Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels
Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels - # 2

Antworten
Svetlana L
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 759
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 06:47
Geschlecht: trans*-Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 186 Mal
Danksagung erhalten: 548 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 16 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Sa 25. Nov 2017, 12:23

Lina hat geschrieben:
Sa 25. Nov 2017, 08:01
Bitte genauer erklaeren. Auf welchen Punkten meinst du, dass die beiden Faelle ueberhaupt vergleichbar sind?
In dem Urteil zum "Dritten Geschlecht" hat das Gericht nach meiner Lesart nicht nur die Rechte intersexueller Menschen gestärkt, sondern sich auch grundsätzlich zur geschlechtlichen Identität geäußert.

In den Leitsätzen schreibt das Gericht:
"Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) schützt die geschlechtliche Identität."
Da ist erstmal nicht die Rede von intersexuellen Menschen, die Aussage gilt also generell für alle Menschen. Erst im nächsten Satz folgt dann die Konkretisierung: "Es schützt auch die geschlechtliche Identität derjenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen." Das Wörtchen 'auch' sagt, dass dieser Schutz für intersexuelle Menschen gilt, die zuvor genannte grundsätzliche Aussage damit aber bestehen bleibt.

Randziffer 39
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt danach auch die geschlechtliche Identität (vgl. BVerfGE 115, 1 <14 ff.>; 116, 243 <259 ff.>; 121, 175 <190 ff.>; 128, 109 <123 ff.>), die regelmäßig ein konstituierender Aspekt der eigenen Persönlichkeit ist. Der Zuordnung zu einem Geschlecht kommt für die individuelle Identität unter den gegebenen Bedingungen herausragende Bedeutung zu; sie nimmt typischerweise eine Schlüsselposition sowohl im Selbstverständnis einer Person als auch dabei ein, wie die betroffene Person von anderen wahrgenommen wird.
Auch hier wieder die generelle Aussage, dass die geschlechtliche Identität ein konstituierender Bestandteil der Persönlichkeit ist. Erst in Randziffer 40 kommt dann wieder die Konkretisierung auf intersexuelle Menschen: "Geschützt ist auch die geschlechtliche Identität jener Personen, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind."

Daraus schließe ich, dass die Äußerungen zur geschlechtlichen Identität grundsätzlicher Natur sind, die über die Stärkung der Rechte von intersexuellen Menschen weit hinausgeht. Und somit gelten diese Aussagen auch für trans*-Menschen. Und wenn der geschlechtlichen Identität ein so hoher verfassungsrechtlicher Rang zugestanden wird, dann passt es aus meiner Sicht nicht, dass es 1. den Begutachtungszwang noch immer gibt und 2. die hier in Rede stehende Klage noch nicht mal zur Entscheidung angenommen wurde.

Meine Befürchtung ist, dass der Gesetzgeber (wie immer der sich dann künftig zusammensetzen wird) jetzt auch keine Veranlassung mehr sieht, das TSG aufzuheben.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Jaddy
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 473
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name>/d'/hen
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 56 Mal
Danksagung erhalten: 408 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 25. Nov 2017, 14:22

MichiWell hat geschrieben:
Sa 25. Nov 2017, 10:41
Christian hat geschrieben:
Fr 24. Nov 2017, 23:17
Mit Wegfall der Definition als Krankheit würde dementsprechend der Leistungsanspruch entfallen.
Ja, die Gefahr sehe ich auch. Aber auch wenn ich selbst keinen Bedarf habe finde ich:
Da muss man auf jeden Fall gegensteuern!.
Soweit meine sehr kurze Recherche ergeben hat, ist das in Dänemark z.B. kein Problem. TS ist keine Krankheit dort, trotzdem übernimmt die - meines Wissens staatliche - Krankenkasse die Kosten für angleichende Maßnahmen.

Bei denen könnte man also mal spicken gehen im Gesetz.

Rosi_
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 229
Registriert: So 30. Nov 2014, 18:27
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 92 Mal

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 18 im Thema

Beitrag von Rosi_ » Sa 25. Nov 2017, 18:04

Da heißt es in dem Urteil:
„Um feststellen und nachweisen zu können, ob der transsexuelle Wunsch wirklich stabil und irreversibel sei, bedürfe es nach heutigem
medizinischen Kenntnisstand eines längeren „diagnostisch-therapeutischen“ Prozesses“


Und:
„Dass die Begutachtung der Ermittlung der Tatbestandsvoraussetzungen … dient, setzt der inhaltlichen Ausrichtung der Begutachtung
in der konkreten Anwendung … Grenzen“


Weiter:
„Die Begutachtung … darf sich nur auf solche Aspekte beziehen, die für die sachliche Aufklärung der … Voraussetzungen … relevant sind."

