Zweifel
Zweifel - # 8

Lebensplanung, Standorte
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Kleine Ketzerin
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Re: Zweifel

Post 106 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin » Fr 29. Jun 2018, 12:13

Sasha hat geschrieben:
Fr 29. Jun 2018, 10:48
eine Ketzerin, die gerne austeilt - na prima! Warum bittest Du um eine Erläuterung, um dann hintenrum diese Bitte zu einer Frage umzudeuten, auf die Du dann in hochnäsiger Weise doch keine Antwort willst? Das ist Ketzerei um der Ketzerei willen und mehr als nur absurd - und ein fragwürdiger Diskussionsstil.
Wenn Du nicht verstehst, warum ich keine Antwort haben wollte, dann steht es Dir selbstverständlich frei, das so zu interpretieren. Erwarte nur bitte nicht, dass mich das in irgendeiner Weise tangiert.

Vicky_Rose
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Re: Zweifel

Post 107 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 29. Jun 2018, 12:33

Klärt das, falls notwendig, bitte doch per PN.

Danke
Viele Grüße
Vicky

Nur Mannsein ist mir zu wenig, nur Frausein (noch) zu viel ...

ellenlegrelle
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Re: Zweifel

Post 108 im Thema

Beitrag von ellenlegrelle » Do 12. Jul 2018, 13:28

Zur Frage des Geschlechts und der Körperlichkeit, Geschlecht ist zwischen den Ohren, nicht zwischen den Beinen! Wenn mir nun eine Fee erscheinen würde und mir anböte, die Zeit sozusagen wieder zurückzudrehen, dann würde ich sie fragen, ob sie es denn auch möglich machen würde, dass ich mit mir selber, so wie heute, im reinen bin. Denn nur dann würde ich mir den Weg ersparen. Ansonsten bleibt alles wie es ist! Denn heute, nach den OP's, lebe, liebe und fühle ich als der Mensch der ich schon immer sein wollte. Ich bin mit mir im reinen. Klar hätte ich gerne vollere Haar, so dass ich auf die Perrücke verzichten könnte und auch ein paar Pfunde weniger auf den Rippen, nur sind das alles Äußerlichkeiten, die mit dem Gefühl endlich eine Übereinstimmung gefunden zu haben, nichts zu tun haben. Ich habe meinen Körper, meinem Geschlecht angepasst, durch die Operationen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das wollte ich so haben, weil ich genau wusste, ohne diese Angleichung will ich nicht leben. Das war MEIN Weg den ich gehen wollte und musste um glücklich zu werden. Doch wir sind alle unterschiedlich, und darum kann DEN Transweg gar nicht geben! Der Kölner sagt; jede jeck is anners, und das stimmt auch. Wir sind Individuen und alle auf ihre Art einzigartig.
Lebe DEIN eigenes Leben, so dass DU glücklich bist, nicht die Nachbarn, Freunde, oder Familie! Das ist das wichtigste im Leben. Es ist DEIN Leben, du hast nur dieses eine.
Leben so wie ich es mag,
Leben spüren Tag für Tag,
Da heißt immer wieder fragen,
Das heißt wagen, nicht nur klagen,
Leben so wie ich es mag.
Aus dem gleichnamigen Lied von Volker Lechtenbrink
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
© Albert Einstein

Maria50
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Re: Zweifel

Post 109 im Thema

Beitrag von Maria50 » Di 31. Jul 2018, 15:33

Ich finde diesen Thread außerordentlich interessant. Die meisten hier angesprochenen Fragen und Probleme haben mich selber sicher auch schon befaßt, und was ich jetzt wieder empfinde ist die oft totale Zerrissenheit, die in einem steckt. Was ist man, wer ist man, wobei es ja gar nicht um die Frage geht, wer man sein möchte.
Ich werde immer männliche Chromosmen haben, eine männliche DNA, einen männlichen Körperbau, und im günstigsten Fall bekomme ich es vielleicht ein wenig hin, als Frau wahrgenommen zu werden.
Vielen mag das nicht so wichtig sein, ich habe immer damit gehadert,am Ende sowieso keine „richtige“ Frau zu sein.
Wie ich mich selber empfinde und sehe ist wichtig. Aber mir war es immer auch wichtig, wie andere mich sehen. Allein schon die Stimme klappte nicht oder nur vorübergehend. Ja, am Telefon hat niemand etwas gemerkt, aber das habe ich rein physisch nicht durchgehalten. So habe ich von Anfang an nach einem dritten Weg gesucht.
Entweder „richtig“ Frau oder gar nicht, das hat mich immer beschäftigt und tut es noch.

