Aok oh weh oh weh
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exuserin-2017-01-16

Aok oh weh oh weh

Post 1 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Mi 31. Aug 2016, 20:31

Moin moin die Sachbearbeiter der Aok Sachsen scheinen verrückt geworden zu sein.

Mein Antrag auf Laserepilation bei einem privaten Kosmetikinstitut wurde abgelehnt.
Gefordert wurde ein Kostenvoranschlag eines Kassenärztlich zugelassenen Arztes in meinem Fall (von der Aok selber vorgeschlagen und gefordert) die Poliklinik in der Uniklinik in Dresden. Ich war nun extra dort hab frei gemacht drei Tage den ekelhaften Bart wachsen lassen für Fotos. Die Ärztin selber hat den Kostenvoranschlag nebens Bildern zur Aok geschickt.
Und jetzt kommt es,heute kommt ein Schreiben der Aok darin steht :

Sehr geehrte Frau ...
Bevor die Kostenübernahme für Laser erfolgen kann sind wesentliche Voraussetzungen zu erfüllen.
- Nachweis von mindestens 1 jähriger Hormonbehandlung mit Ergebnis (von behandelndem Arzt )
- mindestens 1 Jahr Alltagstest
- Behandlung beim Psychiater/Psychotherapeuten wurden nachweisbar in ausreichender Intensität und Dauer durchgeführt ,mindestens 1 Jahr.

Irgendwie geht das alles nicht zusammen die Hormontherapie darf man meisten erst nach einem Jahr beginnen wenn man dann erst nach einem Jahr Hormontherapie das Lasern beginnen kann bedeutet das zwangsläufig 2 Jahre weiter mit Bart rumlaufen zu müssen bzw. mit Bartschatten eingewachsenen Haaren usw.

Wie soll man den Alltagstest leben unter solchen Bedingungen ? Wenn ich durch den Leidensdruck in der Psychiatrie lande bezahlen sie für den Stationären Aufenthalt ein Haufen Geld für die Laserei ist kein Geld da :((a
25 Sitzungen Therapie haben sie genehmigt ich frag mich was Therapiert werden soll?
Gibt es eurerseits Erfahrungen mit Widersprüchen für das Problem ?

LG Uta

ab08
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 31. Aug 2016, 20:57

Hallo Uta,

lass Dich nicht unterkriegen!! (yes)
Widerspruch einlegen!

Für die NÄ/PÄ gilt:
- "mindestens 1 Jahr Alltagstest" ist Blödsinn. (Ich konnte z.B. aus beruflichen Gründen keinen Alltagstest machen. Das war auch nicht erforderlich!!)
- Eine "Behandlung beim Psychiater" ist ebenfalls für eine NÄ/PÄ nicht erforderlich. Das Bewußtsein des Geschlechts sollte schon lange (mehr als ein Jahr) vorhanden sein. Das bescheinigt der Gutachter. (Bei mir fand auch keine "Behandlung beim Psychiater" statt.)

Zum angegebenen Fall:

Natürlich können Krankenkassen, also auch die AOK, alle möglichen zusätzlichen Forderungen aufstellen.
Es ist aber fraglich, ob diese Forderungen einer rechtlichen Überprüfung standhalten.
Ähnlich wie bei anderen Versicherungen werden auch berechtigte Ansprüche oft zunächst abgelehnt, um Kosten zu sparen.
Vor Gericht lassen sie sich dennoch nur ungern zerren, denn das beschädigt ihren Ruf.

Also würde ich mich nicht verunsichern lassen, sondern freundlich, aber bestimmt, Widerspruch einlegen!

Liebe Grüße
Andrea )))(:

Anmerkung:
Vor einer GAOP mindestens 1 Jahr HET (Hormonersatztherapie) zu verlangen, ist sinnvoll. Aber das hat medizinische Gründe.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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Re: Aok oh weh oh weh

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 31. Aug 2016, 22:07

Guten Abend Uta,

zu der von Dir angesprochenen Thematik gibt es in der letzten Zeit einige Urteile.
Die sollten wir zusammenstellen, damit Du den Widerspruch damit untermauern kannst.

