Aktives Leben einer Geschlechterrolle oder Abschaffung der Zwei-Geschlechter-Gesellschaft?

Brauchen wir wirklich ein wahres Geschlecht?, fragt Michel Foucault, der Philosoph, und vermerkt eine "Beharrlichkeit, die an Starrsinn grenzt", mit der die Gesellschaften des Abendlands diese Frage bejaht haben.

Dass es nur sehr wenige Erzieher - besonders im Kindergarten - und Grundschullehrer gibt, ist sicherlich nicht nur eine Frage des Geldes. Schließlich gibt es auch viele typische Männerberufe, in denen MANN nicht zu den Topverdienern gehört.
Es ist auch eine Imagefrage. Männer werden jedoch auch in den kommenden Jahren eine Rarität an Grundschulen bleiben (Beispiel Bayern): Von den 944 Grundschullehramts- Erstsemestern an Bayerns Universitäten war nach Auskunft des Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung im Studienjahr 2005/2006 nur jeder 18. ein Mann. "Sowohl der Erzieher- als auch der Grundschullehrerberuf wird mehr und mehr zu einem Frauenberuf", stellt BLLV-Präsident Wenzel fest. Gründe seien die schlechte Bezahlung, niedriges gesellschaftliches Ansehen und überkommene Rollenbilder: "Ein ,echter Mann' wird halt Ingenieur und nicht Lehrer."
(aus der Süddeutschen, 28.06.2007 http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/731/301728/text/

Gründe seien die schlechte Bezahlung, niedriges gesellschaftliches Ansehen und überkommene Rollenbilder: Ein "echter Mann" wird halt Ingenieur und nicht Lehrer. Das musste noch einmal extra herausgestellt werden und ich erlaube mir die Frage: warum muss man "ein echter Mann" sein? Warum reicht es nicht "ein echter Mensch" zu sein? Warum muss schon die Ausbildung zum Grundschullehrer als "Frauenverein" abqualifiziert werden?

Die Gewerkschaft (GEW Bremen) kommt zu ähnlichen Ergebnissen: "Ein wesentlicher Grund für den Männermangel an Grundschulen ist das historisch gewachsene und noch relativ weit verbreitete Verständnis "Erziehung und Pflege" (früher : Kinder, Küche, Kirche ) seien Frauensache, "Wissenschaft, Forschung und Technik" jedoch Männersache".

Was gibt einem eine eindeutige Zugehörigkeit zur "Männer- oder Frauengilde", die sich über den Beruf, die Kleidung und ein besonderes Rollenverhalten definiert?

Was kann so schlecht daran sein, wenn sich Männer für den Erzieherberuf entscheiden und im Kindergarten arbeiten? Was kann schlecht daran sein, wenn MANN Grundschullehrer ist?

Es gibt viele Männer, die sich sehr für die Berufe der Gattung "Erziehung und Pflege" eignen, jedoch sollte man berücksichtigen, dass es auch bei den Männern "weichere" Persönlichkeiten gibt. Wenn man den Männern in diesen Berufen ausschließlich angeblich männertypische Aufgaben zuweist wie z.B. handwerkliche Tätigkeiten oder aber "bei den Rabauken ordentlich auf den Tisch hauen", Fußball spielen, dann werden viele Chancen vertan - und überholte Rollenbilder zementiert.

Es ist eher wichtig den Kindern zu vermitteln, dass es vielschichtige Persönlichkeiten gibt und dass jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen gefördert werden sollte - und in Ausbildung und Beruf eine Rolle findet, die sich nicht an überholten Traditionen und veralteten Geschlechterbildern orientiert, sondern am Menschen als Individuum.

Das kommt später der Gesellschaft zugute.

Das haben auch Politiker erkannt. So schrieb das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf der Internetseite www.rollenbilder.de/ (die Seite gibt es allerdings nicht mehr):
"Vorurteile und Rollenbilder beeinflussen unser Zusammenleben und unsere Zusammenarbeit. Sie sind – gerade in der Arbeitswelt – immer wieder Ursache für Diskriminierungen. Der Abbau geschlechter­bezogener Rollenbilder ist deshalb ein zentrales Anliegen des EU-Fahrplans von 2006 bis 2010 für die Gleichstellung von Frauen und Männern".
Nun stellt sich mir die Frage, ob wir überhaupt Geschlechter brauchen. Die Einteilung in zwei Geschlechter ist diskriminierend - und viele Menschen würden oder wollen sich in keine der beiden bisher bestehenden Geschlechterkategorien einordnen lassen. Brauchen wir also ein drittes Geschlecht - oder sogar noch mehr? Oder brauchen wir überhaupt keine Einteilung?
Ich fordere: Gleichberechtigung für alle! Wer sich irgendwo einordnen will, der kann das gerne tun - aber es ist nicht notwendig. Mit einem Schlag würden alle Grenzen fallen. Es gäbe keine unterschiedliche Bezahlung, jeder könnte das anziehen, was er gerne möchte, man müsste sich nicht mehr erklären...
Utopie? Vielleicht, aber sicherlich ein Modell, über das man nachdenken könnte: Abschaffung der Geschlechter-Rollen!

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