Joe95
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Re: Zweifel

Post 110 im Thema

Beitrag von Joe95 » Di 31. Jul 2018, 16:29

Maria50 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 15:33
...
Entweder „richtig“ Frau oder gar nicht, das hat mich immer beschäftigt und tut es noch.
Was ist eine richtige Frau? Was muss sie haben?

Oberweite?
Vagina?
Figur?
Haare?

Oder ist es etwas, was sie nicht haben darf?
Körper- oder Gesichtsbehaarung?
Tiefe Stimme?

Wo genau will man die Grenze ziehen?

Ich definiere mich nicht durch das, was andere in mir sehen, sondern durch das, was ich empfinde.
Natürlich bemühe ich mich feminin auszusehen, aber es gibt wichtigeres.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

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Re: Zweifel

Post 111 im Thema

Beitrag von Maria50 » Di 31. Jul 2018, 16:39

Ich weiß, ich habe diese Gespräche unzählige Male gehabt, mich schwer damit getan, sicher auch, ohne es zu wollen, andere verletzt. Mit „richtige“ Frau meinte ich eine „Biofrau“, das hast Du, Joe95, auch verstanden.

Ich kann eben nicht anders.

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Re: Zweifel

Post 112 im Thema

Beitrag von Maria50 » Di 31. Jul 2018, 17:16

Joe95 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 16:29
Maria50 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 15:33
...
Entweder „richtig“ Frau oder gar nicht, das hat mich immer beschäftigt und tut es noch.
Ich definiere mich nicht durch das, was andere in mir sehen, sondern durch das, was ich empfinde.
Ich auch übrigens, aber ich brauche auch ein Gefühl der Stimmigkeit.

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Re: Zweifel

Post 113 im Thema

Beitrag von Sasha » Di 31. Jul 2018, 17:29

Diese Frage beschäftigt mich jetzt auch intensiv seit einigen Wochen. Mit jedem Tag, an dem ich darüber nachdenke oder mich auch einfach wie eine Frau kleide (Rock, Kleid, inzwischen täglich, auch öffentlich), merke ich, daß sich das Selbstgefühl, weiblich zu sein, immer häufiger, durchdringender und längeranhaltend einstellt.

Und doch: mir stellt sich die Frage nach der Authentizität - nicht im Angesicht der anderen, sondern vor mir selbst. So ist es für mich eben doch nicht nur eine "Sache", die zwischen den Ohren stattfindet, sondern auch eine in gewissem Maß körperlicher Angleichung. Doch wo ziehe ich da die Grenze für mich?

Vielleicht hilft mir auch der beantragte dgti-Ergänzungsausweis, der meinen Weg etwas "offizieller" gestaltet. So ist es am Ende wohl doch eine Frage der inneren Einstellung - ohne große GaOP wird es aber wohl ein etwas längerer Prozess mit offenem Ausgang bleiben, wobei ich mir einen vollständigen "Rückzug" nicht mehr vorstellen kann.
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

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Re: Zweifel

Post 114 im Thema

Beitrag von Joe95 » Di 31. Jul 2018, 17:35

Maria50 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 17:16
...aber ich brauche auch ein Gefühl der Stimmigkeit.
Ich muss mich in dem Outfit wohl fühlen und es muss irgendwie natürlich aussehen.
Nicht nach Mann, auch nicht nach Frau, sondern nach Joe.

Keine Ahnung ob ihr jetzt versteht was ich sagen möchte, aber mir fallen gerade keine besseren Worte dafür ein.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

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Re: Zweifel

Post 115 im Thema

Beitrag von Maria50 » Di 31. Jul 2018, 17:59

Doch, ich verstehe, was Du ausdrücken willst und finde das auch völlig in Ordnung. Für mich stand aber von Anfang an fest, dass ohne GaOp gar nichts geht.
Aus verschiedenen Gründen u.a. auch gesundheitlich ging das aber nicht. Deshalb leide ich bis heute, aber auch wenn ich wieder in mein altes Outfit schlüpfe fehlt mir dieses Gefühl der Stimmigkeit.