Und:
Das BVerfGE hat angesprochen, das die Begutachtung nicht in "grundrechtsverletzender Weise" erfolgen darf.

Gleichsam aber:
„Die Erfordernis zweier Gutachten als prozessrechtliches Mittel des objektiven Nachweises der rechtlichen Voraussetzungen des
Geschlechtswechsels angesehen.“


Wobei in der Klage:
„Diese inhaltlichen Voraussetzungen des Namens- und Personenstandswechsels sind mit der vorliegenden Verfassungsbeschwerde nicht
angegriffen."


---

Es wird also davon ausgegangen, dass die Beurteilung, ob der „transsexuelle Wunsch“ dann „stabil und irreversibel“ sei, eines
„längeren diagnostisch-therapeutischen“ Prozesses bedarf. Gleichzeitig spricht man von einer ausschließlich „sachlicher Aufklärung“
der „Tatbestandsvoraussetzungen“, die nicht in einer „grundrechtsverletzender Weise“ erfolgen darf um dann als „objektiver Nachweis“
angesehen zu werdenl.

Ganz offensichtlich gehen diese ahnungslosen Menschen dort im Gericht davon aus, dass eine solche „Begutachtung“:

- in der Lage ist, in Menschen und in die Zukunft zu schauen,
- davon ausgeht, dass das dann eine sachliche Aufklärung sei
- und es sich dann um einen objektiven Nachweis handelt.

Wer dann auch noch einer solchen Prozedur zuschreibt, dass es sich dabei überhaupt um eine nicht grundrechtsverletzende Weise handelt,
hat seine Ahnungslosigkeit erneut bewiesen.

Der eigentliche Knackpunkt in dieser Angelegenheit scheint aber ganz offensichtlich nämlich genau in diesen „Tatbestandsvoraussetzungen“
zu liegen, die in ihrer Fragestellung ansich schon die Würde des Menschen antasten und die freie Entfaltung bevormunden. Alleine schon
durch das „in Frage stellen“ der Aussage eines Menschen über sich und eine Beweisforderung dann, um diese persönlichen Äußerungen zu
hinterfragen.

Leider aber sind genau diese „inhaltlichen Voraussetzungen des Namens- und Personenstandswechsels“ mit der vorliegenden
Verfassungsbeschwerde nicht angegriffen worden. Das war wohl insgesamt taktisch unklug, schlecht beraten und leider dann insgesamt
mitunter für alle betreffenden Menschen ersteinmal ein Schuss ins eigene Knie.

Es besteht noch die Möglichkeit, dass der Gesetzgeber einer Betrachtung folgt, in der eine Begutachtung solcher Voraussetzungen überhaupt
nicht in menschenrechtlich grundgesetzkonformer Weise erfolgen kann und der Aussage der Menschen, in alleiniger Form eines Antrages zu
Namens- und Personenstandswechsels, als menschenwürdig im Sinne einer freien Entfaltung ansieht.

:shock:
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"

Manu.66
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 533
Registriert: Di 29. Nov 2016, 16:10
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Hage
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 454 Mal
Danksagung erhalten: 501 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 19 im Thema

Beitrag von Manu.66 » So 26. Nov 2017, 12:56

Hi Mädels!

Sorry, aber das ganze Prozedere nach dem TSG ist ein ein einziger Willkürakt und hat so absolut überhaupt nichts damit zu tun, ob und in wieweit Transsexualität eine pathologische Erscheinung ist, die irgendeiner medizinischen Diagnose bedarf.

Es geht hier um Zwangsbegutachtungen von Menschen. Und diese Zwangsgutachten sind absolut haltlos. Wenn in der Praxis, nachweislich, aufgrund einer zehnminutigen "Begutachtung" ein mehrere Seiten umfassendes "Gutachten" erstellt wird, das dann auch noch Grundlage für die Entscheidung eines Amtsgerichtes sein soll, dann ist das totaler Schwachsinn! Das ist nun mal so, daran gibt es einfach nichts rumzudeuteln.

