Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung
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Claudia-Luisa
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Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 1 im Thema

Beitrag von Claudia-Luisa » Fr 8. Sep 2017, 21:17

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... um=twitter
Freitag, 8. September 2017

Guten Abend!

Eben habe ich über Twitter diese Info erhalten.
An DGE-Vizepräsident Sven Diede­rich
habe ich eben eine Einladung zur Unterzeichnung der #StuttgarterErklaerung geschickt:
https://www.akdae.de/Kommission/Organis ... erich.html

LG, C-L

Manu.66
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 2 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Sa 9. Sep 2017, 14:51

Hi Mädels - hi Jungs!

Ich kenne zwar nicht die Quellen des Ärzteblattes, doch der Inhalt dieses Artikels stimmt nicht mit der Realität überein, obwohl er durchaus gut gemeint ist!

In Deutschland gibt es einfach keinerlei justitiable Regelungen was die GaOP anbelangt. Einzig durch die Kostenfrage, die durch die MDK´s der gesetzlichen Kassen entschieden wird, entstehen Pseudoregelungen, die sich dann wohl auch einige Ärzte zu eigen machen. Das betrifft nicht nur die GaOP sondern auch die HET. Und in beiden Fällen gibt es - leider - in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite sind die gesetzlich Versicherten, auf der anderen Seite die Privatversicherten.

Mir als Privatpatientin wurden bislang keinerlei Pseudoregelungen (langwierige Psychobehandlungen, Alltagstest oder dergleichen) auferlegt. Meine HET wurde von meinem Frauenarzt beim ersten Besuch nach Vorlage einer vom Hausarzt durchführten Blutanalyse befürwortet und begonnen. Die Beihilfe trägt die Kosten ohne vorherige Anfrage anstandslos.
Für die GaOP brauchte ich lediglich ein OP Indikationsschreiben eines Psychiaters und eine durch mich ausgestellte Kostenübernahmeerklärung. Das OP Indiaktionsschreiben hat mir der Chefarzt der Psychiatrie am hiesigen Krankenhaus nach dem ersten Besuch innerhalb einer Woche ausgestellt. Durch Vorlage des OP Indiaktionsschreibens bei der Beihilfestelle hat auch diese mir gegenüber schriftlich erklärt, sämtliche entstehenden Kosten zu übernehmen.

Somit haben sich für mich die in dem Artikel beschriebenen Probleme nicht ergeben. Aber eines ist natürlich richtig: Es liegt alles im Ermessen der behandelnden Ärzte. Sind sie kooperativ, dann klappt alles reibungslos. Berufen sie sich auf irgendwelche Pseudoregelungen, womöglich basierend auf dem völlig überalterten, grundgesetzwidrigen Transsexuellengesetz, dann sieht es für die Betroffenen schlecht aus. Ich habe auch so einen Fall eines Psychiaters erlebt, der gern vor dem OP Indikationsschreiben eine 18-monatige Psychotherapie mit mir machen wollte. Der Kommentar meines Frauenarztes dazu: "Da geht es wohl den Kollegen, abgesehen von einigen berechtigten Einzelfällen, nur um reine Geldmacherei!"

Ich habe diesen Psychiater nie wieder aufgesucht!

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 3 im Thema

Beitrag von JaquelineL » So 10. Sep 2017, 03:35

Liebe Manuela,

obwohl ich sogar voll privat versichert bin, kann ich das nicht bestätigen: Meine Endokrinologin erwartete für den Start der HET eine Indikation meines Psycho-"Beraters", der wiederum schien eine Wartefrist einhalten zu wollen, selbst wenn er das so explizit nie gesagt hatte. Immerhin unabhängig von der Stundenzahl, es war also keine Beutelschneiderei.

Die Situation "Beihilfe plus private Zusatzversicherung" hätte bei meinen Behandlern vermutlich auch nichts geändert.

Liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.

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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 4 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » So 10. Sep 2017, 09:31

Meine Erfahrungen sind dieselben wie die von Jaqueline, bin auch voll privat versichert.
Nichts ging ohne Indikation des Psychologen bei der Endokrinologin. Die Fristen wurden nicht ganz eingehalten, aber annähernd. Das lag aber am Psychologen, der gab mir die Überweisung erst nach einigen Stunden bei der ihm, glaube nach etwa 6-8 Monaten.

