TSG - Nein danke?
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Hilfe und Selbsthilfe
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nicole.f
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TSG - Nein danke?

Post 1 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 29. Aug 2014, 00:55

Hallo Ihr Lieben!
Vielleicht kann mir ja mal jemand hier einen Tipp geben... seit einiger Zeit beschäftigt mich der Gedanke, ob ich die Vornamens- und Personenstandsänderung mittels TSG wirklich machen soll?

Also jetzt nicht falsch verstehen - Gutachten etc. wäre nicht das Problem, das erste ist auch schon "fast" geschrieben (wenn der Pscho Heini das endlich mal fertig schreiben würde). Auch wäre es hier und da wohl ganz praktisch, wenn die Papiere dann auch zur Gesamterscheinung und Persönlichkeit passten.

Doch dann überlege ich mir eben, so wie es jetzt ist, so komme ich eigentlich schon ganz gut klar. Im Alltag kann ich praktisch überall mit dem neuen Namen auftreten, Plastikgeld bekomme ich jetzt auch, Reisen sind kein Thema etc. Krankenhaus hatte ich auch gerade probieren dürfen, auch kein Problem. Also warum sollte ich mich jetzt dem Gutachter- und Gerichtskram aussetzen? Davon abgesehen, dass es mich signifikant viel Geld kosten würde. Der jetzt noch mögliche Zusatzgewinn dadurch ist gering.

Es gibt Dinge, die werden mich aber weiterhin stören - da steht der falsche Name im Handelsregister und im Impressum der Webseite meiner Firma. Da ist der falsche Name Geschäftsführer. Und wenn wir hier in Siegen wirklich bald einen Verein gründen sollten, dann steht da möglicherweise der falsche Name im Vereinsregister. Das ist nicht schön, aber damit könnte ich leben.

Ich bin also in der Position, in der das TSG für mich optional geworden ist. Ich bin nicht darauf angewiesen, auch wenn mich die Unzulänglichkeiten schon stören.

Ich überlege daher gerade ernsthaft, den Antrag nicht abzuschicken, um meinen eigenen Leidensdruck zur Abschaffung des TSG aufrecht zu erhalten - denn das ist ein politisches Ziel, für das ich voll und ganz eintreten würde. Der Gutachterzwang muss weg! Und mein Interesse daran könnte erlahmen, wenn ich dem System nachgebe und mich dem Zwang beuge.
Also beuge ich mich nicht, sondern lehne mich auf!

Macht das Sinn?

Liebe Grüße
nicole
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ab08
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Re: TSG - Nein danke?

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Fr 29. Aug 2014, 07:55

Hallo Nicole,

"Macht das Sinn?"
Das hängt von Dir ab. Berufliche Situation und Randbedingungen spielen da sicher eine Rolle.
Ich kenn eine prominente TS (GAOP!), die das Prozedere bis heute ablehnt, und daher weiter die ursprünglichen Papiere benutzt.
Aus beruflichen Gründen waren bei mir korrekte Papiere entscheidend, daher machte ich das Theater halt mit.
Es ist durchaus möglich, dass meine Entscheidung, bei anderer Ausgangslage, dagegen, so wie von Dir angedacht, ausgefallen wäre.

Liebe Grüße
ab
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petra
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Re: TSG - Nein danke?

Post 3 im Thema

Beitrag von petra » Fr 29. Aug 2014, 10:43

hallo menschen
nicole.b hat geschrieben:...Ich bin also in der Position, in der das TSG für mich optional geworden ist. Ich bin nicht darauf angewiesen,
auch wenn mich die Unzulänglichkeiten schon stören.
Ich überlege daher gerade ernsthaft, den Antrag nicht abzuschicken, um meinen eigenen Leidensdruck zur Abschaffung des
TSG aufrecht zu erhalten - denn das ist ein politisches Ziel, für das ich voll und ganz eintreten würde. Der Gutachterzwang
muss weg! Und mein Interesse daran könnte erlahmen, wenn ich dem System nachgebe und mich dem Zwang beuge.
Also beuge ich mich nicht, sondern lehne mich auf!
Ich befinde mich unerwartet!! in der gleichen situation. ich sehe den sinn der gutachten und des benötigten gerichtsbeschlusses
auch nicht so ganz. daher werde ich das, stand heute, auch nicht durchziehen. nicht zuletzt auch wegen der abnorm hohen
kosten. so wie ich gehört habe, könnte ich z.b. plastikgeld auch für Petra bekommen, da meine bank in der beziehung sehr kulant
ist. weiter bin ich zur zeit nicht in der öffentlichkeit unterwegs, sodass die ec-karte eigentlich das einzige wäre. und ich hoffe, dass
für mich auch der dgti-ausweis bei anderen dingen ausreichend ist.
also kein geld für die ohnehin überlasteten gutachter und gerichte!!