Und wenn in anderen Fällen eine "Begutachtung" erst nach einem sich über Monate hinziehenden, auf mehr als einem Dutzend Sitzungen basierenden "Prozess" erfolgt, wo ist da bitte schön die Gleichbehandlung? Sind die Gutachten, die erst nach längeren, intensiven, sich über Stunden hinziehenden Gesprächen entstanden sind, die "wahren" Gutachten?

Und sind dann die 10-Minuten-Ex-und-Hopp Gutachten falsch?

Beide Arten führen auf jeden Fall zum gleichen Ergebnis: Ein Amtsrichter urteilt nach einer 10 minütigen mündlichen Verhandlung stolz und ergriffen über den Antrag nach TSG §1!

Und zu alle dem kommt noch, dass die Gerichtskosten für dieses absurde Prozedere bundesweit - nachweislich - schwanken zwischen 1.100,00 € und über 5.000,00 €.

Wohl derjenigen, die in einem AG Bezirk wohnt, wo 10 Minuten Gutachten und eine 10 Minuten Gerichtsverhandlung für 1.100,00 € als ausreichend erachtet werden!

Aber die Gerechtigkeit bleibt dabei auf der Strecke! Basta!

Das ist Amtswillkür auf der Basis eines grundgesetzwidrigen Gesetzes - daran ändert auch kein erneuter BVerFG Beschluss auch nur irgendetwas!

Liebe Grüße
Manuela

(die in einem günstigen AG Bezirk wohnt!)

PS: Und da ich begriffen habe, dass es Dinge gibt, die ich allein nicht ändern kann, werde ich mir wohl das Vergnügen bereiten, für ca. 1.100,00 € zwei lächerliche Gespräche mit "Gutachtern" zu führen und dazu noch einen freundlichen Smalltalk mit einem Amtsrichter. Frau gönnt sich ja sonst nichts!
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)

ilyadusoleil
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 76
Registriert: Mi 11. Jun 2014, 08:39
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 20 im Thema

Beitrag von ilyadusoleil » So 26. Nov 2017, 13:39

Ihr Lieben,

Gibt es hier noch andere wie mich für die die vä und pä aktuell ansteht und die ein wenig auf ein für uns positives Ende der Sondierungsgespräche gewartet haben und nun nach dem Ende dieser und dem Urteil des bvg die Hoffnung auf eine baldige Veränderung verloren haben? Warten wir jetzt weiter oder stellen wir jetzt eben nach alter Sitte den Antrag?

Das ist echt frustrierend sowas... Hatte echt gehofft dass sich da was tut... Liebe Grüße

Sabrina Verena
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1598
Registriert: Sa 11. Aug 2012, 23:58
Geschlecht: genderfluid
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Rechts vom Neckar
Membersuche/Plz: Nordrätien, Südgermanien
Hat sich bedankt: 57 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 21 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena » So 26. Nov 2017, 13:52

Wenn eine Jamaika- Koalition etwas an der Rechtslage geändert hätte, wär es nicht unmittelbar in Kraft getreten, sondern erst nach einiger Zeit.
Von daher bleibt wohl keine andere Wahl, als nach der bestehenden Rechtslage die erforderliche Maßnahmen zu treffen.
Persönlich waren meine Erwartungen bei Jamaika auch nicht die Höchsten.
Wenn man bedenkt, dass die FDP es zum Scheitern brachte, obwohl die Grünen Zugeständnisse gemacht haben, muss man wohl auch bedenken, wer in der Koalition der Hauptblockierer gewesen wäre.
Einen Wendehals wie Seehofer kann Niemand wirklich ernst nehmen.
Innerlich bin ich froh, dass nichts daraus geworden ist. Im Falle von Neuwahlen sehe ich aber auch keine Verbesserung, schon gar nicht nach dem sich abzeichnenden Wandel in der SPD.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
Lakota Sioux

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2353
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1051 Mal
Danksagung erhalten: 1534 Mal

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 22 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 26. Nov 2017, 14:26

ilyadusoleil hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 13:39
Warten wir jetzt weiter oder stellen wir jetzt eben nach alter Sitte den Antrag?
Als nicht selbst Betroffene, und mit Verweis auf die Einwände von Sabrina stelle ich dir mal eine ganz einfache Frage:

Wie lange kannst und willst du denn warten?