Ich melde mich morgen noch einmal und versuche, Dir geeignetes Material zu nennen.

Herzliche Grüße
Anne-Mette

exuserin-2017-01-16

Re: Aok oh weh oh weh

Post 4 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Mi 31. Aug 2016, 22:20

Hallo Anne Mette das wäre schön , da ich ja gestern mit der HET begonnen habe bin ich noch gut drauf und es nehme es recht gelassen. Letzt endlich war das Theater mit der Ablehnerei der Kassen schon mit eingeplant es überrascht mich nicht nur ärgern tut es mich .
LG Uta

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Re: Aok oh weh oh weh

Post 5 im Thema

Beitrag von Franka » Do 1. Sep 2016, 07:52

Hallo Uta,

ich habe auch gerade, vor ein paar Tagen, den Kostenvoranschlag meines Hautarztes zu meiner Kasse (BKK Mobil Oil) geschickt.
Mal sehen, ob die sich auch so anstellen. Ich melde mich sobald ich was von der Kasse gehört habe.
Solange wünsche ich dir erstmal viel Kraft, das Alles gut zu überstehen.

LG Franka
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 6 im Thema

Beitrag von Tabea » Do 1. Sep 2016, 08:13

Hallo zusammen,
die Krankenkassen, nicht alle aber die meisten, lehnen ab wegen der Kosten. Eine Freundin von mir ist Sachbearbeiterin bei einer KK und sie meinte um Kosten zu sparen sind sie angehalten abzulehnen. Sie meinte zu mir: "Nimm es nicht persönlich und sie es eher als ein Spiel wo man erst nett ist und später drohen muss um zu sehen wer den längeren Atem hat".
Sie meinte die die psychisch labil sind und nicht stark genug sich dem zu stellen fallen eben hinten runter. Klingt krass, ist es auch aber so geht das Spiel oftmals leider.

Ich denke auch das ich mich öfter bei denen melden muss, was aber gut ist meine Kasse sitzt in Hamburg und ich werde sonst mal persönlich vorbei gehen und mal sehen was sie dann sagen.
Zuletzt geändert von Tabea am Do 1. Sep 2016, 09:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Aok oh weh oh weh

Post 7 im Thema

Beitrag von -Mia- » Do 1. Sep 2016, 09:00

Bei KK hab ich auch mittlerweile den Eindruck dass denen ein Toter Patient lieber ist als einem Kranken Menschen zu helfen oder dafür zu sorgen das man erst gar nicht Krank wird. Sieht man ja bei Vorsorgeuntersuchungen , was man da nicht alles selber zahlen muss und soll.

Echt traurig die heutige Gesellschaft!

LG Mia
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 8 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 1. Sep 2016, 09:09

Moin,

ich fange mal mit der ersten Info an; weitere folgen.
Sicher können wir Beiträge zur Bartepilation sammeln, damit auch andere UserInnen sich informieren können.

Gruß
Anne-Mette


Laut Urteil des Sozialgerichts Berlin muss eine Krankenkasse die Bartentfernung für Transsexuelle bezahlen. Wenn sich kein Arzt dafür findet, dann kann man auch eine Kosmetikerin in Anspruch nehmen, welche die Barthaare sachgemäß per Nadelepilation entfernt.

https://www.berlinjournal.biz/krankenka ... ssexuelle/

Leitsatz

Krankenversicherung - Kostenerstattung - Bartepilation durch hinreichend qualifizierten nichtärztlichen Behandler bei Mann-zu-Frau-Transsexualismus - Systemversagen

1. Die Krankenkasse hat die durch die Behandlung eines hinreichend qualifizierten nichtärztlichen Behandlers entstehenden Kosten für bei vorliegendem Mann-zu-Frau-Transsexualismus erforderliche Bartepilationsbehandlungen durch Nadelepilation zu tragen, wenn kein Arzt/keine Ärztin gefunden werden kann, der/die zu einer entsprechenden Behandlung bereit wäre.