Aber Mann bin ich definitiv auch nicht, obwohl ich so aussehe und auch so herumrenne. Als Mann habe ich mich übrigens niemals Gefühlt, könnte es nur lange nicht einordnen.

So hat eben jeder bzw. jede ihren ganz eigenen individuellen Weg.

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Re: Zweifel

Post 116 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mi 1. Aug 2018, 06:49

Früher hab ich schon geglaubt ein Mann zu sein. Ich hatte ja auch keine Ahnung das es überhaupt anders sein könnte.
Auch später dachte ich sowas wäre doch nur was für die hübschen, femininen.
Ich war eben anders, nicht so der Macho, der Hengst im Bett.
Überhaupt konnte ich "damit", also mit dem zwischen meinen Beinen, nicht viel anfangen.
Crossdresser?
Ja, da konnte ich wenigstens tragen was mir gefällt.
Aber auf dauer war es das auch nicht, die Probleme "damit" wurden ja nicht weniger, sondern mehr.
Nullo?
Eine herrliche Vorstellung alles los zu sein, aber irgendwie auch nix für mich.
Enby?
Irgendwie kommt das der Sache schon recht nahe, aber meine Probleme "damit" sind zu groß um "männlichkeit" zuzulassen.
Frau?
Es ist nicht so, dass ich jemals Frau sein wollte. Ich wollte so leben wie es sich richtig anfühlt.
Dass das einer Frau entspricht, dafür kann ich nix. Das ich eine bin, obwohl ich doch garnicht so aussehe, dafür kann ich auch nix.
Seit ich das erkannt habe fühl ich mich frei, wie ich es nie zuvor gekannt habe.
Hormone und Op müssen her, so schnell wie möglich, um zu retten was noch zu retten ist.

Zweifel hab ich auch, immer und immer wieder, in allen möglichen und unmöglichen Variationen.
Aber sie reichen schon lange nicht mehr aus um an meinen Erkenntnissen zu kratzen.

Ok, hier bin ich und versuche das beste draus zu machen. Bin gespannt wie es weiter geht.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

Vicky_Rose
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Re: Zweifel

Post 117 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 1. Aug 2018, 07:18

Guten Morgen,

ich kann Eure Sichtweise gut verstehen. Ich möchte Marias Beitrag aus meiner heutigen persönlichen Sicht beantworten.
Maria50 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 15:33
Die meisten hier angesprochenen Fragen und Probleme haben mich selber sicher auch schon befaßt, und was ich jetzt wieder empfinde ist die oft totale Zerrissenheit, die in einem steckt. Was ist man, wer ist man, wobei es ja gar nicht um die Frage geht, wer man sein möchte.
Diese Frage wer oder was man ist, lässt sich ja nur vor einem gesellschaftlichen Hintergrund beantworten. Ich denke, wenn ich in den Weiten Asiens oder bei Eingeborenen in Afrika oder alleine auf einer Insel groß geworden wäre, hätte ich eine andere Sicht auf meine Welt. Unterschiedliche Randbedingungen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Schwierige ist an der Sache, wenn es für mich keine direkte Kategorie gibt mit der ich mich identifizieren kann, versuche ich mich in den bestehenden einzuordnen. Wenn das nicht klappt, befinde ich mich zunächst außerhalb der Konventionen. Einen eigenen Weg zu kreiren, ist dabei zunächst schwierig. Das würde ich als "Zerrissenheit" bezeichnen. In dieser Zeit geht man mit sich selber schwanger, diesen Weg zu finden, aber trotzdem nicht ausgeschlossen zu sein.
Maria50 hat geschrieben:
Di 31. Jul 2018, 15:33
Ich werde immer männliche Chromosmen haben, eine männliche DNA, einen männlichen Körperbau, und im günstigsten Fall bekomme ich es vielleicht ein wenig hin, als Frau wahrgenommen zu werden.