Üblicherweise will man als TS die Sache doch einfach nur hinter sich bringen, wenn man erkannt hat, was man ist und wie man sich fühlt. :wink:
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

Andrea aus Sachsen
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1878
Registriert: Mi 30. Nov 2011, 08:43
Geschlecht: Transfrau
Pronomen:
Membersuche/Plz: Nähe Chemnitz
Danksagung erhalten: 250 Mal

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 23 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » So 26. Nov 2017, 19:30

.
ilyadusoleil hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 13:39
Warten wir jetzt weiter oder stellen wir jetzt eben nach alter Sitte den Antrag?
Das kann letztendlich nur jede(r) für sich entscheiden.
Ich selbst warte ja nun schon zwei Jahre, da kommt es jetzt auf ein paar Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an. Bange wird mir nur vor 2022. Dann läuft mein alter Ausweis ab. Wenn bis dahin keine Änderung in Sicht ist, stehe ich vor der Wahl: Entweder noch mal einen „männlichen“ oder VÄ/PÄ nach altem Schema.
Ich muss zugeben, ein wenig graut mir vor dieser Entscheidung.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

Marielle
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1544
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 117 Mal
Danksagung erhalten: 623 Mal

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 24 im Thema

Beitrag von Marielle » So 26. Nov 2017, 21:28

Nabend zusammen,

tja... schade. Es wär schöner gewesen, wenn's anders ausgegangen wäre.

Es ist also verfassungskonform, dass für eine Namens- und Personenstandsänderung, die eine 'Rückfallquote' von ca. 1 -1,5% aufweist, Gutachten verlangt werden, von denen weniger als ein Prozent 'negativ' ausfallen, während eine andere Form von Namens- und Personenstandsänderung gänzlich ohne die Überprüfung der Stabilität des Wunsches und des geistigen Zustands der Antragsteller_innen ermöglicht wird, obwohl die Rückfallquote dort bei rund 40% liegt; vier von zehn Eheschliessungen werden wieder geschieden. *


Allerdings finde ich, dass man mal einen Dank an diejenigen geben sollte, die Arbeit, Zeit und Geld in die Sache investiert haben. Wenn es anders ausgegangen wäre, hätte es eine Unmenge von Nutzniesser_innen gegeben, die, just like that, vom Engagement dieser Menschen profitiert hätten. Also: Danke an euch!

Ausserdem finde ich, dass hier sehr viel über "warten" oder "weiter wie gehabt" geredet wird. Wär's nicht irgendwie besser, über 'Was tun wir als nächstes?' nachzudenken? Wenn die Schwulenbewegung in den 80er und 90er Jahren auch nur gewartet hätte, wär heute nix mit Ehe (und Scheidungsrate) für alle. Die Dritte Option hat einen besseren Beschluss aus Karlsruhe bekommen. Die wollen aber nicht warten, die denken schon drüber nach, wie man am besten weiter Dampf macht.


Ja, die Situation für trans* ist schwierig. Grade wenn man die beiden BVerfG-Beschlüsse zusammendenkt, ergeben sich unschöne Möglichkeiten für die Rechtssetzung. Umso wichtiger ist es, dass ein paar Leute mehr den Hintern hochkriegen und ordentlich Dampf machen, anstatt zu warten.


Macht es besser,

Marielle



*) Quelle der Zahlen zu Trans: Jonas Hamm, bvt*, 'Factsheet Zahlen', dort zitiert:
Meyenburg, Bernd et al.: Begutachtung nach dem Transsexuellengesetz. Zeitschrift für Sexualforschung 2015; 28; 107-120
Schmidt, Gunter: Viel Aufwand und wenig Effekt. Anmerkungen zum Transsexuellengesetz. Zeitschrift für Sexualforschung 2013; 26;175-177
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Lalilaluna
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 169
Registriert: Do 11. Mai 2017, 12:34
Geschlecht: immer mehr Frau :)
Pronomen:
Wohnort (Name): Unterfranken
Membersuche/Plz: 97***
Hat sich bedankt: 832 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 25 im Thema

Beitrag von Lalilaluna » So 26. Nov 2017, 21:50

Hallo ihr Mitwartenden,
ilyadusoleil hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 13:39
Gibt es hier noch andere wie mich für die die vä und pä aktuell ansteht und die ein wenig auf ein für uns positives Ende der Sondierungsgespräche gewartet haben und nun nach dem Ende dieser und dem Urteil des bvg die Hoffnung auf eine baldige Veränderung verloren haben? Warten wir jetzt weiter oder stellen wir jetzt eben nach alter Sitte den Antrag?
so direkt warte ich zwar noch nicht, aber nächstes oder spätestens übernächstes Jahr hätte ich schon gerne meine VÄ/PÄ gehabt. Und klar hab ich gehofft, dass sich da endlich was ändert. Und jetzt? Wirklich übrig hab ich das Geld nicht ... :( Ich fang wohl schon mal das Sparen an ... :evil:
Manu.66 hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 12:56
...