2. In einem solchen Fall liegt ein Systemversagen vor, das dazu führt, dass die Behandlung - trotz Arztvorbehalt - auch von einem nichtärztlichen Behandler, der die Gewähr für eine mindestens gleichwertige Versorgung bietet, auf Kosten der Krankenkasse durchgeführt werden kann, weil bei der Bartepilation durch Nadelepilation weder diagnostischen Schwierigkeiten bestehen noch die Behandlung selbst nennenswerte gesundheitsgefährdende Komplikationsrisiken in sich birgt.

http://www.gerichtsentscheidungen.berli ... true&bs=10

Anne-Mette
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 1. Sep 2016, 09:21

Hier noch zwei Links als Hintergrundinfo:

Veranstaltung am 15.März 2013
22:30 bei TxKöln
Fragen an Dr.Pichlo vom MDK Nordrhein

http://tgd.transgender-germany.de/daten ... altung.pdf


... und eine Seite von Nicole mit vielen Informationen: http://nf.dpin.de/trans/tipps-hinweise- ... ntfernung/

Gruß
Anne-Mette

Amadée
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 10 im Thema

Beitrag von Amadée » Do 1. Sep 2016, 09:35

Wehrt euch gegen die ablehnenden Bescheide der Krankenversicherungen! Die Begründungen erscheinen völlig willkürlich und halten keiner rechtlichen Überprüfung stand. Der Weg ist, innerhalb eines Monats Widerspruch einzulegen und nach Abweisung des Widerspruchs wiederum innerhalb eines Monats Klage beim zuständigen Sozialgericht einzureichen. Die Rechtsbehelfsbelehrung muss in jedem Bescheid detailliert enthalten sein, sonst ist er schon an sich ungültig.

Lasst euch schon für den Widerspruch von einem Rentenberater mit Zulassung fürs Krankenversicherungsrecht unterstützen. Das sind in der Regel Rentenberater, die ihre Zulassung vor 2008 erhalten haben, sogenannte Alterlaubnisinhaber. Seither wird die Zulassung nur noch für die Vertretung in Fragen der Krankenversicherung im Zusammenhang mit der Rente erteilt. Ihr findet fachkundige Rechtsvertreter über den Bundesverband der Rentenberater, http://www.rentenberater.de oder im amtlichen Rechtsdienstleistungsregister, http://www.rechtsdienstleistungsregiste ... ss_clean=1.

Rentenberater sind die eigentlichen Fachanwälte für Sozialrecht in Deutschland und kennen viel mehr als nur das Rentenrecht. Sie haben auf ihrem speziellen Gebiet die nötigen Fachkenntnisse und i.d.R. mehr Erfahrung in der Vertretung vor Sozialgerichten als Rechtsanwälte, die sich mit mehreren Fachgebieten beschäftigen. Die Kosten in Sozialgerichtsverfahren sind vom Gesetz her bewusst niedrig gehalten und entstehen für den Versicherten nur, wenn er unterliegt. Der weit überwiegende Teil der Sozialgerichtsprozesse wird zugunsten des Versicherten entschieden oder durch einen Vergleich beendet. Außerdem werden die Kosten des Rentenberaters von Rechtsschutzversicherungen übernommen. Gegebenenfalls wird Prozesskostenhilfe gewährt.

Offensichtlich ist es nötig, dass den Krankenversicherungen ein paar Mal von Sozialrichtern auf die Finger gehauen wird, damit sie endlich ihre willkürliche und versichertenfeindliche Bewilligungspraxis beenden. Es wird Zeit, dass dazu ein Urteil in höherer Instanz ergeht. Das werden die Krankenversicherungen jedoch unbedingt vermeiden wollen, weil sie genau wissen, dass sie dabei nicht gewinnen können. Daher werden sie, sobald Klage erhoben wird, einlenken oder einen Vergleich anbieten. Und wenn sie wissen, dass sie die Kosten des Rentenberaters übernehmen müssen, setzt das Nachdenken vielleicht schon vorher ein.