Gruß Tatjana

Manu.66
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 5 im Thema

Beitrag von Manu.66 » So 10. Sep 2017, 12:12

Hi Jaqueline, hi Tatjana!

Das bestätigt ja genau meine Erfahrungen - es liegt immer an den behandelnden Ärzten. Wenn die meinen, eine Wartezeit müsste sein, dann ist das so. Ich würde und habe mir das nicht gefallen lassen. Wartezeit wofür, warum? Das ist Diskriminierung pur und steht im klaren Missverhältnis zum Artikel 2 des Grundgesetzes, der jedem die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit zugesteht - da steht nichts von Wartezeiten!

Diese Methode der Wartezeiten ist klare Willkür und durch keinerlei irgendwie geartete gesetzliche Regelung begründet oder begründbar. Und wie kommt ein Endokrinologe überhaupt dazu, irgendwelche Psychogutachten zu verlangen? Warum verlangt er nicht gleich einen Samba-Tanzkurs oder den Nachweis eines Fallschirmspringerlehrgangs?

Okay, im Einzelfall, das betone ich immer wieder, mag es sinnvoll sein, wenn die Patientin es wünscht. Aber nur dann! Zwangsbehandlungen um irgendwelche ärztliche Leistungen zu erhalten, das geht überhaupt nicht. Das entspricht dem Denken der Zeit des § 175 oder des § 216 und sollte eigentlich in den Analen der Geschichte sorgsam versteckt und bewahrt werden.

Und wie gesagt, Gott sei Dank wurden mir derartige Steine nicht in den Weg gelegt, oder ich habe sie elegant beiseitegeräumt.

Liebe Grüße
Manuela
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MichiWell
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 6 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 10. Sep 2017, 12:37

Hallo Manuela,

grundsätzlich bin ich bei dir, dass man es mit der "Wartezeit" nicht übertreiben sollte. Das könnte man sicher flexibler regeln, und offensichtlich legen manche Ärzte das auch nicht so starr aus. Aber ich würde keinesfalls von Diskriminierung sprechen wollen, wenn erst mal eruiert wird, was wirklich Sache ist.

Die Gabe von Hormonen ist schon eine andere Hausnummer als die Verschreibung von Hustensaft. Und ich habe ehrlich gesagt schon ziemliche Bedenken, dass sich irgendwelche Spinner allein auf Grund eines feuchten Traums kurzfristig eine Mumu basteln und Silikontitten ein setzen lassen, und sich einbilden, nach einer Überdosis Östrogen wie "Phönix aus der Asche" als eine wunderhübsche geile Schnitte ins Leben zu treten.

Ich hoffe du verstehst, was ich mit dieser Überzeichnung sagen will. :wink:


Liebe Grüße
Michi
Zuletzt geändert von MichiWell am So 10. Sep 2017, 13:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 7 im Thema

Beitrag von Claudia-Luisa » So 10. Sep 2017, 13:01

Hallo,

dass bei Privatpatienten der sog. "Alltagstest" nicht nachzuweisen ist, kann ich auf Grund familiärer Erfahrungen bestätigen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes u a. zum sog. "Alltagstest" in http://www.antidiskriminierungsstelle.d ... onFile&v=5
"In der Diskussion wurde nochmals darauf hingewiesen, dass die Pathologisierung von Transgeschlechtlichkeit gleichzeitig
Ursache und Ausdruck diskriminierender Behandlungspraktiken sei. Die Vorbehalte hätten keine empirische Evidenz und produzierten strukturell diskriminierende Systeme (Alltagstest, Begutachtungsverfahren nach dem TSG)."

LG, C-L

Marielle
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 8 im Thema

Beitrag von Marielle » So 10. Sep 2017, 18:12

Hallo zusammen,

liebe Michi, es ist doch eigentlich Konsens, dass die hiesige Gesellschaft niemanden pauschal vor sich selbst schützt. Man darf Extremsportarten betreiben, fettige Wurst essen, in Selbsttötungsabsicht vom Hochhaus springen und sogar rauchen (jedenfalls Tabak). Wieso sollten da Hormoneinnahmen anders zu behandeln sein? Wieso werden Koks- und Heroinkonsum anders behandelt?