LG
Petra
wer anderen ihr anderssein nicht verzeihen kann,
ist noch weit ab vom weg der weisheit.

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Re: TSG - Nein danke?

Post 4 im Thema

Beitrag von Ninakadin » Fr 29. Aug 2014, 11:45

Hallo Nicole,

da nimmst Du schon etwas auf Dich für die "gute Sache". Die VÄ/PÄ schafft für Dich rechtliche Sicherheit. Z.B. wenn Du irgendwo eine Einzugsermächtigung erteilen willst und der Kontoinhaber identisch mit dem Antragsteller sein muss. Oder wenn Du im Schwimmbad in der Damenumkleide bist, dann bist Du definitiv richtig, niemand kann etwas anderes behaupten. Du hast überall einen Anspruch, dass man Deinen "richtigen" Namen und Anrede benutzt. Die Diskrepanzen davor haben mich schon schwer genervt. Und das betrifft nur Deutschland. Bei Auslandsreisen kann es dann mit den falschen Papieren schon richtig dumm laufen, z.B. bei der Einreise oder auf einer US-amerikanischen Damentoilette, da kannst Du schon mal das lokale Gefängnis von innen sehen. Natürlich musst Du da nicht hinreisen, du musst auch keine Einzugsermächtigungen ausstellen, usw. Ich will auch nur sagen, dass Du Dich mit so etwas nicht mehr auseinandersetzen musst, wenn die VÄ/PÄ durch ist.

Aber Du suchst ja sowieso nicht den leichten Weg. Und dafür hast Du meinen Respekt!

LG,
Nina

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Re: TSG - Nein danke?

Post 5 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Fr 29. Aug 2014, 13:01

Hallo Nicole,

ich finde Deine Überlegungen sehr nachvollziehbar und berechtigt. Ich überlege für mich auch seit Monaten, ob ich den ganzen kostspieligen Prozess zu VÄ/PÄ auf mich nehmen soll. Im Alltag brauche ich die richtigen Papiere ebenfalls nicht, ich werde auch so als Frau anerkannt. Zu meiner männlichen Vergangenheit stehe ich auch, meine Homepage führt in der Adresse noch den männlichen Namen, und Besucher werden dann von mir mit meinem weiblichen Namen begrüßt, und natürlich gibt es eine offene Erklärung für diesen Zustand. Alle Reaktionen auf meine Seite sind seit der Umstellung ausschließlich an Frau T. gerichtet gewesen. Dass ich den Gedanken an eine Änderung meiner Papiere noch nicht aufgegeben habe, sondern nur vor mir her schiebe, liegt an dem Wunsch, künftig auch wieder zu verreisen, und das nicht nur wie jetzt nach Kroatien, was sicher unproblematisch sein wird, sondern auch mal wieder nach Russland, China oder in die islamische Welt. Als Frau, die anhand ihrer Papiere als Mann identifizierbar ist, möchte ich zur Zeit nicht nach Russland fahren, da vielleicht sogar eher in die Türkei oder nach China. Da zur Zeit solche Reisen nicht anstehen, warte ich ab und hoffe darauf, dass sich die Rechtslage auch hierzulande so ändert, dass der Gerichts- und Gutachterquatsch entfällt.

LG,
Nicoletta
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Re: TSG - Nein danke?

Post 6 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 29. Aug 2014, 15:11

Hallo Ihr Lieben!
Danke für die vielen tollen Kommentare!

Ja, es ist richtig, einfacher und leichter wäre es wohl, sich einfach dem Unsinn auszusetzen, zähneknirschend das Geld auszugeben und es dann endlich hinter sich zu haben. Das ist in der Tat eine schöne Aussicht - endlich Ruhe von dem ganzen Unsinn, ein für allemal.

Doch dann denke ich mir, die Unzulänglichkeiten die einem dabei so begegnen, die merkt man erst, wenn man in diese Situationen wirklich kommt. Und erst dann fängt man auch wirklich an darüber nachzudenken und vielleicht mögliche Alternativen zu suchen - so wie die Sache mit meiner Bank und den Karten. Keiner wusste so genau warum da was nicht oder vielleicht doch geht. Jetzt wissen wir es ein Stückchen besser, weil ich die Notwendigkeit und den Willen hatte, das endlich mal zu klären. Dererlei Situationen werden sicherlich noch mehr in den nächsten Monaten auftauchen. Hätte ich dann die richtigen Papiere in der Hand, würde ich gar nicht merken, wo es überall klemmen könnte.