Liebe Grüße
Amadée

exuserin-2017-01-16

Re: Aok oh weh oh weh

Post 11 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Do 1. Sep 2016, 12:39

Hallo zusammen danke für Eure Beiträge.
Wenn das bis zur Gaop jedesmal so ein Theater gibt brauch ich starke Nerven.
Lg Uta

Andrea aus Sachsen
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 12 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » Do 1. Sep 2016, 14:45

.
Ich bin zwar nicht bei der AOK, aber mit meiner Krankenkasse erlebe ich das gleiche Drama leicht abgewandelt derzeit ebenfalls. Das Ganze zieht sich inzwischen schon fast ein Jahr hin. Das Jahr Alltagstest ist deshalb bereits rum. Ein Jahr HET wurde zum Glück noch nicht verlangt. Vorläufiger Höhepunkt ist aber die Forderung eines psychiatrischen Befundes, nachdem bereits ein psychologisches Gutachten vorliegt. Muss ich jetzt noch einen anderen Arzt aufsuchen, wochenlang auf einen Termin warten, ihm die ganze Geschichte erneut erzählen und das Ganze vielleicht noch selbst bezahlen? Von der Krankenkasse bekomme ich darauf keine Antwort, das legt angeblich alles der MDK fest. Einen Ansprechpartner dort dürfen sie mir aber nicht nennen.
Ich bin derzeit etwas ratlos. Muss ich, wie bei der Versichertenkarte, wieder erst eine Beschwerde schreiben?
Ja, da braucht frau echt starke Nerven! Eigentlich wollte ich mich aber demnächst auf meine neue Arbeit konzentrieren.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

Anne-Mette
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 13 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 1. Sep 2016, 15:39

Noch eine Info:


NADEL-EPILATION BEI TRANSSEXUALITÄT DURCH KOSMETIKERIN
SG Düsseldorf, Urt. v. 11.12.2007 – S 4 KR 78/07 –
RID 08-02-153
www.sozialgerichtsbarkeit.de
SGB V §§ 2 II 1, 13 III, 27 I 1 u. 2 Nr. 1, 75, 76 I
Bei Transsexualität kann die Behaarung im Gesichts- und Halsbereich eine Krankheit darstellen. Die Nadel-Epilation, die grundsätzlich als ärztliche Behandlung im Sinne von § 27 I 2 Nr. 1 SGB V zu bewerten ist, kann, wenn kein vertragsärztlicher Behandler gefunden werden kann, auch durch eine Kosmetikerin ausgeführt werden.
Das SG gab der Klage statt u. verurteilte die Krankenkasse, die bisher entstandenen Kosten der am 29.08.2007 begonnenen Nadelepilation bei der Kosmetikerin J C1 zu erstatten und in der Zukunft bis insgesamt 180 Stunden zu übernehmen.

Damit sollte sich eine Kasse von dem Anspruch auf mindestens 180 Stunden Behandlungsdauer überzeugen lassen und zudem, dass diese auch in einem qualifizierten Kosmetikstudio durchgeführt werden können.


Die Beklagte hat jedoch die von der Klägerin begehrte Leistung zu Unrecht abgelehnt. Die Klägerin hat einen Leistungsanspruch auf Epilationsbehandlung. Dieser Leistungsanspruch ergibt sich aus § 27 Abs. 1 Satz 1 u. 2 SGB V. Danach haben Versicherte Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Die Behaarung im Gesichts- und Halsbereich stellt bei der Klägerin im Rahmen der bestehenden Transsexualität eine Krankheit im Sinne dieser Vorschrift dar. Transsexualität stellt im Einzelfall eine behandlungsbedürftige Krankheit im Sinne des Krankenversicherungsrechts dar, wenn psychiatrische und psychotherapeutische Mittel das Spannungsverhältnis zwischen dem körperlichen Geschlecht und der seelischen Identifizierung mit dem anderen Geschlecht nicht zu lindern oder zu beseitigen vermögen (BSG Beschluss vom 20.06.2005 - B 1 KR 28/04 B und BSG Urteil vom 06.08.1987 - 3 RK 15/86 = SozR 2200 § 182 Nr. 106). Im vorliegenden Fall wurde in allen MDK-Gutachten das Vorliegen eines behandlungsbedürftigen Transsexualismus mit Krankheitswert bejaht. Des weiteren hat der MDK in seinem Gutachten (vgl. z.B. Gutachten vom 06.11.2006) die medizinische Notwendigkeit zur Nadel-Epilationsbehandlung im Gesichts- und Halsbereich bestätigt. Dies wird von der Beklagten auch nicht bestritten und braucht daher hier weiter nicht erörtert zu werden.

