. Ich denke, er hätte mich sicherlich nicht gefragt,
wenn ihm der Alkohol nicht den Mut gegeben hätte. Diese Situation kam mir kurioserweise jetzt in den Sinn.

Ansonsten spielen sich in der Regel persönliche Kontakte nur auf der Ebene der Dienstleistung ab, also im Geschäft, im
Restaurant, Hotel usw.
Den Gedanken. einen Informationsaustausch mit Gleichgesinnten vorzunehmen, den hab ich zuweilen schon, nur fehlt
mir dazu die Zeit, die Gelegenheit und letztlich der letzte Mut.

Mit U- und S-Bahn setze ich mich gegen Mittag in Richtung Potsdam unterwegs. Am Ort meiner Ankunft von Montag
angekommen, unternehme ich einen Spaziergang durch diese schöne und historische Stadt. Im Gegensatz zu Berlin
wirkt Potsdam auf mich sehr beschaulich, um nicht zu sagen, klein bürgerlich aber mit viel Atmosphäre. Man fühlt sich
um viele Jahre zurück gesetzt. Kleine individuellen Einzelhändler prägen diese Stadt und nur wenige Einkaufsketten
zerstören dieses Idyll. Die Stadt scheint wenig durch die Folgen des Krieges gelitten zu haben, nur der Sozialismus hat
sichtlich seine Spuren hinterlassen.

Nach den ersten Kilometern, vorbei am Rathaus, der Nachbildung des Brandenburger Tores, dem holländischen Viertel
und vielen kleinen Geschäften hinterlässt das Kopfsteinpflaster seine Spuren. Wohlwissend, dass ein Bummel in Pumps
nicht unbedingt zu empfehlen ist, hatte ich die Wahl auf meine Stiefeletten gelegt. Aber auch hier kam ich an meine
Grenzen und war froh, bei einem Italiener einen Stopp einlegen zu können. Nach einer Pizza und einem typisch Berliner
Bier nutze ich die Möglichkeit zur Erfrischung auf der Restaurant eigenen Toilette.

Hatte es mir anfänglich Schwierigkeiten bereitet, die Entscheidung zu treffen, welche Toilette ich nun nutzen sollte, so
gehe ich heutzutage wie selbstverständlich zur Damen Toilette.
Da sich Berlin als sehr transgenderfreundlich zeigt und sich Fälle wie meine zu häufen scheinen, wurden vor kurzem in
Berlin bereits die ersten Unisex Toiletten errichtet. Gesehen habe ich allerdings noch keine.
Die Pizza allerdings war nicht wiederholungsbedürftig.

Allmählich gewöhne ich mich an dieses Leben und muss sagen, ich fühle mich zunehmend wohler.
Nach Rückkehr am Prager Platz versuche ich meinem Durst Herr zu werden und genehmige mir in einem Cafe ein herrlich
erfrischendes Weizenbier. Ist das schicklich, Weizenbier für eine Dame? Aber warum nicht, es schmeckt und heutzutage
zerfliessen diese geschlechtertypischen Vorgaben, gottseidank.

Der 4. Tag

Auch der Donnerstag beginnt leicht nervös im Frühstücksraum und so langsam bedauere ich schon, dass es das vorletzte
Mal ist. Aber ich geniesse es und lese ausgiebig bei einer Tasse Kaffee die Berliner Morgenpost.
Bei einem anschließenden Bummel über den Kuhdamm besuche ich das C&A und durchstöbern die Herrenabteilung
auf der Suche nach einer Jeans für den männlichen Teil in mir. In Rock und Bluse betrete ich mit zwei Jeans unter dem
Arm die Umkleidekabine und probiere die Passgenauigkeit der Kleidungsstücke. Ok, gekauft, die Herren vor und in den
Kabinen lassen mir zwar ein wenig verwunderte Blicke zukommen, aber wen stört s.

Eine sehr schöne türkisfarbene Bluse mit einem passenden weiss gemusterten Loop, passend zu meinem hellen Jeansrock
finde ich im Anschluss in der Damenabteilung. Ehrlich gesagt, hier finde ich mich im Moment sogar wohler wie
vorher eine Etage höher.
Mit einer Weinschorle und einem Kinobesuch im Cineplex am Zoo runde ich den Nachmittag ab. Der Film, Nice Guys
war so la la, keine unbedingte Action, eher Komödie.

Der Hunger trieb mich anschliessend zurück ins Hotel und nachdem ich mich erfrischt und wieder ausgehfähig gestylt
habe, begab ich mich zum Prager Platz. Stolz trug ich mein Outfit mit der neuerworbenen Bluse, dem Jeansrock ,Loop
und Stiefeletten zur Show.

Nach dem Essen, ich hatte mich für Berliner Leber entschieden, bekam ich unaufgefordert durch die männliche Bedienung
einen Julischka, für mich war das ein Zeichen, das man mich eindeutig zugeordnet hatte, schliesslich bekommt die
Dame den Likör.

Eine wundervolle Woche neigte sich leider dem Ende zu und so ging ich etwas schwermütig nach den Essen zum Hotel.
Jetzt müsste die Zeit stehen bleiben und das Leben in dieser Form weitergehen.
Leider nur ein Traum aber ich habe die Tage und werde die noch verbleibenden Stunden geniessen.

Abreise

Recht früh verliess ich nach dem Frühstück das Hotel und fuhr wieder mit U- und S-Bahn Richtung Potsdam, meinen
Koffer im Schlepp.
Im Bus angekommen fiel mir die Rückverwandlung nicht einfach, aber das Gefühl eines erlebten Traums blieb und das
wollte ich noch lange in mir halten.

Diese Zeit in Berlin hat mir rückblickend sehr viel gegeben. Wenn ich heute unterwegs bin, ist es schon fast Normalität, mich ausserhalb des eigenen Zuhauses in eine Frau zu verwandeln und in dieser Persönlichkeit mich unter Menschen zu begeben.
Es erreichen mich immer wieder fragende Blicke von aufmerksamen Spaziergängern, aber 99% der restlichen Passanten, Kaufhaus- und Restaurantbesuchern nehmen mich so wahr, wie ich wahrgenommen werden möchte, als normaler Mensch und nicht als Mann in Frauenkleidern., was übrigens, so finde ich, sehr abwertend klingt.

Ich wäre gerne eine Frau und wenn ich dies ausleben, dann bin ich eine Frau.

Ich hoffe, ich kann Euch noch weitere Reiseerlebnisse schildern und bleibe bis dahin

Eure Heidi

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