Ich gebe gerne zu, dass ich mich in der glücklichen Position befinde, dass für mich nichts davon abhängt, diese Papiere nun zu haben oder nicht zu haben. Das ist für andere sicherlich anders. Ich kann es aber noch offen auf mich zukommen lassen und vielleicht auf diese Weise meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass andere es einmal einfacher und besser haben werden. Vielleicht gerate ich aber auch in ein paar Monaten oder schlimmstenfalls Jahren in die dumme Lage, wo mir die fehlende amtliche Anerkennung mal wirklich einen großen Nachteil oder andere Unbilgen einbringt. Wer weiß. Doch auch dann sollte es eigentlich nur zusätzlicher Ansporn sein, noch stärker darauf hin zu wirken, dass es für alle und für alle Zeit endlich aufhört.

Viva la revolución !
Also gut, dann sei es hiermit beschlossen und verkündet:
Meine VÄ/PÄ ist hiermit auf unbestimmte Zeit verschoben - entweder bis ein Widerstand zu groß wird (hoffentlich nicht) oder bis eine gesetzliche Regelung in Kraft tritt, die akzeptabel erscheint.
Für Letzteres werde ich mich ab sofort aktiv einsetzen. Und ich werde mich in dieser Übergangsphase dafür einsezten, lebbare alternative Wege und Möglichkeiten zu finden, sowie die wirklichen Grenzen auszuloten.

*Puh*... na wenn das man gut geht :)

Einen Widerstand habe ich da allerdings schon in Aussicht, nämlich eine mögliche GaOp... ich hoffe ich komme damit noch eine Weile klar. Meine private Kasse macht die VÄ/PÄ zur Vorausstzung für die GaOp. Ob das korrekt ist, weiß ich auch noch nicht, aber das ist deren aktuelle Auskunft dazu. Noch strebe ich keine GaOp an. Doch wer weiß schon, was in einem Jahr sein wird? Oder in zwei? Drei?

@Nina... ja, es ist schon komisch, das war bei mir aber schon immer so... ich mache fast nichts wie "alle" anderen... fängt ja schon damit an, dass ich mich gegen meine Biologie auflehne :) Wie oft habe ich das schon von Ämtern, Behörden oder x-beliebigen Dienstleistern hören müssen "Da sind sie aber die erste, die...". Sagte auch jüngst der Psychologe wieder, als ich ihn fragte, was mich denn das Gutachten nun kosten würde (er konnte mir weder Kosten noch Zeitrahmen nennen, bis heute!). Vielleicht wurde es endlich mal Zeit, dass jemand das was "alle" machen hinterfragt. Oft genug kamen dabei jetzt auch schon ganz wunderbare Dinge heraus. Mal sehen was mir hierbei nun noch so alles passiert und wie lange ich es aushalte.

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 7 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Fr 29. Aug 2014, 15:43

Hallo Nicole,

viele userinnen haben ja oben ihre Meinung zur VÄ/PÄ bekundet. Und da schließe ich mich gerne denjenigen an, die dir raten, dies auch durchzuführen.
Nun hast du eben bekundet, dass es für dich zurzeit keine Änderung geben wird. M.M. nach vielleicht zu voreilig. Denn wie bekannt, gibts xxx Fallstricke, die dir dein Leben schwerer machen können. Ob nun Auslandsfahrten, Versicherungen, Käufe verschiedenster Art (Auto, Möbel, usw.) überall wird dein männlicher Name auftauchen. Also mir wäre all das echt zu viel und vor allem zu blöd. Und nicht gerade erbauend wirkt sich meiner Meinung nach auch eine mögliche Änderung des gesamten Procedere aus da Gesetzesänderungen, sollten sie denn wirklich kommen, an sich haben, dass sie ewig und ewig dauern.
Ich habe diese "personenstandsbezogene Instinktlosigkeit" zwar hinter mir, aber immer noch keinen rechtsgültigen Beschluss. Obwohl schon einige Monate vergangen sind. Und trotzdem ist´s mir so lieber, da dann mit dem blöden "Herr" und "er" endgültig Schluss ist.
Liebe Grüße
Chrissie

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Re: TSG - Nein danke?

Post 8 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 29. Aug 2014, 15:56

Hallo Tina!
Du triffst eine Menge Nägel direkt auf den Kopf!
tinaj hat geschrieben:Hallo, Nicole!

Ich habe mich in dieses Thema noch nicht ganz eingelesen, um genaueres über das Zustandekommen des TSG zu wissen. Im Idealfall werden sich wohl Experten (und vielleicht Betroffene?) über die Problematik Gedanken gemacht haben, um eine möglichst akzeptable Lösung zu finden. Zumindest hoffe ich das.