Ich finde es jedenfalls erstmal bedenklich, wenn Leute auf die Idee kommen, dass sie dazu berufen sind, andere vor sich selbst zu schützen. Ein prima Beispiel ist die völlig heissgelaufene Anti-Raucher-Kampagne. Es ist natürlich völlig in Ordnung, wenn man Nichtraucher vor Rauchern bzw. deren Abgasen schützt, aber darüber hinaus auch noch mittels abgefahrener Bildchen und sonstiger 'Erziehungsmassnahmen' auf Menschen einwirken zu wollen, deren gutes Recht es ist, sich selbst umzubringen (durch Rauchen oder Sprung vom Hochhaus) hat Züge einer diktatorischen Ideologie, und sei es noch so gut gemeint. Und wenn es wirklich gut gemeint wäre: Wieso sind auf Bratwurstpackungen keine verschwitzten, adipösen Menschen zu sehen, die schon an der dritten Stufe einer Treppe scheitern?

und sich einbilden, nach einer Überdosis Östrogen wie "Phönix aus der Asche" als eine wunderhübsche geile Schnitte ins Leben zu treten.

Das passiert doch trotz Alltagstest und Psycho-Besuchszwang; kann man hier doch regelmässig lesen.


Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht angreifen, sondern einen Diskussionsbeitrag leisten und dazu meinen Standpunkt deutlich machen. Das gilt auch für einen anderen Aspekt, für den ich hier schonmal verbal Dresche bezogen habe.

Obwohl Manu ihn im Grunde auch hier schon eingebracht hat, wird er m.E. in der Debatte ziemlich vernachlässigt. Man kann durchaus die Frage stellen, ob eine (wie auch immer geartete) 'Diagnoseabsicherung' nicht doch zulässig, sinnvoll oder gar erforderlich ist, wenn irgendeine Art von Solidarkasse für die Folgekosten dieser Diagnose aufkommt. Es ist dabei ziemlich egal, ob das die gesamtgesellschaftlich unsolidarische PKV oder die GKV ist. Beides sind in sich Solidarsysteme.


Manu schrieb:
Diese Methode der Wartezeiten ist klare Willkür und durch keinerlei irgendwie geartete gesetzliche Regelung begründet oder begründbar.
Insgesamt problematisch ist die Abgrenzung zwischen verschiedenen Leistungen. Ist eine Lungenkrebstherapie durch den Raucher veranlasst, weswegen man auch dabei erstmal in Ruhe überlegen kann, ob sie ihm zusteht? Und wie ist das mit der Hormontherapie? Wie grenzt man letztere von kosmetischen Operationen ab? Und wieso hat ein Typ, der sagt er sei die Reinkarnation von Ludwig II, keinen Anspruch auf Neuschwanstein als Kassenleistung, wenn er es doch dringend braucht, um in seiner selbstbezahlten Zweiraumwohnung nicht depressiv zu werden?


Auch kann man argumentieren, dass es für die Behandler_innen wichtig ist, eine Absicherung für ihr (Be-)Handeln zu haben. Immerhin darf kein Arzt einem körperlich gesunden Menschen einen Arm abschneiden; und den Penis oder die Brüste eigentlich auch nicht. Wie grenzt man das ab?


Jedenfalls greift der Diskri-Vorwurf viel zu kurz und die eigentlich entscheidenen Aspekte werden in der Comunity bzw. von den Betroffenen kaum bis gar nicht diskutiert; wohl zu kompliziert, Diskri-Vorwurf geht einfacher.


Habt es gut

Marielle

PS: Ist ja bemerkenswert, dass die Überschrift des Threads so lange unkommentiert bleibt; und von wem sie geschrieben wurde. Ich find's prima, dass der übliche Plärr-Effekt gegen die (Falsch-)Verwendung von Wörtern mal ausgeblieben ist. Oder ist das nur, weil es 'intern' ist und man demnächst trotzdem auf 'die draussen' losgeht, wenn sie mal wieder 'Umwandlung' schreiben?
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 9 im Thema

Beitrag von Manu.66 » So 10. Sep 2017, 19:06

Hi Mädels und Jungs!

Es geht - wie bei leider so vielen Dingen im Leben - immer nur ums Geld. Wer muss oder darf was für wen warum und wieso überhaupt bezahlen?

Mir hat mal jemand gesagt, dass ich doch im Grunde zufrieden sein müsste mit meiner Diagnose f64.0 (psychische Störung), die mir ein Psychiater ohne näheres Hinsehen nach einem kurzem Gespräch in seiner Abrechnung für eben dieses Gespräch (58,00 € für 20 Minuten) attestierte. Okay, mit dieser Diagnose, die ja eine pathologische Krankheit beeinhaltet, ist die Leistungs- und Zahlungspflicht der Kassen begründet. Und nur darum geht es ja. Wer bezahlt die bestellte Musik! Täteretää!