Vielen mag das nicht so wichtig sein, ich habe immer damit gehadert,am Ende sowieso keine „richtige“ Frau zu sein.
Wie ich mich selber empfinde und sehe ist wichtig. Aber mir war es immer auch wichtig, wie andere mich sehen. Allein schon die Stimme klappte nicht oder nur vorübergehend. Ja, am Telefon hat niemand etwas gemerkt, aber das habe ich rein physisch nicht durchgehalten. So habe ich von Anfang an nach einem dritten Weg gesucht.
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Da sind die beiden "verfügbaren "Kategorien. Ein dritter Weg scheint ausgeschlossen. Mich hat diese Frage in gleicher Weise lange Zeit beschäftigt. Aber irgendwann hatte ich einen "Durchbruch" und es war mir klar, dass ich mein ganzes Leben den dritten Weg gesucht hatte. Er lag die ganzen Jahrzehnte vor mir. Ich bin beides und möchte beides sein. Dieses Dogma, entweder "richtig Mann" oder "richtig Frau" sein zu müssen, existiert nur in meinem Kopf. Es wurde mir dort vor langer Zeit eingepflanzt und nie hinterfragt. Aber warum kann ich nicht beides sein ?

Dabei ist noch nicht einmal so wichtig, wer oder was ich bin, sondern was ich sein will. Es scheint mir auch ein Dogma zu sein, dass unser Wesen in allem fest angelegt ist und wir den Weg finden müssen, wie wir diese Anlage leben können. Ich glaube, es ist anders. In uns Menschen sind einige Dinge im Grundsatz angelegt. Das würde ich als Talent bezeichnen. Aber wir haben viel mehr Talente, als wir leben können. Es kommt anfangs stark auf unsere Umgebung an, welche Talente wir entwickeln können und welche nicht. Aber später können wir darauf Einfluss nehmen. Viele Menschen probieren selbst im fortgeschrittenen Alter etwas Neues.

Für mich bedeutet das in der Konsequenz, das was ich leben will, ist wichtiger als das, was ich bin.Ich bin wie ein Haus mit mehr Zimmern als ich bewohnen kann. Welche Zimmer ich bewohne, ist eine Frage meines Wollens. Da gibt es ein Zimmer, da steht "Frau" dran und eines, da steht "Mann" dran. Ich kann bestimmen, in welchen Zimmer ich leben möchte. Ich kann natürlich versuchen, eins der Zimmer zu meiden, aber wenn beide Zimmer groß, hell und schön sind, möchte ich in beiden sein. Vielleicht stelle ich sogar eine Verbindungstür her oder reiße die Wand dazwischen heraus, so dass ich in beiden gleichzeitig sein kann.

Manche mögen ein kleines "Frauenzimmer" haben, andere ein kleines "Mannzimmer". Sie meiden sie, weil es ihnen nicht wichtig ist. Ich bin wie ein Haus, in dem für beides Platz ist. Dafür sind andere Zimmer kleiner. Menschen, die mich in den wichtigen Zimmern besuchen, sind mir willkommen. Menschen, die meinen, mein Haus umbauen zu müssen, dass einige Zimmer kleiner, andere dafür größer sein müssen, sind mir nicht willkommen. Sie tun mir nicht gut.

Mein Problem war, dass ich viel zu sehr auf die falschen Menschen gehört habe. Sie wollten, dass ich wie ein Reihenhaus bin, in dem möglichst viel gleich und wie nebenan aussieht und nicht auffällt. Aber jedes Haus ist anders. Und wenn man andere Menschen in ihrem Haus besucht und das Glück hat, ihre großen Zimmer sehen zu dürfen, kann man das eigentlich nur anerkennen und staunen. Und wenn man in seinem eigenen Haus endlich die großen Zimmer gefunden hat, sollte man sie auch ausschmücken und für sich selber wohnlich gestalten. Wer wohnt schon gerne in einer Besenkammer ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Zweifel

Post 118 im Thema

Beitrag von Maria50 » Mi 1. Aug 2018, 07:49

Einerseits kann ich den Weg der Geschlechtsangleichung gehen mit HET, Psycho, Behörden, Namensänderung, GaOp, Epilieren usw.
Ich kann auch gar nichts machen und weiter so leben, wie es immer war.

Und dann kommt der 3. Weg, der ganz unterschiedlich aussehen kann, Hauptsache, man kann ihn gehen, denn einfach gar nichts tun ist wohl eher nicht der richtige Weg.

Das Problem ist nur, diesen Weg zu finden und nicht ständig das Gefühl zu haben, es ist ein Kompromiss.

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