Nicht nur eine Änderung zu fordern, sondern selbstlos am eigenen Beispiel sich gegen dieses Gesetz aufzulehnen erfordert Mut und verdient großen Respekt!
Danke :) Auch wenn es noch nur eher Lippenbekenntnisse sind, wie ich oiffen zugebe. Doch der Wunsch ist schonmal da. Mal sehen was daraus wird.
tinaj hat geschrieben: Ob es für dich Sinn macht, kann niemand außer dir selbst beurteilen. Ganz abgesehen von den großen Steinen, die auf diesem Weg zur Erreichung eines edlen Ziels liegen, bedeutet es sicher auch für dich auf die von dir genannten Möglichkeiten zu verzichten, wenn du deinen politischen Forderungen symbolischen Wert verleihen möchtest.
Ob es für die Belange von betroffenen Transmenschen Sinn macht, würde ich nicht anzweifeln. Da ist wieder auch die Frage, inwiefern Leidensgenossen deine Forderungen – womit du gewiss nicht alleine bist – unterstützen würden. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Für mich persönlich macht es natürlich nur wenig Sinn. Ich habe davon im Erfolgsfall nur zwei Vorteile, ich spare Geld und mir blieben die Gutachten erspart. Doch dafür ecke ich dann in der Zwischenzeit ein paar mal an.

Die Unterstützung von, für und durch andere ist aber völlig klar und existent, daran besteht keinerlei Zweifel.
Gerade das Waldschlösschen Trans*Aktiv Treffen hat dies auf beeindrucken Art und Weise gezeigt. Die Teilnehmerzahl zum letzten Jahr hat sich fast verdoppelt und dennoch gab es keinerlei Zank oder den üblichen Zickenkrieg. Natürlich gab es unterschiedliche Meinungen im Detail. Doch schnell hat man einen Konsens gefunden. Das war großartig! Auch wenn es nicht explizit ausgesprochen oder formuliert wurde, aber so schreibt die Waldschlösschenerklären die Entpathologisierung als eines der höchsten Ziele dieser Gruppe fest: http://www.transinterqueer.org/aktuell/ ... gstreffen/

Also ja, die Unterstützung ist definitiv da, gar keine Frage.
tinaj hat geschrieben: Wenn eine Initiative ins Leben gerufen wird, sollte sie auch möglichst allen offen stehen, was sich von selbst versteht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Toleranz fordern und gelegentlich selbst die Intoleranten sind, auch untereinander. Eventuell macht es Sinn sich nach Befürwortern aus allen politischen Lagern umzusehen, um den Forderungen nicht nur individuellen sondern universellen Charakter zu verleihen. Mir persönlich gefällt es nicht, dass unsere Belange zum Nischenprodukt für die Grünen oder Linken verkommen sind (nichts gegen die Linken oder Grünen!). Vielleicht sträuben sich auch Konservative und Sozialdemokraten oder besser gesagt die etablierten Volksparteien mit den kleineren Oppositionsparteien zusammenzuarbeiten. Einfach nur aus Trotz.
Wo sind die Trans*menschen, die in den Parteien sitzen? Wer weiß, vielleicht sitzen gegenwärtig welche in den Parlamenten der Bundesländer oder der Republik? Wann wird endlich damit angefangen, mit und nicht nur über uns zu sprechen?

Ich bin vom Thema abgekommen, sorry ...

LG
Tina
Es finden gerade große Dinge statt - ich werde zum oder am Wochenende endlich mal den Bericht zu dem Treffen verfassen. Achtung: Der wird *lang*, denn es war viel. Eines kann man wohl ohne viel vorweg zu nehmen sagen: Es gibt zur Zeit in fast allen Regionen Deutschlands Bestrebungen *endlich*, so wie ich es im Forum schon vor Wochen fragte und vorschlug, Interessenverbände für Trans, Inter und Queer zu bilden. In Niedersachen gibt es bereits einen, für Mitteldeutschland entsteht gerade einer, in NRW gibt es erste Kontakte. Ein Hauptthema des Trans*Aktiv Treffens war die Gründung eines Bundeverbandes! Wir werden bald diese Lobby haben, hoffe ich, die unseren Minimalkonsens in die Politik tragen wird. Der Minimalkonsens wird nicht minimal im Sinne von "klein" sein, sondern im Sinn von gemeinsamer Schnittmenge und realistisch erreichbarer Ziele. Die Waldschlösschen Erklärung gibt eine erste grobe Idee davon, was das sein könnte.