Und zu alle dem kommt noch, dass die Gerichtskosten für dieses absurde Prozedere bundesweit - nachweislich - schwanken zwischen 1.100,00 € und über 5.000,00 €.
Ja, ich glaube da muss ich am Samstag beim Treffen mal fragen, was das hier bei mir so kosten würde. Ich weiß nur, dass da wohl eine neue Richterin zuständig ist, die es uns wohl nicht gerade leicht macht :evil:

LG von einer gerade etwas frustrierten Lalilaluna

Lina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 3562
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 13 Mal
Danksagung erhalten: 360 Mal

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 26 im Thema

Beitrag von Lina » So 26. Nov 2017, 22:58

Svetlana L hat geschrieben:
Sa 25. Nov 2017, 12:23
Lina hat geschrieben:
Sa 25. Nov 2017, 08:01
Bitte genauer erklaeren. Auf welchen Punkten meinst du, dass die beiden Faelle ueberhaupt vergleichbar sind?
In dem Urteil zum "Dritten Geschlecht" hat das Gericht nach meiner Lesart nicht nur die Rechte intersexueller Menschen gestärkt, sondern sich auch grundsätzlich zur geschlechtlichen Identität geäußert.

Ja und? Was haben die beiden Sachverhalte mit einander zu tun? Es geht ja gar nicht um Stärkung oder nicht Stärkung von den Rechten von irgend jemandem in dem genannten Urteil. Es geht darum wie und unter welcher Grundlage ein bestimmter Sachverhalt vor Gericht behandelt wird. Die zwei Fälle haben nicht im Geringsten was miteinander zu tun.

Manu.66
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 533
Registriert: Di 29. Nov 2016, 16:10
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Hage
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 454 Mal
Danksagung erhalten: 501 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 27 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Mo 27. Nov 2017, 12:55

Hi Mädels!

Und ja, Marielle, bei jeder passenden Gelegenheit nutze ich die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke und bekunde meinen Unwillen zu den aktuellen Zuständen, die das unsägliche Transsexuellengesetz und die Ungleichbehandlungen in unserer Zweiklassenmedizin betreffen. Und nicht nur in den sozialen Netzwerken sondern auch in direkten Gesprächen mit den von mir so heiss geliebten Psychodocs. (letztens erst bei einem dieser Zunft, der mit mir eine 1 1/2 jährige Therapie durchziehen wollte, bevor er mir mein OP Indikationsschreiben ausstellen wollte. Er meinte tatsächlich, dass diese Vorgehensweise so vorgeschrieben sei. Auf meine Frage, woher er denn dieses Wissen nähme, benannte er das Transsexuellengesetz. Ich habe ihn dann in seinen weiteren Ausführungen abgeblockt und ihm direkt gesagt, dass dies Unsinn sei. Habe mir dann einen anderen gesucht - gibt ja genug davon!)

Ich halte es eigentlich immer mit demjenigen, der mal gesagt hat, wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Bin mit dieser Maxime eigentlich immer ganz gut zurecht gekommen.

Liebe Grüße
Manuela
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)

ilyadusoleil
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 76
Registriert: Mi 11. Jun 2014, 08:39
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 28 im Thema