Die Hürden für Transsexuelle (schon allein der Begriff ist bedenkenswert) vor einer Geschlechtsumwandlung (die es überhaupt nicht geben kann, denn ein Geschlecht kann nicht so einfach umgewandelt werden - höchstens angeglichen!) sind allein deshalb so hoch, weil es den Leistungsträgern so gefällt und weil die Ärzte letztlich abrechnen wollen (und sollen) und nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen!

Die ganze Diskussion ist eine Scheindiskussion denn sie berücksichtigt überhaupt nicht die Frage, wer denn diese "Hürden" aufstellt in welchem Interesse und mit welchen Absichten! Dass diese Hürden im Konflikt mit den Menschenrechten, verbrieft im Grundgesetz, stehen, das dürfte doch wohl allen klar sein - oder? (Im Zweifelsfall empfehle ich, die Artikel 1-3 des GG noch einmal intensiv zu studieren)

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 10 im Thema

Beitrag von Chrissie » So 10. Sep 2017, 19:29

Hi Manu, es geht nicht nur ums Geld sondern auch um die Haftung. jeder Eingriff ( OP oder per Medis) ist rechtlich eine Körperverletzung. Sie ist im Notfall auch ohne Einwilligung des Betroffenen möglich ( Unfall , Herzinfarkt,o ä.) ansonsten muss eine Einwilligung vorliegen. Bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen muss auch sichergestellt sein, dass die Person weiss, worauf sie sich einlässt und dies nicht später vielleicht bereut.
Das kann nur ein entsprechender Psychologe bestätigen und dazu braucht er such ein paar Sitzungen.

Weiterhin dürfen Krankenkassen per Gesetz nur Leistungen bringen, die zur Wiederherstellung der Gesundheit oder Prävention von Krankheiten nötig sind. Alles andere sind Schöhnheitsops, für die man selber zahlt, auch für eventuell dadurch verursachte Folgen. Auch dass kann nur ein Psychiater feststellen,ob der Leidensdruck gross genug ist.

Was ist die Alternative? Kostenübernahme für alles, was jemandem gerade mal so einfällt, dafür zahlen wir dann keine 17% Krankenkasse mehr sondern 50% und die Sterberate durch Suizid nimmt drastisch zu, wenn manchen erst zu spät einfällt, dass der Weg doch falsch war.Oder selber zahlen( jedem steht es frei in Thailand eine Op selbst zu zahlen, dort gibt es die Regeln nicht.)

Dann lieber ein paar Monate zum Psyvh, Kostenübernahme durch die KK und die Gewissheit auf dem richtigen Weg zu sein und nicht durch irgeneinen Umstand in die Richtung gedrängt zu werden, denn ich später dann bereue.

Somit bin ich auch vorsichtig was die völlige Abschaffung von Psyvh vor Gaop anbelangt. Die Folge ist dann, dass keine Krankenkasse mehr irgendwelche Kosten dafür übernehmen darf, da keiner mehr da wäre der bestätigt, dass eine OP zur Erhaltung der Gesundheit nötig ist.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 11 im Thema

Beitrag von Manu.66 » So 10. Sep 2017, 20:15

Hi Chrissi!

Du schreibst: "Das kann nur ein entsprechender Psychologe bestätigen und dazu braucht er auch ein paar Sitzungen."

Auch ein Psychologe kann irren, auch ein Psychologe kann mit einer völligen Fehleinschätzung einer Situation eine Katastrophe herbeiführen, auch ein Psychologe ist kein Garant dafür, dass ein Mensch eine einmal getroffene Entscheidung später zutiefst bereut. Es gibt keine Garantien, auch keine psychologisch attestierten.

In meinem Fall benötigte der Chefarzt einer Psychiatrie genau 45 Minuten, um mir zu versichern, dass ich mein OP Indiktionsschreiben noch in derselben Woche abholen konnte. Ich habe genau das getan.