Das wird kommen, endlich. Es wird wird wohl noch ein Jahr dauern, bis das alles steht. Doch das es kommen wird, stellt niemand mehr in Frage.

Wir werden zur Zeit auch immer mehr. Immer mehr Menschen trauen sich endlich, zu ihrer Identität zu stehen und sich öffentlich erkennen zu geben. Das ist großartig! Ich glaube, dass wir jetzt langsam eine kritische Masse erreicht haben, die selbstbewusst genug sein kann eigene Forderungen aufzustellen. Wir haben auch politische Mitstreiter und natürlich auch Vertreter_innen in den Parteien und Parlamenten. Bei einem Bevölkerungsanteil von zwar nur ca. 0,1 bis 0,2 Prozent (Transidenter) sind das immerhin ca. 140.000 Leute. Die Wahrscheinlichkeit, dass die alle _nicht_ parteilich oder parlamentarisch aktiv sind, ist gering. Es ist nur wenig bekannt. Das wird sich aber in naher Zukunft ändern, dessen bin ich mir sicher.

Ich bin sehr gespannt auf nächsten Jahre! Für alle, die sich engagieren wollen, ist *jetzt* die absolut richtige Zeit sich einzubringen. Jetzt werden die Weichen für diese Trans*aktive Zukunft gestellt.

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 9 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 29. Aug 2014, 16:22

Hallo Chrissie!
Dornröschen hat geschrieben:Hallo Nicole,

viele userinnen haben ja oben ihre Meinung zur VÄ/PÄ bekundet. Und da schließe ich mich gerne denjenigen an, die dir raten, dies auch durchzuführen.
Nun hast du eben bekundet, dass es für dich zurzeit keine Änderung geben wird. M.M. nach vielleicht zu voreilig. Denn wie bekannt, gibts xxx Fallstricke, die dir dein Leben schwerer machen können. Ob nun Auslandsfahrten, Versicherungen, Käufe verschiedenster Art (Auto, Möbel, usw.) überall wird dein männlicher Name auftauchen. Also mir wäre all das echt zu viel und vor allem zu blöd. Und nicht gerade erbauend wirkt sich meiner Meinung nach auch eine mögliche Änderung des gesamten Procedere aus da Gesetzesänderungen, sollten sie denn wirklich kommen, an sich haben, dass sie ewig und ewig dauern.
Ich habe diese "personenstandsbezogene Instinktlosigkeit" zwar hinter mir, aber immer noch keinen rechtsgültigen Beschluss. Obwohl schon einige Monate vergangen sind. Und trotzdem ist´s mir so lieber, da dann mit dem blöden "Herr" und "er" endgültig Schluss ist.
Liebe Grüße
Chrissie
Es ist natürlich völlig OK, wenn Du es für Dich so als besser empfindest. Es ist toll, wenn Du trotz der Widrigkeiten damit zurecht kommst und den Mist durchgestanden hast. Chapeau!

Doch die von Dir angesprochenen Fallstricke sind es genau, die mich jetzt erst recht interessieren. Welche sind das? Und sind das wirklich Fallstricke? Gibt es nicht vielleicht doch Wege darüber oder darum herum?

Zur Zeit muss ich sagen, auch ohne VÄ/PÄ, taucht der "Herr" und "er" praktisch nicht mehr in meinem Alltagsleben auf. Und das war alleinig meine Entscheidung. Ich bestelle und kaufe meine Sachen als Frau Nicole... und sie kommen auch so an - abgebucht wird noch vom Konto von Herrn N. aber selbst das geht. Das Konto und Käufer nicht übereinstimmen, ist nichts Ungewöhnliches. Reisen? Inlandsflug war bisher kein Problem und innerhalb der EU sollte es auch keines sein - was es noch zu erfahren gilt, aber alles was man liest, bestätigt das. Etwas zu finanzieren, ich nehme an das meinstest Du mit Möbel- oder Autokauf, ja, das würde spannender werden, ja. Das wäre dann mal wieder eine dieser Grenzen. Ohne Konto auf den neuen Namen würde das sowieso schwer werden, mit Gehaltsnachweisen dann nocheinmal schwerer. Das ist ein Gebiet, mit dem ich aber auch vermutlich nicht in Berührung kommen werde, da soetwas weder kurz-, mittel oder langfristig auf dem Programm steht. Auslandsreisen, ja, das könnte spannend werden und darauf wäre ich dann auch gespannt. Vielleicht nochmal USA nächstes Jahr, mal sehen. Völlig klar jedoch ist, dass ich so sicherlich nicht in "kritische" Lönder fahren kann und werde - Russland oder irgendwo nach Saudi oder soetwas. Ja, dessen bin ich mir bewusst. Aber auch das wäre nicht mein Ansinnen. China wiederum würde ich nicht ausschließen. Als Westler_in geniesst man dort doch viele Freiheiten, die der eigenen Bevölkerung nicht zugestanden werden. Auffällig sind wir Westler dort sowieso, da kommt es dann auf Trans* nicht mehr an :)