Beitrag von ilyadusoleil » Mo 27. Nov 2017, 16:01

Ihr Lieben,
Marielle hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 21:28
Ausserdem finde ich, dass hier sehr viel über "warten" oder "weiter wie gehabt" geredet wird. Wär's nicht irgendwie besser, über 'Was tun wir als nächstes?' nachzudenken? Wenn die Schwulenbewegung in den 80er und 90er Jahren auch nur gewartet hätte, wär heute nix mit Ehe (und Scheidungsrate) für alle. Die Dritte Option hat einen besseren Beschluss aus Karlsruhe bekommen. Die wollen aber nicht warten, die denken schon drüber nach, wie man am besten weiter Dampf macht. Ja, die Situation für trans* ist schwierig. Grade wenn man die beiden BVerfG-Beschlüsse zusammendenkt, ergeben sich unschöne Möglichkeiten für die Rechtssetzung. Umso wichtiger ist es, dass ein paar Leute mehr den Hintern hochkriegen und ordentlich Dampf machen, anstatt zu warten.
Du hast natürlich vollkommen Recht. Ich bewundere jede*n, die das macht und die sich für die Belange einsetzt. Ich gebe zu, dass ich in der Hinsicht völlig passiv bin.
MichiWell hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 14:26
Als nicht selbst Betroffene, und mit Verweis auf die Einwände von Sabrina stelle ich dir mal eine ganz einfache Frage:
Wie lange kannst und willst du denn warten?
Üblicherweise will man als TS die Sache doch einfach nur hinter sich bringen, wenn man erkannt hat, was man ist und wie man sich fühlt. :wink:
Ja, natürlich hätte ich meinen neuen Ausweis lieber heute als in sechs Monaten. Mit den Gedanken im Hinterkopf, dass das Verfahren aber Monate dauert und viel Geld kostet, hätte ich die Zeit aber gern auch noch abgewartet, wenn es eine realistische Aussicht gegeben hätte, dass die Begutachtungspflicht bis dahin wegfällt. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren das auch irgendwann kommt, entweder durch weitere Klagen oder wieder eine Initiative vom Bundesrat oder eben durch eine neue Bundesregierung (immerhin wollten alle Parteien außer CDU & AfD das TSG reformieren).
Nur ich merke jetzt schon bei der Wohnungssuche und Jobsuche wie schwierig das ist mit einem Ausweis in dem etwas anderes steht.

Naja, alles wird gut - irgendwie

ilyadusoleil
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 76
Registriert: Mi 11. Jun 2014, 08:39
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 29 im Thema

Beitrag von ilyadusoleil » Mo 27. Nov 2017, 16:01

Hier ist übrigens ein Interview mit der Initiatorin der Beschwerde.

http://taz.de/Trans-Aktivistin-ueber-BV ... /!5466309/

Svetlana L
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 759
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 06:47
Geschlecht: trans*-Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 186 Mal
Danksagung erhalten: 548 Mal
Gender:

Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 30 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Mo 27. Nov 2017, 17:39

Lina hat geschrieben:
So 26. Nov 2017, 22:58
Ja und? Was haben die beiden Sachverhalte mit einander zu tun? Es geht ja gar nicht um Stärkung oder nicht Stärkung von den Rechten von irgend jemandem in dem genannten Urteil. Es geht darum wie und unter welcher Grundlage ein bestimmter Sachverhalt vor Gericht behandelt wird. Die zwei Fälle haben nicht im Geringsten was miteinander zu tun.
Natürlich haben die beiden Sachverhalte im Tenor erst mal nichts miteinander zu tun. Das eine betrifft inter*, das andere trans*. Aber... die verbindende Klammer ist die Aussage des Bundesverfassungsgerichts über die hohe verfassungsrechtliche Stellung der geschlechtlichen Identität im Rahmen des Persönlichkeitsrechts.

Ich war heute in der Humboldt-Uni zum Thementag "Intergeschlechtlichkeit", der aufgrund der Vorträge und der sich anschließenden Diskussionen hochinteressant war. Natürlich wurden auch das Urteil von Oktober und der Nichtannahmebeschluss von letzter Woche angesprochen und diskutiert. Mehrheitlich wurde - insbesondere vor dem Urteil zum "Dritten Geschlecht" - das Unverständnis über die Nichtannahme von Nicoles Verfassungsbeschwerde geäußert. Und das waren mehrheitlich Juristen. Eine der Vortragenden war übrigens Prof. Dr. Friederike Wapler, eine der drei Prozessbevollmächtigten im Fall Vanja, und auch die anderen beiden Bevollmächtigten Prof. Dr. Constanze Plett und die Rechtsanwältin Katrin Niedental waren anwesend. Insofern gehe ich davon aus, dass diese beiden Urteile doch irgendwie etwas miteinander zu tun haben, nämlcih das der grundgesetzliche Schutz der geschlechtlichen Identität nicht so weit geht, dass auf Zwangsbegutachtungen verzichtet werden kann. Leider!
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Antworten

Zurück zu „Politik - Initiativen - Forderungen“