Warum dann eine psychotherapeutische Behandlung über 12 oder 18 Monate? Es mag, das betone ich immer wieder, Fälle geben, bei denen das notwendig ist - bei mir nicht. Eine geschlechtsangleichende OP (keine geschlechtsumwandelnde OP) ist, das haben mir verschiedene Ärzte bestätigt, sicherlich mehr in Richtung kosmetische OP gehend als eine Hormontherapie, die weitergehende Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Nach geltender Rechtslage muss, damit die GaOP bezahlt wird von den Kassen, eine medizinische Indikation vorliegen - jedenfalls in Deutschland. Das andere Länder da in ihren Erkenntnisständen weiter fortgeschritten sind hilft uns hier und jetzt natürlich nicht weiter.

So werden wir noch einige Zeit die Farce der psychologischen Begutachtungen über uns ergehen lassen müssen, um die Kassen zu "überzeugen". Diese Vorgehensweise ist und bleibt eine Diskriminierung. Dies ist Konsens auf vielen entsprechenden Kongressen (siehe weiter oben die entsprechenden Quellen aus dem Jahr 2015)

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass auch in Deutschland die Vernunft irgendwann obsiegt.

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 12 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 10. Sep 2017, 20:24

Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 18:12
liebe Michi, es ist doch eigentlich Konsens, dass die hiesige Gesellschaft niemanden pauschal vor sich selbst schützt.
[...]
hat Züge einer diktatorischen Ideologie
Hallo Marielle,

deiner Logik kann ich leider nicht so ganz folgen. Wie du selbst im weiteren Verlauf deines Beitrags feststellst, ist deine obige Aussage so einleuchtend wie falsch. Man darf (noch) vieles tun, was mehr oder minder selbstschädigend ist, anderes aber wieder nicht. Auf das Für und Wider sowie die jeweils dahinter stehenden Interessen einzelner Verbote und Gestattungen einzugehen, würde mit Sicherheit den Rahmen des Forums sprengen.

Fakt ist aber nun mal, dass man sich dazu entscheidet, die Bürger bei Diesem oder Jenem eben doch zu beschützen. Neben Drogenkonsum ist z.B. eben auch der Zugang zu Medikamenten eingeschränkt, und du kannst die eben nicht nach Lust und Laune jede bunte Pille in der Apotheke kaufen, selbst wenn du das Geld dafür aus deiner eigenen Tasche auf den Tisch legst.

Auch Sprengstoff oder Anabolika sind nicht frei verkäuflich, obwohl du deinen Garten damit leichter umgraben könntest. :wink:
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 18:12
Wieso sind auf Bratwurstpackungen keine verschwitzten, adipösen Menschen zu sehen, die schon an der dritten Stufe einer Treppe scheitern?
"Fette Menschen" auf einer Bratwurstpackung sind ungefähr so richtig, wie eine Raucherlunge auf einer Schnapsflasche.
Du wehrst dich gegen vermeintliche Ideologie (und Bevormundung), und bedienst dich doch selbst solcher Mittel.

Mein Kind hat Diabetes Typ 1, daher hab ich bissel eine Ahnung, was Menschen wirklich FETT macht. :wink: (Aber das nur am Rande.)
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 18:12
und sich einbilden, nach einer Überdosis Östrogen wie "Phönix aus der Asche" als eine wunderhübsche geile Schnitte ins Leben zu treten.

Das passiert doch trotz Alltagstest und Psycho-Besuchszwang; kann man hier doch regelmässig lesen.
Moooment. Mir ging es nicht darum, das Transsexuelle teilweise überzogene Erwartungen an eine Hormonbehandlung haben, sondern darum, dass ich es für bedenklich halte, wenn Menschen einfach aus einer Laune heraus eine Geschlechtsumwandlung machen könnten. - "Geschlechtsumwandlung" ist in diesem Falle sogar der richtige Terminus, weil ich an dieser Stelle nicht-transsexuelle Menschen meine. :wink:
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 18:12
Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht angreifen, sondern einen Diskussionsbeitrag leisten und dazu meinen Standpunkt deutlich machen. Das gilt auch für einen anderen Aspekt, für den ich hier schonmal verbal Dresche bezogen habe.
Nein, keine Sorge. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich falsch verstanden wurde. Und falls du mal das Gefühl gehabt haben solltest, von mir verbal Dresche bezogen zu haben, dann tut es mir leid. Dann war das nicht meine Absicht. (moin)
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 18:12
Man kann durchaus die Frage stellen, ob eine (wie auch immer geartete) 'Diagnoseabsicherung' nicht doch zulässig, sinnvoll oder gar erforderlich ist, wenn irgendeine Art von Solidarkasse für die Folgekosten dieser Diagnose aufkommt.
Das ist ein wichtiger Punkt, und meiner Meinung nach kann eine Solidarkasse nun mal kein Selbstbedienungsladen sein. Denn wenn sich jeder nehmen könnte, worauf er grad Lust hat, dann wäre am Ende nichts mehr für die im Topf, die wirklich der solidarischen Hilfe bedürfen.