Ganz klar bleibt der männliche Name noch an einigen Stellen stehen. Doch welche Relevanz wird das für den Alltag haben? Wenn jetzt die Versicherungsschreiben und die Schreiben vom blöden Finanzamt immernoch an Herrn N. kommen? Ich glaube, das ist mir noch egal. Doch wenn ich im Geschäft mit meiner EC Karte zahlen will und man mir dann nicht mehr glaubt, dass das meine ist oder wenn ich beim Arzt mit "Herr ... bitte!" aufgerufen würde, das würde mich fertig machen. Bisher, in den letzten dreieinhalb Monaten, habe ich meinen Alltag eigentlich komplett als "Frau Nicole ..." im Griff. Krankenkasse und Bank (endlich) machen es mit und gaben mir neue Karten.

Die gute Frage ist nun, wo es noch klemmen könnte, was man nicht mehr so leicht in den Griff bekommt? Das gilt es nun zu ergründen :)

Doch bevor Ihr Euch womöglich Sorgen macht, ich werde das ganz sicher nicht auf die Spitze treiben. Wenn es kritisch zu werden droht, dann drehe ich schon ab, so wichtig ist mir das dann auch wieder nicht, dass ich dafür meine Existenz riskieren würde.

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 10 im Thema

Beitrag von Chrissie » Sa 30. Aug 2014, 18:10

Hallo Nicole,

Probleme kann es in allen rechtlichen Dingen geben, bei denen Du mit Nicole unterschreibst (Kaufverträge, Kfz Anmeldung, Kreditvertrãge, berufliche Verträge mit Kunden und Lieferanten. Die wären ohne Namensãnderung anfechtbar und dann ungültig. Im Extremfall könnte man Dir dann sogar versuchten Betrug zur Last legen.

Wenn Du also nicht mit Deinem männlichen Namen unterschreiben willst solltest Du in den sauren Apfel beissen.

Alle geschäftlichen Verträge, die Du als Geschäftsführer aber auch privat mit Nicole unterschrieben hast sind rein rechtlich gesehen null und nichtig.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

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Re: TSG - Nein danke?

Post 11 im Thema

Beitrag von Yasmine » Sa 30. Aug 2014, 18:35

Chrissie hat geschrieben: Probleme kann es in allen rechtlichen Dingen geben, bei denen Du mit Nicole unterschreibst (Kaufverträge, Kfz Anmeldung, Kreditvertrãge, berufliche Verträge mit Kunden und Lieferanten.
Ich bin zwar nicht ganz mit der Materie vertraut, aber da meine ich mich anders zu erinnern, siehe hier:
https://www.muenchen.de/rathaus/dms/Hom ... chuere.pdf

Punkt 4.3.2

Gruß
Yasmine

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Re: TSG - Nein danke?

Post 12 im Thema

Beitrag von Sunny » Sa 30. Aug 2014, 19:16

Ich bin zwar keine Juristin, habe aber in meinem Beruf viel mit Gesetzen zu tun und in der Ausbildung die ein oder andere BGB-Lektion gelernt. Deshalb konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass man ohne VÄ/PÄ mit dem selbstgewählten Namen verbindliche Rechtsgeschäfte abschließen kann.