Der Anspruch auf Krankenbehandlung nach § 27 Abs. 1 Satz 1 SGB V bezieht sich nach Satz 2 dieser Vorschrift auf die dort genannten Leistungserbringer. Da die Nadel-Epilation grundsätzlich als ärztliche Behandlung im Sinne von § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB V zu bewerten ist und der Leistungsanspruch des Versicherten nach § 2 Abs. 2 Satz 1 SGB V grundsätzlich sich auf einen Sachleistungs- und nicht auf einen Kostenerstattungsanspruch bezieht, richtet sich der Leistungsanspruch auf Inanspruchnahme von nach § 75 SGB V zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassene Vertragsärzte. Gemäß § 76 Abs. 1 SGB V können die Versicherten nur unter den zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassenen Ärzten frei wählen.

Karin61
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Re: Aok oh weh oh weh

Post 14 im Thema

Beitrag von Karin61 » Fr 2. Sep 2016, 19:20

Hallo Uta,

freut mich fir Dich, dass Du mit der HET begonnen hast. Ich habe wenige Tage davor begonnen und fühle mich seit der Rezeptausstellung durch die Frauenärztin bzw. den etwas verzögerten Beginn so unglaublich gut
und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr; und auch die Nebenwirkung "Depressionen" hab ich bisher nicht; und so manches ist wohl auch Kopfsache, ich glaube nicht, dass so schnell schon eine Wirkung auftritt.
Ich hoffe für Dich, Du hast ähnlich gute Gefühle und Erfahrungen.

Hinsichtlich der Aussage betreffs Rechtsbehelfsbelehrung und Ungültigkeit des Bescheides im Beitrag von Amadee bin ich sehr zurückhaltend. Nachdem ich aber in einem anderen Thread einmal eine rechtliche Bewer-
tung gemacht habe und dafür abgekanzelt und faktisch beleidigt wurde, war mir das eine Lehre mit den entsprechenden Konsequenzen meinerseits. Mit dem 1.Staatsexamen Jura und über 30 Jahre Erfahrung im
öffentlichen Recht, insbes. Verwaltungsrecht, brauche ich mir das nicht mehr antun.
Ich denke aber vor allem an diejenigen, die nur mitlesen und empfehle in Zweifelsfragen einen Rechtskundigen zu Rate zu ziehen und ggf. einen Rechtsanwalt zu konsultieren.

Ich werde in Kürze auch mit der Bart-Epi beginnen, einen entsprechenden Antrag stellen und bin schon gespannt, was mich erwartet.

Alles Gute und viel Glück!

LG

Karin

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Re: Aok oh weh oh weh

Post 15 im Thema

Beitrag von Franka » Fr 2. Sep 2016, 20:05

Hallo Zusammen,

gab die erste Antwort meiner Kasse, keine Ablehnung, aber ich soll noch folgende Unterlagen einreichen:
- konkreter Leistungsantrag (was immer das ist)
- eigener biografischer Bericht zum transsexuellen Werdegang, den bisherigen Behandlungsmaßnahmen und der bisherigen Alltagserprobung sowie zur aktuellen Lebenssituation im Hinblick auf Familie und Partnerschaft, Wohnen, Schule, Beruf, Arbeit, Freundes- und Bekanntenkreis, Freizeit und Hobbys (frage mich was die das angeht)
- Atteste des behandelnden Psychologen (haben die doch schon, die haben mir doch gerade erst 25 Therapiestunden deswegen bewilligt)

Geht also in die Verlängerung

LG Franka

PS: Wenn ich denen dann schon all den Kram zuschicke, werde ich auch gleich eine neue Versichertenkarte auf Franka und Geschlecht weiblich beantragen :mrgreen:
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