Liebe Grüße
Michi
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 13 im Thema

Beitrag von Marielle » So 10. Sep 2017, 20:26

Nabend Manu,
Nach geltender Rechtslage muss, damit die GaOP bezahlt wird von den Kassen, eine medizinische Indikation vorliegen - jedenfalls in Deutschland.. Das andere Länder da in ihren Erkenntnisständen weiter fortgeschritten sind hilft uns hier und jetzt natürlich nicht weiter.

Welche Länder sind das, in denen die Kosten für medizinische Massnahmen für trans*-Leute auf deren Anforderung von einem Solidarsystem übernommen werden?

liebe Grüße

Marielle
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 14 im Thema

Beitrag von Marielle » So 10. Sep 2017, 20:45

Nabend Michi,

die Fragezeichen in meinem Beirag waren keine rhetorischen Zeichen. Ich meine wirklich, dass das offene Fragen sind, die man beantworten muss, wenn man zu einer Regelung des Problems kommen will. Ich habe eben nicht versucht, meine "Logik" darzulegen, sondern das Problem zu verdeutlichen.

Auf das Für und Wider sowie die jeweils dahinter stehenden Interessen einzelner Verbote und Gestattungen einzugehen, würde mit Sicherheit den Rahmen des Forums sprengen.
Das müssen wir aber. In der Diskussion mit KKs, der Politik usw. kommen ja genau diese Argumente bzw. Fragen. Man sollte dann dazu eine Antwort haben und nicht einfach auf eine allgemeine Diskriminierung verweisen. Diskriminierung wem gegenüber? Denjenigen, die keinen Koks nehmen, aber Tabak rauchen dürfen oder denen gegenüber, deren Lungenkrebs behandelt wird?

Du wehrst dich gegen vermeintliche Ideologie (und Bevormundung), und bedienst dich doch selbst solcher Mittel.
Ich bediene mich nicht "solcher Mittel". Ich will die Absurdität der Mittel aufzeigen. Es IST erstmal grundsätzlich absurd, Suizid(-versuche) zu erlauben, Heroinkonsum aber zu verbieten.

...wenn Menschen einfach aus einer Laune heraus eine Geschlechtsumwandlung machen könnten.
Sie dürfen! sogar aus einer "Laune heraus" von einem Hochhaus springen. Die Argumentation, die du bringst, ist deswegen in sich nicht schlüssig.


Ich habe nicht gesagt, dass ich eine Lösung anbiete. Ich habe gesagt, dass es einer vernünftigen Diskussion bedarf, um zu einer guten Lösung zu kommen. Und das diese Diskussion in der Community viel zu oft durch einen allgemeinen Diskriminierungsvorwurf ersetzt wird.

Hab es gut

Marielle
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Re: Ärzte fordern geringere Hürden für Transsexuelle vor Geschlechts­umwandlung

Post 15 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 10. Sep 2017, 21:23

Nur kurz noch mal Marielle ...
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 20:45
...wenn Menschen einfach aus einer Laune heraus eine Geschlechtsumwandlung machen könnten.
Sie dürfen! sogar aus einer "Laune heraus" von einem Hochhaus springen. Die Argumentation, die du bringst, ist deswegen in sich nicht schlüssig.
Wenn du den Schluss (mit der Solidarkasse) abschneidest, dann ja. :wink:
Marielle hat geschrieben:
So 10. Sep 2017, 20:45
Ich habe nicht gesagt, dass ich eine Lösung anbiete. Ich habe gesagt, dass es einer vernünftigen Diskussion bedarf,
Die fängt auch bei dir an. Es ist sicher nicht falsch, Punkte an- und Fragen auszusprechen.
Aber man muss Probleme schon von mehreren Seiten beleuchten, wenn man Licht ins Dunkel bringen will. (Boah bin ich grad philosophisch. :lol: )

Konkret:
Auch du wirst abseits vom Koks- und Heroinkonsum sicher nicht alle Einschränkungen "Scheiße" finden.
Da könntest du dann mal (auch für dich selbst) in das Für und Wider einsteigen.
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