Ohne die PDF im ganzen gelesen zu haben, kann ich nicht beurteilen, wie gut das ganze Dokument ist. Was dieses Thema angeht, hätte es aber meiner Meinung nach deutlicher formuliert sein können. Man kann es so verstehen, dass der neue Name ohne VÄ/PÄ bei Unterschriften verwendet werden kann, da stimme ich dir zu, Yasmine. Aber sei mir bitte nicht böse... weil ich es mir eben nicht vorstellen konnte, habe ich noch ein wenig weiter gesucht und bei Tante Wiki eine etwas eindeutigere Formulierung gefunden, die es aus meiner Sicht auf den Punkt bringt:
Im Idealfall wird von Verfahrensdauern von zwei bis drei Monaten berichtet. Sehr häufig dauern Verfahren nach TSG, insbesondere wenn Prozesskostenhilfe beantragt wird, ein Jahr und länger, teilweise wegen der Überlastung der Gerichte, teilweise wegen der Dauer der Begutachtung oder der Überlastung von Gutachtern, teilweise durch fehlerhafte Anträge und vor allem durch die bei bewilligter Prozesskostenhilfe gängige Praxis, die Gutachten nacheinander einzuholen. In dieser Zeit sollten die Antragssteller bereits in der neuen Geschlechtsrolle leben und dürfen den selbst gewählten neuen Vornamen auch für Unterschriften nutzen, haben aber noch keine passenden Ausweispapiere. Bank- und Kreditkarten können je nach Bank schon vor der Erteilung der Vornamensänderung umgeschrieben werden. Unstimmige Ausweispapiere können nicht nur im Alltagsleben zu Problemen führen, sondern erschweren es beispielsweise, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen.
Wenn man VÄ/PÄ beantragt hat und nur noch darauf wartet, dass der neue Name amtlich wird, ist die Verwendung des neuen Namens zur Unterschrift rechtlich in Ordnung. Daraus ergibt sich im Umkehrschluss, wenn kein Antrag auf VÄ/PÄ vorliegt, ist der alte Name zu verwenden. Zumindest verstehe ich es so, aber wenn sich jemand besser auskennt, lasse ich mich gerne korrigieren. Ich bin ja nur Interessierte, keine Fachfrau ;-)

Ich erinnere mich, hier irgendwo einmal gelesen zu haben, dass ein praktischer Trick hierbei ist, den Anfangsbuchstaben des alten Namens beim neuen Namen beizubehalten, weil meistens nur mit X. Meier oder Y. Schulze unterschrieben wird. So kann man seine Unterschrift als Bernhardette Müller fühlen, auch wenn es rechtlich als Bernhard Müller gewertet wird, weil eben nur B. Müller da steht. Ist wohl die bequemste Lösung für Verträge, denke ich mal.

LG
Sunny, die gespannt ist, wie Nicoles Versuch ohne VÄ/PÄ zu leben, klappen wird

PS: Für den Fall, dass ich mit den Namen jemandem zu nahe gekommen bin: Das ist nur aus meiner Fantasie, keine Anspielung auf irgendwen :mrgreen:
Frankas glückliche und stolze Bio-Ehefrau

Jaqueline
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Re: TSG - Nein danke?

Post 13 im Thema

Beitrag von Jaqueline » Sa 30. Aug 2014, 19:48

Hi Nicole,
ich kann das "nein danke" im Titel nicht teilen.
Ich bin froh, dass es das TSG gibt.
Ich stecken mitten im Prozess der VÄ/PÄ und ich finde es gut, dass es gesetzlich geregelt ist.
Ich bin sehr oft weltweit unterwegs und da kann ich "Jaqueline" und "Frau ..." nicht immer sofort durchsetzen.
Bei mir muss die VÄ/PÄ so schnell es geht her. Selbst meine Firma ist daran mittlerweile sehr interessiert.

GlG
Jaqueline
Genieße jeden Tag, als sei es dein letzter :-)

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Bayern ist mein Bett
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Re: TSG - Nein danke?

Post 14 im Thema

Beitrag von nicole.f » Sa 30. Aug 2014, 21:02

Hallo Jaqueline!
Jaqueline hat geschrieben:Hi Nicole,
ich kann das "nein danke" im Titel nicht teilen.
Ich bin froh, dass es das TSG gibt.
Ich stecken mitten im Prozess der VÄ/PÄ und ich finde es gut, dass es gesetzlich geregelt ist.
Ich bin sehr oft weltweit unterwegs und da kann ich "Jaqueline" und "Frau ..." nicht immer sofort durchsetzen.
Bei mir muss die VÄ/PÄ so schnell es geht her. Selbst meine Firma ist daran mittlerweile sehr interessiert.

GlG
Jaqueline
Selbstredend ist das TSG zunächst einmal, die berechtigte Kritik aussen vor gelassen, eine zunächst gute Sache. Ich möchte ganz sicher nicht in einem Land leben, in dem es diese Möglichkeit nicht gäbe!

ABER... das TSG hat massive Probleme und die sind seit Jahren bekannt und nichts wurde geändert. Zudem ist der Gutachterzwang völlig überholt, wie es andere Länder ja auch schon mit deren Abschaffung bewiesen haben.

Die Frage, wo es wirklich problematisch würde, werde ich nun sozusagen im Selbstversuch austesten und die Grenzen dann kennenlernen. Ad-hoc sehe ich nicht viele. Klar kann man dann im Ausland nicht entsprechend einreisen, doch danach? Mal sehen...

Ich erwarte mit meiner Aktion auch keinesfalls, dass nun alle "hier" schreien und mitmachen. Nein nein... wer es meint zu brauchen, soll es bitte bitte auch machen! Wenn Du damit besser zurecht kommst, prima!

Aber mir geht es jetzt um das Prinzip.
Wie weit komme ich ohne?
Was kann man an den Grenzen tun?
Wo geht es wirklich nicht mehr weiter?

Es mag schon sein, dass ich in ein paar Monaten auch in Situationen gerate, in denen es nicht geht und ich es dann doch mache. Wer weiß. Doch das mache ich erst dann, wenn ich diese "Not" wirklich habe und nicht prophylaktisch vorher. Und dann werde ich auch froh sein, dass es das TSG gibt, ja! Gar keine Frage. Nur habe ich bis dahin vielleicht auch für andere Betroffene weitere Wege gefunden, den Alltag auch ohne VÄ/PÄ zu meistern und vielleicht mit geholfen, dass das TSG endlich in wesentlichen Punkten reformiert wird.

PS: Für Siegen ist Dortmund zuständig und die Bearbeitungszeiten _ohne_ Komplikationen liegen dort zwischen 6 und 12 Monaten! Und das nachdem die Gutachten vorliegen. Also im schlimmsten Fall ist das eine Zeitspanne von weit mehr als einem Jahr, in dem man auch zurecht kommen können muss, selbst wenn man den Antrag gestellt hätte.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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nicole.f
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Re: TSG - Nein danke?

Post 15 im Thema

Beitrag von nicole.f » Sa 30. Aug 2014, 21:23

Yasmine hat geschrieben:
Chrissie hat geschrieben: Probleme kann es in allen rechtlichen Dingen geben, bei denen Du mit Nicole unterschreibst (Kaufverträge, Kfz Anmeldung, Kreditvertrãge, berufliche Verträge mit Kunden und Lieferanten.
Ich bin zwar nicht ganz mit der Materie vertraut, aber da meine ich mich anders zu erinnern, siehe hier:
https://www.muenchen.de/rathaus/dms/Hom ... chuere.pdf

Punkt 4.3.2

Gruß
Yasmine
Ich habe dazu auch mal meinen befreundeten Anwalt sowie unseren Notar befragt.

Das ganze ist nicht ganz so einfach, wie man das gerne hätte :( Aber auch nicht entmutigend!

Ich bin auch keine Anwältin (IANAL - I am not a lawyer), daher ist das folgende nur meine laienhafte Wiedergabe dessen, was man mir sagte.

Im Grundsatz ist es richtig, man kann diesen neuen Namen führen und auch damit unterschreiben. Aber nicht immer. Das geht vor allem dann nicht mehr, wenn die amtliche Person gefordert ist, z.B. bei einigen Arten von Vertragsschlüssen. Ich bin z.B. Geschäftsführerin einer GmbH. Im Handelsregister steht daher auf jeden Fall der amtliche Name. Muss ich in der Funktion als Geschäftsführung ein Dokument zeichnen, dann muss dies auf den amtlichen Namen ausgestellt sein und auch entsprechend unterschrieben werden, denn die Person mit dem neuen Namen ist nicht für die GmbH handlungs- und zeichnungsberechtigt. Anders ist es aber bei sog. Verträgen des täglichen Lebens. Einfachster Fall (ohne Name) ein Kaufvertrag im Geschäft für zwei Brötchen. Da spielt es keinerlei Rolle, welcher Name hier verwendet würde, selbst wenn es auftauchen würde. Hier geht es um eine einseitige eindeutige Willenserklärung vom Käufer zum Verkäufer. Geht der Verkäufer darauf ein, ist das Geschäft auf jeden Fall rechtsgültig. Hier kommt auch dieser Grundsatz zum Zuge, solange man nicht in betrügerischer Absicht einen falschen Namen verwendet, ist es in Ordnung. Genau so verhält es sich dann z.B. auch mit allgemeinen Geschäftsbriefen. Ich verwende in aller Korrespondent nun den weiblichen Namen und unterschreibe auch damit. Das ist völlig in Ordnung, nur habe ich damit den Status und die Verbindlichkeit eines "normalen" Mitarbeiters und nicht die der Geschäftsführung. Brauche ich aber auch in 99% der Fälle nicht. Sollte es nötig sein - z.B. großer Auftrag, der von der Geschäftsleitung zu unterschreiben ist, dann muss nochmal der Kerl ran. Aber wiederum Bestellungen bei Lieferanten oder dergleichen, geht alles von und an Frau Nicole...

Alles nicht ganz so einfach. Im Zweifelsfall würde ich dringend dazu raten, einen uns freundlich gesinnten Anwalt zu befragen.

Liebe Grüße
nicole
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